Nicht mehr viel zu sehen

24. April 2017 von redaktionguh  
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Zukunft der Kirche: Warum eine Fusion gut überlegt sein will

Es war die erste große Kirchenfusion in Ostdeutschland. Und es war jene mit den am wenigsten gleichen Partnern: Zum 1. Januar 2004 fusionierte die 70 000 Gemeindeglieder zählende Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsOL) mit der rund eine Million Gemeindeglieder zählenden Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB).

Heute ist von der alten EKsOL nicht mehr sehr viel zu spüren. Zwar gibt es in Görlitz einen evangelischen Generalsuperintendenten. Doch während es in den ersten Jahren noch einen Sprengel Görlitz gab, in dem die Kirchenkreise der alten Landeskirche zusammengefasst waren, wurde dieser 2014 mit dem benachbarten Sprengel Cottbus der alten EKiBB fusioniert. Auch der Titel »Regionalbischof«, den der Generalsuperintendent von Görlitz in Erinnerung an die alte schlesische Kirche noch trug, wird heute nicht mehr verwendet. Positiv gesprochen, könnte man sagen: Die ehemalige EKsOL hat sich assimiliert. Sie ist voll und ganz in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) aufgegangen und ein gleichberechtigter, aktiver Teil der neuen Kirche. Was freilich auch bedeutet: Görlitz, Hoyerswerda oder Weißwasser sind in der Landeskirche nun genau so wichtig oder unwichtig wie Angermünde, Potsdam oder Frankfurt (Oder). Vielleicht noch etwas wichtiger, denn der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche macht seine Sache gut und vertritt die Interessen seines Sprengels mit Bravour. Doch er kann es eben nur in dem Maße tun, in dem es für einen einzelnen kirchlichen Mitarbeiter möglich ist.

Die Zeiten, in denen es in Görlitz ein Konsistorium mit Bischof gab, der als wichtiger Gesprächspartner von Politik und Gesellschaft eingeladen wurde, und den Blick auf die schlesische Oberlausitz lenkte, sind vorbei. Und die wenigen Male, bei denen sich Landessynode, Kirchenleitung und Bischof der EKBO öffentlich wahrnehmbar zu sächsischen Themen äußerten, muss man mit der Lupe suchen. Außer einem gemeinsamen Aufruf der für Sachsen zuständigen Bischöfe, zur Landtagswahl zu gehen, ist nicht sehr viel gewesen. Zudem gab es einen personellen Aderlass: Viele engagierte Görlitzer, die für die Selbstständigkeit ihrer Landeskirche kämpften, haben sich frustriert zurückgezogen. Als 2013 Zahlen vorgelegt wurden, hatte der damals noch selbstständige Sprengel Görlitz, verglichen mit 2003, rund ein Drittel seiner Gemeindeglieder verloren.

Was heißt das für Anhalt? Die kleine, engagierte Landeskirche sollte sich jede Überlegung in Richtung einer Fusion oder Konföderation sehr genau überlegen. Fusionen können sinnvoll sein, das zeigt die Neubildung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland oder der Nordkirche. Sie können aber auch dazu führen, dass von einem Partner nicht mehr viel zu sehen ist, wie sich am Beispiel der EKBO zeigt. Föderationen oder Kooperationen könnten in solch einem Fall der sinnvollere Weg sein. Doch wenn die Landeskirche Anhalts gewillt ist, den Gürtel enger zu schnallen, das überkommene Kirchenbeamtentum abzuschaffen und sich stärker an freikirchlichen Modellen des Kircheseins zu orientieren, hätte sie wohl auch als selbstständige Einheit eine gute Zukunft.

Benjamin Lassiwe

Komponieren mit Smartphones und Tablets

18. März 2014 von redaktionguh  
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Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena erhält auf Musikmesse in Frankfurt den Europäischen Schulmusikpreis

Die Schüler waren von Anfang an begeistert bei der Sache, endlich durften sie im Unterricht mal mit Erlaubnis auf dem Handy tippen«, berichtet Musiklehrer Philipp Schäffler vom Christlichen Gymnasium Jena. Für ihr Projekt »Komponieren mit Smartphones und Tablets« erhält die Klasse 10 b am 15. März auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main den Europäischen Schulmusikpreis. Mit der höchstmöglichen Dotierung von 4 000 Euro in der Hauptkategorie »Musikalische Arbeit im Klassenunterricht (Klasse 5–12)« würdigt die Jury »das methodisch äußerst differenzierte sowie planvoll und zielgerichtete Arbeiten« des promovierten Musikpädagogen sowie die Offenheit im Umgang mit modernen Medien, mit der die Schüler genau dort abgeholt werden, wo sie stehen.

Die Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena mit ihrem Musiklehrer Philipp Schäffler (hinten links). Foto: Christliches Gymnasium Jena

Die Klasse 10 b des Christlichen Gymnasiums Jena mit ihrem Musiklehrer Philipp Schäffler (hinten links). Foto: Christliches Gymnasium Jena

»Die Idee des Projekts war, das Smartphone als Musikinstrument zu verstehen, sprich, all diejenigen Apps auszuprobieren, mit denen man angeblich Musik schaffen kann«, beschreibt Philipp Schäffler im Gespräch mit »Glaube + Heimat« das inhaltliche Anliegen. App ist die Abkürzung von »Application« und bezeichnet die Anwendungssoftware des Smartphones. »Nach einer kurzen Einführungs- und Testphase entschieden sich verschiedene Gruppen für eine App und erstellten damit ein musikalisches Produkt. Dies wurde dann der Klasse vorgestellt und über die verwendete App eine Kritik geschrieben«, berichtet der Musiklehrer weiter. Im Anschluss haben die Jugendlichen noch einen Projekttag für die Parallelklasse 10 a organisiert, an dem das erworbene Wissen weitergegeben werden konnte.

Ein halbes Jahr haben die Schüler im Alter von etwa 16 Jahren gebraucht, bis ein fertiges Stück entstanden ist. Dabei habe sich gezeigt, dass es bei allen technischen Möglichkeiten letztendlich auf die musikalische Vorstellungsgabe und eine tragfähige Idee ankomme, ist sich Philipp Schäffler sicher.

Der Verband der Musikinstrumentenindustrie SOMM – Society of Music Merchants – vergibt den Europäischen Schulmusikpreis bereits zum vierten Mal. Die Jenaer Schüler und ihr Musiklehrer werden ihn in Frankfurt in Empfang nehmen und bei dieser Gelegenheit die Internationale Musikmesse besuchen. Das Preisgeld soll ausschließlich dem Musikunterricht zugutekommen. Eine kleine Bühne mit Schlagzeug und Instrumenten könnte sich Philipp Schäffler da sehr gut vorstellen.

Michael von Hintzenstern