Von Hus bis Luther – Schätze der Reformationszeit

11. März 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Hobbyhistoriker Hans Losche hat die Werke digitalisiert. 	(Foto: Markus Wiethoff)

Hobbyhistoriker Hans Losche hat die Werke digitalisiert. (Foto: Markus Wiethoff)

Die historische »Himmelgartenbibliothek« wird 2013 nach Nordhausen zurückkehren.

»An die ›Himmelgartenbibliothek‹ kann ich mich noch gut erinnern. Als ich zur Konfirmantenstunde ging, lagerte sie noch in der Sakristei von St. Blasii. Wir hatten keine Ahnung vom Wert dieser Bücher und spielten oft in dem Raum, in dem es immer ein wenig moderig roch«, beschreibt Oberbürgermeisterin Barbara Rinke ihren ersten Kontakt mit den historischen Büchern. Nach der Reformation und dem Ende des Nonnenklosters in Himmelgarten bei Nordhausen kamen die Bände in die Südharzstadt.

Den Zweiten Weltkrieg überstanden sie in einem Schacht bei Wolkramshausen, bevor sie wieder in die Blasii-Kirche zurückkehrten. 1973 wurde die Bibliothek nach Naumburg gebracht, konnte dort aber nicht fachgerecht ­gelagert und erhalten werden. 1989 zogen die Bücher deshalb in die Lutherstadt Wittenberg, wo sie im Predigerseminar aufbewahrt werden.

Die Stadt Nordhausen will diesen Bücherschatz aus der Zeit vor, während und kurz nach der Reformation zurückholen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Der erste Schritt dafür wurde getan. Die Kirchengemeinde St. Blasii, vertreten durch die Kirchenälteste Claudia Szkaley, unterzeichnete einen Vertrag mit der Stadt über die Lagerung in der zukünftigen Stadtbibliothek hinter dem Rathaus. Von dieser ist zwar noch nicht viel zu sehen, aber im Dezember 2010 flossen die ersten Fördermittel, sodass bald mit dem Bau begonnen werden kann.

Doch bis dahin gab und gibt es einiges zu tun. Hans Losche übernahm die Erstellung einer aktuellen Archivliste, die auf der Originalnomenklatur basiert. 1717 wurde der erste Katalog von Pfarrer Johannes Kindervater angefertigt, der die Bibliothek dem Verfall entrissen hatte. Danach habe es noch drei weitere ­Dokumentationen gegeben, die jedoch alle unvollständig seien, so der Hobbyhistoriker. Er ist nach Wittenberg gefahren und hat nachgesehen, was dort in den Regalen steht. Werke von Jan Hus, ­Ulrich von Hutten, Erasmus von Rotterdam, Philipp Melan­chthon und natürlich Martin Luther sind darunter.

Neben einer umfangreichen Suchfunktion bietet die Dokumentation von ­Losche auch die Möglichkeit, die oft kunstvollen Einbände zu betrachten. 355 der 377 Bände mit 777 unterschiedlichen Titeln sind noch erhalten. 18 Bücher sind beschädigt und sollen restauriert werden.

»Das ist nicht bloß die Rückführung eines kulturhistorischen Gutes, sondern ein Juwel für Nordhausen«, freut sich der engagierte Ruheständler auf die »Himmelgartenbibliothek«, die 2013 ankommen wird. Am 15. April soll ein Vortrag alle Interessierten über die Bücher informieren und um weitere Unterstützer für die Restau­rierung werben.

Marcus Wiethoff