Abgestürzt
4. März 2011 von redaktionguh
Abgelegt unter Kommentar
Comments Off
Sein Fall ist tief: Erst als der neue Star der Politik gefeiert, wurde Karl-Theodor zu Guttenberg zuletzt als »Copy-und-Paste-Sünder« verspottet. Zwei Wochen lang spaltete die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit das Land. Nun hat der Verteidigungsminister die Notbremse gezogen und seinen Rücktritt von allen Ämtern erklärt. Vermutlich wäre er glimpflicher davongekommen, wenn er sich früher dazu durchgerungen hätte.
Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe ist sein zögerliches Verhalten immer wieder mit der Entscheidung der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann verglichen worden, die nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss umgehend zurückgetreten war. Die damalige hannoversche Landesbischöfin wusste genau, dass sie in ihrem Amt von der Glaubwürdigkeit lebt. Schuldig geworden hätte sie sich kaum mehr mit dem nötigen Gewicht äußern können. Ähnliches gilt im Prinzip für Politiker. Schließlich geht es hier auch um eine Vorbildwirkung.
In der Plagiatsaffäre sind zu Guttenberg und die Bundeskanzlerin lange davon ausgegangen, dass sich das Amt des Ministers und die Arbeit des Wissenschaftlers trennen lassen. Die Erfahrung der letzten Tage zeigt, dass diese Rechnung nicht aufgegangen ist. Bei einem Minister werden andere Maßstäbe angelegt. Zudem sind Glaubwürdigkeit und Entschiedenheit bisher die Stärken zu Guttenbergs gewesen. Dass er ausgerechnet im Fall der eigenen Person gezögert hat, ist vermutlich sein größter politischer Fehler gewesen.
Grund zur Schadenfreude besteht gleichwohl nicht. Christen wissen sehr genau um die menschlichen Schwächen. Auch Politiker – und seien sie noch so beliebt – bleiben sündige Menschen. Niemand sollte sich jetzt über zu Guttenberg erheben. Für seine Entscheidung verdient er Respekt. Das haben zuletzt die Kirchen deutlich gemacht, die sich ansonsten in der Affäre bewusst zurückgehalten haben. Klar ist aber auch: Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient – auch Karl-Theodor zu Guttenberg.
Martin Hanusch
Kriegslogik?
15. Januar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Abgelegt unter Kommentar
Comments Off

Dr. Margot Käßmann, Vorsitzende des Rates der EKD (Foto Monika Lawrenz/ LVH)
Eigentlich könnte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zufrieden sein. So viel Aufmerksamkeit wie nach der Kritik der Ratsvorsitzenden Margot Käßmann am Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist ihr lange nicht zuteil geworden. Endlich wird über den Krieg am Hindukusch und friedensethische Fragen intensiv diskutiert. Nach den ersten massiven Reaktionen auf die Bedenken der Bischöfin hat sich die Aufregung inzwischen wieder etwas gelegt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die EKD-Ratsvorsitzende haben sich zu einem klärenden Gespräch getroffen. Soweit scheint es ein völlig normaler Vorgang.
Nicht normal sind dagegen die Unterstellungen, die Ratsvorsitzende könne nicht für die gesamte evangelische Kirche sprechen, übe »populistische Fundamentalkritik« und falle noch dazu mit ihren Äußerungen den Soldaten in den Rücken. Hier gibt es offensichtlich einigen Klärungsbedarf, was Aufgabe der Kirche ist. Die Rechtfertigung eines Krieges kann es jedenfalls nicht sein. Natürlich hat eine EKD-Ratsvorsitzende das Recht und die Pflicht, sich zu einem Bundeswehreinsatz zu äußern, der viel zu lange verharmlost worden ist.
Die Politik hat sich zuletzt um eine Diskussion über Ziele und Länge des Engagements in Afghanistan gedrückt – wohl auch aus Sorge vor der öffentlichen Meinung. Nun wagt es endlich jemand, offen zu sagen, dass die Logik des Krieges durchbrochen werden muss. Vermutlich sind die Reaktionen deshalb so heftig ausgefallen. Zudem herrscht bei manchen Politikern augenscheinlich das fatale Missverständnis vor, die Kirchen seien allein für die inneren Werte zuständig.
Doch der christliche Glaube hat auch ganz praktische Konsequenzen. Vor wenigen Wochen erst ist die mutige Rolle der Kirchen in der DDR gefeiert worden. Damals haben sich die Protestanten deutlich positioniert – auch politisch. Was früher richtig war, kann jedoch nicht plötzlich falsch sein, nur weil es der eigenen Position widerspricht.
Martin Hanusch






