Eine Welt ist genug
28. Januar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Psalm 66, Vers 5
Aus einem Astronautenanzug grinsend, schwebt mir allmorgendlich von dem Plakat an der Bushaltestelle Dieter Bohlen entgegen. Das akkurat frisierte Haar und das fein geschminkte Gesicht möchten wohl dem Mann Ausdruck verleihen, für den es keine wichtigere Aufgabe gibt, als wieder einen deutschen Superstar zu finden.
Beim Casting ist alles erlaubt, was gefällt, ob dabei die Grenzen des guten Geschmacks übertreten werden oder nicht, spielt keine Rolle. Hauptsache, sich abheben von der Masse, etwas Besonderes sein. »Die Welt ist nicht genug!« ruft der Showmaster den Vorübereilenden von der Plakatwand aus zu.
O doch! Diese Welt ist genug – genug an Schönheit und Hässlichkeit, an Armut und Reichtum, an Klage und Lob, erfahrener Gottesnähe und -ferne … Man muss nur sehen können. Hinsehen. Nicht nur im Vorbeigehen mit den Augen streifen. Nein, hinsehen, ansehen. Der Psalm gebraucht bewusst den Imperativ. Ansehen ist nichts, was alltäglich oder nebenbei passiert. Ansehen hat mit Nähe zu tun. Da muss man an jemanden, an etwas herantreten. Ansehen hat auch mit Augenhöhe zu tun. Von oben herab gewinne ich keine Ansicht, der andere kein Ansehen in meinen Augen. Gerade darauf aber kommt es an beim Ansehen.
Der Psalmist lässt nach seiner Aufforderung zu kommen und zu sehen, auch keinen Zweifel aufkommen: Gottes Tun ist wunderbar. Sein Handeln an den Menschen sehenswert. Seine Werke zu bestaunen lohnt sich.
Manchmal fällt es mir schwer, das Schöne in der Hässlichkeit, das Lobenswerte in der Klage, das Tröstende im Schrecken zu entdecken. Vielleicht, weil ich nicht nah genug herantrete, nicht wirklich auf Augenhöhe bin, nicht ansehe? »Herr, nimm mich doch immer wieder in die Lehre. Öffne mir die Augen!«
P. S. Und wenn es sein darf, Herr, die von Dieter Bohlen auch.
Friederike F. Spengler, Bad Berka, Pfarrerin im Kirchenkreis Weimar
Wie trauern Kinder?
26. August 2010 von redaktionguh
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Ausstellung in Bad Berka zeigt Bilderbücher zu einem verdrängten Thema.
»Ich finde die Ausstellung sehr gelungen, denn es ist unheimlich schwer, einem Kind den Verlust eines geliebten Menschen begreiflich zu machen, man steht hilflos vor dem Problem. Hier werden einem Wege gezeigt, die man allein schwer findet.« Diese Worte stehen im Gästebuch einer Buchausstellung in der Stadtkirche St. Marien Bad Berka, die sich dem Thema »Kind und Tod – Wie trauern Kinder?« in besonderer Weise widmet. Über 50 Kinderbücher werden nicht nur präsentiert, sondern laden auch zum Durchblättern und Lesen ein.
Was geht eigentlich in einem Kind vor, wenn Großeltern, Geschwister, Elternteile oder Freunde sterben? Welche Vorstellungen haben Kinder vom Tod? Wie äußern und verarbeiten sie ihre Trauer?

Pastorin Friederike Spengler mit den Kindern einer 6. Klasse. Aufmerksam schauen sich die jungen Besucher die Bücher zum Thema Trauer an. (Foto: Ulrich Matthias Spengler)
Dieses Schlüsselerlebnis habe deutlich gemacht: »Wir müssen als Pfarrer nach Familien in solchen Trauersituationen fragen!« In ihrer Doktorarbeit über das theologische Menschenbild des Kindes beleuchtete Friederike Spengler die Trauerarbeit mit Kindern unter Berücksichtigung von Kinderbüchern. Zu den Pionieren habe »Astrid Lindgren« mit ihrem Buch »Die Brüder Löwenherz« (1973) gehört. Inzwischen gebe es über 100 Titel zum Thema, ist von ihr zu erfahren.
In der übersichtlich gegliederten Ausstellung in Bad Berka ist auch ein Koffer für die »letzte Reise« zu sehen – verbunden mit der Frage, was man auf diese mitnehmen würde. »Bilder meiner Lieben brauche ich nicht mitnehmen; die habe ich im Herzen, aber Dinge wie mein NSU-Moped, Baujahr 1957, … oder Aufnahmen der Matthäuspassion von Bach, des Messias von Händel oder des Requiems von Mozart«, ist da auf einem Zettel zu lesen, auf dem noch steht: »Ich bin jetzt fast 70 Jahre alt. Wann beginnt meine letzte Reise? Nur Gott weiß es!«
Michael von Hintzenstern
Die Ausstellung in Bad Berka ist bis 13. September,
dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr,
samstags von 9 bis 12 Uhr zu sehen.






