»Mit Friedensgruß lasst allzumal Euch grüßen …«

21. Mai 2011 von redaktionguh  
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Ein Lesebuch stellt den Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme vor.

In Kunitz bei Jena kannten ihn bis vor wenigen Jahren sogar noch einige Einwohner: Ernst Böhme, den Pfarrer, der sie einst konfirmiert hatte. Viel mehr wussten sie von ihm nicht zu erzählen und schon gar nicht, dass er einer war, auf den sie guten Grund gehabt hätten, stolz zu sein. Vielleicht aber wären sie damals Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre auch nicht auf seiner Seite gewesen.

Denn was Ernst Böhme (1862–1941) gedacht und mutig veröffentlicht hat, war so gar nicht deutsch-national, lag nicht auf der Linie der Politik seiner Zeit und war auch nicht im Sinn eines militarisierten Christentums und des offiziellen Kurses der Thüringer Kirche. Kaum jemand hat damals registriert, dass er den Ersten Deutschen Friedenskongress der 1892 ­gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft im Jahr 1908 in Jena verantwortlich mit organisiert, die einleitende Ansprache gehalten und einen Begrüßungsprolog in Versform geschrieben hat. Mit folgenden Worten knüpfte dieser an die geistige Tradition von Jena und Weimar an:

»Mit Friedensgruß lasst allzumal Euch grüßen,
Die freudig Ihr den Friedensruf vernahmt
Und in des Maien hoffnungsreichen Tagen
An geistgeweihtem Ort zusammenkamt! …«

(Lipp, S. 62)

Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941)

Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941)

Dem Berliner Studienrat und Historiker Karlheinz Lipp (mit Schwerpunkt Historische Friedensforschung) ist es zu verdanken, dass Ernst Böhme als Mensch und Theologe, speziell aber als Friedenspfarrer, aus dem Kreis der in die Friedensforschung Eingeweihten und der Kirchenhistoriker herausgehoben wurde und nun auch der öffentlichen Wahrnehmung zugänglich gemacht worden ist.

Dazu hat Lipp unter anderem Quellen der Familie Böhme, von Ernst Böhme selbst verfasste Passagen aus der Kunitzer Ortschronik, Schriften Böhmes, Auszüge aus Gemeindeblättern, Aufrufe, Predigten, Zeitungsartikel, Gedichte und Nachrufe recherchiert, zusammengestellt und in die Geschichte der Friedensbewegung eingeordnet.

Am 9. und 10. Mai vor 103 Jahren fand der Erste Deutsche Friedenskongress statt, Grund genug, auf das ergiebige Ernst-Böhme-Lesebuch aufmerksam zu machen und auch mit Blick auf den Friedenssonntag am 22. Mai dieses ­Jahres Böhmes zu gedenken, der die Einrichtung eines solchen nicht zuletzt aus pädagogischer Absicht heraus schon vor dem ersten Weltkrieg gefordert hat.

Auch ist das Erscheinen des Buches vor dem 70. Todestag Böhmes, der am 1. März 1941 starb, Anlass, darauf hinzuweisen, dass zur Tradition unserer Kirche die Friedensbewegung gehört, auch wenn ihre Stimme wie die Ernst Böhmes lange Zeit wenig gehört worden ist.

Sabine Nagel

Karlheinz Lipp: Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941). Ein Lesebuch, Verlag Traugott Bautz Nordhausen, 2010, 164 Seiten, ISBN 978-3-88309-588-2, 20 Euro