Fluchtgeschichten

24. April 2016 von redaktionguh  
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Ein einmaliges Projekt in Benneckenstein vorgestellt


Seit Monaten Fernsehbilder und Zeitungsberichte über Flüchtlinge. Alles weit weg? – Nein, Menschen mit diesem Schicksal leben direkt vor unserer Haustür. Das hat eine Gruppe von rund 20 Ehrenamtlichen erkannt, die am vergangenen Freitag in Benneckenstein einen interkulturellen Abend mit Syrern und Deutschen gestaltete. Seit Februar 2016 wohnen zwei syrische Familien im alten Pfarrhaus. Sie berichteten dem Publikum über ihre Flucht. Andererseits erinnerten sich auch Deutsche an ihre Fluchterlebnisse aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, in dem Fall Schlesien, und eine Fluchtgeschichte der jüngeren Vergangenheit, aus der DDR.

150 Besucher kamen ins Schützenhaus nach Benneckenstein. Foto: Heinz Noack

150 Besucher kamen ins Schützenhaus nach Benneckenstein. Foto: Heinz Noack

Es herrschte eine angespannte Stille bei den 150 Besuchern im Schützenhaus in Benneckenstein, als Khaled Altramesh von seiner Flucht aus Syrien berichtete. Bis Herbst 2015 lebte der 38-jährige Mann mit seiner Ehefrau Jawha und vier Kindern in Abu Kamal, einer Stadt am Euphrat im Osten Syriens. Als durch den Krieg dort kein normales Leben mehr möglich war, verließ die Familie das Heimatland. Es begann eine Odyssee über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich bis nach Deutschland. »Das erlebte Leid ist anders als das erzählte«, beendet Khaled Altramesh seine Fluchtgeschichte, die Stück für Stück ins Deutsche übersetzt worden war. Nicht nur seine syrischen Landsleute, die einen ähnlichen Fluchtweg hinter sich haben, blickten verständnisvoll. Auch Margot Papra aus Elbingerode konnte die Angst der Familie nachvollziehen. Sie erlebte vor 70 Jahren die Flucht aus ihrer Heimat Schlesien, wo sie 1938 geboren worden war. Ihre Kindheit verbrachte sie im Dörfchen Kamenz, das heute in Polen liegt. Ihr Sohn Detlef las den Erlebnisbericht seiner Mutter vor, der ins Arabische übersetzt wurde.

Die beiden Erlebnisberichte gehörten zu insgesamt sechs Fluchtgeschichten von einst und heute, die an diesem Abend sprichwörtlich unter die Haut gingen. Organisiert wurde der Abend von den ehrenamtlichen Helfern der evangelischen Kirchengemeinde Elbingerode, unter Federführung von Vikarin Ann-Sophie Schäfer.

»Die Stimmung im Harz ist nicht flächendeckend so«, sagte Ann-Sophie Schäfer. »Diese gut besuchte Veranstaltung ist leider nicht repräsentativ.« Aber ein sehr guter Anfang, über die Gemeinsamkeiten nachzudenken. In Elbingerode kam man über die Seniorenkreise auf das Thema Flucht zu sprechen. »Da gab es so viele Andockmöglichkeiten«, sagte Schäfer. »Das war ein Stein des Anstoßes. Nun erinnert man sich auch in den Familien und bei den Treffen an die Erlebnisse. Die Geschichten wurden aufgeschrieben, eine Publikation ist geplant.«

Eine syrische Band aus Wernigerode und der Harzer Singkreis gestalteten den Abend musikalisch aus. Im Anschluss konnten bei einem deutsch-syrischen Büfett persönliche Gespräche geführt und Kontakte vertieft werden.

Steffi Rohland

Der Turmbau zu Eilenstedt

6. Oktober 2015 von redaktionguh  
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Kirchlich-kommunales Projekt schafft Platz für Glocken, Eulen, junge Turner, Akten und Versammlungen

Neben der St.-Nicolai-Kirche in Eilenstedt am Nordrand des Huy ragte 16 Jahre lang nur ein Turmstumpf empor. Am 3. Oktober wird der neue Kirchturm eingeweiht.

Ohne Turm habe der Kirche etwas gefehlt, sagt der für Eilenstedt zuständige Pfarrer Christian Plötner, und Michael Richter, stellvertretender Bürgermeister und Mitglied im »Turmprojekt Eilenstedt« ergänzt: »Der Kirchturm ist Landmarke und Orientierungspunkt für die Eilenstedter.« Von Weitem schon ist er nun wieder sichtbar, und beim flüchtigen Blick aus der Entfernung fällt dem Betrachter kaum auf, dass der 17,5 Meter hohe Sockel statt aus hell verputzten Ziegeln aus Beton ist. Erst aus der Nähe erkennt man die Fugen zwischen den Betonfertigteilen.

Als kirchlich-kommunales Projekt entstand der neue Kirchturm in Eilenstedt, der am Sonnabend offiziell in Dienst gestellt wird. Foto: Thorsten Keßler

Als kirchlich-kommunales Projekt entstand der neue Kirchturm in Eilenstedt, der am Sonnabend offiziell in Dienst gestellt wird. Foto: Thorsten Keßler

Kirche und Kommune haben den Turm gemeinsam wieder aufgebaut und werden das fünfgeschossige Bauwerk in Zukunft auch gemeinsam nutzen. Im obersten Geschoss ist alles vorbereitet für die Rückkehr der Glocken. Nach dem Wunsch der Eilenstedter hätten die beiden übrig gebliebenen Glocken bereits jetzt erklingen sollen; die Sanierung der Turmhaube erwies sich aber als dringender. Das Geläut wird ein neuer Bauabschnitt, vor dem Michael Richter aber nicht bange ist: »Mit dem Willen aller werden wir diese Etappe auch meistern.«

Das vierte Geschoss ist zum einen Museum für archäologische Funde aus der Eilenstedter Kirche, die sich zurzeit noch im Landesmuseum in Halle befinden; zum anderen für eine Eulensammlung, welche die Eilenstedter von einer Dame aus Griechenland vermacht bekommen haben. Statt Eulen nach Athen tragen, Eulen aus Athen nach Eilenstedt tragen – was insofern nicht ungewöhnlich ist, als dass auch eine Eule das Stadtwappen ziert.

Der TuTu, der Turm-Turnraum im mittleren Geschoss, dürfte ziemlich einzigartig sein. Hier werden sich die Kinder aus dem benachbarten Kindergarten Rappelkiste künftig bewegen.

Die beiden untersten Geschosse sind kirchlicher Nutzung vorbehalten: In das zweite Geschoss zieht das Kirchenarchiv ein, und im Versammlungsraum im Untergeschoss verbinden zwei romanische Bögen alt und neu. Durch Glastüren geht es zunächst in die Winterkirche und von dort weiter in die 1183 geweihte Kirche, deren Kirchenschiff erst vor Jahresfrist nach aufwendiger Schwammsanierung in Dienst gestellt wurde.

Obwohl die Grundfläche des Turmes nahezu unverändert ist, haben die Eilenstedter viel Platz gewonnen: Durch zusätzlichen Geschosse, die es im alten Turm noch nicht gab und weil die neuen Mauern wesentlich dünner sind.

Zwei Millionen Euro sind in die Turm- und Kirchensanierung geflossen. Mittel von Kirchenkreis Halberstadt und Landeskirche, vom Landkreis Harz und der Gemeinde Huy und Spenden der Eilenstedter, die symbolisch Turmsteine erwerben konnten. »Nun gilt es, die Mauern mit Leben zu füllen«, so Pfarrer Plötner. Das Konzept für die künftige Nutzung ist in Arbeit.

Thorsten Keßler

Programm zur Einweihung am 3. Oktober: 14 Uhr, Festgottesdienst; 16 Uhr, Beginn des Turmfestes; 20 Uhr, Lichtershow

www.turmprojekt-eilenstedt.de

Einheit erlebt

28. September 2015 von redaktionguh  
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Gemischte Gefühle
Pastorin Ursula Meckel, seit 1976 in Thale, Kirchenkreis Halberstadt; jetzt, im Ruhestand. Sie ist weiter engagiert in Kirche und Politik.

Pastorin Ursula Meckel, seit 1976 in Thale, Kirchenkreis Halberstadt; jetzt, im Ruhestand. Sie ist weiter engagiert in Kirche und Politik.

Mit den Gefühlen ist das ja immer so eine Sache; sie können sich im Laufe der Zeit sehr verändern. Deshalb gebe ich weiter, was ich im September 1994 bei einem Vortrag in Dallas zu dem Thema »Der lange Weg zum einig Vaterland« gesagt habe:

Geboren bin ich 1949 in Berlin, einer Stadt, die damals noch ungeteilt war. 1961 wurde die Mauer gebaut. Von einem Tag zum anderen war ich wie so viele andere abgeschnitten von Verwandten und Freunden. (…) Als ich nach 24 Jahren erstmalig in der alten Bundesrepublik beim Kirchentag war, wurde im Deutschlandfunk ein Interview mit mir gesendet. Dabei sprach ich von meinen Erlebnissen in diesem für mich »fremden« Land. Jemand schrieb einen empörten Brief, wie ich als Deutsche so etwas von Deutschland sagen könnte. (…) Ich bin eine Deutsche, von Geburt an. Dafür kann ich nichts, und es war mir nie wichtig. Zum einen, weil es mir abgesprochen wurde: In der DDR mussten wir uns »DDR-Bürger« nennen und den Begriff »Deutsche« hatten die Westdeutschen für sich reklamiert. (…)

Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Einheit, konnte ich bei einer Tagung mit west- und ostdeutschen Teilnehmern mitmachen. Dabei ging es um die »Auflösung« der DDR. Dieses Wort »auflösen« löste bei mir eine Reihe von Assoziationen aus: auflösen, sich zersetzen, verschwinden. Und dann fiel mir ein, wie sich Zucker in Tee oder Kaffee auflöst. Er ist nicht sichtbar, und doch verändert er den Geschmack des Ganzen. Damit will ich nicht sagen, dass wir aufgelösten Ostdeutschen den Westdeutschen das Leben versüßen. Zurzeit ja eher verbittern. Ich sehe eine Chance darin, nicht bitter zu bleiben, sich Verbündete zu suchen über die Mauer in den Köpfen hinweg. (…) Damit es wieder Umarmungen geben kann, die dem anderen nicht die Luft nehmen. Das halte ich nicht nur für wünschenswert, sondern auch für möglich.

Inzwischen sind wir mehr als 20 Jahre weiter und ich bemerke erfreut: Für mich ist die deutsche Einheit kein aktuelles Problem, trotz manchem Verbesserungswürdigen. Woher jemand kommt, ist für mich nicht mehr wichtig, sondern wofür sich jemand engagiert, und das ist ein rundherum gutes Gefühl.

Gewonnene Freiheit
Pfarrer Michael Wegner, heute Superintendent des Kirchenkreises Altenburger Land, lebt seit 1988 in Liebenrode, im ehemaligen Sperrgebiet.

Pfarrer Michael Wegner, heute Superintendent des Kirchenkreises Altenburger Land, lebt seit 1988 in Liebenrode, im ehemaligen Sperrgebiet.

Es war ein besonderes Gefühl, direkt an der innerdeutschen Grenze zu leben. Die Welt war zu einer Scheibe geworden. Von Wladiwostock bis zu unserem Dorf, das im westlichsten Zipfel der DDR lag. Hinter den Tälern und Bergen, die wir auf der anderen Seite der Grenze sehen konnten, war ein verborgenes Land, welches wir aus dem »Tatort« kannten.

Es war meine Frau Sabine, die es unbedingt nach Liebenrode in der Sperrzone zog. Ihr gefielen die Menschen, die sich so sehr einen Pfarrer wünschten. Ihr gefiel die Aufgabe, eine Ruine wieder zu einer Kirche zu machen. Sie bewegte das gesamte Dorf, die Kirche gemeinsam aufzubauen. Eine Erfahrung, die mein Leben bis heute prägt.

Unrecht gab es genug. Die Angst vor neuen Umsiedlungen und Vertreibungen war in vielen Familien gegenwärtig. Die Kaserne mit den Soldaten stand am Rand des Dorfes. Nebenamtliche Grenzhelfer überwachten bis zuletzt das tägliche Geschehen.

Als in vielen Städten die Montagsdemonstrationen die Menschen zusammenführten und immer mehr Bürger, auch aus Liebenrode, das Land verließen, verschärften sich die Spannungen im Dorf. »Morgen schlagen wir los«, drohte ein Feldwebel der Grenztruppen. Wie ich später erfuhr, stand ich auf den Deportationslisten der Staatssicherheit. Dann ging alles sehr schnell. Die Tore des Eisernen Vorhangs öffneten sich. Ein unglaubliches Gefühl der Freiheit hat mich damals bewegt. Die Menschen in Liebenrode wollten den Weg in die Zukunft mit einer Rückschau beginnen. Fast das ganze Dorf versammelte sich. Der Bürgermeister rief meine Frau an, ob sie nicht ein Friedensgebet halten könnte. Zu diesem kamen nur er und der Parteisekretär. Alle anderen warteten im Saal des Dorfes. Es wurde eine sehr emotionale, turbulente, aber gewaltfreie Versammlung. Ich glaube, aus heutiger Sicht hat das neue Gefühl von Freiheit viel zu dieser Haltung beigetragen. Man wusste, dass die alten Verhältnisse nicht zurückkehren würden.

Diese Freiheit wird immer Menschen bewegen, in unser Land zu kommen. Wenn wir diese Freiheit dann nicht teilen wollen, wird sie sich wieder zurückverwandeln in die Unfreiheit jener Tage.

Mehr als Familiengottesdienst

9. Juni 2015 von redaktionguh  
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Modellregionen der mitteldeutschen Kirche wollen Familienarbeit stärken

Der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen ist eine von drei Modellregionen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zum Thema Familienorientierung. Der Gemeindepädagoge und Kreisreferent für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, Gregor Rehm, ist sowohl in die Konzeptentwicklung als auch in die praktischen Vollzüge eingebunden. Mit ihm sprach Katharina Freudenberg.

Haben Familien einen Platz in den Kirchengemeinden des Kirchenkreises?
Rehm:
Es ist in vielen Kirchengemeinden ein großes Anliegen, dass für Familien Platz ist. Allerdings ist das noch nicht an allen Stellen so deutlich kommuniziert. Familien haben zum Beispiel Hemmungen, mit einem Kind in den Gottesdienst zu gehen, weil es ja laut sein und stören könnte. Aber es ist in der Regel so, dass Menschen ein Kind im Gottesdienst gar nicht als störend empfinden, sondern als bereichernd.

Haben Familien noch andere Gründe, den Gottesdienst nicht zu besuchen?
Rehm:
Wir haben wunderschöne Kirchen hier im Kirchenkreis, die aber oft nicht beheizbar sind. Mit kleineren Kindern in eine eiskalte Kirche zu gehen ist eine Schwierigkeit. Darüber hinaus ist das Stichwort »Willkommenskultur« wichtig. Hier sind wir in den Gemeinden herausgefordert, eine Haltung zu entwickeln, die klar sagt: Hier ist Platz für jede und jeden.

Sind denn trotz dieser Hemmnisse einige Familien in den Gottesdiensten?
Rehm:
Das ist in den einzelnen Orten sehr verschieden. Es gibt Orte, da sind einige Familien im Gottesdienst. In anderen Orten wiederum kommt nur die ältere Generation.

Wo kommen Familien, abgesehen vom klassischen Sonntagsgottesdienst, im Gemeindeleben vor?
Rehm:
Es werden zielgruppenorientierte Angebote gemacht – wie zum Beispiel Christenlehre, Konfirmandenunterricht oder die Seniorenarbeit. Aber es gibt noch nicht so viele Angebote, die tatsächlich für die ganze Familie zugänglich sind. Das sind in der Regel Gemeindefeste, die für alle offen sind, oder Weihnachtsgottesdienste, wo alle Generationen zusammenkommen.

Nun ist der Kirchenkreis Modellregion für Familienorientierung. Was versteht der dazugehörige Arbeitskreis unter Familie?

Gemeindepädagoge Gregor Rehm ganz entspannt mit Töchterchen im Familiengottesdienst. Foto: privat

Gemeindepädagoge Gregor Rehm ganz entspannt mit Töchterchen im Familiengottesdienst. Foto: privat

Rehm: Wir haben uns auf ein einfaches Verständnis konzentriert: Familie ist ein Verwandtschafts- oder Wahlverwandtschaftsverhältnis und schließt alle Generationen ein. Im Hintergrund steht, dass Patchwork-Familien Wahlverwandtschaftsverhältnisse eingehen, sich selbst als Familie verstehen und auch eine Verantwortung füreinander übernehmen. Die sollen in unserer Wahrnehmung nicht ausgeschlossen sein. Es geht darum, Menschen als Teil von Familie anzunehmen. Das betrifft genauso die einsame alte Dame, deren Kinder und Enkel weggezogen sind. Damit verbunden ist ja auch ein Leiden an der Familie, wenn die Situation nicht so ist, wie man sie sich selbst wünschen würde.
Ein weiterer Gedanke ist, dass die Gemeinde als Familie Gottes an manchen Stellen die eigene Familie ergänzen kann.

Es geht also in dem Konzept der Familienorientierung um eine andere Herangehensweise. Wie soll diese in die Gemeinden kommen?
Rehm:
Unser Ansatz ist, dass es über die vorhandenen Strukturen gestreut wird, über die Synode in die Gemeindekirchenräte, über diese in die Gemeinden. Wir werden von unserem Arbeitskreis aus alle Gemeindekirchenräte besuchen und dort Veranstaltungen starten, in denen miteinander über diesen Themenbereich gesprochen wird. Ein zweiter Ansatz ist, dass wir danach schauen, Veranstaltungen des Kirchenkreises familienorientiert zu gestalten und damit Praxisbeispiele zu etablieren.

Gibt es schon konkrete Ideen für die Gestaltung von Gottesdiensten?
Rehm:
Manche können schon beim Begriff »Familiengottesdienst« an die Decke gehen, weil Familiengottesdienste oft verkappte Kindergottesdienste mit Kinderliedern und »Kasperle« als Prediger waren. Dann hatten die anderen Generationen das Gefühl, dass nichts von ihrem Gottesdienst übriggeblieben ist. Unserer Meinung nach muss ein Familiengottesdienst für alle Generationen geplant sein. Natürlich dürfen Kinderlieder gesungen werden, aber auch Choräle. Von der Gestaltung der Liturgie her sollten Elemente dabei sein, die handlungsorientiert sind, wo Eltern und Großeltern mit den Kindern und Enkeln etwas tun können.

Haben Sie inhaltliche Vorgaben für die Modellregionen?
Rehm:
Das, was jetzt an Arbeit geleistet wird, kommt direkt aus dem Arbeitskreis, der aus haupt- und ehrenamtlichen Gemeindegliedern besteht. Ich finde es sehr ermutigend, dass nicht einfach etwas von außen kommt, sondern die Menschen, die hier leben, ihre Konzepte entwickeln.

Für das Projekt haben sich auch der Kirchengemeindeverband Brockenblick (Kirchenkreis Halberstadt) und die Kirchengemeinde Suhl erfolgreich beworben.

Straßensammlung für Kinder- und Jugendarbeit startet mit Luther-Musical

27. Mai 2015 von redaktionguh  
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Ende Mai ist es wieder soweit, dann startet die Haus- und Straßensammlung auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Landeskirche Anhalts. Unter dem Motto »Nach uns die Kinder« sammeln vom 29. Mai bis 7. Juni junge und ältere Helfer Spenden für die Kinder- und Jugendarbeit. In diesem Jahr wird die Sammlung für die EKM am 29. Mai, 17 Uhr, in der Sankt-Martini-Kirche in Gröningen (Kirchenkreis Halberstadt) mit einer ganz besonderen Aktion eröffnet. Über 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben in den vergangenen Monaten Musikstücke gelernt, Choreografien einstudiert, Kostüme und Bühnendekoration entworfen. Das Ergebnis ist ein Musical zum Leben von Martin Luther, das an diesem Tag seine Premiere haben wird. Die kleinen und großen Musicaldarsteller freuen sich schon heute auf zahlreiche Gäste. Zudem werden Vertreter aus Kirche und Politik erwartet, unter anderem Propst Christoph Hackbeil, Superintendentin Angelika Zädow und die Landtagsabgeordnete Frauke Weiß.

Foto: EKM

Foto: EKM

Eine Nacht für die Jugend

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Elbingerode: Weit über 200 junge Leute feierten am 18./19. Oktober in der Kirche

Am Anfang waren alle gespannt, schauten erwartungsvoll auf die Dinge, die da kommen würden. Doch schon der Gottesdienst am Spätnachmittag löste die Atmosphäre. Der Kirchenkreis Halberstadt hatte eingeladen, und rund 220 junge Leute kamen nach Elbingerode zum Kreisjugendtag, der zum dritten Mal als »Church Night« – Kirchennacht – gestaltet wurde. Den Eröffnungsgottesdienst begleiteten der Gospelchor und eine Band der Elbinge­röder Jugend. »Schau dem in die Augen, Kleines« war das Treffen überschrieben. Pfarrer Ernst-Ulrich Wachter verband dieses abgewandelte Filmzitat in seiner Predigt mit dem Seewandel Jesu (Matthäus 14,22-33). Nicht auf die Wellen schauen, sondern Christus im Blick haben, forderte er die Jugendlichen auf. So könnten sie dem Gruppenzwang, dem Schlankheitswahn, Alkohol und Drogen widerstehen. »Augen auf, guck auf Christus, sei wach«, so die Botschaft des Theologen.

Abschlussfoto: Das große Grundstück in Elbingerode bietet viel Platz zum Feiern und zum Begegnen. Der Elbingeröder Gospelchor begleitete den Jugendtag. Foto: Kirchengemeinde

Abschlussfoto: Das große Grundstück in Elbingerode bietet viel Platz zum Feiern und zum Begegnen. Der Elbingeröder Gospelchor begleitete den Jugendtag. Foto: Kirchengemeinde

In 19 verschiedenen Workshops hatten die Mädchen und Jungen Gelegenheit, das Thema zu vertiefen oder kreativ umzusetzen – vom Kraxeln an der Kletterwand, über Specksteinchneiden, Dudelsackworkshop bis zur Suchtprävention reichte das Angebot. Ebenso kamen soziale Probleme und Literatur zur Sprache. Die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche, Diakonie und der Stadt Elbingerode ermöglichten die Übernachtung der Jugendlichen, die aus dem gesamten Kirchenkreis angereist waren. Das Gemeindehaus, die Kirche, Gästehäuser der Diakonie und die staatliche Grundschule boten Quartier. »Für viele Jugendliche war schon allein die Fahrt in der Gruppe nach El­bingerode ein Erlebnis«, ist sich Pfarrer Wachter sicher. Musik und Tanz, Gespräch und Gebet – alles verband junge Leute zu einer großen Gemeinschaft. Am Sonntag wurde zum Abschluss noch einmal Gottesdienst gefeiert, den Jugendpfarrer Matthias Zentner leitete. Männer der Kirchengemeinde standen am Rost und versorgten die Teilnehmer, Frauen betreuten das üppige Salatbuffet, das die Eltern der Jugendlichen bestückt hatten. Gemeinsam gelang ein großes Fest, das einen Festen Platz in der Jugendarbeit des Kirchenkreises einnimmt. Elbingerode hat hierfür beste Voraussetzungen.
(mkz)

Flüchtlinge unterstützen

19. Mai 2014 von redaktionguh  
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Landessynode: Der Blick nach außen bestimmte die Themen in Drübeck

Die Landessynode der mitteldeutschen Kirche (EKM) tagte vom 8. bis 10. Mai im Kloster Drübeck.

Mit dem Slogan »regional, praxis- und gemeindenah« wirbt das Kirchenmusikalische Seminar Halberstadt für seine Ausbildung. Am 8. Mai übten sich die Seminaristen in Synodalennähe. Zum Auftakt der Frühjahrssynode der EKM im Kloster Drübeck protestierten sie mit Plakaten und Bläsermusik gegen die beabsichtigte Schließung des Standortes Halberstadt und die Angliederung des Ausbildungsinstitutes für C-Kirchenmusiker an die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle. Auf einem Flugblatt hatten sie ihre Argumente zusammengestellt. Große Nähe der Ausbildung zur Gemeinde und individuelles Eingehen der Lehrenden auf die Lernenden werden als große Pluspunkte empfunden. Kirchengemeinden auf dem Land seien auf die C-Musiker angewiesen. Mit einem Anschluss an die Hochschule in Halle würde die C-Ausbildung nur zu einem Anhängsel. Auch der Präses des Kirchenkreises Halberstadt, Hans Jörg Bauer, appellierte an die Synodalen, den Vorgang kritisch zu begleiten, und sprach sich für die Beibehaltung des Standortes Halberstadt aus. Der Gemeindedezernent der EKM, Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, lud die Protestierenden zu einem Gespräch ein, an dem unter anderem auch Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth und Vertreter des Kirchenkreises Halberstadt teilnahmen. Das einstündige Gespräch, hieß es seitens des Kirchenkreises Halberstadt, sei konstruktiv und von der Bereitschaft geprägt gewesen, einander zuzuhören. Der Landeskirchenrat habe letztlich über den Standort des Seminars zu entscheiden. Jedoch bleibe die Möglichkeit, die Problematik auf die Tagesordnung der nächsten Synode zu bringen, wenn ein entsprechender Antrag gestellt werde.

Die Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland kam vorige Woche im Kloster Drübeck zusammen. Foto: Karsten Wiedener

Die Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland kam vorige Woche im Kloster Drübeck zusammen. Foto: Karsten Wiedener

Das zentrale Thema der Tagung, das die 82 Synodalen unter der Leitung von Präses Steffen Herbst in Drübeck bearbeiteten, war die weltweite Ökumene. In ihrem Bericht sprach Landesbischöfin Ilse Junkermann auch heikle Themen an: zum Beispiel die Solidarität mit ökumenischen Partnern am Beispiel von »Brot für die Welt«. Die Kollekte am Heiligen Abend, die ganz für das Hilfswerk bestimmt ist, werde von vielen Gemeinden halbiert. »Es gibt aber nicht wenige Gemeinden, die diese große Kollekte, wie es sie nur einmal im Jahr gibt, für sich behalten«, konstatierte sie. »Ich denke, das ist ein Zeichen geistlicher Armut, der man mit Aufforderungen und Ermahnungen nicht aufhelfen kann.« Die Synodalen forderten die Gemeinden und Kirchenkreise auf, ihre Kollektenpraxis zu überprüfen, und regten dazu eine Debatte in der EKM an.

Mit Blick auf die Flüchtlinge, die aus dem Nahen Osten und Afrika nach Deutschland kommen, bat die Landessynode die Gemeinden und kirchlichen Werke, eine mögliche Aufnahme zu unterstützen. Das Landeskirchenamt beauftragte sie, eine Handreichung zur Flüchtlingshilfe zu erstellen sowie finanzielle Hilfen zu gewähren.

Auch die Lage in der Ukraine bestimmte die Beratungen. In einem Antrag hatte der Kirchenkreis Henneberger Land aufgerufen, angesichts der Gewalt das Bekenntnis der Ökumenischen Versammlungen von 1988/89 zu bekräftigen: »Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung, dem Frieden mit gewaltfreien Mitteln zu dienen.«

Die Synodalen diskutierten über den Wortlaut einer Stellungnahme zur Lage in der Ukraine. Angesichts des komplexen Geschehens dort plädierten einige Synodale, sich auf den Aufruf zur Fürbitte zu beschränken. Andere beharrten darauf, dass der Satz »Wir ermutigen insbesondere die Kirchen in der Ukraine, weiterhin für Versöhnung und einen gewaltlosen Dialog einzutreten« in der Stellungnahme beibehalten wurde. Die Ermutigung sei richtig, gerade wegen der Erfahrungen aus der friedlichen Revolution in der DDR, meinte etwa der Synodale Pfarrer Klaus Bergmann (Greiz).

Angela Stoye

http://www.ekmd.de/kirche/landessynode


»Bestürzung, Wut und Trauer«

26. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Neuer Vorsteher soll die Neinstedter Anstalten zum Jahresende verlassen. Warum bleibt offen.

 

Jürgen Schwartz

Jürgen Schwartz

Wer am vergangenen Freitag im Internet unterwegs war, konnte auf der Seite der Neinstedter Anstalten diesen Satz entdecken: »Das Kuratorium der Neinstedter Anstalten teilte im Anschluss an die Kuratoriumssitzung vom 16.12.2011 mit, dass Herr Pfarrer Jürgen Schwartz zum 31.12.2011 aus dem Amt des Vorstehers und Vorsitzenden des Vorstandes ausscheidet.« Punkt. Kein Wort der Erklärung. Geht er freiwillig? Oder wurde er gegangen? Warum will oder soll der frühere Oldenburger Pfarrer aus dem Dienst der diakonischen Einrichtung scheiden, den er erst im Mai angetreten hatte?
 
Seit sich die Nachricht verbreitete, herrschen unter den rund 870 Mitarbeitern der Stiftung »Bestürzung, Wut und Trauer«, wie es Mitarbeiter gegenüber der Kirchenzeitung ausdrückten. Pfarrer Schwartz sei ein »Hoffnungsträger« und solle bleiben. Am Sonnabend kam es zu einer ersten Sympathiekundgebung vor dem Haus des Vorstehers mit rund 100 Teilnehmenden. Am Sonntag wurde im Gottesdienst beschlossen, sich vorerst bis 23. Dezember immer um 19 Uhr in der Lindenhofskirche zur Andacht zu versammeln. Am Montag begann eine Unterschriftenaktion für den Verbleib des Vorstehers im Amt.
 
Jürgen Schwartz will zu den Gründen für den Kuratoriumsbeschluss wegen des »schwebenden Verfahrens« nichts sagen. Er betont aber, dass keine Verfehlungen vorliegen. »Ich habe keine Straftat begangen«, sagt er und verweist darauf, dass das Kuratorium in der Wochenmitte (nach Redaktionsschluss) öffentlich etwas sagen wolle. Die Andachten der Mitarbeiter, die vielen Zeichen der Sorge und Solidarität hätten ihn berührt.
 
Während das Kuratorium noch schweigt, findet der Ältestenrat der Diakonischen Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des Lindenhofs Neinstedt deutliche Worte. Die Entscheidung sei eine »maßlose Ungerechtigkeit gegenüber Herrn Schwartz und seiner Familie«, heißt es da. »Die Entscheidungsträger müssen sich erklären.« Der Älteste der Gemeinschaft, Hans Jaekel, und ein Diakon, der ordentliches Kuratoriumsmitglied ist, legten gemeinsam Widerspruch gegen die Entscheidung ein. Da der Ältestenrat bei der Berufung des Vorstehers ordnungsgemäß um ein Votum gebeten worden war, müsse dies bei einer Abberufung ebenso geschehen. Dies sei nicht erfolgt.
 
Auch im Kirchenkreis Halberstadt herrscht »Fassunglosigkeit«. Zusätzlich betroffen mache »die Art und Weise, eine solch weitreichende Entscheidung begründungslos mitzuteilen, was zwangsläufig zu Spekulationen führt«, heißt es in einem von Superintendentin Angelika Zädow unterzeichneten Brief an das Kuratorium.
 
Die Mitarbeitervertretung (MAV) spricht in ihrer Stellungnahme vom 20. Dezember von dem hohen Ansehen, das Pfarrer Schwartz bei Mitarbeitern und Bewohner genießt. Er werde als »zugewandt, zuhörend und gestaltend« wahrgenommen. Die MAV erwarte, dass »dieser wohltuend erlebte Umgang den Neinstedter Anstalten auch in Zukunft erhalten bleibt«.
 
Angela Stoye