»Grenzgänger« in Thüringen
16. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Das Grenzgängerfestival in Sachsen-Anhalt geht nun schon ins 16. Jahr. Nun soll das Kulturfest vom 15. August bis zum 31. Oktober auch nach Thüringen geholt werden. Dietlind Steinhöfel sprach mit René Thumser vom Gemeindedienst der EKM.
Herr Thumser, was genau ist das Grenzgängerfestival und wer verantwortet es?

Ansprechpartner im Gemeindedienst: René Thumser
Thumser: Die Idee, so simpel wie genial, kommt vom Verein »Grenzgänger« aus Sachsen-Anhalt. Viele unserer Dorfkirchen werden nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Sie müssen aber nicht leer stehen. Das Festival will Kultur und Menschen in diese Kirchenräume bringen, was Kirchengemeinde und Dorf beleben kann. Was natürlich nicht bedeutet, dass hier keine Gottesdienste mehr stattfinden sollen. Das Festival ist als Ergänzung gedacht. Viele Gemeinden sind ja schon in dieser Richtung aktiv.
Hätte man nicht auf doppelte Strukturen verzichten und sich an den Magdeburger Verein andocken können?
Thumser: Es gibt keine Doppelstruktur. »Grenzgänger« ist ein eingetragener Verein in Sachsen-Anhalt, der zwar das Ziel hat, Kultur in die Kirchen zu bringen und deren Akteure kirchennah sind. Es ist jedoch eine ganz selbstständige Initiative, auch rechtlich. Der Verein erhält Mittel vom Bundesland Sachsen-Anhalt, die natürlich nicht für Thüringen ausgegeben werden dürfen. Wir stehen im Austausch und greifen auf deren gute Erfahrungen zurück. Gemeindedienst und Verein sind auch mit dem Thüringer Kulturministerium bezüglich des Aufbaus eines Online-Portals im Gespräch. Die EKM unterstützt das Anliegen des Vereins, indem sie einen Teil meiner Stelle beim Gemeindedienst zur Organisation des Thüringer Festivals bereithält.
Trotzdem muss ja vor Ort organisiert werden. Ist das zu leisten bei dem Pensum, das unsere Pfarrerinnen und Pfarrer auf den Schultern tragen?
Thumser: Das Festival, so ist der Grundgedanke, kann und sollte von Ehrenamtlichen gestemmt werden. Die Hauptamtlichen sind nur zuständig, die Kontakte herzustellen und Menschen vor Ort zu gewinnen. Es gibt sicher viele Engagierte, die mit Freude und Liebe eine Veranstaltung organisieren können, weil sie einen Draht zu Kunst und Kultur haben und die Kontakte im Dorf.
Hilfe gibt der Gemeindedienst: So stelle ich gerade einen Künstlerpool zusammen, der abgerufen werden kann. Die Künstler wissen, wo sie auftreten und wie der Honorarspielraum ist. Die Gagen müssen von der Gemeinde durch Eintritt und zum Beispiel Getränkeverkauf aufgebracht werden. Zum anderen habe ich eine Checkliste zusammengestellt, die alle Organisationsschritte enthält. Daneben bin ich für alle Fragen ansprechbar.
Es birgt eine große Chance für Kirchen- und Dorfgemeinde, wenn Gemeindeglieder ermutigt werden, etwas ganz selbstständig zu organisieren und die Hauptamtlichen einfach Gäste sein können.
Keine Kunst
25. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Seit 1997 hieß es jährlich Bühne frei für das Kleinkunstfestival »Grenzgänger«. Nun scheint das Aus für diese einmalige kirchliche Veranstaltungsreihe besiegelt. Weil die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland als Rechtsnachfolgerin der Kirchenprovinz Sachsen den jährlichen Zuschuss von 50.000 auf 20.000 Euro gekürzt hat, sieht sich der Trägerverein außerstande, die Vorbereitung und Organisation weiter ehrenamtlich zu leisten. Das ist aus mehreren Gründen bedauerlich. Gegründet wurde das Festival als Folge des Kirchbautages 1996. Damals waren die Experten zu dem Schluss gekommen, dass es im ländlichen Raum Nachholbedarf in Sachen Mehrfachnutzung von Kirchen gibt. Tatsächlich haben die »Grenzgänger« hier einiges geleistet.
Natürlich ist das Ende einer solchen Kulturreihe nicht ungewöhnlich. In Zeiten knapper Kassen muss die Frage nach dem Sinn von dauerhaften Zuschüssen erlaubt sein. Das ist in der Kirche nicht anders als anderswo. Doch es bleibt ein hoher Preis, den die EKM für die vergleichsweise kleine Summe zahlt. Immerhin ist das Festival für kleine Gemeinden aus der Taufe gehoben worden. Dass nun gerade dort gespart wird, macht es nicht leichter. Zwar hat die Landeskirche die Beweislast umgedreht, es reicht demnach nicht mehr, allein auf eine gewachsene Tradition zu verweisen. Durchschnittlich 4000 Besucher bei 60 Veranstaltungen pro Jahr sprechen jedoch eine deutliche Sprache.
Zudem praktizierte das »Grenzgänger«-Festival genau das, was Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrem Bericht vor der Synode jetzt angemahnt hat, dass sich die Gemeinden öffnen. Durch solche Angebote gewinnt die Kirche an Attraktivität auch für Fernstehende. Eigentlich hätte der Trägerverein mit seinem Ansatz, Kleinkunst in Dorfkirchen zu holen, eine zweite Chance verdient. Dafür wäre jedoch eine Fortsetzung der Förderung erforderlich. Ein solches Projekt auslaufen zu lassen, ist keine Kunst, einen Rettungsversuch zu unternehmen dagegen schon.
Martin Hanusch






