Eine Tür, viele Wohnungen?

13. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Wir Christen sind tolerant, rücksichtsvoll und folgen dem Gebot der Nächstenliebe. Das gilt zunächst natürlich im Umgang mit unseresgleichen unterschiedlicher Prägung. Wir können trotz Verschiedenheit miteinander beten und Gottesdienst feiern. Zum Anfang eines Jahres wird das bei der Allianzgebetswoche deutlich. Christliche Kirchen und Gemeinschaften treffen sich, lernen sich kennen.

Auch im Zusammenhang mit Juden und Muslimen werden die gemeinsamen Wurzeln der abrahamitischen Religionen betont. War es nicht Jesus selbst, der erklärte: In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen. Darauf wies auch der Weimarer Pfarrer Frieder Krannich in seiner Predigt zu Beginn der Allianzgebetswoche hin. Allerdings stehe das im krassen Widerspruch zum Absolutheitsanspruch, den Jesus in den »Ich bin«-Worten formulierte. So hatte ich die Worte bislang nicht verstanden. Ich hielt sie eher für eine Orientierung. Aber Krannich hat natürlich recht, denn Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Ein anderer Weg scheint ausgeschlossen. Das verwirrt. Was soll man da auf die Frage antworten, ob wir alle an denselben Gott glauben? Ich weiß es nicht.

Vielleicht muss ich es auch nicht wissen. »Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde«, so beginnt unser Glaubensbekenntnis und das ist, wenn ich die unterschiedlichen Statements in dieser Ausgabe lese, der größte gemeinsame Nenner. Ich muss gar nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen.

Dieser Glaube kann Berge versetzen und hat von Abraham bis heute schon vielen geholfen. Was glauben Sie? Ich freue mich auf Ihre Zuschriften: redaktion@glaube-und-heimat.de

Willi Wild

Suchen und finden – eine Lebensaufgabe für Gott und uns

11. Juni 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, Vers 10

Wie viel Zeit am Tag verbringen Sie mit Suchen? Schlüsselbund? Handy? Zettel? Aber was wir eigentlich suchen, ist: das Leben. Oder ich kann auch sagen, was wir eigentlich suchen, ist: uns selbst. Unser Innerstes. Unsere Seele. Wer wir eigentlich sind – oder sein wollen. Denn auch das kann verloren gehen.

Erik Dremel, Studienleiter im Evangelischen Konvikt in Halle

Erik Dremel, Studienleiter im Evangelischen Konvikt in Halle

In der Bibel gehen Groschen verloren, und Schafe werden gefunden, Söhne gehen verloren und werden wiedergefunden. Menschen werden als »verloren« bezeichnet, wenn sie sich selbst verloren haben. Und sich entfernt haben: von Gott.

Der Zöllner Zachäus ist so ein Mensch, der sich selbst verloren hat. Jesus geht ihm nach und sucht ihn (be-sucht ihn!), und durch diese Hilfe kann sich Zachäus wieder finden. Abschließend sagt Jesus diesen Satz: »Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.«

Aber ich meine, es geht beim »Verlieren« nicht nur um die großen Sünder oder die echten Sünden, sondern es geht auch um mein Gefühl, dass ich selbst irgendwie unterwegs verloren gegangen bin. Dass im normalen Alltagsleben meine Träume, meine Hoffnungen, ich selbst – irgendwie herunterfallen. Unbemerkt aus der Hosentasche rutschen wie ein verlorenes Geldstück. Dann muss ich zurückschauen und nachdenken: wo und wann ist das eigentlich passiert. Vermutlich muss ich sogar ein Stück Wegs zurückgehen, um mich selbst wieder zu finden. Zachäus hatte Hilfe von Jesus. Der hat ihn bei der Hand genommen und ist mit ihm nach Hause gegangen, wodurch sich Zachäus wieder gefunden hat.

Benedikt von Nursia, der Gründer des europäischen Mönchtums, gibt umgekehrt einen Rat: So wie wir sicher sein können, dass Gott uns sucht, bis er uns findet – so sollen wir uns unsererseits auf die Suche nach Gott machen. Nicht nur in der Kirche oder in der Bibel, sondern überall, in allen Dingen, in allen unseren Handlungen und Begegnungen, sollen wir Gott suchen – so wie er uns sucht.

Erik Dremel, Studienleiter im Evangelischen Konvikt in Halle

Vatertag und Männerarbeit

8. Mai 2016 von redaktionguh  
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Mehr Männer­gruppe waren sie nie. Elf Jünger haben sich eingeschlossen. Ostern vorbei, aber die Feigheit war geblieben. Haben sie über ihre Ängste gesprochen? Die kirchliche Männerarbeit wurde am Himmelfahrtstag erfunden.

Als sie mit Jesus durch das Land zogen, war fast immer eine Frau dabei. Oder es kam eine Gichtbrüchige oder Blutflüssige auf ihn zu und bat um Heilung. Das Dorf lief zusammen. Sie waren nie allein. Vor allem war Jesus immer in ihrer Mitte. Dem vertrauten sie sich an, und er führte sie. Selten durch Befehle, mehr durch die Art, wie er war.

Sie merkten erst, als er weg war, was ihnen fehlte. Und dann saßen die elf Männer in einem Haus mit geschlossenen Fenstern und erwogen, die Gruppe aus taktischen Gründen aufzulösen. Von der Auferstehung sprachen zuerst die Frauen. Die Elf witzelten darüber. Jesus habe schon gewusst, wie man eine Nachricht am besten verbreitet.

Als er selbst erschien, war Thomas gerade einkaufen. Er war der Einzige, der sich raustraute. Hinterher schafften sie es nicht, ihren Bruder zu überzeugen.

Männer bleiben gerne bei dem, wobei sie sich wohl fühlen. Am Himmelfahrtstag sehen sie Jesus gehen. Nicht als er kommt, verstehen die Jünger, wie es weitergeht. Erst als er geht, wissen sie, dass sie auf sich allein gestellt sind und dass es trotzdem weitergehen wird. Jesus geht zum Vater, die Jünger gehen vom Ölberg nach Jerusalem.

Ein schöner Spaziergang, wenn auch damals noch ohne Handwagen und Bierkiste. Männertag und Vatertag. Die Volkskultur legt beides – perfekt passend – auf den Himmelfahrtstag. Warum geht die kirchliche Kultur nicht offensiver damit um?

Dr. Frank Hiddemann

Der Autor ist Kulturbeauftragter der EKM und Pfarrer in Gera.

Passionsgeschichte mit Lego

27. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Pfarrer Michael Weber aus Egeln erzählt Ostern gern auf unkonventionelle Art und Weise

Es bedurfte nicht erst des sensationellen Erfolges eines inzwischen 400 000-mal verkauften Playmobil-Reformators, um zu konstatieren, dass sich religiöse und biblische Themen durchaus mittels Kinderspielzeug vermitteln lassen.

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Schon lange wird in der kirchlichen Bildungsarbeit auch mit Lego gearbeitet. Durchschnittlich einmal im Monat setzt zum Beispiel der evangelische Pfarrer Michael Weber aus Egeln das zeitlose Spielzeug in seiner Arbeit ein. »Ob mit Kindern oder mit Erwachsenen: Lego ist eine schöne Möglichkeit, um ins Gespräch zu kommen«, sagt Weber. Er macht Kirchenführungen und baut im Anschluss mit den Teilnehmern das Gebäude nach. Oder er erzählt biblische Geschichten mithilfe der Kunststoff-Steine.

So wie jüngst in der Kneipp-Kita »Rappelkiste« in Etgersleben. Auf farbigen Samttüchern hat Michael Weber sieben Stationen der Ostergeschichte aufgebaut. Zehn Kinder und zwei Erzieherinnen scharen sich um die erste Station: Jesu Einzug nach Jerusalem. Während Pfarrer Weber die Geschichte erzählt, rupft der fünfjährige Henry die Plastikpalmen und legt die Blätter auf den Weg. Auf seinem Esel zieht der Lego-Jesus in Jerusalem ein und begleitet die Gruppe zur nächsten Station.

Hier versammeln sich Figuren um einen Tisch. Frieda zählt: Es sind zwölf Männchen. Dazu gesellt sich jetzt der vom Esel abgestiegene Jesus und feiert das letzte Abendmahl, ehe es nebenan im Garten Gethsemane weitergeht.

Einige Bausteine sind wie geschaffen für die Ostergeschichte. An anderen Stationen muss Michael Weber kreativ sein, seiner Fantasie freien Lauf lassen und Teile aus anderen Welten zweckentfremden. »Für Golgatha habe ich den Hügel aus einer Lego-Weltraumplatte gebaut.« Nahezu alle Elemente der Geschichte lassen sich mit den Steinen darstellen, einzig bei der Dornenkrone musste der Pfarrer mit Draht tricksen.

Die bunten Kunststoff-Steine begleiten den Pfarrer seit der Kindheit. Inzwischen lagern einige Hunderttausend der Mini-Klötzchen fein sortiert im Pfarrhaus. Weber öffnet eine der Boxen mit Kleinteilen. »Hier habe ich günstig 400 Oberkörper ersteigert.« In der nächsten Box sind Arme und Hände. Die passenden Köpfe lagern eine Box weiter. Bevor Michael Weber eine Geschichte erzählt, muss er die Figuren zusammensetzen. »Es gibt Leute mit Bart, mit Brille. Die Jünger Jesu hatten wahrscheinlich oft einen Bart. Der Petrus war Fischer, also bekommt er einen gestreiften Oberkörper.« Zwar lege Lego gelegentlich auch religiöse Figuren auf, die meisten Requisiten für eine biblische Geschichte müsse man aber selbst entwickeln.

Michael Weber ist nicht der einzige »Lego-Pfarrer«. So gibt es einen amerikanischen Künstler, der die wichtigsten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament nachgestellt hat, und wer eine Internetsuchmaschine mit den richtigen Begriffen füttert, landet schnell auf Seiten mit richtig professionell gestalteten Fotostrecken.

Die Ostergeschichte in Etgersleben dauert rund 30 Minuten. Gebannt und aufmerksam haben nicht nur die Kinder gelauscht. »Spannend und auch für uns Erwachsene Neues«, findet Gabriela Meyer, die stellvertretende Leiterin der »Rappelkiste«. Wiederholung durchaus erwünscht.

Thorsten Keßler

Jesus war kein strahlender Superheld

26. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Alles in einen Raum, Tür zu, Schlüssel umdrehen und fertig. Alles, was ich nicht mehr sehen will, da einsperren, es aussperren aus meiner Welt. Ich habe damit nichts mehr zu tun. Und den Schlüssel, den behalte ich ganz fest in der Hand.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Mir fällt genug ein, was ich in diesen Raum sperren möchte. Die vielen schlechten Nachrichten jeden Tag. Das Leid der Flüchtlinge und den Streit bei uns darüber, wie man ihnen helfen kann. Den Krieg und die Not in ihren Heimatländern. Und ich sehe, dass es genug Menschen in unserem Land gibt, die sich genau das Gleiche wünschen: Dass einer kommt und aufräumt und die Welt wieder schön übersichtlich wird. Wer einfache Lösungen verspricht, hatte großen Erfolg bei den letzten Wahlen. Ich kann diesen Wunsch verstehen. Aber es wird sich noch zeigen, ob die, die behauptet haben, sie hätten Schlüssel zu den Problemen, sie tatsächlich haben. Ich glaube es nicht.

Im Buch der Offenbarung, aus dem der Spruch für die Osterwoche stammt, geht es auch um Macht. Der Seher Johannes sieht den auferstandenen Christus vor sich. Und der sieht in dieser Vision tatsächlich aus wie ein Superheld, der alle bösen Mächte besiegt und für immer eingesperrt hat. Für die unterdrückten und verfolgten christlichen Gemeinden im römischen Staat in dieser Zeit war dieses Bild eine Hilfe. Je machtloser sie sich selbst fühlten, umso strahlender malten sie sich Jesus Christus als Sieger aus.

Doch Jesus ist ein anderer Sieger. Er war kein strahlender Superheld. Leid, Tränen, Geschrei, Schmerzen, den Tod – er hat das am eigenen Leib erlebt. Er hat sich nichts erspart. »Hinabgestiegen in das Reich des Todes« sagen wir im Glaubensbekenntnis. Jesus war dort, ganz unten, und Gott hat ihn von dort wieder ins Leben geholt. Deswegen können wir ihn zu Ostern als Sieger über den Tod feiern. Deswegen hat er die Schlüssel bekommen. Seine Macht kommt aus seiner Ohnmacht. Und er ist an der Seite aller Menschen, die leiden.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Dem Leben trauen

26. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?« Diese Worte stammen aus einem alten Osterlied. Sie sind über 250 Jahre alt. Aber: veraltet sind sie nicht. Oder doch? So viel Tod ist unter uns. In der Welt. So viele schreckliche Nachrichten.

Foto: EKM

Foto: EKM

Und da mitten hinein kommt die Nachricht vom Ostermorgen: Jesus lebt! Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

O ja, wir brauchen diese Nachricht, dass Jesus lebt. Er hat den Tod hinter sich gelassen. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Auch für mich! Auch für Sie! Jesus zieht auch uns auf seine Seite, auf die Seite des Lebens. Er ist der Anwalt des Lebens.

Und was heißt das? Es heißt: Er sitzt an unserer Seite, wenn wir das Leben verklagen wollen, weil es hart mit uns ist. Er sitzt an der Seite derer, die vom Leben abgeschnitten werden. Durch eine schwere Erkrankung oder an der europäischen Außengrenze oder mitten unter uns. Er leidet mit uns. Er weint mit uns. Er klagt mit uns. Er ruft uns auf die Seite des Lebens.

Er hält unsere Hoffnung wach. Und die Sehnsucht nach einem guten Leben: Friedlich. Menschlich. Freigiebig. Und entschieden gegen Hetze und Gewalt, gegen Neid und Angst. Mitmenschlich.

»Jesus lebt, mit ihm auch ich.« Das können wir öfter singen. Und dem Tod den Schrecken nehmen – auch für andere.

Dass sie dem Leben trauen können, wünscht Ihnen zum Osterfest Ihre Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Der Tod endet

26. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

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Glauben: Das leere Grab zu Ostern birgt eine unüberbietbare Heilsgewissheit in sich


Ostern ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Hier endet das Universum des Verstandes, und es beginnt das Universum des Glaubens.

Die Karwoche mit ihren Fixpunkten am Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag bildet das Zentrum unseres christlichen Glaubens. Manches davon ist vielleicht auch für einen Nichtchristen verständlich: die Abendmahlsgemeinschaft des Gründonnerstags ist vordergründig nicht mehr als das gemeinsame Essen einer Gruppe von Menschen, die sich wechselseitig tief vertraut sind. Der Karfreitag mit dem Tod am Kreuz lässt sich politisch deuten.

Kirchenpräsident Joachim Liebig. Foto: Landeskirche

Kirchenpräsident Joachim Liebig. Foto: Landeskirche

Spätestens jedoch mit der Botschaft von der Auferstehung von den Toten enden die rationalen Deutungsmuster. Die zentrale Bedeutung für unseren Glauben lässt sich weder für Gründonnerstag noch Karfreitag rational wahrnehmen. Die Einsetzung des Abendmahls am Tag vor seinem Tod ist für uns Christen mehr als nur eine Gemeinschaftsform. Immer wiederkehrend versichern sich Christenmenschen seit 2 000 Jahren mit tragenden Verbindungen nicht nur untereinander, sondern mit Gott selbst.

Der Tod am Kreuz auf Golgatha ist nicht nur Ergebnis einer politischen Intrige. Sie leitet den Wendepunkt der Menschheit und ihres Verhältnisses zum Sterben ein. Die Verwirrung der Frauen am leeren Grab zu Ostern ist menschlich mehr als verständlich. Sie sind jedoch die ersten, die etwas buchstäblich grundstürzend Neues zur Kenntnis nehmen: der Tod endet.

Wer je Sterbende begleitet hat oder sich selbst existenziell mit dem eigenen Tod befassen musste, weiß um die unüberbietbare Heilsgewissheit, die das österlich-leere Grab in sich trägt. Menschliche Hoffnung lässt sich nicht auf unser von Anfang an gefährdetes menschliches Leben begrenzen. Christenmenschen sind gewiss, bereits in diesem Leben und darüber hinaus eine Geborgenheit bei Gott zu finden, der selbst der Tod nichts anhaben kann. Wer sich dieser Gewissheit öffnen will, muss damit das Universum des Verstandes überschreiten und in das Universum des Glaubens eintreten. Die österliche Glaubensgewissheit setzt die Bereitschaft dazu voraus und die Gebetsbitte an Gott, die buchstäblich unglaubliche Erkenntnis des Ostertages zu der entscheidenden lebensprägenden Einstellung werden zu lassen. Die Gottesdienste in den kommenden Tagen sind seit 2 000 Jahren für Menschen aller Kulturen und Zeiten eine entscheidende Hilfe und Vergewisserung auf diesem Weg österlichen Glaubens. Dazu wünsche ich uns allen Gottes Segen und den Gruß des Ostermorgens: Christus ist von den Toten auferstanden!

Joachim Liebig

Der Autor ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Bei Jesus in der ersten Reihe sitzen

12. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Matthäus 20, Vers 28

Die Brüder Johannes und Jakobus und ihre Mutter fragen nach dem Platz links und rechts von Jesus. Sie wollen ihm nahe sein, und alle sollen es sehen. Sie sind sogar bereit, dafür alles zu tun, was von ihnen verlangt wird. Den Kelch zu trinken, aus dem Jesus trinken wird. Und das vielleicht ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Die Suche nach Anerkennung bei Jesus und seinem Vater treibt sie an. Ebenso die Sehnsucht nach Nähe. Mir ist das Gefühl nicht fremd, Ihnen geht es vielleicht auch so. Ich erwarte mir ein gutes Gefühl, Geborgenheit und persönliche Anerkennung davon.

Jesus mag dieses Bedürfnis gespürt haben. Und die Suche nach Anerkennung und persönlicher Größe: Kampf um Aufmerksamkeit, um Ehrung, Gerangel unter Menschen, die doch Schwestern und Brüder sein sollen. »Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch!«

Martin Weber, Vikar in Jena

Martin Weber, Vikar in Jena

Der Weg, der zu Anerkennung und Nähe bei Gott führt, ist ein anderer. Jesus spricht vom Dienen. Was könnten andere Menschen von mir brauchen? Zu Anerkennung kommt, wer andere anerkennt und ihnen zu Anerkennung verhilft. Wer Menschen nahe ist oder ihnen hilft, wieder Nähe zu erfahren und zu geben. Und dann kommt er doch wieder ins Spiel: Der Blick auf mich.

Was kann ich anderen tun und was brauche ich, um das zu erkennen. Geht es mir gut genug, um zu dienen, oder brauche ich den Dienst von anderen Schwestern und Brüdern? Jesu Worte erinnern mich daran, dass der Blick nur auf mich gerichtet nicht dem Weg Gottes entspricht. Ohne den Blick auf mich kann ich ihn aber ebenfalls nicht gehen.

»So soll es unter euch sein!«, höre ich Jesus sagen. »So ist es oft nicht unter uns. Und oft genug bin ich daran beteiligt!«, höre ich mich sagen.

Und Jesus erwidert: »Deshalb bin ich gekommen, um euch zu dienen.«

Martin Weber, Vikar in Jena

Die Spaltung in der Gesellschaft

30. November 2015 von redaktionguh  
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Streitgespräch: Vom Umgang mit Ängsten und ungelösten politischen Fragen und wie wir uns kritisch damit auseinandersetzen lernen

Zwischen besorgten Bürgern und gefährlichen   Mitte-Extremisten. Wie gehen wir um mit den Ängsten, ob begründet oder unbegründet, und wo ist die Grenze zwischen berechtigter Sorge, Zukunftsangst und rechtem Populismus? Dr. Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Psychoanalytiker aus Halle, spricht sich gegen eine Pauschalisierung von Pegida aus. Der streitbare Jenaer Jugendpfarrer Lothar König hält Populisten und Mitläufer in der aktuellen Flüchtlingsdebatte für gefährlicher als Rechtsextremisten. Maaz und König diskutierten miteinander, moderiert von Willi Wild.

Dr. Maaz, Sie fordern einen ernsthaften Umgang mit dem Unmut auf der Straße. Ihrer Meinung nach sind nur wenige, die bei Pegida mitlaufen, Rechtsextremisten. Geht Ihr Verständnis für die besorgten Wutbürger nicht etwas zu weit?
Maaz:
Im Gegenteil. Ich bin am meisten besorgt über die Spaltung in unserer Gesellschaft: also Pegida oder No-Pegida. Ich halte die Pauschalablehnung von Pegida für ziemlich starke Hetze. Die ist von den Politikern angezettelt worden. Sicher gibt es bei Pegida Personen, die nicht akzeptabel sind. Die Themen, die auf die Straße getragen werden, die sollten verstanden, analysiert und diskutiert werden. Außerdem sind einzelne Kritikpunkte, die Pegida vor einem halben Jahr genannt hat, mittlerweile ziemlich aktuell.

Herr König, Sie bezeichnen die Mitläufer als Mitte-Extremisten. Damit treffen Sie aber inzwischen eine große gesellschaftliche Gruppe?
König:
Mitte-Extremisten deshalb, weil wir in der Vergangenheit immer nur nach links und rechts geschaut haben. Mitte-Extremisten halte ich für am gefährlichsten, weil sie sich zurücklehnen und zu wenig reflektieren. Da haben wir dann die Gesellschaft, vor der Herr Maaz hier warnt.
Maaz: Wenn wir solche Worte wie Extremisten oder auch Nazis benutzen, besteht immer die Gefahr, dass man glaubt, mit so einer abwertenden Bezeichnung habe man das Problem erfasst. Wir müssten uns vielmehr mit den Gründen befassen, warum sich Menschen zu Extremisten entwickeln oderextremistische Positionen vertreten?

Ist es nicht Zeichen einer Demokratie, Unmut und Angst in Demonstrationen zu äußern, ohne dass man gleich in eine Extremistenecke gestellt wird?
Maaz:
Ja selbstverständlich. Pegida ist allerdings von Anfang an überhaupt nicht ernst genommen worden. Es gehört zu unseren demokratischen Grundregeln, dass man protestieren kann, dass man eine Meinung hat und dass man über Meinungen streiten kann und muss. Aber genau das hat die Politik kritisiert.
König: Wir demonstrieren und sagen die Meinung, streiten miteinander und versuchen auf einen Nenner zu kommen. Das ist das eine. Aber wir leben hier in einer Welt, die ist von Gewalt geprägt ist. Auch wenn Politiker uns etwas anderes erzählen wollen, kein Mensch ist gewaltfrei. Ich bin noch dabei zu lernen, wie es dem Herrn Jesus gelungen ist, gewaltfrei und friedlich mit der Peitsche die Leute aus dem Tempel zu prügeln. Ja, da findet Gewalt statt. Und wir brauchten eine Gewaltdebatte, vor allen Dingen von den Theologen. Wir leben halt nicht im Himmelreich. Das ist eine Zielvorstellung.
Maaz: Ich möchte dem sehr zustimmen, Herr König. Ich spreche von einer strukturellen Gewalt in der Gesellschaft. Wir brauchen eine Gewaltdebatte, wo wir uns fragen: Wie entsteht Gewalt, woher kommt das, was sind soziale und auch seelische Probleme, die zu Gewalt führen und wie kann man damit umgehen? Was kann man tun, damit Gewalt nicht ständig wächst und ausufert?
König: Eine der Grundlagen unseres jüdisch-christlichen Glaubens ist der Psalm 23, der fängt an: »Der Herr ist mein Hirte.« Pegida und andere Unzufriedene, die sich zu kurz gekommen fühlen, sagen: Niemand behütet mich! Wenn ich Menschen treffe, die Angst haben, dann sage ich, das brauchst du nicht. Komm, wir gehen ein Stück zusammen.

Mal im Dunkeln, mal hell erleuchtet. Der Erfurter Domplatz wird häufig für Demonstrationen genutzt, wie hier durch das neugegründete Bündnis für Mitmenschlichkeit für ein weltoffenes, tolerantes Thüringen. In dem Bündnis soll das zivilgesellschaftliche Engagement von 175 Gruppen gebündelt werden. Foto: Adrienne Uebbing

Mal im Dunkeln, mal hell erleuchtet. Der Erfurter Domplatz wird häufig für Demonstrationen genutzt, wie hier durch das neugegründete Bündnis für Mitmenschlichkeit für ein weltoffenes, tolerantes Thüringen. In dem Bündnis soll das zivilgesellschaftliche Engagement von 175 Gruppen gebündelt werden. Foto: Adrienne Uebbing

Wenn Sie zu diesen Menschen sagen, dass sie Mitte-Extremisten sind, wirkt das vertrauensbildend?
König:
Das eine ist die seelsorgerliche und das andere die politische Seite. Die Pegida-Demonstrationen in Dresden haben klein angefangen. Man hat sie laufen lassen. Kein Schwein hat das interessiert. Wenn ich sehe, was sich für Neonazis in Dresden unter die Demonstranten mischen, da haben wir als laue Christen – wie es Luther ausdrückt – versagt. Ich habe mitbekommen, wie dann am Rande Menschen gejagt worden sind, die irgendwie anders aussahen. Da ist für mich eine Grenze überschritten, das geht gar nicht. Wenn es den kritischen Dialog gäbe, dann würde ich sofort einsteigen. Aber es geht nicht, dass hier Stimmung auf Kosten anderer gemacht wird. Ein Mensch ist immer erst mal eine Chance, eine Hoffnung.

Wie können wir denn zu einem gesunden Umgang miteinander kommen?
Maaz:
Man hat ja immer wieder versucht, das Gespräch zu führen. Das ist natürlich kaum möglich bei solchen Demonstrationen. Was wir machen können ist, dass wir anfangen, die Themen aufzugreifen, die ernsthaften Positionen und sie in einer größeren Öffentlichkeit diskutieren.
König: Was in Paris passiert ist und vielleicht demnächst in Deutschland passiert, das ist eine Rechnung, die wir geliefert bekommen, nicht für zehn Jahre falscher Politik, nicht für 50 Jahre, für mindestens 500 Jahre. Unser Abendland ist so reich geworden und wir haben jedes Maß verloren. Heute kriegen wir eine Rechnung präsentiert und niemand weiß, wie diese Rechnung zu bezahlen ist.

Auch in kirchlichen Kreisen gehen die Meinungen weit auseinander. Die Verantwortlichen in den Kirchenleitungen sagen – wie die Kanzlerin – wir schaffen das und alle sind willkommen. In den Gemeinden scheint es zunehmend zu rumoren, weil sich die Menschen alleingelassen fühlen.
König:
In der Kirche wird die Welt ständig schöngeredet. Die Verwerfungen in unserer Gesellschaft und in unserer Welt haben wir fast völlig aus dem Blick verloren. Wir sind kaum mehr konfliktbereit und schon gar nicht in der Lage zu streiten. Wir müssen auch thematisieren, wie viele menschenfeindliche Gedanken unter uns Christen vorhanden sind.
Maaz: Die Verantwortlichen vertreten eine Willkommenskultur und die Bevölkerung, die das entgegenzunehmen hat, spürt zunehmend die Überforderung und die eigentlich notwendige Begrenzung. Etwa 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Die Gründe für Flüchtlinge zur Wahrnehmung des Asylrechtes werden wachsen. Wenn wir nicht die Aufnahme von Flüchtlingen begrenzen, ersticken wir irgendwann. Wir erkennen natürlich, dass wir wesentlichen Anteil haben mit unserer westlichen Lebensart, an der gewachsenen sozialen ungleichen Verteilung des Reichtums. Wir sollten vielmehr unseren Reichtum verwenden, um Armut vor Ort zu bekämpfen. Die Milliarden und vor allem unser technisches Know-how müssen aufgewendet werden, um wirksam die Armut zu bekämpfen und um Kriege zu verhindern.
König: Wir haben uns lange Zeit da wenig eingemischt. Das einzige was wir gemacht haben ist, unsere Waffen dorthin zu verkaufen. Jetzt wundern wir uns, dass mit den Waffen nicht Kartoffelanbau betrieben, sondern geschossen wird.
Maaz: Wir dürfen aber auch nicht verschweigen, dass in unserer Gesellschaft eine wachsende soziale Ungerechtigkeit existiert, die man nicht pauschal mit unserem Reichtum beruhigen kann. Wir müssen auch in unseren Gesellschaften um eine größere soziale Gerechtigkeit kämpfen.

Sie empfehlen den kritischen Dialog als Lernprozess. Was könnte das für Kirchen und Kirchengemeinden bedeuten?
Maaz:
Uns droht eine Spaltung zwischen den Obrigkeiten und der Gemeinde. In den Gemeinden müssen alle Probleme, alle Sorgen, alle Ängste tatsächlich angesprochen werden, ohne dass man gleich in eine Ecke von Fremdenfeindlichkeit oder Extremismus gestellt wird. Wenigstens in den Kirchen sollte Offenheit und Ehrlichkeit herrschen, damit konstruktive Kritik geübt werden kann.
König: Wir sollten wieder anfangen, das Evangelium zu predigen: Das Himmelreich ist nahegekommen. Sorgt euch nicht, werft alle Sorgen auf ihn. Und wir fangen an, hier zu leben und zu streiten, zu suchen und zu finden und Fehler zuzugestehen, Fehler zu korrigieren. Das ist, was uns stark macht.

Unermüdlich im Ehrenamt

9. November 2015 von redaktionguh  
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Am Reformationstag Dankzeichen »Anhalter Kreuz« verliehen

Das Dilemma der Menschheit, die Komplexität des Lebens auf einfache Formeln und Antworten herunterbrechen zu wollen, zieht sich wie ein roter Faden durch deren Geschichte. Wollten schon zu Zeiten des Jesus von Nazareth viele Menschen diesen Zimmermann mit seinen weisen Worten einordnen, scheiterten sie immer wieder daran. Auch Gott, dieses unfassbare überirdische Phänomen, konnte kaum jemand in einer einzig wahren griffigen Formel zusammenfassen. »Gott ist anders«, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig am Reformationstag in seiner Predigt in der Dessauer Petruskirche, wo auch das Dankzeichen »Anhalter Kreuz« verliehen wurde. Denn Gott wisse immer wieder zu überraschen, in scheinbarer Abwesenheit, mit großer Geborgenheit und mit der Botschaft, dass der Tod nicht das Ende vom Leben ist. Nie entspricht Gott in allen Lebenssituationen der Vorstellung, die man sich von ihm macht. Diese Unsicherheit, die auch im Sprichwort »Oft kommt es anders, als man denkt« ihren Widerhall findet, sei auch der Nährboden für Angst.

Früher wie heute versuchen Demagogen, diese Furcht für ihre Zwecke zu nutzen, so der Kirchenpräsident. Angesichts der vielen Menschen, die sich aus Krieg und Elend auf dem Weg nach Europa machen, ist bei manchen Furcht ein ständiger Begleiter. »Wichtig ist es aber, sich von dieser Furcht nicht beeinflussen zu lassen«, fügt er hinzu. Ein fester Glaube könne dabei helfen. Ergebe man sich der Angst, sei die Versuchung groß, eine einfache »erlösende« Antwort zu suchen. Demagogen nutzen das und haben das früher schon genutzt.

Würdigung jahrzehntelanger Arbeit für die Gemeinde

»Es war vor fast 500 Jahren, als ein querdenkender Mönch diese Ordnung in Frage stellte und die Welt des Glaubens nachhaltig damit veränderte«, erinnerte Lutz-Michael Sylvester, Pfarrer der Dessauer Petrusgemeinde, im Reformationsgottesdienst in der fast vollbesetzten Kirche an Martin Luther und die Veröffentlichung seiner 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517.

In Anhalt ist es Tradition, dass am Reformationstag Menschen aus der Landeskirche mit dem Anhalter Kreuz geehrt werden – für ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen Dienst in den Kirchengemeinden und der Diakonie, den sie trotz beruflicher und privater Verpflichtungen und teilweise auch im hohen Alter versehen. Besonders festlich war der Gottesdienst durch die musikalische Ausgestaltung mit der Bach-Kantate »Nun danket alle Gott«, interpretiert von Gesangssolisten und Musikern der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung des Landeskirchenmusikdirektors Matthias Pfund.

Zu denen, die mit dem Anhalter Kreuz ausgezeichnet wurden, gehört Lothar Rapsilber (72). Der gebürtige Hinsdorfer kehrte 1990 in seine Heimat zurück, gründete einen Baustoffhandel und engagierte sich im Kirchbau und Gemeindeaufbau. So gehörte er von 1994 bis 2013 dem Gemeindekirchenrat an und setzte sich für die Sanierung der Dorfkirche ein. Sein Ziel war von Anfang an, alle Hinsdorfer Bürger wenigstens einmal in die Kirche zu bekommen. Das ist ihm gelungen – auch durch intensive Kontaktpflege zu den örtlichen Vereinen.

Die zehn Frauen und Männer, die am Reformationstag mit dem Anhalter Kreuz geehrt wurden, zusammen mit Pfarrer Lutz-Michael Sylvester (li.) und Kirchenpräsident Joachim Liebig (re.). Foto: Lutz Sebastian

Die zehn Frauen und Männer, die am Reformationstag mit dem Anhalter Kreuz geehrt wurden, zusammen mit Pfarrer Lutz-Michael Sylvester (li.) und Kirchenpräsident Joachim Liebig (re.). Foto: Lutz Sebastian

Gerhard Erfurth (68) aus Freckleben hat sich für die einzigartige romanische Winkelkirche seines Heimatortes eingesetzt, die 1990 fast schon Ruine war. Er verfügte als damaliger Bürgermeister nicht nur über die notwenige Vernetzung, sondern seine Stärke ist es, Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Seit rund zwei Jahrzehnten gehört er der Landessynode an und engagiert sich hier unter anderem im Finanzausschuss.

Elke Simon (54) zog vor über 20 Jahren nach Gröna und ist seitdem auch in der Kirchengemeinde aktiv; seit 1999 als Kirchenälteste, seit 2010 als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Alle, die mit ihr zu tun haben, schätzen sehr ihre Gründlichkeit, Beharrlichkeit, Termintreue und ihr Einfühlungsvermögen. Diese Tugenden setzt sie auf den Gebieten Rechnungsführung, Pachten oder im Gemeindearchiv genauso ein wie im Kirchbau. Dadurch, dass sie besondere Gottesdienste und Feste der Kirchengemeinde mit organisiert, ist sie »die wichtigste kirchliche Ansprechpartnerin in Gröna«, so ihr Pfarrer.

Die Namen Ursula Schulz und Helga Hoch sind untrennbar mit den Ausbildungskursen zu freiwilligen, ehrenamtlichen Seniorenbegleitern verbunden, wie sie seit dem Jahr 2000 in Dessau-Roßlau angeboten werden und die beide 2008 übernahmen. Ursula Schulz (73) ist die ehemalige Oberärztin der Klinik für Geriatrie und Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie. Helga Hoch (71) war Mitarbeiterin des Dessauer Sozialamtes. Es sei kaum in Worte zu fassen, wie persönlich, vielfältig und groß der Einsatz der beiden Frauen für diese Ausbildung gewesen sei, heißt es. Beide haben inzwischen die Kursleitung abgegeben und sich keinen großen Abschied gewünscht. Das Anhalter Kreuz ist aber das »deutliche Dankeschön« der Landeskirche für ihr großes Engagement.

Sie packen überall mit an, wo es nötig ist

Zwei Aktive aus der Köthener Jakobsgemeinde, Simone Rogge (50) und ihr Mann Steffen Rogge (51), sind ebenfalls unter den Geehrten. Mission und Kunst sind ihre Schwerpunkte: die Gestaltung von Ausstellungen, die Anleitung eines Kreativkreises, Theaterprojekte und Krippenspiele in der Jakobskirche oder der Lektorendienst. Ein offener Treff, um über Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen, ist die Christliche Medienbibliothek im Roggeschen Wohnhaus.

Friedrich Schuckert aus Rietzmeck (Kirchengemeinde Steutz) wird von allen liebevoll »Schucki« genannt und ist mit seinen 85 Jahren der älteste Ausgezeichnete. Er wuchs nach dem Vorbild seiner Mutter in den ehrenamtlichen Dienst in seiner Gemeinde hinein und versieht seit ihrem Tod 1992 getreulich alles, was zu tun ist: das Läuten der Glocken, das Reinigen der Kirche und Küsterdienste nebst Heizen der Kirche. Auch dem Gemeindekirchenrat gehörte er an. Trotz eines schweren Unfalls und inzwischen auch Krankheit arbeitet Friedrich Schuckert ehrenamtlich weiter. Mit dem Anhalter Kreuz wird er für sein Lebenswerk geehrt.

Christiane Sievert, die Ende November 58 wird und als Altenpflegerin im Schichtdienst arbeitet, gehört dem Gemeindekirchenrat von Klein Schierstedt seit Jahrzehnten an. Bei allem, was zum Gemeindeleben gehört, packt sie an, ist Rendantin, macht Geburtstagsbesuche in der Gemeinde, singt im Kirchenchor und vieles mehr. Gewissenhaftigkeit ist ihre Stärke. »All das Gesagte tut sie ohne große Worte und hat dabei immer ein Lächeln auf den Lippen«, heißt es aus der Kirchengemeinde.

Marianne Negraszus (71) kam als Flüchtlingskind nach Anhalt und fand in ihrer Kirchengemeinde Reupzig eine neue Heimat. Schon bald wurde sie Küsterin und sorgte nicht nur für eine saubere Kirche: Schon oft wurde ihr origineller Blumenschmuck bewundert. Als Kirchenälteste gehörte sie mit zu denjenigen, die 2006 den mutigen Entschluss fassten, neun Dorfkirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde St. Christophorus Quellendorf zu vereinigen. Diesen Prozess gestaltete sie maßgeblich mit und lädt immer wieder Menschen in die Kirche ein.

Danny Gitter/Angela Stoye

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