Sei mutig und kleide dich mit Demut

26. August 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

1. Petrus, Vers 5,5 b

Woran erkennt man Christen? An der Kleidung! Kleider machen Leute. Das ist etwas Wunderbares. Von gut angezogenen Menschen sind wir hingerissen. Einen Mann im hübschen Hemd schauen wir gerne an. Eine Frau im perfekten Kleid – wie anmutig. Alles nur Äußerlichkeiten? Nein. Auch Gott ist ein Ästhet! Und er schenkt uns Christen ganz besondere Kleidung. Doch der Reihe nach.

Der Wochenspruch stammt aus dem 1. Petrusbrief. Übersetzt man den ganzen Zusammenhang aus dem Griechischen, so steht dort: Umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander! Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber schenkt er Anmut. Um Demut geht es also. Wie lernt man Demut? Möglichkeit eins: Indem man Grenzen setzt, schon den Kindern. »Sei nicht so übermütig!«, schallt es durch manches Elternhaus. Die Kindsohren schlackern. Und das Kind zuweilen gleich mit. Anderntags kommt das Kind stolz und freudestrahlend über eine erfolgreiche Leistung nach Haus. Doch irgendwer findet sich immer, der ruft: »Nun lass dir den Erfolg aber nicht zu Kopfe steigen!«

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Das ist eine Möglichkeit, die Demut zu lehren. Demut als Kritik an (vermeintlichem) Hochmut. In einer Welt voll hochmütiger Kindsköpfe und übermütiger Egoisten will man doch wenigstens die eigenen Kinder … Schade ist: Das Dazwischen, die Sache zwischen Demut und Hochmut, der Mut des Kindes selbst, der kommt so zu kurz.

Wie lernt man also Demut? Aus dem 1. Petrusbrief lese ich: Sei selbst mutig und kleide dich mit ihr! Lege dir die Demut morgens bereit wie die Kleider für die Kinder. Sei Vorbild und zieh die Bescheidenheit an wie das hübsche Hemd. Umhülle dich mit der Selbstzurücknahme wie mit dem perfekten Kleid. Den Rest kannst du Gott überlassen.

Vor allem das mit den Hochmütigen – denen wird ER wiederstehen. Dann wird ER dich und deine Lieben und alle, die diese Kleidung tragen, mit lieblicher Anmut beschenken.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Im siebten Himmel – ein Liebesschloss für Gott

11. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5, Vers 8

Da sind zwei Menschen. Sie reisen gern. Wir kennen ihre Namen nicht. Wir wissen nur, sie waren einmal in einer großen deutschen Stadt. Einer mit Fluss. Einer mit großer Brücke über den Fluss. Und da waren diese Schlösser. Kleine Vorhängeschlösser. Dutzende, Hunderte, Tausende. In allen Farben. In allen Größen. Schlösser über Schlösser. An Geländern. Schlösser der Erinnerung.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Da sind zwei Menschen. Sie mögen sich. Jetzt sind sie wieder in Bad Liebenstein. Wir kennen ihre Namen nicht. Wir kennen nur die Initiale. P. und A. schlendern Arm in Arm durch den Kurpark. Den neuen, der klein-mondän daliegt. Mitten im Ort. Da ist auch eine Brücke. Sie sind sich ganz sicher. Jetzt. Hier soll es sein! Hier wollen sie ihre Herzen zusammenschließen. Sie nehmen das Schloss, öffnen es, geben sich dankbar einen langen Kuss und dann lassen sie es zuschnappen. »P+A« steht darauf. Ein Schloss der Erinnerung.

Da ist ein Mensch. Seinen Namen kennen wir. Paul heißt er. Und Single ist er. Paul läuft durch den Kurpark in Bad Liebenstein. Denn Paul reist gern. Und Paul beobachtet gern. Er biegt auf die Brücke ein. An den Geländern links und rechts: Bald zwanzig, bald dreißig kleine Vorhängeschlösser. Die umschließen die Eisenrohre der Geländer. Und tragen kleine Aufschriften. »Kim & Mirko«, »P+A«, »Für meine Göttin«, »D. ILD M.« Und überall sind kleine Herzen darauf.

Paul denkt gern. Was diese Schlösser wohl bedeuten? Er kennt das mit den Liebesschlössern nicht. Da zuckt es ihm durch den Kopf. Da strahlt er übers ganze Gesicht. Er ist sich ganz sicher! Ja! So muss es sein! Er hat das doch vor Jahren schon mal aufgeschrieben: »Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.«

Tags drauf kommt er wieder. Er nimmt das Schloss, spricht ein Dankgebet und graviert: »P. & Gott. Danke JC«. Dann lässt er es zuschnappen, das Schloss der Erinnerung.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Kreisverkehr und runder Tisch – die Urform der Gemeinde

9. Juli 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2, Vers 19

Kirchenmenschen mögen Stuhlkreise. Wahrscheinlich wegen der Gleichberechtigung. Alle sind Mitbürger und Gottes Hausgenossen, mit gleicher Anerkennung im Haus Gottes. Kirchenmenschen mögen aber auch Tische. »Och nö, nicht schon wieder Stuhlkreis«, sagte kürzlich eine Kollegin auf einer Fortbildung. »Ich möchte bitte einen Tisch!« Soll sie haben, denke ich. Aber wie er da so steht, allein im Stuhlkreis – sieht er ziemlich öde aus. Und ziemlich blöde fühlt sich auch die Kollegin, wegen der Sonderbehandlung. Schade, doofe Idee.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Betrachte ich unsere Gesellschaft, denke ich: Aus gleichberechtigt Reden ist gleichberechtigt Fahren geworden! Kreisverkehr statt runder Tisch. Toll, nicht wahr, wie viel schicke Kreisverkehre wir in den letzten 25 Jahren bekommen haben! Als Autofahrer mögen wir den Kreis. Wir schätzen die Übersichtlichkeit und Einfachheit am Kreisel. Gleiches Recht für jedes Auto. Ein eleganter Verkehrsfluss, der sich wie von selbst ergibt. Fast ohne Regeln.

Nicht mehr nur Gast und Fremdling sein, sondern vollwertig dazugehören. Was wäre, wenn Gott wirklich das Runde mag? Vielleicht ist Gottes Haus rund gebaut, anders als unsere eckigen Gebäude und Räume. Eher so wie mancher neuer Kirchenbau. Wie die kleine Kapelle in Mark Zwuschen (Kirchenkreis Wittenberg) zum Beispiel. Vielleicht ist das Runde die Urform der christlichen Gemeinschaft. Und wir stehen deswegen beim Abendmahl im Kreis.

Es gab mal große, runde Tische. Die hat man benutzt, als man vor 25 Jahren gleichberechtigt reden wollte. Als die Situation recht verfahren war, hier bei uns. Und ich finde: Nehmen wir unsere Kreisverkehre als Vorbild. Seien wir weniger Auto und mehr Mensch. Holen wir die runden Tische von den Dachböden. Stellen wir sie in unsere Küchen, unsere Kirchen, unsere Häuser. Leben und arbeiten wir am runden Tisch. Meiner Kollegin zuliebe werde ich es ausprobieren.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Fürchte dich nicht … Oder: Wie ich mein Trauma überwand

2. Juli 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 31, Vers 1

Als Vikar hatte ich kürzlich in einer Schule Religion zu unterrichten. »Ich stelle mich am ersten Tag dem Direktor vor«, sagt mir der gesunde Menschenverstand. »Schuldirektoren sind böse. Denen willst du nicht begegnen«, sagte mein Herz.

Manche Traumata sitzen tief. Bei mir ist es das Direktoren-Trauma. In meiner Erinnerung sind Schuldirektoren Menschen mit überlauter Stimme, bedrohlich großem Schlüsselbund und langen, schweren Ketten. Die Stimme: »Absteigen!« im Morgengrauen am Schulhof, auch wenn man das Fahrrad schob. Die Ketten waren für alle, die sich erdreisteten, das Fahrrad falsch zu parken. Die Parkregeln waren das Geheimnis des Direktors. Die Falschparker erhielten eine namentliche Durchsage in der großen Hofpause. Peinlich!

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein

Zeitsprung – erster Schultag als Vikar. Fürchte dich nicht … Ich bin zu Fuß gekommen, aus Vorsicht. Nun ziehen zwei schlotternde Knie die Stufen eines Südthüringer Gymnasiums hinauf. Guten Tag. Immer schön lächeln und weiter. Nochmal schnell aufs Klo. Wenigstens ein sicherer Ort, bevor es ernst wird. Als ich die Toilettentür öffne, kommt ein jung-dynamischer, freundlicher Mann heraus. Und huscht vorbei.

Zwanzig Minuten später. Ich sitze in meiner Klasse an der Seite. Ich soll erst einmal hospitieren.

Da geht die Tür auf und der freundliche Mann von eben tritt herein. Schülerinnen und Schüler schauen fröhlich auf. Der Mann grüßt die Lehrerin, bittet um Verzeihung für die Störung und kommt auf mich zu. »Guten Tag, ich bin der Direktor.« Dann begrüßt er mich mit Namen. »Ich wollte Sie gleich am ersten Tag willkommen heißen! Ihre Kolleginnen haben einen kleinen Empfang für Sie vorbereitet, im Anschluss an diese Stunde. Und dann kommen Sie später gern zu mir. Wir freuen uns, dass Sie da sind!« Ich bin erleichtert. Fürchte dich nicht …

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt