Zehn Jahre nach 9/11
9. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Nichts wird mehr sein, wie es einmal war. Das war der Eindruck nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der Schreck und die Angst waren erdumspannend, als die Bilder von den brennenden und zusammenstürzenden Türmen des New Yorker World Trade Centers immer und immer wieder durch die Fernsehsender ausgestrahlt wurden.
Die Emotionen werden noch heute, nach zehn Jahren, wach, wenn das Thema angesprochen wird und die Bilder jetzt wieder um die Welt gehen. Doch was ist anders nach zehn Jahren?
Die USA haben reagiert, wie es die Terroristen vielleicht sogar erwartet haben: mit Krieg. Seitdem sind mehr Menschen im Irak und in Afghanistan umgekommen, als bei den Anschlägen vom 11. September.
Die Feindbilder waren klar. Und sind es immer mehr. Einen Gefallen haben sich beide Seiten damit nicht getan. Während »der Westen« in islamischen Ländern immer mehr angeprangert wird, nimmt im Gegenzug die Islamfeindlichkeit hierzulande zu.
Das führt immer wieder zu Gewalt: Wenn in den muslimischen Ländern Europäer entführt und umgebracht werden – wie zuletzt Siegbert Stocker von den Christusträgern. Und wenn in Europa islam- und fremdenfeindliche Fanatiker zu Massenmördern werden – wie jüngst Anders Behring Breivik in Norwegen.
Durch die Anschläge vom 11. September sind die Beziehungen zwischen den Muslimen und der übrigen Welt zweifellos stark belastet worden. Damals haben viele Christen mit Friedensgebeten reagiert.
Der zehnte Jahrestag solle jetzt Anlass sein, »erneut aufeinander zuzugehen und gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden, gegen Extremismus und Terrorismus die Stimme zu erheben«, wie es die Berliner Bischöfe in einer Grußbotschaft an die Muslime anmahnten.
Davon sind wir leider weit entfernt. Dabei leben wir heute in einer Welt, die den Frieden nötiger hat denn je. Und das Gebet dafür – von allen Religionen.
Christine Reuther
Überzogen
18. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der Vorgang ist wohl ziemlich einmalig: Sächsische Polizeibeamte durchsuchen die Diensträume des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König, weil er Teilnehmer der Protestaktion gegen einen Neonaziaufmarsch am 19. Februar in Dresden zu Straftaten angestiftet haben soll.
Der Pfarrer bestreitet das vehement.
Nicht nur die mitteldeutsche Kirche zeigt sich ob des Vorgehens der sächsischen Behörden am 10. August entsetzt. Selbst der Thüringer Justizminister Holger Poppenhäger äußerte sich irritiert über die Art dieser Nacht- und Nebelaktion.
Sicherlich gab und gibt es Aktionen im Fall von rechtsextremen Aufmärschen, die über den friedlichen Protest hinausgehen. Gewaltsame Ausschreitungen am Rande solcher Demonstrationen müssen natürlich aufgeklärt werden.
Dennoch sind die polizeilichen Maßnahmen im Fall König überzogen.
Mit der Durchsuchung der Diensträume des Jenaer Jugendpfarrers ein halbes Jahr (!) nach den Vorgängen wird nicht nur das Selbstbestimmungsrecht der Kirche missachtet. Offenbar misstrauen die sächsischen Behörden selbst den Thüringer Kollegen.
Ein vertrauensvolles Verhältnis zur Kirche und zum Nachbarland sieht jedenfalls anders aus.
Doch es ist nicht das erste Mal, dass die sächsische Polizei in ihren Methoden übers Ziel hinausschießt, wie auch die Handy-Affäre zeigt. Letztlich wird der Einruck erweckt, dass hier ein Exempel statuiert werden sollte. So kann auch der friedliche Protest im Nachhinein kriminalisiert werden.
Was in diesem Falle erschwerend hinzukommt: Ohne Bedenken nimmt die Justiz den Bruch des Seelsorgegeheimnisses in Kauf, wie man es allenfalls aus DDR-Zeiten kennt.
Das ist nicht nur fahrlässig, sondern lässt auch Rückschlüsse auf die Haltung gegenüber der Kirche zu.
Wären die Beamten genauso verfahren, wenn es sich um eine Arztpraxis oder eine Anwaltskanzlei gehandelt hätte?
Deshalb sollten nicht nur die Ausschreitungen am Rande der Protestaktion geklärt werden, sondern auch das Verständnis von Rechtsstaatlichkeit.
Martin Hanusch
Abschottung ist keine Lösung
11. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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So wurde es uns in der Schule begründet: Die Sicherung der Staatsgrenze zum Westen habe sein müssen, weil in der DDR gut ausgebildete Fachkräfte das Land verließen. Dass heute noch jeder zehnte Berliner, wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa herausfand, die Teilung der Stadt richtig findet, lässt erschrecken. Vor allem innerhalb der Linkspartei hält sich diese abstruse Begründung politischen Handelns.
Menschen, die unter der Teilung gelitten haben, sind entsetzt über solche Vergesslichkeit und Ignoranz. Es gab nach Angaben des Museums am Checkpoint Charlie über 1000 Tote an dieser Grenze, ungezählte Familiendramen, willkürliche Inhaftierungen, Bespitzelung …
Ein abgeschotteter Staat kann sich nicht entwickelt. Mit Gewalt hält man keine Freunde. In der Enge kann kein gutes Miteinander gedeihen. Denn viele verließen die DDR, weil sie sich nicht entfalten konnten und Kreativität im Keim erstickt wurde.
In dem am Montag im ZDF ausgestrahlten Spielfilm »An der Grenze« (2007) fragen die Protagonisten: »Wenn man keine Wahl hat, woher weiß man, dass man auf der richtigen Seite steht?« Nur der freie Mensch kann sich für oder gegen etwas entscheiden.
Die evangelische Kirche in der DDR nahmen viele während der Teilung als schützendes Dach wahr. Hier dachte man über die verordnete Enge hinaus. Ihre Verdienste, den Kontakt zwischen Ost und West auch auf der Ebene der Gemeindeglieder zu halten, der Einsatz für Gruppen und Einzelne, sind nicht hoch genug zu schätzen.
Doch bleibt ein fader Beigeschmack, wie der Religionssoziologe Detlef Pollack gegenüber dem Evangelischen Pressedienst äußert: Die Kritik der Kirchen am Mauerbau 1961 sei sehr verhalten ausgefallen. Ein geschlossener und klarer Protest aber wäre das richtige Zeichen gegen staatliche Willkür gewesen. Weil es um die Menschen und auch um die plötzlich geteilte Kirche ging.
Dietlind Steinhöfel
Objektiv subjektiv
5. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Wie nehmen wir eigentlich unsere Welt wahr? Manchmal können berechtigte Zweifel an der Objektivität medialer Darstellung und unserer eigenen Wahrnehmung kommen. Vieles scheint abhängig von den Faktoren Nähe, handelnde Personen und eigener Standpunkt.
Beispiele?
Das die Nachrichten beherrschende Ereignis der vergangenen Woche war zweifellos der mörderische Doppelanschlag in Norwegen. Seitenweise Berichte über die Opfer, über den Täter und seine vermuteten Motive. Auch in der Kirchezeitung spielt das Thema eine wichtige Rolle. Ein Land stand unter Schock, 77 Menschenleben waren zu beklagen.
Es soll nicht zynisch klingen, aber: Täglich verhungern weltweit rund 25000 Menschen. Schwerpunkt ist derzeit Ostafrika. In dieser Ausgabe der Kirchenzeitung rufen wir zu Spenden auf.
Doch berührt und schockiert uns dieses »ferne« Leiden auch nur annähernd so wie das relativ nahe in Norwegen?
Ein weiteres Beispiel findet sich in dieser Ausgabe: Da wurden in der vergangenen Woche in Gaza eine Freizeitanlage und ein UN-Kinderferienlager überfallen und zerstört. Welchen weltweiten Aufschrei hätte es gegeben, wären die handelnden Personen beispielsweise israelische Soldaten gewesen! Aber es waren radikale, vielleicht gar islamistische Palästinenser selbst – und niemand regt sich auf.
Sicher ist diese Meldung nicht angetan, alles, was an berechtigter Kritik an israelischem Handeln vorzubringen ist, nun ad absurdum zu führen. Aber sie zeigt, dass die Welt insgesamt und die Lage in manchen Krisengebieten vielschichtig ist und uns ein schlichtes »Gut-Böse-Raster« in der Wahrnehmung nicht weiterhilft.
Denn: Egal, wie nahe oder fern etwas liegt, welche Personen handeln und was unsere eigenen Meinungen und Urteile auch sein mögen – nie sollte unser Weltbild so festgelegt sein, dass wir anderes nicht mehr wahrnehmen.
Harald Krille
Die Angst des Attentäters
29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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In den ersten Stunden nach den Anschlägen in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya am 22. Juli waren die Rollen noch klar verteilt: Islamisten mussten die Täter gewesen sein, verkündeten selbsternannte Experten. Es war eine rasche Erklärung für das Unfassbare, die viele gern glaubten. Umso irritierender dann die Nachricht: Der Mörder von 76 Menschen bezeichnet sich selbst als »konservativ«, ja sogar »christlich«.
Eine christliche Tat? Nichts weniger als das – sie ist es genauso wenig, wie die Untaten von Al-Qaida muslimisch sind. Doch die qualvollen Bilder aus Norwegen zeigen auch die Möglichkeit einer brutalen Fehlinterpretation von Religion – so wie der 11. September 2001.
Der Attentäter von Oslo und Utøya meint ganz so wie die Islamisten, die eigene Welt vor der Moderne und dem Fremden beschützen zu müssen. Beide greifen dafür zu apokalyptischen Motiven und Taten.
Dies nur als Wahn abzutun, hieße unbequeme Fragen an uns selbst zu unterdrücken. Denn auch hierzulande gibt es die Angst vor einer immer unübersichtlicher werdenden Welt, in der sich die Kulturen mischen und verschiedene Religionen um die Menschen werben.
Das christliche Abendland werde von Muslimen, Einwanderern und Kommunisten bedroht – solche Meinungen sind weit verbreitet in allen Milieus, auch in christlichen Häusern. Es ist eine Angst, die den Keim der Gewalt in sich tragen kann. Der Täter von Norwegen hat diese Furcht mit Kälte und Irrsinn zu einem monströsen Massenmord unschuldiger Menschen zugespitzt.
»In der Welt habt ihr Angst«, sagt Jesus, »aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!« Christen und ihre Kirche sollten die Hoffnung predigen – und sie leben. Hunderttausende Norweger versuchend das in bewundernswerter Weise.
Andreas Roth
Ein Erfolg und seine Kehrseite
24. Juni 2011 von redaktionguh
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© Bundesverband Deutsche Tafel e.V.
Seitdem 1993 die erste »Tafel« in Berlin an den Start gegangen ist, hat sich eine ganze Bewegung daraus entwickelt. Heute versorgen bundesweit 880 Tafeln – darunter 73 im Bereich der EKM und Anhalts – mit 55.000 Helfern mehr als 1,3 Million Menschen mit Essen. Das ist tatsächlich ein beachtlicher Erfolg.
Das lobenswerte Engagement von diakonischen Trägern, Kirchen, Vereinen und gemeinnützigen Organisationen hat freilich auch eine Kehrseite. Die fast flächendeckende Versorgungsstruktur kann dazu führen, dass sich Armut zementiert und der Eindruck entsteht, der Staat dürfe hier aus der Pflicht entlassen werden.
Nicht nur nach Ansicht des Mainzer Sozialmediziners Gerhard Trabert muss aber jeder Mensch das Recht auf eine Unterstützung haben, die eine wirkliche Partizipation am gesellschaftlichen Leben erlaubt. Das beinhaltet natürlich auch die Möglichkeit, Nahrungsmittel ganz normal in einem Geschäft einzukaufen.
Deshalb kann es eigentlich nicht das Ziel der Tafelbewegung sein, immer neue Ausgabestellen einzurichten. Denn der eigentlich Skandal liegt ja darin, dass in einem reichen Land immer mehr Menschen auf solche Unterstützung angewiesen sind.
Natürlich bleibt der Ansatz der Tafeln richtig, der Vernichtung von Lebensmitteln Einhalt zu gebieten. Aber damit sollten es die Einrichtungen nicht bewenden lassen.
Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Strukturen der Bedürftigkeit verfestigen. Das aber darf weder im Interesse der Tafeln noch der Gesellschaft liegen.
Darum gehört beides zusammen: Gutes zu tun, sich aber zugleich auch für eine Änderung ungerechter Strukturen einzusetzen.
Martin Hanusch
Wo bleibt der Geist von Genf?
17. Juni 2011 von redaktionguh
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Es ist ein trauriges Jubiläum: Vor 60 Jahren trat die Genfer Flüchtlingskonvention in Kraft. Sie sollte die rund eine Million Menschen schützen, die nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges noch immer ohne Heimat waren. Heute freilich hat sich die Zahl der Flüchtlinge vervielfacht: Mehr als 43 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben im vergangenen Jahr auf der Flucht gewesen.
Ein Schwerpunkt der weltweiten Flüchtlingsdramen liegt dabei direkt vor unserer Haustür, im Mittelmeerraum. Immer mehr Menschen aus Afrika und den arabischen Ländern versuchen, ins reiche Europa zu gelangen, immer prekärere Verkehrsmittel sollen sie über das Meer bringen.
Immer mehr Menschen fliehen vor der Gewalt der Revolutionen und Bürgerkriege ebenso wie vor Hungersnöten und Armut im Afrika südlich der Sahara. Doch Europa schottet sich ab. Immer mehr Marineboote, immer schärfer bewachte EU-Außengrenzen sollen verhindern, dass Menschen die Rechte der Genfer Konvention für sich in Anspruch nehmen.
Wo ist der Geist von Genf geblieben, wo ist das Bekenntnis dazu, dass jeder, der aus rassischen, religiösen, politischen oder sozialen Gründen verfolgt wird, Schutz genießt? Und wann werden wirtschaftliche Gründe als Fluchtursachen anerkannt?
Das, was über die Aufnahmeverfahren in Südeuropa berichtet wird, zeugt jedenfalls nicht unbedingt von einem klaren »Ja« zum Schutz der Flüchtlinge. Mehr als einmal wurden die griechischen Asylverfahren als »menschenunwürdig« bezeichnet. Völlig zu Recht hat die Bundesrepublik die Abschiebungen dorthin ausgesetzt. Doch panikartige Reaktionen wie die Einführung von Grenzkontrollen und neuen Visaregelungen scheinen im Europa des 21. Jahrhunderts eine größere Konjunktur zu haben als der Flüchtlingsschutz.
Zum 60-jährigen Bestehen der Flüchtlingskonvention ist das ein Armutszeugnis und ganz sicherlich kein Grund zur Freude.
Benjamin Lassiwe
Christen unter sich
10. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Keine Frage: Der Kirchentag in Dresden ist ein großer Erfolg gewesen. Und das lag nicht nur an der Teilnehmerzahl, die so hoch war wie seit 16 Jahren nicht mehr. Mehr als 120.000 zumeist junge Christenmenschen haben vier Tage lang die Elbestadt geprägt, Bibelarbeiten besucht, in Podiumsveranstaltungen diskutiert, Konzerte erlebt, gemeinsam gebetet und gefeiert.
All das hat einem weitgehend entkirchlichten Umfeld gezeigt, wie fröhlich, fromm und vielfältig der Glauben sein kann.
Damit hat die 33. Auflage des Deutschen Evangelischen Kirchentages zweifellos Maßstäbe gesetzt und rechtfertigt das Resümee seiner Präsidentin Katrin Göring-Eckardt, dass die Kirchentagsbewegung lebt.
Doch es gab auch Schwächen, vor denen die Augen nicht verschlossen werden dürfen.
So ist es nicht wirklich gelungen, bei dem Christentreffen in Ostdeutschland mit Kirchenfernen ins Gespräch zu kommen. Zwar hat es Angebote gegeben und Begegnungen mit den Einheimischen gehörten ganz selbstverständlich dazu.
Trotzdem sind die Kirchentagsbesucher zumeist unter sich geblieben. Die Nichtchristen haben allenfalls am Rande auf das Treiben der bunten Christenschar geblickt.
Ob das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, muss sich erst noch zeigen.
Natürlich ist das Protestantentreffen auch ein politischer Kirchentag gewesen. Von der Atomenergie bis zur Zuwanderung reichte die Themenpalette.
Es gab Resolutionen gegen ein ungebremstes Wirtschaftswachstum und die Abschiebung von Sinti und Roma sowie zahlreiche Veranstaltungen, in denen die Bürgerbeteiligung thematisiert wurde.
Manchem Kritiker ging das fast schon zu weit.
Weit schwerwiegender ist jedoch das Fehlen von konstruktivem Streit.
Das war durchaus einmal anders. Schließlich darf der Kirchentag nicht nur Zeitansage sein, er soll auch ein Störfaktor bleiben.
Diesen Beweis ist das Protestantentreffen trotz aller positiven Rückmeldungen schuldig geblieben.
Martin Hanusch
Bedenklicher Trend
2. Juni 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ausgerechnet zum Kirchentag haben atheistische Aktivisten wieder einmal Front gemacht. Mit einem Alternativangebot unter dem abgewandelten Kirchentagsmotto »… da wird auch dein Hirn sein« wollen sie in Dresden eine »religionslose Zone« einrichten. Verantwortlich dafür ist die Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung und die Gesellschaft zur Förderung von Aufklärung, Humanismus und Religionsfreiheit.
Nun könnten die Kirchentagstagbesucher diese bewusste Provokation mit einem Lächeln abtun.
Doch so einfach ist es – leider – nicht.
Forderungen nach einem Schutz vor der Religion sowie der Trennung von Staat und Kirche stoßen zunehmend auf offene Ohren. Selbst in den Parteien wird darüber diskutiert. Auch wenn es bislang nur Einzelstimmen sind, sollten die Kirchen das nicht unterschätzen. So sind religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden häufig Auslöser für Streit. Zudem gibt es auch Politiker, die die Staatsleistungen infrage stellen.
Die Kirchen merken, dass solche Tendenzen zunehmen. So hat jüngst der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad einen antikirchlichen Stimmungswandel in der Gesellschaft ausgemacht. Religionsfreiheit werde vor allem als Freiheit von Religion verstanden, anstatt die Chancen für die Gestaltung der Gesellschaft zu sehen.
Das ist in der Tat bedenklich. Schon deshalb dürfen sich die Kirchen nicht damit abfinden, wenn sie auf die Funktion als »Bundeswerteagentur« reduziert werden.
Ohnehin besitzen sie längst nicht mehr das Deutungsmonopol.
In Fragen der Bioethik oder der Friedensverantwortung befinden sie sich in einem Wettbewerb. Auch sollten sich die Kirchen davor hüten, lieb gewordene Besitzstände mit dem Verweis auf alte Rechtsansprüche zu verteidigen. Das wird auf Dauer nicht reichen.
Viel wichtiger ist es, mit inhaltlichen Angeboten zu überzeugen.
Der Kirchentag bleibt so eine Möglichkeit zu zeigen, dass der christliche Glaube nach wie vor etwas sehr Lebendiges ist.
Martin Hanusch
Glaubwürdig
27. Mai 2011 von redaktionguh
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Dass der größte Teil der Menschen in Ostdeutschland nicht an Gott glaubt, überrascht nicht. Nur 25 Prozent bejahen diese Frage des Meinungsforschungsinstituts Infratest innerhalb einer Befragung zu »Kirche und Glaube«, die der MDR im Blick auf den bevorstehenden Kirchentag in Dresden in Auftrag gegeben hatte. Umso bemerkenswerter erscheint der hohe Stellenwert, den auch hier christliche Werte genießen. Sie sind als »humanitäre Werte« in die Gesellschaft eingedrungen, wenn auch unter anderem Namen. Da heißt es anstelle »Nächstenliebe« zum Beispiel »Solidarität«, obwohl das nicht ganz dasselbe ist.
Auch nach der Wiedervereinigung ist das Interesse im Osten an Glauben oder gar Kirche nicht gestiegen. Und wer Meinungen im Internet verfolgt, dem weht sogar sehr kalter Wind entgegen. Da wird die Kirche als »privater Freizeitverein« bezeichnet oder gar als überflüssig erachtet.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt
Wird der Kirchentag in Dresden etwas ändern? Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt wünscht sich, dass in der stark säkularisierten Sachsen-Metropole spürbar werde, wie Christen fröhlich ihren Glauben feiern. Vielleicht ändert sich bei manchem das Bild von Kirche. Generell wird das jedoch nicht geschehen. Das kann man bedauern.
Besser wäre jedoch, wenn Christinnen und Christen nicht nur zum Kirchentag fröhlich ihren Glauben bezeugen und vor allem zeigen, welches feste Lebensfundament dahintersteht.
Die Zahlen von Infratest muss man zur Kenntnis nehmen, darf aber nicht in Larmoyanz verfallen. Es wird wichtig sein, dass die christlichen Werte, die anerkannt und auch von Nichtchristen angenommen werden, vor allem von der Kirche ausstrahlen und nicht von den Sorgen um Finanzen und Mitgliederschwund überschattet werden.
Nur eine glaubwürdige, der Nachfolge Jesu würdige Kirche wird in Zukunft geachtet und gehört werden.
Dietlind Steinhöfel






