Unterm Strich

19. November 2017 von redaktionguh  
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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich verrechnet. Mindestens 12 Millio­nen Euro Defizit für das Reformationsjubiläum. Offiziell ist die Rede vom »erhöhten Zuschussbedarf«. Dahinter verbergen sich Fehlkalkulationen für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg und die Ticketverkäufe bei den Kirchentagen auf dem Weg. Die vorgesehenen 30 Millionen Euro reichen nicht aus.

Die Mehrkosten will die EKD alleine tragen, hieß es. Im Klartext bedeutet das, dass die 20 Landeskirchen, die zur EKD gehören, über die Finanzumlage nun im Nachgang die Mehrkosten übernehmen. Das hätte nicht sein müssen. Die kritischen Stimmen aus Mitteldeutschland im Vorfeld zu Konzept und Umsetzung etwa der Kirchentage auf dem Weg hat man ignoriert. Das Endergebnis ist bekannt.

Kein Wunder, dass im Nachgang bei der Synode in Bonn auf eine Bilanz der gastgebenden mitteldeutschen Landeskirchen verzichtet wurde. Vermutlich hätte man, anders als die Reformationsbotschafterin, die Finger in die Wunde gelegt. Geradezu kontraproduktiv war es, für die Kirchentage Eintritt zu verlangen, während man sich in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bemühte, alle Kirchengebäude im Reformationsjahr – kostenfrei – zu öffnen.

In der Erfolgsbilanz werden vor allem die großen Kaffeetafeln auf den Marktplätzen der Kirchentagsorte hervorgehoben. Hier sei Kirche erkennbar und mitten unter den Menschen gewesen. So war es. Die Arbeit wurde – umsonst und draußen – hauptsächlich von Ehrenamtlichen organisiert, ohne »erhöhten Zuschussbedarf«.

Wenn dieses Jahr etwas gezeigt hat, dann dies: Gespräche über Gott und die Welt gelingen eher auf öffentlichen Plätzen als hinter Bezahlschranken. Das war schon vor 500 Jahren so. Eine Binsenweisheit.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Peinliche Zahlenkosmetik

24. Juni 2017 von redaktionguh  
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Kirchentage auf dem Weg: Wurden kritische Stimmen im Vorfeld ignoriert?

Die einen sagen nichts, die anderen wissen nichts und die nächsten sind noch nicht so weit. Dass die Kirchentage auf dem Weg viel weniger Besucher hatten als erwartet, können auch die größten Kirchenoptimisten nicht bestreiten. Landeskirchen, die Länder und Kommunen haben Millionen Euro bereitgestellt. Mit der Analyse und der Bilanz tut man sich bei den Veranstaltern allerdings schwer.

Erst spät habe sich ablesen lassen, dass weniger zahlende Kirchentags-Besucher kommen als erwartet, antwortet auf Nachfrage Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Veranstalters »r2017«. Die Resonanz auf Aufrufe und Veranstaltungen im Vorfeld wie etwa den Bibelweltrekord in Magdeburg mit mehr als 400 Teilnehmern, haben eher das Gegenteil vermuten lassen, so Schneider. Er spricht von einer »insgesamt sehr positiven Stimmung und Begeisterung«.

Mitteldt-2017-25

In Zahlen belegen lässt sich das nicht. Zehn Millionen Euro habe man für die Kirchentage auf dem Weg veranschlagt, sagt Ulrich Schneider. Er rechne nicht mit einem Defizit.

Matthias Sengewald, Vorsitzender des Landesausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Mitteldeutschland, kann da nur mit dem Kopf schütteln. Von Anfang an habe man darauf hingewiesen, dass die prognostizierten Besucherzahlen unrealistisch seien. Sechs Kirchentage in acht Städten neben dem Kirchentag in Berlin, noch dazu in einem entkirchlichten Gebiet, das werde ganz schwierig, wusste Sengewald vorher. Leider wurden die Bedenken nicht gehört.

Der Weimarer Superintendent Henrich Herbst kritisiert die »undurchschaubare und unzureichende« Informationsstrategie des Trägervereins: »Die durch die Veranstalter gemeldeten hohen Teilnehmerzahlen waren uns vor Ort sehr peinlich, denn sie entsprachen nicht unserer Einschätzung.« Überhaupt sei das Vorhaben als zu sehr von außen aufgesetzt erlebt worden.

Eine endgültige finanzielle Abrechnung des Himmelfahrtwochenendes ist noch nicht erstellt. Sie soll in einem Monat vorliegen, wenn auch die ausstehenden Rückläufe aus den Vorverkaufsstellen vorlägen. Insgesamt seien die Kirchentage auf dem Weg je zu einem Drittel aus kirchlichen und staatlichen Mitteln und aus Eigenmitteln, wie Sponsoring und Teilnehmerbeiträgen, finanziert. Fest steht: Bei einem Minus müsste »r2017« als Durchführungsverein das Defizit tragen. Aber niedrigere Einnahmen aus Ticketerlösen stünden auch niedrigeren Ausgaben, zum Beispiel für Übernachtungen oder Verkehrsverbundtickets, gegenüber, sagt Ulrich Schneider. »Insofern wird sich ein Defizit in Grenzen halten. Die Finanzierungsstruktur bleibt erhalten.«

Die öffentlichen Geldgeber werden ihre Zuschüsse im Falle eines Defizits jedenfalls nicht aufstocken. »Eine Erhöhung der vereinbarten Zuschüsse des Landes ist nicht möglich«, teilt Rainer Metke, stellvertretender Regierungssprecher in Magdeburg, mit. Sachsen-Anhalt hat das Reformationsjubiläum großzügig unterstützt und zwei Millionen Euro für r2017-Projekte wie die Kirchentage auf dem Weg in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau überwiesen. Dazu gab es eine Menge Hilfe im Umfeld von Festgottesdienst und Weltausstellung: Logistik, Verkehr, Polizei etc. In Thüringen will man erst einmal die Abrechnung der Veranstalter abwarten.

Kritik wie aus der Leipziger Stadtverwaltung, die »r2017« eine signifikante Fehleinschätzung hinsichtlich der realen Besucherpotenziale bescheinigte, ist aus Magdeburg und Halle nicht zu hören. Mit knapp einer Million Euro hatte Leipzig den Kirchentag unterstützt. Die Landeshauptstadt Magdeburg hat 300 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Mit den Veranstaltern habe man vertrauensvoll zusammengearbeitet, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Auch die Stadt Halle ist voll des Lobes. Der Kirchentag sei gelungen, sagt Judith Marquardt, Beigeordnete für Kultur und Sport, und beruft sich auf die Zahlen des Kirchenkreises, wonach 20 000 Menschen den Kirchentag in Halle besucht haben. Mehrfachzählungen sind jedoch inbegriffen.

Katja Schmidtke, Willi Wild

Von Wecker bis Hasenscheisse

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Hochkarätig: Kulturprogramm der Kirchentage auf dem Weg
und in Wittenberg


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Dies werden viele Interessierte denken, die sich durch das vielfältige Programm der Kirchentage auf dem Weg und des Deutschen Evangelischen Kirchentages arbeiten.

Da ist zunächst das Konzert »Live 17« zu nennen, mit dem der Kirchentag in Wittenberg am Sonntag auf der Festwiese ausklingt (28. Mai, 16.30 bis 19 Uhr). »Vom Liedermacher bis zur Rockband, von Indie-Pop bis zu karibischem Gute-Laune-Sound ist für alle Musikbegeisterten etwas dabei«, freut sich Christof Vetter vom Verein »r2017«. Da ist an erster Stelle Konstantin Wecker zu nennen, der wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag in der Lutherstadt gastiert. Er gilt neben Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt als einer der großen deutschen Liedermacher. Neben ihm und seiner Band sind Judy Bailey, »Bell Book + Candle« und »City« zu erleben. Bailey, die auf Barbados aufgewachsen ist und in Deutschland lebt, steht für einen Musikstil, der neben Pop- und Rockelementen auch Einflüsse von Reggae und afrikanischer Musik aufweist. Sie trat bereits bei vielen christlichen Großveranstaltungen auf. »Bell Book + Candle« gründeten sich 1994 in Berlin, besonders im Osten bekannt ist die Kultband »City«.

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis  19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis 19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

In Jena wird der Frage nachgegangen, was den politischen Widerstand in Ost und West mit heutigem Oppositionsgeist verbindet. Bands aus der DDR, der alten BRD und dem Deutschland von heute stellen sich dabei der Aufgabe, aus ihren gesellschaftlichen Realitäten heraus musikalische Antworten zu liefern. Zu erleben sind »Airtremp« (Jena), »Hasenscheisse« (Potsdam) und »Kai & Funky« von »Ton Steine Scherben« sowie der Berliner Sänger und Kabarettist Gymmick (26. Mai, 19 bis 23 Uhr, Bühne auf dem Markt).

Zwölf filmmusikreife Choralfantasien werden unter dem Titel »Lutheran Symphonics« von der Staatskapelle Weimar und dem Kammerchor der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in der Klassikerstadt dargeboten (25. Mai, 20 Uhr, Weimarhalle). Der Komponist und Posaunenprofessor Christian Sprenger hat hierfür bekannten Kirchenliedern wie »Ein feste Burg ist unser Gott«, »Verleih uns Frieden« oder »Lobe den Herren« ein episches, symphonisches Gewand gegeben. Zu den »nicht alltäglichen Konzertformen« zählt eine elektroakustische Konzert-Installation, die Studierende aus der Kompositionsklasse von Prof. Robin Minard auf dem Herderplatz präsentieren (27. Mai, 20 bis 23 Uhr). Diese beschäftigt sich mit dem Begriff Raum und seinen verschiedenen Bedeutungen für den heutigen Menschen in einer beschleunigten und hochgradig synchronisierten Welt.

»Woran glaubst du?« fragen Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in einem Projekt in Halle, das auf dem Markt, im Dom und in der Moritzburg veranstaltet wird (27. Mai, 10.30 bis 12.30 Uhr). Neben Performances gibt es hier Mitmach-Angebote sowie Holy Hip-Hop: Graffiti, Breakdance, Rap und Beats.

Michael von Hintzenstern

Gute Nachrichten und ein Halleluja

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Programmhöhepunkte in Erfurt, Jena/Weimar, Magdeburg und Halle-Eisleben


Kirche-vO-ErfurtErfurt (G+H) – Ein buntes Glaubensfest inmitten der historischen Altstadt:

  • Eingeläutet werden die Veranstaltungen am Christi Himmelfahrtstag mit der Gloriosa. Sie ruft zum Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf den Domplatz
  • Konzert: »Nerly BigBand goes Gospel«, 25. Mai, 20 Uhr, Domplatz
  • Den Guss einer Glocke kann man am 25. Mai erleben, ab 14 Uhr Präparieren der Gussform, ab 17 Uhr Schmelzen der Glockenbronze. Guss: 21.30 Uhr bis 22 Uhr, Domplatz
  • »Geblitzt! Mit Luther von Stotternheim nach Erfurt«. Laufend, pilgernd oder radelnd von Stotternheim zum Augustinerkloster. 26. Mai, 11.30 Uhr, Stotternheim
  • Zum internationalen Festmahl »Erfurt tafelt« sind die Besucher am 26. Mai eingeladen: 16.30 Uhr, Domplatz

Kirche-vO-Jena-WeimarJena/Weimar (G+H) – Die Gretchenfrage wird in Jena und Weimar bewegt.

  • Am 25. Mai findet in Weimar ab 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Markt statt. Anschließend gibt es ein Fest in der Innenstadt.
  • Zum Fulldome Gottesdienst im Planetarium Jena sind Besucher am 26. Mai ab 22 Uhr eingeladen.
  • Am 26. Mai findet um 18 Uhr ein Abendgottesdienst in der Jenaer Stadtkirche St. Michael mit Texten und Liedern des 2015 verstorbenen Jenaer Theologen und Dichters Klaus-Peter Hertzsch statt.
  • Zum Thementag »Scham, Gewalt, Liebe« am 26. Mai sind in der Weimarhalle in Weimar verschiedene Veranstaltungen von 11 Uhr bis 22.30 Uhr vorgesehen.
  • Unter dem Motto »Grenzenlos frei« steht das Konzert am 27. Mai um 19 Uhr auf dem Markt in Jena.

Kirche-vO-MagdeburgMagdeburg (G+H) – Wer sich zum Besuch des Kirchentages auf dem Weg in Magdeburg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« entschließt, kann aus rund 400 Angeboten wählen. Bei vielen spielen die Themen Elbe, Frieden sowie Medien einst und heute eine große Rolle.

  • So wird am 26. Mai (18.30 Uhr) in die Wallo­nerkirche zu einem Twittergottesdienst eingeladen, an dem auch Landesbischöfin Ilse Junkermann teilnimmt.
  • Am Freitagabend ist das Elbufer am Petriförder der Treffpunkt. Um 20 Uhr starten die rudernden und paddelnden Flussfahrerinnen und Flussfahrer ihre Prozession. Um 21 Uhr beginnt am Petriförder die Welturaufführung des Stückes »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Licht- und Soundeffekten, Chören und die Schiffsprozession auf der Elbe. Rund 200 Mitwirkende erzählen die Geschichte Magdeburgs als ein Zentrum der Reformation.
  • »Treffpunkt Hafen« heißt es am 27. Juni von 10 bis 22 Uhr am Wissenschaftshafen mit zahlreichen Angeboten zum Zuhören, Zusehen und Mitmachen. Im Podium »Fluss und Mensch« (14 Uhr) geht es um die Nutzung der Elbe als Transportweg, in einer Lesung um »Die Elbe – Europas Geschichte im Fluss« (17.30 Uhr). Auch das Musikprogramm ist passend zum Ort gewählt.
  • Einer der Höhepunkte im Zentrum Kinder, Familie, Jugend und Sport im Rotehornpark ist am Sonnabend das Konzert »HalloGrüßGottGutenTag« des Liedermachers Gerhard Schöne (11 Uhr). Im Park und in der Stadthalle gibt es am Freitag und Sonnabend knapp 130 Angebote.
  • Als Einziger hat der Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg am 27. Mai ab 11 Uhr einen Thementag »Männer« mit zahlreichen Workshops im Programm. Treffpunkte sind die katholische Petrikirche und das Petri-Gemeindehaus daneben. Mit dazu gehört ein außergewöhnliches Konzert von Lutz Krajenski und den Hannover Harmonists (14.30 Uhr).

Kirche-vO-HalleHalle/Eisleben (G+H) – Zum Kirchentag auf dem Weg tun sich Halle und Eisleben unter dem Motto »Zwei Städte für ein Halleluja« zusammen. Hier steht die Musik im Mittelpunkt, und zwar in all ihren Ausprägungen. Die Top 5 der Veranstaltungen und ein Extra-Tipp:

  • Eröffnungsgottesdienst mit Nicklas Baines, Bischof von Leeds, Stadtsingechor sowie Bigband und Jugendchor der Paulusgemeinde am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf dem Marktplatz Halle
  • Sola scriptura et musica: Johannesevangelium trifft auf Klavierimpro am 27. Mai, 10 Uhr, in der Petri-Pauli-Kirche in Lutherstadt Eisleben
  • Gospelworkshop und Abschlusskonzert: Chris Lass mit Band und Laiensänger proben für und feiern ein gemeinsames Open-Air-Konzert, 27. Mai, 10.30 Uhr in der Georgenkirche Halle (Workshop) und 20 Uhr Marktplatz (Konzert)
  • »Luthers Kampf gegen die Juden«, Vortrag mit Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, 27. Mai, 16 Uhr, in St. Andreas zu Eisleben
  • »luthERleuchtet«, audiovisuelle Performance von und mit Lichtkünstler Ingo Bracke, 27. Mai, 22 Uhr, Marktkirche Halle

Teil des Kirchentags auf dem Weg ist zudem die Kirchennacht am 26. Mai. Auf einer Gesamtstrecke von 50 Kilometern schlängeln sich 81 Gottes- und Gemeindehäuser den Lutherweg entlang. Am nördlichen Rand der Weinregion Saale-Unstrut verbindet das »Band der offenen Kirchen« Eisleben mit Halle und in Nord-Süd-Richtung den Petersberg mit Merseburg. Bei der flächenmäßig größten zusammenhängenden Kirchennacht Deutschlands werden bis zu 10 000 Besucher erwartet. Beginn ist in Halle um 19 Uhr. Außerhalb der Saalestadt öffnen bereits um 18 Uhr die Türen der Gotteshäuser. Auf dem Programm stehen 57 Konzerte, Führungen, Ausstellungen, Lichtinstallationen, Vorträge oder Lesungen. Erstmalig wird eine Fahrradrundfahrt angeboten. Um 18 Uhr startet auf dem Eislebener Marktplatz eine 30 Kilometer lange Tour zu den Kirchen rund um den Süßen See.

»Blitzlauf« zu Luther

22. Januar 2016 von redaktionguh  
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Erfurt: Die Vorbereitungen für den »Kirchentag auf dem Weg« 2017 laufen

Als der Jurastudent Martin Luther am 17. Juli 1505 an die Pforte des Augustinerklosters in Erfurt klopfte und um Aufnahme bat, begab er sich auf eine ungewisse Reise, die nicht nur sein Leben, sondern das vieler anderer und sogar die Gesellschaft Europas grundlegend veränderte. Luther war unterwegs zu seinem Gott und unterwegs sein, ist auch eines der großen Themen beim »Kirchentag auf dem Weg« in Erfurt.

So wird an Christi-Himmelfahrtswochenende 2017 in Anlehnung an das Stotternheimer »Blitzerlebnis« Luthers unter anderem zu einem »Blitz-« beziehungsweise Reformationslauf durch die Innenstadt eingeladen. Auf verschiedenen Strecken können sich Laufbegeisterte im Gedenken an die Reformation auf den Weg machen. Dabei wird es neben einer Marathon-Strecke auch Etappenrouten für Familien und eine Kinderstrecke geben. »Die einzelnen Wege werden dabei auch die berühmte Via Regia berühren«, erklärt Jürgen Reifarth, Beauftragter der Reformationsdekade.

KirchevO-03-2016»Wir möchten ein einmaliges Event schaffen, das an die Bewegung, die die Reformation in Kirche und Welt gebracht hat, erinnert. Zudem möchten wir für alle Menschen in Erfurt und ihre Gäste eine Möglichkeit schaffen, dabei zu sein, auch wenn sie sich nicht alle zum christlichen Glauben bekennen«, so Reifarth. Start und Zielpunkt wird der Domplatz sein. Drumherum wird das Thema »Unterwegssein« weiter beleuchtet – auf dem direkten Wege zu Fuß aber auch im theologischen Sinne.

»Entscheidende Weichen für die Reformation wurden hier in Erfurt gestellt«, betont Dr. Matthias Rein, Senior des Kirchenkreises Erfurt. Darum komme man 2017 auf dem Weg zum Evangelischen Kirchentag in Wittenberg und Berlin gar nicht an Erfurt vorbei. An einem authentischen Ort erlebbare Geschichte und aktuelle Zugänge zum Glauben bieten, das ist das Ziel der Verantwortlichen in Erfurt. Dieser Ort der radikalen Umkehr des Jurastudenten zum Mönch Martin Luther, das spirituelle Handwerkszeug, Ökumene, aber auch die Verbindung zum Judentum werden Thema sein.

Aber nicht nur um die Rückbetrachtung soll es in diesen Tagen gehen. »Wir wollen auch zeigen, was Evangelischsein heute bedeutet und die Lebendigkeit unseres christlichen Glaubens deutlich machen. In Erfurt feiert man Feste in aller Öffentlichkeit, wie etwa das Krämerbrückenfest. Dieser Tradition wollen wir uns anschließen und ein Glaubensfest feiern mit allen, die sich dieser Stadt zugehörig fühlen«, betont Rein.

Kindgerecht und familienbezogen werden viele der Angebote in der Innenstadt rund um die Lutherstätten sein. »Es wird unter anderem eine Erzählwerkstatt geben, in der nicht nur das Geschehen vor 500 Jahren fassbar wird, sondern dem Kirchentagsbesucher auch der Blick auf die DDR-Geschichte ermöglicht wird«, erklärt Senior Rein. Besonders wichtig ist ihm die Verbindung von Glaube, Musik, Kunst und Bildung im Programm: »Bildung und Frömmigkeit haben in Erfurt immer schon eine Rolle gespielt und das bis heute«, sagt Rein. So ist beim »Kirchentag auf dem Weg« unter anderem auch ein Luther-Musicals in der Lutherkirche geplant, das dann zum ersten Mal zur Aufführung kommen wird.

Ein äußerst vielfältiges Programm ist ausgearbeitet. Nun heißt es, dieses auf den Weg zubringen, damit der »Kirchentag auf dem Weg« zu einem prägenden Ereignis für die Kirche und die Region um Erfurt wird.

Diana Steinbauer

Im Lutherland ist viel zu tun

21. Januar 2016 von redaktionguh  
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Reformationsjahr: »Kirchentage auf dem Weg« in der mitteldeutschen Landeskirche


Man hat sich viel vorgenommen. Kulturelle, spirituelle und touristische Stationen auf dem Weg zum gemeinsamen Festgottesdienst am 28. Mai 2017 in Wittenberg sind auf regionaler Ebene geplant.

Ein wenig fühlt sich Diakon Matthias Sengewald an 1983 erinnert. Zu Martin Luthers 500. Geburtstag gab es in der DDR übers Jahr verteilt regionale Kirchentage in Dresden, Erfurt, Eisleben, Frankfurt, Magdeburg, Rostock und Wittenberg. »Vertrauen wagen« lautete damals die Losung. 34 Jahre später, zum 500. Jubiläum der Reformation, soll es ähnlich sein – und doch ganz anders. Sechs »Kirchentage auf dem Weg« sind parallel vom 25. bis zum 27. Mai 2017 in acht Städten geplant: im sächsischen Leipzig, in Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar und Halle/Eisleben in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie im anhaltischen Dessau-Roßlau. Sie alle sind kulturelle, spirituelle und touristische Stationen auf dem Weg zum gemeinsamen Festgottesdienst am 28. Mai 2017 in Wittenberg. Zudem gibt es den Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg.

mitteldt-03-2016»Eine Herausforderung liegt darin, dass wir in den Städten Programme anbieten, die nicht konkurrieren, sondern unterschiedliche Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen erreichen«, so Matthias Sengewald, Vorsitzender des Landesausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Mitteldeutschland. Das Gremium ging Ende 2014 aus der Fusion der Landesausschüsse für Thüringen und Sachsen-Anhalt hervor. Jede Kirchentagsstadt hat ein eigenes Motto, setzt eigene Schwerpunkte: Halle als ein Predigtort Martin Luthers und Sitz seines Gegenspielers Kardinal Albrecht; Eisleben als Geburts- und Sterbeort des Reformators; Magdeburg als Kommunikationszentrale des neuen Glaubens, wofür die Stadt 1631 mit ihrer Zerstörung bezahlen musste. Jena und Weimar stellen die Gretchenfrage aus Goethes »Faust« in den Mittelpunkt. Erfurt thematisiert Luthers Weg vom Jurastudenten zum Mönch und Theologen sowie die Ökumene. Die Bachstadt Leipzig (in der Landeskirche Sachsens) widmet sich der Disputation zwischen Martin Luther und Johannes Eck von 1519 und der evangelischen Kirchenmusik. Dessau-Roßlau schlägt den Bogen vom jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn bis in die Gegenwart.

Die Mitglieder des EKM-Landesausschusses sehen die Kirchentage als große Chance für die Region, Menschen aus aller Welt zu erreichen, die sonst nicht erreicht würden. Aber 2017 ist auch Herausforderung. Denn die Kraft der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Kirchengemeinden in der Region ist begrenzt. In Jena, wo bereits 2013 der 2. Mitteldeutsche Kirchentag mit großem ehrenamtlichen Einsatz durchgeführt wurde, hält sich die Euphorie noch in Grenzen. Super­intendent Sebastian Neuß ist zuversichtlich: »Nachdem Kulturakteure und die Universität ihre Mitarbeit angekündigt haben, verteilt sich die Last auf mehreren Schultern. Wir wollen einen würdigen und herzlichen Kirchentag in Weimar und Jena.« »Ohne Hilfe von außen geht es nicht«, sagt auch Matthias Sengewald. Die Konferenz der Landesausschüsse des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) habe signalisiert, die »Kirchentage auf dem Weg« zu unterstützen. Auch Partnergemeinden aus den jeweiligen Städten seien um Mithilfe gebeten worden. Wie viele Mitarbeitende es am Ende sein werden, kann Matthias Sengewald nicht beziffern. »Denn das mischt sich, weil Kirchentagsbesucher zugleich Helfer sein können.« Die EKM jedoch sei die Landeskirche, die im Jubiläumsjahr 2017 die meisten Kirchentage ausrichten werde. Auch Sebastian Neuß ist dankbar für die Aufmerksamkeit, die die Kirchentage auf die Region lenken. Und er wendet ein: »Die Zeit der Koordinierung ist vorbei, jetzt muss die Arbeit passieren.«

Angela Stoye

https://r2017.org/kirchentage-auf-dem-weg