Welches Lied singen wir heute?

21. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Singt dem Herrn ein neues Lied,  denn er tut Wunder.
Psalm 98, Vers 1

Kantate 2011 – welchen Text sollte das neue Lied haben, das die Kirche in unserem mitteldeutschen Raum singt? Ist es ein österliches Halleluja, ein großes Gloria? So gern ich das anstimmen und gleich das Loblied auf alle Sänger und Chöre nachschicken würde, ist das wirklich dran?

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Mein Lied an diesem Wochenende heißt: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich! Ich erfahre: Tagtäglich kehren Menschen unserer Kirche den Rücken. Kinder christlicher Eltern werden nicht getauft, getaufte Jugendliche werden nicht konfirmiert. Das sind nur die Symptome dafür, dass es unserer Verkündigung und unserem Dienst trotz guten Willens an Prägekraft und Relevanz mangelt. Wo gewinnen wir beides?

Kyrie eleison!

Ich nehme heute eine tiefe Verunsicherung wahr im Blick auf unser Bekenntnis. »Ist der Tod Jesu heilsnotwendig?«, fragen manche irritiert. »Wie kann ein liebender Vater von seinem Sohn ein solches Opfer verlangen? Und was ist das mit der Auferstehung?« Sind der Besuch der Ostergottesdienste und die vielen verschlossenen Kirchen am Ostermontag für uns eine Problemanzeige?

Christe eleison!

Und ich erlebe eine ungeheure Gleichgültigkeit gegenüber der Verkündigung unseres Glaubens. Sie reicht hinein bis in die Familien der sogenannten Kerngemeinde, bis in die Familien von Mitarbeitern im Verkündigungsdienst, sie ist bei so manchem Menschen zu finden, der in unserer Kirche angestellt ist. Das schmerzt.

Kyrie eleison!

Dagegen hilft kein Aktionismus, da hilft auch keine Kampagne. Sind wir mit unserem Latein am Ende? Und – mal ehrlich – erwarten wir noch Wunder? Kann es vielleicht sein, dass unser Herr darauf wartet, dass wir unsere Ratlosigkeit bekennen und ihn, der ja selbst Weg, Wahrheit und Leben ist, um sein Erbarmen bitten?

Ich glaube, es ist an der Zeit! Und dann sollte unser Lied eine lange Pause machen und ihm darin den Raum lassen für seine Wunder!

Sebastian Kircheis