»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
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Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Anders mit Flüssen umgehen

18. Juni 2013 von redaktionguh  
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Nach der Flut: Gruna räumt auf, Mühlberg dankt

Die Flut richtete auch in vielen Orten im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch verheerende Schäden an. So zum Beispiel in Gruna, dass zum Kirchspiel Sprotta gehört. Dort hatte schon das Hochwasser 2002 gewütet. Nun stehen die Menschen dort erneut vor den Trümmern ihrer Existenz. Vergangene Woche wurden sogar Stimmen laut, dass es gescheiter wäre, den Ort an der Mulde aufzugeben und über die Umsiedlung in ein sicheres Gebiet nachzudenken. Am vergangenen Sonnabend wurde dennoch die Kirche wieder aufgeräumt, alle Bänke wurden hinausgeschafft und vom Schlamm befreit, der Kirchenfußboden wurde geschrubbt. Dazu kamen viele freiwillige Helfer aus dem Ort selbst sowie aus Schenkenberg und Authausen. Pfarrerin Edelgard Richter war in den Tagen der Flut viel unterwegs – in den Dörfern, in die die Flut eingedrungen war. Zum Glück ist der Muldepegel gefallen.

Foto: Andreas Bechert

Foto: Andreas Bechert

Zu Wochenbeginn fiel die Entscheidung, dass das für den 15. und 16. Juni geplante Kreisposaunenfest zum 30-jährigen Bestehen des Posaunenchores Sprotta gefeiert wird. Allerdings mit kleinen Änderungen, so Pfarrerin Edelgard Richter. So proben die Bläser am Sonnabend in Eilenburg, und ob in Gruna die Serenade vor der Kirche erklingen wird, sei noch fraglich. Ebenso die Teilnahme der Bläser aus Arzberg, da der Ort unter den Folgen des Elbe-Hochwassers leidet.

Ökumenischer Gottesdienst

Die Stadt Mühlberg (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) und umliegende Orte sind auch diesmal vor dem Extremhochwasser bewahrt worden. Katastrophenalarm und Evakuierung wurden am Montagnachmittag aufgehoben. »Das Bangen war wieder groß«, berichtet Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech. Für viele, einschließlich der größeren Kinder, sei es das zweite Mal gewesen. »Mir hat die Arbeit als Notfallseelsorgerin über diese schwierigen Tage hinweggeholfen.« Das Team der Notfallseelsorge ging nicht nur in der Elbestadt vor der Evakuierung von Haus zu Haus, sondern betreute auch die Menschen in den Evakuierungsunterkünften Tröbitz und Schönborn. Am 12. Juni feierte Mühlberg einen ökumenischen Gottesdienst, in dem der Dank für das erneute Bewahrt-Werden vor der Flut und der Dank an die mehr als 700 Einsatzkräfte, die Tag und Nacht gearbeitet hatten, im Mittelpunkt stand.

Die Gedanken der Pfarrerin richten sich über diesen Tag hinaus. »Hochwasserschutz bedeutet viel mehr als Deichbau«, sagt sie. »Wir müssen auch anders mit den Flüssen umgehen.«

(abe/ast)

Kreisposaunenfest – 15. Juni, 17 Uhr: Serenaden in Gruna und Paschwitz vor der Kirche. 18 Uhr: Festmusik in der Doberschützer Kirche mit Blech- und Holzbläsern, Pauken und Orgel; 16. Juni, 10.30 Uhr: Bläsergottesdienste in Mörtitz, Pristäblich und Sprotta. Eilenburg, St. Nikolai, 15 Uhr:  große Abschlussmusik mit 50 Bläsern aus dem Kirchenkreis. Musikalische Leitung des gesamten Wochenendes: Landesposaunenwart Frank Plewka