In Rom auf Augenhöhe

23. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Wir fahr’n gemeinsam mit Luther zum Papst«, hieß es in einem der Lieder im Pilgerheft der ökumenischen Pilgerreise: 1 000 Pilgernde – gemeinsam beim Papst, gemeinsam mit Luther.

Dieser Luther – eine der vom Künstler Ottmar Hörl gestalteten Figuren – stand während der Audienz zwar einige Meter weit weg von Franziskus auf einem Tisch, dank des exponierten Ortes aber auf Augenhöhe mit dem Pontifex.

Anders als Luther auf seiner Romreise im Jahr 1510 – damals war der spätere Reformator »nur« einfacher Augustinermönch – waren die Pilgernden aus dem Kernland der Reformation auch nicht schweigend unterwegs, ganz im Gegenteil.

Anders als Luther bekamen sie ihre Audienz und konnten dem Papst ihre über 500 Thesen zur Ökumene, zum Umgang mit der Schöpfung und zum Dialog mit anderen Religionen überreichen.

Und anders als Luther durften sie Fragen stellen: Was können Christen tun gegen den Hass gegenüber Geflüchteten? Was können sie tun, damit die ersehnte Abendmahlsgemeinschaft Wirklichkeit wird?

Wer vom Papst nun ein klares Statement zum Abendmahl erwartet hatte, wurde enttäuscht. Diese Frage umschiffte Franziskus. Die anderen Antworten waren wenig überraschend, aber dennoch bemerkenswert. Heuchler seien die, die sich Christ nennen und gegen Geflüchtete seien, maßregelte er Pegida und Co., die Verteidiger des christlichen Abendlandes.

Am Ende frage niemand nach evangelisch oder katholisch, sondern dann gehe es um die Taten. Um Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit. Um Engagement für Flüchtlinge, Arme und alle Benachteiligten. An diesem Punkt sind dann wirklich alle gemeinsam unterwegs.

Thorsten Keßler