»Unser Geschenk«

27. August 2018 von redaktionguh  
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Orgelbau: Weißenfels und Merseburg feiern den 200. Geburtstag von Friedrich Ladegast

Der Blick gen Empore fällt auf eine leere Wand. In der Laurentiuskirche in Weißenfels fehlt ein wichtiges Stück. Die Orgel ist nicht an ihrem Platz. Nichts, was den Ladegast-Verein bange macht. Ganz im Gegenteil.

»Das Instrument wird restauriert. Es ist unser Geschenk an seinen Schöpfer«, erzählt Gisela Bevier, die Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Vor zwei Jahren fasste man den Beschluss, der 149 Jahre alten Orgel eine Kur zu bescheren. Sie gilt als die älteste erhaltene, nach dem Kegelladensystem erbaute Orgel von Friedrich Ladegast (1818–1905).

Die Ladegast-Orgel in der Weißenfelser Marienkirche soll umfassend restauriert werden. Für die Gemeinde ist dies ein Mammut-Vorhaben, berichten Kai Schmidt vom Gemeindekirchenrat und Gisela Bevier, Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Foto: Constanze Matthes

Die Ladegast-Orgel in der Weißenfelser Marienkirche soll umfassend restauriert werden. Für die Gemeinde ist dies ein Mammut-Vorhaben, berichten Kai Schmidt vom Gemeindekirchenrat und Gisela Bevier, Vorsitzende des Ladegast-Vereins. Foto: Constanze Matthes

Über die Zeit nahezu im Original geblieben, habe ihr allerdings über die Jahre vor allem der Schmutz zugesetzt, sei eine Reinigung dringend notwendig gewesen, berichtet die Vereinsvorsitzende. Die Kosten in Höhe von 65 000 Euro stemmt zu einem großen Teil das Land Sachsen-Anhalt mit Mitteln aus dem Programm für Denkmalschutz. Der Rest von rund 10 000 Euro hat der Verein als Spenden gesammelt, zu Veranstaltungen wie Konzerten und Lesungen.

Mit dem Auftrag wurde das Leipziger Orgelbauunternehmen von Stefan Pilz betraut. Das Projekt begleiteten der Orgelsachverständige des Kirchenkreises Merseburg, Roland Hentzschel, sowie Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalschutz. Im Juni haben die Arbeiten begonnen, im Dezember sollen sie abgeschlossen sein, so ist der Plan. Und mittendrin feiert der Verein mit mehreren Veranstaltungen den 200. Geburtstag des Orgelbauers am 30. August.

Seit 2007 besteht der Verein mit Sitz in Weißenfels, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Laurentiuskirche samt Orgel und der dortigen Ladegast-Sammlung in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu bringen und für Kultur im Gotteshaus zu sorgen. Zudem engagieren sich die Mitglieder, um auf das Leben und Wirken Ladegasts aufmerksam zu machen sowie die wissenschaftliche Forschung zu fördern.

Dass der Verein in Weißenfels aus der Taufe gehoben wurde, kommt nicht von ungefähr. Geboren und aufgewachsen in Hochhermsdorf/Sachsen verband Friedrich Ladegast die Liebe zur Musik und das beim Vater erworbene handwerkliche Können miteinander. 1847 ließ er sich als Orgelbauer und Instrumentenmacher in Weißenfels nieder, wirkte dort mehrere Jahrzehnte und verstarb im Jahr 1905.

Von den rund 200 Orgeln, die Ladegast erbaut hat, sind eine Handvoll in der Saalestadt und ihren Ortsteilen zu finden. Weitere Orgeln baute der »Silbermann des 19. Jahrhunderts«, wie er auch genannt wird, für den Merseburger Dom, die Leipziger Nikolaikirche, die Schlosskirche zu Wittenberg, St. Jakob in Köthen, den Tallinner Dom oder die Altenburger Bartholomäikirche. Sein größtes Instrument erklingt in Schwerin.

In Weißenfels bedarf nicht nur die Orgel in der Laurentius-, sondern auch die in der Marienkirche am Markt einer Restaurierung. Für die Kirchengemeinde gilt dies als ein Mammut-Projekt mit Kosten in Höhe von schätzungsweise 454 000 Euro. »Das Instrument wurde in der Vergangenheit oft verbaut, so dass sich sein Zustand verschlechtert hat. Wir wollen es in den Original-Zustand zurückführen«, erzählt Kirchenältester Kai Schmidt.

Vor dem 150. Geburtstag des Instruments im Jahr 2014 wurde ein Förderverein ins Leben gerufen. Vor zwei Jahren widmete sich ein Kolloquium der Orgel. Der Bund will die Sanierung mit mehr als 76 000 Euro unterstützen.

Constanze Matthes

Termine
30. August, 15 Uhr: Führung in Weißenfels (Treff: Grünanlage am Ratssaal); 19 Uhr: Orgelfest im Merseburger Dom mit Heribert Metzger (Salzburg), Michael Schönheit (Merseburg), Denny Wilke (Mühlhausen) und Jan Ernst (Schwerin)
31. August, 15 Uhr: Kranzniederlegung auf dem Weißenfelser Friedhof, 17 Uhr: Konzert in der Kirche Wengelsdorf mit Katharina Dargel und Michael Schönheit

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Ein Choral ist immer dabei

5. August 2018 von redaktionguh  
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Der Glockenspieler von Halle: Maik Gruchenberg ließ sich zum Carilloneur ausbilden

Mehr als 500 Jahre ist der Rote Turm in Halle alt. Er gehört zu den Wahrzeichen der Saalestadt. Hinter den dicken Mauern befindet sich in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Seit den Händelfestspielen 1999 wird es hin und wieder manuell bespielt, teils namhafte Carilloneure wurden dazu eingeladen.

Seit Kurzem erklingt es jeden Sonnabend um 15 Uhr. Möglich wurde das, weil der Förderverein des Roten Turms ein Ausbildungsprogramm für Carilloneure auf den Weg gebracht hat. Sechs Interessenten ließen sich von Diplom-Carillioneur Wilhelm Ritter ausbilden.

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Unter ihnen sind auch Marktkantor Irénée Peyrot und Maik Gruchenberg. Letzterer hat auch eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, die er in Halle Anfang der 1990er-Jahre absolvierte. Er schloss noch ein Gesangsstudium an und ist seit 1999 Mitglied im Chor der Oper Halle. Zudem leitet er den Thüringer Männerchor »Ars Musica« in Suhl. Der Kirchenmusik ist er aber immer treu geblieben, ehrenamtlich. Er spielt fast jeden Sonntag zum Gottesdienst Orgel in einer Kirche im Kirchenkreis Halle-Saalkreis und leitet seit 2007 die Hallesche Kantorei, mit der er wöchentlich probt und meist drei große Konzerte im Jahr gibt. Auf das Vorhaben, in Halle eigene Carilloneure auszubilden, wurde Gruchenberg vor einem Jahr durch einen Zeitungsartikel aufmerksam. »Ich habe dann gleich Irénée Peyrot angerufen und ihn danach gefragt«, blickt Maik Gruchenberg zurück. Der Marktkirchenkantor verwies ihn an den Vorsitzenden des Fördervereins des Roten Turms, Gotthard Voß. Und schon bald ging es los: Mit fünf anderen Bewerbern begann er im Herbst eine Ausbildung zum Glockenspieler. »Es ist eine total interessante Erfahrung. Ich habe nicht gedacht, wie schwer das Glockenspiel oben auf dem Turm zu spielen ist, wie unterschiedlich die Glocken angeschlagen werden müssen«, erzählt Gruchenberg.

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Das Übungsinstrument dagegen sei leicht spielbar. Dort übt er die Technik und die Stücke. »Auf dem großen Glockenspiel kann man vor dem Auftritt alles nur einmal durchspielen, man kann ja die Leute auf dem Marktplatz nicht nerven«, sagt Gruchenberg und lacht.

Für ihn ist das Glockenspiel auch deswegen faszinierend, weil Glockenklang eine Signalwirkung hat, sei es zum Läuten für den Gottesdienst oder zum Feueralarm. Dass die Glocken aber zum Instrument werden, ist eher ungewöhnlich.

Der 46-jährige Hobby-Carilloneur, der verheiratet ist und drei Kinder hat, wird vier bis fünf Mal bis zum Oktober das wöchentliche kleine Carillon-Konzert bestreiten. »Ich für mich habe mir vorgenommen, auf alle Fälle immer auch einen Choral, eine kirchliche Melodie im Programm zu haben«, erklärt er. Auch ein Konzertstück und ein Volkslied sind fester Bestandteil seiner Auftritte. Die wöchentlichen Konzerte werden bis einschließlich 27. Oktober erklingen.

Claudia Crodel

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Geile Party

8. April 2018 von redaktionguh  
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Wenn neben­stehend Klaus-Rüdiger Mai die Frage stellt, ob der Kirche nun auch noch der Glaube ausgeht, dann scheint es geradezu so, als müsse man sich damit abfinden, dass er in der Gesellschaft gar nicht mehr vorkommt.

Der Titel ließ hoffen: »Das große MDR Osterfeuer« im Fernsehen. Angekündigt als »unvergessliches Osterfest«, einen ganzen Abend lang. Dabei ist den Verantwortlichen erstaunliches gelungen: In den vier Stunden aus der Glockenstadt Apolda wurde kein einziges Mal Bezug auf die Karwoche und das Osterfest genommen. Stattdessen hieß es, Ostern sei ein Fest der Familie und fände in einer Party seinen tieferen Sinn. Kabarettist Olaf Schubert erging sich in sinnlosen Deutungsversuchen von Osterbräuchen. Das Moderatoren-Duo palaverte sich durch den Abend. Inflationär sollte das Substantiv »geil« die Veranstaltung, die Stimmung und die Feiernden beschreiben.

Dabei hätte es Ansatzpunkte für die Wahrnehmung des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags gegeben. Unterhaltung und Inhalt müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Da wäre das Osterfeuer – die Osterkerze im XXL-Format – das Licht ins Dunkel bringt. Sicher hätten die Kinder vom Schulchor der Evangelischen Grundschule Erfurt auf der Bühne das Ostergeschehen erklären können. Doch nicht mal der Besuch im Apoldaer Glockenmuseum, geschweige denn das Konzert der »Rock-Legenden« in der Lutherkirche waren der Regie einen Hinweis auf die Osternächte oder die Gottesdienste und Taufen wert.

Chance vertan. Der Historiker Michael Wolffsohn schreibt in der Süddeutschen Zeitung: »Wer nicht einmal weiß, weswegen Christen Weihnachten, Ostern oder Pfingsten feiern, ist unfähig, mit Angehörigen anderer Religionen den überlebenswichtigen Dialog zu führen.«

Willi Wild

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Spielball der Mächtigen

19. Januar 2018 von redaktionguh  
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Das Jahr 1988 ist für Stephan Krawczyk ein denkwürdiges Jahr. Im Januar wurde der Liedermacher verhaftet, im Febuar in die Bundesrepublik abgeschoben.

Heute, mit der zeitlichen Distanz von 30 Jahren, ordnet er das Unrecht und Leid, das ihm in der DDR widerfahren ist, als eine Bereicherung ein. Es seien Erlebnisse, Erfahrungen, sagt er, über die er immer wieder aufgefordert werde zu berichten. Der Liedermacher Stephan Krawczyk, 1955 in Weida (Kirchenkreis Gera) geboren, war in der DDR ein erfolgreicher, beliebter Künstler. Nachdem er 1981 den Hauptpreis beim DDR-Chansonwettbewerb gewonnen hatte, stieg er in eine Künstlerriege auf, die viele Vorteile genoss. Der Künstler nutzte seine privilegierte Position, um auf die Probleme in der DDR aufmerksam zu machen.

Wegen seiner kritischen Texte wurde ihm die Zulassung als Berufsmusiker entzogen. Seine Heimat, die DDR, wo er sein Publikum hatte, wollte er jedoch nicht verlassen. Auftreten konnte der Künstler nur noch in Kirchen. Mit seinen Liedern wurde er Ende der 1980er-Jahre zu einer prominenten Persönlichkeit der DDR-Opposition.

1988 ist für ihn ein denkwürdiges Jahr. Am 17. Januar wurde er verhaftet, am 2. Februar in die Bundesrepublik abgeschoben.

»Vom DDR-Knast auf die Titelseite des Spiegels«, kommentiert er seine unfreiwillige Ankunft in der Bundesrepublik. Es sei für ihn persönlich und künstlerisch nicht leicht gewesen, sich zurechtzufinden. Gestört habe ihn, dass dem Geld eine so große Bedeutung beigemessen wurde, während in der DDR die Frage nach einem sinnerfüllten Leben wichtiger gewesen sei.

Protestveranstaltung in der Ost-Berliner Zionskirche im November 1987. Im Anschluss daran gibt Stephan Krawczyk ein Konzert. Foto: epd-bild

Protestveranstaltung in der Ost-Berliner Zionskirche im November 1987. Im Anschluss daran gibt Stephan Krawczyk ein Konzert. Foto: epd-bild

Die Rolle der Kirche in der DDR sieht der Künstler heute kritisch. Als Symbolfigur des Widerstands gegen die Diktatur sei er damals als Spielball benutzt worden. »Es muss geklärt werden, was damals gewesen ist, welche Absprachen es zwischen Staat und Kirche gegeben hat.« Denn solange die Geschehnisse aus der Vergangenheit »nicht aufgeklärt werden«, kämen sie aller fünf oder zehn Jahre, jedes Mal, wenn ein Jubiläum ansteht, wieder hoch. Er ist mit der Aufarbeitung der kirchlichen Vergangenheit sehr unzufrieden.

Das Verhältnis der Kirche zum Staat in der DDR sei bis heute nicht geklärt worden. Es habe Ungereimtheiten gegeben, die aus seiner Sicht nach der Wende zu schnell bereinigt worden seien. Wie er sagt, gibt es noch vieles, über das bislang nicht gesprochen wurde. »Das ist eine Botschaft an die Oberen.« Krawczyk war froh und dankbar, dass er trotz seines Berufsverbots in Kirchen auftreten durfte und hier ein Forum und dankbares Publikum fand. »Kirche ist für mich ein Ort, an dem über die wesentlichen Dinge im Leben der Menschen gesprochen werden sollte. »Aber es wird heute immer so dargestellt, als hätten uns alle mit offenen Armen empfangen.« Es seien nur wenige gewesen, die ihm die Kirchentüren öffneten. »Die Kirche wird so hingestellt, als hätte sie auf der Seite der Revolution gestanden. Davon war bei vielen nichts zu spüren, die waren angepasst wie alle anderen.«

Krawczyk hat es geschafft, sich nach der Wende als Liedermacher und Schriftsteller zu etablieren. Von ihm sind etliche Bücher und CDs auf dem Markt. Nach wie vor begleitet er die gesellschaftliche Situation kritisch und ärgert sich über manche Entwicklungen wie zum Beispiel die Digitalisierung, die sich negativ auf die Sprache auswirke.

Im März erscheint von ihm eine neue CD. Einen Gedichtband hat er soeben abgeschlossen, für den er noch einen Verlag sucht. Außerdem liegen einige Manuskripte in der Schublade und warten auf ihre Veröffentlichung.

Sabine Kuschel

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Vorerst kein Nachfolger in Sicht

24. Juli 2017 von redaktionguh  
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Traditionspflege: Zum 26. Mal verantwortet Gottfried Preller den Thüringer Orgelsommer

Jetzt, in der zweiten Julihälfte, muss der Thüringer Orgelsommer ohne Gottfried Preller auskommen. Urlaub. Das muss sein, nach Monaten der Vorbereitung und bereits zwei Wochen Konzertbetrieb mit Gastspielen kreuz und quer im Freistaat. Eine Auszeit mitten im Dauertrubel, die zuvor beim Durchhalten eine schöne Aussicht bot. Denn der 69-Jährige ist noch immer das, was er gar nicht mehr sein wollte: für alles hauptverantwortlich. Er ist der künstlerische und organisatorische Leiter der landesweiten Konzertreihe, die kurz nach der Wende aus dem von ihm initiierten Arnstädter Orgelsommer hervorging. Und er ist der Präsident des Trägervereins, des Thüringer Orgelsommer e.V.

Natürlich gibt es Helfer. Sehr viele sogar in den Juliwochen, die Sorge tragen für das Gelingen der Veranstaltungen. Die Karten verkaufen, Programme verteilen, hinterher auch wieder aufräumen. In diesem Jahr sind sie bei 55 Konzerten im Einsatz, was einen Spitzenwert darstellt. Die hohe Zahl lässt sich leicht erklären: In mehreren Kirchen wurden jüngst Restaurierungsprojekte abgeschlossen, hier sollten die Orgeln unbedingt wieder in Konzerten zu hören sein. Das ist schließlich das Anliegen der Reihe. Sie will aufmerksam machen auf die kostbaren, teils jahrhundertealten Instrumente überall im Land – auf ihre Klangschönheit oder ihren Jammerzustand.

Gottfried Preller mit dem Programmheft der Konzertreihe. Foto: Susann Winkel

Gottfried Preller mit dem Programmheft der Konzertreihe. Foto: Susann Winkel

Die zahlreichen Mitstreiter und die akribische Aufgabenverteilung und Planung der vergangenen Monate erlauben es, dass Gottfried Preller und seine Frau Annette doch wegfahren können. Obwohl sich noch immer kein Nachfolger gefunden hat. Zumindest keiner, der leidenschaftlich – oder verrückt – genug ist, die Leitung des Thüringer Orgelsommers in jenem ehrenamtlich-unbezahlten Umfang zu übernehmen, wie ihn Gottfried Preller seit einem Vierteljahrhundert stemmt. Dabei wollte der frühere Kirchenmusikdirektor, Bachkirchen-Kantor und Orgelsachverständige nach dem Jubiläumssommer 2016 eigentlich auch als Privatmann seinen Ruhestand beginnen. Nicht zuletzt, weil es die Rücksicht auf seine Gesundheit fordert.

Doch das Loslassen von Verantwortung muss vorerst verschoben werden. Der 69-Jährige kümmert sich weiter, so, wie er es seit 26 Jahren tut. Das ist vorübergehend eine Lösung und zugleich Teil des Dilemmas. »Ich dominiere den Laden«, sagt er mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Selbstkritik. Immerhin gäbe es »den Laden« ohne ihn ja auch nicht und keiner kennt sich darin so gut aus wie Gottfried Preller. An die 2 000 Konzerte gab es schon im Thüringer Orgelsommer, deshalb weiß er, wo in der Rhön besonders viele Zuhörer kommen und in welcher Dorfkirche die Logistik knifflig zu lösen ist. Gibt es ein Problem, dann weiß er, wie es anzupacken ist, ohne großes Gerede.

Die Konzertreihe, ist sich Gottfried Preller sicher, kann auch künftig nur von einer Führungsperson geleitet werden. Einer muss das Sagen haben und die Verantwortung, aber er muss auch delegieren können – an weitere Ehrenamtliche. Anders als etwa die Thüringer Bachwochen hat der Thüringer Orgelsommer kein Budget, das es erlauben würde, für die Organisation, das Einwerben von Mitteln oder die Bewerbung der Reihe Mitarbeiter einzustellen. Was bei um die fünfzig Konzerten pro Jahrgang eigentlich vonnöten wäre. Es ist eben ein wirklich großer »Laden«, den Gottfried Preller da führt, mit viel Liebe und auch Selbstaufopferung, wie er sagt. Der Abschied in den Ruhestand ist jedenfalls erst einmal vertagt.

Susann Winkel

Noch bis zum 30. Juli präsentiert der Thüringer Orgelsommer Konzerte in Kirchen sowie open air.
www.orgelsommer.de

»Wir kommen mit Musik«

15. März 2016 von redaktionguh  
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Initiativen in Kamsdorf und Saalfeld bieten neue Integrationsmöglichkeiten für Flüchtlinge

Orientalische Klänge auf der Oud verweben sich mit europäischer Musik. Junge Leute der Saalfelder Musikschule spielen gemeinsam mit Abdallah Ghbash das von ihm komponierte Lied »For Syrian Children« für Oud und Zupfinstrumente. Astrid Pautzke vom Kunstraum Kamsdorf nennt dies: »Eine Brücke zwischen Orient und Okzident.« Grit und Sven Einsiedel, Astrid Pautzke sowie Jana und Fritz Bauer, die das Zupfinstrumenten-Ensemble »Querdas Saltandas« der Musikschule Saalfeld leiten, organisierten dieses gemeinsame Konzert mit Abdallah Ghbash.

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Dem grausamen Spruch der IS-Terrormiliz »We’re coming to slaughter you (Wir kommen, um euch zu schlachten)« möchte Abdallah Ghbash sein Motto gegenüberstellen: »We’re coming with the music (Wir kommen mit der Musik)«. Mit Musik und Kunst möchte der begabte Musiker für Menschlichkeit und Völkerverständigung werben. Seine Lieder erzählen vom Streben der syrischen Menschen nach Freiheit, von der Situation der Flüchtlinge in türkischen Auffanglagern und vom Leid auf dem Weg über das Meer nach Griechenland.

Sechs Jahre studierte Abdallah Ghbash in Syrien Musik und die Oud, eine orientalische Kurzhalslaute. Wegen massiven politischen Drucks auf seine musikalische Arbeit durch den syrischen Sicherheitsapparat musste der Musiker 2011 Aleppo, seine Heimatstadt, verlassen. Während seines Exils entstanden zwei Alben, eingespielt in Jordanien und in Istanbul. Im Herbst letzten Jahres wurde seine Aufenthaltserlaubnis für die Türkei nicht verlängert. Deshalb nahm der 28-Jährige die beschwerliche Flucht über den Balkan bis nach Deutschland in Kauf und kam schließlich nach Saalfeld. Der eher unpolitische syrische Musiker wünscht sich für die Menschen in seiner Heimat und für den gesamten arabischen Raum ein Ende der Kriegshandlungen und einen friedlichen Wiederaufbau. Persönlich erhofft sich der Musiker, weiter studieren und endlich seine Ideen umsetzen zu können, was ihm in Syrien verwehrt blieb. »Mir liegt es sehr am Herzen, mit der Musik deutsche und geflohene Musiker, Deutsche und Flüchtlinge auf der Ebene von Mensch zu Mensch zusammenzubringen.« Den Menschen, die gegen die Kriegsflüchtlinge in Deutschland demonstrieren, möchte er die Botschaft mitgeben: »Demonstriert nicht gegen die Flüchtlinge, demonstriert gegen den Krieg, vor dem die Menschen fliehen müssen.«

»Musik und Kunst bilden bei der Integration eine Einheit«, meint Astrid Pautzke. »Viele Flüchtlinge bringen allein nur ihr künstlerisches Können mit nach Deutschland.« Seit Sommer 2015 bietet sie mit ihrem kreativen Projekt OASE im Kunstraum Kamsdorf eine Kunstwerkstatt an. »Es ist bereichernd, wenn man diese Menschen kennenlernen kann. Es ergeben sich beim gemeinsamen Arbeiten und Erzählen viele persönliche Kontakte.« Erste Arbeiten dieses Kunstprojektes von Flüchtlingen und Deutschen wurden in einer Ausstellung Ende November letzten Jahres gezeigt.

Wolfgang Hesse

www.kunstraum-kamsdorf.de

Mit neuem Glockenaccord

20. Januar 2015 von redaktionguh  
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Festjahr für Orgelbauer Johann Stephan Schmaltz in Wandersleben und Kornhochheim

Aus Anlass des 300. Geburtstages von Johann Stephan Schmaltz organisieren die Kirchengemeinden Wandersleben und Kornhochheim (Kirchenkreis Gotha) ein Festjahr. Dazu gehört die Veröffentlichung einer 50-seitigen Publikation, die erstmals umfassend auf das Leben und Werk des Orgelbauers eingeht. Sie wird am 21. Januar im Pfarrhof Wandersleben von ihrem Autor, Pfarrer Bernd Kramer, vorgestellt. Seine Forschungen konnten das bisherige Werkverzeichnis des Orgelbauers erheblich vergrößern.

Die wahrscheinlich einzige und ohne größere Umbauten erhaltene Orgel von Schmaltz befindet sich in der Kornhochheimer St.-Nikolaus-Kirche. Anfang der 1990er Jahre restauriert, soll sie im Jubiläumsjahr wieder den einstmals vorhandenen »Glockenaccord« erhalten. Dafür startet die Kirchengemeinde Kornhochheim eine Spendenaktion und veranstaltet Benefizkonzerte.

Die einzige original erhaltene Orgel von Johann Stephan Schmaltz wurde vor 270 Jahren in Kornhochheim erbaut. Foto: Jürgen Postel

Die einzige original erhaltene Orgel von Johann Stephan Schmaltz wurde vor 270 Jahren in Kornhochheim erbaut. Foto: Jürgen Postel

Johann Stephan Schmaltz wurde am 23. September 1715 in Wandersleben geboren. Seine Lehre absolvierte er bei dem Gothaer Orgelbauer Johann Christoph Thielemann, dessen Werkstatt von 1737 bis 1739 die Orgel in der Kirche zu Wölfis schuf. Dabei wird in der Kirchrechnung aufgeführt: »Dem Orgelmacher Gesell Schmaltz zum Trinkgeld, da die neue Orgel fertig den 14.8.1739: 2 Taler, 6 Groschen.«

Es ist die älteste bekannte Erwähnung seines Schaffens im Orgelmacherhandwerk. Wenig später muss er sich selbstständig gemacht haben, denn schon 1740 baute er in Hochdorf, 1741 in Blankenhain und 1742 in Krakendorf in eigener Verantwortung Instrumente. Im Folgejahr übernahm Schmaltz den Umbau der Sülzenbrückener Orgel und 1745 errichtete er in der Kornhochheimer St.-Nikolaus-Kirche ein neues Orgelwerk mit neun Registern.

Im ersten Jahrzehnt seines Schaffens hatte Johann Stephan Schmaltz seine Werkstatt in seinem Geburtsort und unterschrieb in dieser Zeit die Verträge mit dem Hinweis »Orgelmacher von Wandersleben«.

Im Jahr 1751 erwarb er das Bürgerrecht von Arnstadt und erhielt nachfolgend den Titel »Fürstlich Schwarzburgischer Privilegierter Orgelmacher«. In den Rechtszettelbüchern der Stadt Arnstadt findet sich ein Hinweis auf seinen Wohnsitz im Riedviertel im »Haus unter dem Berge«.

Er war dreimal verheiratet. Sein Sohn aus zweiter Ehe Johann Wilhelm Gottlob Schmaltz und sein Stiefsohn Ludwig Wilhelm Hähner erlernten bei ihm das Handwerk des Orgelmachers. Hähner führte die Orgelbautradition in Arnstadt bis ins beginnende 19. Jahrhundert fort.

Das Wirken von J. S. Schmaltz im mittelthüringischen Raum hat die Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts sehr bereichert. Er starb am 28. April 1784 mit dem Titel Hoforgelmacher in Arnstadt. Ihm zu Ehren wird am 27. September am Wanderslebener Pfarrhaus eine Gedenktafel angebracht.

(BK/mkz)

21. Januar, 20 Uhr, Pfarrhof Wandersleben: Vortrag und Präsentation der Festschrift; 8. Mai, Kirche Kornhochheim: Benefizkonzert des Neudietendorfer Gesangvereins; 5. Juli, 16 Uhr, Kirche Kornhochheim: Orgelfest und Konzert im Rahmen des Thüringer Orgelsommers

Bestellungen der Festschrift (5 Euro plus Versandkosten): Evangelisches Pfarramt, Kirchgasse 4, 99192 Apfelstädt, Telefon (03 62 02) 9 05 95, E-Mail <ev.pfarramt.apfelstaedt@gmx.de>

Gut bestückter Gabentisch

27. Februar 2013 von redaktionguh  
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Franckesche Stiftungen erinnern an den 350. Geburtstag ihres Gründers

Die Franckeschen Stiftungen in Halle erinnern in diesem Jahr an den 350. Geburtstag ihres Gründers August Hermann Francke (1663–1727). Am 19. Februar stellten sie das Festprogramm vor. Zum Geburtstagswochenende vom 22. bis 24. März wird auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet. Er wird in der Festveranstaltung am 23. März den Festvortrag halten, bevor die Jubiläumsausstellung »Die Welt verändern. August Hermann Francke – Ein Lebenswerk um 1700« eröffnet wird.

Geburtstagsgabe: Der Religionswissenschaftler Helmut Obst hat eine Francke-Biografie geschrieben. Darin zeichnet er auch ein lebendiges Bild der Stiftungsgeschichte.

Geburtstagsgabe: Der Religionswissenschaftler Helmut Obst hat eine Francke-Biografie geschrieben. Darin zeichnet er auch ein lebendiges Bild der Stiftungsgeschichte.

Bereits am 22. März gibt es den Geburtstagsabend, an dem der Rektor der Universität Halle, Udo Sträter, fragt: »Auf dem Weg zum Denkmal? August Hermann Francke in frühen und in späten Jahren.« Am 24. März überträgt der Mitteldeutsche Rundfunk einen Fernseh-Gottesdienst aus der Marktkirche. Der ehemalige Direktor der Stiftungen, der Theologe und Religionswissenschaftler Helmut Obst, wird predigen. Die musikalische Ausgestaltung übernehmen der Musikzweig des Gymnasiums »Latina August Hermann Francke« und der Stadtsingechor zu Halle. Neben der bis 21. Juli geöffneten Jubiläumsschau wird es zahlreiche kleinere Ausstellungen außerhalb von Halle geben, die sich auf Francke beziehen – etwa zum 300-jährigen Thronjubiläum des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Die Schau wird am 3. März im Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau eröffnet und bis 30. September gezeigt. Das Schloss Friedenstein Gotha widmet sich vom 28. April bis 4. August der Entwicklung der Bildung. Das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig beschäftigt sich vom 5. Mai bis 1. Juni mit den Spuren Franckes in der Universitätsstadt.

Auf wissenschaftlichen Konferenzen stehen im Spätsommer und Herbst Fragen zum Pietismus, aber auch zur Schulgartenbewegung auf dem Programm. Ein internationaler Workshop wird sich mit dem Weg der Einrichtung zum UNESCO-Welterbe beschäftigen. Die Franckeschen Stiftungen hoffen auf eine Aufnahmebescheid 2016. Letzter Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist am 26. November die Eröffnung der neuen Dauerausstellung »Weltveränderung durch Menschenveränderung«.
(mkz)

Tipp: Konzert und CD-Vorstellung »Praise the Lord – Luthers Lieder auf dem Weg in die Welt« am 23. Februar (19.30 Uhr) im Freylinghausensaal. Interpreten sind der Stadtsingechor zu Halle und die »Lautten Compagney Berlin«.

www.francke-halle.de