Etat ermöglicht neue Spielräume
25. November 2010 von redaktionguh
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Landessynode verabschiedete in Drübeck den Haushalt für 2011.
Finanzdezernent Stefan Große hatte gute Nachrichten zu überbringen.»Mit dem Haushalt 2011 machen wir einen weiteren kräftigen Schritt hin zur finanziellen Stabilisierung der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM).« So müsse die Landeskirche keine Schulden aufnehmen, sondern könne sogar in die Risikovorsorge investieren, sagte er am 18. November vor der im Kloster Drübeck tagenden Synode. Einen Grund für die »entspannte Haushaltssituation« sah der Finanzdezernent in der Fusion sowie in den Einsparungen der vergangenen Jahre. Das schaffe die Basis für künftige »Spielräume«.
Für die Finanzierung der kirchlichen Aufgaben steht im Haushalt für das kommende Jahr eine sogenannte Plansumme in Höhe von 145,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind drei Millionen Euro mehr als im laufenden Etat. Haupteinnahmequellen sind weiterhin die Kirchensteuern mit 81,4 Millionen Euro und der Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit 46 Millionen Euro. Außerdem schlagen die Staatsleistungen mit 34,9 Millionen Euro zu Buche.
Von der Plansumme erhalten die Kirchenkreise und Kirchengemeinden 89,3 Millionen Euro, mit denen in erster Linie die Personalkosten bestritten werden. Knapp 55 Millionen Euro bleiben bei der Landeskirche. Mit 1,6 Millionen Euro unterstützt die EKM die Partnerkirchen sowie den kirchlichen Entwicklungsdienst.
Durch die gute Konjunkturlage, so der Finanzdezernent, könne mit stabilen Kirchensteuereinnahmen gerechnet werden. Allerdings sei offen, wann sich der anhaltende Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen auf die Steuererträge auswirke, räumte Große ein. Die Kirchensteuer als Haupteinnahmequelle folge letztlich den Veränderungen am Arbeitsmarkt, weil nur Gemeindeglieder, die Lohn- bzw. Einkommenssteuer zahlen, zur Kirchensteuer veranlagt werden. Derzeit sind das lediglich 266.000 der 860.000 Mitglieder der EKM.
Deutliche Worte fand Große für die aus dem politischen Raum geäußerte Kritik an den Staatsleistungen für die Kirchen. Diese Zahlungen seien keineswegs »Gnadengaben«, sondern erfüllten die Staat-Kirche-Verträge, die Anfang der 1990er Jahren mit großer Mehrheit von den Landesparlamenten verabschiedet worden sind, betonte Große.
(mkz)
Ein Pfarrer für das »fahrende Volk«
8. Oktober 2010 von redaktionguh
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Conrad Herold wird am Sonntag in Magdeburg als Schaustellerseelsorger der mitteldeutschen Kirche eingeführt.

Will sich der Sorgen der Schausteller annehmen: Conrad Herold. (Foto: kpv)
Seine neue Gemeinde ist groß, sehr groß. Der frühere Magdeburger Pfarrer Conrad Herold muss umlernen, sich auf ständiges Reisen einstellen.
Städte und Dörfer in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen gehören seit dem Sommer zu seinem Aufgabengebiet. Als Zirkus- und Schaustellerseelsorger kümmert er sich um das »fahrende Volk«. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat dafür eine halbe Pfarrstelle geschaffen, nachdem die Betreuung der bundesweit rund 23.000 Menschen, die dort tätig sind, hierzulande auf der Kippe stand.
Auslöser dafür waren die Bitten von Schaustellern und Zirkusleuten an die Synode. Sie wollen auf »ihren« Pfarrer nicht verzichten.
»Dabei sind das keineswegs alles Christen«, sagt Herold. Das Verständnis von Seelsorge spiele bei den Reisenden eine ganz andere Rolle. Sie erlebten kein Leben in einer Glitzerwelt, wie es oftmals scheint. Harte Knochenarbeit, der ständige Ortswechsel und natürlich Zukunftssorgen prägen den Alltag. Der Euro sitze bei den Besuchern längst nicht mehr so locker wie vor Jahren. Da sei ein Gesprächspartner gefragt, der sich der Sorgen annehme, der Zeit hat und der zumindest für die Gläubigen ein stückweit kirchliches Leben aufrechterhält.
Für den Pfarrer bringt die Aufgabe jede Menge neuer Dinge mit sich. Jetzt gilt es, sich erst einmal einen Überblick über Volksfeste und Tourneepläne zu verschaffen. Er weiß, dass ihn ein unstetes Leben erwartet. Darauf habe er sich eingestellt. Die ungewohnte Umgebung sieht er gelassen. Schon immer wollte Herold die Kirche aus den festen Gebäuden herausholen, sie zu den Menschen bringen. Etwas missionarischer Geist steckt in diesem Wunsch drin, gesteht er. Und dabei gelte es, sich seiner Rolle immer bewusst zu sein. »Auf dem Platz bin ich Gast und nicht Hausherr«, lautet das Fazit des 53-Jährigen. Und natürlich reizt ihn das Ungewöhnliche, die Taufen unterm Chapiteau, bei der die Teilnehmer schon mal Applaus spenden, die Gottesdienste im Autoscooter.
Dann blickt er auf die erste große Herausforderung für das kommende Jahr. Es gilt, sich um die Konfirmanden zu kümmern. Bei seinen Aufgaben denkt Conrad Herold auch gern an die eigene Kindheit zurück. »Wir Kinder bekamen damals auf dem Dorf immer etwas Kirmesgeld. Wir genossen die Abwechslung und freuten uns stets auf die Karussells und anderen Attraktionen. Der Duft der gebrannten Mandeln ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.«
Klaus-Peter Voigt
Wettstreit
21. Januar 2010 von redaktionguh
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Droht den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Wettstreit im Blick auf das Lutherjubiläum 2017?
Wenn man manchen Berichten der jüngsten Zeit Glauben schenkt, hat das Rennen um die beste Ausgangsposition in der Reformationsdekade längst begonnen. Da werden die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg plötzlich zu Konkurrenten von Wartburg oder dem Lutherstammort Möhra erklärt. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) tut gut daran, sich an solchen Streitigkeiten und Spiegelfechtereien nicht zu beteiligen. Ihr Augenmerk muss vielmehr auf die inhaltliche Ausgestaltung der nächsten Jahre gerichtet sein.
Mit Erfurt, Eisenach, Eisleben, Möhra, Torgau und Wittenberg vereint sie fast alle wichtigen Lutherstätten auf sich, lediglich Schmalkalden und Coburg zählen nicht zu ihrem Gebiet. Diese Fülle an authentischen Orten ist zweifellos ein großes Pfund, mit dem die EKM in der Lutherdekade wuchern kann.
Schon aus diesen Gründen muss der Kirche daran gelegen sein, dass die beteiligten Bundesländer im Blick auf das große Jubiläum intensiv zusammenarbeiten. Ansonsten besteht die Gefahr der Zersplitterung, die niemandem weiterhilft.
Natürlich haben die Länder, was den Tourismus betrifft, eigene Interessen.
Allerdings dürfte sich ein amerikanischer oder skandinavischer Tourist, der auf den Spuren Luthers wandelt, kaum von deutschen Ländergrenzen beeindrucken lassen. Er wird die Wartburg genauso sehen wollen wie das Geburtshaus in Eisleben oder das Schloss Hartenfels in Torgau. Das sollte auch den Verantwortlichen klar sein.
Den Kirchen kann es zudem nicht allein um eine touristische Vermarktung des Reformators gehen.
Im Mittelpunkt aller kirchlichen Bemühungen um das Jubiläum 2017 muss vielmehr die Bedeutung des Reformators für Kirche und Gesellschaft stehen und die Frage, was uns das heute, 500 Jahre danach, zu sagen hat. Im stark säkularisierten »Kernland der Reformation« ist das wohl Aufgabe genug.
Martin Hanusch
Bischofseinführung Ilse Junkermann
4. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Sie ist die erste Frau an der Spitze einer ostdeutschen Landeskirche: Ilse Junkermann. Mit dem Amtsantritt der 52-jährigen Theologin aus Württemberg beginnt auch für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eine neue Zeitrechnung.
Die entscheidende Frage vor der Einführung stellt der bayrische Bischof Johannes Friedrich, leitender Geistlicher der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). »Liebe Schwester Ilse Junkermann, bist du bereit, den Dienst als der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zu übernehmen, mit der Synode und allen, die in der Kirche Dienst tun, zusammenzuarbeiten und deinen Dienst so auszuüben, wie du es in deiner Ordination versprochen hast zur Ehre Gottes und zum Wohl der Kirche Jesu Christi?« »Ja, mit Gottes Hilfe«, antwortet die neue Bischöfin sichtlich bewegt. Zuvor hat der badische Landesbischof Ulrich Fischer, Vorsitzender der Union Evangelischer Kirchen (UEK), auf eine Zäsur hingewiesen. Erstmals stehe nun eine Frau an der Spitze einer ostdeutschen Landeskirche.
Zur feierlichen Einführung der bisherigen Stuttgarter Oberkirchenrätin in ihr neues Amt sind am 29. August mehr als 1200 Menschen in den Magdeburger Dom gekommen. Alles, was in der Kirche Rang und Namen hat, ist dabei: die Spitzen der EKD-Gliedkirchen und Gäste aus der Ökumene ebenso wie die beiden Altbischöfe Axel Noack und Christoph Kähler, dazu zahlreiche Prominente aus Politik und Gesellschaft. »Es passiert ja nicht alle Tage, dass eine Bischöfin eingeführt wird«, kommentiert ein Gast das Geschehen. Beeindruckt sind die Gottesdienstbesucher aber auch von der Atmosphäre im Dom, angefangen vom Einzug über die Einsegnung bis hin zur musikalischen Gestaltung durch drei Chöre und den Auswahlchor des Posaunenwerkes.
Dass die neue Frau an der Spitze der noch jungen EKM die Aufgabe gern übernimmt und sich nicht scheut, auch heiße Eisen anzupacken, wird bereits in ihrer Predigt über das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner deutlich. So warnt Ilse Junkermann einerseits vor einer Frömmigkeit, die leicht in eine heuchlerische Überheblichkeit kippen könne, und fragt, »wie wir mit unserer Frömmigkeit in die säkularisierte Gesellschaft Mitteldeutschlands gehen«.
Zugleich greift sie die aktuelle Situation in der aus der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen entstandenen EKM auf und macht den Menschen Mut, die Unterschiede nicht nur in »groben Strichen« wahrzunehmen. Die beiden nunmehr vereinigten Landeskirchen hätten mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick erscheine, betont die Bischöfin. Bei den Zuhörern im Dom stößt der nachdenkliche und offene Ton durchaus auf Zustimmung. »Wir hoffen, dass sie gut einsteigt, und wünschen, dass ihr die ganze Zusammenführung gelingt«, sagt Christine Brünner aus Bad Sulza, die mit einer Gemeindegruppe nach Magdeburg gekommen ist.
Beifall gibt es schließlich auch beim Festempfang im Domgarten, bei dem der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber den Reigen der Grußworte eröffnet. Er hebt vor allem die Verbindung der lutherischen und unierten Tradition in der neuen Landeskirche hervor, die seit Anfang des Jahres gut 900000 Christen vereint. Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz fordert die Kirche auf, ihre Botschaft so zu vermitteln, dass sie von anderen annehmbar wird, ohne Annehmlichkeiten zu versprechen. Sein Thüringer Amtskollege Bernward Müller spricht von einer »großen und verantwortungsvollen Aufgabe«, die die neue Bischöfin übernehme. In der nunmehr vereinten Kirche müssten nicht nur die Strukturen mit Leben gefüllt werden, sondern auch alle Menschen eine Heimat finden.
Für die katholische Kirche begrüßt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die Amtskollegin. »Als einer gesellschaftlichen Minderheit ist uns Ökumene schon lange kein Fremdwort mehr«, sagt er. Sicher müsse jede Kirche ihren eigenen Weg finden und gehen, und doch dürfte keine Kirche die anderen Christen aus dem Blick verlieren oder bewusst vernachlässigen. Persönlich wird es am Ende, als der württembergische Landesbischof Otfried July und eine kleine Delegation aus dem nordwürttembergischen Dörzbach/Jagst, dem Heimatort Ilse Junkermanns, der neuen Bischöfin alles Gute auf ihrem weiteren Weg wünschen. Die größten Lacher haben freilich die Superintendentinnen und Superintendenten auf ihrer Seite. Sie bringen der Landesbischöfin ein musikalisches Ständchen dar und bereiten sie so auf ihre Aufgaben vor. »Du merkst es schon«, heißt es dort, »du bist im Kernland der Reformation.«
Martin Hanusch







