Gastgeber mit Herz
10. Juni 2011 von redaktionguh
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Unterwegs: Landeskirche Anhalts machte ein Schiff zu ihrer Botschaft in Dresden.
Vom 1. bis 5. Juni hatte die »Anhaltische Bo(o)tschaft« in Dresden angelegt. An Bord ging es um Leben und Glauben in einer Region, die im nächsten Jahr 800 wird.
Die Stimmung ist gut, dem Wetter zum Trotz. Als die »Anhaltische Bo(o)tschaft« am Morgen des 1. Juni in Riesa ablegt, regnet es. An Bord des Ausflugsschiffes, das auf den Namen »Marco Polo« hört und in Schönebeck zu Hause ist, stimmen sich Gemeindeglieder aus Anhalt auf den Dresdner Kirchentag ein. Viele kennen sich, andere lernen einander kennen. Bläser proben.
Fotoapparate klicken, als während der Fahrt Weinberge zu sehen sind, Dom und Albrechtsburg in Meißen, schließlich Dresden.
Kulturhistoriker Matthias Prasse, der am Abend Besuchern das knapp 800-jährige »Anhalt in zehn Minuten« erklären wird, teilt großzügig sein Wissen. Schiffsführer Sylvio Süßenbach ist durch Europa und bis ans Schwarze Meer gefahren, aber solch eine Tour hatte sein sechsköpfiges Team noch nicht.
Die Landeskirche Anhalts hat das Schiff gechartert. In der sächsischen Landeshauptstadt will sie unter dem Motto »Vernünftig und fromm« die Besucher über ihre Gemeinden informieren.
Hält sie doch in der Region, in der seit vier Generationen Glaube nicht mehr selbstverständlich ist, diesen lebendig. Außerdem geht es um die Region Anhalt, die wesentliche Traditionen der deutschen Kultur-, Industrie- und Religionsgeschichte repräsentiert: das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das Bauhaus, die Junkers-Werke oder Fürst Georg III. stehen dafür.
Als das Schiff in Dresden anlegt, spielt der Posaunenchor auf. Zuhörer am Ufer klatschen. Reinhard Höppner, Ministerpräsident a.D. und Mitglied im Präsidium des Kirchentages, begrüßt die schwimmende Bo(o)tschaft. Auf der geben sich drei Tage Prominente und Publikum die Klinke in die Hand. Letzteres findet den Weg – trotz der kurzfristig von der Sächsischen Dampfschifffahrt veranlassten Verlegung an einen entfernten Liegeplatz.
Zu den Gesprächsrunden an Bord gehört am 3. Juni auch eine über »Freiheit in Verantwortung – Christen in der Politik«. Durch die technischen Möglichkeiten habe sich der Verantwortungshorizont geweitet, sagt Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Es gelte, auch Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen. »Ich muss verantwortlich handeln, ohne dass ich es im Leben vergolten bekomme.«
Dem Katholiken Klemens Koschig, Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, hilft der Glaube, auch schwierige Situationen aushalten zu können. Der studierte Landwirt Hermann Onko Aeikens (CDU) ist heute Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt. »Ernährungs- und Umweltfragen haben fundamental mit dem Glauben zu tun«, sagt er.
Über 1000 Menschen besuchen bis Sonnabend das Schiff. »Wir konnten gute Gastgeber sein und für die Region Anhalt ebenso wie für unsere Landeskirche werben«, zieht Kirchenpräsident Joachim Liebig Bilanz.
Zuletzt gelangt die »Anhaltische Bo(o)tschaft« sogar ins Fernsehen. Am Sonnabend zeichnet die ARD kurzfristig das »Wort zum Sonntag« an Bord auf. Sprecher Stefan Claaß stellt dabei die Malaktion in den Mittelpunkt, die Carsten Damm vom anhaltischen Kinder- und Jugendpfarramt initiiert hatte: »Wenn mein Herz ein Schiff wäre.«
Angela Stoye
Christen unter sich
10. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Keine Frage: Der Kirchentag in Dresden ist ein großer Erfolg gewesen. Und das lag nicht nur an der Teilnehmerzahl, die so hoch war wie seit 16 Jahren nicht mehr. Mehr als 120.000 zumeist junge Christenmenschen haben vier Tage lang die Elbestadt geprägt, Bibelarbeiten besucht, in Podiumsveranstaltungen diskutiert, Konzerte erlebt, gemeinsam gebetet und gefeiert.
All das hat einem weitgehend entkirchlichten Umfeld gezeigt, wie fröhlich, fromm und vielfältig der Glauben sein kann.
Damit hat die 33. Auflage des Deutschen Evangelischen Kirchentages zweifellos Maßstäbe gesetzt und rechtfertigt das Resümee seiner Präsidentin Katrin Göring-Eckardt, dass die Kirchentagsbewegung lebt.
Doch es gab auch Schwächen, vor denen die Augen nicht verschlossen werden dürfen.
So ist es nicht wirklich gelungen, bei dem Christentreffen in Ostdeutschland mit Kirchenfernen ins Gespräch zu kommen. Zwar hat es Angebote gegeben und Begegnungen mit den Einheimischen gehörten ganz selbstverständlich dazu.
Trotzdem sind die Kirchentagsbesucher zumeist unter sich geblieben. Die Nichtchristen haben allenfalls am Rande auf das Treiben der bunten Christenschar geblickt.
Ob das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, muss sich erst noch zeigen.
Natürlich ist das Protestantentreffen auch ein politischer Kirchentag gewesen. Von der Atomenergie bis zur Zuwanderung reichte die Themenpalette.
Es gab Resolutionen gegen ein ungebremstes Wirtschaftswachstum und die Abschiebung von Sinti und Roma sowie zahlreiche Veranstaltungen, in denen die Bürgerbeteiligung thematisiert wurde.
Manchem Kritiker ging das fast schon zu weit.
Weit schwerwiegender ist jedoch das Fehlen von konstruktivem Streit.
Das war durchaus einmal anders. Schließlich darf der Kirchentag nicht nur Zeitansage sein, er soll auch ein Störfaktor bleiben.
Diesen Beweis ist das Protestantentreffen trotz aller positiven Rückmeldungen schuldig geblieben.
Martin Hanusch
Kirchentag zwischen religiösen Zaungästen
6. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Zehntausende feierten in Dresden ein großes Glaubensfest. Doch Kirchenferne konnten nur wenig begeistert werden.
Überfüllte Bahnen, gesperrte Straßen, singende Gruppe allerorten: Der evangelische Kirchentag hat Dresdens Stadtbild fünf Tage lang bestimmt. Die Besucher des Protestantentreffens drängten sich in überfüllte Hallen, schliefen auf harten Isomatten in Schulen. Trotzdem blieben alle gut drauf. «Beim Kirchentag zeigt sich einfach eine ganz andere Lebenseinstellung», sagt die 16-jährige Mara, die das erste Mal beim Kirchentag dabei war. Am Sonntag, 5. Juni, ging das Laientreffen zu Ende.
Konzerte und Gebete vor barocker Kulissen lockten 118.000 Dauerteilnehmer in die Elbestadt: Es waren so viele Besucher wie seit dem Protestantentreffen 1995 in Hamburg nicht mehr. Der Morgen begann für den Einen um sechs Uhr mit einer Andacht in der Frauenkirche, für den Anderen mit Bibelarbeiten um halb zehn. Für die meisten Gäste endeten die Tage nicht vor Mitternacht.
Auf den Bühnen erlebten die Besucher Prominente aus Politik, Kultur und Kirche: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) debattierte mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, über Militäreinsätze. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen über Integration und eine gerechte Wirtschaft. Einer der größten Publikumsmagneten aber war erneut – wie beim ökumenischen Kirchentag in München – die populäre Ex-Bischöfin Margot Käßmann, die Tausende zu ihren Veranstaltungen lockte.
Die Abende gehörten Musik-Stars wie den «Wise Guys», den Prinzen, Nina Hagen und Bodo Wartke sowie Wladimir Kaminers «Russendisko». Aber auch spirituelle Angebote standen auf dem Programm: Taizé-Gebete und der berührende Segen am Eröffnungsabend, bei dem Zigtausende Kerzen das Elbufer erleuchteten.
Die Hauptbotschaft des Kirchentages, der unter der Losung «… da wird auch dein Herz sein» stand, lautete: Nicht materielle Schätze, sondern ideelle Werte bereichern das Herz. Schnell hatte der Kirchentag auch seinen Dresscode gefunden: Der grüne Schal mit dem aufgedruckten Motto wurde zum unverzichtbaren Accessoire. Er wurde auch zum Zeichen der Zusammengehörigkeit in einer Stadt, in der Kirchenmitglieder in der Minderheit sind. Für Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt war dies eine Chance: «Begeisterte Skeptiker» wünschte sie sich, «religiöse Zaungäste» wolle sie anlocken, sagte die Grünen-Politikerin.
Bei Marc indes, der an Christi Himmelfahrt - für ihn Männertag - mit Kumpels und Bierkasten durch Dresden zog, blieben Zweifel. «Ist komisch, wenn mir einer erzählt, ich soll materiellen Gütern entsagen, und dabei ein fettes Goldkreuz um den Hals trägt», sagte der Jugendliche, fügte aber hinzu: «Im Prinzip hat er ja recht.»
Und Kirchentags-Aktivist Florian Mauersbeger ist es nicht gelungen, kirchenferne Dresdner für den Glauben zu begeistern. Der 20-Jährige stellte in der Fußgängerzone Kirchenbänke auf - dort wollte er Passanten Fragen zum Glauben und zur Kirche zu beantworten. Allein es interessierte kaum einen - außer ein paar Flyern konnte Mauersberger sein Wissen nicht loswerden.
Der Musikstudent, der auch im großen Eröffnungskonzert auf den Elbwiesen mitgesungen hat, blieb dennoch optimistisch: Die Kirche habe die Chance bekomme, «sich positiv darzustellen und die Skepsis, die im Osten herrscht, auszuräumen.»
Corinna Buschow (epd)
Wenn Sie mehr über den Kirchentag in Dresden lesen wollen: Unter Telefon 0 36 43/24 61-14 oder E-Mail abo@wartburgverlag.de können Sie ein kostenloses Probeexemplar von Glaube+Heimat anfordern.
Bedenklicher Trend
2. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ausgerechnet zum Kirchentag haben atheistische Aktivisten wieder einmal Front gemacht. Mit einem Alternativangebot unter dem abgewandelten Kirchentagsmotto »… da wird auch dein Hirn sein« wollen sie in Dresden eine »religionslose Zone« einrichten. Verantwortlich dafür ist die Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung und die Gesellschaft zur Förderung von Aufklärung, Humanismus und Religionsfreiheit.
Nun könnten die Kirchentagstagbesucher diese bewusste Provokation mit einem Lächeln abtun.
Doch so einfach ist es – leider – nicht.
Forderungen nach einem Schutz vor der Religion sowie der Trennung von Staat und Kirche stoßen zunehmend auf offene Ohren. Selbst in den Parteien wird darüber diskutiert. Auch wenn es bislang nur Einzelstimmen sind, sollten die Kirchen das nicht unterschätzen. So sind religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden häufig Auslöser für Streit. Zudem gibt es auch Politiker, die die Staatsleistungen infrage stellen.
Die Kirchen merken, dass solche Tendenzen zunehmen. So hat jüngst der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad einen antikirchlichen Stimmungswandel in der Gesellschaft ausgemacht. Religionsfreiheit werde vor allem als Freiheit von Religion verstanden, anstatt die Chancen für die Gestaltung der Gesellschaft zu sehen.
Das ist in der Tat bedenklich. Schon deshalb dürfen sich die Kirchen nicht damit abfinden, wenn sie auf die Funktion als »Bundeswerteagentur« reduziert werden.
Ohnehin besitzen sie längst nicht mehr das Deutungsmonopol.
In Fragen der Bioethik oder der Friedensverantwortung befinden sie sich in einem Wettbewerb. Auch sollten sich die Kirchen davor hüten, lieb gewordene Besitzstände mit dem Verweis auf alte Rechtsansprüche zu verteidigen. Das wird auf Dauer nicht reichen.
Viel wichtiger ist es, mit inhaltlichen Angeboten zu überzeugen.
Der Kirchentag bleibt so eine Möglichkeit zu zeigen, dass der christliche Glaube nach wie vor etwas sehr Lebendiges ist.
Martin Hanusch
Auftakt nach Maß
1. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kirchentag in Dresden mit drei Gottesdiensten und dem Abend der Begegnung eröffnet.
Am Ende riss sogar der Himmel auf. Als die Kirchentagspräsidentin Katrin Göring Eckardt am 1. Juni das Protestantentreffen beim Gottesdienst auf den Elbwiesen offiziell eröffnete, zeigte sich für einige Momente die Sonne. Viele Menschen seien nach Dresden gekommen, weil die Fragen drängten und die Krisen wüchsen, sagte die Präsidentin des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages. Gesprochen werden solle über Themen wie die Freiheit und die Bewahrung der Schöpfung: “Weil wir wollen, dass es wirklich ernst ist mit dem Atomausstieg und mit dem Einstieg in die neuen Energien”, so Göring-Eckardt.
Zuvor hatte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl in seine Predigt beim Gottesdienst auf den Elbwiesen vor der unermüdlichen Jagd nach Geld und einer “Geiz ist geil”-Mentalität gewarnt. Das rastlose Streben nach irdischen Schätzen habe in die weltweite Finanzkrise geführt. Wer statt Renditezielen die Hilfe für arme Menschen im Blick habe, folge einem Gegenmodell zum “Geld regiert die Welt”, so Bohl. Dagegen fordere Jesus dazu auf, “himmlische Schätze” zu sammeln, etwa durch Nächstenliebe. Der Bischof spielte damit auf das Leitwort des Kirchentags aus der Bergpredigt an: “Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein”.
Bundespräsident Christian Wulff prangerte in einem Grußwort die Verfolgung von Christen in Ägypten an. Wulff sagte, die koptischen Christen in Ägypten gehörten zu den ältesten christlichen Gemeinden der Welt. “Auch sie haben das Recht, nach ihrem Glauben und ihrer Überzeugung zu leben, und wir stehen an ihrer Seite”, betonte der Bundespräsident bei der zentralen Eröffnungsveranstaltung des Christentreffens vor rund 55.000 Menschen auf den Elbwiesen.
Zudem würdigte Wulff in besonderer Weise die Rolle der Kirchen bei der friedlichen Revolution in der DDR. Dass Christen in Ostdeutschland auch heute in der Minderheit seien, sollte die Kirchen nicht verzagen lassen: “Es geht nicht darum, in der Mehrheit zu sein, es geht darum, überzeugt zu sein.”
Der katholische Bischof Joachim Reinelt betonte mit Blick auf die Ökumene, er träume davon, dass die Jugend zwischen evangelischer Frauenkirche und katholischer Kathedrale in Dresden noch ein Transparent mit der Aufschrift “Wir sind eins” sehen könne.
Zu den drei zeitgleich stattfindenden Gottesdiensten zum Auftakt kamen nach den Angaben der Veranstalter insgesamt 84.000 Besucher. Der ungarische Bischof Tamás Fabiny rief auf dem Altmarkt dazu auf, sich nicht an irdische Güter und Ideologien zu binden. Darüber hinaus gab es auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche ein Gottesdienst in einfacher Sprache. Beim anschließenden “Abend der Begegnung” rechneten die Veranstalter mit 250.000 Menschen. Hier stellten sich die verschiedenen sächsischen Regionen vor.
Zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag unter der Losung “… da wird auch dein Herz sein” sind rund 118.000 Dauerteilnehmer angemeldet. Bis zum Sonntag stehen mehr als 2.000 Veranstaltungen zu Glaubensfragen und politischen Themen wie dem Atomausstieg und den Auslandseinsätzen der Bundeswehr auf dem Programm.
(mkz/epd)
Glaubwürdig
27. Mai 2011 von redaktionguh
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Dass der größte Teil der Menschen in Ostdeutschland nicht an Gott glaubt, überrascht nicht. Nur 25 Prozent bejahen diese Frage des Meinungsforschungsinstituts Infratest innerhalb einer Befragung zu »Kirche und Glaube«, die der MDR im Blick auf den bevorstehenden Kirchentag in Dresden in Auftrag gegeben hatte. Umso bemerkenswerter erscheint der hohe Stellenwert, den auch hier christliche Werte genießen. Sie sind als »humanitäre Werte« in die Gesellschaft eingedrungen, wenn auch unter anderem Namen. Da heißt es anstelle »Nächstenliebe« zum Beispiel »Solidarität«, obwohl das nicht ganz dasselbe ist.
Auch nach der Wiedervereinigung ist das Interesse im Osten an Glauben oder gar Kirche nicht gestiegen. Und wer Meinungen im Internet verfolgt, dem weht sogar sehr kalter Wind entgegen. Da wird die Kirche als »privater Freizeitverein« bezeichnet oder gar als überflüssig erachtet.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt
Wird der Kirchentag in Dresden etwas ändern? Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt wünscht sich, dass in der stark säkularisierten Sachsen-Metropole spürbar werde, wie Christen fröhlich ihren Glauben feiern. Vielleicht ändert sich bei manchem das Bild von Kirche. Generell wird das jedoch nicht geschehen. Das kann man bedauern.
Besser wäre jedoch, wenn Christinnen und Christen nicht nur zum Kirchentag fröhlich ihren Glauben bezeugen und vor allem zeigen, welches feste Lebensfundament dahintersteht.
Die Zahlen von Infratest muss man zur Kenntnis nehmen, darf aber nicht in Larmoyanz verfallen. Es wird wichtig sein, dass die christlichen Werte, die anerkannt und auch von Nichtchristen angenommen werden, vor allem von der Kirche ausstrahlen und nicht von den Sorgen um Finanzen und Mitgliederschwund überschattet werden.
Nur eine glaubwürdige, der Nachfolge Jesu würdige Kirche wird in Zukunft geachtet und gehört werden.
Dietlind Steinhöfel
Auf dem Weg nach Dresden
18. Februar 2011 von redaktionguh
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Kirchentage sind Feste des Glaubens, bei denen Tausende Menschen mitfeiern. Dass dies vom 1. bis 5. Juni in Dresden so sein wird, ist auch ein Anliegen der Landesausschüsse des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT).
In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gibt es davon gleich zwei, einen für die ehemalige Kirchenprovinz Sachsen, den anderen für die einstige Thüringer Landeskirche. Eine ihrer Aufgaben sei es, für den Kirchentag zu werben, viele Menschen zur Teilnahme zu motivieren und eventuell auch mitzuwirken, erläutert Lothar Tautz, Vorsitzender des Landesausschusses des DEKT/EKM Nord. Auf dessen Initiative geht kurz vor Beginn des Kirchentages ein Motorschiff namens »Lutherstadt Wittenberg« auf Werbetour, um Menschen zur Teilnahme einzuladen.
Am 29. Mai startet es in Magdeburg, macht Station in Dessau, Torgau und Riesa, wo verschiedene Veranstaltungen geplant sind. Tautz hofft, dass sich in den Gemeinden dort noch viele Menschen kurzfristig entschließen, zum Kirchentag zu kommen.
Während das Schiff von Ort zu Ort auf der Elbe entlangschippert, sei an Bord Gelegenheit, sich geistlich auf den Kirchentag einzustimmen, so Tautz. Zum Programm gehören Andachten und Bibelarbeiten, eine Buchlesung und ein Konzert mit dem Duo »Klaster Royall«. In Riesa trifft das Schiff der EKM dann auf das der anhaltischen Landeskirche. Gemeinsam geht es nach Dresden, wo beide Schiffe am 1. Juni anlegen werden. Während das der EKM wieder zurückfährt, wird das Schiff aus Dessau in Dresden bleiben, denn die Evangelische Kirche Anhalts präsentiert sich auf dem Kirchentag mit einer schwimmenden »Bo(o)tschaft«.
Sie wolle über die historische Region Anhalt und das Christsein heute in einer kleinen, selbstbewussten ostdeutschen Landeskirche informieren, heißt es dort. »Von Mittwoch bis Sonnabend übernehmen wir die Hauptthemen und die Strukturen des Kirchentages und geben ihnen anhaltisches Spezifikum«, sagt Kirchenpräsident Joachim Liebig.
An Bord werde über die drei Schwerpunkte »Glaube«, »Gesellschaft« und »Welt« nachgedacht. Referenten und prominente Gäste aus Anhalt übernehmen die Andachten, Bibelarbeiten und Podiumsdiskussionen. Zu essen und zu trinken gebe es regionale Spezialitäten und zum Abschluss des Tages werde zu einer Abendlounge wieder mit anhaltischer Färbung eingeladen. Musik und Kleinkunst in reizvoller Atmosphäre und mit dem wunderschönen Panorama, das die Dresdner Altstadt vom Schiff auf der Elbe biete, so Liebig.
Auf dem Kirchentag wird es einen Stand »Ökumene in der Mitte« geben, an dem sich die EKM und die anhaltische Kirche gemeinsam mit den Bistümern Erfurt und Magdeburg beteiligen. Unter dem Motto »Spielen und spielen lassen« stellen die vier in Mitteldeutschland beheimateten Kirchen ihre Projekte vor. Die anhaltische Kirche will hier auf den Bibelturm Wörlitz aufmerksam machen, der seit 1994 eine Bibelausstellung präsentiert unter dem Motto »Zwischen Himmel und Erde«.
Die EKM werde ihre Kampagne »Klimawandel – Lebenswandel« vorstellen, so Karsten Müller, Pfarrer im Gemeindedienst der EKM in Neudietendorf. Die Aktion ruft zu einer Veränderung der Lebensgewohnheiten zugunsten des Klimaschutzes auf. Dazu gibt es ein Mitmachheft mit 30 praktischen Vorschlägen, das auf dem Kirchentag angeboten wird. Dieses fordert dazu auf, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Kohlendioxid einzusparen. Zum Beispiel: statt Mineralwasser öfter Leitungswasser trinken oder am Freitag auf Fleisch verzichten.
Sabine Kuschel
Ein Schlüssel zum Erfolg
20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der Stand der evangelischen und katholischen Kirchen aus Mitteldeutschland zeigte »Ökumene in der Mitte«. Besucher konnten sich über gemeinsame Aktivitäten und die gute ökumenische Zusammenarbeit informieren. Foto: Harald Krille
Auch zahlreiche Christen aus Mitteldeutschland waren beim Kirchentag in München dabei
»Der Zusammenhalt ist schon toll«, sagen Patrick, Doro, André und Franzi übereinstimmend. Die vier jungen Leute aus Gotha sind als Teamer mit einer Konfirmandengruppe zum Ökumenischen Kirchentag nach München gefahren.
Jetzt schlendern sie über die Agora, den »Markt der Möglichkeiten«, und schauen sich bei den Projekten und Initiativen um. Vor allem die Vielseitigkeit begeistert sie. »Ich war gestern bei der Rockandacht, das war schon ein Highlight«, erzählt Patrick. Franzi dagegen ist bei einem Vortrag von Margot Käßmann gewesen. »Das war schon ein Erlebnis, sie mal live zu sehen«, meint sie. Am Stand des Kirchenkreises Egeln bleiben sie kurz stehen und lassen sich die Gemeindeagende erklären.
»Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«
Nicht weit davon entfernt steuern Besucher auf den großen Stand der Kirchen aus Mitteldeutschland zu. Hier präsentieren sich Anhalt, die mitteldeutsche Kirche sowie die beiden Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam. »Ökumene in der Mitte« steht auf den »Ortseingangsschildern«, die den offenen Stand in der Messehalle A6 markieren. In der Mitte befinden sich nicht nur Säulen, die die Kirchen und Bistümer, sondern vor allem elf ökumenische Projekte vorstellen. »Wir wollten bewusst keine Strukturen zeigen, sondern Inhalte«, sagt Pfarrer Karsten Müller, Leiter des Gemeindedienstes in Neudietendorf.
Ein großes Kreuz mit einer Dornenkrone weist auf ein ökumenisches Projekt aus Suhl hin. Hier haben evangelische und katholische Christen zum 300-jährigen Bestehen der evangelischen Kreuzkirchengemeinde eine Aktion gestartet und 17 Kreuze in der Innenstadt aufgestellt. Jetzt berichten sie den interessierten Besuchern, was das ausgelöst hat und wie es bis heute nachwirkt. So gebe es nicht nur eine ökumenische Wandergruppe, auch Weltgebetstage, Weltladen und regionale Kirchentage würden gemeinsam verantwortet. »Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«, meinte Beate Liehmann von der katholischen Gemeinde. Nebenan erklärt Matthias Simon Besuchern an vier echten Straßenbahnsitzen das Projekt »Ökumene am Fluss« in Magdeburg. Entscheidend sei nicht, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, »sondern ob wir etwas gemeinsam tun«, glaubt der Pfarrer.
Aber die Vertreter aus Mitteldeutschland beteiligen sich nicht nur an den Informationsständen auf dem Markt. Landesbischöfin Ilse Junkermann und Oberkirchenrat Manfred Seifert aus Dessau sitzen auf Ökumene-Podien. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hält eine Bibelarbeit und spricht mit Pfarrer Christfried Boelter im »Forum Lebenswelt Land« über Bündnisse für den ländlichen Raum.
Auch das kirchentagserfahrene Ehepaar Renate und Reinhard Höppner ist in München beschäftigt. Bei einem Podium zur Ökumenischen Versammlung »gestern – heute – morgen« geben die Pfarrerin und der ehemalige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Auskunft, wie das damals war bei den Treffen in Dresden und Magdeburg. Dies sei auch ein Höhepunkt der Ökumene gewesen, weil alle Kirchen beteiligt gewesen sind, erklären sie. Heute, ergänzt Heino Falcke, lange Jahre Propst in Erfurt, müssten die Kirchen wieder mehr gemeinsam tun und zu einer Stimme finden. Gerade jetzt, »wo uns die Kolateralschäden der Globalisierung einholen«, sei das wichtig.
Dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor Ort gut funktioniert, berichten schließlich Vertreter der evangelischen Thomas-Gemeinde und der katholischen Gemeinde St. Wigbert/St. Crucis aus Erfurt auf einem Podium. »Wir wollen in der Stadt als Christen wahrgenommen werden, gleich welcher Konfession«, erklärt Kirchenälteste Anne-
marie Keller. In ökumenischen Gottesdiensten wird ihre Partnerschaft konkret. Am Pfingstmontag sowie am Buß- und Bettag feiern die Gemeinden ein gemeinsames Agape-Mahl. »Es hält die Sehnsucht in uns wach, eines Tages gemeinsam am Tisch zu sitzen«, so Pfarrgemeinderätin Heike Skroblin. Das gegenseitige Vertrauen ist jedenfalls schon jetzt da: Der katholische Pfarrer besitzt einen Schlüssel für die evangelische Kirche und umgekehrt.
Martin Hanusch
Hoffnungssignal
20. Mai 2010 von redaktionguh
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Hat der gemeinsame Kirchentag das Gesicht der Ökumene verändert, wie es sein evangelischer Präsident Eckard Nagel glaubt? Das ist sicher übertrieben. Doch einen gewissen Erfolg kann man dem Christentreffen in der bayrischen Landeshauptstadt nicht absprechen. Das beweisen schon die Besucherzahlen, die mit knapp 130.000 Dauerteilnehmern und Tausenden Tagesgästen höher ausgefallen sind als angenommen. Zudem hat der offene Umgang mit dem Thema Missbrauch der Kirche insgesamt Pluspunkte beschert, was die zuletzt arg lädierte Glaubwürdigkeit betrifft.
Dass das Treffen ein positives Bild vermittelt, hängt freilich auch mit den Erwartungen zusammen, die bewusst niedrig gehalten waren. Niemand hat auf große Fortschritte beim Christentreffen gesetzt, weder im Blick auf die Sozialethik noch bei der strittigen Abendmahlsfrage. Dazu sind die Probleme zu komplex. Selbst die hochgelobte Vesper nach orthodoxem Ritus ist hier nur ein schwacher Trost. Der Stachel der Trennung am Tisch des Herrn bleibt, wie es die Basis mit ihrer Menschenkette eindrücklich gezeigt hat. Aber immerhin gibt es Signale, die eine Hoffnung für konfessionsverschiedene Ehepaare bedeuten. Hier könnte Bewegung in die festgefahrene Diskussion kommen.
Schließlich ist es auch ein gutes Zeichen, dass bereits jetzt der Ruf nach einem dritten Ökumenischen Kirchentag laut wird. Nach dem bisherigen Rhythmus kommt dafür möglicherweise 2017 infrage, ausgerechnet das Jahr des Reformationsgedenkens. Zwar haben sich die Verantwortlichen bislang nur vorsichtig optimistisch über eine Fortsetzung geäußert. Aber es käme schon einer kleinen Sensation gleich, wenn ausgerechnet 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation evangelische und katholische Christen ihre Gemeinsamkeiten betonen würden. Das wäre nicht nur ein Zeichen nach innen, sondern auch in die Gesellschaft hinein. Und für die protestantische Selbstvergewisserung bleibt bis dahin noch genügend Zeit.
Martin Hanusch
Jetzt ist die Zeit … zum Feiern – Abend der Begegnung
25. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Auf dem Boden der Jakobskirche liegt eine große Deutschlandkarte. Immer wieder kommen Besucher, um einen roten Punkt darauf zu kleben. Neben Weimar, Jena, Erfurt und Meiningen haben auch Magdeburg, Hamburg, Kaiserslautern, Stuttgart und Darmstadt bereits ihre Markierung erhalten. »Meine Patentochter wohnt dort«, erklärt eine Besucherin den Punkt im Hessischen. Die Aktion ist Teil der »Liturgischen Nacht«, die zum Auftakt des 1. Mitteldeutschen Kirchentages am 19. September Hunderte Besucher in die Jakobskirche lockt. »Unsere Aufgabe ist es«, sagt Jugendreferent Frederik Seeger vom CVJM Thüringen, »Menschen aus dem Dunkel ins Licht zu führen.« Dazu sollen auch die
Bündel mit Haushaltskerzen dienen, die in Anspielung auf die Zeit vor 20 Jahren rund um das Gotteshaus verteilt sind.

Eröffnet worden ist der »24-Stunden-Kirchentag« bereits am späten Nachmittag mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Hier reichen die Plätze kaum aus, um die rund 800 Besucher zu fassen. »Wir mussten sogar Stühle dazustellen«, erklärt Weimars Superintendent Henrich Herbst später zufrieden. Von Anfang an herrscht in und vor der Kirche eine locker-beschwingte Atmosphäre. Eine Band begleitet die Gemeinde beim Gesang, und als die Konfirmanden Transparente mit Sprüchen aus der Wendezeit in die Herderkirche tragen, brandet Beifall auf. »Lügen haben kurze Beine, Egon zeig’ mal deine«, »Stasi in die Volkswirtschaft!« oder »Wir sind das Volk!« ist darauf zu lesen. Doch der Eröffnungsgottesdienst bleibt nicht beim verklärten Blick zurück. »Heute müssen wir über das reden, wie die Wirtschaft sich neu ausrichten kann, damit sie den Menschen dient«, sagt der württembergische Landesbischof Otfried July in seiner Predigt. Vertreterinnen aus drei Generationen geben Zeugnisse der Betroffenheit, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgerufen, das aufzuschreiben, wozu jetzt die Zeit sein sollte.
Aus den Partnerkirchen ist nicht allein der Stuttgarter Landesbischof gekommen. Sein slowakischer Amtskollege, Generalbischof Milos Klátik, äußert die Hoffnung, dass die einstige Dreierbeziehung zwischen Thüringen, Württemberg und der Slowakei nun auf Sachen-Anhalt ausgedehnt werden könne. Auch die Stadt zeigt sich »fürchterlich stolz« darauf, Gastgeberin für den Mitteldeutschen Kirchentag zu sein. »Lassen Sie uns gemeinsam der Gesellschaft und der Stadt Bestes suchen«, ruft Oberbürgermeister Stefan Wolf den Besuchern zu.
Bei denen kommt vor allem die Aktion der Konfirmanden gut an. »Die Geschichte mit den Transparenten war einfach super«, findet eine Kirchentagsbesucherin aus Bad Sulza. Ähnlich äußert sich Maria Guericke aus Weimar: »Das hat mich schon sehr bewegt.« Er, sagt Michael Wetzker aus Eisenach, sei ein bisschen enttäuscht über die Beteiligung aus dem Norden der EKM. Zudem wäre ein stärkerer Bezug zum Heute schön gewesen.
Lob kommt von Friedrich Hörsch aus Württemberg. Der langjährige Leiter des Thüringer Seelsorgeseminars, der nach seiner Dienstzeit in seine alte Heimat zurückkehrte, ist bereits zur Eröffnung angereist, genießt nun den lauen Spätsommerabend in dem von Fackeln und Kerzen beleuchteten Herdergarten. »Der Kirchentag hat prima angefangen«, ist er überzeugt.
Das finden auch die 600 Jugendlichen, die sich im und rund um das Kulturzentrum »mon ami« am Goetheplatz tummeln. Während draußen Gaukler und Akrobaten ihre Kunststücke präsentieren, geht es im Inneren laut und poetisch zu. Im großen Saal spielen Bands, und unten im Foyer bringen Jugendliche beim »Poetry slam« eigene Texte zu Gehör. »Ein Kirchentag lebt von den Menschen, die sich beteiligen, und von der Begegnung«, sagt Pfarrer Hardy Rylke. Jetzt am Abend und in der Nacht ist die Zeit dafür – und zum Feiern.
Martin Hanusch








