Verweile doch, du bist so schön

13. August 2010 von redaktionguh  
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Über 2500 Besucher sahen bei der »Romantischen Nacht« die Drübecker Klosterkirche

Über 2500 Besucher sahen bei der »Romantischen Nacht« die Drübecker Klosterkirche ...

Romantische Nacht im Kloster Drübeck zog wieder Tausende Besucher in ihren Bann.

Sankt Vitus ist in ein warmes Licht getaucht. Langsam füllt sich der Platz am Westwerk der Klosterkirche mit Besuchern, die auf den Beginn der Lichtinstallation warten. Auch die Gäste, die an den Tischen beim Essen sitzen oder die die mit zahlreichen Kerzen erleuchteten Wege entlangspazieren, wenden sich der Kirche zu. »Das ist schon eine tolle Atmosphäre hier«, schwärmt einer der Besucher aus Goslar. Pünktlich um 22.15 Uhr erscheint auf dem Mauerwerk der Schriftzug »Drübeck 1050« und ein Rundgang durch die Geschichte des Klosters beginnt.

Doch das ist nur ein kleiner Teil dessen, was die »Romantische Nacht« bietet. Die Verbindung von Kultur, kulinarischen Köstlichkeiten und Kunsthandwerk mit der einmaligen Atmosphäre der Klosteranlage bei Nacht machen den Charme aus. Insgesamt mehr als 30 Angebote stehen zur Auswahl: Konzerte von mittelalterlicher Musik mit den “Freyburger Spielleyten” in der Klosterkirche über Filmmusik in der Domänenscheune bis hin zu Klezmer und Folk, Lesungen und Flamenco unter freiem Himmel. Bereits zum neunten Mal hat das Kloster an diesem 7. August zu Fest und Begegnung eingeladen. »Es ist schon beeindruckend, das zu erleben«, meint Norbert Dolge, der extra aus Magdeburg gekommen ist. Besonders angetan zeigt er sich von der Streuobstwiese, die wie alle Gärten mit Lichtern und Fackeln illuminiert ist.

Klosterhof mit der uralten Linde in ganz neuem Licht.

... und den Klosterhof mit der uralten Linde in ganz neuem Licht.

Schon nach Beginn um 18 Uhr füllt sich das Klosterareal, ohne dass es wirklich beengt zugeht. Durch die weitläufige Anlage und die vielen liebevoll geschmückten Plätze und Gärten rund um die Kirche verteilt sich der Besucherstrom und hebt sich so wohltuend vom üblichen Geschiebe auf Großveranstaltungen ab. »Wir wollen den Menschen zeigen, dass das Kloster offen für alle ist, und dabei etwas von dem besonderen Charakter bewahren«, sagt Geschäftsführer Christoph Carstens. Auch Leute, die sonst Berührungsängste hätten, ließen sich gerne ansprechen.

Rundum zufrieden zeigt er sich ebenfalls mit der Resonanz. Erneut haben etwa 2.500 Besucher den Weg nach Drübeck gefunden. Und wie schon in der Vergangenheit sei das Vorhaben nur möglich gewesen, weil alle mitgezogen hätten: die Mitarbeiter des Klosters, Vertreter des Fördervereins, der freiwilligen Feuerwehr sowie des Vereins »Gartenträume«.

Das Duo »Zweyerley Pfeifferey« (li.) musizierte in einem der Gärten der Stiftsdamen.

Das Duo »Zweyerley Pfeifferey« (li.) musizierte in einem der Gärten der Stiftsdamen.

Zugleich liegt in diesem Jahr aber auch ein Schatten über der Nacht. Die langjährige Geschäftsführerin und Verwaltungsleiterin Brunhilde Langelüddecke, die das Projekt vor acht Jahren mit angestoßen hat, ist im Juni nach schwerer Krankheit verstorben. So spielt das Andenken an sie immer wieder eine Rolle. Es sei gut, dass der Abschied auf diese Weise und in so einem würdigen Rahmen mit aufgenommen worden ist, findet Carstens.

Eine weitere Besonderheit stellt die Verbindung mit der 1050-Jahr-Feier Drübecks dar. Gleich neben dem Äbtissinnenhaus verkaufen Vertreter der Kommune an einem Stand die Festschrift. Seit Ende Mai laufen die Feierlichkeiten bereits. »Wenn wir das Kloster nicht hätten, wären wir nicht so bekannt«, sagt der stellvertretende Bürgermeister Berthold Abel. Letztlich seien beide Nutznießer.

Nutznießer sind an diesem Abend jedoch vor allem die Besucher, die aus ganz Sachsen-Anhalt und auch aus Niedersachen kommen. Längst hat sich das besondere Angebot herumgesprochen. Iris Brachmann ist aus dem benachbarten Wernigerode nach Drübeck gekommen. Sie lebe zwar schon über 40 Jahr hier, sei jedoch das erste Mal dabei, erzählt sie. »Dass es so zauberhaft ist, hätte ich nicht gedacht.«

Martin Hanusch / Fotos: Jürgen Meusel

Ein Fest für »Drei Bäche«

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kloster Drübeck

Die um 1730 gepflanzte Klosterlinde ist zu einem stattlichen Baum herangewachsen, unter dem Besucher gern sitzen. Die abgebildeten Gebäude sind links das »Haus der Stille«, im Hintergrund die romanische Klosterkirche und rechts das ehemalige Wohnhaus der Stiftsdamen und heutige Gästehaus. Foto: Frank Drechsler


Gottesdienst  zum Auftakt des 1050-jährigen Jubiläums von Drübeck

Pfingstsonntag läutet die 561 Jahre alte Glocke »Benedicta« das Jubiläum ein. Mit einem Gottesdienst eröffnen das Kloster Drübeck und das gleichnamige Dorf bei Ilsenburg dieFeiern zum 1050-jährigen Bestehen.

Es geht zurück auf eine Urkunde über eine Schenkung aus ottonischer Zeit, die das Datum vom 10. September 960 trägt. Gegründet worden war Drübeck als Damenstift schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts von sächsischen Adeligen. Im Jahr 1058 wurde es in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt. Im 10. Jahrhundert genoss Drübeck ebensolche Vorrechte wie etwa die berühmten Stifte Gandersheim oder Quedlinburg. Die früheste Nachricht über die im Bau befindliche Klosterkirche Sankt Vitus  stammt aus dem Jahr 1004. Da wurde auch der Ort Drübeck als »urbs civitas« erstmals erwähnt. Die Dorfkirche Sankt Bartholomäus gibt es seit 1259, und in der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es eine Mädchenschule. Der Ortsnamen geht vermutlich auf den plattdeutschen Begriff »Dri Beke« für »Drei Bäche« zurück.

Als Folge des Bauernkrieges, der Reformation und schließlich des Dreißigjährigen Krieges erlosch das Klosterleben, auch das Dorf wurde 1636 geplündert. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte das Kloster in den Besitz der Grafen von Stolberg-Wernigerode, die es umgestalteten und 1732 ein Damenstift einrichteten. 1946 übergab die letzte Äbtissin das Kloster der Diakonie der Kirchenprovinz Sachsen, die hier ein Erholungsheim einrichtete, das bis 1991 bestand.

Durch die Wiedervereinigung änderte sich für Drübeck viel. Mit Hilfe einer Schenkung aus Köln konnte die in ihrem Bestehen gefährdete Klosterkirche restauriert und Erntedank 1992 wieder eingeweiht werden. Von 1993 bis 2009 wurde das Kloster schrittweise zum »Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck« umgebaut – mit Tagungs- und Seminarräumen, dem Pädagogisch-Theologischen Institut, dem Pastoralkolleg und dem »Haus der Stille«.

Anziehungspunkte sind die nach historischem Vorbild gestalteten Gärten der Stiftsdamen und der Äbtissin. In einem letzten Schritt wurden die Domänenscheunen ausgebaut. Das Dorf Drübeck mit seinen etwa 1500 Einwohnern gehört seit Juli vergangenen Jahres zu Ilsenburg.

An das Geschehen in alten und neueren Zeiten wird bis Erntedank in einer Festreihe erinnert, zu der Vorträge und Konzerte ebenso gehören wie der Erntedank-Gottesdienst in der Dorfkirche St. Bartholomäus.

(ast)

22. Mai – Klosterkirche, 15 Uhr: Chormusik mit den »tea-cream-singers« aus Berlin
23. Mai – Klosterkirche, 10 Uhr: Festgottesdienst, der auf MDR Figaro übertragen wird. Predigt: Bischof a. D. Axel Noack. Liturgie: Pfarrerin Ulrike Hackbeil; Saal der Domäne, 11.5 Uhr: »Wer war Hildegard von Bingen?« – Die Gedankenwelt des 12. Jahrhunderts und Parallelen zu Kloster Drübeck. Vortrag von Prof. Dr. Gerlinde Strohmaier-Wiederanders (Berlin).

Ein Raum und Weg zu Gott

28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Themenjahr: Auch in Mitteldeutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, zur Stille zu finden

Kirchen, Gemeinden und Verbände haben 2010 zum »Jahr der Stille« ausgerufen. Eine konfessionsüber-
greifende Initiative will Menschen die Gelegenheit bieten, Stille als wichtigen Aspekt des Alltags neu zu entdecken.

Auch im Kloster Volkenroda – hier eine Detailaufnahme des Kreuzganges am Christuspavillon, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert – gibt es Einkehrzeiten. Foto: Harald Krille

Auch im Kloster Volkenroda – hier eine Detailaufnahme des Kreuzganges am Christuspavillon, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert – gibt es Einkehrzeiten. Foto: Harald Krille

»Stille ist kein Selbstzweck, sondern der Weg, um tiefer in die Beziehung zu Gott und sich selbst zu kommen.« Brigitte Seifert muss es wissen. Seit knapp drei Jahren ist die promovierte Theologin Leiterin des »Hauses der Stille« im Kloster Drübeck bei Wernigerode. Vielfach spürten die Menschen, dass der »blanke Materialismus« ihnen nicht weiterhilft, sagt die Seelsorgerin. Nicht zuletzt deshalb lägen Einkehrzeiten wieder voll im Trend.

Auf die besondere Dimension der Stille aufmerksam machen will nun eine konfessionsübergreifende Initiative aus Verbänden, Kirchen und Gemeinden. Sie hat deshalb ein ganzes Themenjahr ausgerufen. Ziel sei es, persönlich das Leben wieder bewusst auf Gott auszurichten und durch die Stille körperlich und seelisch aufzutanken, heißt es. Dabei wollen die Organisatoren um den Leiter des »Hauses der Stille« im pommerschen Weitenhagen, Wolfgang Breithaupt, naturgemäß keine großen Aktionen oder lautstarke Veranstaltungen bieten. Vielmehr gehe es darum, »Stille gezielt ins Bewusstsein zu rufen und Gottes ausgewogenen Lebensrhythmus neu zu entdecken«. Getragen wird das Themenjahr von mehr als 90 Partnern – christlichen Bewegungen, Gemeinden und Verbänden.

Auch hierzulande beteiligen sich etliche Einrichtungen daran. Die Communität Casteller Ring (CCR) etwa, die in Erfurt eine Außenstelle unterhält, zählt ebenso zu den Unterstützern wie die Christusbruderschaft Selbitz, die einen Ableger auf dem ­Petersberg bei Halle hat. »Allerdings müssen wir keine besonderen Angebote machen«, sagt Schwester Katharina Schridde von der CCR. Kurse für Meditation, Exerzitien und Einkehrtage gehörten ohnehin zum Programm im Erfurter Augustinerkloster. Zudem ist Stille für sie noch kein Wert an sich, sondern vielmehr ein Raum und ein Weg, zu sich selbst und zu Gott zu finden. Bruder Lukas Haltiner von der Brüderkommunität auf dem Petersberg bei Halle geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach seiner Erfahrung müssten Menschen erst wieder lernen, die Stille auszuhalten. »Das ist für viele das Schwerste überhaupt«, hat er beobachtet.

Dennoch suchen angesichts von Lärm und Hektik im Alltag immer mehr Menschen nach einer Alternative. Allein im Kloster Drübeck ist die Zahl der Teilnehmer, die Einkehr- und Besinnungstage besucht haben, von 215 im Jahr 2007 auf zuletzt 321 gestiegen. Auch bei den »Ruhetagen«, die sich insbesondere an haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter richten, verzeichnet Brigitte Seifert eine Zunahme von 95 auf 128 im Jahr 2009.

Einen Boom erlebt auch die Kommunität auf dem Petersberg. »Die Nachfrage ist enorm«, berichtet Bruder Lukas. Hier kommen jährlich mehr als 1.200 Besucher, um die Rückzugsmöglichkeiten des Klosters mit seinen Angeboten zu nutzen. »Inzwischen müssen wir sogar Interessenten absagen, damit auch andere Gruppen und Schulklassen kommen können«, berichtet er. Für diese verstärkte Nachfrage nach Stilleangeboten gibt es nach Ansicht der Verantwortlichen ganz unterschiedliche Beweggründe. Manche Teilnehmer suchten einfach »stille Oasen«. Andere durchlebten eine Krise in Ehe bzw. Beruf oder wollten ihren Glauben vertiefen. »Es sind häufig Schwellensituationen und Überlastungen, die die Menschen in die Stille führen«, so Bruder Lukas.

Diese Beobachtung kann auch Ulrike Köhler vom Kloster Volkenroda unterstreichen. Hier ist es vor allem das »Kloster auf Zeit«, das immer größeren Zuspruch findet. Der Gegensatz von hektischer Betriebsamkeit im Alltag und dem Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft sei ein echter Anziehungspunkt, erklärt die für geistliche Angebote zuständige Mitarbeiterin. Das Kloster will diesen Bereich deshalb künftig weiter ausbauen. Zudem gibt es hier ein besonderes Pil-gerangebot und Einkehrzeiten. »Auch wenn das nicht unser Schwerpunkt ist«, wie Ulrike Köhler betont.

Dass der Bedarf nach solchen Angeboten groß ist, wissen alle Beteiligten. Sie erlebe die Kirche sehr aktions- und wortlastig, meint Brigitte Seifert. Doch es brauche auch die Gegenseite, die Kontemplation und die Stille. »Wer sich darauf einlässt«, ist sie überzeugt, »hat einen wirklichen Gewinn davon.«

Martin Hanusch