»Das Gute, das uns verbindet«

16. Juni 2018 von redaktionguh  
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Jugend und Gott: Am Pfingstsonntag wurde ich konfirmiert. Der Glaube gehört zu meinem Leben, aber nicht bei all meinen Mitschülern ist das so. Über glauben und zweifeln, beten und hoffen habe ich mit ihnen gesprochen.

Können sich Menschen, die sich als nicht-christlich bezeichnen, Gott überhaupt vorstellen? Und wenn ja, wie? Diese Frage beschäftigte mich an einem sonnigen Dienstagmorgen, als ich in meinem Klassenraum saß. Ich besuche die Freie Schule Bildungsmanufaktur in Halle. Der Anteil der Christen in unserer Schule ist sehr gering. Aber ich bin neugierig und ich mache gerne Umfragen, also beschloss ich, meinen Mitschülern und auch Mitarbeitern der Schule die Frage nach Gott zu stellen.

Milan Fuchs auf den Stufen vor der Pauluskirche in Halle. Der 14-Jährige ist in diesem Frühsommer konfirmiert worden. Er findet es spannend und lehrreich auch mit Menschen, die nicht glauben, über Gott zu reden. – Foto: Katja Schmidtke

Milan Fuchs auf den Stufen vor der Pauluskirche in Halle. Der 14-Jährige ist in diesem Frühsommer konfirmiert worden. Er findet es spannend und lehrreich auch mit Menschen, die nicht glauben, über Gott zu reden. – Foto: Katja Schmidtke

Bald darauf ging ich durch die Schule und fragte Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die fast alle von sich sagten, dass sie nicht an Gott glauben, ob sie dennoch eine Vorstellung von Gott hätten. Ich gab keine Antwortmöglichkeiten vor, da ich von jedem seine ganz persönliche Meinung hören wollte.

Bald stellte ich fest, dass es insbesondere Jugendlichen schwerfiel, diese Frage zu beantworten. Die Kinder hingegen konnten mir schnell eine Antwort geben. Ihre Ideen zu Gott waren eher gegenständlich und ich fand einige Sätze durchaus erheiternd wie: »Gott stelle ich mir wie einen Superhelden vor.« oder »Ich stelle mir Gott wie eine Art Pokémon vor.« oder »Gott ist ein alter Mann mit weißem Bart.«

Bei den Erwachsenen hingegen gab es sehr verschiedene Meinungen wie »Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es einen Gott gibt« über »Gott ist Verbundenheit« bis hin zu »Gott ist für mich die Kirche.«

Als ich ungefähr eine halbe Stunde durch das Schulhaus gelaufen war, kam ich mit ein paar gleichaltrigen Jugendlichen ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass sie schon einmal an Gott geglaubt hätten, aber das jetzt nicht mehr tun würden. Sie meinten, dass der Glaube für sie, die beide eine schwere Verlust­erfahrung in ihrem Leben gemacht hatten, sehr wichtig gewesen sei. Sie hätten dadurch neue Hoffnung gewonnen. Später traf ich einen Gleichaltrigen, der mir sagte, dass er nicht an Gott glaube, aber manchmal, wenn es ihm schlecht gehe, zu Gott bete. Er erzählte mir: »Ich hoffe dann einfach, dass es ihn gibt und er mir hilft.« Das bestätigte meine Gedanken, dass Menschen in schwierigen Situationen einen stärkeren Bezug zu Gott suchen.

Schließlich traf ich zwei Dreizehnjährige, die meinten, sie glaubten nicht an Gott. Als ich sie anschließend fragte, wie sie sich denn Gott noch am ehesten vorstellen könnten, antworteten sie: »Ich glaube, Gott ist mein Unterbewusstsein.« Als ich daraufhin wissen wollte, ob sie denn nicht glaubten, dass sie selbst ein Unterbewusstsein besäßen, brachte ich sie ein wenig zum Schmunzeln und vielleicht auch zum Nachdenken.

Ein interessanter Fakt, der sich für mich aus meiner Umfrage ableiten lässt, ist: Nahezu alle Befragten verbinden Gott mit etwas Positivem. Mit Hoffnung, Kraft und Verbundenheit, sie stellen sich Gott als Beschützer vor. Das sind für mich Begriffe, die ich mit etwas Gutem assoziiere. Und ich finde, der alte Mann mit weißem Bart hat doch irgendwie etwas sehr Nettes.

Diese Gespräche haben mir gezeigt, dass Menschen, die von sich sagen, sie seien nicht christlich, teilweise ähnliche Vorstellungen von Gott haben wie ich. Ich finde es wichtig, sich auch mit Menschen, die nicht an Gott glauben, über den Glauben zu unterhalten.

Am Ende dieser Umfrage stellte ich mir die Frage, was Gott eigentlich für mich selbst ist. Und ich bin zu folgender, zunächst vorläufiger Antwort gekommen: Gott ist für mich das Gute, was jeder in sich trägt. Gott ist das Gute, was uns alle verbindet. Und die Hoffnung und die Kraft, die uns in schwierigen Zeiten helfen können.

Milan Fuchs

Der Autor ist Schüler in Halle.

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»Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen«

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Mein Rückblick auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg – Mai 2017.

Fünf Uhr. Gebet zum Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung bin ich noch etwas müde nach dem Himmelfahrtsabend, der mich so begeistert hat. Ökumenischer Gottesdienst und Willkommensabend liefen mit mehr als 3 000 Besuchern ansteckend fröhlich in wunderbarer Kirchentagsstimmung ab. Die Kirchengemeinden haben eingeladen, liebevoll waren die Tische gedeckt und vielfältiges Essen zubereitet. Jetzt im Rosengarten am Elbufer zähle ich gerade 12, da kommt noch eine Gruppe Konfirmanden aus Meiningen. Sie haben sich aus dem einzigen Gemeinschaftsquartier in der Stadt so früh auf den Weg gemacht. Ich bin echt gerührt. Danach frühstücken mein Frau und ich auf der Schifferkirche mitten in der Elbe. Großartig, die sind extra aus Hamburg gekommen. Sie freuen sich über die gute Resonanz.

Im Kulturhistorischen Museum begrüße ich wenig später den Rabbiner Sajatz, der eine engagierte Bibelarbeit hält. Rückfragen sind bei den etwa 35 Teilnehmern leicht möglich. Gespräche entwickeln sich. Klasse – denke ich – dass die Stadt und die Museen, Kunst- und Kulturleute den Kirchentag unterstützen. Mit dem Fahrrad fahre ich zum Orga-Team. Herr Günther und die Ehrenamtlichen dort haben sich extra Urlaub für diese Tage genommen. Bloß der Kartenverkauf vor Ort ist mager – 20 000 war einfach zu hoch angesetzt. Wir beraten die Sicherheitslage. Die Polizei wird am Abend die Leute, die zur Inszenierung kommen werden, nur per Kontrolle ans Elbufer lassen. 6 000 werden es dann sein, die einen beeindruckenden Abend mit Licht, Musik, Schiffen und Schauspiel aus Magdeburgs Geschichte erleben werden.

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Ich fahre zum Dom, ein Reporter vom Deutschlandradio will mich dort sprechen. Im Dom wird gerade zum Thema Frieden diskutiert. Ein Manifest entsteht, das streitbar Beachtung finden wird.

Gesprächstermin: Er habe Kunden im Alleecenter gefragt, was sie vom Kirchentag mitbekommen: Nichts. Und warum wir das Thema Kinderarmut übergehen. Ich erkläre ihm, dass ein Kirchentag davon lebt, dass sich Menschen einbringen mit ihren Themen. Warum nicht zu Kinderarmut? Würde gehen. Aber zum Kirchentag auf dem Weg anlässlich des Reformationsjubiläums haben sich bei uns die Themen Frieden und neue Medien angeboten. Sie haben einen Bezug zu Magdeburg als »Unsers Herrgotts Kanzlei« und als in zwei Kriegen zerstörte Stadt: 1631 und 1945. Ja, schade, dass weniger kommen als gedacht. Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen. Das ist mühsam und Tickets sind auch nicht hilfreich. Im Übrigen würde ich jetzt los wollen, um mit der Ökumenischen Bigband vor dem Allee­center ein bisschen Straßenmusik zu machen. Meine Antworten hat er nicht gesendet.

In der nachmittäglichen Hitze fahre ich dann mit dem Rad zur Jugend. In den Zelten und im Schatten sind einige Kinder und Jugendliche. Es wirkt ein bisschen zu still, ich spüre Enttäuschung bei den Mitwirkenden. Einige Konfis aus der Altmark berichten aber auch von einem coolen Graffiti-Workshop, den sie besuchten – der war voll.

Zurück in der Oase der Seelsorger an der Wallonerkirche, werde ich wieder etwas aufgebaut. Dort höre ich auch von dem interessanten Projekt »Twittergottesdienst«. Ich schaue mir auf Youtube gleich mal einige TwiGo-Ausschnitte an: Ach, so funktioniert das. Ein Kirchenältester kommt vorbei und ruft mir zu: Den Willkommensabend – den machen wir doch wieder. Ich antworte lachend: Da hängt aber ein ganzer Kirchentag dran. Aber probieren können wir’s ja mal. Vielleicht in zwei Jahren? 2019! – Dankbar bin ich für solch engagierte Haupt- und Ehrenamtliche.

An zahlreichen Helfern vorbei und durch die Polizeikontrolle gehe ich abends ans Elbufer: Ich spüre, wie die Menschen mitgenommen werden in die Geschichte der Reformation vor 500 Jahren. Gut, denke ich, dass es heute anders ist: Ohne konfessionellen Kampf – dafür ökumenisch und weltoffen.

Stephan Hoenen

Der Autor ist Superintendent in Magdeburg.

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Den Glauben zur Herzenssache machen

20. Mai 2018 von redaktionguh  
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Pietismus: Gefühlsbetonte Frömmigkeit prägte die Kirchenliedliteratur

Beim Blättern im Evangelischen Gesangbuch stoßen wir auf zahlreiche pietistische Lieder, die auch heute noch gern gesungen werden. Zu ihnen zählt Nummer 251, deren erste Strophe lautet: »Herz und Herz zusammen / sucht in Gottes Herzen Ruh. / Lasset eure Lebensflammen / lodern auf den Heiland zu. / Er das Haupt, wir seine Glieder, / er das Licht und wir der Schein, / er der Meister, wir die Brüder, / er ist unser, wir sind sein.« Was Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf da in Gedichtform gebracht hat, bringt das Anliegen des Pietismus auf den Punkt. Es ging darum, die als Erstarrung wahrgenommene Rationalisierung der Theologie aufzubrechen und Glauben wieder zur Herzenssache zu machen. Die direkte Annahme der biblischen Botschaft und ein lebendiger Umgang mit ihr standen im Vordergrund.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (Porträt von Balthasar Denner)

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (Porträt von Balthasar Denner)

Der durch persönliche Bekehrung und gefühlsbetonte Frömmigkeit geprägte Pietismus entwickelte sich seit 1670 zur bestimmenden Strömung der Kirchenliedliteratur. An die prägende Rolle des Liedes in der Reformation anknüpfend, versuchte er der Singepraxis neue Impulse zu geben. Durch neue Liedschöpfungen brachte er eigene reformerische Anliegen zum Ausdruck und zeitigte bemerkenswerte Wirkungen in Dichtung und Musik. Produktivster Autor war zweifellos Graf Zinzendorf, der etwa 3000 Lieder dichtete. Auch Joachim Neander (»Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren«, EG 316) oder Gerhard Tersteegen (»Ich bete an die Macht der Liebe«) haben bis heute beliebte Kirchenlieder geschaffen.

Die wichtigste Liedersammlung war zweifellos das 1704 in Halle erschienene »Freylinghausensche Gesangbuch«, das ungefähr 1500 Lieder umfasste. Sein Herausgeber Johann Anastasius Freylinghausen war Theologe der pietistischen Halleschen Schule und Nachfolger von August Hermann Francke als Direktor der Franckeschen Stiftungen. Im Evangelischen Gesangbuch findet sich unter EG 356 das Lied »Es ist in keinem andern Heil, kein Name sonst gegeben«, zu dem er den Text der ersten Strophe geschrieben hat.

Mit seiner 2003 in der Evangelischen Verlagsanstalt veröffentlichten Edition »Lieder des Pietismus« hat Christian Bunners bisher nur in Spezialarchiven auffindbare Quellen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit zugleich verdeutlicht, dass der Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts auch eine Singebewegung gewesen ist. Das gilt auch für spätere Ausprägungen wie den Neu-Pietismus und die Gemeinschaftsbewegung, die Impulse der amerikanischen und englischen Heiligungsbewegung aufnahmen. So fanden sich 1892 in der ersten Auflage des deutschen Reichsliederbuches (3 Millionen!) 30 Prozent aus dem Englischen übersetzte Texte! Diese sogenannten »Heilslieder« verfügten meist über einen wiederkehrenden Refrain und wurden mit In­brunst auf den neu entstandenen Großevangelisationen gesungen.

Michael von Hintzenstern

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Kirche als Impulsgeber

13. Mai 2018 von redaktionguh  
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Theologe Domsgen zur Zukunft der Institution

Die Thesen zur Zukunft der Kirche, die der Professor für Evangelische Religionspädagogik in Halle, Michael Domsgen, auf der Landessynode entwickelte, machen ihn zum begehrten Gesprächspartner. Renate Wähnelt traf ihn als Referent auf der Kreissynode in Delitzsch.

Welche Diagnose stellen Sie der Institution Kirche?
Domsgen:
Die Bedeutung der Kirche als Institution nimmt tendenziell ab. Diese Entwicklung trifft übrigens nicht nur die Kirchen. Auch bei anderen Institutionen lässt sich das beobachten. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass sie regional bzw. nationalstaatlich agieren, die Probleme jedoch, die sie bewältigen müssen, eine kosmopolitische Dimensionen haben. Zudem hat sich das Lebensgefühl geändert. Unser Leben ist immer weniger von Selbstverständlichkeiten geprägt. Man geht zur Kirche, wenn man sie braucht. Die Vorstellung vom Glied am Leib Christi, aus der dann eine lebenslange Mitgliedschaft folgt, spielt kaum noch eine Rolle. Man ist Mitglied – oder eben nicht.

Die Reaktion auf sinkende Mitgliederzahlen sind Vergrößerungen der Pfarrbereiche. Sie sagen, Kirche dürfe sich nicht selbst zum Hauptthema machen. Wie aber auf die Diagnose reagieren?
Domsgen:
Ich fürchte, der Aktionismus verdrängt die Frage, ob die Kirche überhaupt auf dem richtigen Weg ist. Es ist ja nicht so, dass da draußen die böse Welt ist und wir hier drinnen auf dem richtigen Weg sind. Nein, wir müssen uns auch verändern. Kirche ist wichtig als Unterstützerin der Menschen, die als Christ leben wollen. Sie muss sich vom Einzelnen und seiner Lebenswelt her denken und ihm helfen, sein Verhältnis zu Gott, zu anderen und zu sich selbst zu gestalten.

Was heißt das konkret?
Domsgen:
Wie die Kirche der Zukunft aussieht, weiß keiner! Ich sehe Kirche als Impulsgeberin, damit Menschen sich vom Leben, Wirken und Geschick Jesu in ihrem Leben anregen und bestimmen lassen. Das wird regional unterschiedlich aussehen. Das Evangelium gibt es nicht an sich, sondern immer nur in einem Kontext. Unverzichtbar dafür ist die Kommunikation. Bereits vor 50 Jahren hat Ernst Lange vorgeschlagen, von der Kommunikation des Evangeliums zu sprechen, um das Dialogische zu betonen. Dem schließe ich mich gern an.

Ist eine Institution Kirche überhaupt noch nötig?
Domsgen:
Ich denke schon. Es braucht neben den Neuaufbrüchen und Veränderungen immer auch das Moment der Verstetigung. Gerade in der Kooperation mit anderen Institutionen ist Verlässlichkeit wichtig. Der schulische Religionsunterricht beispielsweise ist nur dadurch möglich. Es wäre fahrlässig, diese Möglichkeiten aus der Hand zu geben. Aber in der Summe wird nüchtern zu prüfen sein, wo die momentane institutionelle Gestalt von Kirche die Kommunikation des Evangeliums fördert und wo nicht.

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Langjährige Verbindung: Ministerpräsidentin a. D. feiert mit der Kirchenzeitung
Foto: Paul-Philipp Braun

Foto: Paul-Philipp Braun

Zu ihrem 60. Geburtstag am 7. Mai lud die Ministerpräsidentin a. D. Christine Lieberknecht (CDU) nach Ramsla (Kirchenkreis Weimar). Unter den Gratulanten auch drei Chefredakteure von »Glaube + Heimat« (v. re.): Dr. Gottfried Müller, Jubilarin Christine Lieberknecht, Dietlind Steinhöfel und Willi Wild. Die Theologin ist der Kirche und der Kirchenzeitung seit ihrer frühesten Jugend verbunden. Ihr Vater war seinerzeit Superintendent in Apolda. Sie und ihr Mann waren im Pfarrdienst im Weimarer Land, bevor Lieberknecht in der Wendezeit in die Politik ging. Anstelle von Blumen und Geschenken bat die Jubilarin um Spenden zur Sanierung der Peternell-Orgel in der St.-Nikolai-Kirche in Buttelstedt (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt).

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Gemeinsam am Tisch des Herrn

7. Mai 2018 von redaktionguh  
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Ökumene: Christen haben gut lachen, findet Kirchenclown Leo aus Halle

Das Gleichnis vom Festmahl – eine andere biblische Geschichte wollten Florentine, Amanda, Pauline, Christophorus und Leo nicht erzählen. Welches Gleichnis Jesu passt auch besser zu jenen fünf Kirchenclowns, die vier verschiedenen Konfessionen angehören? Sie sind römisch-katholisch, evangelisch-uniert, evangelisch-methodistisch und freikirchlich-evangelisch – und doch folgen sie alle der großen Einladung Gottes, wie sie im Lukasevangelium (14,15ff) beschrieben wird.

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

»Das Gleichnis des Festmahls stellt alltägliche und gleichzeitig hochtheologische Fragen«, sagt Steffen Schulz alias Kirchenclown Leo aus Halle-Trotha. Da lädt ein Hausherr ein und all seine Gäste sagen ab, er aber schickt seinen Diener wieder los und lässt andere kommen, die Kranken, die Armen, die Aussätzigen. Was machen wir mit der Einladung Gottes? Nehmen wir sie aus freien Stücken an? Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch des Herrn? Erkennen wir, dass uns so viel mehr eint als trennt?

Steffen Schulz versucht das. Seit 19 Jahren steht er als Clown Leo auf der Bühne; in der ersten Zeit allein, aber zum elften Clownsgeburtstag 2010 spürte er die große Sehnsucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu spielen. So entstand das Stück »Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit!« über das Festmahl-Gleichnis. Leo, Amanda, Florentine, Pauline und Christophorus sowie Almuth Schulz am Piano haben die Bibelgeschichte adaptiert. Aus dem Hausherrn wird ein Paar, neben dem Diener spielt auch ein Hofnarr mit, es gibt Slapstick-Einlagen, das Stück ist als Nummernprogramm konzipiert. »Köstlich« spricht kleine Menschenkinder mit seinen Emotionen und große mit seinen Metaphern an.

»Humor verbindet. Humor ist vielleicht sogar ein Synonym für Ökumene«, sagt Steffen Schulz. Schmunzelnd fügt der hauptberufliche Kirchenclown an, das sei nun wahrlich eine steile These. Aber wenn der Körper lacht, kommt etwas in Bewegung, in Wallung. So wie auch in der Ökumene.

Steffen Schulz hat früh gelernt, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen alle denselben Herrn haben, dass sie einer Familie angehörigen. Er selbst wuchs nahe Halle in einer ökumenischen Familie auf, der Vater katholisch, die Mutter evangelisch. Eher aus zufälligen, pragmatischen Gründen sei er Protestant geworden; die evangelische Kirche war einfach näher am Elternhaus in Gutenberg als die katholische. Mit seinem Clownsnamen Leo besinnt er sich auf seine katholischen Wurzeln, der Name stammt vom katholischen Großvater.

»Ökumene ist für mich selbstverständlich«, sagt Steffen Schulz und freut sich über das gelungene Miteinander seiner Clowns-Kollegen. »Köstlich« ist nicht nur ökumenisch inszeniert, sondern auch ökumenisch finanziert: Neben der EKM beteiligte sich unter anderem das Bistum Magdeburg an den Kosten. Im Jahr 2016, am Vorabend des Reformationsjubiläums, war das Kirchenclown-Ensemble in Luthers Kernland unterwegs. 2018 laden die Clowns im Sauer- und Siegerland zum Festmahl ein und auch für die kommenden beiden Jahre gibt es schon Anfragen und Pläne. Danach will Clown Leo seine Hosenträger an den Nagel hängen. Steffen Schulz möchte sich auf andere Wege begeben, das Evangelium zu verkünden. Ganz sicher mit einer großen Portion fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Katja Schmidtke

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Miteinander zu sprechen ist wichtiger, als mit einer Stimme zu sprechen

7. Mai 2018 von redaktionguh  
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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen: Geschäftsführerin Elisabeth Dieckmann über verschiedene Aspekte der Ökumene

Haltung ist ebenso wichtig wie Inhalt, geht es um die Ökumene in Deutschland. Elisabeth Dieckmann, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) über den Schwung nach dem Reformationsjahr, aktuelle Herausforderungen und einfache ökumenischen Praktiken.

Der Ökumene-Tag in Halle, auf dem Sie den Hauptvortrag hielten, stand unter dem Thema »Jetzt geht’s weiter«. Das klingt nach Aufbruch, oder?
Dieckmann:
Ja, es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren. Das Reformationsjahr ist ja wirklich ökumenisch gefeiert worden und das Fundament, das uns alle trägt, ist gewachsen. Das kann nicht mehr kaputt gemacht werden, und mehr noch, es kann uns Auftrieb geben.

Elisabeth Dieckmann. Foto: epd-bild

Elisabeth Dieckmann. Foto: epd-bild

Ich spüre jedenfalls Elan und neue Zuversicht, um bei Herausforderungen in der Gesellschaft, aber auch im Dialog mit anderen Religionen mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Gleichzeitig schätzen wir unsere Pluralität wert. Es gibt natürlich weiterhin Unterschiede. Wir können und müssen nicht an jeder Stelle mit einer Stimme sprechen. Aber wir sind bereit, miteinander zu reden. Wie Reinhard Kardinal Marx sagte: 2017 ist ein Kairos, ein Geschenk der Gnade.

Bedeutet die pastorale Orientierungshilfe für das Abendmahl einen Rückschlag? Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sie beschlossen, aber einige Bischöfe scherten danach aus und beschwerten sich beim Vatikan.
Dieckmann:
Das Kirchenrecht gewährt einen gewissen Entscheidungsspielraum: Soll ein katholischer Spender einem Protestanten die Kommunion reichen, muss eine schwerwiegende geistliche Notlage vorliegen.

1983 wurde kirchenrechtlich festgelegt, dass der Diözesanbischof oder die Bischofskonferenz entscheidet, wann eine solche Notlage eintritt. Die neue pastorale Orientierungshilfe hat das Ziel, dem Pfarrer vor Ort einen Entscheidungsspielraum zu überlassen, so dass er im Gespräch mit betroffenen Eheleuten eine gute Lösung finden kann.

Ich persönlich finde es sehr bedauerlich, dass sich sieben Bischöfe an den Vatikan gewandt haben. Neu ist das nicht, wir kennen das aus der Schwangerenkonfliktberatung. Nun müssen wir abwarten, wie Rom entscheidet. Ich möchte sehr hoffen, dass nicht eine Minderheit über den Weg nach Rom die Mehrheit überstimmt. Die Bischofskonferenz hat mit ihrer Handreichung eine ökumenische Öffnung bestätigt, die in vielen katholischen Gemeinden bereits Praxis ist.

Ist diese pastorale Orientierungshilfe eine glückliche Stunde der Ökumene oder Murks?
Dieckmann:
Unsere Haltung ist entscheidend! Nur mit Forderungen auf den Partner zuzugehen, bringt uns nicht voran. Sind wir ehrlich oder rückwärtsgewandt, verharrend auf unseren eigenen Vorurteilen? Ich finde, in der deutschen Ökumene geht es durchaus ehrlich zu. Aber ich kann nachvollziehen, dass es den konfessionsverschiedenen Ehepaaren zu langsam geht.

Ist die Basis weiter als es Kirchenleitung und Theologen sind?
Dieckmann:
Das kann man so pauschal nicht sagen. Es muss Spielräume geben, und es gibt sie. Kirche ist nicht dazu da, ein starres Korsett vorzugeben. Natürlich gibt es Menschen an der Basis, die nach vorne drängen, das ist gut und richtig so, denn die Kontakte vor Ort tragen die Ökumene. Aber für sichere, stabile, langfristige Beziehungen braucht es auch institutionelle, verbindliche Verabredungen. Sonst wäre Ökumene ganz abhängig von den Handelnden vor Ort.

Die ACK-Mitgliedskirchen haben die Charta Oecumenica unterzeichnet. Was sind die wesentlichen Inhalte?
Dieckmann: Dass wir eine Gemeinschaft bilden in Glauben, Sakramenten, Dienst und Zeugnis. Uns gelingt schon viel, etwa bei Caritas und Diakonie, beim Religionsunterricht. An ostdeutschen Schulen gibt es schon häufiger einen gemeinsamen Reli-Unterricht, weil hier die Zusammenarbeit zwischen den Christen durch die Minderheitensituation und durch die gemeinsame Erfahrung der kommunistischen Diktatur geprägt ist. Manchmal, wie etwa in Berlin, sind es ganz pragmatische Gründe. Es gibt in einigen Bundesländern auch schon einen orthodoxen Religionsunterricht.

Warum verstehen wir Ökumene so oft als katholisch-evangelischen Dialog?
Dieckmann:
Die ACK wirbt seit langem dafür, dieses katholisch-evangelische Übergewicht wahrzunehmen und zu sehen, dass auch Frei- und orthodoxe Kirchen zu Deutschland gehören. Als die Planungen zum Reformationsjubiläum begannen, hieß es noch Lutherdekade, dann Reformationsdekade, schließlich feierten wir ein Christusfest. Die täuferischen Bewegungen, die ja auch aus der Reformation kommen, kamen aber kaum vor. Es ist im breiten Bewusstsein wenig verankert, dass es in Deutschland noch andere Formen von Kirche gibt. Mit einem anderen Taufverständnis, einer anderen Liturgie, einem anderem Gottesdienst-Leben. Aber das sind auch Formen des Christentums, die wir kennen lernen sollten.

Die Charta Oecumenica ist voller guter Ideen, aber sind es nicht zu viele? Der Pfarrer schreibt Predigten, unterrichtet Konfis, besucht Kranke, führt die Gemeinde geistlich und geschäftlich – und dann auch noch Ökumene?
Dieckmann:
Ist das wirklich so, muss ich Ökumene als Zusatzaufgabe auffassen? Muss jede Kirchengemeinde alles machen? Oder kann ich nicht die Chance nutzen, Ökumene als Arbeitsteilung, als Entlastung zu begreifen? Faktisch gibt es einiges, das wir ökumenisch tun können, ohne dass es Arbeit ist: beten! Ob persönlich oder als Fürbitte im Gottesdienst.

Die Fragen stellte Katja Schmidtke.

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Rock und Pop für die Kirche

30. April 2018 von redaktionguh  
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Popularmusik: Im Ursprungsland der Reformation fristet sie ein Nischendasein, kritisiert Kirchenmusik-Dozent Christoph Zschunke.

Popularmusik in der Kirche, auch im Gottesdienst, ist längst eine Selbstverständlichkeit. »Eine Vielzahl neuer geistlicher Lieder und poptypischer Musizierweisen haben längst Einzug gehalten in unsere Gottesdienste und kirchenmusikalische Arbeit«, sagt Christoph Zschunke, Bundeskantor im Christlichen Sängerbund und Dozent für Chorleitung und Popularmusik an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle. Er sieht aber auch beängstigende Defizite. Denn »fast alle Landeskirchen haben diesbezüglich z. B. in den letzten Jahren ergänzende Liederbücher zum Evangelischen Gesangbuch herausgebracht«, erklärt Zschunke. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) allerdings suche man ein solches bisher vergebens. Hier setze man scheinbar auf die geplante Gesangbuchrevision.

Illustration: lisakolbasa – stock.adobe.com

Illustration: lisakolbasa – stock.adobe.com

Viele Kirchengemeinden haben heute bereits gezielte Gottesdienst- Formate, die sich vorwiegend mit Popularmusik speisen. Es gibt immer häufiger auch sogenannte Profilkirchen, wie Jugendkirchen. Wenn es dort um Musik geht, ist das meist Popularmusik. Zur qualitativen Weiterentwicklung und Verstetigung von Popularmusik im kirchlichen Alltag haben etliche Landeskirchen längst Beauftragte für Popularmusik oder haupt- und nebenberufliche Ausbildungsmodelle (kirchenmusikalische C-Kurse) für Popularkirchenmusik entwickelt. Mitteldeutschland – das Ursprungsland der Reformation – sei diesbezüglich ein weißer Fleck auf der EKD-Landkarte , ärgert sich Zschunke. »Als Kirchenmusiker haben wir kaum Kontakt in diese anderen kulturellen kirchlichen Milieus. Das ist mehr als nur schade!«

Popularmusik gehört in der EKM scheinbar nicht zum Hoheitsbereich der Kirchenmusik, sondern fristet allenfalls ein Nischendasein im Bereich kirchlicher Jugend- und Kulturarbeit. Und selbst dort wurde kürzlich eine wichtige Stelle für die Vernetzung und Angebote an die Basis nicht wieder besetzt.

Dabei wäre für Zschunke vor allem wichtig, dass Kirchenmusiker in ihrer Gesamtheit das breite musikalische Spektrum abdecken können. Er verweist dabei auf Luther, dessen reformatorisches Anliegen es war, die Christen am Gottesdienst wieder zu beteiligen. Also stellt er Fragen, wie: »Für wen machen wir wo welche Angebote? Wen erreichen wir womit? Wollen wir nicht verschiedene Menschen in ihren Hörgewohnheiten und ihrem Lebensgefühl abholen und sie in unsere spirituellen Feiern mitnehmen, sie womöglich auch aufrütteln, gar verstören?«

Im textlastigen Gottesdienst kommt ihm die emotionale Komponente oft zu kurz. Es sei sehr wohl möglich, mit Stilmitteln der Popularmusik auch liturgisch kompatibel zu musizieren. Es gibt etliche Kirchenmusiker, die das mit Überzeugung tun, authentisch, leidenschaftlich und stilsicher. »Wo das gelingt und Gemeinde sich gern beteiligt, wirkt Popularmusik selbst in streng agendarischen Gottesdiensten heutzutage nicht mehr wie ein Fremdkörper, sondern ist selbstverständlich geworden«, erklärt Zschunke.

Doch da klaffen vielerorts Lücken. Er gibt zu bedenken, dass die deutschlandweite Vielfalt an Fortbildungsangeboten in Sachen Popularmusik in der EKM noch zu wenig abgebildet wird. Wichtig wäre ihm auch, mittelfristig aus den poptypischen Milieus eigenen kirchenmusikalischen Nachwuchs generieren zu können. »Solche Profis und Quereinsteiger brauchen wir zunehmend in unserer Kirche«, findet er.

Natürlich gibt es im Bereich der EKM Kirchengemeinden, in denen man sich mit der Popmusik bestens auskennt, wie in der Paulusgemeinde in Halle. »Bei uns ist modernes Liedgut eine Selbstverständlichkeit, auch im Gottesdienst«, sagt Kirchenmusikdirektor Andreas Mücksch. Es sollte so auch anderswo ganz normal sein, dass sowohl die geistliche Musik zur Traditionspflege als auch die Popularmusik gleichermaßen eine Rolle spielen, findet er. »Das ist kein Bruch und das wird als solcher auch nicht wahrgenommen«, so seine Erfahrung. Leider seien da andere Landeskirchen viel weiter als die EKM, meint auch er.

In einigen Kirchenkreisen sollen daher Stellen für Popularmusik geschaffen werden – vorbehaltlich der Finanzierung. Auch die Hochschule für Kirchenmusik plant, den Schwerpunkt auszubauen. Zur Zeit sehen die Pläne des Bachelor-Studiums zwei obligatorische Semester in Popmusik vor, wobei die Studenten Instrument oder Fach frei wählen können. Wer Interesse hat, kann den Schwerpunkt vertiefen und sich praktisch ausprobieren, etwa im Studiochor der EHK oder im PopChor der Studentengemeinde. Geplant ist für September zudem eine Weiterbildung in Popularkirchenmusik.

Claudia Crodel

Hintergrund
Die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle (EHK) wurde am 18. April 1926 durch das Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen in Aschersleben gegründet. 1939 siedelte sie nach Halle um. 1993 wurde der Kirchenmusikschule der Status einer Hochschule verliehen. 2001 erfolgte der Umzug ins Händelkarree, im gleichen Jahr wurde die popularmusikalische Ausbildung in die Studiengänge aufgenommen. Die Künstlerischen Aufbaustudiengänge gibt es fortan für die Fächer Orgel, Konzert- und Oratoriengesang und Chor- und Orchesterleitung. Die EHK zählt aktuell 53 Studenten.

www.ehk-halle.de


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Kirche in der frohen Zukunft

8. April 2018 von redaktionguh  
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Gemeindeporträt: Die Heilandskirche ist das jüngste evangelische Gotteshaus in Halle

Wo ist die Frohe Zukunft? Gleich hinter dem Gertraudenfriedhof – das kann man als Hallenser und Christ so oder so sehen. Tatsächlich grenzt das in den 1930er-Jahren entstandene Wohngebiet »Frohe Zukunft« an den größten städtischen Friedhof. Einfamilienhäuser säumen die Straßen, in den Gärten recken sich die Frühblüher in die Sonne und am Krokusweg läuten die Kirchenglocken.

Kirche am Krokusweg: Die Heilandskirche im halleschen Stadtteil »Frohe Zukunft« vereint Gotteshaus und Gemeinde­räume. Sie fügt sich ins Wohngebiet ein. Foto: Ev. Kirchenkreis Halle-Saalkreis

Kirche am Krokusweg: Die Heilandskirche im halleschen Stadtteil »Frohe Zukunft« vereint Gotteshaus und Gemeinde­räume. Sie fügt sich ins Wohngebiet ein. Foto: Ev. Kirchenkreis Halle-Saalkreis

1938 wurde die Heilandskirche eingeweiht – Halles jüngstes evangelisches Gotteshaus. Im schlichten Stil erbaut, mit einem bescheidenen Turm und ohne Hauptportal, fügt sie sich in das Wohngebiet ein. Das Gebäude verbindet Kirche und Gemeinderäume – früher lebten hier Diakonissen, die den Kindergarten leiteten.

Wenige Jahre nach ihrer Einweihung wurde die Heilandskirche im Sommer 1944 von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Den Taufstock samt Schale retteten Helfer. In den Flammen wurden die Glasfenster von Paula Jordan und die klappbaren Altartüren mit den Seligpreisungen vernichtet.

»Die Gemeinde ist jung, aber ihre Geschichte ist voller Umbrüche«, erzählt Pfarrerin Grietje Neugebauer. Die Chronik erzählt von der Einweihung unterm Hakenkreuz, Zerstörung im Krieg und Wiederaufbau in der kirchenfeindlichen DDR, vom Weg als Filialkirche zur Eigenständigkeit, vom Wachsen und Schrumpfen.

1938 zählte die Gemeinde rund 3 800 Glieder, 1952 waren es 3 500, acht Jahre später nur noch 1 000. »Heute haben wir rund 500 Gemeindeglieder«, sagt Kirchenältester Jürgen Pannwitz.

Mit St. Pankratius und Paulus gibt es eine Kooperation. Pfarrerin Neugebauer betreut zudem das Kirchspiel Trotha-Seeben. Die regionale Zusammenarbeit bietet Chancen für die Gottesdienst-Gestaltung, aber sie fordert auch Einsatz. »Es gibt hier ein großes ehrenamtliches Engagement und alle sind sehr selbstständig tätig«, sagt die Pfarrerin. Das verbindet die Menschen mit ihrer Kirche. Die Fluktuation ist im Vergleich zu den Stadtgemeinden ohnehin gering, die »Frohe Zukunft« ist schon fast dörflich.

Das geistliche Leben der Heilandsgemeinde ist geprägt von regelmäßigen Gottesdiensten, dem Café Kroküsschen für Senioren, einem Diakoniekreis mit der Paulusgemeinde, dem Chor und einem Gesprächskreis 30plus – eine Zielgruppe, für die es sonst eher weniger kirchliche Angebote gibt, so Grietje Neugebauer. Alle Generationen kommen zu Gemeindeabenden über kirchliche und gesellschaftliche Themen und zum Basteln in der Advents- und Osterzeit zusammen.

Seit einigen Jahren öffnet die Gemeinde ihr Gotteshaus für weltliche Feiern: Weil viele Familien in die »Frohe Zukunft« gezogen sind und die Grundschule keinen großen Saal hat, wird die Einschulung in der Kirche gefeiert. Jürgen Pannwitz führt außerdem Schüler im Rahmen ihres Ethik-Unterrichts durch die Kirche.

Katja Schmidtke

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»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
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Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

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»Ihr singt sehr gut!«

5. Februar 2018 von redaktionguh  
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Großes Lob vom Papst: Der Stadtsingechor zu Halle gestaltete in Rom die Vesper mit dem katholischen Kirchenoberhaupt

Die prächtigen päpstlichen Basiliken, das gemeinsame Proben und Singen mit dem päpstlichen Chor Capella Pontificale »Sistina« und die direkte Begegnung mit Papst Franziskus – all dies werden die 50 jungen Sänger des Stadtsingechores zu Halle noch lange in Erinnerung behalten, die im Januar in Rom gastierten.

Der Knabenchor aus der Saalestadt nahm an der Gestaltung der vom Papst zelebrierten feierlichen Vesper anlässlich des Festtags der Bekehrung des Apostels Paulus teil. Die Feier fand in der Basilika San Paolo fuori del Mura statt, der Kirche, die im 4. Jahrhundert über dem Grab des Apostels Paulus gebaut und nach einem Brand im 19. Jahrhundert originalgetreu wieder errichtet wurde.

Am Grab des Apostels Paulus: Der Stadtsingechor zu Halle sang gemeinsam mit dem Chor der Sixtinischen Kapelle bei der Vesper anlässlich des Festtags zur Bekehrung des Heiligen. Fotos (2): Stadtsingechor zu Halle

Am Grab des Apostels Paulus: Der Stadtsingechor zu Halle sang gemeinsam mit dem Chor der Sixtinischen Kapelle bei der Vesper anlässlich des Festtags zur Bekehrung des Heiligen. Fotos (2): Stadtsingechor zu Halle

Seit der Zeit von Papst Paul VI. ist es üblich, dass zu der Vesper Gäste aus der Ökumene eingeladen werden, um gemeinsam für die Einheit der Christen aller Konfessionen zu beten. Seit Papst Benedikt XVI. wird die ökumenische Einladung auch auf die musikalische Gestaltung der Vesper ausgeweitet, indem der Chor der Sixtinischen Kapelle gemeinsam mit einem Gastchor auftritt. In diesem Jahr wurde der Stadtsingechor zu Halle dazu eingeladen.

Der Knabenchor, der seit Ende des Zweiten Weltkriegs in städtischer Trägerschaft ist, hat seine Wurzeln im Jahr 1116, als das Augustiner-Chorherrenstift Neuwerk vor den Toren der Stadt Halle gegründet wurde. Seit der Reformationszeit war er für die Gestaltung gottesdienstlicher Musik in den Hauptkirchen der Stadt Halle verantwortlich. Auch heute liegt sein Hauptaugenmerk in der Pflege geistlicher Chormusik, insbesondere der mitteldeutschen Chortradition.

Nach Rom war der Stadtsingechor sehr kurzfristig eingeladen worden. »Wir haben die Einladung erst im November von der Stiftung Fondazione Pro Musica Arte Sacra erhalten«, erzählt Chordirektor Clemens Flämig. Für den traditionsreichen Knabenchor aus Halle war es natürlich eine besondere Ehre, dass gerade er für die Teilnahme an der Vesper angesprochen wurde. Da nahmen es die jungen Sänger im Alter von zehn bis 18 Jahren sogar in Kauf, in ihren Weihnachtsferien zuhause zu üben, denn es waren auch neue Stücke gefragt.

So sangen sie gemeinsam mit dem Chor der Sixtinischen Kapelle Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina und ein Magnificat von Orlando di Lasso. Zudem wartete der Stadtsingechor zu Beginn und am Ende der Vesper mit Chorwerken der lutherischen kirchenmusikalischen Tradition auf, mit Kompositionen von Telemann und Mendelssohn Bartholdy.

Der Romaufenthalt hatte für die Hallenser übrigens mit einem ganz besonderen Erlebnis begonnen: Der Chor hatte sich vor die Vatikanische Audienzhalle begeben und dort Telemanns »Das ist meine Freude« angestimmt. Auf seinem Weg zur Audienzhalle kam der Heilige Vater dazu und hörte aufmerksam zu. »Ihr singt sehr gut!«, sagte Papst Franziskus und hob den Daumen. Ein sehr außergewöhnliches Lob für die Chorknaben.

Danach bedankte sich das Kirchenoberhaupt bei Chorleiter Flämig und stellte sich mit den Sängern zu einem gemeinsamen Foto auf. »Es war für alle sehr beeindruckend, diesem Papst begegnen zu dürfen«, so Clemens Flämig.

Claudia Crodel

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