Vor allem: Freude an der Musik

22. Juni 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Ricarda Kappauf hat in und um Mihla bei Eisenach musikalische Aufbauarbeit geleistet

Wenn Ricarda Kappauf von ihrer Arbeit erzählt, ist sie kaum zu bremsen. Die Kantorin sprüht vor Enthusiasmus. Seit mehr als 20 Jahren ist sie in Mihla und Umgebung (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) zu Hause und hat hier kirchenmusikalische Aufbauarbeit geleistet. Ihre Stelle als Kirchenmusikerin war damals erst geschaffen worden. Das kirchenmusikalische Leben lag brach. »Mir standen sofort alle Türen offen«, sagt sie rückblickend. Sie hatte viele Ideen und das Gefühl, »dass da was geht«. Die Kirchengemeinde brachte ihr gleich großes Vertrauen entgegen, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Ricarda Kappauf am Klavier in ihrem Büro in Frankenroda. Foto: Mirjam Petermann

Ricarda Kappauf am Klavier in ihrem Büro in Frankenroda. Foto: Mirjam Petermann

Vielfältig gestaltet sie nicht nur die kirchenmusikalische Landschaft mit. Ein Frauenchor in Mihla, ein gemischter Chor in Ebenshausen, ein Posaunenchor mit Bläsern aus verschiedenen Orten. Dazu kommen Instrumentalgruppen und Bands, Nachwuchsarbeit bei den Bläsern und Unterricht für Flöte, Gitarre oder Orgel.

Seit 13 Jahren leitet sie außerdem einen Gospelchor. »Ich finde es schön, wenn man im Gottesdienst auch ›coole‹ Musik macht«, meint die engagierte Kantorin. Der »Salvation Choir« ist im Laufe der Zeit immer erfolgreicher geworden. Fünf Monate wird jedes Jahr aufs Neue geprobt, im Mai die Mihlaer Gospelnight gestaltet. »Ein dauerhaft probender Chor ist für Jugendliche wenig attraktiv. Hier verpflichten sie sich von Januar bis Mai, das ist für sie eine überschaubare Zeit«, erläutert Ricarda Kappauf. Denn vor allem die vielen jungen Sängerinnen und Sänger zeichnen den Chor aus. Die Besetzung wechselt jährlich. Neue Stimmen kommen hinzu, Ausbildung, Arbeit und Familie bewegen andere zum Aufhören oder Pausieren. Dennoch wächst die Zahl der Mitwirkenden. Und das Repertoire kann sich sehen oder besser hören lassen. Neben dem Chorgesang kommen in den Konzerten auch Solos und Instrumentalstücke zur Aufführung. Moderne Popsongs, zu denen die Hüften geschwungen werden, bringen sie genauso überzeugend auf die Bühne wie anspruchsvolle vierstimmige Kompositionen. Dabei zählt vor allem eins: Freude an der Musik. »Wir wollen kein Profichor sein, es macht uns allen einfach viel Spaß, und ich denke, das sieht man auch«, so Kantorin Kappauf.

Zum ihrem Alltagsgeschäft gehört ebenso die musikalische Früherziehung im evangelischen Kindergarten in Mihla und die Zusammenarbeit mit der Grundschule in Nazza. »Jedes Jahr studieren wir zwei Musicals ein: ein weltliches und ein kirchliches.« Die Kantorin widmet sich den Arrangements, während die Schule die Theater- und Chorproben übernimmt. »Die Zusammenarbeit mit den Orten hier funktioniert sehr gut«, schwärmt sie. In Mihla wurde im vergangenen Jahr eine alte Feuerwehrgarage zu einem Chorraum umgebaut, den hauptsächlich die Kantorin nutzt. »Dafür unterstütze ich den Ort beim Bibliotheksfest oder der Kirmes.« Es ist ihr anzumerken, dass sie sich hier ausgesprochen wohlfühlt, dass ihre Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt. Und noch etwas ist anders als üblich: »Egal was man macht, Veranstaltungen werden immer generationenübergreifend wahrgenommen«, sagt die Kantorin.

Mirjam Petermann

Nächste Konzerte des »Salvation Choirs«:
20. Juni, 19.30 Uhr, Kirche Marksuhl; 6. September, 16 Uhr, Kirche Niederdorla; 19. September, 20 Uhr Kirche, Creuzburg

Wenn der Pfarrer Urlaub hat

19. August 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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In Ifta halten Gemeindemitglieder Sommerandachten

Es ist Sommer in Mitteldeutschland. Auch am vergangenen Sonntagmorgen lädt das Wetter zu Ausflügen und Urlaub ein. Vielerorts bleiben die Kirchen vor allem in den Ferien leer oder Pfarrerinnen und Pfarrer sind in dieser Zeit besonders gestresst, weil sie Urlaubsvertretungen zu übernehmen haben. Anders sieht es im kleinen Ort Ifta (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) aus. Auch hier hat der Sommer die Reihen geleert, aber die Gemeinde trifft sich trotzdem. Und sie gestaltet ihren Gottesdienst unter dem Titel »Som­merandacht« selbst.

Lieselotte Fischer mit Hannelore Beer und Doris Zöllner bei der Vorbereitung der Sommerandacht (von links). Foto: Mirjam Petermann

Lieselotte Fischer mit Hannelore Beer und Doris Zöllner bei der Vorbereitung der Sommerandacht (von links). Foto: Mirjam Petermann

»Diese Regelung habe ich als Idee aus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Barcelona mitgebracht«, erzählt der Iftaer Pfarrer Klaus Zebe. Die Sommerpause dort ist sehr lang. In dieser Zeit kommen meist Vertretungspfarrer aus Deutschland, die dann eine Andacht halten. Er selbst war dort ein halbes Jahr für ein Auslandsvikariat. »Ist aber gerade kein Pfarrer greifbar, gibt es auch dort in der Gemeinde einige, die eine kurze Andacht gestalten«, erzählt Zebe weiter.

Bereits vor drei Jahren schlug er die Idee der Sommerandachten vor. »Ich überlegte, was dazu nötig wäre, dass die Gemeinde sich das zutraut«, so der junge Pfarrer. Die Antwort darauf fand er einerseits in der klaren Begrenzung – sechs Wochen Sommerferien – und auch in der einfachen Form sowie im Material, das für jeden handhabbar ist: Er entwirft ein Andachtsheft mit Vorschlägen für alle wichtigen Grund­elemente des Gottesdienstes: Lieder, Psalm, Lesungen und ein kurzer geistlicher Impuls.

Und wie reagierte die Gemeinde darauf? »Es wird positiv angenommen«, resümiert Pfarrer Zebe, der bereits zwei Mal als Gast dabei war. »Es sind schöne Andachten, bei denen es Spaß macht, dabei zu sein.« Und auch Lieselotte Fischer, eine der Mitgestalterinnen der Sommerandachten und Mitglied des Gemeindekirchenrates, kann dem nur zustimmen: »Im Sommer werden es eben kaum mehr Besucher, selbst dann nicht, wenn der Pfarrer da ist.«

Kontakt und Austausch in den Sommermonaten

Schon in den vergangenen beiden Jahren hat Lieselotte Fischer bei den Andachten mitgewirkt. »Im ersten Jahr war das schon sehr ungewohnt. Da hatte ich vorn auch noch Herzklopfen. Inzwischen sind wir da schon geübter«, sagt sie lachend. Zwei Mal in sechs Wochen eine Andacht zu halten, darin sieht sie kein Problem.

»Es sind ja auch immer andere an der Reihe«, so die Kirchenälteste. Jeweils drei Gemeindemitglieder sind an einem Sonntag verantwortlich und teilen sich die Aufgaben untereinander auf. Die Andachten bieten der Gemeinde eine Gelegenheit, sich auch während des Sommers kontinuierlich zu treffen, im Kontakt und Austausch zu bleiben. »In den Sommermonaten sind wir bei uns in der Region sehr dünn besetzt«, erläutert Klaus Zebe. »Deshalb war es das Ziel, einerseits mir selber, aber auch den Pfarrkollegen durch diese einfache Form etwas Freiraum zu schaffen – für den eigenen Urlaub oder etwa während der Begleitung von Freizeiten.«

In Spichra, das zur Kirchengemeinde Ifta gehört, werden ebenfalls diese Sommerandachten gehalten. Ein weiterer Ort, Pferdsdorf, hat eine andre Lösung gefunden. Dort trifft sich die Gemeinde während der Sommerpause gelegentlich zu einem thematischen Nachmittag. »Die Gemeinde hatte von Anfang an gesagt, die Sommerandachten seien nichts für sie«, sagt Pfarrer Zebe. »Das muss ich aushalten, wenn sie darin nicht ihre Prioritäten sieht.«

In Ifta gestalteten am vergangenen Sonntag neben Lieselotte Fischer eine weitere Kirchen­älteste und eine Kindermitarbeiterin die Sommerandacht. Die Reihen waren lose besetzt, zu zwölft war man an diesem Morgen. Es wurde viel gesungen, begleitet von der Orgel. Gelegentlich gab es kurze Pausen und kleine Absprachen. Das störte niemanden und passte gut in die lockere und angenehme Form, fern von so mancher Gottesdienstroutine. Die Light-Variante sozusagen – passend zum Sommer.

Mirjam Petermann

Große Geschichte und Herausforderungen heute

23. Juni 2014 von redaktionguh  
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Vorgestellt: Der Propstsprengel Eisenach-Erfurt ist ein Spiegelbild der jungen mitteldeutschen Landeskirche

Drei Kirchenkreise aus der Tradition der Kirchenprovinz, vier aus der einstigen thüringischen Landeskirche kommend bilden heute den Propstsprengel Eisenach-Erfurt. Die vielen Stätten der Reformation verbinden genauso wie die gemeinsamen Aufgaben für eine lebendige Gemeinde Jesu Christi.

Wenn Christian Stawenow aus dem Haus am Eisenacher Pfarrberg tritt, schaut er auf die Georgenkirche. Hier wurde einst Johann Sebastian Bach getauft, hat Martin Luther gepredigt. Der promovierte Theologe ist seit 2013 Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, einem Landstrich voller kirchlicher und kultureller Tradition. Luther besuchte in Eisenach die Lateinschule. Johann Sebastian Bach wurde 1685 hier geboren. 1708 wurde der Komponist Georg Philipp Telemann in der Wartburgstadt Konzertmeister. Im nahe gelegenen Creuzburg kam 1571 der Pfarrerssohn und Musiker Michael Praetorius zur Welt. Zur reformatorischen Tradition gehören Erfurt, wo Luther Mönch wurde und sein Freund Johannes Lang die Reformation umsetzte; Mühlhausen, die Stadt Thomas Müntzers, oder Bad Frankenhausen, wo das Panoramamuseum an den Bauernkrieg erinnert. Überall sind Spuren zu finden.

Die Musiktradition spielt eine große Rolle

Die großen Namen haben das kirchliche Leben geprägt. Zum Beispiel die Musiktradition. Bad Frankenhausen ist Gründungsort der Deutschen Musikfeste. Das erste wurde 1804 in der Unterkirche begangen. Seit 1974 gibt es hier jährlich die »Frankenhäuser Sommermusiken«. In Ohrdruf wuchs Bach bei seinem Bruder auf, dort laufen zurzeit die Ohrdrufer Bachtage. Auch Mühlhausen hat eine Bach-Tradition; der Musiker war Organist in der Blasii-Kirche. Und Erfurt natürlich, die einzige Großstadt des Propstspengels ist eine Hochburg der Kirchenmusik, es gibt zahlreiche Chöre, Orchester und Instrumentalkreise.

Propst Christian Stawenow mit seinen Mitarbeiterinnen, Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller und Sekretärin Anja Hunstock (von links) Foto: Sascha Willms

Propst Christian Stawenow mit seinen Mitarbeiterinnen, Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller und Sekretärin Anja Hunstock (von links) Foto: Sascha Willms

Neben den hauptamtlichen Kantoren schätzt Stawenow das Engagement vieler Ehrenamtlicher hoch – ob als Chormitglied, Chorleiter oder Organist – rund 3 800 Ehrenamtliche zählt allein die Kirchenmusik (Stand 2012). Der Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen ist dabei mit 755 Spitzenreiter, gefolgt von Erfurt mit 690.

Die bedeutungsvolle Kirchengeschichte und die reiche Kultur sind das eine. Das Gemeindeleben und die Mitgliederentwicklung das andere. Seit 1999 hat der Sprengel fast 50 000 Gemeindemitglieder verloren.

Der Propstsprengel ist Spiegelbild der noch jungen mitteldeutschen Kirche (EKM). Vereint er doch drei einstige Kirchenkreise, die der einstigen Kirchenprovinz – Südharz, Erfurt und Mühlhausen – mit den ehemals zur Thüringer Kirche gehörenden – Gotha, Eisenach-Gerstungen, Waltershausen-Ohrdruf und Bad Frankenhausen-Sondershausen. Die unterschiedlichen Traditionen merkt Propst Stawenow vor allem bei der Liturgie.

Die Landeskirche selbst wird eher am Rande wahrgenommen. »Ich habe den Eindruck«, so Stawenow, »dass die Kirchengemeinden sehr stark das leben, was sie selbst betrifft. Die Landeskirche ist weit weg.« Die EKM kommt vor allem bei den zur einstigen Thüringer Kirche gehörenden Gemeinden negativ vor: weil sie keinen Küster mehr haben, der von der Landeskirche bezahlt wird, weil sie die Stellenpläne verändern müssen und die Aufgaben wachsen.

Das Gemeindeleben fröhlich gestalten

»Ich sehe die riesigen Herausforderungen, vor denen die Gemeinden stehen«, so der Propst. Vor allem Gemeindepädagogen fehlten. Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller, die persönliche Referentin des Propstes, bedauert deshalb, dass es keine Kantorkatecheten mehr gibt. Trotzdem sieht der Regionalbischof gute Entwicklungen: ob es die Bibelwoche in Tabarz ist, das Freizeithaus »Arche« in Worbis, die Jugendkirchen in Nordhausen und Mühlhausen, Angebote für Kinder und Jugendliche, Pilgerwege, das Kloster Volkenroda, die Familienkommunität Siloah, die Augustinerkloster in Erfurt und Gotha, touristische Angebote und vieles mehr.

Genauso setze der Umgang mit den Strukturveränderungen Impulse. So hat jetzt der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen Regionalpfarrämter gebildet. Ähnliches hat Gotha vollzogen. »Die Kirchengemeinden arbeiten verstärkt gabenorientiert – ob bei Haupt- oder Ehrenamtlichen«, hat Stawenow erfahren. Zudem beobachte er eine starke Identifizierung mit dem Kirchenkreis. Deshalb sei es kein Thema, Kirchenkreise zusammenzulegen. Für den Südharz und Waltershausen-Ohrdruf wurden vor einigen Wochen neue Superintendenten gewählt. »Die Kirchenkreise brauchen perspektivische Sicherheit. Das bedeutet, dass wir auch mit kleineren Kirchenkreisen über die nächsten zehn Jahre fröhlich christliche Gemeinde leben wollen.«

Als große Stärke und Hoffnungspotenzial bezeichnet Stawenow die kirchlichen Bildungseinrichtungen – Luthergymnasium in Eisenach, Schulzentrum und diakonische Schulen in Mühlhausen, mehrere evangelische Schulen in Erfurt, Grund- und Regelschule Gotha, Grundschule Nordhausen. Und die zahlreichen Kindergärten, allein 14 im Kirchenkreis Mühlhausen. Zudem wirke die diakonische Arbeit in die Städte und Landgemeinden – ob das in Eisenach oder Waltershausen ist, in Mühlhausen oder Erfurt. Überall seien Kirchengemeinde und Diakonie eng miteinander verknüpft. »Jede Kirchengemeinde hat ihr besonderes Profil«, so Stawenow.

Ehrenamtliche sind hoch motiviert

Die Zukunft sieht der Propst in der Vernetzung verschiedener Bildungsangebote mit der Gemeindearbeit – wie Schulen, Kindertagesstätten, Freizeiten, Tagungshäuser. Er schätzt die hohe Motivation der Ehrenamtlichen in den Ältestenkonventen, bei Lektoren und Prädikanten. »Sie sind engagiert bei der Sache. Das ist ein riesiges Potenzial.«

Ein schweres Thema sei der Bausektor. »Wir müssen die Pfarrhäuser in einen Zustand bringen, dass sie unserem heutigen Wohnstand entsprechen«, doch die hohen Investitionen, die das erfordert, können die Gemeinden nicht allein tragen. Der neue Baulastfonds fange einiges ab, diese Mittel reichten bei Weitem nicht aus.

Christian Stawenow ist seit gut einem Jahr in Eisenach. Er bereist die Kirchenkreise, um die Mitarbeiter persönlich kennenzulernen und zu hören, wo ihr Herz schlägt, wo Freude und wo Frust sitzt. Ihm ist abzuspüren, dass er in seiner Region das Evangelium trotz mancher Hürden den Menschen fröhlich nahebringen möchte.

Dietlind Steinhöfel

Christenlehre und Besuche

10. März 2014 von redaktionguh  
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Das Gustav-Adolf-Werk unterstützt Theologiestudenten

Ein wenig schüchtern wirkt die dunkelhaarige junge Frau auf den ersten Blick. Doch Ildiko Egyed weiß, was sie will: Pfarrerin werden. Dafür studiert sie zurzeit zwei Semester Theologie in Leipzig. Als sie zum Gemeindenachmittag im Pfarramt Oberellen im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen das Wort erhebt, tut sie es freundlich, aber bestimmt. Dass die junge Rumänin hier sein darf, verdankt sie dem Gustav-Adolf-Werk (GAW). Ernst Gottfried Phieler, Pfarrer in Oberellen, gehört dem Vorstand des Gustav-Adolf-Werks der mitteldeuschen Kirche (EKM) an. Das regionale Werk hat auch im vergangenen Jahr einem Praktikanten die Möglichkeit gegeben, das Gemeindeleben in der EKM kennenzulernen. »Auf diese Weise unterstützen wir unsere Partnerkirchen in der Diaspora«, sagt Propst Reinhard Werneburg, Vorsitzender des GAW der EKM.

So konnte die junge Rumänin ein zweiwöchiges Gemeindepraktikum im Kirchenspiel der Orte Förtha, Lauchröden, Unter- und Oberellen absolvieren. Sie hat an der Seite des Pfarrers Konfirmanden betreut, hospitierte bei der Christenlehre, besuchte Gemeindemitglieder zu Hause und half bei der Vorbereitung des Weltgebetstages.

Alles in der ihr fremden Sprache natürlich und das sei nun wirklich nicht einfach. »Ich hatte zwar in der Schule ein bisschen Deutsch, aber davon weiß ich nicht mehr viel.« So richtig ernst wurde es mit der Sprache eigentlich erst in Deutschland, das war im vergangenen Jahr. Dafür spreche sie allerdings erstaunlich gut, lobte Pfarrer Phieler. Dennoch, das Studium in Leipzig mit all den Vorlesungen und Seminaren auf Deutsch habe es in sich, entgegnet die junge Rumänin.

Die rumänische Theologiestudentin Ildiko Egyed absolvierte ein Gemeindepraktikum in der EKM. Foto: Sascha Willms

Die rumänische Theologiestudentin Ildiko Egyed absolvierte ein Gemeindepraktikum in der EKM. Foto: Sascha Willms

In ihrem Heimatland gehört die junge Christin zur Minderheit der evangelisch-reformierten Kirche – Voraussetzung für das Stipendium des Gustav-Adolf-Werks, das sich für evangelische Christen in der Diaspora einsetzt. Auch Ildikos Verlobter bekam eine Förderung, er arbeitet nahe Osnabrück. Mit den Spendengeldern des Hilfswerks wurden in der Vergangenheit beispielsweise Kirchen in Südamerika gebaut und Pfarrstellen bezahlt.

Für die 27-Jährige wird der einjährige Auslandsaufenthalt eine Erfahrung fürs Leben. Ihrem Studium zu Hause werden die deutschen Semester allerdings nicht angerechnet. Fünf Jahre hat Ildiko Egyed bereits hinter sich. Nach ihrer Rückkehr hat sie ein weiteres Jahr vor sich, bevor sie ihr Vikariat als angehende Pfarrerin antreten kann. Damit dauert die Ausbildung in ihrem Heimatland ein Jahr länger als in Deutschland, erzählt sie den Gästen in Oberellen. Mit einer Bildschirmpräsentation berichtet sie von ihrer Heimat Siebenbürgen und den Seklern. Diese ursprünglich ungarische Bevölkerungsgruppe habe sich Sprache und Brauchtum erhalten.

Seit Ende des Ersten Weltkriegs ist der Landstrich Teil von Rumänien. Unter anderem leben dort auch rund 400 000 Gemeindemitglieder der Reformierten Kirche. Insgesamt gibt es in Rumänien fast doppelt so viele. Sie halten sich an die strengen Vorgaben des Kirchenreformators Calvin, was einige Unterschiede zu den mitteleuropäischen Kirchen mit sich bringe. So gibt es in den Gebetsräumen keine Kruzifixe und keinen Altar. Nur der Chor oder der Pfarrer intonieren die liturgischen Gesänge, aber nicht die Gemeindemitglieder, die nach Geschlecht geteilt in getrennten Bereichen sitzen. Auch in der kleinen weißen, von einer Schutzmauer umgebenen, Kirche in ihrem Heimatort Olasztelek mitten in Rumänien sei das so. Der Großteil ihrer Landsleute gehört der orthodoxen Kirche an.

Ihr Studium absolviert Ildiko an der protestantisch-theologischen Fakultät in Klausenburg. Irgendwo dort in ihrer Heimat will sie später auch Pfarrerin werden, sagt sie. Am liebsten ganz nahe bei ihrem Verlobten. Aber dazu müssten ihre künftigen Gemeinden nah beieinander liegen, worauf sie kaum Einfluss haben. Entscheiden werde das die rumänische Kirche, Ildiko und ihr Verlobter hoffen auf die Zukunft. Bis Juli weilen die beiden Studenten noch in Deutschland.

Sascha Willms

Ein klarer Sieger

15. Oktober 2013 von redaktionguh  
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Schon die Jüngsten durften in Ifta an die Wahlurnen

Rosa ist fünf Jahre alt und wahlberechtigt. In einer Wahlkabine setzt sie ihr Kreuz hinter eines der drei Bilder, der Stimmzettel kommt in eine richtige Urne. Mit 38 anderen Kindern hat sie eine Entscheidung zu treffen: Welches Spielgerät soll zukünftig im Pfarrgarten stehen?

Bei der Kinder-Wahl in Ifta waren alle ganz bei der Sache – wie hier Konrad und Rosa. Foto: Mirjam Petermann

Bei der Kinder-Wahl in Ifta waren alle ganz bei der Sache – wie hier Konrad und Rosa. Foto: Mirjam Petermann

Demokratie in der Kirchengemeinde, das heißt in Ifta (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen), dass bereits die Kleinsten mitentscheiden. »Es war mir ein Anliegen, eine Beteiligungskultur in der Gemeinde zu etablieren«, sagt Klaus Zebe, der seit zwei Jahren als Pfarrer im Entsendungsdienst in Ifta ist. Die Impulse der Gemeinde aufnehmen, das gilt für Kinderbibeltage und Konfirmandenarbeit ebenso wie für die Jugendfreizeit und Seniorennachmittage. »Es gibt natürlich immer einen Rahmen, aber darüber hinaus soll so viel wie möglich auf Augenhöhe mit den Beteiligten abgesprochen und geplant werden.«

Und die Kinder haben sich entschieden: Klarer Sieger ist das Trampolin mit der doppelten Stimmenzahl wie das Fussballtor. Die Rutsche konnte nur drei kleine Wähler begeistern. Gespendet wird das Spielgerät vom Iftaer Kirmesverein. Nicht nur mit ihm, auch mit der Feuerwehr, der Kommune und dem evangelischen Kindergarten arbeitet die Gemeinde eng zusammen. »Es ist selbstverständlich, dass die Kirche in Entscheidungen mit einbezogen wird«, sagt Pfarrer Zebe. Der Rückhalt im Dorf ist hoch, denn in Ifta existiere noch eine bodenständige Volkskirchlichkeit. Über die Hälfte der Dorfbewohner sind ­Kirchenmitglieder.

Am vergangenen Sonntag wurde in Ifta nicht nur das Spielgerät, sondern ebenso der neue Gemeindekirchenrat gewählt. Mit acht Mitgliedern und vier Stellvertretern ist der beachtlich. Der Pfarrer sieht darin einen großen Vorteil: »Wenn diese zwölf, inklusive ihrer Partner, anpacken, dann kann schon einiges bewegt werden.« Das habe auch die Vergangenheit gezeigt, in der die Gemeinde drei Jahre vakant war.

»Das Besondere in der Gemeinde ist der Zusammenhalt«, hat die Kirchenälteste Sabine Oberlies erfahren. »Die Zeit ohne Pfarrer hat uns zusammengeschweißt.« Die Rechtsanwaltsfachangestellte kandidierte erneut, um das Gemeindeleben weiterhin ­aktiv mitzugestalten. »In der Kinderarbeit begleite ich viele von der Kita bis zur Konfirmation«, sagt sie. Zehn bis 15 Kinder treffen sich in Ifta jeden Dienstag zur Kinderstunde, fast 90 Prozent aller Kinder werden hier konfirmiert.

Die Jüngsten strömten am trüben Morgen des Wahlsonntags mit ihren Familien in die Kirche zum Erntedankgottesdienst. An gewöhnlichen Sonntagen kommen 25 bis 30 Gemeindegleider zum Gottesdienst. Am vergangenen Sonntag waren es über 150. »Eine besondere, gut vorbereitete Veranstaltung, etwa Erntedank oder ein Schuleinführungsgottesdienst, zieht in Ifta immer viele Besucher an«, so Pfarrer Zebe. Die werden sicher auch kommen, wenn im nächsten Frühjahr Veranstaltungen anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Iftaer Kirche angeboten werden; darunter ein Gerhard-Schöne-Konzert und ein Festgottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Mirjam Petermann

»Wo soll eigentlich das Loch in die Mauer?«

7. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mit Kerzen und einem Lied er- öffnete der Gesang- verein ­Kleinensee (Hessen) das Dankfest Foto:  Manuela Ernst

Mit Kerzen und einem Lied er- öffnete der Gesang- verein ­Kleinensee (Hessen) das Dankfest Foto: Manuela Ernst

Hessische und Thüringer Christen feiern seit 20 Jahren ein Dankfest

Es sind heute nur noch die Reste der einst unüberwindbaren innerdeutschen Grenze, die daran erinnern, dass hier über Jahrzehnte zwei kleine Ortschaften voneinander getrennt waren. Alljährlich treffen sich die Bewohner der hessischen Gemeinde Kleinensee und der thüringischen Gemeinde Großensee (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) an der Stelle, wo vor 20 Jahren ein Grenzübergang geschaffen wurde, zu einem Dankfest. Und immer wird es auch genau am historischen Datum gefeiert: am 16. Dezember.

Es war ein Fest der Christen und nicht der Politiker. Mehr als 100 Bürger waren gekommen und erinnerten mit Kerzen an den Mauerfall und das Wunder der friedlichen Revolution. Nachdem der Gesangverein Kleinensee das Dankfest mit dem Lied »Möge die Straße uns zusammenführen« ­eröffnete, würdigten der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins und der Ortsvorsteher von Kleinensee, Klaus Krapf, sowie Pfarrer Fritz Ewald aus Dankmarshausen das historische Ereignis. Dabei hob der Ortsvorsteher die Rolle der Kirche bei der friedlichen Revolution hervor und dankte den beiden Pfarrern Fritz Ewald und Reinhart Wachter. Sie hatten damals tatkräftig die Bürger der beiden Orte bei ihren Bemühungen unterstützt, einen Grenzübergang zu realisieren.

Und wie seit 20 Jahren üblich, gingen nach dieser Eröffnung alle gemeinsam in die Kirche und anschließend ins Gemeindehaus. Diesmal bewegte sich der Zug nach Kleinensee. Gemeinsam gestalteten die beiden Pfarrer nun auch den Gottesdienst. Pfarrer Wachter, der jetzt in der Rhön lebt und damals die Kirchengemeinden Leimbach, Widdershausen und Kleinensee betreute, erinnerte daran, dass er genau vor 20 Jahren hier das erste und einzige Mal in seiner Amtszeit durch Applaus während der Predigt unterbrochen worden sei.

Den Liederzettel für diesen Gottesdienst schmückte die Kopie eines Schildes mit der Nummer 144. Auch damit sind besondere ­Erinnerungen verknüpft: Pfarrer Wachter und Pfarrer Ewald verbindet eine lange Freundschaft. So wurden beispielsweise die Demonstrationen im November und Dezember 1989 immer gleichzeitig in Großen- und Kleinensee, also auf beiden Seiten der Grenze, veranstaltet. Die beiden Pfarrer erinnern sich noch gut, wie sie sich am 11. Dezember 1989 um 8 Uhr an der Grenze trafen und ein Grenzsoldat der NVA schließlich den hessischen ­Pfarrer fragte: »Wo soll eigentlich das Loch in die Mauer?«

Später wurde das Tor 144 geöffnet. Seit dieser Zeit befand sich je ein Blechschild der beiden Torhälften mit den Ziffern 144 in der Obhut der beiden Pfarrer. Im Rahmen des Dankfestes übergab Pfarrer Reinhart Wachter dieses besondere Zeitzeugnis an den Ortsbeirat der hessischen Gemeinde Kleinensee.

Manuela Ernst