Denk mal!

13. November 2016 von redaktionguh  
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Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.«

So beschreibt die Internet-Enzyklopädie Wikipedia Sinn und Inhalt dieses Tages, den wir an diesem Sonntag begehen. Die unzähligen Toten zweier Weltkriege, an die auf vielen Denkmälern und Gedenktafeln im Lande auf Dorfplätzen, Friedhöfen und auch in Kirchen erinnert wird, sollen uns wahrlich eine Mahnung sein. Wie oft finden sich darauf Namensreihen von Geschwistern, nicht selten sogar von Vätern und Söhnen. Die gelegentliche Polemik gegen die »Kriegerdenkmäler« übersieht allzu schnell die Notwendigkeit solchen Erinnerns wie auch das legitime Bedürfnis nach dem würdigen Gedenken an die eigenen Familienangehörigen. Nichts gegen Denkmäler, solange sie uns zum Nachdenken herausfordern.

Problematisch wird es, wenn solche Denkmäler erneut zum Platz fragwürdiger Verherrlichung der Vergangenheit werden. Oder wenn ohne viel Überlegung in diesem Zusammenhang wieder vom »Ehrenmal« gesprochen wird. Nicht nur bei irgendwelchen rechten Gruppierungen, sondern beispielsweise auch im Veranstaltungsplan einer Kirchengemeinde in der Region Gera. Was, bitteschön, war ehrenvoll am Verrecken im Grabenkrieg vor Verdun, im Giftgasnebel vor Ypern? Was war ehrenvoll am Sturm der Wehrmacht durch Polen, Frankreich, Griechenland oder der Sowjetunion? Dabei braucht man noch nicht einmal nur an die Massaker zu denken, die, wie wir wissen, nicht nur von SS- und Polizeieinheiten in den besetzten Gebieten begangen wurden.

Deshalb: Ja zum Gedenken, nein zur Verehrung.

Harald Krille