Kinderwunsch – um jeden Preis?

25. August 2014 von redaktionguh  
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Kinderlosigkeit ist ein schweres Los. Dass Eltern Auswege suchen, dafür sollte jeder Verständnis haben. Manche geraten jedoch auf Abwege. Wie jenes australische Paar, das sich von einer thailändischen Leihmutter Zwillinge gebären ließ. Den Jungen mit Down-Syndrom wollten sie nicht. Nur das gesunde Mädchen.

Die finanzielle Not von Frauen aus Entwicklungsländern auszunutzen und sie zu Gebärmaschinen zu erniedrigen ist zu Recht in Deutschland verboten. Aber auch innerhalb ethischer Grenzen kann ein Dilemma entstehen. Das jüngste Beispiel zweier italienischer Paare führt es vor Augen. Eine Laborantin verwechselte die künstlich befruchtete Eizelle. Sie wurde der falschen Mutter eingepflanzt. Die gebar Zwillinge. Das andere Paar blieb kinderlos. Und klagte nun sein Recht auf die Kinder aus ihrer Eizelle und ihrem Samen ein. Die Situation der Richterin erscheint wie eine moderne Version von Salomos Urteil. Sie sprach der Mutter, die gebar, das Recht zu. Gerecht konnte das schon deshalb nicht sein, weil für neuartige Tatsachen wie diese noch gar keine Gesetze geschrieben werden konnten. Werden sie das, müsste die in der bisherigen Menschheitsgeschichte sichere Mutterschaft neu definiert werden. Da geht es an die Grundlagen des Menschseins.

Und noch ist nicht verhandelt worden, ob und wie das Versehen zu ahnden ist. Eines wird deutlich: Bei solch weitgehenden Eingriffen in die Entstehung neuen Lebens ist das nicht mehr allein Sache der Natur oder göttlichen Willens. Klappt alles, ist der Arzt ein gottgleicher Held. Sind die Eltern jedoch unzufrieden, lasten sie den Medizinern alle Schuld auf.

Dies ist die Kehrseite, will man aus dem Geschenk Kind einen mit allen Mitteln einzulösenden Anspruch machen.

Tomas Gärtner