Musik ist eine Himmelsgabe

22. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Engel musizieren zur Ehre Gottes und den Menschen zur Freude, wie hier auf der Emporenmalerei der Dorfkirche von Großthiemig (Kirchenkreis Bad Liebenwerda). Foto: Archiv-Inventarisierung-EKM/A.Schorr.

Engel musizieren zur Ehre Gottes und den Menschen zur Freude, wie hier auf der Emporenmalerei der Dorfkirche von Großthiemig (Kirchenkreis Bad Liebenwerda). Foto: Archiv-Inventarisierung-EKM/A.Schorr.

 
Weihnachten: Engel und Musik gehören zu Weihnachten wie die Krippe und die Botschaft, dass  Gott in einem Kind Mensch geworden ist. Dieser Glauben macht uns froh, dass wir davon »singen und sagen« wollen, wie es bei Martin  Luther in einem bekannten  Weihnachtslied heißt. Denn Singen verbindet die Menschen untereinander und mit Gott. Hier dürfen Lob und Klage laut werden.
 
Von Ilse Junkermann
 
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Amt gewonnen, denn ihr erster Ursprung ist von dem Himmel selbst  gekommen, weil die Engel insgemein selbsten Musikanten sein.« So dichtete Martin Luther über die Musik und sagt damit: Musik ist eine Himmelsgabe.  Engel singen und musizieren. Sie machen Musik zum Lobe Gottes.
 
Ja, wer musiziert, ist ein Engel! Wenn die Engel zu Christi Geburt ihr Loblied singen, dann verbindet ihre Musik Himmel und Erde – wie das neugeborene Kind Himmel und Erde auf neue Weise verbindet.  Am nächsten sind wir an diesem mit den Engeln gemeinsamen Singen und Musizieren, wenn wir bei jeder Abendmahlsfeier das Sanctus anstimmen. Wer hier auf Erden das Dreimal-Heilig singt, singt mit den Engeln und allen Heiligen das Lob Gottes. So wird deutlich: Singen verbindet.
 
Im Singen entsteht eine einzigartige Gemeinschaft, zu der ich als Sängerin ebenso gleich wichtig gehöre wie die anderen Sängerinnen und Sänger. Aus solchem Singen werden Taten: Im Lobe Gottes sind alle gleich, Engel und Bengel, himmlische Wesen und irdische Wesen, jeder Mensch. Da ist keiner und keine verachtet oder mehr wert oder weniger wert als ein anderer oder eine andere. So wirkt die Himmelsgabe auf der Erde: Sie gibt jedem Menschen seine Würde. Singen verbindet – und zwar alle, die sich auf Gott beziehen. Das heißt: Wer singt und sich darin auf Gott ausrichtet, sieht weg von sich und dem, was er leistet, von dem, was sie alles auf die Reihe bringt.
 
Wer Gott besingt, singt keine Loblieder auf sich selbst. Aus solchem Singen werden Einsichten: Wer Gott lobt, lässt Gott die Ehre und weiß um die Grenzen der Menschen. Er und sie nimmt Abschied von der trügerischen Zuversicht, der Mensch werde mit seinem Können und Wissen schon alle Risiken und Probleme bewältigen und beherrschen können: die Atomkraftwerke, den Klimawandel, die Dynamik der Finanzmärkte oder kriegerische Einsätze.
 
Singen verbindet alle, die sich auf Gott beziehen. Das sind die, die in Gott ihren Sinn und ihre Mitte suchen und immer wieder finden. Deshalb gehören zu einer Musik und zu Liedern, die Himmel und Erde verbinden, unbedingt auch all die Töne, in denen Klage laut wird. Es ist die Klage über alle Not, die Gott fern erscheinen lässt. Die Klage darf, ja sie muss laut werden über Hass und Gewalt auf Erden, über Krieg und schlimmen Bürgerkrieg, über systematische Vergewaltigungen als bewusste Mittel der Kriegsführung, über die Schere zwischen Arm und Reich, die seit zehn Jahren auch in unserem Land immer weiter auseinandergeht. Daran hat Gott kein Wohlgefallen.
 
So werden aus solchem Singen Taten: Aus ihm entspringt eine Zuwendung zu Menschen, die in Not sind. Die, die es schwer haben und die ein Unglück getroffen hat und denen Gott fern ist, die sollen Menschennähe spüren und solche Nähe von Menschen erfahren, die sich auf Gott beziehen. Solche Menschen als Glaubenszeugen, die das Lob Gottes singen, begegnen uns in den biblischen Texten – und auch oft im täglichen Leben. Dass Menschen Engel singen hören, gehört zur Geburt Christi.
 
In Christus öffnet Gott den Himmel für die Menschen und wirkt auf Veränderung dieser Welt hin, zu einer Welt, die Gott und die Menschen mit Wohlgefallen betrachten können. Gott gibt seinen Willen kund: Seine Welt und seine Menschen sollen himmlisch froh werden. Gott verbindet sich mit ihnen, mit uns, im Kind in der Krippe, im Mann am Kreuz, im Auferstandenen, der unerkannt den Weg der Trauer und Enttäuschung mitgeht.
 
So wünsche ich Ihnen frohe, klingende Christfesttage mit Musik, die eine Ahnung davon gibt, wie schön es dereinst im Himmel sein wird.
 
Die Autorin ist Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. 

Gemeinde neu denken

25. November 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Die Theatergruppe der Regelschule aus Erfurt-Stotternheim eröffnete mit einer Performance während der Synode der mitteldeutschen Kirche ihre Ausstellung im Landeskirchenamt. Fotos (3): Jens-Ulrich Koch

Die Theatergruppe der Regelschule aus Erfurt-Stotternheim eröffnete mit einer Performance während der Synode der mitteldeutschen Kirche ihre Ausstellung im Landeskirchenamt. Fotos (3): Jens-Ulrich Koch


 
Langsam ziehen die in Mönchskutten gehüllten Schüler mit drei Bilderm in den großen Saal des Collegium maius ein. Zu gregorianischer Musik bewegen sich die Jugendlichen mit ihren Masken erst langsam, dann immer schneller. Die Performance ist Teil der Eröffnung einer sehenswerten Ausstellung mit 13 Bildern zum Thema »Renaissance und Reformation« im Kirchenamt der EKM. Für die Theatertruppe der Regelschule Stotternheim ist es ebenso eine Premiere wie für die Synode. Erstmals tagen die Synodalen vom 16. bis 19. November im neuen Landeskirchenamt in Erfurt.

Neben Haushaltsfragen und Wahlen beschäftigt sich das Kirchenparlament auch mit dem Schwerpunktthema Familie. Grundlage für die Diskussion ist ein 32-seitiges Papier, das von der Bildungskammer erarbeitet wurde und die Hauptaufgabe den Kirchengemeinden zuschreibt. »Wenn Kirche Familien erreichen will, muss sie sich zu ihnen auf den Weg machen«, heißt es darin. Am Ende beauftragt die Synode das Landeskirchenamt, die Impulse aus dem Papier ­umzusetzen.

So sollen verschiedene Projekte zum Thema geprüft werden. Dazu gehören das Erstellen eines kirchlichen Familienatlasses und das Ausloben eines Wettbewerbes. Ein weiterer Vorschlag betrifft Modellregionen, um zu erproben, wie sich ­familienorientierte Angebote vernetzen lassen.

Um das Thema Schulen dreht es sich dann bei der Diskussion um die Schulstiftungen. Anlass ist der Antrag der Synodalen Silke Boss aus Halle, das Kapital der Johannes-Schulstiftung um insgesamt vier Millionen Euro aufzustocken. Während sich einige Synodale für eine Fusion mit der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland aussprechen, plädieren andere für eine Stärkung der Stiftung, die je vier Grund- und Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt unterhält.

Die Synode unterstützt schließlich die ­Bildung einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Schulwesens in der EKM. Evangelische Schulen seien ein bereichernder Teil der Bildungslandschaft. Stiftungen, Kirche und Diakonie sollten angesichts sinkender Zuwendungen die Interessen der Einrichtungen gemeinsam vertreten.

Zum Auftakt der Synode stimmt Landesbischöfin Ilse Junkermann mit ihrem Bericht unter dem Titel »Ihr seid das Salz der Erde« die Synodalen auf die Beratungen ein. Aus aktuellem Anlass geht sie auf die Mordfälle der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle ein. »Das Leiden und der gewaltsame Tod der Opfer ist uns Verpflichtung, hinzusehen und noch entschiedener unseren Mund aufzutun«, so die Landesbischöfin. Zugleich räumt sie Versäumnisse auch in den Kirchen ein. Später verabschiedet die Synode dazu eine Erklärung (siehe unten).

Ilse Junkermann sieht in der Stärkung des Ehrenamts eine wichtige Aufgabe.

Ilse Junkermann sieht in der Stärkung des Ehrenamts eine wichtige Aufgabe.


Einen großen Raum nimmt im Bericht der Landesbischöfin die Situation der kleinen Gemeinden ein. Nach der von ihr vorgelegten Statistik haben über ein Viertel der 3251 Gemeinden weniger als 100 Gemeindemitglieder, neun Prozent sogar weniger als 50. ­Lediglich 162 Gemeinden hätten mehr als 1000 Mitglieder. Die überwiegende Mehrheit der Gemeinden sind die, zu denen weniger als 300 Christen gehören. Das bisherige Modell von Gemeinde und Ämtern könne deshalb nicht einfach fortgeschrieben werden.

Für die Bischöfin ist angesichts dieser Entwicklung klar: »Wir müssen Gemeinde und ihre Ämter neu denken.« Dabei stehe die Frage, wie die flächendeckende Präsenz so gestaltet werden kann, dass sie nicht auf Kosten von Einzelnen gehe. Es sei jedenfalls nicht vorstellbar, rechnet die Bischöfin vor, dass zu einer Pfarrstelle, die jetzt schon für 22 Kirchengemeinden zuständig ist, in denen es 28 Kirchengebäude gibt, noch weitere Kirchengemeinden und Kirchengebäude hinzukommen. Einen wichtigen Ansatzpunkt sieht sie in der Stärkung des Ehrenamts. Auch sollten Visitationen dazu dienen, damit Kirchengemeinden sich über ihren weiteren Weg gegenseitig beraten könnten.

Martin Hanusch

EKM: Aufruf zur Wachsamkeit
Die mitteldeutsche Landessynode hat die Kirchgemeinden zu »Wachsamkeit und klarer Rede gegenüber jedweder Form von Extremismus und Verletzung der Menschenwürde« aufgerufen. Zugleich bekräftigte die Synode ihr »Erschrecken« darüber, »dass rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft und darum auch in unseren Gemeinden vorhanden ist«.

Eine weitergehende Beschlussvorlage speziell zum Rechtsextremismus, die zum Auftakt der Tagung in die Synode eingebracht worden war, kam nicht zustande. Landesbischöfin Ilse Junkermann zeigte sich dennoch zufrieden. Denn der Einsatz gegen Rechtsextremismus sei in der EKM nicht erst seit den jüngst bekanntgewordenen Mordanschlägen von Neonazis ein mit Nachdruck bearbeitetes Themenfeld. Auch der Thüringer Oberkirchenrat Christhard Wagner sieht seine Kirche zu diesem Thema in einer Vorreiterrolle.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, die sich am 11. November in Wittenberg eindeutig positionierte, sei auf maßgebliche Initiative der Landeskirche entstanden. Doch angesichts des offenkundigen Gewaltpotenzials von Neonazis hätte er »sich manches konkreter wünschen können«, räumte Wagner ein.

(epd)

Umdenken für die Zukunft

21. Oktober 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bilanz: Am 20. Oktober werden die Ergebnisse der EKM-Kampagne »Klimawandel-Lebenswandel« präsentiert.
 
Mit einem Kinderklimatag in Erfurt endet die EKM-Kampagne 2011. Sind Erfolg oder Misserfolg messbar?

Auf Öko-Strom umsteigen, Tempo 130, Wäschetrockner möglichst nicht nutzen, weniger bügeln …<br />
Kleine Schritte zeigen Wirkung.

Auf Öko-Strom umsteigen, Tempo 130, Wäschetrockner möglichst nicht nutzen, weniger bügeln …
Kleine Schritte zeigen Wirkung.


Der erste Blick gilt dem Ergebnis: Eine Million Kilogramm Kohlendioxid sollten eingespart werden. Das gar nicht zu hochgesteckte Ziel wurde nicht erreicht – oder besser: nicht erfasst. Denn die ­ermittelten 684.521 Kilogramm der Kampagne der mitteldeutschen Kirche (EKM) sind wohl nicht der reelle Wert.

Viele haben sich mit kleinen Schritten beteiligt, aber die Gutscheine nicht ausgefüllt.

Ob die Autofahrten mit maximal 130 Kilometern pro Stunde, ob der Rasen in kirchlichen Einrichtungen nur zweimal im Jahr gemäht wurde oder das Wasser aus dem Hahn getrunken – vielen war das Ausfüllen zu mühsam. Manche empfanden auch das Einsparziel zu leistungsorientiert. Das gesteht Gemeindepädagoge Ralf Kleist aus Jena.

Auch Annelie Hollmann, Organisatorin der Kampagne, stellte fest, dass die Kluft zwischen angefordertem Material und der Rückmeldung enorm ist. Spitzenreiter beim Rücklauf ist der Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen mit 132.920,5 Kilogramm Einsparung, gefolgt von den Kirchenkreisen Gotha, Mühlhausen und Wittenberg.

Die meisten Gutscheine kamen aus dem Kirchenkreis Erfurt, die meisten Teilnehmer allerdings wurden in Elbe-Fläming registriert. Hier sei schon ­zeitig mit der Kommunikation des Anliegens begonnen worden, sagt Pfarrer Reinhard Simon, Stellvertreter der ­Superintendentin.

Es gab einen Beschluss der Kreissynode und »wir haben versucht, in den Gemeinden Verständnis zu wecken, die vielen kleinen Schritte zu tun«. Die Kreissynode habe sogar der Landeskirche einen weitergehenden Vorschlag unterbreitet – ein freiwilliges Programm »EKM fährt 130«. Denn das wichtigste Ziel sei doch ein Umdenken. »Welche geistlichen Grundlagen helfen, unser Leben zu ändern und einen wirklichen Lebenswandel herbeizuführen?«, fragt der Pfarrer.

Das sei eine bleibende Aufgabe.

Ein Jahr reiche nicht aus, meint Annelie Hollmann, zudem müsse noch viel mehr passieren. »Die Kampagne war ein süßer Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren an Klimazielen auch von Seiten der EKD auf uns zukommen wird.«

Die Initiative der EKM habe Anstöße geben wollen. Nachhaltigkeit sei jedoch ganz im Sinne der Landeskirche, ist aus dem Bischofsbüro zu erfahren.

Ab nächstem Jahr soll der Baufonds der EKM für vier Jahre mit 250.000 Euro für ­Klimaschutzmaßnahmen ausgestattet werden. »Es wird darum gehen müssen, das Engagement in die Fläche zu tragen«, sagt Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Vielerorts ist diese Botschaft nicht neu.

Manche Gemeinden fühlten sich sogar bevormundet und empfanden, man trage hier Eulen nach Athen. So gab es zum Beispiel aus dem Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach gar keine Rückmeldung. Man spare doch bereits und brauche dazu keine Kampagne, ist von Pfarrer Alfred Spekker aus Frankenheim zu erfahren.

Es habe sogar Widerspruch im Gemeinde­kirchenrat gegeben, als er die Stromwechselempfehlung zu den Elektrizitätswerken Schönau weitergab. »Ich habe zwei Kirchenälteste, die beim ­regio­nalen Energieversorger arbeiten. Die Leute engagieren sich in der Kirche und die bringt ihren Arbeitsplatz in Gefahr«, sagt Spekker.

»Mich hat die Ignoranz in regionalen Dingen gestört.« Ein Umweltbewusstsein sei natürlich vorhanden. Seit sechs Jahren habe das Pfarrhaus in Frankenheim eine Pellet-Heizung. Auf Initiative ­eines Kirchenältesten wurde auf ein weiteres Pfarrhaus eine Photovoltaik­anlage montiert. Er wünscht sich von der Landeskirche, dass sie nach einer inhaltlichen Neubesinnung schaut und Anregungen für die Verkündigung in den nicht einfachen Gemeindesituationen gibt. »Da möchte ich gute Dinge auf den Tisch bekommen.«

Trotz mancher Kritik wurde die Kampagne meist positiv aufgenommen und stieß auch in anderen Landeskirchen auf Interesse. Einige haben sich mit Gutscheinrückmeldung beteiligt. Spitzenreiter waren Sachsen und Anhalt. Doch Zahlen sind das eine, wichtiger ist auch für Annelie Hollmann der Blick in die Zukunft.

Dietlind Steinhöfel

Kinderklimatag: 20. Oktober, Predigerkirche Erfurt,
ab 10 Uhr, mit Landesbischöfin Ilse Junkermann

Ein Bruder zu Gast bei Luther

16. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Symbolträchtiger Ort: Im Kapitelsaal des Erfurter Augustinerklosters ist Martin Luther als Novize aufgenommen worden. Jetzt kommt der Papst hierher. Fotos: Lutz Edelhoff/bp (Montage)

Symbolträchtiger Ort: Im Kapitelsaal des Erfurter Augustinerklosters ist Martin Luther als Novize aufgenommen worden. Jetzt kommt der Papst hierher. Fotos: Lutz Edelhoff/bp (Montage)

Ökumene: Bei seinem Deutschlandbesuch trifft Benedikt XVI. in Erfurt mit der Spitze der evangelischen Kirche zusammen.

Es ist eine historische Begegnung im Erfurter Augustinerkloster.  Erstmals besucht der Papst eine bedeutende Stätte  der Reformation. Bei der Vorbereitung wird nichts dem Zufall überlassen.

Die Vorbereitungen für den hohen Besuch laufen auf Hochtouren. Noch ist das Gelände am Erfurter Augustinerkloster eine Baustelle. Bauarbeiter haben die Bordsteinkanten herausgerissen. Auf die Frage, ob das im Vorfeld des Papstbesuches geschehe, zuckt einer der Bauarbeiter mit den Schultern. »Könnte schon sein«, meint er. Nein, entgegnet ein Kollege, es seien schon länger geplante Baumaßnahmen. Auch im Inneren der Augustinerkirche sind Handwerker bei der Arbeit. Die kostbaren Fenster im Chorraum verschwinden hinter einem Gerüst und Bauplanen.

Einer Baustelle gleicht auch die Ökumene, die in einer Woche eine historische Begegnung erleben wird. Erstmals besucht mit Benedikt XVI. ein Oberhaupt der katholischen Kirche eine authentische Lutherstätte. Im Rahmen seines Deutschlandbesuches trifft der Papst am 23. September im Erfurter Augustinerkloster auch mit der Spitze der evangelischen Kirche zusammen.

Der Aufenthalt in der Thüringer Landeshauptstadt ist auf Wunsch des Papstes sogar verlängert worden, um der Begegnung den gebührenden Raum zu geben. »Das ist eine große Chance für die Ökumene«, meint nicht nur Landesbischöfin Ilse Junkermann, der die Begrüßung des hohen Gastes zukommt.

Lange ist im Vorfeld darüber spekuliert worden, was das Treffen bedeuten könnte. Dass davon ein Signal ausgeht, darüber sind sich alle Beobachter einig. Nachdem das Verhältnis zuletzt deutlich abgekühlt war, etwa durch die Erklärung »Dominus Jesus«, in der die evangelischen Kirchen ­lediglich als kirchliche Gemeinschaften bezeichnet werden, ist schon die Wahl des Ortes ein Entgegenkommen.

Sollte der Papst hier den Erkenntnissen Luthers Respekt erweisen, wäre dies nach Meinung des Catholica-­Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber, schon ein ökumenischer Erfolg.

Zwar sind beiden Seiten derzeit ­dabei, die anfangs hochgesteckten Erwartungen wieder auf ein realistisches Maß herunterzuschrauben. Dennoch empfindet der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Thies Gundlach, das Treffen als »große ökumenische Geste«.

Auch deshalb wird nichts dem Zufall überlassen. Genau 35 Minuten wird die Begegnung mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche dauern.

Der Papst werde mit »Eure Heiligkeit« angeredet, verrät der EKD-Vizepräsident, ergänzt mit dem Zusatz »lieber Bruder in Christus«. Jeweils 20 Spitzenvertreter gehören den beiden Delegationen an, auf evangelischer Seite neben mehreren Bischöfen auch die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, oder Elke Eisenschmidt als jüngstes Ratsmitglied.

Ganz ohne Erwartungen gehen die Vertreter der evangelischen Kirche trotz der Zurückhaltung nicht in das Gespräch. Thies Gundlach erhofft sich eine Verständigung im Blick auf die Bedeutung der Reformation für beide Kirchen. »Vielleicht schaffen wir es, hier ein Gespräch anzustoßen.«

Landesbischöfin Ilse Junkermann verweist auf die gemeinsame Minderheitensituation der Kirchen im Osten, die für die katholische Kirche eine doppelte ist. Zugleich will sie die Nöte der konfessionsverschiedenen Ehepaare ansprechen.

Dass die Kirchen im Osten schon einmal viel weiter gewesen sind, macht schließlich der langjährige ­Erfurter Propst Heino Falcke deutlich. Er verweist auf die enge Gemeinschaft der Kirchen zu DDR-Zeiten etwa bei der Ökumenischen Versammlung. Darüber hinaus seien die konfessionellen Grenzen in der Auslegung der Bibel längst überwunden. Nun müsse damit auch Ernst gemacht werden, findet Falcke.

Ein besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen wohl auch deshalb auf den gemeinsamen Wortgottesdienst in der Augustinerkirche, der sich an das Gespräch anschließt. Den empfindet EKD-Vize Gundlach nicht zuletzt als ein Zeichen für die katholische Weltkirche. »Seht her, mit denen kann man gemeinsam Gottesdienst feiern.«

Martin Hanusch

www.papst-in-deutschland.de

Grundstein, Gedenkstein, Meilenstein

2. September 2011 von redaktionguh  
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Thüringens Kultusminister Christoph Matschie und Landesbischöfin Ilse Junkermann während der Grundsteinlegung. (Fotos: Maik Schuck)

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie und Landesbischöfin Ilse Junkermann während der Grundsteinlegung. (Fotos: Maik Schuck)


Für das Herderkirchzentrum in Weimar erfolgte jetzt der Baustart.

Der Grundstein ist gelegt – im Falle des neuen Herderkirchzentrums müsste diese Feststellung allerdings treffender lauten: Wir haben den Grundstein gesehen. Voller Freude präsentierte ihn Weimars Superintendent Henrich Herbst am  25. August vor einer großen Gemeinde auf der Baustelle neben der Stadtkirche.

Versehen mit Hammerschlägen von viel Prominenz aus Kirche und Politik, verschwand die Steinplatte aus gespachteltem Muschelkalk aber nicht im Unterbau. Sie wird einen Ehrenplatz im Foyer des neuen Zentrums erhalten und so zum Gedenkstein werden. »Licht, Liebe, Leben – 25. August 2011«, ist darauf zu lesen.

Henrich Herbst möchte, dass Herders Wahlspruch und das Datum der Grundsteinlegung der Gemeinde und den zukünftigen Besuchern des Hauses stets vor Augen seien.

Am 267. Geburtstag  des einstigen Generalsuperintendenten von Weimar begannen die Bauarbeiten für das rund vier Millionen teure Vorhaben offiziell und festlich. Es wird eine Kombination aus Neubau, Ergänzungsbau sowie Instandsetzung und Restaurierung historischer Häuser sein, die eine Seite des Herderplatzes zusammenbindet, notwendigen Funktionen Raum gibt, modernen Ansprüchen genügt und Gäste wie Gemeinde einlädt hereinzukommen.

Landesbischöfin Ilse Junkermann wünschte dem Werk gutes Gelingen und stellte das Haus und die daran Arbeitenden unter den Schutz Gottes. »Sie wollen hier mit dem Anvertrauten wuchern, damit es den Menschen diene«, sagte sie in ihrer Andacht zu Lukas 12,48.

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie hob in seinem Grußwort hervor, dass Weimar ein internationaler Ort des Dialogs der Kulturen sei und wegen der Authentizität eine große Strahlkraft entfalte. Das Bauvorhaben sei ein Meilenstein.

Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf freut sich »von Herzen« auf dieses neue Gemeindezentrum am Herderplatz. In Zusammenhang mit der Umgestaltung des historischen Platzes mit der Stadtkirche Sankt Peter und Paul im Zentrum werde hier einer der attraktivsten Verweilorte der Klassikerstadt entstehen.

Im Anschluss an die Grundsteinlegung lud die Herderglocke der Stadtkirche zur Festveranstaltung in das Gotteshaus ein. Landesbischöfin Ilse Junkermann sprach zum Thema »Kirche auf dem Markt«. Zudem erhielt der Ohrdrufer Kantor Marco Lemme den Herder-Förderpreis für Studierende.

Uta Schäfer

So kann es nicht weitergehen

12. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Podium-2
In Sondershausen diskutierte die Prominenz beim Kreiskirchentag über die Zukunft der Kirche.

Die Trinitatiskirche in Sondershausen war am Sonnabend, 2. Juli, vollbesetzt. Man spürte förmlich die freudige Erwartung, die anlässlich des großen Aufgebotes an Prominenz in der Luft lag. Margot Käßmann, Friedrich Schorlemmer, Ilse Junkermann und Thies Gundlach, Vizepräsident der EKD, waren vielversprechende Publikumsmagneten des Kirchentages im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen.

In dem mit Werbebannern plakatierten Altarraum trafen sich die Diskussionsteilnehmer zum freundlich kontroversen Austausch um die Frage der zukünftigen Gestalt unserer Kirche. Die Zuhörer bekamen den Eindruck, dass sich die Gesprächspartner verabredet hatten, in den unruhigen Zeiten des Aufbaus der EKM positive Signale auszusenden. Vor allem Margot Käßmann und Thies Gundlach ­bemühten sich, Mut zu machen und Verständnis für die Sorgen der Gemeinden zu zeigen. Dagegen legte Schorlemmer den Finger in die Wun­de und sprach manchem aus dem Herzen. ­Einigkeit – bis hin zur Bischöfin – herrschte vor allem darin, dass der gestiegene Verwaltungsaufwand die Pfarrer von Verkündigungsdienst und Seelsorge abhalte. Mit Schorlemmers Worten: »Die Predigten werden nachts geschrieben, und die Pfarrer haben keine Zeit mehr, den Menschen ihre seelische Last abzunehmen und sie zu ermutigen. Sie haben keine Zeit mehr für ihre zentralen Aufgaben.«

Zum drängenden Thema Mitgliederschwund stellte Käßmann unmissverständlich klar: »Hätten wir den ­Königsweg gegen den Mitgliederrückgang bereits gefunden, dann gingen wir ihn doch längst.« Fünf Millionen Gottesdienstbesucher am Wochenende seien kein Grund, sich kleinzureden. Begleitet von Applaus äußerte sie die Überzeugung, dass es bereits erfüllend sein könne, wenn sich ein paar Gemeindeglieder mit Kerze zu Psalm und Gebet träfen. Auch zwei oder drei müssten keinesfalls freudlos wirken. Wenig beeindruckte sie auch das Fehlen der Generation zwischen 20 und 40 in den Gemeinden. Gute Kinder-, Konfirmanden- und Seniorenarbeit ziehe die vielbeschäftigten Eltern mit.

Während Bischöfin Junkermann diese Aussagen mit den Worten unterstützte: »Jeder Getaufte hat einen Verkündigungsauftrag, es braucht nicht jeden Sonntag den Pfarrer.« Schorlemmer forderte im Gegenzug: »Die Gemeinde will den Pfarrer sehen.« Er müsse wieder in die Gemeinde mit Kindern und Klampfe, konstatierte er volksnah. Anstelle der propagierten Ausdehnung von Gemeinden und Kreisen müssten die Strukturen zukünftig übersichtlicher werden. »Der Pfarrer muss wieder ­näher an die Menschen«, forderte der Theologe.

Nach der Diskussion hörte man eine nachdenkliche Pfarrerin Eilice Neuland aus Holzthaleben sagen: »Mir ist noch einmal klar geworden, dass wir eine Pfarrerkirche sind, das Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen kann, ist da, aber die Umsetzung wird für beide Seiten schwer.« – »Ja«, bestätigte Kirchen­ältester Bernd Volkmann aus Immenrode, »wir Aktiven warten viel zu oft darauf, dass uns einer sagt, was wir tun sollen.«

Beim Verlassen der Trinitatiskirche steckten viele Kirchenälteste angeregt die Köpfe zusammen. Sie hatten Anerkennung für ihren eigenen Dienst erfahren, aber auch reichlich Diskussionsstoff für die zukünftige Arbeit ­erhalten.

Regina Englert

Gemeinden im Stich gelassen?

1. Juli 2011 von redaktionguh  
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Kirchenälteste und Pfarrer aus Ostthüringen demonstrierten vor dem Collegium maius.

 

Vor der  offiziellen Eröffnung des neuen Kirchenamtes machten sie auf ihre Probleme aufmerksam – Demonstranten aus dem Kirchenkreis Eisenberg. Foto: Jens-Ulrich Koch

Vor der offiziellen Eröffnung des neuen Kirchenamtes machten sie auf ihre Probleme aufmerksam – Demonstranten aus dem Kirchenkreis Eisenberg. Foto: Jens-Ulrich Koch


 
Wer am Johannistag zu einem unbeschwerten Fest nach Erfurt gekommen war, wurde vor dem neuen Landeskirchenamt mit den Problemen der jungen mitteldeutschen ­Kirche (EKM) konfrontiert. Gut 30 Frauen und Männer aus dem Kirchenkreis Eisenberg demonstrierten vor dem Collegium maius. Ihr Anliegen war nicht zu übersehen: Große Bauprojekte würden verwirklicht, die Pfarrstellen vor Ort aber immer weniger. Schon jetzt habe jeder etwa 15 Dörfer, sagte Pfarrer Michael Greßler aus Camburg. Das Problem sei die große Fläche, erläutert Magdalena Seifert aus Frauenprießnitz.

Vor allem eins wurmt die Pfarrerin. Bereits im April habe man an die Bischöfin einen offenen Brief geschrieben. Nach vielen Wochen sei lediglich eine Eingangsbestätigung gekommen. »Wir wollen gehört werden mit unseren Sorgen«, waren sich die Demonstranten einig. Carla Meierl, Kirchenälteste und Bürgermeisterin von Thierschneck (Frauenprießnitz), hat keine Mühe gescheut, um nach Erfurt zu reisen. Die amtliche Fleischkontrolleurin war schon früh um ein Uhr zum Dienst gewesen und stand 10.30 Uhr vor dem Kirchenamt. Vor allem die Seelsorge bliebe auf der Strecke. »Hier werden überregionale Stellen geschaffen und Paläste gebaut. Die Leute fühlen sich im Stich gelassen«, machte sie ihrem Herzen Luft. Manche im Ort würden sogar an den Austritt aus der Kirche denken.

Die Botschaft kam an. Und was Präsidentin Brigitte Andrae vor den Festgästen im Foyer des Kirchenamtes versprach: »Dieses Haus soll nicht bürokratisch sein«, wurde umgesetzt. Personaldezernent Christian Frühwald und Finanzdezernent Stefan Große boten ein Gespräch im Anschluss an den Gottesdienst an. Und auch Landesbischöfin Ilse Junkermann nahm die Sorgen der Basis in ihrer Predigt auf. »Es braucht den Diskurs und die Kontroverse und die Nachsicht miteinander«, sagte sie. Dabei dürfe es nicht um Besserwisserei gehen. Mit Ängsten und Verzagtheit anderer müsse respektvoll umgegangen werden.

Im großen Saal des Landeskirchenamtes versammelten sich die Gäste am 24. Juni zum Festgottesdienst. Zuvor hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann im Foyer das neue Gebäude in den Dienst Gottes gestellt.  Foto: Jens-Ulrich Koch

Im großen Saal des Landeskirchenamtes versammelten sich die Gäste am 24. Juni zum Festgottesdienst. Zuvor hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann im Foyer das neue Gebäude in den Dienst Gottes gestellt. Foto: Jens-Ulrich Koch

Während die Gäste nach dem Gottesdienst plauderten, wurden in einem Tagungsraum des Amtes klare Worte gesprochen. »Wir sind ratlos und haben wenig Mut, uns dieser ­Sache zu stellen«, fasste Magdalena Seifert ihr Anliegen noch einmal zusammen. Alte, Schwache, Kranke blieben auf der Strecke, ergänzte Pfarrer Greßler. Oberkirchenrat Frühwald ­erläuterte noch einmal die neuen Rahmenbedingungen. Bisher habe es in Thüringen ein Kriterium gegeben: 1200 Gemeindeglieder pro Pfarrer. Jetzt sind noch zwei weitere Kriterien dazugekommen, sodass der Stellenabbau in den meisten Kirchenkreisen langsamer vonstatten gehe. »Eisenberg profitiere davon leider nicht«, räumte der Personaldezernent ein. Stefan Große hingegen rechnete vor, dass durch die Zusammenlegung des Amtes viel Geld gespart würde, nicht nur durch die wegfallenden Fahrten zwischen Magdeburg und Eisenach, sondern auch Stellen seien abgebaut worden. 77,4 Prozent der Haushaltsmittel flössen 2011 in die Arbeit vor Ort. Vor allem müsse der Kirchenkreis seine Hausaufgaben machen, da hier die Spielräume lägen, mahnte er.

Wirklich verstanden fühlten sich die Ostthüringer nicht. Die Kluft sei eher größer geworden, meinte Magdalena Seifert enttäuscht. Immerhin war Christian Fuhrmann vom Dezernat Gemeinde am Dienstag in Frauenprießnitz, und der Personaldezernent hat ebenfalls Gespräche vor Ort angeboten. »Das nehmen wir auf jeden Fall an«, sagt die Pfarrerin. Jedoch befürchtet sie, dass damit nicht die zukünftigen Probleme gelöst würden.

Dietlind Steinhöfel

»Inmitten der guten Stube von Erfurt«

24. Juni 2011 von redaktionguh  
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Im neuen Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sind Anspruch und Auftrag in Stein gemeißelt.

Die Symbolik könnte größer kaum sein: Wer immer das neue Erfurter Kirchenamt durch den Haupteingang betritt, wird auf dem Weg in den Verwaltungssitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) von Frömmigkeit und Gerechtigkeit begrüßt. Die beiden allegorischen ­Figuren zieren das opulente Renaissanceportal der einstigen Boineburg-Bibliothek, das 1847 mit dem Bibliotheksneubau am Collegium maius einen neuen Aufstellungsort fand. Mit der Einbeziehung in den Umbau und der Erweiterung des historischen Areals zur Kirchenverwaltung kommt das Portal nun zu symbolischen Ehren.

Seit Ende 2009 wurden für das Amt »inmitten der guten Stube von Erfurt«, wie Finanzdezernent Stefan Große es nennt, rund zwölf Millionen Euro verbaut. Zu den Eigenmitteln von 4,45 Millionen Euro kamen 7,25 Millionen Euro von der Städtebauförderung des Bundes und des Landes sowie von der Thüringer Landeshauptstadt. Ohne die öffentlichen Gelder, so Große, hätte die EKM das Projekt nicht realisieren können.

Altehrwürdige Bausubstanz und moderne Glasarchitektur, in dem eine Kirchenbehörde gut funktionieren kann – so präsentiert sich das Collegium maius in ­Erfurt, in dem seit Ende Mai 142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Noch arbeiten hier und da Handwerker, bis das letzte Detail am Bau perfekt ist.  Das neue ­Landes­kirchenamt der mitteldeutschen Kirche wird mit einem Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann am Freitag feierlich eröffnet. (Foto: Jens-Ulrich Koch)

Altehrwürdige Bausubstanz und moderne Glasarchitektur, in dem eine Kirchenbehörde gut funktionieren kann – so präsentiert sich das Collegium maius in ­Erfurt, in dem seit Ende Mai 142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Noch arbeiten hier und da Handwerker, bis das letzte Detail am Bau perfekt ist. Das neue ­Landes­kirchenamt der mitteldeutschen Kirche wird mit einem Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann am Freitag feierlich eröffnet. (Foto: Jens-Ulrich Koch)


Die 142 Mitarbeiter zogen schon Wochen vor der offiziellen Eröffnung an diesem Freitag (24. Juni) in ihre ­Büros in der Michaelisstraße 39 – und damit auf eine Baustelle mit nahezu allen Unzulänglichkeiten eines Neubaus. Kirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae indes erkennt in dem Unfertigen durchaus auch Positives: In der gemeinsamen Bewältigung der Anfangsschwierigkeiten kämen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – 80 aus dem bisherigen Landeskirchenamt in Eisenach, 28 aus Magdeburg und 34 neue – zwangsläufig näher.

Sie haben ihre Arbeitsplätze zweifellos in einer der Top-Lagen der Thüringer Landeshauptstadt. Das alte »Lateinische Viertel« als historisches Zentrum des geistlichen und des universitären Lebens hat in den vergangenen Jahren eine deutliche Aufwertung erfahren – städtebaulich, gastronomisch, touristisch. Zudem sind markante Orte der Stadt-, Kirchen- und Reformationsgeschichte – von der Michaeliskirche über Dom, Nikolaiturm, Georgenburse und Augustinerkloster bis hin zur Alten Synagoge – nur wenige Schritte entfernt.

In diesem Umfeld muss das sanierte Collegium maius der Alten ­Universität künftig seinem Anspruch als eines der herausragenden Kulturdenkmale und Lutherstätten von Erfurt gerecht werden. Dazu will sich das Kirchenamt neben seinen eigentlichen Verwaltungsaufgaben auch dem kulturellen und geistigen Diskurs in der Stadt öffnen.

Der moderne Saal im Oberschoss mit bis zu 260 Plätzen, nach Einschätzung von Oberkirchenrat Große »absolut synodentauglich«, dürfte dabei ohne Zweifel Begehrlichkeiten auch über den kirchlichen Rahmen hinaus wecken. Das Alltagsgeschäft im Kirchenamt freilich bedeutet für die Mitarbeiter zunächst eine Gewöhnung.

Die durchweg in Weiß gehaltenen Räume nehmen den historischen Gebäudeteilen ihre Schwere und geben auch dem U-förmigen Neubau eine gewisse Leichtigkeit. Einzig die Türen zu den insgesamt 104 Büros setzen mit zarten Pastelltönen dezente Farbtupfer auf den Fluren. Viel Glas und große Fenster sorgen zudem für angenehme Transparenz. Sie kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Räume mitunter etwas knapp zugeschnitten sind.

Insgesamt jedoch sei das neue Kirchenamt »ein guter funktionaler Bau«, gibt sich Oberkirchenrat Große überzeugt – »die denkbar beste und bezahlbare Möglichkeit«. Und alles, was fortan jemals an diesem Ort verwaltet und  entschieden wird, geschieht unter den steinernen Zeichen von Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Besser lassen sich Anspruch und Auftrag einer auf die Zukunft gerichteten Kirchenbehörde wohl kaum formulieren.

Thomas Bickelhaupt

Glaube als Herzenssache

10. Juni 2011 von redaktionguh  
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Auch beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden ging es um die Frage, woran wir unser Herz hängen. (Foto: epd-bild)

Auch beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden ging es um die Frage, woran wir unser Herz hängen. (Foto: epd-bild)

Pfingsten: Das Pfingstfest erinnert uns daran, dass Jesus eine erwachsene Kirche will.

Die Kirche ist mehr als ein Verein, eine Partei oder eine Bürgerinitiative. Das hat Folgen.

 
Es kommt auf die Jüngerinnen und Jünger an. Jesus geht zum Vater zurück und vertraut ihnen die frohe Botschaft an. Ausdrücklich sagt er, dass es gut ist, dass er geht und sie alleine lässt (Joh 16,7). Er will eine erwachsene Jüngerschaft, eine erwachsene Kirche haben. Ihr Auftrag ist klar: Sie sollen Zeuge sein für die frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die in Jesus erschienen ist.

Für diese Zeugenschaft bekommen sie den Heiligen Geist zugesagt. Er wird sie als Geist der Wahrheit in alle Wahrheit leiten (Joh 16,13).

So macht er seine Nachfolgerinnen und Nachfolger zu einer besonderen Gruppe: Sie kommen nicht zusammen, weil sie gleich sind oder gleiche Interessen haben (wie es zum Beispiel typisch ist für einen Verein); es verbindet sie auch nicht, dass sie gemeinsame Ziele haben, die sie umsetzen wollen (wie etwa eine politische Partei oder Bürgerinitiative).

Sie sind eine Gemeinschaft, weil Gottes Geist sie zusammenruft zu dem einen gemeinsamen Auftrag: aller Welt, jedem Mann, jeder Frau, jedem Kind in Wort und Tat Gottes Liebe zu bezeugen. Sie sollen ihnen erzählen, wie Gott in Jesus Mensch geworden ist und die Nähe der Menschen sucht und eine Vertrauensbeziehung mit ihnen pflegen will.

Ihr Auftrag ist es, in Jesu Nachfolge Kirche für andere und Kirche mit anderen zu sein.

Feuer und Windbrausen sind Zeichen von Gottes Gegenwart. Das war am Sinai so, als das Volk Israel zum Volk Gottes wurde und die Gebote als Weisung zum Leben erhielt. Und das war am ersten Pfingstag so, als die Jüngerinnen und Jünger zur Gemeinde Jesu Christi wurden, eben genau am »jüdischen Pfingsten«, an dem Fest, an dem der Gabe der Thora gedacht wird.

Feuer und Flamme für diesen Gott sein, das macht Kirche aus – und nicht Sorge und Mühe um die eigene Zukunft und den eigenen Erhalt. Aus ­diesem brennenden Herzen heraus Kirchensteuer und Gemeindebeitrag zahlen, damit Kirche eine Kirche für andere sein kann und ihren Auftrag an allem Volk ausrichten kan – und nicht, damit ich eine »religiöse Dienstleistung« für mich bzw. meine Gemeinde »einkaufe«.

Pfingsten erinnert uns: Der Glaube ist eine Herzenssache, die sich nie »rechnen« wird, die sich ganz auf die Führung und Begleitung durch den Geist Gottes verlässt.

Lebenskraft und Zuversicht gibt dieser Geist. In ihm vertraut uns Gott die Liebe an, rot ist seine Farbe und die Farbe der Kirche.

Der Geist Gottes ist ein Geist der Wahrheit.

Er lehrt uns, uns und die Welt realistisch zu sehen.

Das heißt, dass wir weder uns noch andere oder anderes vergöttern, vielmehr mit menschlichem Maß leben. Er tröstet uns, er hilft uns, menschlich zu sein. Ich bin eingefügt und geborgen im Dreieck von Gottes- und Nächstenliebe, das ist das rechte, das menschliche Maß, das seine Freiheit an die Freiheit der anderen, auch der Andersdenkenden und an Gottes Freiheit binden lässt.

Genau dies feiern unsere jüdischen Geschwister zu »ihrem« Pfingstfest (Schawuot genannt): die Freude an Gottes Weisung, an der Thora, die Raum absteckt und eröffnet für das Leben mit Gott und dem und der Nächsten.

Der Geist der Wahrheit wird uns immer wieder schmerzlich die Augen öffnen, wenn wir in allen drei Ecken uns selbst oder die Kirche eintragen.

Der Heilige Geist wird uns immer wieder das Herz öffnen, dass es Vertrauen fassen kann in Gottes Güte.

Der Heilige Geist wird uns als Kirche immer wieder unter seinen kräftigen Wind stellen, der allen Kult um noch so verdienstvolle Personen zur Seite bläst und den einzigen Herrn, den Gekreuzigten, in unsere Mitte stellt.

Wie entlastend und befreiend, dass wir keine Erfolgs-Kirche sein müssen.

Wie entlastend und belebend, dass wir Kirche in der Kraft Seines Geistes sein dürfen.

Ilse Junkermann

Die Autorin ist Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Wir sind so frei

2. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Zum Abschluss der religionspädagogischen Projektwoche am Eisleber Martin-Luther-Gymnasium führten die Schülerinnen der Theatergruppe ihrer Arbeitsergebnisse vor. Die Projektwoche wurde unter anderem vom Kultusministerium und der Landeszentrale für politische Bildung gefördert. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Zum Abschluss der religionspädagogischen Projektwoche am Eisleber Martin-Luther-Gymnasium führten die Schülerinnen der Theatergruppe ihrer Arbeitsergebnisse vor. Die Projektwoche wurde unter anderem vom Kultusministerium und der Landeszentrale für politische Bildung gefördert. (Foto: Jürgen Lukaschek)

 

Projektwoche in Eisleben befasste sich mit dem Jahresthema der Lutherdekade “Reformation und Freiheit”.

Zwölf Schüler scheinen durch die Aula zu schweben. Aufmerksam verfolgen die Besucher die szenischen Darbietungen der Theatergruppe. Eine Woche lang haben 70 Elftklässler des Martin-Luther-Gymnasiums bei einer Religionsphilosophischen Projektwoche zum Thema »Reformation und Freiheit« miteinander diskutiert und ihre Meinungen ausgetauscht. Am 26. Mai präsentieren sie die Arbeitsergebnisse, die in sechs Kreativgruppen entstanden sind.

Zu dem interessierten Publikum gehören auch der Staatssekretär im Kultusministerium, Jan Hoffmann, und Landesbischöfin Ilse Junkermann. Luther hätte sich über das Engagement der Jugendlichen sehr gefreut, lobt die Bischöfin ihren Einsatz.

Anlass für die Projektwoche ist das Themenjahr »Reformation und Freiheit« innerhalb der Lutherdekade gewesen. Veranstalter sind neben der Martin-Luther-Universität Halle und der Evangelische Akademie mit ihrem Projekt »Denkwege zu Luther« auch das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung sowie die Stiftung Luthergedenkstätten. Dabei sollte insbesondere nach den Erfahrungen der Teilnehmer mit Freiheiten und Unfreiheiten im eigenen Lebensumfeld gefragt und diese in den Zusammenhang mit Religion und Reformation gestellt werden, unterstreicht der Hallenser Religionspädagoge Michael Domsgen. Anfangs seien die Ressentiments hoch gewesen.

»Die Jugendlichen konnten sich anfangs gar nicht vorstellen, dass Freiheit und Religion etwas miteinander zu tun haben«, so Domsgen. Erst im Laufe der Projektwoche habe sich das gewandelt.

Ein Grund dafür: In den Arbeitsgruppen haben sich die Jugendlichen unterstützt von den Gruppenleitern intensiv und kreativ mit den verschiedenen Aspekten des Themas auseinandergesetzt. So sind ein Hörspiel, ein Film, eigene Texte, eine szenische Inszenierung sowie Plastiken aus Gips entstanden. Eine Kommunikationsgruppe begleitet das Geschehen, um es mit Texten und Bildern im sozialen Netzwerk Facebook zu dokumentieren.

»Die Jugendlichen konnten sich anfangs nicht vorstellen, dass Freiheit und Religion etwas miteinander zu tun haben«

Zum Abschluss der Projektwoche ist am 27. Mai noch einmal prominenter Besuch in das Gymnasium gekommen. Der ehemalige Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, berichtet von seinen persönlichen Freiheitserfahrungen. Er spricht über seinen Weg in die Politik durch die friedliche Revolution und was ihn in seinem politischen Handeln geprägt hat.

Bei seinen Entscheidungen habe ihm immer auch die Überzeugung von einem »gnädigen Gott« geholfen.

Im Anschluss wollen die Schüler wissen, ob es ihm leicht gefallen sei, in die Politik einzusteigen und ob religiöse Menschen glücklicher seien. Einige geben zu bedenken, dass die innere Freiheit häufig durch die Meinung anderer einschränkt werde. Auch könnten heute keineswegs alle reisen, weil das Geld dazu fehle.

»Fühlen die Leute sich deshalb unfreier als zu DDR-Zeiten«, fragte eine der Jugendlichen.

Bei den Schülern ist die Projektwoche nach den anfänglichen Vorbehalten jedenfalls gut angekommen. Viele der Jugendlichen hätten sich durch die Projektwoche zum ersten Mal Gedanken über Religion gemacht, berichtet Martina Franz vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt.

»Ich habe gar nicht gewusst, dass Max so darüber denkt«, sagt ein Junge überrascht. Die Mehrzahl der Schüler würde jedenfalls sofort wieder mitmachen. »Im normalen Unterrichtsalltag ist es oft gar nicht möglich, sich so intensiv mit einem Thema zu befassen«, so die Meinung vieler Schüler.

(mf/mh)

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