Gottes Gnade für Hochmütige?

2. September 2011 von redaktionguh  
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Gerome_Bethseba

Gott widersteht den Hochmütigen,  aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5, Vers 5

Pfarrerin Katja Albrecht, persönliche Referentin des Regionalbischofs zu Halle-Wittenberg

Pfarrerin Katja Albrecht, persönliche Referentin des Regionalbischofs zu Halle-Wittenberg

Ja, ja, stimmt schon, was da im Wochenspruch steht. Klingt richtig, war zu erwarten. 1000 mal gehört … Bei näherem Hinsehen und genauem Lesen gerät der vertraute Klang ins Stocken.

Was heißt denn das?

Widerstand gegenüber Hochmütigen, Gnade für Demütige?

An die noch junge Gemeinde am Ende des 1. Jahrhunderts gerichtet, stehen alle Mahnungen des 1. Petrusbriefs im Zeichen des Zusammenhalts im Innern bei äußerer Anfechtung, im Zeichen des Durchhaltens bei andauernd schwieriger Lebens- und Glaubenssituation.

Ein Beispiel sind die Sorgen der christlichen Ehefrauen nichtchristlicher Ehemänner, die im Petrusbrief aufgenommen werden. Sie sollen, so der Rat, sich in aller Demut in ihre Rolle fügen und so keinen Anstoß erregen – vor allem nicht ihren Ehemännern gegenüber, ja, im Gegenteil. Indem sie sich als vorbildliche Ehefrauen erweisen, können sie ihre Männer vielleicht sogar für Christus gewinnen.

Ob die Frauen damals die Gnade Gottes in dieser Lebenssituation erlebt haben?

Ob sie sich in ihre Rolle und ihre Möglichkeiten und Unmöglichkeiten besser schicken konnten, weil das auch der Rat eines apostolischen Briefs war?

Ob sie die Geschichte Batsebas kannten, die in der alttestamentlichen Lesung des 11. Sonntags nach Trinitatis anklingt?

Die keine Wahl hatte, als sich dem Begehren König Davids auszuliefern?

Die ihren Mann verliert – und schließlich auch noch das Kind, das David gezeugt hat?

Die erlebt, wie Gott David vergibt, der hochmütig war, und der auch alle Demut nicht hilft in ihrer Not?

So bleibt am Ende der Gedanken über den Wochenspruch innere Unruhe: Gottes Widerstand gegen Hochmütige und Gottes Gnade für Demütige – oder anders herum – Gottes Widerstand gegen Demütige und Gottes Gnade für Hochmütige?

Die scheinbar schlichte Formel aus dem 1. Petrusbrief geht nicht so einfach auf.

Pfarrerin Katja Albrecht

Frauen sind im Kommen

4. März 2011 von redaktionguh  
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Schon immer haben Frauen die Kirche mit getragen. Bis zur rechtlichen Gleichstellung mit den Männern hat es freilich gedauert. (Foto: Mumpitz/Fotolia.com)

Schon immer haben Frauen die Kirche mit getragen. Bis zur rechtlichen Gleichstellung mit den Männern hat es freilich gedauert. (Foto: Mumpitz/Fotolia.com)

Frauentag: Ist die Zukunft der Kirche weiblich? – Das Bild des Pfarramts wandelt sich jedenfalls.
Pfarrerinnen auf der Kanzel sind inzwischen selbstverständlich geworden. Das war nicht immer so.

Frauen im Talar, die von der Kanzel predigen, mit der Gemeinde das Abendmahl feiern oder auch leitende Positionen in der Kirche innehaben – für die meisten ist das heute nichts Außergewöhnliches. Die Tatsache, dass der Frauenanteil bei den Studierenden an den Theologischen Fakultäten der Universitäten Jena und Halle derzeit bei 80 Prozent liegt, lässt da schon eher aufhorchen.

Sicher, nicht jede Diplom-Theologin wird nach ihrem Abschluss eine Pfarrstelle anstreben, die Möglichkeit dazu hätte sie aber. Und das ist das Außergewöhnliche, weil es nämlich nicht immer eine Selbstverständlichkeit war.

Obgleich seit jeher Frauen die Kirche an der Basis tragen, eine Gleichstellung im geistlichen Amt blieb ihnen lange verwehrt. Selbst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Universitäten das Immatrikulationsrecht für Frauen öffneten, waren Theologinnen bis in die 1920er Jahre vom Examen ausgeschlossen und durften weder auf Ordination noch Amt hoffen.

Bis Ende der 1960er Jahre war sowohl in der Kirchenprovinz Sachsen als auch in der Thüringer Landeskirche lediglich eine Einsegnung zum Dienst im seelsorgerischen Bereich oder in Plan-Pfarrstellen mit übergemeindlichen Aufgaben vorgesehen. Die rechtliche Gleichstellung gegenüber den männlichen Kollegen erreichten die Pfarrerinnen in der ­Kirchenprovinz 1968, in Thüringen 1969 – und bis zur Gesetzesänderung Anfang der 1970er auch nur, wenn sie unverheiratet waren.

Brigitte Hoffmann beendete 1962 ihr Studium der Theologie und Pädagogik und gehört zu jener Generation Theologinnen, die als verheiratete Frau nach dem Examen nicht ordiniert worden sind. »1989 erhielt ich eine Anstellung als Studienleiterin, es war die erste, die meinem Studienabschluss entsprach. Bis dahin war ich fast ausschließlich ehrenamtlich tätig«, sagt Hoffmann. Die Verletzung durch die nicht erteilte Ordination sei ihr nie richtig bewusst gewesen – bis zum 25. Ordinationsjubiläum ihres Studiengangs.

»Ob ordiniert oder nicht, wir Frauen sind nicht einmal eingeladen worden!« Dass sie sich nicht im Nachhinein hat ordinieren lassen, bereut Brigitte Hoffmann aber nicht. »Ich bin zufrieden, später konnte ich ja verfolgen, was meinen Interessen und meiner Qualifikation entsprach. Eine eigene Pfarrstelle zu übernehmen hatte ich ohnehin nicht vor.«

Waltraut Zachhuber, ehemalige Dompredigerin und Superintendentin von Magdeburg, hat in der Kirchenprovinz ähnliche Erfahrungen gemacht. Bereits verheiratet legte sie 1968 ihr zweites Examen ab, war aber wie Hoffmann von der Ordination ausgeschlossen. »Selbst als sich die Gesetzgebung änderte, hatte ich nicht den Eindruck, der Kirchenleitung läge viel daran, uns in Dienst zu stellen«, so die Theologin.

Seit den 1980er Jahren strebt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an, der formalen Geschlechtergerechtigkeit konkrete Maßnahmen folgen zu lassen. Die Zielvorgabe von 1989, innerhalb eines Jahrzehnts eine Frauenquote von 40 Prozent zu erreichen, ist längst nicht auf allen Ebenen der Kirchenleitung realisiert: EKD-weit sind ein Drittel der Pfarrstellen mit Frauen besetzt (ein Großteil davon Teilzeitstellen), in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) haben acht der 38 Kirchenkreise eine Superintendentin.

Auch wenn die Zahl der Theologiestudentinnen an den mitteldeutschen Hochschulen vermuten lässt, der Pfarrerberuf könne in Zukunft zur Frauensache werden, so ist »gerade einmal die Schwelle erreicht, um nicht mehr von einem ausschließlichen Männerberuf zu sprechen«, meint die Gleichstellungsbeauftragte der EKM, Katja Albrecht. Die Folge dieses Transformationsprozesses: Auch das traditionelle Bild des Pfarramts ist einem Wandel unterworfen.

»Der Wunsch nach der heilen Welt des Pfarrhauses existiert noch. Sich mit alternativen Lebensentwürfen vor dem Hintergrund dieser klassischen Erwartungen neu zu definieren, sehe ich heute als eine der größten Herausforderungen für Pfarrerinnen an«, erklärt Albrecht.

Beatrix Heinrichs

»Es darf in der Kirche kein Klima des Vertuschens geben«

26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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EKM-Personaldezernent Christian Frühwald über den Umgang mit Missbrauchsfällen

9-fruehwald-christianHerr Frühwald, die katholische Kirche wird derzeit durch das Bekanntwerden immer neuer Missbrauchsfälle erschüttert. Sind Sie überrascht, wie viel da jetzt an die Öffentlichkeit gelangt?
Frühwald:
Erst mal bin ich froh, dass es überhaupt ans Licht kommt. Bei aller ökumenischen Verbundenheit, darf es keine Räume in unserer Schwesterkirche geben, in denen dieses schwere Verbrechen geduldet wird. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen.
Zweitens zeigt die große Anzahl von Fällen, dass nicht nur Aufklärung, sondern vor allem eine offene Debatte in der Römisch-Katholischen Kirche Not tut. Die Ausbildung, die Rolle und die Lebensweise der Priester muss ebenso zur Diskussion gestellt werden wie das scheinbar in bestimmten katholischen Einrichtungen herrschende Klima der Angst, Fehler und Nöte zu offenbaren.

Gab oder gibt es aktuell in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Missbrauchsfälle? Wie viele sind Ihnen bekannt?
Frühwald:
Es gab in der Vergangenheit vereinzelte Fälle in der EKM, allerdings sind mir aus den letzten sieben Jahren nur zwei bekannt. In diesen Fällen haben wir klar und konsequent gehandelt und die Täter aus dem kirchlichen Dienst entfernt. Häufiger sind leider in den letzten Jahren Straftaten im Kontext der Kinderpornografie entdeckt worden, die ich für genauso menschenverachtend und bestrafenswert halte.

Ist die evangelische Kirche eher vor sexuellen Übergriffen auf Schutzbefohlene gefeit?
Frühwald:
Auch wir sind nur ein Querschnitt der Gesellschaft, das heißt es kann auch uns passieren. Gerade in den Bereichen, wo Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam leben und arbeiten, müssen wir aufmerksam sein und für Aufklärung und Stärkung der Kinder sorgen. Unsere Konferenz der Mitarbeitenden in der Jugendarbeit hat dazu gerade eine Handreichung beschlossen, die wir als Kirchenamt in den nächsten Monaten jetzt in Handlungen, also Fortbildungen und Schulungen umsetzen werden.

In der katholischen Kirche sind in der Vergangenheit die Fälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt worden. Jetzt versucht der Jesuitenorden dem Verdacht entgegenzuwirken, hier werde etwas vertuscht. Wie muss Kirche angemessen reagieren, wenn ein Verdacht aufkommt?
Frühwald:
Da gibt es nur eine Antwort: in Klarheit und Konsequenz. Die Beschuldigten müssen sofort suspendiert werden, um auch sie und ihre Familien zu schützen. Denn auch in diesem Bereich gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis der Schuld. Es muss alles getan werden, um den Opfern den Raum zu eröffnen, den sie brauchen. Vor allem aber müssen kompetente und geschulte Juristen, wenn nötig sogar der Staatsanwalt, die Untersuchungen durchführen. Es darf kein Klima des Vertuschens durch die Führungskräfte erzeugt werden.

Die Opfer geraten bei der Diskussion schnell aus dem Blick. Was kann die Kirche für sie tun?
Frühwald:
Wir müssen Ansprechpartner benennen. Mit unserer Gleichstellungsbeauftragten Katja Albrecht haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie öffnet Männern wie Frauen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können. Sie kann sie gezielt unterstützen, die Vorwürfe überprüfen zu lassen. Durch ihre Stellung außerhalb der kirchlichen Hierarchie ist diese Funktion der Gleichstellungsbeauftragten unersetzlich für ein offenes und vertrauensvolles Klima in unserer Kirche. Darüber hinaus müssen auch die Leitenden aus Kirchenamt und Bischofskonvent offen sein für Gespräche mit den Betroffenen. Ihre Geschichte und die Bearbeitung muss uns ein Anliegen sein und von uns unterstützt werden.

Die Fragen stellte Martin Hanusch.

Mehr weibliche Führungskräfte angemahnt

28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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»Forum  Gleichstellungsarbeit« diskutierte in Halle über konkrete Schritte

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv

An der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) stehen Frauen: eine Bischöfin und eine Kirchenamtspräsidentin. Das spiegelt jedoch nicht die Situation in der Landeskirche wider. So werden im Landeskirchenamt lediglich zehn der 29 Referate von Frauen geleitet. Noch weniger weibliche Führungskräfte finden sich auf der mittleren Ebene. Nur acht Superintendentinnen werden in den 38 Kirchenkreisen ­gezählt. Thomas Claus vom Gender Institut Sachsen-Anhalt (GISA) aus Magdeburg stellte am 23. Januar beim »Forum  Gleichstellungsarbeit« in Halle erste Ergebnisse einer Auswertung vor, welche die Geschlechtergerechtigkeit in der EKM untersucht.

Rund 30 Teilnehmerinnen – Männer eingeschossen – diskutierten das Thema. Die Studie habe bisher gezeigt, so Claus, dass zwar in der EKM die Geschlechtergerechtigkeit für richtig gehalten werde, doch es gebe keine strukturelle Verankerung. Gleichstellung müsse einmal durch Führungspersönlichkeiten und zum anderen durch das stetige Bewusstmachen vermittelt werden.

Silke Kösel vom Diakonischen Werk der EKD rollte das Thema ­biblisch-theologisch, historisch und strukturell auf. Frauen hätten zwar viel angestoßen, aber »Frauen in der Kirche hatten immer schon mehr Dienst als Einfluss«. Kirche und Diakonie bewegten sich gerade in der Gleichstellungsfrage zu langsam. »Wir sind keine Heißsporne des Wandels«, verwies die promovierte Theologin auf die Trägheit der Institutionen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion und den Arbeitsgruppen ging es um konkrete Schritte. Die Gleichstellungsarbeit müsse aus der »Frauenecke« raus, denn sie sei nicht nur eine Geschlechterfrage, sondern beträfe auch Menschen mit Behinderungen oder Migranten. Einig waren sich die Teilnehmerinnen, dass die Gleichstellungsarbeit nicht alleinige Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sein könne.

Katja Albrecht, die dieses Amt in der EKM innehat, war mit dem Ergebnis des Tages zufrieden. Die Teilnehmerinnen hätten sehr konzentriert gearbeitet und konkrete Ziele benannt, unter anderem: EKM-Verfassung in gerechter Sprache, Begleitung von Frauen in Führungsämtern, Fortführung des Mentorings. Katja Albrecht hofft, dass die Kreativität und die Energie dieses Forums in die EKM ­hineinwirkt. Sie wertete es als positives Zeichen, dass die Landeskirche eine Gender-Studie in Auftrag geben hat mit dem Ziel, den Frauenanteil unter den hauptamtlichen Mitarbeitern zu erhöhen. In der EKD sei solch eine Untersuchung bisher einmalig.

Dietlind Steinhöfel