Hinter Gittern miteinander verbunden

27. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Rundfunkgottesdienst zu Heiligabend mit Landesbischöfin aus der Justizvollzugsanstalt Burg

Der Mann hinter der Glasscheibe bittet uns knapp, Ausweis und Handy abzugeben. Dann geht die Stahltür auf. Wir treten ein. Taschenkontrolle. Summer, Tür auf zum nächsten Flur. Tür fällt hinter uns zu. Warten. Nächste Tür geht auf. Wir gehen durch, wieder fällt sie schwer ins Schloss. Wieder warten. Landesposaunenwart Frank Plewka und ich reden etwas leiser. Warum eigentlich? Weil die Atmosphäre so drückt. Dann geht die nächste Tür auf und Gefängnisseelsorgerin Jana Büttner empfängt uns. Sie hat Schlüssel. Sie schließt uns durch bis zu einem schlichten Mehrzweckraum, der als Kapelle dient. Ein Altar, ein paar Bilder, eine Gebetswand, Stühle und Instrumente für die Band. Die Fenster: vergittert. Blick auf den Hochsicherheitstrakt.

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Knast ist ein in Zement gegossener Ausnahmezustand. Karg. Man ist bewacht auf Schritt und Tritt. Fremdbestimmt. Stacheldraht bohrt sich in die Seele. Selbst über den Sportplatz ist ein Netz gespannt, dass niemand etwa mit dem Helikopter befreit werden kann.
Und Licht scheint in der Finsternis? Ja, das glaube ich. Mit zwei Gefangenen feile ich an ihren Texten. Zum Beispiel über die Hoffnung, wieder mit der Familie vereint zu sein.

Die Musiker proben nebenan. Alles muss passen für den peniblen Regieplan. Es wird aufregend, wenn der Übertragungswagen kommt. Landesbischöfin Ilse Junkermann wird predigen über das Licht, das stärker sein wird als die Finsternisse unseres Lebens. Und die Gefangenen werden verbunden sein. Einige mit ihren Familien. Über das Radio. So kann es Weihnachten werden.

Den Gottesdienst gestalten Insassen und das ökumenische Seelsorgeteam der JVA. Sie werden unterstützt vom EKM-Bläser-Ensemble unter der Leitung von Frank Plewka.

Ulrike Greim, EKM-Rundfunkbeauftragte

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Vorerst kein Begleitheft zum Gesangbuch

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Weltliche Lieder im Gottesdienst: Was Kirchenmusiker dazu sagen

In Hessen ist es kürzlich erschienen: Das EGplus, ein Begleitheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG) mit weltlichen Liedern. Als »sehr erfreulich« und »gut gelungen« beurteilt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Buch.

Dennoch wird es in der EKM in absehbarer Zeit wohl kein ähnliches Heft geben. Ehrenwerths Vorstoß ist auf einer Tagung der Kreiskantoren gescheitert. Das EG ist nach Meinung der Musiker aus den Kirchengemeinden noch nicht ausgeschöpft. Kein Einziger hielt eine gedruckte Ergänzung für nötig, so Ehrenwerth weiter. Dabei hatte der Landeskirchenmusikdirektor gemeinsam mit Landesposaunenwart Frank Plewka und Landessingwart Mathias Gauer bereits begonnen, einen Kanon bewährter weltlicher Lieder zu sammeln und zu sichten. »Mit so vielen Gegenargumenten hatten wir nicht gerechnet«, sagt Ehrenwerth überrascht. Gegen das Votum der Kreiskantoren ein Begleitheft zu veröffentlichen, sei kein Weg, denn »sie sind es, die ein neues Buch vermitteln müssen«. Dennoch treibt das Anliegen den Landeskirchenmusikdirektor weiterhin um. »Unsere Listen wollen wir fertig stellen«, kündigt Ehrenwerth an. Er möchte das Thema auch bei der Klausurtagung der Kammer für Kirchenmusik im Januar zur Sprache bringen.

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Seiner Beobachtung zufolge zehren viele Gemeinden vom großen Angebot bereits vorhandener Liederbücher: »Durch Hohes und Tiefes«, »colours of grace« oder das zum Kirchentag erschienene »freiTöne«. Möglicherweise, so Ehrenwerth, setzen sich auch Lieder-Apps, wie sie die EKD jetzt angekündigt hat, durch.

Auch weltliche Lieder brauchen geistlichen Bezug

Selbst wenn derzeit kein Interesse an einem gedruckten Beiheft besteht, werden weltliche Lieder natürlich im Gottesdienst gesungen. Auf Nachfrage von G + H äußerten sich Kantoren teils aufgeschlossen, teils skeptisch. »Wenn englischsprachige Popsongs in ein Beiheft aufgenommen werden sollen, müsste man sehr genau hinschauen: Erzählen sie etwas über die Beziehung Gott-Mensch?«, sagt Thomas Ennenbach aus Eisleben. Überarbeitungen weltlicher Vorlagen seien kein Problem, dies habe eine lange Tradition. Aber immer sollte das Liedgut Gott verkündigen, loben, klagen. Allgemein bekannte Popsongs aus Radio, Kaufhaus und Reisebussen sieht Ennenbach als verzweifelten Versuch, sich dem Zeitgeist einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, anstatt sich auf den Kern christlicher Aussagen zu konzentrieren.

Den Gottesdienst bezeichnet Roland J. Dyck aus Salzwedel als ein Stück Himmel auf Erden. »Es ist ein bisschen wie beim Zauberportal im Märchen: Ich gehe hindurch und bin in einer anderen Welt. Wenn ich jenseits der ›schönen Pforte‹ (EG 166) aber nichts anderes vorfinde, als die mir vertraute Alltagswelt – warum soll ich mich dahin auf den Weg machen?« Vom Alltag abgehoben darf der Gottesdienst jedoch nicht sein. Beide Welten müssen in Berührung bleiben. Und was heißt das für die Musik? »Weltliche Musik in der Kirche: Ja, natürlich«, sagt Dyck. Was in Gegenwart des Gekreuzigten bestehen kann, solle auch seinen Platz in der Kirche finden. Weltliche Musik sei bei Kasualien gang und gäbe oder im Zusammenhang mit der Predigt. Mit Schmunzeln denkt der Marienkantor an eine Pfarrerin, die von der Kanzel sang: »Muss nur mal schnell die Welt retten …« und in Verbindung mit einem Bibeltext dazu predigte. »Aber weltliche Musik im Gesangbuch – als Bestandteil des regulären gottesdienstlichen Kanons? Ich sehe nicht, welchen Sinn das haben sollte – abgesehen von billigem Publikumsfang.«

Der scheidende Kantor aus Zeitz, Clemens Bosselmann, singt weltliche Lieder, die einen gewissen geistlichen Bezug haben, vor allem in Gottesdiensten mit Jugendlichen. »Ich habe wenige Berührungsängste und halte, gerade in einem Beiheft, die Einführung von solchen Songs für unproblematisch.«

Mirjam Petermann, Katja Schmidtke

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Terminreiches Jubiläumsjahr

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Auswahlchor des Posaunenwerks feierte 500 Jahre Reformation und einen runden Geburtstag

Für den Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM endet ein terminreiches Jubiläumsjahr. Nicht nur die Reformation feierte Geburtstag – auch der Auswahlchor, der seit zehn Jahren besteht. 2007 von Landesposaunenwart Frank Plewka gegründet, gestaltet der Chor Gottesdienste und Konzerte, spielt vor Synoden und Fernsehkameras. Von Beginn an dabei ist Manuela Werner aus Halle.

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Es begann mit einem Brief der Kirchengemeinde, erinnert sich Manuela Werner. Der Posaunenchor suchte Nachwuchs. Die damals Elfjährige ging zur Schnupperstunde und kam mit einem Flügelhorn zurück. Das tauschte sie erst gegen eine Trompete, diese später gegen eine Posaune ein. »Als Studentin war ich dann nur noch sporadisch in meinem Posaunenchor zu Hause, habe mir aber am Studienort einen neuen gesucht«, erzählt die gebürtige Nordhessin, die in der »Arche Nebra«, dem Museum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra, arbeitet. Mit Anfang 20 hängte sie die Posaune an den Nagel und begann Waldhorn zu lernen. »Eigentlich habe ich mir überall, wo es mich hin verschlug, einen Posaunenchor gesucht«, sagt die heute 42-Jährige.

In den Auswahlchor sei sie eher zufällig geraten. Frank Plewka hatte sie angesprochen, weil noch ein Horn fehlte und er ihr die Aufgabe zutraute. Die Aufnahme in den Auswahlchor erfolgt in der Regel nach einem Probespiel vor einer Jury. Erwartet werden neben der Mitgliedschaft in einem Posaunenchor des Posaunenwerks sowie der Bereitschaft zum Erarbeiten anspruchsvoller Literatur und intensiver Probenarbeit auch die Fähigkeit, mittelschwere Stücke vom Blatt zu spielen sowie Tonarten mit bis zu fünf Vorzeichen zu beherrschen, rhythmische Sicherheit und Kenntnisse verschiedener Stilrichtungen. »Wir sind aber kein ›Elite-Ensemble‹, sondern fest in unseren Gemeindeposaunenchören verankert«, so Manuela Werner.

Posaunenchöre – oft liebevoll »mobile Allwetter-Orgeln« genannt – sind aus der Gemeindearbeit nicht wegzudenken. Manch katholischer Pfarrer beneidet seinen evangelischen Amtsbruder darum, und vielerorts sind es evangelische Bläserchöre, die zu katholischen Anlässen lautstarke Ökumene pflegen. »Posaunenchöre haben den Auftrag, Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen musikalisch auszugestalten«, weiß Manuela Werner. »Aber sie sind auch eine besondere Gruppe innerhalb der Gemeinde. Hier machen die verschiedensten Leute zusammen Musik – Alt und Jung, Männer und Frauen, unterschiedliche soziale Gruppen. Für nicht wenige Mitglieder ist der Kontakt zur Gemeinde und zur Kirche wesentlich durch den Posaunenchor geprägt.«

Als Aushängeschild der Posaunenchorarbeit in der EKM will der Auswahlchor anderen Posaunenchören Mut machen, auch Neues auszuprobieren. In Konzerten sind deshalb neben vierstimmigen Arrangements für Blechbläser-Ensembles immer auch Stücke aus der üblichen Posaunenchorliteratur zu hören – von der modernen Choralbearbeitung bis zum klassischen Bach-Choral. Insgesamt reicht das Repertoire von Frühbarock bis Rockmusik.

In ihr Ehrenamt investieren die Mitglieder des Auswahlchores viel Zeit und nehmen für Proben und Auftritte oft weite Wege in Kauf. Aber der Chor ist in den zehn Jahren zu einer guten Gemeinschaft gewachsen. Posaunenchorarbeit ist eben nicht nur Dienst, sondern macht auch Spaß – ob »unten« an der Basis oder weiter »oben« im Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM.

Katharina Hille

Tipp: Rundfundgottesdienst mit Beteiligung des Auswahlschors am 24. Dezember, 10 Uhr, aus der Justizvollzugsanstalt Burg, Übertragung von MDR Kultur

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Posaunenklang in Salzwedel

15. Juli 2013 von redaktionguh  
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Kirchenmusik: Bläserfest des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland führte in die Altmark


Nach dem großen Bläsertreffen 2012 in Nordhausen, kamen am vergangenen Wochenende 130 Bläserinnen und Bläser der EKM in Salzwedel zusammen.

Doppelt so groß wie das Saarland und mit rund 200000 Einwohnern sind die beiden altmärkischen Kirchenkreise Salzwedel und Stendal im Norden der mitteldeutschen Landeskirche (EKM) mit ihren fast 400 Feldsteinkirchen dünn besiedelt. Und trotzdem voller Überraschungen. Eine kleine Schar von 70 bis 80 Bläsern belebt die Gottesdienste, gibt Konzerte oder unterstützt das Musicalprojekt Altmark. Kein einfaches Unterfangen angesichts der Entfernungen zwischen den Orten und einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung.

Doch am vergangenen Wochenende erhielten die Ensembles aus Salzwedel, Mieste, Stendal, Osterburg und Seehausen Unterstützung. Am 6. und 7. Juli wurde in Salzwedel ein Bläserfest gefeiert. Rund 130 Bläser des Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland waren für zwei Tage in die alte Hanse- und Baumkuchenstadt gekommen. Bläser aus Meuselbach (Rudolstadt-Saalfeld), Zella-Mehlis, Schkeuditz, Erfurt, Uebigau, Wolmirstedt, Leinfelde, Thale, Groß Rodensleben, Barleben, Nordgermersleben, Görschen (Naumburg-Zeitz) reisten neben den Mitgliedern des Auswahlchores des Posaunenwerkes der EKM an.

Fröhliche Stimmung beim Bläser-Gottesdienst in der Marienkirche – Foto: Holger Thiel

Fröhliche Stimmung beim Bläser-Gottesdienst in der Marienkirche – Foto: Holger Thiel

»Rund 250 Kilometer haben wir zurückgelegt, sind 8.30 Uhr losgefahren«, schilderte Frank Hesse aus Leinfelde (Kirchenkreis Mühlhausen). Nicht umsonst stand das Bläsertreffen in der Altmark unter dem Motto: »Du führst mich hinaus ins Weite« (Psalm 18). Der 49-jährige Trompeter erlebte ein anspruchsvolles Programm. Wie auch Thomas Kuhn (39) aus Erfurt. Rund viereinhalb Stunden dauerte die Anfahrt. »Wir haben die Weite Mitteldeutschlands sprichwörtlich erfahren«, scherzte er.

Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus wurde das Bläserfest am Sonnabend mit einem Konzert eröffnet. Einige Posaunenchöre hatten zuvor im Krankenhaus Gardelegen, in Arendsee und in einem Pflegeheim in Salzwedel Menschen mit ihrer Musik erfreut. »Das ist wichtige diakonische Arbeit«, betonte Roland Dyck, Kantor der Salzwedeler St.-Marien-Kirche. Erst seit einem Jahr arbeitet er hier und meisterte mit dem Bläserfest eine große Herausforderung. Mit Bravour, wie nicht nur Landesposaunenwart Frank Plewka einschätzte. Andrea Luca, Bariton-Spielerin aus Seehausen, war voll des Lobes. »Das war sehr spannend. Ich habe viel Neues dazugelernt, zum Beispiel die doppelchörige Posaunenarbeit«, sagte sie.

Neben Workshops standen Konzerte im idyllischen Burggarten und in der Marienkirche auf der Tagesordnung. »Das Repertoire reichte von Händel bis Swing. Es ist gut, wenn wir zeigen, dass wir neben den traditionellen Chorälen auch moderne Stücke beherrschen«, betonte Frank Plewka. Gute Werbung für das Posaunenwerk der EKM. Knapp 250 Posaunenchöre mit rund 3000 Bläsern gehören ihm an.

Beim Gottesdienst in der Marienkirche erzeugten die Musiker noch mal »Gänsehaut« bei den Zuhörern, auch bei Propst Christoph Hackbeil, wie er freimütig einräumte. Er erinnerte in seiner Predigt an das Hochwasser, das vor allem ostelbische Gemeinden im Kirchenkreis Stendal traf. So schilderte Hackbeil, wie der Sandauer Pfarrer Hartwig Janus während der Flut jeden Mittag auf den Kirchturm stieg, um dort mit der Trompete Choräle zu spielen. Momente des Innehaltens für Betroffene und die vielen Helfer.

Das Posaunenwerk Mitteldeutschlands ist gut aufgestellt und wird in absehbarer Zeit einen neuen Chor dazubekommen. Kantor Roland Dyck baut derzeit im Raum Diesdorf-Dähre einen Jugendposaunenchor auf. Die Augen der Landesposaunenwarte Frank Plewka und Matthias Schmeiß sind bereits auf das Jahr 2016 gerichtet. Denn unmittelbar vor dem Reformationsjahr wird es in Dresden das Evangelische Bundes-Posaunentreffen geben.

»Wir hoffen auf bis zu 19000 Bläser«, sagt Plewka. Die Chöre der EKM und damit auch die aus der Altmark werden mit Sicherheit gebührend vertreten sein.

Holger Thiel

Anders mit Flüssen umgehen

18. Juni 2013 von redaktionguh  
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Nach der Flut: Gruna räumt auf, Mühlberg dankt

Die Flut richtete auch in vielen Orten im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch verheerende Schäden an. So zum Beispiel in Gruna, dass zum Kirchspiel Sprotta gehört. Dort hatte schon das Hochwasser 2002 gewütet. Nun stehen die Menschen dort erneut vor den Trümmern ihrer Existenz. Vergangene Woche wurden sogar Stimmen laut, dass es gescheiter wäre, den Ort an der Mulde aufzugeben und über die Umsiedlung in ein sicheres Gebiet nachzudenken. Am vergangenen Sonnabend wurde dennoch die Kirche wieder aufgeräumt, alle Bänke wurden hinausgeschafft und vom Schlamm befreit, der Kirchenfußboden wurde geschrubbt. Dazu kamen viele freiwillige Helfer aus dem Ort selbst sowie aus Schenkenberg und Authausen. Pfarrerin Edelgard Richter war in den Tagen der Flut viel unterwegs – in den Dörfern, in die die Flut eingedrungen war. Zum Glück ist der Muldepegel gefallen.

Foto: Andreas Bechert

Foto: Andreas Bechert

Zu Wochenbeginn fiel die Entscheidung, dass das für den 15. und 16. Juni geplante Kreisposaunenfest zum 30-jährigen Bestehen des Posaunenchores Sprotta gefeiert wird. Allerdings mit kleinen Änderungen, so Pfarrerin Edelgard Richter. So proben die Bläser am Sonnabend in Eilenburg, und ob in Gruna die Serenade vor der Kirche erklingen wird, sei noch fraglich. Ebenso die Teilnahme der Bläser aus Arzberg, da der Ort unter den Folgen des Elbe-Hochwassers leidet.

Ökumenischer Gottesdienst

Die Stadt Mühlberg (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) und umliegende Orte sind auch diesmal vor dem Extremhochwasser bewahrt worden. Katastrophenalarm und Evakuierung wurden am Montagnachmittag aufgehoben. »Das Bangen war wieder groß«, berichtet Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech. Für viele, einschließlich der größeren Kinder, sei es das zweite Mal gewesen. »Mir hat die Arbeit als Notfallseelsorgerin über diese schwierigen Tage hinweggeholfen.« Das Team der Notfallseelsorge ging nicht nur in der Elbestadt vor der Evakuierung von Haus zu Haus, sondern betreute auch die Menschen in den Evakuierungsunterkünften Tröbitz und Schönborn. Am 12. Juni feierte Mühlberg einen ökumenischen Gottesdienst, in dem der Dank für das erneute Bewahrt-Werden vor der Flut und der Dank an die mehr als 700 Einsatzkräfte, die Tag und Nacht gearbeitet hatten, im Mittelpunkt stand.

Die Gedanken der Pfarrerin richten sich über diesen Tag hinaus. »Hochwasserschutz bedeutet viel mehr als Deichbau«, sagt sie. »Wir müssen auch anders mit den Flüssen umgehen.«

(abe/ast)

Kreisposaunenfest – 15. Juni, 17 Uhr: Serenaden in Gruna und Paschwitz vor der Kirche. 18 Uhr: Festmusik in der Doberschützer Kirche mit Blech- und Holzbläsern, Pauken und Orgel; 16. Juni, 10.30 Uhr: Bläsergottesdienste in Mörtitz, Pristäblich und Sprotta. Eilenburg, St. Nikolai, 15 Uhr:  große Abschlussmusik mit 50 Bläsern aus dem Kirchenkreis. Musikalische Leitung des gesamten Wochenendes: Landesposaunenwart Frank Plewka

Vom Gotteslob zur Unbeschwertheit

26. August 2012 von redaktionguh  
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Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein.
Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein.
Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß …
Evangelisches Gesangbuch 289, Strophe 1

Mögen Sie Herausforderungen? Das Wochenlied des Theologen Johann Gramann aus Königsberg stellt uns eine solche für die nächsten Tage.

Frank Plewka, Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM

Frank Plewka, Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM

Um 1530 formuliert er im Auftrag des Herzogs Albrecht von Preußen und in Anlehnung an den Psalm 103: »Nun lob mein Seel, den Herren.« Eine schwere Aufgabe, die uns mit der ersten Strophe des Liedes aufgetragen ist. Gerade auch deswegen, weil wir Menschen uns nicht so gern sagen lassen wollen, was wir zu tun haben. Wir modernen und oftmals profitorientierten Menschen fragen sofort »Warum?« und »Was bekomme ich dafür?«.

Gramann beantwortet diese Fragen. Wir sollen nicht im Sinne von Gewinnoptimierung in Vorleistung treten, um nachträglich etwas erwarten zu können. Nein, wir sollen den Herrn loben für das, was wir bereits erhalten haben und weiterhin bekommen werden. Im weiteren Verlauf der Strophe gibt er uns dafür einige Bespiele: »Sein Wohltat tut er mehren … Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß …«

Angesichts persönlicher und weltweiter Sorgen und Problemen ist uns zwar nicht immer zum Loben zumute, aber wir dürfen es lernen. Die Melodie von Hans Kugelmann kann uns dabei unterstützen. In ihrem schwingenden Takt hilft sie, den schweren Tritt zu verlassen und ermutigt, die Sorgen um unser Leben abzugeben. Weil wir wissen, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, dürfen wir die unbeschwerten Seiten des Lebens entdecken und genießen und dürfen unseren Lebensweg leicht und behände gehen. Und daraus kann unser Dank entstehen, der uns zu lobenden Menschen werden lässt. Jeden Tag neu!

Frank Plewka,
Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM