Gemeinsam Flagge zeigen

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Kirchentag: Mehr als 5000 Christen aus Mitteldeutschland werden zum Protestantentreffen in Dresden erwartet.
Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)

Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)


Nach 14 Jahren findet mit Dreden wieder ein Kirchentag in Ostdeutschland statt. Das dürfte neben den großen Themen eine nicht ­unwesentliche Rolle spielen.


»Hier sind wir schon die Exoten«, sagt Matthias Grimm-Over. Der Referent für Jugendarbeit weiß, wovon er spricht. Wenn sich am 1. Juni die verschiedenen Regionen Sachsens beim Abend der Begegnung auf dem Kirchentag in Dresden vorstellen, wird auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit von der Partie sein. Unter dem Motto »Evangelisch in Nordsachsen« präsentiert sich der Kirchenkreis Torgau-Delitzsch als einzige sächsische Region der EKM auf dem Kirchentag. Die Helfer um den Jugend­referenten werden dann gemeinsam mit den »Freunden der Leipziger Region« die Kirchentagsgäste rund um die Dreikönigskirche bewirten.

Aber auch sonst will der Kirchenkreis auf dem Kirchentag vom 1. bis 5. Juni Flagge zeigen. Im Themenbereich »Christen im Alltag« informieren die Mitarbeiter über ihre Arbeit vor Ort. An jedem Tag werde es einen ­thematischen Schwerpunkt geben, kündigt Grimm-Over an. Neben dem neuen Familienbildungshaus Sausedlitz und dem ersten Torgauer Kinderkirchenführer wollen die Mitarbeiter auch ihr Jugendbildungsprojekt »Wintergrüne« vorstellen. »Wir wollen damit zeigen, dass Sachsen nicht nur aus der Landeskirche besteht«, meint der Referent selbstbewusst.

Dass der Kirchentag nach längerer Zeit wieder in Ostdeutschland über die Bühne geht – zuletzt hatte es 1997 das Protestantentreffen in Leipzig ­gegeben –, schlägt sich freilich nicht nur in den Zahlen unter den 110.000 Dauerteilnehmern nieder. »Von der Zusammensetzung wird es der erste gesamtdeutsche Kirchentag sein«, ist Katrin Göring-Eckardt, Präsidentin des Treffens, überzeugt. Etwa ein Drittel kommt aus Ostdeutschland. Allein aus der EKM werden sich 5.000 Gemeindeglieder auf den Weg machen. Inhaltlich dürfte das Thema Kirche in säkularer Umwelt neben den Topthemen Atomausstieg, Finanzkrise und Integration eine tragende Rolle spielen. Dafür spricht schon die Tatsache, dass der Kirchentag in einer Region stattfindet, in der nur noch knapp 25 Prozent zu einer Kirche gehören.

Für die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer aus Mitteldeutschland ist das Grund genug, sich mit einem Stand auf dem »Markt der Möglichkeiten« zu präsentieren.

Wie schon beim Ökumenischen Kirchentag in München stellen sich die EKM und Anhalt sowie die Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam vor.

Allein das findet Anne Rademacher, Referentin im Erfurter Seelsorgeamt, ziemlich einmalig. »Diese Gemeinschaft ist ein Symbol dafür, was wir in Mitteldeutland brauchen.« Neben der EKM-Klimakampagne soll es um den Bibelturm im anhaltischen Wörlitz, das ökumenische Pilgerwegsprojekt des Bistums Magdeburg sowie die vom Bistum Erfurt angestoßene Reihe »Wozu ist Kirche gut?« gehen. Im nächsten Jahr wird der Gemeinschaftsstand dann beim Katholikentag Station machen.

Doch das sind nicht die einzigen Angebote aus der mitteldeutschen und der anhaltischen Kirche. Bereits am 30. Mai lichten zwei Schiffe in Dessau-Roßlau bzw. Wittenberg die Anker und fahren stromaufwärts nach Dresden. Zudem wirken mitteldeutsche Vertreter beim Feierabendmahl mit, stellen den spirituellen Tourismus am »Lutherweg« vor, erzählen ­etwas vom Einsatz für die Elbe und beteiligen sich am »Zentrum Kirchen und Demokratie«.

Ausgerechnet hier gab es bereits im Vorfeld eine heftige Kontroverse mit dem sächsischen Landtag. So hat das Präsidium mehrere Veranstaltungen nicht zugelassen, darunter ein Podium zum Thema »Krise der Demokratie« mit Heiner Geisler (CDU) und Renate Künast (Grüne). Diese »Aus­ladung« kann Lothar Tautz, Chef des Kirchentagslandesausschusses in der ehemaligen Kirchenprovinz, bis heute nicht nachvollziehen. Ansonsten hofft er, dass der Kirchentag seine ganz ­eigene Prägung erhält und der Dialog mit den osteuropäischen Ländern breiten Raum bekommt. »Dass der Kirchentag überhaupt in Dresden stattfindet«, sagt er, »ist ja schon ein Signal.«

Martin Hanusch