Macht und Ohnmacht
1. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Frühjahrskonferenz der Gefängnisseelsorger befasste sich mit Suizid
Die Selbstmordrate im Strafvollzug ist sechs bis acht Mal höher als in der Gesellschaft. Eine große Herausforderung für die Gefängnisseelsorgerinnen und -seelsorger der mitteldeutschen Landeskirche. Auf deren Frühjahrskonferenz vom 22. bis 24. März in Neudietendorf »Macht und Ohnmacht im Gefängnis« stand das Thema Suizid im Mittelpunkt.

Foto: Miguel Saavedra, sxc.hu
Neben Einzelgesprächen prägen Gottesdienste und Bibelgesprächskreise die Arbeit. Letztere bieten die Möglichkeit, Brücken in die einzelnen Biografien zu bauen. In den Gesprächsgruppen werde oftmals sehr intensiv diskutiert, stellten die Gefängnisseelsorger übereinstimmend fest. Um die Ohnmacht der Verurteilten zu meistern, sei auch die liturgische Form des Gottesdienstes sowie das gemeinsame Singen hilfreich.
Die Gefängnisseelsorger sind zugleich Ansprechpartner für Menschen, die schuldig geworden sind, für deren Angehörige und für die Bediensteten in den Haftanstalten. Besonders wichtig ist es, ein Vertrauensverhältnis zu den Inhaftierten aufzubauen. Denn aufgrund ihrer Schweigepflicht sind die Seelsorger die einzigen Gesprächspartner, denen sie sich hundertprozentig anvertrauen können.
Im Zusammenhang mit der immer umfangreicheren Berichterstattung über Verbrechen in den Medien werde in der Gesellschaft der Ruf nach Vergeltung wieder lauter. Während früher das Ziel der Resozialisierung oberste Priorität hatte, stehe jetzt die Sicherheit an erster Stelle, erklärten die Seelsorger. Um die Inhaftierten schrittweise wieder in die Außenwelt zu begleiten, seien aber vertrauensbildende Maßnahmen wie Freigänge hilfreich, was oftmals jedoch an personellen Problemen scheitere.
In Neudietendorf wurde auch ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzende wurde Pfarrerin Jana Büttner (JVA Burg), zudem gehören ihm Hosea Heckert, Ulrich Huppenbauer und Friedhelm Kasparick (JVA Halle) an.
Michael von Hintzenstern






