Wechsel im Gemeindekirchenrat

9. September 2011 von redaktionguh  
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Der Streit um den Magdeburger Domprediger Giselher Quast geht in die nächste Runde. Gleich sieben Kirchenälteste sind Ende August zurückgetreten. Am ersten Septembersonntag wurden die neu berufenen Mitglieder eingeführt.

Giselher Quast

Giselher Quast

Der Gottesdienst zum ersten Magdeburger Kaiser-Otto-Fest, der am Sonntag unter dem Motto »Otto lernt« unter Leitung von Domprediger Giselher Quast und der Gemeindepädagogin Gabriele Humbert im Dom gefeiert wurde, war prall gefüllt: Ein Kind wurde getauft, die neuen Christenlehrekinder begrüßt, die Konfirmanden vorgestellt. Letzter Punkt, bevor der Gottesdienst in eine Prozession um den Dom mündete, war die Einführung neuer Mitglieder des Dom-Gemeindekirchenrates.

Die war notwendig geworden, weil Ende August gleich sieben Mitglieder des Gremiums ihren Rücktritt erklärt hatten. Stephen Gerhard Stehli löst Bettina Büttner im Vorsitz ab, drei weitere Männer und eine Frau konnten für die restliche, bis 2013 dauernde Legislatur neu für die Gemeindeleitung gewonnen werden.

Der Kreiskirchenrat habe damit auf die Rücktritte reagiert, nach dem Gemeindekirchenratswahlgesetz neue Mitglieder berufen und so die Handlungsfähigkeit des Gremiums erhalten, so Stehli gegenüber der Kirchenzeitung.

Schwere Entscheidung

Ihre Entscheidung begründeten sechs der sieben zurückgetretenen Kirchenältesten in einem zweiseitigen Brief vom 29. August, welcher der Redaktion vorliegt. Sie seien durch den Streit um den Domprediger »an dem Punkt angekommen, an dem uns ein Weiterarbeiten im ehrenamtlichen Leitungsgremium der Domgemeinde unmöglich geworden ist«, heißt es darin.

Die schwere Entscheidung haben sie »nach langer Überlegung und Abwägung aller Beweggründe getroffen«. In einer möglichen zusätzlichen Pfarrstelle für Gemeindeleitung und Gemeindeentwicklung hatten die Unterzeichner zunächst »eine Chance gesehen, dass der begonnene Prozess zur Weiterentwicklung der Domgemeinde unabhängig von der Person auf eine verlässliche Basis gestellt werden könnte«. Der vorgeschlagene Lösungsansatz, die vakante Geschäftsführung wieder Herrn Quast zu übertragen, sei »unannehmbar«.

Auch die Möglichkeit, »nebenbei« den Zukunftsprozess zu begleiten, zeuge von Unkenntnis der Zusammenhänge hinsichtlich struktureller Notwendigkeiten, personeller Konflikte und bemängelter theologischer Führung.

Im aktuellen Gemeindeblatt dankt die stellvertretende GKR-Vorsitzende, Susanne Kornemannn-Weber, den zurückgetretenen Mitgliedern für ihre, zum Teil jahrzehntelange, zuverlässige Mitarbeit und dafür, dass einzelne übernommene Verpflichtungen weitergeführt werden.

Keiner der Zurückgetretenen habe sich die Entscheidung leicht gemacht, ihre Arbeit werde sehr fehlen. Stehli äußert sich in diesem Sinne im Gottesdienst. Zudem betont er, dass der GKR in neuer Zusammensetzung die Gemeinde zusammenhalten, nach manchem Scheitern neue Hoffnung geben müsse. »Dazu bin ich mit den Ältesten bereit.«

Spätestens seit dem Bericht der außerordentlichen Visitation im Frühjahr vergangenen Jahres war auch der Kirchenleitung das Ausmaß der lange schwelenden Konflikte zwischen haupt- und ehrenamtlich Tätigen am Dom bekannt. Unter anderem ging es um Fragen der Geschäftsführung und die künftige Entwicklung der Gemeinde.

Die vom Kirchenamt angestrebte Ablösung des seit über 30 Jahren amtierenden Dompredigers hatte zu erheblichen Protesten in Magdeburg geführt und war in dem Kompromiss gemündet, dass Giselher Quast weiter Domprediger bleibt, aber die Geschäftsführung abgeben muss.

Zwar wurde die mit der Geschäftsführung verbundene Pfarrstelle neu ausgeschrieben. Doch nachdem Quast im Februar vor dem kirchlichen Verwaltungsgericht geklagt hatte, musste den drei Bewerbern abgesagt werden.

Im Sommer wurde bekannt, dass das Landeskirchenamt das Abberufungsverfahren gegen den Domprediger wieder aufgenommen hat.

Im August gab es unter anderem eine Anhörung des Kreiskirchenrates zum Abberufungsverfahren. »Der Kirchenkreis sucht nach einer personellen Lösung für die Geschäftsführung«, sagt Superintendent Michael Seils. »Was die Kirchenleitung daraus macht, bleibt abzuwarten.«

Angela Stoye

Empfänglich für die gute Botschaft

25. November 2010 von redaktionguh  
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»Jauchzet, frohlocket …«: Mit dem Beginn der Adventszeit steht vielerorts in den Kirchen wieder das Weihnachtsoratorium auf dem Programm. (Foto: Viktoria Kühne)

»Jauchzet, frohlocket …«: Mit dem Beginn der Adventszeit steht vielerorts in den Kirchen wieder das Weihnachtsoratorium auf dem Programm. (Foto: Viktoria Kühne)

 
Advent: Mit Konzerten, Lichterkirchen und Krippenspielen stimmen sich die Kirchengemeinden auf Weihnachten ein.
 
Die Adventszeit ist Anlass zur Vorfreude. In den Wochen vor dem Fest lassen sich auch Menschen von den Angeboten der Gemeinden ansprechen, die der Kirche sonst eher fernstehen.

Was wäre die Adventszeit ohne Kirchenmusik! Gerade die kirchenmusikalischen Angebote sprechen Menschen an, die der Kirche sonst fernbleiben. Das Blasen der Posaunenchöre auf Straßen und Märkten, die Kirchenkonzerte erfahren in der Weihnachtszeit großen Zuspruch. Ebenso die Krippenspiele und Lichterandachten. Dabei sind Kirchenkonzerte, Kerzen und der Stern mehr als festliche Ruhe- und Glanzpunkte in den ansonsten stressigen und dunklen Wochen vor dem Fest. Sie sind Mittel, die auf die biblische Weihnachtsbotschaft weisen.

Als solche träfen sie durchaus nicht ins Leere, meint Pfarrer Matthias Ansorg vom Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). »Symbole wie Lichterkirchen, Kerzen und der Stern sprechen Leute an, die sonst nicht zur Kirche kommen.« In der Adventszeit seien die Menschen offener und empfänglicher als sonst. Deshalb sollten Kirchengemeinden die Chance nutzen und auf Menschen zugehen. »Sie dürfen sich aber nicht darauf verlassen, dass die Menschen kommen, sondern müssen zu ihnen gehen«, rät Ansorg. »Und sei es ein Glühweinstand, wo man ins Gespräch kommt.«

Für einige Kirchengemeinden ist die Beteiligung an Weihnachtsmärkten, die eine große Anziehungskraft haben, solch ein Schritt vor die Kirchentür. In Triebes (Kirchenkreis Greiz) etwa veranstaltet die Kirchengemeinde am Sonnabend vor dem 3. Advent gemeinsam mit Vereinen und Anwohnern einen »Christkindelmarkt«. Die Erlöse kommen den nichtkirchlichen Kindergärten des Ortes zugute. Der Name sei eine Idee des Bürgermeisters, weil sich dieser Markt von dem »normalen« am 1. Advent stattfindenden abheben solle, so Pfarrer Michel Debus. Das schöne Ambiente vor der Kirche, die gemütliche Atmosphäre machten den Christkindelmarkt zu etwas Besonderem. Mit großer Außenwirkung. 1500 Leute aus der Umgebung besuchten ihn und von Jahr zu Jahr kämen mehr, sagt Debus. Am Abend werde dann noch zu einer Lichterandacht eingeladen. Ähnliche »Geheimtipps« seien die Märkte in Kiliansroda und Niedergrunstedt (Kirchenkreis Weimar), sagt Pfarrer Joachim Neubert.

Weniger auf missionarische Wirkung setzt die Domgemeinde in Magdeburg. Vielmehr möchte sie ihre Verbundenheit mit den kranken und alten Menschen zum Ausdruck bringen. Am 4. Advent wird zu einem Kurzgottesdienst eingeladen. »Eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Lippen, eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Füßen«, so der Slogan von Domprediger Giselher Quast. Auf großen Tischen liegen 60 bis 80 Päckchen bereit. Gepackt werden sie am 2. Advent. Dann steht nach einem Familiengottesdienst Singen und Basteln auf dem Programm. Die selbstgestalteten Geschenke werden schön verpackt und dann am 4. Advent ausgetragen. An der seit etwa 30 Jahren stattfindenden Besuchsaktion beteiligten sich viele Familien, gern auch Außenstehende der Gemeinde, erzählt Quast.

In der Erfurter Michaeliskirche wird seit einigen Jahren ein Theaterstück aufgeführt: »Die gesamte Weihnachtsgeschichte gespielt von drei Personen«. Für die Weihnachtsbotschaft nach Lukas sei ein humorvoller Rahmen gefunden worden, der nicht nur kirchlich Angehauchte, sondern auch Nichtchristen anspreche, sagt Regisseur Harald Richter. »Das war eine Gratwanderung, denn das Stück sollte nicht in Klamauk ausarten.«

Sein Anliegen sei gewesen, die Weihnachtsbotschaft als gute, große, schöne Geschichte zu erzählen, so Richter. Die drei spielenden Personen des Stücks nennen sich »Verein zur Bewahrung und Erhaltung der rechten weihnachtlichen Stimmung e. V.«. Bei dem Versuch, ein Krippenspiel aufzuführen, komme es zu vielen Missverständnissen, beschreibt der Regisseur die humorvolle Rahmenhandlung. Nach der Resonanz in den Vorjahren zu urteilen, spreche das Theaterstück Jung und Alt an, Christen wie Kirchenferne.

Sabine Kuschel

Licht, Cello, Orgel und »Bach pur«

27. August 2010 von redaktionguh  
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Zweite Magdeburger Domfestspiele starten im September.

Die Magdeburger Domgemeinde und der Marketingverein »Pro Magdeburg« laden vom 17. bis 19. September zu den zweiten »Domfestspielen« ein. Schirmherr ist Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Den Auftakt des Programms bildet am 17. September eine »Licht- und Musiknacht« mit Illumination, Musik sowie Meditation. »Vorbild ist die ›Nacht der Lichter‹ im Dom«, sagte Domprediger Giselher Quast am 17. August bei der Vorstellung des Programms. Man setze jedoch auf stärkere Lichteffekte.

Bei den Magdeburger Domfestspielen soll wieder mit besonderen Lichteffekten gearbeitet werden. (Foto: Archiv)

Bei den Magdeburger Domfestspielen soll wieder mit besonderen Lichteffekten gearbeitet werden. (Foto: Archiv)

So sollen die Bewegungen der Musiker des Konzerts für Orgel und Schlagzeug als riesige Licht- und Schattenspiele an die Innenwände der Kathedrale gestrahlt werden. Zum Abschluss der »Licht und Musiknacht« seien die Gäste aufgerufen, 5000 zuvor im gesamten Dom verteilte Kerzen anzuzünden, kündigte Quast an. Die »Mischung aus Musik, Raum, Meditation und Illumination« spreche auch der Kirche fern stehende Menschen in »offener Weise« an, über Fragen des Lebens und des christlichen Glaubens nachzudenken. Wegen der aktuellen archäologischen Grabungen im Dom müsse die Anzahl der Besucher jedoch auf 600 begrenzt werden, räumte der Pfarrer ein.

Erstmals hatte es im vergangenen Jahr als ein Höhepunkt des 800-jährigen Domjubiläums Festspiele gegeben. Die mehrtägige Kulturreihe soll künftig immer im September stattfinden. Zum weiteren Programm gehört am 18. September ein Konzert des Kammerorchesters des Magdeburger Konservatoriums Georg Philipp Telemann unter dem Motto »Bach pur«.

Zudem ist eine Aufführung in der bundesweiten Reihe »Das Goldene Konzert« der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation vorgesehen, die eher unbekannte Kompositionen vorstellt. Hier steht Musik für Violincello solo im Mittelpunkt, die Professor Guido Schiefen aus Luzern interpretiert.

Das Programm des Sonntags beginnt mit einem Festgottesdienst. Zudem erinnert die Gemeinde mit ihrem traditionellen »Mauritiusfest« im Kreuzgang an einen der Schutzpatrone des Domes, den heiligen Mauritius. Die »Domfestspiele« schließen mit einem Konzert des Organisten Ulrich Walther, der unter anderem Werke von Reger, Schönberg oder Duruflé interpretiert.

(epd/mkz)

Preise: 30 Euro für die Festivalkarte, 20 Euro für die Tageskarte am 18. September,
Einzelpreise je nach Konzert von 8 bis 18 Euro.

Weitere Informationen und Kartenverkauf am Kartentisch im Dom täglich von 10 bis 18 Uhr.


www.magdeburgerdom.de

Niemals allein, niemals verlassen

5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Herr, sei nicht ferne von mir!
Psalm 35, Vers 22b

Porträt-G.-QuastDas ist ein Gebet, das mir niemals über die Lippen kommt. Weil ich niemals daran gezweifelt habe, dass Gott bei mir ist. Seit frühester Kindheit haben mir meine Eltern den unerschütterlichen Glauben mitgegeben, dass ich niemals verlassen bin, dass Gott nie gegen mich ist. Dieser Kinderglaube trägt mich bis heute, und ich bin dankbar dafür.

Ging es mir vielleicht nur noch nicht schlecht ­genug, um so zu bitten? Ich weiß, manche ringen da viel mehr mit sich und mit Gott, flehen ihn an, suchen ihn, bestürmen ihn. Ihr Schicksal, ihr Leiden ist ihnen ein Beweis dafür, dass Gott ferne ist. Eli Wiesel beschreibt in seinem Buch »Die Nacht«, wie er als 15-Jähriger in Auschwitz die Hinrichtung eines Kindes erlebt hat. Während der Junge noch am Strick zappelte und qualvoll starb, hörte er einen Mann neben sich fragen: Wo ist Gott? Und Eli Wiesel vernahm in sich die Antwort: Dort hängt er, am Galgen …

Gott ist bei den Leidenden, nicht bei den Leidmachern. Gott ist bei den Opfern, nicht bei den ­Tätern. Gott ist nicht fern, er leidet mit. Das ist die Botschaft, die Eli Wiesel damals in seinem Herzen hörte. Wer Gott in der Not ferne glaubt, wirft den letzten Halt weg, der ihm nahe ist.

Doch, es ging mir oft genug schwer im Leben. Zu DDR-Zeiten als Pfarrerskind und nach der Wende für manches Engagement und manche kritische Haltung. Ich war nie mit dem Leben bedroht. Aber infrage gestellt und entwertet schon. Ich habe Gott nie daran gemessen, wie es mir geht. Ich war ­dankbar, dass ich in jedem Ergehen eine Kraft hatte, die mich nicht verzweifeln ließ, die mir Mut zusprach. Und jemanden, der mich nicht aufgibt, selbst wenn ich nicht das Richtige getan habe.

Als Jesus am Kreuz betete »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen«, hat er einen Psalm gebetet, der voller Vertrauen schließt. Auch Psalm 35 schließt mit den Worten: »Der Herr sei hoch gelobt, der seinem Knecht so wohl will!« Ich kann wohl Gott verlassen – aber er ist nie ferne von mir.

Giselher Quast, Domprediger in Magdeburg