Am Tropf?
30. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mit schöner Regelmäßigkeit werden die Staatsleistungen an die Kirchen infrage gestellt. Waren es im vergangenen Jahr noch vor allem FDP-Politiker, die hier vorgeprescht sind, will sich nun die sachsen-anhaltische Linke in Abstimmung mit der Thüringer Fraktion daran machen, die Zahlungen des Staates an die Kirchen auf den Prüfstand zu stellen. In einer Zeit, in der die Länder kräftig sparen müssen, wecken die Dotationen, die allein in Sachsen-Anhalt bei 30 Millionen Euro liegen, schnell Begehrlichkeiten.
Die Kirchen stecken dabei in einem Dilemma: Einerseits gibt es die rechtlich verbrieften Leistungen, die ein Ausgleich für Enteignungen Anfang des 19. Jahrhunderts darstellen. Auf der anderen Seite nagt es an der Glaubwürdigkeit der Kirche, wenn diese scheinbar am Tropf des Staates hängt. Die historischen Hintergründe und die zugrundeliegenden Staatskirchenverträge sind der Öffentlichkeit in der Regel kaum vermittelbar. Schon deshalb wäre eine Ablösung eigentlich der bessere Weg.
Angesichts der Kassenlage scheint der aber wenig wahrscheinlich. Zudem steht soviel fest: Gerade die ostdeutschen Kirchen sind dringend auf das Geld angewiesen. Allein in der EKM machen die Staatsleistungen fast ein Viertel des Haushaltes aus, in Anhalt sind es rund 17 Prozent. Ohne diese Zuwendungen, das wissen die Verantwortlichen auf beiden Seiten, sähe es schnell düster aus in der ostdeutschen Kirchenlandschaft.
Der Glaubwürdigkeit des kirchlichen Zeugnisses kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. So gewinnt die Kirche nicht an Überzeugungskraft, wenn sie allein auf die Rechtmäßigkeit der Staatsleistungen setzt. Vielmehr muss die Kirche offensiv und auch öffentlich darstellen, warum die Zahlungen keineswegs alte Privilegien sind, sondern ein sehr aktueller Beitrag für einen gesellschaftlich notwendigen Dienst. Ansonsten dürfte die Diskussion über die Staatsleistungen weiterhin mit schöner Regelmäßigkeit wieder auftauchen.
Martin Hanusch
Die Verunsicherung ist groß
23. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mitteldeutsche Kirche kritisiert Einschnitte bei kirchlichen Religionslehrern in Thüringen.

Die mitteldeutsche Landeskirche hat die Einschnitte beim Einsatz kirchlicher Religionslehrer in den Thüringer Schulen scharf kritisiert. Obwohl bereits in diesem Schuljahr eine Reduzierung erfolgt sei, habe das Kultusministerium angekündigt, den Einsatz kirchlicher Lehrkräfte weiter zurückzufahren, sagte Bildungsdezernentin Martina Klein am 11. Januar in Erfurt. Dies führe nicht nur bei den betroffenen Lehrkräften zu Verunsicherungen. Zudem wirke sich die Reduzierung auch auf die staatlichen Lehrer aus, die zunehmend an mehreren Schulen eingesetzt würden. »Dies lässt auch Auswirkungen auf die Qualität des Religionsunterrichtes befürchten«, so die Oberkirchenrätin.
Das Thüringer Kultusministerium hat die Kritik unterdessen zurückgewiesen. Die Gestellung von »kirchlichen Bediensteten« sei abhängig davon, inwieweit die Unterrichtserteilung durch staatliche Religionslehrer abgedeckt werden kann. Nur wenn dies nicht der Fall ist, erfolge der Einsatz von kirchlichen Lehrkrätten, teilte das Ministerium auf Nachfrage mit.
Derzeit unterrichten 380 staatliche und 210 kirchliche Lehrkräfte insgesamt 2750 Wochenstunden evangelischen Religionsunterricht an den Thüringer Schulen. Davon entfallen 1500 Stunden auf die staatlichen und 1250 auf die kirchlichen Lehrer. Ursprünglich war in diesem Schuljahr eine Reduzierung um 250 Wochenstunden vorgesehen. Nach Verhandlungen mit dem Kultusministerium konnte die Zahl auf 127 Wochenstunden vermindert werden.
Wegen der bestehenden Unsicherheit drängt die Landeskirche auf einen verlässlicheren Einsatz ihrer Lehrkräfte. »Unser Ziel ist eine Regelung für die nächsten vier bis fünf Schuljahre, damit wir Planungssicherheit bekommen«, erklärte Martina Klein. Das Kultusministerium will sich allerdings nicht festlegen lassen. Der »Gestellungsbedarf« hänge von unterschiedlichen Faktoren ab und müsse für jedes Schuljahr neu bestimmt werden.
Ansonsten fiel die Bilanz der Bildungsdezernentin durchaus positiv aus. So besuchen an den allgemeinbildenden Schulen in Thüringen 27 Prozent der Schülerinnen und Schüler evangelischen Religionsunterricht. Zum Vergleich: In Sachen-Anhalt sind es 18 Prozent. An Gymnasien liegt die Quote sogar bei 35 Prozent. Ein Drittel der Schüler, die Religionsunterricht erhalten, gehört den Angaben zufolge nicht der evangelischen Kirche an.
Dagegen fällt der Bereich der berufsbildenden Schulen deutlich ab. Hier besuchen im Freistaat lediglich 2,4 Prozent den Religionsunterricht (Sachsen-Anhalt: 1,2 Prozent). Ziel der EKM sei es deshalb, den Anteil auf zehn Prozent zu steigern. »Hier«, kündigte die Bildungsdezernentin an, »wollen wir unser Engagement deutlich verstärken.«
Martin Hanusch
»Grenzgänger« in Thüringen
16. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Das Grenzgängerfestival in Sachsen-Anhalt geht nun schon ins 16. Jahr. Nun soll das Kulturfest vom 15. August bis zum 31. Oktober auch nach Thüringen geholt werden. Dietlind Steinhöfel sprach mit René Thumser vom Gemeindedienst der EKM.
Herr Thumser, was genau ist das Grenzgängerfestival und wer verantwortet es?

Ansprechpartner im Gemeindedienst: René Thumser
Thumser: Die Idee, so simpel wie genial, kommt vom Verein »Grenzgänger« aus Sachsen-Anhalt. Viele unserer Dorfkirchen werden nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Sie müssen aber nicht leer stehen. Das Festival will Kultur und Menschen in diese Kirchenräume bringen, was Kirchengemeinde und Dorf beleben kann. Was natürlich nicht bedeutet, dass hier keine Gottesdienste mehr stattfinden sollen. Das Festival ist als Ergänzung gedacht. Viele Gemeinden sind ja schon in dieser Richtung aktiv.
Hätte man nicht auf doppelte Strukturen verzichten und sich an den Magdeburger Verein andocken können?
Thumser: Es gibt keine Doppelstruktur. »Grenzgänger« ist ein eingetragener Verein in Sachsen-Anhalt, der zwar das Ziel hat, Kultur in die Kirchen zu bringen und deren Akteure kirchennah sind. Es ist jedoch eine ganz selbstständige Initiative, auch rechtlich. Der Verein erhält Mittel vom Bundesland Sachsen-Anhalt, die natürlich nicht für Thüringen ausgegeben werden dürfen. Wir stehen im Austausch und greifen auf deren gute Erfahrungen zurück. Gemeindedienst und Verein sind auch mit dem Thüringer Kulturministerium bezüglich des Aufbaus eines Online-Portals im Gespräch. Die EKM unterstützt das Anliegen des Vereins, indem sie einen Teil meiner Stelle beim Gemeindedienst zur Organisation des Thüringer Festivals bereithält.
Trotzdem muss ja vor Ort organisiert werden. Ist das zu leisten bei dem Pensum, das unsere Pfarrerinnen und Pfarrer auf den Schultern tragen?
Thumser: Das Festival, so ist der Grundgedanke, kann und sollte von Ehrenamtlichen gestemmt werden. Die Hauptamtlichen sind nur zuständig, die Kontakte herzustellen und Menschen vor Ort zu gewinnen. Es gibt sicher viele Engagierte, die mit Freude und Liebe eine Veranstaltung organisieren können, weil sie einen Draht zu Kunst und Kultur haben und die Kontakte im Dorf.
Hilfe gibt der Gemeindedienst: So stelle ich gerade einen Künstlerpool zusammen, der abgerufen werden kann. Die Künstler wissen, wo sie auftreten und wie der Honorarspielraum ist. Die Gagen müssen von der Gemeinde durch Eintritt und zum Beispiel Getränkeverkauf aufgebracht werden. Zum anderen habe ich eine Checkliste zusammengestellt, die alle Organisationsschritte enthält. Daneben bin ich für alle Fragen ansprechbar.
Es birgt eine große Chance für Kirchen- und Dorfgemeinde, wenn Gemeindeglieder ermutigt werden, etwas ganz selbstständig zu organisieren und die Hauptamtlichen einfach Gäste sein können.
Zeit und Geduld sind gefragt
12. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Auch Rechnen will gelernt sein, gerade im Blick auf die Finanzen. Foto: bilderbox.com
Geld: Seit dem 1. Januar gilt in der mitteldeutschen Landeskirche das neue Finanzgesetz.
Die Kirchengemeinden und Kirchenkreise der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland – vor allem die in Thüringen – müssen sich auf mehr Eigenverantwortung einstellen.
Wenn Günter Meyn vor Kirchenältesten die Zahlen und Grafiken erläutert, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Der promovierte Bauingenieur aus Weimar kennt sich aus im neuen Finanzsystem der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), das die Synode 2011 verabschiedete und seit 1. Januar gilt. Er weiß, was sich vor allem für die Thüringer verändert und kennt ihre Sorgen.
»Die Gemeindekirchenräte sind dankbar für die Informationen. Wenn die Bilanz jedoch negativ ausfällt, gibt es skeptische Mienen«, sagt der 71-Jährige, der selbst seit Jahren in Kreissynode und im Gemeindekirchenrat ist. Er sieht manches durchaus positiv. »Die Transparenz ist für mich das wichtigste Anliegen«, betont er. Nach der neuen Verordnung könne man die eigene Finanzkraft besser einschätzen. Zudem gebe es nun für einige Jahre Planungssicherheit. Das sei ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Vom Solidarprinzip profitierten die Thüringer, denn es fließe mehr Geld in die Kassen. Ungewohnt sei natürlich die Eigenverantwortung, die nun übernommen werden muss, vor allem bei der Verwaltung der Personalkosten. Da gibt es große Einschnitte. So sei zum Beispiel der Kirchmeister in Weimar, der vor allem Baufragen bearbeitet, bisher überwiegend für die Stadtkirchen zuständig gewesen.
Jetzt müsse er zum einen den neuen Baulastfonds, der von 15.000 auf 170.000 Euro angestiegen ist, verwalten und sich auch um die Dörfer kümmern. Zudem bekommt der Kreiskirchenrat eine höhere Verantwortung bei Finanzentscheidungen. »Große Kirchen können das gut schaffen, bei kleineren wird es schwieriger«, gibt Günter Meyn zu bedenken.
Ebenso in Apolda wird es Veränderungen geben. Die Kirchengemeinde habe zwei Mitarbeiter, für die eine Lösung gefunden werden muss, sagt Superintendentin Bärbel Hertel. »Es gibt drei Möglichkeiten«, zählt sie auf: Die Kirchengemeinde kann die Mitarbeiter übernehmen, muss sie entlassen oder sie werden von allen Kirchengemeinden finanziert. Dann erwarteten diese auch eine Gegenleistung.
Der Küster Robert Bergmann zum Beispiel solle nun 26 Stunden für Apolda arbeiten und den Rest für die Dörfer. »Die normalen Küsterdienste können in Apolda Ehrenamtliche übernehmen, wie das in den Dörfern schon längst gang und gäbe ist. Herr Bergmann muss nicht mehr jeden Handgriff selbst erledigen.« Menschlich sei das schon schwierig, räumt Bärbel Hertel ein. Deshalb müssen die Aufgaben klar geregelt werden. »Auch so eine Arbeit muss sich umstrukturieren lassen«, ist sie sicher. Doch die Superintendentin kann noch gar nicht so richtig einschätzen, wie sich alles entwickelt, und beklagt, dass Informationsveranstaltungen im Vorfeld nicht gut besucht waren. Auch deshalb gäbe es noch viel Unsicherheit.
Im Norden der EKM ändert sich weniger. Michael Kleemann, Superintendent in Stendal, sieht die Finanzlage seines Kirchenkreises stabil. »Das neue Finanzsystem bringt im Augenblick keine erruptionsartigen Veränderungen«, sagt er. Doch als Kleemann vor 14 Jahren als Superintendent anfing, wurde die finanzielle Eigenständigkeit gerade eingeführt. »Das war ein langer Lernprozess«, erinnert er sich.
Inzwischen diskutiere niemand mehr, dass von Pachteinnahmen 80 Prozent an den Baulastfonds abgeführt werden müssen. Und die Gemeinden sehen, dass dadurch auch für sehr kleine Gemeinden manches möglich ist, die das sonst nie gestemmt hätten. Zudem würden die Leute ganz anders Geld einwerben, auch weil sie wissen, was damit passiert.
Dass die Länderunterschiede bei der Finanzierung des Religionsunterrichts zum Beispiel in Thüringen mehr Probleme bereiten, macht Günter Meyn Kopfzerbrechen. Es wird einige Jahre dauern, bis Lösungen gefunden sind und das gemeinsame Finanzsystem in allen 37 Kirchenkreisen gleichermaßen akzeptiert wird.
Dietlind Steinhöfel
Energiewende mit der Kirche
9. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat sich das Ziel gesetzt, ihren eigenen Strombedarf mit erneuerbaren Energien komplett selbst abzudecken. Dietlind Steinhöfel sprach mit Finanzdezernent Oberkirchenrat Stefan Große.
Die EKM will in erneuerbare Energien investieren. Was heißt das?
Große: Schon auf der Herbstsynode vor einem Jahr war auf Antrag des Sonderausschusses für Klima, Umwelt und Landwirtschaft beschlossen worden, dass die Landeskirche prüft, inwieweit sie auf kirchlichen Gebäuden und Grundstücken in erneuerbare Energien investieren kann. Das Ergebnis: Wir können mit fünf Windkraftanlagen den Bedarf der EKM von geschätzt 33 Millionen Kilowattstunden Strom abdecken. Die Standorte müssen gut gewählt sein. Das dauert natürlich. Im Moment ist eine erste Anlage bei Halle geplant.
Wie soll das finanziert werden?
Große: Hier werden keine laufenden Haushaltsmittel benötigt, sondern wir verwenden freie Geldmittel aus Vermögensanlagen. Daher muss ja auch die Rendite stimmen. Das wird juristisch und steuerrechtlich sauber geregelt. Wir gliedern diesen Bereich in einen »Betrieb gewerblicher Art« aus.
Inwieweit betrifft dieses Vorhaben die Kirchengemeinden?
Große: Zum einen werden Standorte für die Anlagen gebraucht. Da schauen wir natürlich zuerst, ob wir Kirchengrund pachten können. Dann sind alle Gemeinden gebeten, ihre Möglichkeiten zu prüfen, Photovoltaikanlagen zu installieren. Dazu hat die Synode im Ausgleichsfonds 250.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld ist zweckgebunden. Das Baureferat erarbeitet jetzt Vergabekriterien.
Solaranlagen auf Dächern, vor allem bei Kirchen, sind natürlich immer mit der Denkmalpflege abzustimmen. Aber inzwischen gibt es Module, die vom Design den Denkmalkriterien entgegenkommen. 2010 hat die Landeskirche eine Handreichung »Aktiv für den Klimaschutz« herausgegeben, die Gemeinden wichtige Hinweise hierzu gibt.

Wie viel alternative Energie erzeugt die EKM jetzt schon?
Große: Die Ergebnisse einer Umfrage innerhalb der Landeskirche besagen, dass Gemeinden zurzeit 24 Photovoltaikanlagen installiert haben, davon sechs auf Kirchendächern. Nach unseren Einschätzungen könnten 23 weitere entstehen – auf Gebäuden oder Grundstücken, ohne dass die Denkmalpflege eingeschaltet werden muss. Zudem könnten größere Solaranlagen auf brachliegenden ehemaligen Militär-, Industrie- oder Gewerbeflächen gebaut werden.
Ist die Nutzung von Erdwärme eine weitere Alternative?
Große: Erdwärme hatten wir beim Neubau des Landeskirchenamtes geprüft, aber das war nicht möglich. Für uns kommt die derzeit wichtigste und effiziente saubere Energie aus Windkraftanlagen. Kritikern kann ich nur sagen: Wir Menschen hinterlassen stets unseren Fußabdruck, ganz gleich, welche technische Lösung wir suchen. Wer gegen Kernkraft und Kohle ist, braucht vielfältige Alternativen.
Schwerpunkte setzen
14. Oktober 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Im Gespräch: Personaldezernent Christian Frühwald über die weitere Personalplanung und die Situation beim Nachwuchs.

Christian Frühwald
Herr Dr. Frühwald, wie steht es um den Nachwuchs? Droht der Kirche demnächst ein Theologenmangel?
Frühwald: Nein, ein Theologenmangel ist nicht zu befürchten. Als EKM haben wir in den letzten Jahren einiges getan, die Attraktivität des Pfarrberufes und unserer Landeskirche zu erhöhen. Wir haben offen und klar mit unserem Nachwuchs geredet und so auch die gegenseitigen Erwartungen abgeglichen. Das sorgt nicht nur für mehr Nachwuchs aus der eigenen Landeskirche, sondern zieht auch Studierende, Vikare und Pfarrerinnen aus anderen Landeskirchen an.
Und was ist mit den vakanten Pfarrstellen, die längere Zeit nicht besetzt werden konnten?
Frühwald: Mit ein bis drei Prozent haben wir im Bundesdurchschnitt eine sehr geringe Vakanzquote. Der Durchschnitt im EKD-Vergleich liegt zwischen fünf und acht Prozent, also deutlich höher. Dass für Gemeinden und Mitarbeitende jede einzelne Vakanz eine zu viel ist, ist subjektiv verständlich, aber insgesamt nur ein kleiner Ausschnitt unserer Realität.
Kritik wird immer wieder an der Zahl der Projektstellen laut. Verstehen Sie den Unmut in den Gemeinden?
Frühwald: Emotional kann ich den Frust in Gemeinden, in denen Pfarrstellen reduziert werden, verstehen. Sachlich möchte ich festhalten, dass die Projektstellen zu zwei Dritteln in den Kirchenkreisen angesiedelt sind und so die Gemeinden entlasten oder unterstützen.
Auch andere Projektstellen wie zum Beispiel in der religionspädagogischen Ausbildung von Kindergärtnerinnen dienen der Arbeit vor Ort in den Kirchengemeinden. Wir müssen einfach ein begrenztes Reservoir an flexiblen Stellen vorhalten, um gezielt Schwerpunkte zu setzen.
Wo sehen Sie die wichtigsten Aufgaben bei der Personalplanung in den nächsten Jahren?
Frühwald: Die Personalplanung der Landeskirche haben wir bis 2022 gerade beschlossen. Das Signal an unseren Nachwuchs ist klar: Wer gut und geeignet ist, hat als Pfarrerin und ordinierter Gemeindepädagoge bei uns gute Chancen. Die EKM ist ein verlässlicher Dienstgeber und Partner auch in Zukunft.
Was wird mit den Konfliktfällen, bei denen eine Lösung noch aussteht?
Frühwald: Das sind, entgegen mancher Behauptungen, sehr wenige. Als ich kam, waren es sehr viel mehr. Manche Konflikte konnten noch bereinigt werden, andere müssen vom Landeskirchenamt weiter bearbeitet werden. So sind es ja keine Konflikte des Personaldezernenten mit einzelnen Pfarrern. Es ist Aufgabe des Landeskirchenamtes, Konflikte zu lokalisieren und ihre Lösung zu betreiben. Das Landeskirchenamt wird daher die wenigen derzeit schwelenden Konflikte weiter professionell bearbeiten.
Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
Frühwald: Ich gehe als beschenkter Mensch aus diesem Dienst. Mit den vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen, vor allem aus unserem Nachwuchs, ist mir um die EKM nicht bange. In diesen Jahren konnte ich vieles lernen und dabei viel gestalten. Als Region habe ich Magdeburg und Sachsen-Anhalt ins Herz geschlossen, Thüringen kannte ich ja schon früher. Auch unsere Kirchenkreise in Sachsen und Brandenburg haben sich positiv in mein Gedächtnis gebrannt.
Der Gottesdienst zur Verabschiedung am 14. Oktober in der Marktkirche in Halle beginnt um 13 Uhr.
Gemeindebriefpreis ausgeschrieben – Visitenkarte der Gemeinde
24. Februar 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Evangelischer Presseverband und mitteldeutsche Landeskirche haben einen Gemeindebriefpreis ausgelobt. Hier kommen die Teilnahmebedingungen.
Sie sind die Visitenkarten der Kirchengemeinden und die heimlichen Riesen in der evangelischen Medienlandschaft: die Gemeindebriefe. In den meisten Gemeinden der mitteldeutschen Kirche und Anhalts gibt es inzwischen Publikationen, die regelmäßig über das gemeindliche Leben informieren.
Nach jüngsten Untersuchungen erreicht das Medium Gemeindebrief mehr als zwei Drittel aller evangelischen Haushalte. Die Machart ist dabei sehr verschieden und reicht von einfachen Informa tionsblättern bis zu aufwendig gestalteten Heften. Doch unabhängig von der gegenwärtigen Gestaltung gibt es zumeist noch »Luft nach oben«.
Der Evangelische Presseverband in Mitteldeutschland, Herausgeber der Kirchenzeitung »Glaube+Heimat«, und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) haben deshalb einen Gemeindebriefpreis ausgelobt. Anders als bei herkömmlichen Wettbewerben soll nicht einfach der schönste oder beste Gemeindebrief prämiert werden. Ausgezeichnet werden vielmehr Veränderung und Weiterentwicklung des Gemeindebriefkonzeptes. Es ist also ein echter Innovationspreis.
Dem entsprechen auch die Kriterien: Neben der Gestaltung (Layout und Bilder), Übersichtlichkeit (Struktur und Orientierung) sowie Themenauswahl und Darstellungsformen sollen auch andere Aspekte zugrundegelegt werden:
- Wie werden die unterschiedlichen Generationen angesprochen?
- Wie wird gemeindliches Leben nach außen vermittelt?
- Welche Anstrengungen hat die Gemeindebriefredaktion unternommen, zu ökologischen Lösungen zu kommen (Papier und Verbreitung)?
- Mit welcher Sorgfalt geht die Redaktion an die Arbeit?
Schließlich ist der Gemeindebrief auch eine Art »Liebesbrief an die Gemeinde«.
Alle diese Kriterien sollen bei der Auswahl und Prämierung eine Rolle spielen.
Als Preisgelder winken 1.500 Euro für den Sieger, 1.000 Euro für den Zweit- und 500 Euro für den Drittplatzierten. Die Schirmherrschaft des Gemeindebriefpreises hat der EKM-Gemeindedezernent, Oberkirchenrat Christoph Hartmann, übernommen. Einsendeschluss für teilnehmende Redaktionen ist der 31. Oktober 2011.
Eine namhaft besetzte Jury, zu der unter anderem die Erlanger Publizistikprofesssorin Johanna Haberer gehört, wird die Gemeindebriefe und die vorgelegten Gemeindebriefkonzepte analysieren, vergleichen und die überzeugendste Weiterentwicklung auszeichnen. Eingereicht werden soll je ein Exemplar des Gemeindebriefes vor der Überarbeitung und ein Heft nach der Umstellung, sodass die Veränderung deutlich wird.
Auch Gemeindebriefredaktionen, die bereits im vergangenen Jahr 2010 mit einer Weiterentwicklung begonnen haben, können sich mit ihrem Konzept am Gemeindebriefpreis beteiligen. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass und wie sich die Hefte entwickelt haben. »Glaube+Heimat« wird in den nächsten Monaten regelmäßig Beiträge zu Fragen von Struktur, Layout, Bild- und Textsprache sowie weiteren Aspekten rund um den Gemeindebrief veröffentlichen.
Außerdem soll ein Seminartag für Gemeindebriefredaktionen in Erfurt und Magdeburg angeboten werden. Auch hier ist das Ziel, den Redakteuren bzw. Redaktionsteams das nötige Handwerkszeug zu vermitteln, damit die Gemeindebriefe informativer und übersichtlicher werden, eben eine Visitenkarte der Gemeinde.
Martin Hanusch
Einsendungen richten Sie bitte an den:
Wartburg Verlag,
Redaktion Glaube+Heimat,
Lisztstraße 2a, 99423 Weimar.
Weniger Geld für die Ortskirche?
30. Dezember 2010 von redaktionguh
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In diesen Tagen erhalten die Kirchenkreise der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) den Kollektenplan 2011. G+H befragte Oberkirchenrat Christoph Hartmann vom Dezernat Gemeinde dazu:

Oberkirchenrat Christoph Hartmann
Hartmann: Das hängt mit den unterschiedlichen Traditionen der beiden Gebiete zusammen. Gegenwärtig kümmert sich eine Arbeitsgruppe um einheitliche Kriterien für die Vergabe von landeskirchlichen Kollekten. Diese Kriterien sollen im Rahmen des neuen Finanzgesetzes in Landeskirchenrat und Landessynode beraten und beschlossen werden. Die Angleichung wird jedoch einige Zeit dauern.
Als theologischer Dezernent bin ich der Meinung, dass landeskirchliche Kollekten in Zukunft möglichst nicht für den Ausgleich regulärer Haushalte eingesetzt werden sollten.
Die Sammlung von Kollekten im Gottesdienst geschieht ja an einem liturgisch wichtigen Ort. Sie werden beim Lied nach der Predigt und vor dem Fürbittengebet gesammelt. Die Kollekte ist ein Teil Konkretion dieser Fürbitte. Dankend geben wir von dem, was wir haben, und denken dabei an die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Es ist klar, dass wir an dieser Stelle nicht überwiegend für uns selbst sammeln können.
Für 2011 sind in der ehemaligen Thüringer Landeskirche 24 ortskirchliche Kollekten vorgesehen, im Gebiet der früheren Kirchenprovinz Sachsen 13. Woher kommt der Unterschied?
Hartmann: Auch hier ist auf die unterschiedlichen Traditionen zu verweisen, die durch das neue Finanzgesetz angeglichen werden sollen. Die meisten Gemeinden sammeln zudem am Ausgang die zweite Kollekte für die eigene Arbeit. Bei klarer Trennung der Kollektenzwecke im Gottesdienst und am Ausgang und konkreter Erläuterung des Kollektenzwecks müssen sich die Gemeindekirchenräte um die eigenen Haushalte keine Sorgen machen.
Außerdem wird in Zukunft der Gemeindebeitrag bzw. das Kirchgeld eine wachsende Rolle spielen. Ich weiß, dass es dazu vor allem in der ehemaligen Thüringer Landeskirche heftige Kritik gibt. Diese Debatte müssen wir weiter führen.
Zur Herbstsynode wurde beklagt, dass die ortskirchlichen Sammlungen in den letzten Jahren immer weniger geworden seien.
Hartmann: Ich verstehe diese Sorge sehr gut. Skepsis begleitet nun mal den gegenwärtigen Prozess der Neuorientierung unseres kirchlichen Lebens und Arbeitens. Da werden oft die guten Möglichkeiten, die sich eröffnen, gar nicht gesehen. Ich gehe davon aus, dass wir im Zuge des neuen Finanzgesetzes zu einer auskömmlichen Ausstattung der Haushalte der Kirchengemeinden kommen. Allerdings sind die Mittel, die insgesamt zur Verfügung stehen, rückläufig.
Die Mitgliederzahlen in unserer Kirche sinken. Wirkt sich das auf Kollekten aus?
Hartmann: Bisher ist kein Rückgang zu spüren, da machen wir uns keine Sorgen. Aber wir merken: Je klarer und konkreter der Kollektenzweck ist, umso höher sind die Sammelergebnisse.
Etat ermöglicht neue Spielräume
25. November 2010 von redaktionguh
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Landessynode verabschiedete in Drübeck den Haushalt für 2011.
Finanzdezernent Stefan Große hatte gute Nachrichten zu überbringen.»Mit dem Haushalt 2011 machen wir einen weiteren kräftigen Schritt hin zur finanziellen Stabilisierung der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM).« So müsse die Landeskirche keine Schulden aufnehmen, sondern könne sogar in die Risikovorsorge investieren, sagte er am 18. November vor der im Kloster Drübeck tagenden Synode. Einen Grund für die »entspannte Haushaltssituation« sah der Finanzdezernent in der Fusion sowie in den Einsparungen der vergangenen Jahre. Das schaffe die Basis für künftige »Spielräume«.
Für die Finanzierung der kirchlichen Aufgaben steht im Haushalt für das kommende Jahr eine sogenannte Plansumme in Höhe von 145,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind drei Millionen Euro mehr als im laufenden Etat. Haupteinnahmequellen sind weiterhin die Kirchensteuern mit 81,4 Millionen Euro und der Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit 46 Millionen Euro. Außerdem schlagen die Staatsleistungen mit 34,9 Millionen Euro zu Buche.
Von der Plansumme erhalten die Kirchenkreise und Kirchengemeinden 89,3 Millionen Euro, mit denen in erster Linie die Personalkosten bestritten werden. Knapp 55 Millionen Euro bleiben bei der Landeskirche. Mit 1,6 Millionen Euro unterstützt die EKM die Partnerkirchen sowie den kirchlichen Entwicklungsdienst.
Durch die gute Konjunkturlage, so der Finanzdezernent, könne mit stabilen Kirchensteuereinnahmen gerechnet werden. Allerdings sei offen, wann sich der anhaltende Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen auf die Steuererträge auswirke, räumte Große ein. Die Kirchensteuer als Haupteinnahmequelle folge letztlich den Veränderungen am Arbeitsmarkt, weil nur Gemeindeglieder, die Lohn- bzw. Einkommenssteuer zahlen, zur Kirchensteuer veranlagt werden. Derzeit sind das lediglich 266.000 der 860.000 Mitglieder der EKM.
Deutliche Worte fand Große für die aus dem politischen Raum geäußerte Kritik an den Staatsleistungen für die Kirchen. Diese Zahlungen seien keineswegs »Gnadengaben«, sondern erfüllten die Staat-Kirche-Verträge, die Anfang der 1990er Jahren mit großer Mehrheit von den Landesparlamenten verabschiedet worden sind, betonte Große.
(mkz)
Ein Pfarrer für das »fahrende Volk«
8. Oktober 2010 von redaktionguh
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Conrad Herold wird am Sonntag in Magdeburg als Schaustellerseelsorger der mitteldeutschen Kirche eingeführt.

Will sich der Sorgen der Schausteller annehmen: Conrad Herold. (Foto: kpv)
Seine neue Gemeinde ist groß, sehr groß. Der frühere Magdeburger Pfarrer Conrad Herold muss umlernen, sich auf ständiges Reisen einstellen.
Städte und Dörfer in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen gehören seit dem Sommer zu seinem Aufgabengebiet. Als Zirkus- und Schaustellerseelsorger kümmert er sich um das »fahrende Volk«. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat dafür eine halbe Pfarrstelle geschaffen, nachdem die Betreuung der bundesweit rund 23.000 Menschen, die dort tätig sind, hierzulande auf der Kippe stand.
Auslöser dafür waren die Bitten von Schaustellern und Zirkusleuten an die Synode. Sie wollen auf »ihren« Pfarrer nicht verzichten.
»Dabei sind das keineswegs alles Christen«, sagt Herold. Das Verständnis von Seelsorge spiele bei den Reisenden eine ganz andere Rolle. Sie erlebten kein Leben in einer Glitzerwelt, wie es oftmals scheint. Harte Knochenarbeit, der ständige Ortswechsel und natürlich Zukunftssorgen prägen den Alltag. Der Euro sitze bei den Besuchern längst nicht mehr so locker wie vor Jahren. Da sei ein Gesprächspartner gefragt, der sich der Sorgen annehme, der Zeit hat und der zumindest für die Gläubigen ein stückweit kirchliches Leben aufrechterhält.
Für den Pfarrer bringt die Aufgabe jede Menge neuer Dinge mit sich. Jetzt gilt es, sich erst einmal einen Überblick über Volksfeste und Tourneepläne zu verschaffen. Er weiß, dass ihn ein unstetes Leben erwartet. Darauf habe er sich eingestellt. Die ungewohnte Umgebung sieht er gelassen. Schon immer wollte Herold die Kirche aus den festen Gebäuden herausholen, sie zu den Menschen bringen. Etwas missionarischer Geist steckt in diesem Wunsch drin, gesteht er. Und dabei gelte es, sich seiner Rolle immer bewusst zu sein. »Auf dem Platz bin ich Gast und nicht Hausherr«, lautet das Fazit des 53-Jährigen. Und natürlich reizt ihn das Ungewöhnliche, die Taufen unterm Chapiteau, bei der die Teilnehmer schon mal Applaus spenden, die Gottesdienste im Autoscooter.
Dann blickt er auf die erste große Herausforderung für das kommende Jahr. Es gilt, sich um die Konfirmanden zu kümmern. Bei seinen Aufgaben denkt Conrad Herold auch gern an die eigene Kindheit zurück. »Wir Kinder bekamen damals auf dem Dorf immer etwas Kirmesgeld. Wir genossen die Abwechslung und freuten uns stets auf die Karussells und anderen Attraktionen. Der Duft der gebrannten Mandeln ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.«
Klaus-Peter Voigt







