Keine Kunst
25. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Kommentar
Comments Off

Seit 1997 hieß es jährlich Bühne frei für das Kleinkunstfestival »Grenzgänger«. Nun scheint das Aus für diese einmalige kirchliche Veranstaltungsreihe besiegelt. Weil die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland als Rechtsnachfolgerin der Kirchenprovinz Sachsen den jährlichen Zuschuss von 50.000 auf 20.000 Euro gekürzt hat, sieht sich der Trägerverein außerstande, die Vorbereitung und Organisation weiter ehrenamtlich zu leisten. Das ist aus mehreren Gründen bedauerlich. Gegründet wurde das Festival als Folge des Kirchbautages 1996. Damals waren die Experten zu dem Schluss gekommen, dass es im ländlichen Raum Nachholbedarf in Sachen Mehrfachnutzung von Kirchen gibt. Tatsächlich haben die »Grenzgänger« hier einiges geleistet.
Natürlich ist das Ende einer solchen Kulturreihe nicht ungewöhnlich. In Zeiten knapper Kassen muss die Frage nach dem Sinn von dauerhaften Zuschüssen erlaubt sein. Das ist in der Kirche nicht anders als anderswo. Doch es bleibt ein hoher Preis, den die EKM für die vergleichsweise kleine Summe zahlt. Immerhin ist das Festival für kleine Gemeinden aus der Taufe gehoben worden. Dass nun gerade dort gespart wird, macht es nicht leichter. Zwar hat die Landeskirche die Beweislast umgedreht, es reicht demnach nicht mehr, allein auf eine gewachsene Tradition zu verweisen. Durchschnittlich 4000 Besucher bei 60 Veranstaltungen pro Jahr sprechen jedoch eine deutliche Sprache.
Zudem praktizierte das »Grenzgänger«-Festival genau das, was Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrem Bericht vor der Synode jetzt angemahnt hat, dass sich die Gemeinden öffnen. Durch solche Angebote gewinnt die Kirche an Attraktivität auch für Fernstehende. Eigentlich hätte der Trägerverein mit seinem Ansatz, Kleinkunst in Dorfkirchen zu holen, eine zweite Chance verdient. Dafür wäre jedoch eine Fortsetzung der Förderung erforderlich. Ein solches Projekt auslaufen zu lassen, ist keine Kunst, einen Rettungsversuch zu unternehmen dagegen schon.
Martin Hanusch






