Kirche mitten in der Stadt
15. Januar 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen

Über die Fundstücke im Knopf des Nordturmes der Erfurter Reglerkirche freuen sich Kirchenältester Steffen Pauligk (re.) und Pfarrer Johannes Haak (li.). (Foto: Axel Heyder)
Bauarbeiten und reges Gemeindeleben in der Erfurter Reglerkirche
An warmen Tagen sitzen die Menschen auf den Bänken neben der Erfurter Reglerkirche. Sie halten Vesper oder ruhen sich aus. »Wir sind richtig in der Stadt angekommen«, konstatiert Gemeindepfarrer Johannes Haak. Zwar steht die Kirche immer noch am selben Fleck, aber die großen Tore, die einst den Zugang zum Gelände versperrten, sind verschwunden. Und das sei eine richtige Geschichte:
Im Mauerwerk der Kirche gab es Durchfeuchtungen, berichtet Steffen Pauligk, Kirchenältester und Leiter des Bauausschusses. Schon in den 1970er Jahren hatte es Planungen für die Entwässerung des gesamten Grundstücks gegeben, die jedoch nicht umgesetzt wurden. 2006 nahm man das in Angriff. Doch es gab eine unangenehme Überraschung: In DDR-Zeiten waren alle Versorgungsleitungen durch das Kirchengrundstück gelegt worden: Fernwärme-, Gas- und Hochspannungsleitung. »Alles führte sehr dicht an der Kirche lang«, sagt Pauligk. Da die Stadt Erfurt Raum für einen Radweg benötigte, wurde man sich einig. Die Kirche gab etwas vom Kirchengrundstück ab, die Leitungen wurden unter den Radweg gelegt. Und die Stadt »rückte« näher an die Kirche.
»Grundstücksangelegenheiten sind ein sensibles Thema«, sagt Johannes Haak. »Wir haben deshalb auf einer großen Gemeindeversammlung über die Planungen gesprochen. »Nun ist es auch für die Gemeinde ein Zeichen der Öffnung.«
Die Erfurter Reglerkirche, deren Gemeinde 2200 Mitglieder zählt, wurde im 12. Jahrhundert erbaut und hat wie viele Kirchen einige Umgestaltungen nach Brand oder Zweckentfremdung erfahren. 1845 war sie sogar geschlossen worden, bevor zehn Jahre später eine umfassende Wiederherstellung begann. In den 1970er Jahren wurde wiederum saniert. Dann gab es eine längere Pause. 1992 erarbeitete der Bauausschuss ein denkmalpflegerisches Konzept. Anhand alter Papiere wurde eine Prioritätenliste aufgestellt. Das erste größere Projekt war 2002 die Sanierung des Kreuzgangs mit einem Bauvolumen von 25.000 Euro. Danach kam die Sakristei in die Kur.
»Was uns sehr begleitet hat«, erzählt Johannes Haak, »ist die Glockenaktion.« Vor einigen Jahren musste plötzlich die letzte Glocke stillgelegt werden. Und nicht nur die Glocken, sondern auch die Glockenstühle der beiden Türme waren zu erneuern. »Mit den Männern und den Jungs der Gemeinde haben wir sie abgebaut. Das hat richtig Spaß gemacht«, berichtet der Pfarrer. Die Leute seien sich nähergekommen, persönliche Beziehungen gewachsen. »Ein Grundschüler hat auf sein Eis verzichtet und einen Euro gespendet. Das hat uns berührt und gezeigt, dass das Projekt überall angekommen ist.« Zahlreiche Ideen wurden entwickelt, um die 30.000 Euro Eigenanteil zusammenzubringen. Am 14. März soll Glockenweihe sein.
Zurzeit fehlt der wertvolle gotische Flügelaltar. Im unteren Aufbau, dem steinernen Altar, waren Risse festegestellt worden, sodass Einsturzgefahr bestand. Damit die Sanierungsarbeiten beginnen können, wurde der Flügelaltar im Dezember ausgelagert. Die Kosten werden auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Etwa 16.000 Euro davon muss die Gemeinde aufbringen. Auch am Flügelaltar selbst wären Arbeiten nötig. Hierfür gibt es jedoch noch keine Mittel.
Eine positive Überraschung gab es, als am 18. Dezember 2009 die Turmhaube abgenommen wurde: Der Turmknopf barg zwei Hülsen! Eine davon wurde 1749 eingelegt. Diese enthielt einen Bittbrief um Geld, da der Turm eingestürzt war. Fundraising im 18. Jahrhundert! Die Dokumente, so Haak, sollen digitalisiert werden.
Die aufwendigen Bauarbeiten tun dem Gemeindeleben keinen Abbruch. Die vier Predigtstätten müssen versorgt werden und die Gemeindegruppen betreut. Aber der Pfarrer hat zahlreiche Helferinnen und Helfer: Lektoren und Menschen, die Kreise selbstständig leiten. 140 Männer und Frauen sind ehrenamtlich aktiv. Sie waren am 10. Januar zum ersten Mal zu einem Ehrenamtstag eingeladen. Rund 100 waren gekommen und erlebten einen fröhlichen Tag.
»Der Dienst des Pfarrers hat sich verändert«, stellt Johannes Haak fest. »Die wachsende Ehrenamtsarbeit macht das Gemeindeleben lebendiger.
Dietlind Steinhöfel
Das Werk seiner Hände wird er nicht lassen
3. Januar 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.
Psalm 138, Vers 3

© Markus Nyberg (SXC)
Was für ein Wort am Anfang des Kalenderjahres! Kräftig und klar. Eindeutig – deutlich. Deutlich – einfach. Einfach – einladend. Zweifach zugewendet: zu Gott und den Menschen. Zum Schöpfer und den Geschöpfen. Dreifach werbend mit Verben: anrufen, erhören, geben.
Dreifach, weil Gott der Eine ist. Er kündet den reichen Raffern und rastlosen Ratlosen. Kündet Versagern und Vielbegabten, Mutigen und Angstgeplagten, Kindern und Greisen, Weisen und Unverständigen … »in meiner Seele ist Macht«. Ein schönes Wort am Anfang des Jahres. Schön, weil zuversichtlich und hoffnungsschwanger. Schön, weil Vertrauen zugetraut und Zusage verbindet. Schön, weil Macht beschwingt. Ja, Macht, die bewegt.
Am Tag, da ich rief. Ihn anrief. Haben Sie schon gerufen – heute? Die Hände falten und rufen und erhört werden. Dazwischen nur Geborenwerden und Sterben. Werden und Vergehen. Welch eine Spanne zwischen Schönheit und Schwermut, Scham und Schau. Und immer wieder Rufen. Rufen. Ihn – den Erkühner. Ihn – den Schöpfer. Sein Werk zu pflegen – welch schöne Herausforderung!
Ich werde erinnert an einen der Psalmen Peter Huchels. Mit ihm sei gekündet in die Spanne menschlicher Verantwortung – nach der Weltklimakonferenz von Kopenhagen – für diese eine, Seine Welt:
»Die da wohnen
Unter der Erde
In einer Kugel aus Zement,
Ihre Stärke gleicht
Dem Halm
Im peitschenden Schnee.
Und nicht erforscht wird werden
Ein Geschlecht
Eifrig bemüht
Sich zu vernichten.«
In Seinem Wort ist weisheitliche Stärke und Macht. Ich wünsche Ihnen am Anfang des Jahres MMX die Stärke eines Halmes im peitschenden Schnee. Denn das Werk seiner Hände wird er nicht lassen, wird hören und Kraft schenken.
Johannes Haak, Pfarrer in Erfurt




