Als Märchenfiguren getarnt?

11. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.
Jesaja 40, Verse 3.10

Kurz vor der Adventszeit ist in der Lokalzeitung zu lesen: »Angekommen sind auf dem Markt neben dem Weihnachtsbaum auch die ersten Märchenfiguren.« Dazu ein Foto: Auf dem Marktplatz steht ein kleiner Lastwagen mit Figuren. Alle aus Holz geschnitzt, fast mannshoch und bunt angemalt. Beim zweiten Hinschauen erkenne ich: Das sind doch Maria und Josef, Hirten, ein paar Schafe, dazu die drei Weisen aus dem Morgenland in bunten Gewändern. Angezeigt als Märchenfiguren.

500 Jahre vor Christi Geburt. Nach dem Fall Jerusalems sind viele Israeliten nach Babylon weggeführt. Sie haben sich fern der Heimat den neuen Verhältnissen angepasst oder schauen resigniert auf die vergangenen Zeiten zurück: Da galten wir noch was! Aber jetzt?

Die Zahl derer, die sich noch zu Gott halten, sinkt. Unsere Gottesdienste sind zu öffentlichen Klagefeiern geworden: »Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen« (Jesaja 49,14b). Da kann nur eines trösten: ein Wort, das die Befreiung und die Nähe Gottes ankündigt. Der Prophet bringt dieses Trostwort. Von fernher. »Gott wird kommen«, verheißt er. »Ich kann euch sagen, in der Wüste wird für ihn ein Weg bereitet.«

Hans-Jürgen Kant ist Superintendent in Halle.

Hans-Jürgen Kant ist Superintendent in Halle.


Nicht mein Tun ist gefragt. Der Himmel selbst ist hier am Werk. Ihn drängt es auf die Erde. In meine Wüsten, in meine Fragen angesichts von Krieg und Leid, in meine Traurigkeiten.

Adventszeit. Ich will einen Schritt langsamer ­gehen, aufmerksam sein. Vielleicht kann ich die Zeichen der Ankunft Gottes bei uns entdecken. Die Wege, die sich auftun in Musik und Wort, durch eine helfende Hand, ein offenes Herz. Vielleicht auch in den Gestalten seiner Heilsgeschichte – getarnt als Märchen­figuren.
Am Ende werden sie doch offenbar. Im späten Adventslicht stehe ich auf dem Marktplatz neben staunenden Kindern: »Schau mal! Maria und Josef. Die Krippe mit dem Kind. Die Könige. Ist das schön!«

Hans-Jürgen Kant

Superintendent in Halle

»Das jüngste Kind ist zwei«

17. Juni 2011 von redaktionguh  
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Das Bauwagen-Projekt der Wernigeröder Johannisgemeinde geht ins elfte Jahr.

»Ich bin hier ein Urgestein«, sagt Babara Cöster. Im Wernigeröder Stadtfeld steht bereits der zweite Bauwagen, den sie betreut. Der erste war 2000 ein Einachser, der »gemeinsam innen gestrichen und draußen bemalt« wurde. Unterdessen steht auf der Wiese der Nachfolger. Das Teutloff-Bildungswerk hat ihn für rund 10.000 Euro gestaltet.

»Nach vier Jahren ist er noch gut in Schuss, weil er pfleglich behandelt wird.« Nicht einmal die Reifen haben Schaden genommen, freut sie sich. »Manchmal habe ich das Gefühl, das Wohngebiet passt auf den Bauwagen auf.«

Von Mai bis Oktober ist an drei Tagen der Woche der »Bauwagen« im Wernigeröder Stadtfeld für »betreutes Spielen« geöffnet. (Foto: Matthias Bein)

Von Mai bis Oktober ist an drei Tagen der Woche der »Bauwagen« im Wernigeröder Stadtfeld für »betreutes Spielen« geöffnet. (Foto: Matthias Bein)


Vor elf Jahren hatten Hans-Jürgen Kant, damals Pfarrer der Johannisgemeinde, und seine Mitstreiter die Idee, etwas für die Kinder zu tun. Der heutige Hallenser Superintendent fragte Babara Cöster, ob sie nicht als Streetworkerin anheuern wolle.

»Wenn die Kinder nicht zu uns kommen können, dann gehen wir eben zu ihnen, hat er damals gesagt«, erinnert sie sich. So rollte der Bauwagen ins Plattenbaugebiet, und er steht von Mai bis Oktober hier, bunt, außergewöhnlich, mit Fensterläden und offenen Türen für jene, die hierher kommen.

Sie heißen Jennifer, Maik oder Sedscha, aber eigentlich spielen Namen keine Rolle. Barbara Cöster und ihr FSJler Tim Eichmann bieten hier einen Treffpunkt für Kinder bis zu zwölf Jahren und deren Familienmitglieder an. Dienstag bis Donnerstag von 15 bis 18 Uhr sind die Bauwagentüren geöffnet.

»Die ersten beiden Wochentage wirkt das recht unstrukturiert, Donnerstag ist der Strukturtag. Da bekommen Kinder, die sich gern treiben lassen, ihr Programm.« Da fallen Worte, die die Kinder zu Hause selten hören. »Wer sich für uns entscheidet, der soll auch dabei bleiben. Wenn wir donnerstags im Center der Stadtjugendpflege kochen, dann muss der, der essen will, das Programm absolvieren. Geschenkt gibt es nichts.«

Mitmachen heißt, das Essen mit zuzubereiten oder wenigstens den Tisch zu decken. Plötzlich kamen Hartz-IV-Mütter mit ihren Kindern, halfen beim Kochen und kamen so unter Leute.

Das Projekt lebt von Spenden und Förderung

Was Barbara Cöster freut, auch Zuwanderer finden den Weg zum Bauwagen und lernen im Umgang miteinander besser Deutsch. Elf Muslime gehören zu den Gästen, obwohl die Eltern wissen, es ist ein Projekt der evangelischen Kirche. Für die Leiterin des Projektes ein Schritt zur gegenseitigen Akzeptanz.

»Es ist ein großes Wort, dass sich bei den Kindern das Wertesystem ändert und sie toleranter werden. Aber ›Neger‹ oder ›Schokojunge‹, solche Bezeichnungen sind fast vergessen.«

Barbara Cöster kommt aus Bonn, lebte in Bayern, um dann vor 15 Jahren in Wernigerode sesshaft zu werden. Sie hat kirchliche Kinder- und Jugendarbeit gemacht, Mädchenarbeit beim CVJM, gründete eine Familie, arbeitete ehrenamtlich in Kirchengemeinden. Sie weiß um all die alltäglichen Probleme zwischen Ämtern, Gemeinde und Projekt.

Den Bauwagen sieht sie als Anlaufpunkt für die Kinder. »Das jüngste Bauwagen-Kind ist zwei. Ein Geschwisterkind bringt es mit; es muss zu früh Verantwortung übernehmen«, sagt die Streetworkerin nachdenklich. Unterdessen hat sich der Bauwagen mit Internationalem Bund und der Stadtjugendpflege vernetzt. Es sei ein Geben und Nehmen, nicht nur wenn es bei der Eröffnung der 11. Bauwagensaison in Strömen gießt und Zelte her müssen. Es gibt das Kochprojekt und Ferienfreizeiten, Fahrten nach Aschersleben in den Tierpark und ins »Phaeno« nach Wolfsburg.

Ziele, die die Kinder aus der Geldbörse ihrer Eltern selten finanziert bekommen. Da wird der symbolische Euro eingezahlt. Sonst lebt das Projekt von Spenden, Fördergeldern und dem Eigenanteil der Johannisgemeinde.

Die junge Pfarrerin Heide Liebold teilt den Optimismus ihres Vorgängers Hans-Jürgen Kant. Dank des Engagements von Menschen wie Barbara Cöster und der Hilfsbereitschaft aus Gemeinde und Stadt wird es nach der elften weitere Bauwagen-Sommer geben.

Uwe Kraus

Jeder Tag ist jetzt Sonntag im »Roten Ochsen«

19. November 2010 von redaktionguh  
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Barbara Sonntag ist in ihr neues Amt als Gefängnisseelsorgerin in Halle eingeführt worden.
 
Von Jena nach Halle gewechselt: Barbara Sonntag (Foto: Thmomas Meinicke)

Von Jena nach Halle gewechselt: Barbara Sonntag (Foto: Thmomas Meinicke)

Anfang Oktober hat sie ihren Dienst bereits aufgenommen, jetzt wurde die neue Gefängnispfarrerin Barbara Sonntag mit einer Andacht in der Gefängniskirche der halleschen Haftanstalt »Roter Ochse« in ihr Amt eingeführt.

Superintendent Hans-Jürgen Kant leitete die Feierstunde – und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: »Manchmal fehlen die Bestellungsurkunden, hier haben wir sie pünktlich erhalten.« Er spielte damit auf seine eigene Amtseinführung vor einigen Monaten an, die ohne die eigentlich erforderlichen Dokumente der Bischöfin vonstatten gehen musste.

Kant lobte die 49-Jährige, die zuvor knapp 20 Jahre lang als Pfarrerin auf der Intensiv- und der Palliativstation der Uniklinik Jena tätig war, als erfahrene Seelsorgerin. »Sie wird auch in der Haftanstalt immer den ganzen Menschen sehen und nach dem Guten und Verschütteten suchen«, so Kant.

Justiz-Staatssekretär Bernhard Sterz betonte, dass die Tätigkeit von Gefängnisseelsorgern gerade deshalb so wertvoll sei, weil sie nicht aus der Justiz kommen. »Sie haben einen anderen Blick. Das gibt ihnen im Verhältnis zu den Menschen in Haft auch eine andere und höhere Autorität«, so Sterz.

Neben Barbara Sonntag sind 16 weitere Gefängnispfarrer in Sachsen-Anhalt tätig, davon neun evangelische und acht katholische. Sie betreuen rund 2100 Gefangene, aber auch deren Angehörige und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten.

Barbara Sonntag ist Nachfolgerin von Gefängnisseelsorgerin Hanna Haupt, die rund 20 Jahre dieses Amt innehatte und im Sommer in den Ruhestand getreten ist. Die gebürtige Düsseldorferin hat eine ungewöhnliche Biographie: Aus familiären Gründen zog ihre Mutter 1964 vom Rhein an die Saale. In Merseburg besuchte Barbara Sonntag die Schule, später studierte sie in Jena. Der jetzige Umzug nach Halle fiel ihr nicht schwer: Ihre beste Freundin wohnt hier.

Aber auch Hanna Haupt hat ihr den Wechsel leicht gemacht: »Sie hat sich viel Zeit genommen, um mich überall einzuführen und mir das Gefängnis zu zeigen«, dankte die 49-Jährige ihrer Vorgängerin bei der Amtseinführung. Einen besonderen Wunsch legte sie den Gästen der Andacht ans Herz: Die Pfarrerin möchte gerne möglichst viele Ehrenamtliche für die Arbeit mit Gefangenen gewinnen. Egal, ob für Besuchsdienste oder für Freizeitangebote: »Jedes Gesicht von außen ist wichtig. Es zeigt den Gefangenen, dass sie weiter ein Teil der Gesellschaft sind.«

Silvia Zöller

Neuer Superintendent für Halle-Saalkreis

26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Pfarrer Hans-Jürgen Kant tritt sein Amt Mitte Juni an

Hans Juergen Kant, Foto: Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Hans Juergen Kant, Foto: Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Der künftige Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis heißt Hans-Jürgen Kant. Die Synode des Kirchenkreises wählte den Wernigeröder Pfarrer bei ihrer Sondertagung am 19. Februar in Halle. Im dritten Wahlgang setzte er sich mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit gegen drei Mitbewerber durch.

Hans-Jürgen Kant nahm die Wahl an. Nun muss der Landeskirchenrat der mitteldeutschen Kirche zustimmen. Sein neues Amt wird der Pfarrer voraussichtlich am 15. Juni antreten. Die Amtseinführung ist für den 20. Juni vorgesehen.

Vorgestellt hatte sich Kant den Christen aus Halle und Umgebung in einem Gottesdienst am 27. Januar in der Marktkirche. Grundlage seiner Predigt bildete der 1. Brief des Paulus’ an die Korinther, in dem der Apostel die dortige Gemeinde zu gemeinsamer Kraftanstrengung auffordert. Mit Blick auf die heutige Situation sagte Pfarrer Kant: »Dieses gemeinsame Wollen brauchen wir immer wieder in unseren Kirchenkreisen und Gemeinden. Und besonders jetzt auch in unserer Landeskirche, die … zu etwas Neuem zusammenwächst.« Da sehe er noch manches Trennende. Wichtig sei jedoch der gemeinsame Blick »auf das uns verbindende Ziel«. »Es ist nötig, sich für gemeinsame Regelungen einzusetzen und Erfahrungen miteinander zu teilen, die unserem Zeugnis als Christen förderlich sind«, so Kant.

Hans-Jürgen Kant stammt aus dem Ostseebad Kühlungsborn. Er lernte Apothekenfacharbeiter, studierte nach seiner Bausoldatenzeit von 1981 bis 1987 Theologie in Leipzig und wurde anschließend Vikar im mecklenburgischen Neustrelitz. Von 1989 bis 1997 war Kant Pfarrer in Röcken im heutigen Kirchenkreis Merseburg, von 1997 bis 2000 Superintendent des Kirchenkreises Wernigerode und Pfarrer in Wernigerode. Seit 1994 spricht er Andachten im Rundfunk. Zudem hat er eine klinische Seelsorgeausbildung absolviert. Hans-Jürgen Kant ist mit der Pfarrerin Simone Carstens-Kant verheiratet. Das Paar hat drei Töchter.

(mkz)