Welche Frucht tragen wir heute?
3. April 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Von einem Traktor gezogen rumpelt ein doppelachsiger Anhänger über den Feldweg. Beladen mit tausenden von Weizenkörnern, die auf die Aussaat warten. Doch ein Weizenkorn will sich nicht zurück in den Dreck des Ackers werfen lassen, um dort als Saat zu dienen. In einem günstigen Moment lässt sich das Korn vom Hänger fallen und landet unter einem Stein. Hier ist es vor dem Sterben im Acker sicher. Dafür bleibt es allein. Und mit den Monaten vertrocknet es allmählich, sodass es im Herbst selbst von einer Maus verschmäht wird.Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, Vers 24
Nein, so ein Weizenkorn ist Jesus nicht. Er redet in dem Gleichnis von einem Korn, das Ja sagt zu seiner Aussaat, zu seinem Sterben. Ein im Weltmaßstab unscheinbares Korn, das gerade darin reichliche Früchte trägt. Erst durch sein Sterben schafft Christus Leben, indem er als neue, verwandelte Existenz in uns wirkt.
Wäre Jesus nur ein jüdischer Wanderprediger gewesen, so hätte er weise Worte gesagt, über die wir bis heute nachdenken könnten. Als Gottessohn aber hat er seine leibliche Existenzform am Kreuz aufgegeben, um uns das Leben zu ermöglichen. Das Kreuz Jesu trägt Frucht. Und so sind wir heute, Jahrhunderte nach Jesu Sterben und Auferstehen, als seine Frucht selbst Weizenkörner Gottes. Wir sitzen gemeinsam mit anderen Körnern auf dem Anhänger, der zum Feld der Erde fährt. Die Frage lautet nur: Sage ich mit Vorfreude und Spannung Ja zu Gottes Auftrag und Willen für mein Leben – auch wenn dabei eigene Träume oder Vorhaben sterben müssen? Oder springe ich in einem günstigen Moment von der Fuhre ab, um nichts aufgeben zu müssen?
Bis heute leben wir als Frucht des Weizenkorns Jesu, der uns durch sein Sterben Leben ermöglicht. Und bis heute stehen wir selbst vor der Entscheidung, sich vor Gottes Anspruch in Sicherheit zu bringen – oder dem Weizenkorn Jesu zu folgen und Frucht für Gottes Reich und Gottes Welt wachsen zu lassen.
Folker Blischke, Pfarrer in Roßla
Ein gerechter Schiedsrichter des Lebens
24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
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Ja, Gott ist noch Richter auf Erden.
Psalm 58, Vers 12b
Ball und Fuß scheinen eins. Mühelos umdribbelt der Spieler mit der Nummer 10 zwei Abwehrspieler und setzt zum Torschuss an. Da rauscht von hinten mit ausgestrecktem Bein ein Verteidiger heran und tritt den Schützen um. Kein Pfiff ertönt. Während sich der Stürmer vor Schmerzen auf dem Boden wälzt, folgt der Gegenangriff. Nicht nur mit Fußballkunst, sondern mit harten Ellbogenschlägen. Zwischen einzelnen Spielern entsteht ein Ringkampf, in den nach und nach auch Trainer und Zuschauer eingreifen. Chaos pur – doch der Mann in Schwarz bleibt unsichtbar.
Fußball ohne Schiedsrichter. Gott sei Dank wird uns das bei der WM erspart, auch wenn die eine oder andere Entscheidung höchst umstritten ist. Die deutsche Nationalmannschaft musste das zuletzt im Spiel gegen Serbien bitter erfahren. Doch immer ist ein Schiedsrichtergespann beauftragt, Regeln und Fairness durchzusetzen.
Außerhalb des Platzes scheint es anders auszusehen. Da setzen sich die stärksten Ellbogen durch. Da wird eigene Lebensfreude hinterrücks von einer Krankheit umgerissen. Da machen verbale Angriffe das Leben schwer.
Der Wochenpsalm setzt diesem verbreiteten Gefühl von Ungerechtigkeit auf Erden eine erstaunliche Feststellung entgegen: »Ja, Gott ist noch Richter.« Ein Richter, der besser als der beste Schiedsrichter jedes Foul registriert, das uns zugefügt wird. Der auch die Unfairness wahrnimmt, die wir selbst täglich zu verantworten haben oder die wir erleiden müssen.
Gerade für die Zeiten, in denen ich mich anderen Menschen oder einem gesichtslosen Schicksal ausgeliefert fühle, ruft mir der Psalm ins Gedächtnis: Gott ist nicht egal, was hier und in meinem Leben geschieht. Er sieht es, und er wird Gerechtigkeit schaffen. Hier auf Erden und am Ende der Zeiten. Als ein gerechter Schiedsrichter des Lebens, der seine Regeln und Fairness durchsetzt – damit das Spiel des Lebens gelingt.
Folker Blischke, Pfarrer in Roßla







