Zugang mit Hindernissen

4. September 2017 von redaktionguh  
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Offene Kirchen: Wenn die Suche nach dem Kirchenschlüssel zur Odyssee wird

Die Klinke gedrückt, aber die Tür gibt nicht nach. Das ist immer noch die Realität vor mitteldeutschen Kirchentüren. Nicht hineinkönnen, ausgesperrt sein, dieses Gefühl begleitet Gabriele Schwarz seit Juni dieses Jahres bis heute. Sie lebt in Lützen im Kirchenkreis Merseburg, war aber zuvor mehr als 30 Jahre in Eisenach zu Hause. Gern besucht sie die Thüringer Heimat, trifft sich mit ehemaligen Klassenkameraden. Wie auch im Juni. Sie waren im Thüringer Wald unterwegs, gemeinsam wollten sie die historische Kirche von Cabarz, einem Ortsteil von Bad Tabarz, besuchen. Doch die Besichtigung wurde ihnen, laut Frau Schwarz, durch den dortigen Pfarrer verwehrt. Sie seien keine christliche Pilgergruppe und auch nicht alle Kirchenmitglieder, sei die Begründung gewesen. Pfarrer Kai-Philipp Kunze will das so nicht stehen lassen. Er habe mit Frau Schwarz nie gesprochen, doch ein Herr (ein ehemaliger Schulkamerad von Frau Schwarz, Anm. d. Red.) hätte in einem eher groben Ton angefragt und Kunze habe aufgrund von Terminschwierigkeiten leider absagen müssen. Dann habe ein Wort das andere gegeben. Alles Missverständnisse, die bei den Beteiligten jedoch noch nachwirken.

Die Kirche von Cabarz im Thüringer Wald. Foto: Kirchengemeinde

Die Kirche von Cabarz im Thüringer Wald. Foto: Kirchengemeinde

Wie sich das alles ergeben hat, kann heute nicht mehr vollständig geklärt werden. Der Fall zeigt jedoch, dass es in einigen Regionen der EKM auch im Reformationsjubiläumsjahr immer noch schwer zu sein scheint, in eine verschlossene Kirche zu kommen. Pfarrer Kunze betont, man halte die Kirche in den Sommermonaten drei Tage pro Woche offen. Großen Zuspruch hätte dies aber bisher nicht erfahren. Der Seelsorger macht deutlich, dass eine Besichtigung der Kirche möglich sei. Besucher müssten aber flexibel sein.

»Wir halten die Kirchen offen, aber nicht unbeaufsichtigt«, erläutert der Superintendent des Kirchenkreises Waltershausen-Ohrdruf, Wolfram Kummer. Denn man habe in den Kirchen der Umgebung schon hässliche und
übelriechende Erfahrungen gemacht.

In Dorfkirchen, wo die Identifikation der Bewohner mit der Kirche groß sei, klappe die Öffnung der Kirchen gut. Anderswo hätten sich Kirchenälteste dafür entschieden, gar nicht oder nur an bestimmten Tagen zu öffnen. Die Sorge für die Kirche liege bei den Gemeindemitgliedern, betont Superintendent Kummer. Ihre Anstrengungen müsse man würdigen und die Kraft, die das Engagement fordere.

Das gehe nur behutsam. Und, man müsse die ernst nehmen, die die Last der Verantwortung und der Logistik einer offenen Kirche tragen. Das könnten dann auch immer nur individuelle Lösungen sein.

Der Besuchergruppe um Gabriele Schwarz gelang es dann doch noch, die Kirche von Cabarz zu besuchen. Eine Mitarbeiterin des Heimatmuseums Tabarz vermittelte den Kontakt zu einem Kirchenältesten, der den Besuchern die Besichtigung letztlich ermöglichte. Trotz des guten Ausgangs der Geschichte zeigt das Beispiel Cabarz, dass es mitunter einiger Anstrengungen bedarf, um Einlass zu finden. Und der Fall offenbart die Schwierigkeiten und Hinderungsgründe für eine Öffnung.

Diana Steinbauer

Gott »Hallo« sagen

3. September 2017 von redaktionguh  
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Meine Freundin Anja hat mit Gott nicht viel am Hut. Als wir einmal gemeinsam in Prag waren und den Hradschin besichtigten, fragte sie mich plötzlich mit Blick auf den Veitsdom: »Na, willst du Gott nicht schnell ›Hallo‹ sagen?« Ich wollte tatsächlich und nahm mir eine stille Zeit, während Anja weiter das Gelände erkundete. Sie hatte mein Bedürfnis gespürt, mir eine kurze Auszeit zu gönnen und Gott nahe zu sein, zur Ruhe zu kommen und zu beten.

Viele Menschen haben dieses Bedürfnis, doch oft ist hierzulande an der Kirchentüre Endstation. Wer einen längeren Atem hat, der kommt am Sonntag wieder, doch der, der sich erst hat überwinden müssen, der wird sicher kaum einen zweiten Versuch wagen. Das hat Landesbischöfin Ilse Junkermann klar erkannt. Innerhalb eines Jahres eine fast vollständige Kirchenöffnung für die EKM zu schaffen, das war wohl sehr ambitioniert.

Kirchentüren sperren sich nicht von allein auf. Es sind engagierte Gemeindemitglieder, die für ihre Kirchen und sich auch um sie sorgen. Natürlich könnte man 24 Stunden offen lassen oder aber Beschallungstechnik zurückbauen, liturgische Gefäße, Kunstschätze oder kostbare Kruzifixe wegsperren. Doch gerade bei Letzterem muss man sich im Klaren sein, dass Kirchen dann zwar offen und für jedermann begehbar sind, jedoch das Wesentliche von ihrer Bestimmung verlieren würden.

Nichtsdestotrotz, die Initiative »Offene Kirchen« ist und bleibt eine gute Idee, die es weiter zu verfolgen gilt. Und mit der Zeit und wachsenden Erfahrungen könnte aus der Idee ein echtes Erfolgsmodell werden, das die Kirche im 21. Jahrhundert in unseren Breiten stärker verankert. Vielleicht klappt es ja mit den 95 Prozent bis zum nächsten Reformationsjubiläum.

Diana Steinbauer