Marienkirche als das geistliche Zentrum

17. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Die gotische Marienkirche ist beim Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelegen der Mittelpunkt der Angebote der Kirchengemeinden und Einrichtungen. (Foto: Ilka Marten)

Die gotische Marienkirche ist beim Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelegen der Mittelpunkt der Angebote der Kirchengemeinden und Einrichtungen. (Foto: Ilka Marten)

Beim Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelegen setzen die Gemeinden auf Andachten und Musik.

Wenn vom 24. bis 26. Juni in Gardelegen der 15. Sachsen-Anhalt-Tag gefeiert wird, sind auch die Kirchen mit dabei. Bei dem großen Landesfest unter dem Motto »Auf allen Wegen – ab nach Gardelegen« sind ihre Angebote in der und rund um die gotische Marienkirche zu finden.

Die Christen der Region laden dazu ein, fröhlich zu feiern, etwas zu erleben oder still zu beten. »Alles konzentriert sich auf die sehr schöne und akustisch hervorragende Kirche«, sagt Berthold Salow, der als Mitarbeiter des Gemeindekollegs der mitteldeutschen Kirche für Großveranstaltungen wie Kirchentage, Gartenschauen oder eben die Landesfeste zuständig ist. Er verweist auf das hochwertige Programm mit vielen Mitwirkenden in der Kirche sowie das Kirchendorf mit 15 Informations- und Mitmachständen, den Bibelbus und die kreativen Aktionen für Kinder und Jugendliche.

»Die Nachricht, dass der Sachsen-Anhalt Tag nach Gardelegen kommt, hat uns überrascht«, sagt der Salzwedeler Superintendent Matthias Heirich. Steckten doch die Gemeinden da schon in den Vorbereitungen für den nächsten Altmärkischen Ökumenischen Kirchentag im Jahr 2012 – ebenfalls im Kirchenkreis Salzwedel. Mit Blick auf dieses Ereignis und auf die Mitarbeitersituation habe man sich zu Veränderungen entschlossen. So wird es keine Kirchenbühne geben. Dafür werden Pfarrerinnen und Pfarrer, Chöre und Musikgruppen in der Kirche ein Programm gestalten mit Andachten zu jeder vollen Stunde.

»Wir wollen – unseren Möglichkeiten entsprechend – unsere Aufgaben fröhlich tun«, so der Superintendent.

Die Türme des Rathauses sowie der Marien- und der Nikolaikirche prägen die Altstadt. Gardelegen entwickelte sich vor über 800 Jahren aus drei Siedlungskernen. Die 1945 zerstörte Nikolaikirche war jahrhundertelang Hauptkirche der Stadt. An der Marienkirche wirkte ab 1539 der aus Mieste stammende Reformator der Altmark, Bartholomäus Rieseberg (1492 bis 1566). Der Hansestadt Gardelegen verhalf das Mälzrecht zu Wohlstand, und von hier stammt die älteste Biermarke der Welt – das Garley-Bier. Im 19. Jahrhundert florierte hier die Knopfherstellung.

Heute ist Gardelegen mit seinen 48 Ortsteilen die von der Fläche her größte Stadt in Deutschland.

Angela Stoye

Aus dem Festprogramm der Kirchen

Der ökumenische Eröffnungsgottesdienst am 24. Juni beginnt um 14 Uhr. Es predigt der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Weitere Mitwirkende sind Propst Christoph Hackbeil, der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig, Superintendent Matthias Heinrich, die Pfarrer Horst Dietmann und Andreas Lorenz sowie Lektoren aus der Gemeinde. Die musikalische Leitung hat Natalja Gvozdkova.

Während der Festtage gibt es zu jeder vollen Stunde in der Marienkirche eine 15-minütige musikalische Andacht, am Freitag eine Taizé-Andacht zum Tagesschluss (21 Uhr) und am Sonntag einen Gottesdienst (10 Uhr).

Am Sonnabend gastiert von 10 bis 17 Uhr der »Circus Knopf«.

Ebenfalls am 25. Juni steht hier ein Cembalokonzert »alla maniera italiana« mit Natalja Gvozdkova auf dem Programm (12 Uhr).

Mehr im Internet unter www.sachsen-anhalt-tag.org

Zehn Kerzen für die zehn Opfer

11. Februar 2011 von redaktionguh  
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Mit einem bewegenden Gottesdienst wurde des schweren Zugunglücks von Hordorf gedacht.

Dom zu Halberstadt: Am vergangenen Sonnabend predigte Landesbischöfin Ilse Junkermann im Trauergottesdienst für die ­Opfer des ­Zugunglücks vom 29. Januar in ­Hordorf. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks legten zu Beginn der Trauerfeier ein ­Gebinde nieder. (Foto: Jürgen Meusel)

Dom zu Halberstadt: Am vergangenen Sonnabend predigte Landesbischöfin Ilse Junkermann im Trauergottesdienst für die ­Opfer des ­Zugunglücks vom 29. Januar in ­Hordorf. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks legten zu Beginn der Trauerfeier ein ­Gebinde nieder. (Foto: Jürgen Meusel)

Auf dem Boden des Halberstädter Domes liegt ein großes Holzkreuz mit zehn weißen Rosenblüten darauf. »Das Kreuz ist ein Zeichen der Trauer und der Hoffnung«, sagt Pfarrer Friedrich von Biela aus Oschersleben, der als Notfallseelsorger unmittelbar nach dem schweren Zugunglück von Hordorf im Einsatz war.

Jetzt soll das Kreuz, das seine Gemeinde seit zehn Jahren in der Friedensdekade und in der Osternacht begleitet, den Angehörigen und Einsatzkräften einen Halt geben. Im Gedenken an die Opfer des Unglücks vom 29. Januar stellen Mitglieder des Notfallbegleitungsteams und Polizeiseelsorger Kerzen auf dem Kreuz ab.

Jede der Kerzen brenne als Zeichen dafür, dass ihr Leben einzigartig gewesen sei, nimmt Landesbischöfin Ilse Junkermann das Bild in der Predigt auf. Etwa 1000 Besucher sind am vergangenen Sonnabend in den Dom zu Halberstadt gekommen, um der zehn Toten und 23 Verletzten des Zugunglücks zu gedenken. Nicht nur Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube zählen zu den Gästen, auch die komplette Spitze der Landespolitik ist bei dem Gottesdienst vertreten.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer spricht den Angehörigen, die angesichts der Verlustes immer noch fassungslos sind, sein Beileid aus. Das Mitgefühl gelte aber auch den Verletzten. Böhmer wünscht ihnen eine schnelle und möglichst weitgehende Genesung. »Mitten im Leben reißt uns das Erschrecken aus dem Alltag heraus«, sagt die Halberstädter Superintendentin Angelika Zädow in ihrer Begrüßung, »so unvermittelt, so plötzlich.«

Zugleich danken Superintendentin und Ministerpräsident den zahlreichen Helfern, die sich nach dem Unglück engagiert hatten. So habe es in Hordorf eine beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft gegeben, unterstreicht Böhmer. Hordorf sei keineswegs nur ein Ort des ­Erschreckens. »Es ist auch zu einem Ort gelebter Mitmenschlichkeit geworden.«

Auf die Ohnmacht der Menschen angesichts solchen Leids geht die ­Bischöfin in ihrer Predigt ein. »Den Hergang des Unglücks können wir nachvollziehen, aber die Frage nach dem Warum bleibt.« Deshalb sei es wichtig, Trost in der Bedrängnis zu finden. Auch Gott leide mit und sehe die Tränen der Trauernden. Zugleich schicke er seine Helfer – so wie die, die in Hordorf am Unglücksort gewesen waren.

Die Fehlbarkeit des Menschen greift auch der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige in der Fürbitte auf. Ausdrücklich bezieht er den Lokführer des Güterzuges, der vermutlich zwei Signale überfahren und damit das Unglück ausgelöst hat, mit in sein Gebet ein.
Nach dem bewegenden Gottesdienst gehen Verwandte und Freunde der Opfer nach vorn und legen Blumen und Erinnerungen am Kreuz ­nieder.

Aus Langenstein, einem besonderes betroffenen Ort, ist der ganze Spielmannszug gekommen. Vor allem bewegt die Menschen das Schicksal der zehnjährigen Amalia aus dem Dorf bei Halberstadt, die ihre Mutter und deren Lebensgefährten, ihre zwölfjährige Schwester und die Oma mit Partner verloren hat und schwer verletzt im Krankenhaus liegt.

Am Tag zuvor hat das Halberstädter Cecilienstift eine Spendensammlung für das Mädchen gestartet, weil eine der ums Leben gekommenen Angehörigen Heilerziehungspflegerin in der Behindertenhilfe der diakonischen Einrichtung war. Die Mitarbeiter stünden immer noch fassungslos vor dem schrecklichen Schicksal dieser Familie und dem so schmerzlichen Verlust, heißt es in dem Aufruf. Sie wünschten »der kleinen Amalia von Herzen, dass sie wieder gesund werden und den schlimmen Verlust der geliebten Familienangehörigen mit der Zeit verarbeiten kann«.

Martin Hanusch

Unter dem Kennwort »Hilfe für Amalia« hat das Cecilienstift ein Spenden-Konto unter der Nr. 5005000 bei der Ostharzer Volksbank (BLZ 80063508) eingerichtet.

Verpflichtet zum Mitgestalten

3. Februar 2011 von redaktionguh  
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Kirchen in Sachsen-Anhalt mahnen in ihrem Wahlaufruf die Politik zur Sachlichkeit.sachsen_anhalt

 
»Kirche in der Welt von heute zu sein, dies heißt auch, zu ermahnen und Mut zuzusprechen, dort, wo es erforderlich ist«, begründen die leitenden Geistlichen in Sachsen-Anhalt ihr Wort zur Landtagswahl.

Bewusst sind die Kirchen mit diesem schon fast traditionellen Aufruf zur Betei­ligung an den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt diesmal lange vor dem Termin der Stimmabgabe an die Öffentlichkeit getreten. Denn einen deutlich größeren Schwerpunkt als sonst bildet ein Appell zur Wahl am 20. März an die Politiker selbst. Sie sollten im Wahlkampf schwierige Sachverhalte nicht auf hohle Schlagworte verkürzen, erklärte der katholische Bischof Gerhard Feige in der vergangenen Woche in Magdeburg, wo er zusammen mit Bischöfin Ilse Junkermann und Kirchenpräsident Joachim Liebig das »Gemeinsame Wort« präsentierte.

Neben den leitenden Geistlichen des Bistums Magdeburg, der Evange­lischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts hat auch der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber, den Aufruf unterzeichnet.

Wie Ilse Junkermann betonte, gehe es den Kirchen auch darum, die Demokratie zu stärken – »und auch jede Wahl ist eine Chance dazu«. »Die Mitgestaltung des Gemeinwesens ist Christenpflicht und Bürgerpflicht«, sagte die Landesbischöfin. Kirchenpräsident Liebig appellierte, dass sich die Bürger auf realistische Erwartungen und Forderungen besinnen sollten. Aber genauso müssten die Kandidaten und Politiker realistisch bei ihren Versprechungen im Wahlkampf sein.

Der Appell umfasst vier Themenkomplexe. Zunächst wird an den Ruf »Wir sind das Volk – wir sind ein Volk« erinnert, der für die ganze friedliche Revolution in der DDR stehe. Aus ihm ergebe sich auch, dass Freiheit »nicht nur ein Geschenk« sei, sondern zu ihr eigene Verantwortung zur Gestaltung des Gemeinwesens gehöre. Adressaten der anderen Kapitel sind Politiker, die Wahlberechtigten und die Christen in den Kirchengemeinden. Sie seien besonders gefordert, als Kandidaten und als Wähler Werte wie die Menschenwürde und »einer auf eigene Identität gegründeten Toleranz anderen gegenüber Glaubwürdigkeit zu verleihen«, heißt es. Das »Wort« soll auch bei Wahlforen von Kirchengemeinden vorgestellt werden.

Karsten Wiedener

 

»Königin mit Migrationshintergrund«

29. Oktober 2010 von redaktionguh  
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Der Direktor der sachsen-anhaltischen Dom- und Schlösserstiftung, Boje Schmuhl, begrüßte die im Magdeburger Dom zum Festakt versammelten Besucher – rechts von ihm stand der neue Metallsarg mit den Gebeinen der Königin Editha. Der Steinsarkophag im Chorumgang des Domes blieb nach der Wiederbeisetzung noch für zwei Stunden geöffnet. (Foto: Klaus-Peter Voigt)

Der Direktor der sachsen-anhaltischen Dom- und Schlösserstiftung, Boje Schmuhl, begrüßte die im Magdeburger Dom zum Festakt versammelten Besucher – rechts von ihm stand der neue Metallsarg mit den Gebeinen der Königin Editha. Der Steinsarkophag im Chorumgang des Domes blieb nach der Wiederbeisetzung noch für zwei Stunden geöffnet. (Foto: Klaus-Peter Voigt)


Edithas Überreste im Magdeburger Dom wieder beigesetzt.

Dass sich die britische Botschaft um in Deutschland lebende Landsleute kümmern müsse, sei normal. »Die konsularische Betreuung einer Frau aber, die vor über 1000 Jahren hier lebte, ist schon ungewöhnlich.« Mit diesen Worten begann der britische Botschafter in Deutschland, Andrew James Noble, am 22. Oktober im Magdeburger Dom sein Grußwort vor mehr als 400 geladenen Gästen. Anlass war die Wiederbeisetzung der sterblichen Überreste der Königin Editha (910–946), die seit 929 Gemahlin König Otto I. war. Sie entstammte dem angelsächsischen Königshaus Wessex.

Begraben im Magdeburger Mauritiuskloster wurde sie mehrfach umgebettet. Als bei Grabungen im Dom 2008 auch ein steinernes Grabdenkmal von 1510 untersucht wurde, fanden die Archäologen darin einen korrodierten Bleikasten. Die Aufschrift besagte, dass in dem brüchigen Behältnis die »geborgenen Reste« Edithas ruhten.

Das Denkmal, das lange Zeit für ein Scheingrab gehalten worden war, erwies sich als Sarkophag. Andrew James Noble betonte, dass mit dem Fund ein Fenster in vergangene Zeiten geöffnet worden sei. Die Naturwissenschaftler hätten den Briten die eigene Geschichte nähergebracht: Editha, Enkelin Alfreds des Großen, und ihr Gemahl Otto gehörten zu einem gemeinsamen Kulturraum.

»Ist dort, wo Editha draufsteht, auch wirklich Editha drin?« Diese Frage habe Wissenschaftler in 15 Instituten in den vergangenen zwei Jahren beschäftigt, sagte Landesarchäologe Harald Meller in seinem Festvortrag. Die Analysen der Knochen und Zähne habe ergeben, dass 1510 die Überreste einer Frau wiederbestattet wurden, die 30 bis 40 Jahre alt geworden und 1,57 Meter groß war, die sich »hochwertig« ernährte, oft zu Pferd unterwegs und die nicht chronisch krank war, sondern plötzlich, vermutlich an einer Infektion, verstarb. Die gut erhaltenen Zähne, deren Zusammensetzung in der Kindheit angelegt wird und die sich später nicht mehr ändert, habe ergeben, dass sie aus Wessex stammte. Die Ergebnisse passten zu Lebensumständen und Alter Edithas.

Im ökumenischen Gottesdienst im Anschluss sagte der katholische Bischof Gerhard Feige, dass die europäische Kultur »von Anfang an multiethnisch« gewesen sei. Einer Gesellschaft, die angesichts der Einwanderung von Millionen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen »epochal herausgefordert« sei, stehe in Editha eine »Königin mit Migrationshintergrund« vor Augen. Im Gedächtnis geblieben seien ihre Frömmigkeit sowie ihre Wohltätigkeit gegenüber Armen und Kranken. Die Liturgie leitete Bischöfin Ilse Junkermann.

Am Ende der Feier blieb das Grabmal im Chorumgang zwei Stunden geöffnet. Magdeburger standen Schlange, um sich den Sarg Edithas, der nach einem Entwurf der Dresdner Bildhauerin Kornelia Thümmel aus Titan und Silber angefertigt worden war, anzusehen. Seit dem Abend versperrt die schwere Steinplatte mit der Reliefdarstellung der Königin dauerhaft den Blick darauf.

Angela Stoye

Genug gemeinsame Themen

23. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, sprach in Halle/S. über Ökumene

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)

»Wir kümmern uns nicht mehr darum«, sagt der Mann in der ersten Reihe. Was er meint, ist weder resignativ noch ignorant: Er spricht über Glaubensvollzüge in seiner gemischt-konfessionellen Ehe und über die Tatsache, dass es sehr wohl möglich ist, sich den jeweiligen kirchlichen Gepflogenheiten anzupassen. Für Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Bischof der Braunschweiger Landeskirche eine zweigeteilte Botschaft, die sich da an seinen Vortrag im »Montagsgespräch« in der Paulusgemeinde in Halle anschließt. So lobt der Bischof zum einen den unverkrampften Umgang an der Basis und mahnt zum anderen an, dass Ökumene auch die Reflexion und das Wissen um das Trennende und Verbindende braucht.

Weber hatte sich für diesen Abend des 14. Dezember vorgenommen, die Ökumene auf dem Weg der Lutherdekade bis 2017 zu beschreiben. Kenntnisreich und detailliert fasste der ACK-Vorsitzende die Ereignisse, Papiere und Gespräche der vergangenen zehn Jahre zusammen, gab Insiderwissen preis und eigene Erlebnisse zum Besten. Was die Lutherdekade betrifft – da scheint in den verschiedenen Programmen und Schwerpunktjahren kein Platz für die Ökumene. Ohne allzu kritisch mit der eigenen Kirche umzugehen, macht Weber keinen Hehl daraus, dass er hier Chancen verpasst sieht. Er bedient sich einer Äußerung des Magdeburger katholischen Bischofs Gerhard Feige, der bei den Protestanten angefragt habe, ob keiner daran gedacht hätte, dass die Lutherdekade bis 2017 auch etwas mit der katholischen Kirche im Reformationsland zu tun haben könnte. »Ein ernsthaft verärgerter Bischof – zu Recht«, sagt der evangelische Amtsbruder.

Bricht eine neue Eiszeit in der Ökumene an? Die zurückliegenden Jahre zeigen viele Ereignisse und vor allem Papiere, die den Eindruck begründen. Seit 2001 hat die katholische Kirche einige Äußerungen getan, die den gemeinsamen Ökumene-Bemühungen deutlich entgegenstehen. Ein nicht autorisierter Brief aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover hat wiederum für Unmut gesorgt. Das Papier wurde zwar zurückgezogen, dann aber anonym in Zeitungen lanciert. Stoff für einen Roman über internationale Verwicklungen. Obendrein gibt es jetzt mit Margot Käßmann eine geschiedene Frau als EKD-Ratsvorsitzende. Äußert da die Russisch-Orthodoxe Kirche laut, was die Katholiken nur denken – dass man mit einer Frau an der protestantischen Spitze nicht reden könne?

Friedrich Weber schlägt bewusst und offenbar in großer Einigkeit mit dem vatikanischen Ökumene-Beauftragen Kardinal Walter Kasper andere Töne an. Da werden gezielt die Erfolge und Gemeinsamkeiten betont. »Wir vergessen, was wir erreicht haben – das ist die eigentliche Gefahr für die Ökumene«, sagt Weber in Halle. Oder auch dies: »Kann man in Deutschland über die eigene Konfession reden in Absehung der anderen Konfession?« Die Annäherung werde nicht über die Frage der Eucharistie gelingen, schätzt Weber nüchtern ein, wohl aber über das Gemeinsame im Glaubensbekenntnis, über die Taufe und die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die katholische und evangelische Kirche 1999 unterzeichnet haben. Weber macht den etwa 50 Zuhörern aus evangelischen und katholischen Gemeinden der Saalestadt den Vorschlag, für die jeweils andere Konfession zu beten: »Wofür ich bete, das ist für mich wichtig.«

Die nahe Zukunft birgt genügend gemeinsame Themen für die Ökumene in Deutschland. Das parallele Schrumpfen, der Traditions- und Wissensverlust in den jüngeren Generationen, Struktur- und Nachwuchsprobleme in den Amtskirchen, gemeinsame Nutzung von Sakralräumen – auch Not macht verbindend erfinderisch. In der Außenwahrnehmung einer säkularen Gesellschaft gewinnt Ökumene noch eine andere Dimension: »Wir leiden an den Schwächen der jeweils anderen und wir müssen lernen, uns an den Stärken der anderen zu freuen.«

Frieder Weigmann