Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!

2. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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Foto: Veit Rösler

Foto: Veit Rösler

Der Kuchen wird kleiner

Tafeln: Vor den Feiertagen erleben die Ausgabestellen einen großen Ansturm. Über die Situation in Mitteldeutschland sprach Willi Wild mit der Seminarleiterin der Tafelakademie, Beate Weber-Kehr.

Ist die von der Essener Tafel geschilderte Situation ein Einzelfall?
Weber-Kehr:
Der Umgang mit den Tafelbesuchern und die Bewältigung des Ansturms ist bei jeder Tafel ein Thema. Bei Menschen mit Migrationshintergrund geht es vor allem darum, zu erklären, was es mit den Tafeln auf sich hat. Viele denken, die Tafeln seien staatliche Stellen. Wir versuchen aufzuklären, dass es sich um ehrenamtliche Einrichtungen und gemeinnützige Vereine handelt, die kein Zweig des Sozialstaates sind. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Tafelversorgung. Gleichwohl stehen die Einrichtungen allen Bedürftigen offen.

Wie gehen die Tafeln mit dem Ansturm vor Feiertagen um?
Weber-Kehr:
Da hat jede Tafel für sich ein System entwickelt, um die Besucherströme zu kanalisieren. Hier geht es vor allem um eine gerechte Verteilung. Oft werden Nummern vergeben, damit niemand vergeblich in einer Warteschlange steht. Oder aber es gibt ein genaues Zeitfenster, in der eine Familie oder Einzelpersonen zur Ausgabestelle bestellt werden. Im Grunde ist alles eine Frage der Organisation und des Verteilsystems.

Was bekommen die, die zu spät dran sind?
Weber-Kehr:
In den Tafel-Statuten steht eindeutig, dass jeder Bedürftige etwas bekommt. Wir wollen allen helfen, die Hunger haben. Es spielt für uns keine Rolle, welche Hautfarbe, Herkunft oder sexuelle Ausrichtung ein Mensch hat.

Beate Weber-Kehr, Weimar, ehem. stellv. Bundes­vorsitzende der Tafeln in Deutschland. Foto: privat

Beate Weber-Kehr, Weimar, ehem. stellv. Bundes­vorsitzende der Tafeln in Deutschland. Foto: privat

Wie gehen Sie mit Rassismus-Vorwürfen um?
Weber-Kehr:
Der Bundesverband hat sich sehr früh eine Carta gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung gegeben. Klar ist aber auch, wenn immer mehr Menschen zu den Tafeln kommen, müssen wir uns überlegen, wie wir den Ansturm bewältigen können. Wir sind auf Spenden angewiesen und auf ehrenamtliche Hilfe. Unter Umständen muss für den Einzelnen der Kuchen kleiner gemacht werden. Das Gratis-Essenspaket hat einen Wert von 40 bis 50 Euro und wird für einen Obulus abgegeben. Wenn es in der bisherigen Größe nicht mehr reicht, muss es eben auch mal mit weniger gehen, damit alle etwas davon haben.

Wie empfinden Sie die Aufmerksamkeit, die den Tafeln in der letzten Zeit zu Teil wurde?
Weber-Kehr:
Es ist wichtig, dass der Fokus auf diese ehrenamtliche Arbeit und die spezifischen Probleme gelenkt worden ist. Immerhin engagieren sich 60 000 Menschen bei den Tafeln in Deutschland. Auf einmal hat jeder etwas dazu zu sagen, allerdings oft mit gefährlichem Halbwissen. Wenn das Ergebnis ist, dass sich die Situation verbessert, dann hat der vermeintliche Skandal in Essen durchaus etwas gebracht.

Wie ist die Situation bei den Tafeln in Mitteldeutschland?
Weber-Kehr:
Die Situation ist ähnlich zu der in anderen Regionen. Der Ausländeranteil ist sehr hoch. Wir merken, dass dadurch andere, ich will sie jetzt mal als die traditionellen Tafelbesucher bezeichnen, wegbleiben. Manche Tafeln haben nicht mehr so ein großes Angebot. Mittlerweile kalkulieren die Märkte einfach besser.

Der Bundesverband hat reagiert und vermittelt über Logistikunternehmen bundesweit die Lebensmittel, so dass die Tafeln zusätzlich Spenden verteilen können.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Von Gott können wir noch viel erwarten

2. August 2013 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.
Psalm 33, Vers 12

Ferienzeit. Ob Tunesien oder Thüringen, Afrika oder Arendsee. Im Urlaub sehne ich mich nach Abstand vom Alltäglichen, nach einer Prise Freiheit. Womöglich suche ich danach, die Räume um mich herum weit zu machen, damit ich mich selbst wieder neu finden und ausrichten kann. Eine Zeit, von der ich etwas für mich erwarten darf, in der sich für ein paar Tage hier und dort die Vorzeichen umkehren. Das tut mir gut, die Sehnsucht danach nehme ich mit ins Jahr hinein.

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau

Dass es gut tut, wenn sich die Vorzeichen umkehren, ist auch eine Erfahrung, die Menschen ­machen dürfen, wenn sie Gott und sein Wirken in ihrem Leben spüren. Für den Psalmbeter ist es wohl eine unbeschreibliche Erfahrung von Freiheit und Bewahrung, die er mit seinem Gott verbindet und die er sich über seinen eigenen Horizont hinaus für viele Menschen wünscht. Ich höre seine Worte deshalb auch als Zeugnis dafür, eigenes Erleben umzusetzen in Visionen und Hoffnungen für sich selbst und für ein ganzes Volk.

Aus dem Erfahrenen leben, hoffen, damit einander beschenken und gemeinsam Herzenswünsche träumen. Das ist wie ein kleiner Urlaub – für die Seele. Das brauche ich und ich denke, das brauchen wir wieder neu in Politik und Gesellschaft angesichts aller Herausforderungen. Vielleicht ist die ­anhaltende Fantasielosigkeit der Politik bzw. der Regierenden gerade ein Grund für die Verdrossenheit im Volk. Wenn allein Pragmatismus und Wachstumslogik das Tagesgeschäft regieren, hat die Sehnsucht es schwer, die uns mitnimmt in eine ­lebenswerte Zukunft.

Ich wünsche mir für unser Volk Menschen, die sich hineingenommen wissen in Gottes Bogen aus Zusage und Verheißung. Damit sich Räume öffnen abseits des Alltäglichen, wo mutiges Träumen möglich ist, wo angstfrei kreuz und quer gedacht werden kann. Damit gelebt und gestaltet wird aus einer Vorfreude auf Kommendes mit einem Gott, von dem ich noch etwas erwarten kann.

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau