Großer Bahnhof für die Bahnhofsmission
19. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Vor 20 Jahren wurde die kirchliche Institution in Halle wiedereröffnet.

In der Adventszeit wird in der Bahnhofsmission Halle zum wärmenden Tee ein Stück Stollen gereicht. Foto: Jens Schlüter
Fast 800.000 Menschen haben hier in den letzten 20 Jahren Hilfe erhalten: Die Bahnhofsmission Halle war und ist für Menschen da, die beim Umsteigen wegen ihres Alters oder einer Behinderung nicht alleine klarkommen, aber auch Bedürftige sind in der Wärmestube willkommen und erhalten gegen einen kleinen Obolus ein liebevoll angerichtetes Frühstück. Und es gibt auch Männer und Frauen, die hier einfach einmal ihre Sorgen abladen können. »Die Arbeit am Menschen ist uns wichtig. Wir wollen durch Taten helfen«, sagt Heike Müller, Leiterin der Bahnhofsmission.
Am 20. Dezember 1991 wurde die kirchliche Einrichtung wiedereröffnet – das 20-jährige Bestehen wird am 20. Dezember um 17 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Bahnhofshalle gefeiert. Um Platz zu schaffen für die erwarteten 300 Gäste, werden dafür sogar Verkaufskioske in der Einkaufsmeile entfernt. Geleitet wird der Gottesdienst von Superintendent Hans-Jürgen Kant und musikalisch begleitet vom Posaunenchor Halle-Neustadt. Neben einem anschließenden Empfang erwartet die Besucher an diesem Tag auch eine Tombola zugunsten der Bahnhofsmission. Der Robert-Schumann-Chor sorgt für adventliche Stimmung.
Obwohl an diesem Tag die Wiedereröffnung der Bahnhofsmission gefeiert wird, liegt die Geschichte der Einrichtung weitgehend im Dunkeln. Heike Müller, die seit zwölf Jahren Chefin ist: »Wir wissen, dass es schon vor dem Zweiten Weltkrieg eine Bahnhofsmission in Halle gab, die später wie alle in Deutschland von den Nazis geschlossen wurde.« Auch zu DDR-Zeiten hatte sie das gleiche Schicksal. Doch Aufzeichnungen über die früheren Aktivitäten der Bahnhofsmission seien nicht erhalten, so Heike Müller. Der damalige Superintendent Günter Buchenau setzte sich nach der Wende für eine Wiedereröffnung ein – als ökumenische Einrichtung bestand so die Bahnhofsmission bis 2007. Seit dem 1. Januar 2008 wird sie vom evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis alleine betrieben.

Ohne die 23 Ehrenamtlichen würde die Arbeit der Bahnhofsmission heute nicht möglich sein: Es gibt nur drei festangestellte Kräfte. Die Freiwilligen helfen unter anderem jeden Morgen, die Brote für die täglich bis zu 40 Bedürftigen zu schmieren, die hier Wärme auch auf menschlicher Ebene bekommen. In einem Geburtstagskalender sind alle Namen erfasst – und an ihrem Ehrentag wird der Platz mit einer Kerze geschmückt. »Und an diesem Tag ist das Frühstück auch kostenlos für sie, sonst müssen sie 50 Cent zahlen«, so Heike Müller. Aber auch Krankenhausbesuche und sogar die Teilnahme an der Beerdigung eines regelmäßigen Gastes der Bahnhofsmission sind Selbstverständlichkeiten für das Team. Denn für viele der jährlich um die 12000 Bedürftigen sind die Räume längst ein Stück Heimat geworden.
In der täglichen Arbeit mit den Menschen fallen Heike Müller zwei Dinge auf: Einerseits werde heute für Bedürftige und Obdachlose besser gesorgt – niemandem könne man es mehr ansehen, ob er auf der Straße oder in einem Wohnheim lebt. Andererseits würden die psychischen Probleme der Menschen, die die Bahnhofsmission aufsuchen, immer häufiger. »Manche sind seit 20 Jahren ohne Arbeit und die Folgen des Alkohol- oder Drogenmissbrauchs machen sich bemerkbar«, erläutert sie. Aber auch beruflicher Stress und Einsamkeit seien Gründe, warum Männer und Frauen Rat und Hilfe bei der Bahnhofsmission suchen. »Diese Gespräche sind heute komplexer geworden und dauern oft eine Stunde«, sagt Heike Müller.
Silvia Zöller
Amerika-Mission begann in Halle
7. Januar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Geschichte: Franckesche Stiftungen erinnern an Heinrich Melchior Mühlenberg.

Heinrich Melchior Mühlenberg gilt als Begründer der lutherischen Kirche in Nordamerika. Foto: Franckesche Stiftungen
In diesem Jahr wird der 300. Geburtstag Heinrich Melchior Mühlenbergs in Deutschland und in den USA gefeiert. Der Theologe wurde von den Franckeschen Stiftungen nach Pennsylvania geschickt, wo er die lutherische Kirche Nordamerikas gründete.
Mühlenberg – der Name ist in Amerika, anders als in Deutschland, bekannt und wird verehrt. Dabei war Heinrich Melchior Mühlenberg (1711–1787) nichts weiter als ein armer deutscher evangelischer Pfarrer ohne viel Berufserfahrung und noch weniger Englisch-Kenntnissen, der 1742 nach Pennsylvania kam.
Der Theologe, der in Halle studiert und an den Franckeschen Stiftungen ein Jahr lang unterrichtet hatte, wurde auf Wunsch deutschstämmiger Siedler von Gotthilf August Francke – dem Sohn des Waisenhaus-Gründers August Hermann Francke – nach Amerika entsandt. Im Ostküstenstaat Pennsylvania baute Mühlenberg ein funktionierendes Gemeindewesen für die lutherische Kirche auf und gründete zudem die eigenständige lutherische Kirche Nordamerikas. Mühlenbergs Söhne gelten als Gründerväter der amerikanischen Demokratie: Während einer als General im Unabhängigkeitskrieg kämpfte, war der andere erster Sprecher des Repräsentantenhauses und Mitunterzeichner der Bill of Rights.
In Deutschland weitgehend unbekannt
Doch in Deutschland ist der Mühlenberg-Clan weitgehend unbekannt. Das soll sich 2011 ändern, wenn eine Ausstellung in den Franckeschen Stiftungen und Wanderausstellungen an den Wirkungsstätten des gebürtigen Einbeckers an Mühlenberg erinnern. Grund hierfür ist der 300. Geburtstag des ungewöhnlichen Predigers, der am besten durch eine von ihm selbst in seiner Autobiographie überlieferten Episode charakterisiert wird: Auf der fünfmonatigen Überfahrt von London nach Amerika kam das Schiff mehrfach in die Ziellinie von Piraten; die Anordnung des Kapitäns, die Betten als Abwehr an der Reling aufzustellen, verweigerte Mühlenberg mit dem Hinweise auf den 91. Psalm, der eine bessere Abwehr sei (»Wer im Schutz des Höchsten wohnt…«).
Mit dem für den hallischen Pietismus typischen Hang zur minutiösen Dokumentation hat es Mühlenberg Ausstellungsmacher Claus Veltmann, Kustos der Franckeschen Stiftungen, leicht gemacht. Nicht nur die Autobiographie, sondern auch Tagebücher und der rege Briefverkehr zwischen Halle und New Providence (heute Trappe), New Hanover und Philadelphia, wo Mühlenberg bis zu seinem Tod 1787 predigte, geben vielfältige Auskunft.
»Freiheit, Fortschritt und Verheißung«
In der Wanderausstellung, die am 27. März in Halle eröffnet wird und dann durch Deutschland und in einer englischen Version nach Amerika geht, sollen aber auch Porträts wichtige Personen auf dem Lebensweg Mühlenbergs zu sehen sein – etwa des Mitunterzeichners der Unabhängigkeitserklärung, Benjamin Franklin. In einer weiteren Schau, die ab Mai zu sehen sein wird, ist der Bogen weiter gespannt: »Freiheit, Fortschritt und Verheißung – das europäische Bild in Nordamerika in der frühen Neuzeit« ist der Titel der Jahresausstellung, in der auch das Wirken Mühlenbergs einen großen Raum einnehmen soll.
Darüber hinaus stehen auch das Mühlenberg College in Allentown, Pennsylvania, und das Lutheran Theological Seminary in Philadelphia mit ihren Vorbereitungen in den Startlöchern. Beide Hochschulen haben ein gemeinsames Komitee gegründet, um vom September 2011 bis zum August 2012 in zahlreichen Veranstaltungen an ihren geistigen Vater zu erinnern.
Silvia Zöller
Weitere Informationen zum Jahresprogramm 2011 gibt es im Internet unter: www.francke-halle.de.
»Diese Arbeit wird mich nicht so schnell loslassen«
30. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Nach 20 Jahren wird Gefängnisseelsorgerin Hanna Haupt in Halle verabschiedet

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Hanna Haupt in der JVA Halle wichtige Projekte angestoßen. Foto: Martin Hanusch
Dort, wo zu DDR-Zeiten die Stasi eine Untersuchungshaftanstalt unterhielt, hat sie nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung ein neues Arbeitsfeld aufgebaut. Am Anfang habe es auf beiden Seiten große Unsicherheiten gegeben. Heute, erzählt die Pfarrerin mit der Kurzhaarfrisur, gehöre Kirche in der Justizvollzugsanstalt (JVA) ganz selbstverständlich dazu. Am 30. Juli wird die Gefängnisseelsorgerin nach 20 Dienstjahren aus ihrem Amt verabschiedet – natürlich im »Roten Ochsen«.
Dabei ist ihr Lebensweg keineswegs in dieser Richtung vorgezeichnet. Als drittes von acht Kindern wächst Hanna Haupt in Erfurt auf, der Vater ist Garten- und Landschaftsarchitekt. »Eigentlich«, sagt sie, »hätte ich gerne Jura studiert.« Doch weil sie aus einem »frommen Elternhaus« stammt, weder bei den Pionieren ist noch in die FDJ eintritt, kommt das kaum infrage. Stattdessen studiert sie nach dem Abitur Bibliothekswissenschaften in Leipzig.
Danach nimmt sie 1969 ein Theologiestudium an der Kirchlichen Hochschule auf, geht anschließend nach Erfurt und Blankenhain. 1989 folgt der Wechsel nach Halle. Hanna Haupt wird Katechetin an der Paulusgemeinde und ab 1990 ehrenamtliche Gefängnisseelsorgerin. 1994 legt sie das zweite Theologische Examen ab – im Alter von 46 Jahren – und übernimmt nun hauptamtlich die Gefängnis- und Ausländerseelsorge.
Vor allem in der JVA durchlebt sie spannende Zeiten und zahlreiche Veränderungen. Von den »Wendewirren« mit gerade einmal elf inhaftierten Frauen bis zu riesigen Haftzahlen habe sie alles mitgemacht, erzählt sie. Erst im vergangenen Jahr sind die Umstrukturierungen zu Ende gegangen. »Auch deshalb ist es ein guter Zeitpunkt, jetzt aufzuhören«, ist Hanna Haupt überzeugt.
Trotzdem hat sie allen Grund, dankbar auf die vergangenen 20 Jahre zurückzublicken. »Ich konnte viele Menschen für die Arbeit im Gefängnis sensibilisieren.« Aber auch in der JVA hinterlässt sie Spuren. Sie hat hier einige wichtige Projekte angestoßen – die Konzertreihe »Musik hinter Gittern« etwa, Theaterprojekte und Malgruppen. Dass der Kirchsaal im »Roten Ochsen« wieder zum Kirchsaal geworden ist, nennt sie selbst einen schönen Erfolg. Jetzt sei er wieder die »Seele der Anstalt«.
Das gilt möglicherweise noch viel mehr für ihr Wirken in der Justizvollzugsanstalt selbst. Denn besonders die Gespräche mit den Inhaftierten und den Bediensteten liegen ihr in all den Jahren am Herzen. Gerade bei familiären Problemen und bei Schwierigkeiten im Knastalltag sei sie gerne in Anspruch genommen worden. »Diese Arbeit hat mir Spaß gemacht und wird mich wohl nicht so schnell loslassen«, schätzt Hanna Haupt.
Doch jetzt freut sie sich erst einmal auf mehr Zeit für sich sowie die vier Kinder und fünf Enkelkinder. Zudem will sie mit ihrer Stadtratsarbeit weitermachen, solange es ihr gut geht. Hier engagiert sich die Pfarrerin ebenso wie in der Bürgerinitiative Paulusviertel, deren Vorsitzende sie seit 1990 ist. »Schließlich«, sagt sie mit einem Lächeln, »besteht das Leben ja nicht nur aus dem Knast.«
Martin Hanusch
Bezahlbare Bibeln für alle
28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Festveranstaltung in den Franckeschen Stiftungen in Halle erinnert an Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt vor 300 Jahren

Canstein
Aus diesem Gelübde ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte geworden: Canstein gründete 1710 am Halleschen Waisenhaus in den Franckeschen Stiftungen die erste Bibelanstalt der Welt und ermöglichte damit erstmals jedermann einen preiswerten Zugang zur Schrift der Schriften. Mit einer Festveranstaltung am 31. Mai wird ab 18 Uhr im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen an diese Gründung erinnert.
Von Canstein hatte den überzeugten Pietisten und Gründer der Stiftungen, August Hermann Francke, 1697 kennengelernt und war ihm und seinen Ideen seitdem tief verbunden. Mehr als 900 Briefe von Cansteins an Francke sind erhalten. In seinem Testament setzte von Canstein die Franckeschen Stiftungen als Universalerben ein.
Bis zum Tod des Adeligen im Jahr 1719 hatte die Bibelanstalt bereits 80.000 Bibeln und 100.000 Neue Testamente vertrieben. Zuvor war es ein Privileg der Reichen und des Adels, die Heilige Schrift zu besitzen, der normale Bürger konnte sich keine Bibel leisten. Mehrere Millionen Bibeln in mehr als 30 Sprachen verließen bis 1938 die Bibelanstalt in Halle, die in diesem Jahr von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. 1951 nahm die Bibelanstalt in Witten (Nordrhein-Westfalen) ihre Arbeit wieder auf. Heute hat die Cansteinsche Bibelanstalt ihren Sitz in Dortmund.
In den Franckeschen Stiftungen hat sich das Canstein Bibelzentrum weiter dem Erbe des Adeligen verschrieben: Bibelkenntnisse werden hier seit 1995 wieder in Vorträgen und Seminaren vermittelt. Walter Martin Rehahn, der das Zentrum leitet, hofft für das Jubiläumsjahr vor allem auf eines: »Dass das Canstein Bibelzentrum noch bekannter wird und bei vielen Menschen Interesse an unserer Arbeit und vor allem natürlich an der Bibel geweckt wird.« Einen Beitrag dazu hat der Pfarrer auch zum Jubiläum vorbereitet: Am 31. Mai wird er sein neues Buch »Das Buch und die Bücher. Literaturvorträge am Canstein Bibelzentrum Halle« vorstellen. Darin enthalten sind zwölf Beiträge aus der Vortragsreihe aus den Jahren 1998 bis 2009.
Noch bis zum 6. Juni zeigt eine Sonderausstellung in den Franckeschen Stiftungen anlässlich des Jubiläums unter dem Titel »Bibeldruck in Halle« nicht nur verschiedene Ausgaben der Cansteinschen Volksbibeln, sondern auch Kostbarkeiten wie die sogenannte Septemberbibel Martin Luthers aus dem Jahr 1522 mit Illustrationen von Lucas Cranach d. Ä.
Silvia Zöller
Die Broschüre »Carl Hildebrand von Canstein und die von Cansteinsche Bibelanstalt« kann kostenlos bei der Geschäftsstelle der Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen e.V., Olpe 35, 44135 Dortmund, oder per E-Mail unter <mail@werkstatt-bibel.de> angefordert werden.






