Episode der Stadtgeschichte

24. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Utensilien aus der Apotheke des einstigen Hugenottenviertels – in seiner aktuellen Sonderausstellung widmet sich das  Stadtmuseum Hildburghausen einem beinahe vergessenen Religionskapitel der Stadtgeschichte: Per herzoglichem Edikt  wurde die einstige Residenzstadt im 18. Jahrhundert zur einzigen Hugenotten-Kolonie Thüringens. Foto: Susann Winkel

Utensilien aus der Apotheke des einstigen Hugenottenviertels – in seiner aktuellen Sonderausstellung widmet sich das Stadtmuseum Hildburghausen einem beinahe vergessenen Religionskapitel der Stadtgeschichte: Per herzoglichem Edikt wurde die einstige Residenzstadt im 18. Jahrhundert zur einzigen Hugenotten-Kolonie Thüringens. Foto: Susann Winkel


Ausstellung in Hildburghausen widmet sich dem 300. Jahrestag des Hugenottenediktes.

Auffällig ist sie nicht, die katho­lische Kirche St. Leopold in der Seminarstraße von Hildburghausen. Ein schlichtes, weißes Gotteshaus mit achteckigem Grundriss. So bescheiden jedoch das Antlitz, so außergewöhnlich ist die Geschichte der ältesten Kirche der ehemaligen Residenzstadt. Bei ihrer feierlichen Einweihung am 31. Juli 1711 wurde sie nämlich der französisch-reformierten Gemeinde Hildburghausens übergeben. Das nach französischem Vorbild errichtete Gotteshaus ist das letzte markante Bauzeichen eines Kapitels der Stadtgeschichte, das beinahe verschwunden ist aus dem Gedächtnis der Südthüringer.

Nun wurde dieses Kapitel mit einer Sonderausstellung im Stadtmuseum wieder aufgeschlagen. Es geht um ein »Asyl in Hildburghausen«, wie der ­Titel der Schau verrät. Ein einzigartiges Obdach, um genau zu sein. Denn die beschauliche Werrastadt war vor 300 Jahren die einzige Kolonie französischer Protestanten in Thüringen. Am 31. Juli 1711 erließ Herzog Ernst von Sachsen-Hildburghausen das sogenannte Hugenottenedikt. Das weit verteilte Flugblatt, gedruckt in deutscher, französischer und holländischer Fassung, versprach den Glaubensflüchtlingen aus Frankreich ein sorgenfreies Leben im Herzogtum.

Die nach französischem Vorbild ­erbaute Hugenottenkirche in ­Hildburghausen gehört seit 1829 der katholischen Gemeinde. Foto: Bernhard Großmann

Die nach französischem Vorbild ­erbaute Hugenottenkirche in ­Hildburghausen gehört seit 1829 der katholischen Gemeinde. Foto: Bernhard Großmann

Eine Einladung, die gleichermaßen von religiöser Toleranz und ökonomischer Weitsicht zeugte. Mit dem Angebot an die zweite und dritte Generation Vertriebener waren steuerliche Privilegien und der Plan zur Anlegung eines neuen Viertels im Norden der Altstadt verbunden. Zudem bestand für die Neuankömmlinge kein Zunftzwang.

Der Ruf des Herzogs hatte Erfolg. Schon 1711 baten die ersten zwölf ­Familien um Asyl in Hildburghausen. Verarmt und ohne Habe, dafür mit neuen Gewerken wie der Feinbäckerei, Strumpf- und Tuchmacherei, siedelten sich die Hugenotten allmählich in der Neustadt an. 1724 standen bereits 48 der zweigeschossigen, sparsam im einheitlichen Barockstil erbauten Wohnhäuser in der neuen ­Kolonie. Ergänzt wurde das neue Viertel, in dem sich auch andere  niederließen, um die neue Kirche, Gasthaus, Gymnasium, Waisenhaus, Apotheke und Pfarrhaus. Heute ist von der akribisch geplanten Idealstadt nicht mehr viel zu erkennen. Zu sehr haben zahlreiche Abrisse und ein fehlendes denkmalpflegerisches Gesamtkonzept das einstige Gesicht des »Hugenottenviertels« verändert.

Auch andere Spuren der Siedler, etwa französische Nachnamen, sucht man in Hildburghausen heute vergebens. Zwar brachten sie ein wenig französische Lebensart vom Sprachunterricht über Parfumflakons bis zu Theateraufführungen in ihrer Muttersprache an die Werra, doch es blieb bei einer auch wirtschaftlich nicht nachhaltigen Episode der Stadtgeschichte. Durchaus integrationsbeflissen, vermischten sich die Kolonisten alsbald mit der einheimischen Bevölkerung. Als die Mitgliederzahl der ­reformierte Gemeinde der Deutschen und Franzosen immer weiter sank, schloss sie sich im November 1824 schließlich mit der lutherischen Gemeinde zur Unierten Kirche der Neustadt zusammen und verkaufte ihr Gotteshaus fünf Jahre später – Ironie der Geschichte – an die katholische Gemeinde.

Susann Winkel

Die Ausstellung »Asyl in Hildburghausen« ist noch bis 31. Juli im Stadtmuseum Hildburghausen, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Auf die Menschen hören

12. Juli 2011 von redaktionguh  
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Eines der Glasfenster in der Kirche von ­Stressen­hausen zeigt das Gleichnis vom ­Sämann. Für den ­Kirchenältesten Gerd Heim ist das Auftrag und ­Verpflichtung zugleich. Foto: Wolfgang Swietek

Eines der Glasfenster in der Kirche von ­Stressen­hausen zeigt das Gleichnis vom ­Sämann. Für den ­Kirchenältesten Gerd Heim ist das Auftrag und ­Verpflichtung zugleich. Foto: Wolfgang Swietek

 
Südthüringer Kirchspielkonvent diskutierte über kommunale Gebietsreform.
 
Die Gemüter sind erhitzt in einigen Orten des Unterlandes, nahe der südthüringischen Kreisstadt Hildburghausen. Es geht um einen Zusammenschluss von zwei Gemeinden, eigentlich von der Thüringer Landesregierung gewollt, wenn die einzelnen Gemeinden weniger als 3.000 Einwohner zählen. Doch im Fall von Straufhain und Gleichamberg, ­deren Gemeinderäte sich nun per Ratsbeschluss dazu bekannten – auch die Mehrheit der 6.000 Einwohner sind wohl dafür – sieht es die Landesregierung anders. Sie hat den angestrebten Zusammenschluss nicht in die Gesetzesvorlage einbezogen. Dagegen regt sich Widerstand, in den sich nun auch Kirchenvertreter eingeschaltet haben.

Im Namen ihrer Kirchengemeinden hatten die Kirchenältesten Gerd Heim und Günter Lehnhardt am vergangenen Samstag zu einem Kirchenkonvent eingeladen. Kommunalpolitiker sollten dabei über den aktuellen Stand dieses Gemeindezusammenschlusses informieren und jeder Gelegenheit haben, darüber zu diskutieren. Etwas enttäuscht waren die Organisatoren schon über die mangelnde Reaktion: Aus 17 eingeladenen Kirchengemeinden sind gerade mal 17 Vertreter zur Andacht in die ­Marienkirche Eishausen und der anschließenden Diskus­sionsrunde ins Kulturhaus ­gekommen. Doch so gering die Beteiligung war, so hoch kochten die Emotionen in der Gesprächsrunde.

Den Geist vom Kirchentag in Dresden wollten sie in ihre Gemeinde tragen, hatten einen grünen Schal aus der Sachsenmetropole zerschnitten und daraus grüne Schleifen zum Anstecken gefertigt. Auch 1989 habe es grüne Schleifen als Symbol für die neue Zusammenge­hörigkeit an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, dem heutigen Grünen Band, gegeben, befand Gerd Heim, der in seinen Ausführungen den Bogen bis zum biblischen Auszug des Gottesvolkes aus Ägypten spannte.

Als eine ungerechtfertigte Einmischung der Kirche in die Politik sehen es die einen, als eine Friedenspflicht der Kirche die anderen. Denn die gut Verdienenden werden es überstehen, so Gerd Heim, auch wenn sich die von der Landesregierung getroffenen Entscheidungen als nachteilig erweisen sollten. Aber diejenigen, die jetzt schon am Rand der Gesellschaft leben, würden noch tiefer in ein Loch fallen. Um diese Betroffenen müsse sich die Kirche dann kümmern, aus Nächstenliebe. Und so solle vorher darüber gesprochen werden, damit es gar nicht erst soweit kommt. Als Argument führt Heim an, dass die Kirche hier 42 Prozent der Bevölkerung ­repräsentiere. Und so müsse Volkes Wille gehört werden, immerhin haben sich die Einwohner mehrheitlich zu dem Zusammenschluss bekannt. Alles andere wäre Willkür, wäre Diktatur, die ja 1989 überwunden worden sei.

Zeno Scheirich, Pfarrer des Kirchspiels Streufdorf-Stressenhausen, hatte in der Andacht zuvor angemahnt »einträchtig beieinander zu bleiben«. Jede Fehlentscheidung der Politik, ob im Landkreis oder im Land, führe zu Abwanderung, die ja verhindert werden müsse. »Das Leben in ­einer Kirche oder einem Dorf wird ­bestimmt durch ein Netzwerk von Menschen«, so Scheirich. »Wo das zerrissen wird, stirbt ein ganzes Dorf.« Dann kämen Verhältnisse, in denen keiner mehr leben will. »Wir glauben, dass Spaltungen jeglichem Geist der Bibel widersprechen«, schloss er alle Anwesenden in sein Gebet ein, auf dass sie die rechte Sprache miteinander finden.

Wolfgang Swietek

»Wirken, solange es Tag ist!«

2. Dezember 2010 von redaktionguh  
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Hildburghausen erinnert an Carl Ludwig Nonne – Kirchenmann und Schulreformer.

Karl Ludwig Nonne (1785–1854)

Karl Ludwig Nonne (1785–1854)

Es gibt Persönlichkeiten in der Geschichte einer Stadt, die längst vergessen sind, obwohl sie einst in ­aller Munde waren.

Anders bei Carl Ludwig Nonne, dessen Spuren bis heute nicht verwischt sind. Mit seiner Tätigkeit als Kirchenmann in Hildburghausen wie als »Oberkonsistorialrath am herzoglichen Hofe zu Meiningen« hat er sich fest im Gedächtnis der Stadt eingraviert. Eine der beiden Regelschulen in der südthüringischen Kreisstadt trägt seinen Namen und immer wieder wird mit zahlreichen Veranstaltungen an den »Pestalozzi Südthüringens« gedacht.

Ein Herzensanliegen, dieses Erbe wachzuhalten, ist es für Kirchenrat Hanspeter Wulff-Woesten. In mehreren Veröffentlichungen – jüngstes Werk ist das 2008 erschienene Buch »Wirken, solange es Tag ist!« – hat sich der Superintendent i. R. mit dem umfassenden Lebenswerk Nonnes auseinandergesetzt und immer wieder auch andere dafür begeistert. Dass die Schüler der ehemaligen Regelschule I von Hildburghausen sich in freier Entscheidung den Namen »Dr. Carl Ludwig Nonne« gegeben haben, daran dürfte Wulff-Woesten Anteil gehabt haben. Und als die Schüler 2005 bei der feierlichen Namensgebung das Singspiel »Schulrat Nonne kommt« (die Musik stammt vom Hildburg­häuser Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik) aufführten, da hat sie Wulff-Woesten nicht nur inhaltlich unterstützt, er hat sich selbst das Kostüm seines »Vorgängers« angezogen und den Schulrat Nonne gesungen.

Natürlich wird Wulff-Woesten am bevorstehenden 5. Dezember, wenn die evangelische Kirchengemeinde Hildburghausen um 9.30 Uhr mit einem Festgottesdienst an den 225. Geburtstag ihres ehemaligen Superintendenten gedenkt, auch den Festvortrag halten und Interessierte anschließend zum Grab Nonnes auf dem Zentralfriedhof führen.

Carl Ludwig Nonne trennte sein Engagement als Superintendent nie von dem des Verantwortlichen für das Schulwesen im Herzogtum Sachsen-Meiningen. Konsequent setzte er hier um, was er bei seinem »großen Lehrmeister«, dem Schweizer Erzieher Johann Heinrich Pestalozzi, gelernt hatte. In einer Friedenspredigt führte Kirchenrat Carl Ludwig Nonne am 17. April 1814 aus: »Die Vergangenheit erinnert uns, unsere Kinder so zu ­erziehen, dass sie einer besseren Zukunft fähig und würdig werden.«

Wolfgang Swietek

Wie vor zwei Jahrhunderten

22. Oktober 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In Eishausen wurde die Ankunft des »Dunkelgrafenpaares« nachgestaltet.

Es ist der 30. September, 18 Uhr. Die Glocken der Eishäuser Kirche ­läuten. Doch sie zeigen nicht den ­Feierabend an oder rufen zum Gottesdienst. Eine Kutsche mit einem ­geheimnisvollen Paar nähert sich von Hildburghausen kommend. – So oder so ähnlich soll es sich auf den Tag genau vor 200 Jahren abgespielt haben, als das geheimnisvolle Paar in ihrem zukünftigen Exil-Ort Eishausen einst eintraf. Und so gestalteten es Mitglieder vom Heimatverein und von der evangelischen Kirchengemeinde Eishausen, der kleinen Gemeinde vor den Toren der Kreisstadt Hildburghausen, noch einmal nach.

Die vom Heimatverein Eishausen gestaltete Zeremonie am 30. September 2010 war nicht nur der Ankunft des »Dunkelgrafenpaares« vor genau 200 Jahren ­geschuldet, sie war auch stimmungsvoller Auftakt einer Buchlesung. Clemens Richter stellte seinen Roman »Die Erbin der Dunkelgräfin« erstmals an authentischem Ort einem interessierten Publikum vor.  Foto: Wolfgang Swietek

Die vom Heimatverein Eishausen gestaltete Zeremonie am 30. September 2010 war nicht nur der Ankunft des »Dunkelgrafenpaares« vor genau 200 Jahren ­geschuldet, sie war auch stimmungsvoller Auftakt einer Buchlesung. Clemens Richter stellte seinen Roman »Die Erbin der Dunkelgräfin« erstmals an authentischem Ort einem interessierten Publikum vor. Foto: Wolfgang Swietek

Ob es nun so war oder anders, lässt Raum für Spekulationen. Richtig ist, dass die Mieter des Schlosses von Eishausen das besagte »Dunkelgrafenpaar« waren und 35 Jahre lang die Geschichte des Dorfes mitgeschrieben haben. Noch heute gibt es in Eishausen Familien, die aus den Erzäh­lungen ihrer Großeltern wissen, dass deren Groß- oder Urgroßeltern im Dienste des Paares standen. Die Geschichten haben die Eishäuser in ihrer Erinnerung wachgehalten.

Historiker aller Zeiten haben sich seither mit der Frage beschäftigt, ob jenes Paar nun legitime Nachfahren des französischen Königshauses waren oder nicht, und haben darüber viele Bücher geschrieben – ohne den letzten Schleier des Geheimnisses ­gelüftet zu haben. Auch wurden die Bemühungen um eine Öffnung der Gräber – der »Dunkelgraf« liegt in Eishausen begraben, das Grab der »Dunkelgräfin« befindet sich in Hildburghausen – zum Zwecke einer nachträglichen DNA-Bestimmung bisher erfolgreich abgewehrt.

Denn mit einem Geheimnis zu leben, auch wenn die Tatsachen eigentlich eine deutliche Sprache sprechen, ist den Verehrern des »Dunkelgrafenpaares« wichtig. Jedes neue Buch – und deren gibt es inzwischen viele – wird mit Spannung erwartet und stößt auf ­großes Interesse, nicht nur in der ­Kirchengemeinde ­Eishausen, sondern deutschlandweit und darüber hinaus. Vor allem natürlich auch in Frankreich.

Wolfgang Swietek

Musikalischer Paukenschlag zum Geburtstag

3. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In Hildburghausen startete Festwoche anlässlich 225 Jahre Christuskirche.

Oberpfarrer Christoph Victor freut sich über die vielen Geburtstagsgäste, die er in der Hildburghäuser Christuskirche begrüßen kann. Der ­informative Flyer listet alle Konzerte und Ausstellungen im Jubiläumsjahr auf und gibt Auskunft über Bau- geschichte und Schätze des Gotteshauses. Foto: Wolfgang Swietek

Oberpfarrer Christoph Victor freut sich über die vielen Geburtstagsgäste, die er in der Hildburghäuser Christuskirche begrüßen kann. Der ­informative Flyer listet alle Konzerte und Ausstellungen im Jubiläumsjahr auf und gibt Auskunft über Bau- geschichte und Schätze des Gotteshauses. Foto: Wolfgang Swietek

»Es soll nicht nur eine Festwoche zum Kirchenjubiläum geben«, sagt Oberpfarrer Christoph Victor, »wir wollen das ganze Jahr über Veranstaltungen anbieten, die wir ­unter das Motto ›225 Jahre Christuskirche‹ stellen.« Der vergangene Sonntag war jedoch ein Paukenschlag im Jubiläumsjahr: Mit gleich drei Konzerten huldigten Musiker und Sänger dem altehrwürdigen Gotteshaus mit seiner guten Akustik und leiteten die Festwoche ein.

Sie ist in die Jahre gekommen, die Christuskirche, die vor 225 Jahren just an der Stelle errichtet worden ist, wo vor dem großen Stadtbrand von Hildburghausen die alte St.-Lorenz-Kirche gestanden hatte. Ausgang der 90er Jahre schon einmal generalsaniert, machte Schwammbefall erneut größere Baumaßnahmen erforderlich. Doch nun hat sie ein Festkleid angelegt. Die Feierlichkeiten starteten am Sonntagvormittag mit einem Festgottesdienst, den der Höhnbergchor Reurieth unter Leitung von Manfred Dankert musikalisch gestaltete. Unterstützt von zwei Streichern vom Collegium musicum Hildburghausen brachte der Chor die Messe in B-Dur von Joseph Haydn zu Gehör, an deren Ende das berühmte »Heilig, heilig, heilig – heilig ist der Herr« steht. »Wir sollten Gott danken, dass es solche Stätten gibt, wo wir uns versammeln können zu so fröhlichen Anlässen«, sagte Superintendent Michael Kühne zu Beginn des Gottesdienstes.

Bereits am Nachmittag gab es zwei weitere Konzerte. So erlebten zahlreiche Zuhörer das Kirchenchortreffen des Kirchenkreises Hildburghausen-Eisfeld, an dem sich neben Chören der evangelischen Kirchengemeinden erstmals auch Sängerinnen und Sänger der katholischen Pfarrgemeinde Hildburghausen beteiligten. In Einzelbeiträgen und auch als Gesamtchor sangen sie am Sonntag Trinitatis Kompositionen von beispielsweise Mozart, Bach und Mendelssohn-Bartholdy. Zudem hatte der Hildburghäuser Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik zwei Stücke aus eigener Feder beigesteuert: »Ich singe dir mit Herz und Mund« und »Wunderbarer König« für zwei Sing- und zwei Bläserchöre. Einen musikalischen Farbtupfer brachte auch die Gruppe »Cocktail a cappella« unter Leitung von Yvonne Unger ins Programm. Ein weiterer Höhepunkt am späten Nachmittag dann der Auftritt des Auswahlbläserchores der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Und schon am bevorstehenden Wochenende geht es mit viel Musik weiter. Am Samstag, 5. Juni, wird der Stadtchor Freiberg zu Gast sein, ein Chorkonzert zu Ehren von Dietrich Bonhoeffer steht dann auf dem Plan. Weitere Konzerte wird es bis Dezember geben, Fachvorträge zur ­Geschichte der Kirche, aber auch ­sehenswerte Ausstellungen. So ab
1. Juni die Wanderausstellung »Johannes Calvin und die Reformierten in Mitteldeutschland«, ab 1. August dann »Große und kleine Schätze in der Christuskirche« und für den 1. Oktober wird die Präsentation »Christliche Motive in der Philatelie« vorbereitet.

Wolfgang Swietek

Geben, was der andere braucht

25. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mit einem Auto voller Waren war Beate Weber-Kehr (l.) vom Bundesverband Deutscher Tafeln gekommen. Die Leiterin von Hildburghausen, Tina Lenk, nahm sie ­entgegen.	(Foto: Wolfgang Swietek)

Mit einem Auto voller Waren war Beate Weber-Kehr (l.) vom Bundesverband Deutscher Tafeln gekommen. Die Leiterin von Hildburghausen, Tina Lenk, nahm sie ­entgegen. (Foto: Wolfgang Swietek)

31. Tafel von Thüringen in Hildburghausen eröffnet

Wenn ein Kreisstadtbürgermeister und ein Landtagsabgeordneter, die beide der Partei »Die Linke« angehören, zu einem Festgottesdienst in die Kirche kommen, wenn ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher dort gemeinsam zum Gebet auffordern und das an einem Dienstagmittag, dann muss dies ein ganz besonderer Anlass sein. Grund für das Kommen von Bürgermeister Steffen Harzer und Tilo Kummer sowie Oberpfarrer Christoph Victor von der evangelischen Kirchengemeinde Hildburghausen und Dietmar Ruhlig von der katholischen Kirchengemeinde St. Leopold war die Eröffnung der 31. Tafel im Freistaat Thüringen, die am Donnerstag dieser Woche erstmals ihre Pforten für die Bedürftigen der ­Region öffnet.

»Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.« Mit dem Spruch der Woche hatte Oberpfarrer Christoph Victor am 22. September den ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche eröffnet. Das sage aber im Umkehrschluss auch, so Victor, dass Sorgen da sind und dringend Hilfe gebraucht werde. Und das in einem der reichsten Länder der Erde.

Überwältigend war die Bereitschaft, welche die Diakonie erfuhr, als sie mit der Eröffnung dieser Tafel eine letzte Lücke im Freistaat Thüringen, im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld, schließen wollte. Sofort hatten sich Helfer gemeldet – 46 sind es inzwischen – die bereit waren, sich für das Wohl ihrer Mitbürger zu engagieren. Dietmar Ruhlig dazu: »Unsere beiden Kirchen standen in DDR-Zeiten in aller Bedrängnis zusammen. Nun arbeiten wir wieder gemeinsam – Diakonie und Caritas – mit dem gleichen Anliegen.« Auch wenn die beiden Kirchen ­dabei federführend sind, sei dies doch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So sei es erfreulich, dass es keinerlei Überzeugungsarbeit bedurfte, als die Kirchen in der Stadtverwaltung und im Landratsamt vorgesprochen hatten.

Bürgermeister Steffen Harzer und Landrat Thomas Müller waren beide bereit zur Hilfe und sicherten dies auch persönlich bei der Eröffnung der Tafel erneut zu. Das Motto der Tafel-Bewegung, einst im thüringischen Blankenhain formuliert und nun bei allen 854 Tafeln deutschlandweit gültig, solle auch hier umgesetzt werden: »Einem anderen geben, was er braucht – ein Stück Brot, ein Lächeln, ein offenes Ohr.« Den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und keine Lobby haben, ein Stück ihrer Würde und Lebensqualität zurückgeben, das will die Tafel erreichen.

Wolfgang Swietek