Gemeinsam Akzente setzen

20. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Ökumene: Bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen wird in Köthen eröffnet.

In der sanierten Stadtkirche St. Jakob in Köthen startet am 22. Januar die Gebetswoche zur Einheit der Christen mit einem Gottesdienst. Foto: Heiko Rebsch

In der sanierten Stadtkirche St. Jakob in Köthen startet am 22. Januar die Gebetswoche zur Einheit der Christen mit einem Gottesdienst. Foto: Heiko Rebsch


Nach der öffentlichen ­Aufmerksamkeit durch den Papstbesuch im vergangenen Jahr folgen nun wieder die Mühen der Ebene. Die regionalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen setzen auf die Zusammenarbeit vor Ort.

»Lasst das Trennende beiseite und sucht das Gemeinsame!« Der Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter gibt den Vertretern der katholischen Pfarrei St. Maria, der Alt-katholischen Gemeinde, der Baptisten sowie des Kirchenkreises bei der Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köthen einen guten Rat mit auf den Weg. Gerade auf dem flachen Land sei die kirchliche Situation oft schwierig. »Hier müssen wir sehen, wie wir vor Ort Ökumene leben können.« Angesichts von mehr als 80 Prozent Nichtchristen liegt dem evangelische Theologen daran, in den Dörfern etwas voranzubringen. »Da lässt sich durchaus etwas machen«, ist er überzeugt.

Der Zusammenschluss zur lokalen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Ende vergangenen Jahres kommt aber auch sonst gerade rechtzeitig. An diesem Sonntag wird zumindest die Ökumene in Deutschland auf die Kleinstadt in Anhalt blicken. Dann startet dort mit einem Gottesdienst die bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Nicht nur der Chef der ACK Sachsen-Anhalt, der Ballenstedter Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich, verspricht sich davon eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Ökumene vor Ort. »Minderwertigkeitskomplexe brauchen wir hier nicht zu haben.« Tatsächlich besteht die ACK in Sachsen-Anhalt seit mehr als 30 Jahren. Zuletzt hat die Arbeitsgemeinschaft von zwölf Mitgliedskirchen und drei Gastmitgliedern vor knapp drei Jahren eine engere Zusammenarbeit beschlossen.

Auch in Thüringen loben die Verantwortlichen die guten Beziehungen der zehn Mitgliedskirchen untereinander. »Die Situation der Ökumene vor Ort ist in den letzten Jahren eigentlich immer gut gewesen«, befindet die Meininger Pröpstin Marita Krüger, die Geschäftsführerin der ACK Thüringen ist. Das kann auch Pfarrer Heinz Gunkel, Ökumenereferent im Bistum Erfurt, bestätigen. Selbst die Differenzen nach dem Papstbesuch haben aus seiner Sicht in der regionalen ACK keine Rolle gespielt. »Das war bei uns nicht das Thema.« Außerdem habe Benedikt XVI. den Kirchen damit eine Aufgabe vor die Füße gelegt, findet Gunkel.

Aus seiner Sicht geht es im Augenblick darum, die Zuständigkeiten zwischen der EKM und den Bistümern Erfurt und Magdeburg neu auszutarieren. Zudem habe es in der Vergangenheit immer theologische Gespräche gegeben – zum Amt oder über das Thema Mission. Auch der Ballenstedter Kreisoberpfarrer setzt auf die gemeinsame theologische Arbeit. Zuletzt ist in der ACK Sachsen-Anhalt eine Verständigung über das Taufverständnis angestoßen worden.

Neben diesen Gesprächen setzen schließlich gemeinsame Aktionen Akzente. Der wiederkehrende Ökumenetag in Sachsen-Anhalt etwa gehört ebenso dazu wie das Miteinander bei den Kirchen- und Katholikentagen. »Ökumene in der Mitte« lautet das Motto des bundesweit einmaligen Standes von zwei Landeskirchen und zwei Bistümern zu solchen Veranstaltungen. Dazu kommen die aktuellen Fragen im Blick auf die Lutherdekade und was die Kirchen hier zusammen angehen können.

»Was uns in Thüringen im Moment bewegt, ist der Rückgang der Mitgliedszahlen«, erklärt die Meininger Regionalbischöfin. Die Kirchen müssten deshalb fragen, wie sie in einer säkularen Gesellschaft gemeinsam ihre Anliegen vertreten könnten. Das ist auch ganz im Sinn des ACK-Vorsitzenden in Sachsen-Anhalt, der auf die 2001 von den Europäischen Kirchen unterzeichnete Charta Oecumenica verweist. Danach sollen sich die Kirchen schon jetzt zu mehr Gemeinsamkeiten verpflichten. Leider sei das aber noch nicht überall angekommen, bedauert Dittrich. »Aber eigentlich müssten wir begründen, wenn wir etwas nicht zusammen machen.«

Martin Hanusch

Sonntag, 22. Januar
Köthen, Sankt Jakob, 14 Uhr: »Wir werden alle verwandelt« – Bundesweiter Auftaktgottesdienst der Gebetswoche für die Einheit der Christen mit dem Vorsitzenden der ACK, dem Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber, Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich (Harzgerode), Bischof Gerhard Feige (Magdeburg), Kirchenpräsident Joachim Liebig und Regina Claaß vom Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeiden in Deutschland. Musik: Bach-Chor Köthen. Leitung: KMD Martina Apitz

Ein Bruder zu Gast bei Luther

16. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Symbolträchtiger Ort: Im Kapitelsaal des Erfurter Augustinerklosters ist Martin Luther als Novize aufgenommen worden. Jetzt kommt der Papst hierher. Fotos: Lutz Edelhoff/bp (Montage)

Symbolträchtiger Ort: Im Kapitelsaal des Erfurter Augustinerklosters ist Martin Luther als Novize aufgenommen worden. Jetzt kommt der Papst hierher. Fotos: Lutz Edelhoff/bp (Montage)

Ökumene: Bei seinem Deutschlandbesuch trifft Benedikt XVI. in Erfurt mit der Spitze der evangelischen Kirche zusammen.

Es ist eine historische Begegnung im Erfurter Augustinerkloster.  Erstmals besucht der Papst eine bedeutende Stätte  der Reformation. Bei der Vorbereitung wird nichts dem Zufall überlassen.

Die Vorbereitungen für den hohen Besuch laufen auf Hochtouren. Noch ist das Gelände am Erfurter Augustinerkloster eine Baustelle. Bauarbeiter haben die Bordsteinkanten herausgerissen. Auf die Frage, ob das im Vorfeld des Papstbesuches geschehe, zuckt einer der Bauarbeiter mit den Schultern. »Könnte schon sein«, meint er. Nein, entgegnet ein Kollege, es seien schon länger geplante Baumaßnahmen. Auch im Inneren der Augustinerkirche sind Handwerker bei der Arbeit. Die kostbaren Fenster im Chorraum verschwinden hinter einem Gerüst und Bauplanen.

Einer Baustelle gleicht auch die Ökumene, die in einer Woche eine historische Begegnung erleben wird. Erstmals besucht mit Benedikt XVI. ein Oberhaupt der katholischen Kirche eine authentische Lutherstätte. Im Rahmen seines Deutschlandbesuches trifft der Papst am 23. September im Erfurter Augustinerkloster auch mit der Spitze der evangelischen Kirche zusammen.

Der Aufenthalt in der Thüringer Landeshauptstadt ist auf Wunsch des Papstes sogar verlängert worden, um der Begegnung den gebührenden Raum zu geben. »Das ist eine große Chance für die Ökumene«, meint nicht nur Landesbischöfin Ilse Junkermann, der die Begrüßung des hohen Gastes zukommt.

Lange ist im Vorfeld darüber spekuliert worden, was das Treffen bedeuten könnte. Dass davon ein Signal ausgeht, darüber sind sich alle Beobachter einig. Nachdem das Verhältnis zuletzt deutlich abgekühlt war, etwa durch die Erklärung »Dominus Jesus«, in der die evangelischen Kirchen ­lediglich als kirchliche Gemeinschaften bezeichnet werden, ist schon die Wahl des Ortes ein Entgegenkommen.

Sollte der Papst hier den Erkenntnissen Luthers Respekt erweisen, wäre dies nach Meinung des Catholica-­Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber, schon ein ökumenischer Erfolg.

Zwar sind beiden Seiten derzeit ­dabei, die anfangs hochgesteckten Erwartungen wieder auf ein realistisches Maß herunterzuschrauben. Dennoch empfindet der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Thies Gundlach, das Treffen als »große ökumenische Geste«.

Auch deshalb wird nichts dem Zufall überlassen. Genau 35 Minuten wird die Begegnung mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche dauern.

Der Papst werde mit »Eure Heiligkeit« angeredet, verrät der EKD-Vizepräsident, ergänzt mit dem Zusatz »lieber Bruder in Christus«. Jeweils 20 Spitzenvertreter gehören den beiden Delegationen an, auf evangelischer Seite neben mehreren Bischöfen auch die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, oder Elke Eisenschmidt als jüngstes Ratsmitglied.

Ganz ohne Erwartungen gehen die Vertreter der evangelischen Kirche trotz der Zurückhaltung nicht in das Gespräch. Thies Gundlach erhofft sich eine Verständigung im Blick auf die Bedeutung der Reformation für beide Kirchen. »Vielleicht schaffen wir es, hier ein Gespräch anzustoßen.«

Landesbischöfin Ilse Junkermann verweist auf die gemeinsame Minderheitensituation der Kirchen im Osten, die für die katholische Kirche eine doppelte ist. Zugleich will sie die Nöte der konfessionsverschiedenen Ehepaare ansprechen.

Dass die Kirchen im Osten schon einmal viel weiter gewesen sind, macht schließlich der langjährige ­Erfurter Propst Heino Falcke deutlich. Er verweist auf die enge Gemeinschaft der Kirchen zu DDR-Zeiten etwa bei der Ökumenischen Versammlung. Darüber hinaus seien die konfessionellen Grenzen in der Auslegung der Bibel längst überwunden. Nun müsse damit auch Ernst gemacht werden, findet Falcke.

Ein besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen wohl auch deshalb auf den gemeinsamen Wortgottesdienst in der Augustinerkirche, der sich an das Gespräch anschließt. Den empfindet EKD-Vize Gundlach nicht zuletzt als ein Zeichen für die katholische Weltkirche. »Seht her, mit denen kann man gemeinsam Gottesdienst feiern.«

Martin Hanusch

www.papst-in-deutschland.de

Verpflichtet zum Mitgestalten

3. Februar 2011 von redaktionguh  
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Kirchen in Sachsen-Anhalt mahnen in ihrem Wahlaufruf die Politik zur Sachlichkeit.sachsen_anhalt

 
»Kirche in der Welt von heute zu sein, dies heißt auch, zu ermahnen und Mut zuzusprechen, dort, wo es erforderlich ist«, begründen die leitenden Geistlichen in Sachsen-Anhalt ihr Wort zur Landtagswahl.

Bewusst sind die Kirchen mit diesem schon fast traditionellen Aufruf zur Betei­ligung an den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt diesmal lange vor dem Termin der Stimmabgabe an die Öffentlichkeit getreten. Denn einen deutlich größeren Schwerpunkt als sonst bildet ein Appell zur Wahl am 20. März an die Politiker selbst. Sie sollten im Wahlkampf schwierige Sachverhalte nicht auf hohle Schlagworte verkürzen, erklärte der katholische Bischof Gerhard Feige in der vergangenen Woche in Magdeburg, wo er zusammen mit Bischöfin Ilse Junkermann und Kirchenpräsident Joachim Liebig das »Gemeinsame Wort« präsentierte.

Neben den leitenden Geistlichen des Bistums Magdeburg, der Evange­lischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts hat auch der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber, den Aufruf unterzeichnet.

Wie Ilse Junkermann betonte, gehe es den Kirchen auch darum, die Demokratie zu stärken – »und auch jede Wahl ist eine Chance dazu«. »Die Mitgestaltung des Gemeinwesens ist Christenpflicht und Bürgerpflicht«, sagte die Landesbischöfin. Kirchenpräsident Liebig appellierte, dass sich die Bürger auf realistische Erwartungen und Forderungen besinnen sollten. Aber genauso müssten die Kandidaten und Politiker realistisch bei ihren Versprechungen im Wahlkampf sein.

Der Appell umfasst vier Themenkomplexe. Zunächst wird an den Ruf »Wir sind das Volk – wir sind ein Volk« erinnert, der für die ganze friedliche Revolution in der DDR stehe. Aus ihm ergebe sich auch, dass Freiheit »nicht nur ein Geschenk« sei, sondern zu ihr eigene Verantwortung zur Gestaltung des Gemeinwesens gehöre. Adressaten der anderen Kapitel sind Politiker, die Wahlberechtigten und die Christen in den Kirchengemeinden. Sie seien besonders gefordert, als Kandidaten und als Wähler Werte wie die Menschenwürde und »einer auf eigene Identität gegründeten Toleranz anderen gegenüber Glaubwürdigkeit zu verleihen«, heißt es. Das »Wort« soll auch bei Wahlforen von Kirchengemeinden vorgestellt werden.

Karsten Wiedener

 

Genug gemeinsame Themen

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, sprach in Halle/S. über Ökumene

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

»Wir kümmern uns nicht mehr darum«, sagt der Mann in der ersten Reihe. Was er meint, ist weder resignativ noch ignorant: Er spricht über Glaubensvollzüge in seiner gemischt-konfessionellen Ehe und über die Tatsache, dass es sehr wohl möglich ist, sich den jeweiligen kirchlichen Gepflogenheiten anzupassen. Für Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Bischof der Braunschweiger Landeskirche eine zweigeteilte Botschaft, die sich da an seinen Vortrag im »Montagsgespräch« in der Paulusgemeinde in Halle anschließt. So lobt der Bischof zum einen den unverkrampften Umgang an der Basis und mahnt zum anderen an, dass Ökumene auch die Reflexion und das Wissen um das Trennende und Verbindende braucht.

Weber hatte sich für diesen Abend des 14. Dezember vorgenommen, die Ökumene auf dem Weg der Lutherdekade bis 2017 zu beschreiben. Kenntnisreich und detailliert fasste der ACK-Vorsitzende die Ereignisse, Papiere und Gespräche der vergangenen zehn Jahre zusammen, gab Insiderwissen preis und eigene Erlebnisse zum Besten. Was die Lutherdekade betrifft – da scheint in den verschiedenen Programmen und Schwerpunktjahren kein Platz für die Ökumene. Ohne allzu kritisch mit der eigenen Kirche umzugehen, macht Weber keinen Hehl daraus, dass er hier Chancen verpasst sieht. Er bedient sich einer Äußerung des Magdeburger katholischen Bischofs Gerhard Feige, der bei den Protestanten angefragt habe, ob keiner daran gedacht hätte, dass die Lutherdekade bis 2017 auch etwas mit der katholischen Kirche im Reformationsland zu tun haben könnte. »Ein ernsthaft verärgerter Bischof – zu Recht«, sagt der evangelische Amtsbruder.

Bricht eine neue Eiszeit in der Ökumene an? Die zurückliegenden Jahre zeigen viele Ereignisse und vor allem Papiere, die den Eindruck begründen. Seit 2001 hat die katholische Kirche einige Äußerungen getan, die den gemeinsamen Ökumene-Bemühungen deutlich entgegenstehen. Ein nicht autorisierter Brief aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover hat wiederum für Unmut gesorgt. Das Papier wurde zwar zurückgezogen, dann aber anonym in Zeitungen lanciert. Stoff für einen Roman über internationale Verwicklungen. Obendrein gibt es jetzt mit Margot Käßmann eine geschiedene Frau als EKD-Ratsvorsitzende. Äußert da die Russisch-Orthodoxe Kirche laut, was die Katholiken nur denken – dass man mit einer Frau an der protestantischen Spitze nicht reden könne?

Friedrich Weber schlägt bewusst und offenbar in großer Einigkeit mit dem vatikanischen Ökumene-Beauftragen Kardinal Walter Kasper andere Töne an. Da werden gezielt die Erfolge und Gemeinsamkeiten betont. »Wir vergessen, was wir erreicht haben – das ist die eigentliche Gefahr für die Ökumene«, sagt Weber in Halle. Oder auch dies: »Kann man in Deutschland über die eigene Konfession reden in Absehung der anderen Konfession?« Die Annäherung werde nicht über die Frage der Eucharistie gelingen, schätzt Weber nüchtern ein, wohl aber über das Gemeinsame im Glaubensbekenntnis, über die Taufe und die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die katholische und evangelische Kirche 1999 unterzeichnet haben. Weber macht den etwa 50 Zuhörern aus evangelischen und katholischen Gemeinden der Saalestadt den Vorschlag, für die jeweils andere Konfession zu beten: »Wofür ich bete, das ist für mich wichtig.«

Die nahe Zukunft birgt genügend gemeinsame Themen für die Ökumene in Deutschland. Das parallele Schrumpfen, der Traditions- und Wissensverlust in den jüngeren Generationen, Struktur- und Nachwuchsprobleme in den Amtskirchen, gemeinsame Nutzung von Sakralräumen – auch Not macht verbindend erfinderisch. In der Außenwahrnehmung einer säkularen Gesellschaft gewinnt Ökumene noch eine andere Dimension: »Wir leiden an den Schwächen der jeweils anderen und wir müssen lernen, uns an den Stärken der anderen zu freuen.«

Frieder Weigmann