Endlich im Rampenlicht

27. Januar 2017 von redaktionguh  
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Frauen haben die Reformation mitgestaltet. Das war lange vergessen. Auch an sie soll über 2017 hinaus erinnert werden.

Die Reformation hat auch Frauen angesprochen und aktiviert. Dass in der Taufe alle zu Priestern berufen sind und alle Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben, haben auch die Frauen gehört, ernst genommen und mit ihrem Leben und Handeln bezeugt. Leider schätzten die Männer ihrer Zeit und nachfolgender Jahrhunderte dies als zweitrangig oder noch weniger ein. Leider ist unser Wissen über diese Frauen verkümmert. Erst allmählich werden sie wiederentdeckt.

Dabei handelten Frauen so mutig, beharrlich und durchsetzungsstark wie Männer, in mancher Hinsicht mit mehr Klugheit und Besonnenheit als viele Reformatoren oder gar Martin Luther selbst. Mir ist das sehr deutlich geworden, als ich mich mit Anna II. zu Stolberg (1504–1574) beschäftigte – eine in vielerlei Hinsicht beeindruckende und überaus kluge Frau, die mit nicht einmal 13 Jahren Äbtissin im Stift zu Quedlinburg wurde. Als Reichsfürstin hatte sie die Kurwürde und war einzig Papst und Kaiser zu Gehorsam verpflichtet.

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Sehr wahrscheinlich sympathisierte sie schon lange mit dem neuen Glauben, wartete aber bis 1539 mit der Einführung der Reformation in Quedlinburg. Sie wollte ihrem katholisch gesinnten Schutzherrn Georg von Sachsen keinen Vorwand geben, sie zu entmachten.

Ihr musste klar gewesen sein, dass er nur darauf wartete. Und auch sein Nachfolger hoffte, Macht und Reichtum des Stifts an sich zu ziehen. So schritt Anna erst nach dem Tod des katholischen Schutzherrn zur Tat, und damit zugleich seinem nachfolgenden evangelischen zuvorkommend.

Die Stadt Quedlinburg verdankt ihr eine neue Kirchenordnung sowie ein völlig neu geordnetes Schul- und Finanzwesen. Sie berief den ersten Superintendenten und führte die Visitation ein. Das Besondere an ihr: Sie wartete den richtigen Zeitpunkt ab. So bewahrte sie – denn Äbtissin blieb sie weiterhin – eine erstaunliche Kontinuität trotz radikaler Umbrüche.

Anna II. zu Stolberg erreichte mit Mut und Klugheit sehr viel.

Für mich ist sie ein ermutigendes Beispiel dafür, auch heute mit Entschiedenheit und Geduld wichtige Veränderungen anzugehen und dabei den langen Atem nicht zu verlieren, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Und dabei im Blick zu haben: Es gibt auch heute so manche wohlmeinende »Schutzherren«, die hinter ihrem Beschützen-Wollen manche Machtbedürfnisse, wenn nicht gar -gelüste, ausleben wollen.

Am Beispiel Annas und der Biografien anderer Frauen habe ich die Reformationszeit besser kennengelernt: Wie komplex dieser Transformationsprozess war, der Kirche und Gesellschaft quer durch alle Schichten erfasste. Wie viele Menschen daran mitwirkten unter ihren jeweiligen, ganz speziellen Bedingungen.

Und ich habe gelernt, was der besondere Beitrag von Frauen war – ob als Fürstin mit großen Entscheidungsbefugnissen, als Verfasserin geistlicher Lieder, als Äbtissin mit geistlichen und weltlichen Leitungsaufgaben oder als Frau eines Reformators, die das Anliegen ihres Mannes nach Kräften unterstützte.

Der Blick zurück schärft den Blick für die Gegenwart, auf die »Frauenfrage« in der Kirche: Wie wirken Frauen heute in den Kirchen? Welche Veränderungen bewirken sie? Wo gehen ihre Worte ins Leere? Wo begegnen sie männlichem Reviergehabe? Was machen sie anders als Männer? Was können gerade sie besonders gut? Inwiefern leiten und führen Frauen anders? Wie veränderten und verändern sich Pfarramt und Gemeindeleben durch Pfarrerinnen, Kantorinnen und Gemeindepädagoginnen?

Mit der 2012 eröffneten Wanderausstellung »Frauen der Reformation in der Region« hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland die Beschäftigung mit Zeuginnen der Reformation angestoßen – weg von Idealgeschichten und nur einer Heldenfigur. Sie hat die bisherige Schattengeschichte der Frauen der Reformationszeit ins Licht der Aufmerksamkeit geholt. Dieser Prozess, hoffe ich, ist mit dem 500. Jubiläumsjahr der Reformation noch lange nicht beendet.

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Frauen, die sich nicht verstecken

29. Februar 2016 von redaktionguh  
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Persönlichkeiten: Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt und Superintendentin Beate Marwede machen Mut, beherzt Möglichkeiten auszuloten

Als Kristina Kühnbaum-Schmidt 2013 das Amt der Regionalbischöfin des Propstsprengels Meiningen-Suhl übernimmt, unterschreiben drei Frauen die Einladung zu ihrer Einführung: die Landesbischöfin, die amtierende Präses der Landessynode und die Präsidentin des Landeskirchenamtes. Ihr neuer Arbeitsbereich, der Süden Thüringens, hat aber selbst in der frauenfreundlichen EKM eine Sonderrolle: Kristina Kühnbaum-Schmidt ist die einzige Regionalbischöfin der Landeskirche, zwei von insgesamt nur acht Superintendentinnen der EKM sind in ihrem Propstsprengel tätig. Beate Marwede, die seit 2011 den Kirchenkreis Meiningen leitet, ist eine von ihnen. Warum sie sich trauten in das Amt, erzählen die beiden im Interview.

Superintendentin Beate Marwede und Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Foto: Susann Winkel

Superintendentin Beate Marwede und Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Foto: Susann Winkel

Ist es in Ihrem Berufsalltag noch ein Thema, dass Sie Frauen sind?
Kristina Kühnbaum-Schmidt (KKS):
Mit Marita Krüger hatte ich eine Vorgängerin, die eine sehr präsente Pröpstin war. Daher habe ich es von Anfang an als völlig unstrittig erlebt, dass eine Frau dieses Amt wahrnimmt.
Beate Marwede (BM): Im Konvent, im Kirchenkreis und in der Öffentlichkeit wird das als etwas völlig Normales verstanden. Mir begegnet auch nicht, dass ich als Frau in dieser Position infrage gestellt bin. Nur manchmal, wenn ich außerhalb der EKM bin, sind die Menschen dann doch erstaunt.

Sind Frauen in Leitungspositionen auch in der übrigen EKM selbstverständlich?
KKS:
Zu Beginn war ich im Bischofskonvent neben der Landesbischöfin die einzige Frau. Mittlerweile ist durch die Senior des Reformierten Kirchenkreises, Dr. Jutta Noetzel, noch eine Frau hinzugekommen. Das macht schon etwas aus, ohne dass ich genau beschreiben könnte, was das ist. Wir sind eine Kirche, die zeigt, dass sie ein Interesse daran hat, dass Frauen in Leitungspositionen und Repräsentationsämtern sind. Und sie tut auch viel dafür.
BM: Dieser ausdrückliche Wunsch nach Frauen in Leitungsämtern war ein Motiv, warum ich mich in der EKM beworben habe. Für das Superintendentenamt im Kirchenkreis Meiningen standen der Kreissynode drei Frauen und ein Mann zur Wahl.

Warum trauen sich dennoch so wenige Frauen, sich zur Wahl zu stellen? Derzeit gibt es 37 Kirchenkreise in der EKM. Nur acht von ihnen werden von Frauen geleitet.
BM:
Wer sich zur Wahl stellt, trägt auch immer das Risiko zu scheitern. Ich habe diese Enttäuschung erlebt, das ist nicht ganz einfach. Außerdem ist die Aufgabe von Superintendenten sehr fordernd. Frauen achten genau auf die Rahmenbedingungen für eine Aufgabe. Möglicherweise betrachten viele diese Aufgabe als sehr stressbelastet, mit Konfliktmanagement und auch der Einsamkeit dieses Amtes verbunden.
KKS: Frauen schauen manchmal zu sehr darauf, was von ihnen wohl erwartet wird und weniger darauf, in welcher Eigenständigkeit und Freiheit sie es gestalten könnten. Dabei macht Gestaltung den Reiz dieser Ämter aus. Ich würde mir wünschen, dass Frauen noch beherzter auf die Möglichkeiten zugehen, Kirche in einer nicht unwichtigen Rolle mitzugestalten.

Warum haben Sie sich getraut, den Schritt auf der Karriereleiter zu gehen?
BM:
Mich hat dieses Leitungsamt auf der mittleren Ebene mit all seinen Möglichkeiten herausgefordert – die Gestaltung der Arbeit auf Kirchenkreisebene, die Zusammenarbeit mit anderen. Eine ausgesprochen spannende und he­rausfordernde Tätigkeit.
KKS: Mich hat das Arbeiten in der EKM gereizt, die ich in der Außenwahrnehmung als große, lebendige und vielfältige Kirche erlebt habe. Zum anderen wollte ich meine Kompetenzen in eine Leitungsverantwortung einbringen, die einen seelsorgerlichen und geistlichen Schwerpunkt hat. Und ich fand die Zwischenposition zwischen Propstsprengel
und Landeskirche ungemein reizvoll.

Muss die EKM etwas ändern, damit sich noch mehr Frauen trauen?
KKS:
Wir sollten uns selbstkritisch fragen, wie attraktiv Leitungsämter sind. Regionalbischöfe sind wirklich viel unterwegs, sowohl im Propstsprengel als auch auf der landeskirchlichen Ebene. Das ist auch gut, das macht das Amt aus. Mit kleinen Kindern würde das schwer fallen.
BM: Superintendenten sind sehr viel im Kirchenkreis unterwegs und das oft auch abends, da wir viel mit Ehrenamtlichen arbeiten. Ich bin froh, dass meine Kinder erwachsen sind und dass allein mein Mann auf meine Anwesenheit oftmals verzichten muss.

Braucht es einen starken Mann hinter der erfolgreichen Frau?
BM:
Ich schätze es sehr, dass ich einen Ehemann habe, der sich vor allem ehrenamtlich engagiert und für ganz vieles im Hintergrund sorgt.
KKS: Es braucht einen starken Mann, der mit einer selbstbewussten, kompetenten Frau zusammenlebt. Eine Frau im Leitungsamt ist sicher keine, die sich versteckt, sondern eine Frau, die ein klares Gegenüber ist – auch in der Ehe.

Interview: Susann Winkel

Identität stiften

28. April 2014 von redaktionguh  
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Was bewegt eine Mutter, ihr Kind abzugeben oder anonym zu entbinden? Die Frauen, die sich hierfür entscheiden, kommen aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten. Die Gründe sind vielfältig. Sie lehnen eine Abtreibung ab oder haben den Zeitpunkt verpasst. Das Kind aber können sie nach ihrem Empfinden nicht großziehen. Dass sich das nach 16 Jahren ändern könnte und die Mutter auf einmal bereit ist, sich dem Kind zuzuwenden, darf angezweifelt werden.
In der akuten Notsituation, in der sie sogar ihr soeben geborenes Kind weggibt, wird sie wohl kaum mit positiver Gewissheit 16 Jahre in die Zukunft blicken. Wird sie sich denn dann den Vorwürfen stellen wollen, mit denen sie zu rechnen hat? Natürlich, eine Mutter ist dazu da, Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen. Aber hat sie die vielleicht schon übernommen, als sie es nicht abtreiben ließ, sondern geboren und in Obhut gegeben hat?
Dieser Aspekt steht jedoch weniger im Fokus der Diskussion um Babyklappe und anonyme Geburt, sondern vielmehr das Recht des Kindes auf das Wissen um seine Person: Wo komme ich her? Wer bin ich? Wo gehe ich hin?
Das Wissen um die eigene Identität ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft. Doch wird man nicht zwangsläufig bei dem Versuch, seine eigene Identität ausschließlich in der Familie zu finden, scheitern? Wenn die Eltern sich scheiden lassen, Streit und Konflikte die Beziehungen belasten, bringt das für 16-Jährige nicht weniger belastende Situationen mit sich, als wenn sie sich der Frage nach ihrer biologischen Herkunft stellen.
Hilfreich ist da ein Bezug zu dem, der uns kannte, ehe er uns im Mutterleib bereitete. Gott will in uns allen eine Identität stiften mit den Worten, die er auch seinem Sohn Jesus zugesprochen hat: Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen.

Mirjam Petermann

Stille Heldinnen der Reformation

15. April 2014 von redaktionguh  
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Wanderausstellung mit vertiefendem Begleitprogramm in Gera

Die Welt kann die Frauen nicht entbehren, selbst wenn die Männer allein die Kinder bekämen«, soll Martin Luther gesagt haben. Welche Bedeutung Frauen der Region Mitteldeutschland im Schatten der Reformatoren hatten und mit welchen Schwierigkeiten und Entbehrungen sie bei ihrem Festhalten am evangelischen Bekenntnis zu kämpfen hatten, dem widmet sich die Wanderausstellung »Frauen der Reformation in der Region«. Das Leben und Wirken von zwölf Frauen wird stellvertretend vorgestellt.

Ab Dezember 2012 sind die Ausstellungstafeln deutschlandweit unterwegs und mittlerweile bis 2017 ausgebucht. Seit Anfang April haben sie für drei Wochen einen Platz in der Johanniskirche Gera gefunden.

Die eindrucksvollen Aufsteller zeigen Frauen aus ganz verschiedenen sozialen Schichten. »Obwohl die Frauen vollständig im Hintergrund der Männer standen, waren einige vom Geiste der Reformation angesteckt und haben über ihre Familien hinaus in Kirche und Gesellschaft gewirkt«, erklärt Mathias Hock, Pfarrer der Johanniskirche Gera, während der Eröffnung. »Sie haben damit den Grundstein für ein modernes und ethisches Frauen- und Menschenbild gelegt.«

Foto: Wolfgang Hesse

Foto: Wolfgang Hesse

Aber auch die Begleitumstände jener Zeit werden in den Blick genommen. Die Themen hierbei sind: Ehefrau und Mutter, Nonnen und Kloster, Erziehung und Bildung, Priestertum aller Getauften, Diplomatie und Krieg sowie der »Alltagsbegleiter« Tod. Denn Krankheiten, Seuchen, fehlende Hygiene und medizinische Kenntnisse, Mangelernährung, Armut, Missernten und die überaus harte Arbeit der Landbevölkerung konnten jederzeit zum Tode führen. Aber auch die Geburten zu jener Zeit waren lebensbedrohlich. Allein am evangelischen Glauben und an den tröstenden Worten des Evangeliums konnten sich die Frauen festhalten.

»Mit den begleitenden Veranstaltungen möchten wir den Blick in die heutige Zeit eröffnen, die gesellschaftliche Rolle der Frauen und die aktuellen Situationen aufzeigen«, verdeutlicht Pfarrer Hock. Zum Begleitprogramm gehören unter anderem ein Vortrag über die erste evangelische Liederdichterin Elisabeth Crucinger, deren Lieder noch heute im Gesangbuch zu finden sind (14. 4.), sowie ein Film über Hildegard von Bingen (15. 4.). Ein weiterer Themenabend beschäftigt sich mit der aktuell schwierigen Situation der Hebammen (16. 4.).

Wolfgang Hesse

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. April in der Geraer Johanniskirche zu sehen und täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Tischreden unter Frauen

6. November 2013 von redaktionguh  
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Am 18. Oktober hatten die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM) und Landesbischöfin Ilse Junkermann zum Frauenmahl nach Halle eingeladen. Dietlind Steinhöfel sprach mit der Theologin Hanna Kasparick, Direktorin des Evangelischen Predigerseminars in Wittenberg.

Hanna Kasparick

Hanna Kasparick

Frau Dr. Kasparick, was sind die Hintergründe des Frauenmahls und was trägt so ein Abend aus?
Kasparick:
Das Frauenmahl in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist eine Initiative zur Lutherdekade. Es soll Frauen in guter Runde zusammenbringen und in Anlehnung an die Tischreden Martin Luthers zu Gesprächen anregen. Zum Abend in Halle waren über 100 Frauen aus sehr unterschiedlichen Berufen und Verantwortungsbereichen gekommen: Synodale, Kirchenälteste, Pfarrerinnen, Frauen in kirchlicher Leitungsverantwortung und Frau-en aus den Gemeinden.

Es wird gemeinsam gegessen, Impulsreferate geben Anstöße für die Gespräche. Das Frauenmahl in Halle war ein sehr festlicher und heiterer Abend mit Tiefgang, nicht zuletzt, weil es auch einen besonderen musikalischen »Redebeitrag« gab. Die Frauen hatten Freude daran, sich zu treffen.

Welches Thema stand in Halle auf der Tagesordnung?
Kasparick:
Es ging um Frauenbilder, Frauen in der Wirtschaft – einer Männerdomäne, Frauen und Macht, Frauen in den Medien und Frauen in kirchlicher Verantwortung. Damit verbunden war die Fra­ge nach der Gleichberechtigung. Und nach der Quote. 1989 hatte die EKD als Selbstverpflichtung beschlossen, dass innerhalb von zehn Jahren 40 Prozent Frauen in den kirchlichen Leitungsebenen tätig sein sollten. Das ist noch längst nicht erreicht.

In der EKM etwa liegt der Anteil der Superintendentinnen bei 28 Prozent. Das ist zwar mehr als in Sachsen, aber es bleibt noch viel zu tun. Unter den fünf Regionalbischöfen ist gar nur eine Frau. Dabei, so erlebe ich es unter den Vikarinnen, haben Frauen Lust auf Leitung. Auf der anderen Seite möchten sie Familie und Kinder. Wie soll das zusammenkommen? Über solche Fragen haben wir diskutiert.

Das Frauenmahl ist also eine sinnvolle Einrichtung?
Kasparick:
Unbedingt! Es geht ja darum, sich gegenseitig darin zu stärken, Verantwortung zu übernehmen. Ich muss aber auch wissen, dass dies bedeutet, auf anderes zu verzichten; ich gebe Energie in diese Verantwortung, aber ich bekomme immer etwas zurück. Das können Frauen voneinander erfahren. Das Frauenmahl fördert Netzwerke und ermutigt, Verbindungen zu suchen, ohne dass man das konfrontativ zu Männern macht.

Der Hallenser Abend hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Tradition der Tischreden aufzunehmen, zu reden und zu streiten. Wenigstens bis 2017 sollten wir das fortführen, möglicherweise in Anlehnung an die Themen der Reformationsdekade.

www.frauenmahl.de
www.frauenarbeit-ekm.de

Fremd und doch willkommen

26. Februar 2013 von redaktionguh  
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Weltgebetstag: Ein brisantes Thema kommt aus dem Nachbarland Deutschlands

Der Weltgebetstag am 1. März widmet sich der Integration und wurde von Frauen aus dem Einwanderungsland Frankreich vorbereitet.

Rund um den Globus und in Mitteldeutschland wird es am 1. März ökumenische Gottesdienste geben, die für eine Willkommenskultur und gegenseitigen Respekt werben. In diesem Jahr haben Frauen aus dem Einwanderungsland Frankreich, in dem heute rund ein Viertel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, die Liturgie erarbeitet.

Bunt ist Vielfalt. Kräftig rot, orange und gelb leuchten die Schals der Sprecherinnen beim Weltgebetstag. Foto: Silvia Zöller

Bunt ist Vielfalt. Kräftig rot, orange und gelb leuchten die Schals der Sprecherinnen beim Weltgebetstag. Foto: Silvia Zöller

»Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen« ist das zentrale Thema, dem sich das französische Vorbereitungskomitee gewidmet hat. Wenn am ersten Freitag im März Gläubige in aller Welt zusammenkommen, wird sich um den Erdball ein Gebetsband spannen, das für Integration und gegenseitiges Interesse an der Kultur des anderen steht. Der Weltgebetstag wird bereits seit 1929 von methodistischen und lutherischen Gemeinden gefeiert; ab den 1960er Jahren wurde er zu einer ökumenischen Bewegung. Eine internationale Konferenz legt die künftigen Themen und Länder fest.

Doch nicht nur in Frankreich, auch im Bereich der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) sind die Vorbereitungen für den diesjährigen Weltgebetstag auf Hochtouren gelaufen. »Der Weltgebetstag hat einen Vorlauf von einem Jahr«, sagt Simone Kluge, EKM-Referentin für Frauenarbeit. In Studientagen, Werkstätten und Seminaren für Multiplikatorinnen wurden die Gottesdienste vorbereitet – auch mit Migrantinnen, die von ihren Erfahrungen berichteten. Unter anderem gab es Werkstätten in Wernigerode, Weimar und Halle.

Dabei wurden die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich deutlich: Auf der einen Seite hat die »Grande Nation« durch ihre längere koloniale Vergangenheit und heute noch bestehende Übersee-Departements ein anderes nationales Verständnis, in dem Integration bis zu den gewaltsamen Konflikten in den Vororten eine Einbahnstraße war. Erst 2006 wurden dort Gesetze erlassen, die Chancengleichheit vorantreiben. Auf der anderen Seite gibt es in Frankreich die strenge Trennung von Kirche und Staat, die auch ein Hemmschuh für die vom französischen Komitee ausgearbeitete Gottesdienstordnung war.

Simone Kluge erklärt, warum: »In Frankreich ist Religion reine Privatsache, die Kirche darf sich nicht zu politischen Fragen positionieren.« Und so werden bei dem hochpolitischen Thema Zuwanderung keine Forderungen zu hören sein. Wohl aber Beispiele aus dem multikulturellen Leben des Landes in Verbindung mit Bibeltexten wie etwa aus der Offenbarung, in der das eine Gottesvolk aus vielen Völkern prophezeit wird. Dabei wird aber genug Gelegenheit sein zu fragen, wie die Wirklichkeit von ­Migrantinnen und Migranten in Deutschland ist: Flüchtlinge müssen oft jahrelang in Baracken leben, Hilfsangebote zur psychosozialen Betreuung der oft schwer traumatisierten Menschen aus Kriegsgebieten fehlen.

Die Buntheit der Integration kommt auch optisch beim Weltgebetstag zur Geltung: Die Sprecherinnen werden mit fair gehandelten Schals in verschiedenen Gelb-, Orange- und Rottönen ausgestattet sein, ergänzt durch eine Frau mit grauem Schal, die als »Stimme Gottes« fungiert. Die Farben sind dem Titelbild des Weltgebetstages entnommen, das die französische Künstlerin Anne-Lise Hammann entworfen hat. »Denkt daran, dass auch ihr in Ägypten Fremde gewesen seid«, ist die Mahnung des Weltgebetstages. Und damit wird auch gleichzeitig das Themenland des Weltgebetstages 2014 angesprochen, auf den sich Simone Kluge nahtlos nach dem 1. März vorbereiten wird: Ägypten. Hier wird es politischer werden: »›Ströme in der Wüste‹ ist das Motto 2014 und damit ist der Arabische Frühling symbolisch gemeint«, so Simone Kluge.

Silvia Zöller

Nur Muttertag?

12. Mai 2012 von redaktionguh  
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Er hat eine lange Geschichte und in manchem gesellschaftlichen Kontext auch seine Berechtigung gehabt, der Muttertag. Aber ist er auf dem Hintergrund von Elternzeit, Herdprämiendiskussion und Frauenquoten noch zeitgemäß und sein Feiern wünschenswert? Nicht wenige Mütter – und es sind meist die selbstbewussten – lehnen den leicht verschämten Anruf ihrer Kinder an diesem Tag ab. Ein achtsamer Umgang insgesamt ist ihnen mehr wert als Blumen, Konfekt oder Parfüm. Sicher, die Floristen, die sich einst für die Terminierung auf den zweiten Sonntag im Mai einsetzten, sehen dies anders, machen sie doch in der Woche richtig Kasse. Schon Anna Marie Jarvis aus Philadelphia, die am 9. Mai 1907 einen Dankgottesdienst zum Todestag ihrer Mutter initiierte, hatte die bald einsetzende Kommerzialisierung scharf kritisiert.

Foto: privat

Foto: privat

Die alten Griechen feierten einst ein Frühlingsfest zu Ehren der Göttermutter Reha und im England des 13. Jahrhunderts dankte man am Sonntag Lätare der »Mutter Kirche« und verband dies mit einer Würdigung der leiblichen Mutter. Die amerikanische Frauenrechtlerin Julia Ward Howe forderte 1872 einen offiziellen Feiertag für die Mütter. Diese Idee setzte dann Anna Jarvis mit Erfolg um. In den 1920er Jahren etablierte sich der Muttertag auch in Deutschland, wurde hier aber nach 1933 durch den nationalsozialistischen Mutterkult missbraucht. Die DDR interpretierte ihn offiziell als westlich-reaktionär und propagierte statt dessen den Internationalen Frauentag am 8. März.

Und aktuell: Wo bleibt die Anerkennung der vielen engagierten Väter? Alleinerziehende gibt es inzwischen auch bei den männlichen Zeitgenossen und manche kinderlose Tante oder Nachbarin ist ein Segen bei den kleinen und großen Problemen des Alltags. Kann nicht ein Familientag das gerechtere Signal in die Gesellschaft senden, in-dem er die Leistungen würdigt, die Menschen in unterschiedlichster Konstellation für den Nachwuchs erbringen?

Uta Schäfer