Jugend verschaffte sich Gehör

8. Mai 2017 von redaktionguh  
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EKM-Kirchenparlament tagte in Lutherstadt Wittenberg

Der kirchliche Nachwuchs dominierte mit Themen und Eingaben die Frühjahrstagung der Landessy­node der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Das mündete am Ende in einen Beschluss zum Aufbau einer Jugendsynode. Dafür wird eine Vorbereitungsgruppe aus Synodalen, Mitgliedern des Landesjugendkonventes sowie dem Kinder- und Jugendpfarr­amt gebildet. An der Jugendsynode sollen bis zu 80 junge Menschen bis einschließlich 27 Jahre teilnehmen und ihre Perspektive auf Gegenwart und Zukunft der Kirche einbringen.

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke. Foto: Willi Wild

Mit ihrem Vorstoß, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter dem Begriff Trauung einer kirchlichen Ehe-Segnung gleichzustellen, konnten die Jugendlichen allerdings nicht landen. Die Einbringung wurde von der Synode abgelehnt und das Thema vertagt. Dem ging eine heftige emotionale Debatte voraus.

»Mit großem Respekt« würdigte die Landessynode das Engagement der Ehren- und Hauptamtlichen in Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Vorbereitung des 500. Reformationsjubiläums in diesem Jahr. Man sei »dankbar, dass das Jubiläum als gesamtgesellschaftliches Ereignis wahrgenommen wird«.

Landesbischöfin Ilse Junkermann bekräftigte in ihrem Bericht die Einladung zu den »Kirchentagen auf dem Weg« und dem Festwochenende in Wittenberg Ende Mai.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage nach der Einrichtung einer halben landeskirchlichen Stelle für das Arbeitsfeld Kindergottesdienst. Der Ausschuss Kinder, Jugend und Bildung hatte angeregt, dass »eine fundierte und qualitativ hochwertige Arbeit« mit Kindern auch finanzielle und personelle Ressourcen brauche. Mit Blick auf »erhebliche finanzielle Kürzungen im Jahr 2019, an denen viele landeskirchliche Stellen hängen«, sei die Einrichtung einer solchen Stelle »unsolidarisch«, hielten mehrere der Synodalen dagegen. Andere gaben zu bedenken, dass in der Arbeit mit dem Nachwuchs die Zukunft der Gemeinden liege und es kein gutes Licht auf die Kirche werfe, wenn in diesen Bereich zu wenig investiert werden solle.

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Die EKM setzt künftig auf E-Mobilität. Das haben die Synodalen mehrheitlich entschieden. Mit der Umstellung auf eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung im Straßenverkehr solle auch die Attraktivität des Pfarrdienstes in den ländlichen Räumen erhöht werden, hieß es zur Begründung. Es werde nun geprüft, ob der Überschuss an Ökostrom der EKM-eigenen Windkraftanlagen für die Ladestationen der Elektrofahrzeuge genutzt werden könne. 2018 werde ein Zwischenstand mit ersten Erfahrungen in puncto E-Mobilität bekannt gegeben. Die Herbstsynode ist für den 22. bis 25. November in Erfurt geplant.

Willi Wild/epd

»Die Melodie muss sich im Ohr festsetzen«

21. März 2017 von redaktionguh  
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Festgottesdienst in Wittenberg mit preisgekrönten Liedern eines europäischen Wettbewerbs

Bei einem Festgottesdienst der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zum 500. Reformationsjubiläum werden am Sonntag, 19. März, in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg erstmals fünf neue Lieder vorgestellt und gesungen. Ausgewählt wurden sie bei einem 2015 ausgeschriebenen »Europäischen Reformationsliederwettbewerb«. Die Predigt hält Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Bei der ersten Ausschreibungsrunde bestand die Aufgabe darin, einen neuen Text zu einer klassischen lutherischen, reformierten oder methodistischen Melodie zu verfassen bzw. eine Vorlage für eine spätere Vertonung zu liefern. Hierfür wurden Beiträge aus sieben Ländern eingereicht, von denen die international besetzte Jury fünf Liedtexte für eine Neuvertonung auswählte. Je ein deutscher, norwegischer, dänischer und zwei ungarische Texte gelangten so in die zweite Wettbewerbsrunde. Sie wurden dazu auch jeweils ins Englische übersetzt, um eine internationale Beteiligung zu ermöglichen. Die musikalische Gestaltung sollte in zwei Kategorien erfolgen: »traditionell« und »modern«.

»Uns war wichtig, dass das Lied auch von der Gemeinde gut singbar ist«, erläutert Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters in Hildesheim und Liturgiebeauftragter der GEKE, die Überlegungen der Jury. »Die Melodie muss sich im Ohr festsetzen und darf nicht zu komplex sein. Außerdem sollte sie von Orgel oder Keyboard, gegebenenfalls auch Gitarre, gut begleitet werden können.« Mitglieder des Gremiums waren neben ihm die Studienleiterin für kirchenmusikalische Fort- und Weiterbildung in Berlin, Kirchenmusikdirektorin Dr. Britta Martini, und der dänische Kirchenmusiker Peter Steinvig (Methodistische Kirche).

Elvira Mahler. Foto: privat

Elvira Mahler. Foto: privat

Unter den erfolgreichen Autoren befindet sich eine Teilnehmerin aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland: Elvira Mahler (55) aus Zeitz, von der gleich zwei Beiträge ausgewählt wurden: ein Tauflied und der Song »Ich suche meinen Weg«. Die ursprünglich in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) tätige Veterinäringenieurin und jetzige Gemeindepädagogin ist seit 1994 im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz tätig und unterrichtet Evangelische Religion an acht Schulen. »Ich habe schon als Kind viel gelesen, aber auch selbst sehr gern gereimt oder kleine Geschichten geschrieben. Bis zu meinem Gemeindepädagogikstudium 1996 war mein Talent mehr oder weniger verschüttet«, berichtet sie im Gespräch mit der Kirchenzeitung. »Mein Dienst in Gemeinde und Schule inspirierte mich wieder zum Schreiben.«

Oft erweise sich ein konkreter Anlass als Auslöser. So auch bei der Entstehung ihres Taufliedes. »Gute Freunde baten mich und meinen kleinen Gospelchor, die musikalische Umrahmung der Taufe ihres kleinen Sohnes zu übernehmen. Das junge Paar hatte viele Jahre auf Nachwuchs gewartet und beinahe die Hoffnung aufgegeben, jemals Eltern zu werden. Nun hatte sich ihr lang ersehnter Kinderwunsch erfüllt. Ein kleiner Junge erblickte das Licht der Welt. Welch ein Glück und eine große Freude. Und eben diese Freude und eine tiefe Dankbarkeit erfüllten die Herzen der jungen Eltern und nach einem Gespräch mit ihnen auch mich.«

Insgesamt haben sich 100 Musiker, Dichter und Songwriter beiderlei Geschlechts mit etwa 120 Einsendungen am Wettbewerb beteiligt. Ziel der Ausschreibung sei es gewesen, Anliegen der Reformation und des Protestantismus einer breiteren kirchlichen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, betont Jochen Arnold. Über den Weg der Musik ginge das besonders gut, denn »gerade um auch junge Menschen zu erreichen, ist das ein absoluter Schlüsselfaktor. Musik erreicht die Herzen, wie vor 500 Jahren, so auch heute.«

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 94 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammengeschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander seit 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

Michael von Hintzenstern

19. März, 10 Uhr, Stadtkirche Wittenberg: Festgottesdienst der GEKE, anschließend Empfang im Alten Rathaus, Markt 26

Vom Faden bis zum Versand

8. März 2017 von redaktionguh  
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Landesbischöfin zu Gast bei Bauerfeind in Zeulenroda

Alles wird hier in Zeulenroda produziert? Und geht von hier aus bis nach Dubai oder noch weiter?« Landesbischöfin Ilse Junkermann war sichtlich beeindruckt bei der Besichtigung der Produktionshallen des Logistikzentrums der Bauerfeind AG in Zeulenroda. Hergestellt werden hier Bandagen, Orthesen, medizinische Kompressionsstrümpfe und orthopädische Einlagen. Und beim Anblick des überdimensional großen Konterfeis von Dirk Nowitzki in der Eingangshalle meinte Ilse Junkermann respektvoll: »Dass Sie den gewonnen haben!« Der berühmte Basketballer ist Botschafter der Marke Bauerfeind. Immerhin belieferte das Unternehmen bereits die Sportler offiziell zu Olympia und zur Fußball-WM mit seinen Produkten.

Landesbischöfin Ilse Junkermann, hier mit Inhaber Hans B. Bauerfeind und Ehefrau Marion, nahm beim Firmenrundgang  »die Beine in die Hand«. Foto: Simone Zeh

Landesbischöfin Ilse Junkermann, hier mit Inhaber Hans B. Bauerfeind und Ehefrau Marion, nahm beim Firmenrundgang »die Beine in die Hand«. Foto: Simone Zeh

Der Betrieb hat Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern, aber nur für den Vertrieb. »Produziert wird alles, vom Garn bis zum fertigen Produkt, hier in Zeulenroda«, erklärte Dörte Heyn, Mitarbeiterin von Bauerfeind, die eine Delegation am vergangenen Freitag durchs Werk führte. Zeulenroda war eine der Stationen bei der Rundreise von Ilse Junkermann durch die Propstei Gera-Weimar.

Dabei war auch Holger Lemme vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der EKM, der den Besuch der Landesbischöfin bei Bauerfeind mit organisiert hatte. Die Arbeitswelt zu sehen und wahrzunehmen, mit Menschen zu reden, das sei Ilse Junkermann wichtig gewesen. Warum man Bauerfeind gewählt habe? »Es sollte ein Betrieb in der Region sein. Bauerfeind ist ein Familienbetrieb, der die Region stärkt, weil sich in Zeulenroda der Hauptsitz befindet.« Zudem sei Inhaber Hans B. Bauerfeind sozial engagiert und in der Kirchgemeinde der Dreieinigkeitskirche aktiv. Die Kirchensanierung vor einigen Jahren hatte er unterstützt. »Er engagiert sich auch für die Kinder- und Jugendarbeit«, so Pfarrer Michael Behr.

Als besondere Ehre bewertete Hans B. Bauerfeind den Besuch der Landesbischöfin. »Ich habe mich gefreut, vor allem dass Sie im Reformationsjahr zu uns kommen«, sagte er zu ihr. Der heutige Geschäftsführer kann sich noch an seine Kindheit in Zeulenroda erinnern. Die Familie war 1949 nach Darmstadt geflüchtet, der Vater gründete dort Bauerfeind neu. In der DDR folgte die Enteignung des 1929 gegründeten Betriebes. Zuletzt in Kempen tätig, kehrte Hans B. Bauerfeind im Jahr 1991 nach Zeulenroda zurück. Es folgten der Bau einer neuen Produktionshalle, eine zweite kam später genauso hinzu wie ein modernes Logistikzentrum und der markante, weithin sichtbare Turm, der der Verwaltung dient. Das Bio-Seehotel in Zeulenroda gesellte sich dazu. 2014 wurde dann die Familienstiftung gegründet. Bis heute sieht sich Bauerfeind als Familienbetrieb.

Die Firmengeschichte beeindruckte die Landesbischöfin. »Ich möchte Ihnen meinen Respekt zollen und Danke sagen für diese bewusste Entscheidung, hier wieder neu anzufangen und zu bleiben«, sagte sie Hans B. Bauerfeind. »Das ist wirklich selten.« Auch die Anzahl der Mitarbeiter interessierte sie. Etwa eintausend sind es, die meisten kommen aus Zeulenroda und der Umgebung. Mit einigen wechselte Ilse Junkermann beim Werksrundgang einige Worte oder schaute ihnen über die Schulter.

Was sie am meisten beeindruckt hat in dem Betrieb, den sie vorher nicht kannte? »Dass hier beides geht, Serienproduktion und Maßarbeit an den gleichen Arbeitsplätzen. Und das Zusammenspiel von Mensch und Maschinen. Alles steht in einem großen Gesamtzusammenhang – vom Faden bis zum Versand – und niemand fühlt sich nur wie ein Rädchen im Getriebe. Ich habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass hier alles nachhaltig angelegt ist, mit allen Signalen, wir bleiben hier«, erklärte Ilse Junkermann. Und dass von Zeulenroda aus in die ganze Welt geliefert werde, auch das sei beeindruckend.

Ihrem Betriebsrundgang folgte eine Gesprächsrunde mit dem Vorstand und Mitarbeitern von Bauerfeind.

Simone Zeh

Endlich im Rampenlicht

27. Januar 2017 von redaktionguh  
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Frauen haben die Reformation mitgestaltet. Das war lange vergessen. Auch an sie soll über 2017 hinaus erinnert werden.

Die Reformation hat auch Frauen angesprochen und aktiviert. Dass in der Taufe alle zu Priestern berufen sind und alle Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben, haben auch die Frauen gehört, ernst genommen und mit ihrem Leben und Handeln bezeugt. Leider schätzten die Männer ihrer Zeit und nachfolgender Jahrhunderte dies als zweitrangig oder noch weniger ein. Leider ist unser Wissen über diese Frauen verkümmert. Erst allmählich werden sie wiederentdeckt.

Dabei handelten Frauen so mutig, beharrlich und durchsetzungsstark wie Männer, in mancher Hinsicht mit mehr Klugheit und Besonnenheit als viele Reformatoren oder gar Martin Luther selbst. Mir ist das sehr deutlich geworden, als ich mich mit Anna II. zu Stolberg (1504–1574) beschäftigte – eine in vielerlei Hinsicht beeindruckende und überaus kluge Frau, die mit nicht einmal 13 Jahren Äbtissin im Stift zu Quedlinburg wurde. Als Reichsfürstin hatte sie die Kurwürde und war einzig Papst und Kaiser zu Gehorsam verpflichtet.

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Sehr wahrscheinlich sympathisierte sie schon lange mit dem neuen Glauben, wartete aber bis 1539 mit der Einführung der Reformation in Quedlinburg. Sie wollte ihrem katholisch gesinnten Schutzherrn Georg von Sachsen keinen Vorwand geben, sie zu entmachten.

Ihr musste klar gewesen sein, dass er nur darauf wartete. Und auch sein Nachfolger hoffte, Macht und Reichtum des Stifts an sich zu ziehen. So schritt Anna erst nach dem Tod des katholischen Schutzherrn zur Tat, und damit zugleich seinem nachfolgenden evangelischen zuvorkommend.

Die Stadt Quedlinburg verdankt ihr eine neue Kirchenordnung sowie ein völlig neu geordnetes Schul- und Finanzwesen. Sie berief den ersten Superintendenten und führte die Visitation ein. Das Besondere an ihr: Sie wartete den richtigen Zeitpunkt ab. So bewahrte sie – denn Äbtissin blieb sie weiterhin – eine erstaunliche Kontinuität trotz radikaler Umbrüche.

Anna II. zu Stolberg erreichte mit Mut und Klugheit sehr viel.

Für mich ist sie ein ermutigendes Beispiel dafür, auch heute mit Entschiedenheit und Geduld wichtige Veränderungen anzugehen und dabei den langen Atem nicht zu verlieren, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Und dabei im Blick zu haben: Es gibt auch heute so manche wohlmeinende »Schutzherren«, die hinter ihrem Beschützen-Wollen manche Machtbedürfnisse, wenn nicht gar -gelüste, ausleben wollen.

Am Beispiel Annas und der Biografien anderer Frauen habe ich die Reformationszeit besser kennengelernt: Wie komplex dieser Transformationsprozess war, der Kirche und Gesellschaft quer durch alle Schichten erfasste. Wie viele Menschen daran mitwirkten unter ihren jeweiligen, ganz speziellen Bedingungen.

Und ich habe gelernt, was der besondere Beitrag von Frauen war – ob als Fürstin mit großen Entscheidungsbefugnissen, als Verfasserin geistlicher Lieder, als Äbtissin mit geistlichen und weltlichen Leitungsaufgaben oder als Frau eines Reformators, die das Anliegen ihres Mannes nach Kräften unterstützte.

Der Blick zurück schärft den Blick für die Gegenwart, auf die »Frauenfrage« in der Kirche: Wie wirken Frauen heute in den Kirchen? Welche Veränderungen bewirken sie? Wo gehen ihre Worte ins Leere? Wo begegnen sie männlichem Reviergehabe? Was machen sie anders als Männer? Was können gerade sie besonders gut? Inwiefern leiten und führen Frauen anders? Wie veränderten und verändern sich Pfarramt und Gemeindeleben durch Pfarrerinnen, Kantorinnen und Gemeindepädagoginnen?

Mit der 2012 eröffneten Wanderausstellung »Frauen der Reformation in der Region« hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland die Beschäftigung mit Zeuginnen der Reformation angestoßen – weg von Idealgeschichten und nur einer Heldenfigur. Sie hat die bisherige Schattengeschichte der Frauen der Reformationszeit ins Licht der Aufmerksamkeit geholt. Dieser Prozess, hoffe ich, ist mit dem 500. Jubiläumsjahr der Reformation noch lange nicht beendet.

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Frauen unter sich

31. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Frauenmahl: Landesbischöfin Ilse Junkermann kritisierte in Eisenach steigende Rüstungsausgaben und nannte Gerechtigkeit als zwingende Grundlage für Friedensarbeit.

In der Nikolaikirche waren etwa 100 Frauen aus Mitteldeutschland um festlich gedeckte Tische versammelt, das vegetarische Menü bestand aus größtenteils regionalen und saisonalen Zutaten. Wobei es um mehr als Wohlfühl-Atmosphäre und Sinnes-Genüsse ging, denn unter dem Motto »Frauen reFormulieren Frieden« standen Vorträge und Diskussionen auf dem Programm.

Das Elisabeth-Brot der Eisenacher Bäckerei Rabe präsentiert (v. li.) Christine Rabe zusammen mit Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Landesbischöfin Ilse Junkermann beim Frauenmahl in der Nikolaikirche. Foto: Sabine Thurau

Das Elisabeth-Brot der Eisenacher Bäckerei Rabe präsentiert (v. li.) Christine Rabe zusammen mit Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Landesbischöfin Ilse Junkermann beim Frauenmahl in der Nikolaikirche. Foto: Sabine Thurau

Das Frauenmahl wurde erstmals 2011 in Marburg veranstaltet, inzwischen ist es deutschlandweit zur Reformationsdekade im Angebot. Ziel ist es, dass Frauen aus Medien, Kirche, Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Reden zu Themen aus Religion und Gesellschaft austauschen. Zum zweiten Treffen der EKM hatten Landesbischöfin Ilse Junkermann und Oberbürgermeisterin Katja Wolf eingeladen.

Impulse gab es bereits zur Begrüßung der Oberbürgermeisterin. Die meisten Männer würden das Treffen wohl als »Frauenplausch« belächeln, doch sie sehe »magische Frauenpower« und der Austausch im geschützten Raum sei wichtig. »In vielen Männerrunden bin ich die einzige Frau«, betonte Katja Wolf – es gelte weiterhin als normal, dass Männer in wichtigen Gremien »unter sich sind«. Welch wichtige Rollen Frauen einnehmen können, belegte sie mit der heiligen Elisabeth. Zudem sei es der Stadt wichtig, zur Reformationsdekade auch Katharina von Bora im Blick zu haben.

»Das Friedensthema brennt mir unter den Nägeln«, betonte die Landesbischöfin, so seien im Bundeshaushalt mit 36,6 Milliarden Euro 2,3 Prozent mehr Ausgaben für Rüstung vorgesehen, die Mittel für zivile Konfliktarbeit sollten hingegen um 200 Millionen Euro sinken. »Frieden ist nur durch ein gerechtes Miteinander möglich«, stellte die Landesbischöfin klar.

In Am Sayad Mahmood vom Ökumenischen Informationszentrum Dresden hat im Umgang mit Männern festgestellt, dass Vertrauen nötig ist, um gegenseitiges Verstehen und damit gesellschaftlichen Frieden zu ermöglichen. Zudem müsse jeder Frieden für sich gefunden haben, ehe Frieden im Außen folgen könne. Dies gelte ebenso für den interkulturellen Austausch. Ihr Appell: »Wenn Schwieriges auf dich zukommt, sei wie ein Komma statt wie ein Punkt.«

Die Journalistin Antje Schrupp stellte klar, dass Gleichheit eine Illusion sei und die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern sowie Menschen verschiedener Kulturen anerkannt werden müssten. Vielfalt sollte als bereichernd wahrgenommen werden, doch man müsse ihr auch gerecht werden. Wichtig dabei sei, dass es immer mehrere Lösungen gebe.

Frieden ist erst möglich, wenn der Besiegte die Niederlage klar formuliert, erklärte Susanne Luithlen vom Forum Zivile Friedensdienste in Köln. Da der Terrorismus sich kaum für besiegt erklären werde, sei die Gewalt nicht mit Gewalt überwindbar. Stattdessen müsse präventiv gearbeitet werden, zum Beispiel mit Blick darauf, dass Demütigung das stärkste Motiv für Gewalt sei. Zum Syrien-Konflikt erklärte die Expertin, dass mit präventiver Arbeit die Eskalation vermieden worden wäre.

»Mut zur dünnen Haut, mehr hinhören und hinsehen«, appellierte Viola Kennert an Leitungspersönlichkeiten – empathisch müsse man Bedürfnisse wahrnehmen und Prozesse beobachten, so die Superintendentin von Berlin-Neukölln.

An den Tischen wurde im Anschluss diskutiert. Auf der Speisekarte standen zum Beispiel Elisabeth-Brot, Klöße mit Pilzsoße und Pflaumendessert. Für die musikalische Umrahmung hat sich extra für den Abend die Band »Women in concert« gebildet.

Carola Ritter von der EKM-Frauenarbeit sieht das Frauenmahl als ein »Kommunikationsmittel in die Gesellschaft hinein« an. Neben Pfarrerinnen aus der Partnerkirche in Tansania folgten auch die Landespolitikerinnen Birgit Dietzel und Heike Taubert der Einladung.

Der Termin für das nächste FrauenFestmahl in der EKM ist am 12. August 2017 auf dem Marktplatz in Wittenberg.

Susanne Sobko

Türen auf von Nord bis Süd

31. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Mit gutem Beispiel voran: Pressefahrt der EKM zu offenen Kirchen

Nord: 2017 will die EKM eine gute Gastgeberin sein. Dazu gehört auch das Herzensprojekt der Landesbischöfin: »Offene Kirchen«.

»Unsere Kirchentür ist geöffnet«, so heißt ein kleines Schild Menschen  in der Kirche zu Flechtingen will- kommen. Nicht alle  Gemeinden,  die Pfarrerin Irene Heinecke (links) betreut, stehen  der EKM-Initiative »Offene Kirchen«  so wohlwollend gegenüber. Foto: Katja Schmidtke

»Unsere Kirchentür ist geöffnet«, so heißt ein kleines Schild Menschen in der Kirche zu Flechtingen will- kommen. Nicht alle Gemeinden, die Pfarrerin Irene Heinecke (links) betreut, stehen der EKM-Initiative »Offene Kirchen« so wohlwollend gegenüber. Foto: Katja Schmidtke

»Nein, hier ist noch nie etwas passiert. Kein Diebstahl, kein Vandalismus«, sagt Irene Heinecke. Nur einmal, erinnert sich die Pfarrerin, haben zwei Jungen Scheiben der Kirche von Flechtingen im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt eingeworfen. Von außen. Damit, dass die Türen des Gotteshauses seit mehreren Jahren tagsüber unverschlossen sind, hatte dieser Ausdruck von Frust und Liebeskummer wahrlich nichts zu tun. Das Altarbild vom Jüngsten Gericht, die seltene Moses-Kanzel aus Stuck oder der Tetzel-Kasten – all dies sind Schätze, Hunderte Jahre alt, mit Geld nicht zu bezahlen, aber der größte Schatz der Kirche ist wohl ihre offene Tür. »Die Möglichkeit, außerhalb der Gottesdienst- und Andachtzeiten hierherzu­kommen, einen Raum zu finden für das Gebet, die Stille, auch zum Weinen, ohne Aufsicht, das ist so wichtig und wertvoll«, sagt Pfarrerin Heinecke, sie lacht, ihre Augen strahlen.

Landesbischöfin Ilse Junkermann steht neben ihr und nickt. Die Bischöfin spazierte im vergangenen Jahr während eines Reha-Aufenthalts regelmäßig zur Kirche. »Das war eine besondere geistliche Erfahrung«, erinnert sie sich.

Flechtingen, Wegenstedt, Etingen

Es sind aber nicht persönliche Empfindungen, die die Initiative der »Offenen Kirchen« für die Landesbischöfin zur Herzensangelegenheit machen. Das wohl ehrgeizigste Projekt der EKM zum Reformationsjubiläum stellt für die Theologin auch eine Umkehr dar, es ist ein Bußruf: »Verschlossene Türen bedeuten, wir sind uns selbst genug. Aber wir wollen doch für alle da sein, für alle offen sein.«

Eine Order von oben kann die Initiative nicht sein. Das wird besonders im Pfarrbereich von Irene Heinecke deutlich. Während die Flechtinger Kirche bereits seit mehr als 25 Jahren täglich von mittags bis abends geöffnet ist, hat sich der Gemeindekirchenrat des benachbarten Wegenstedts erst in diesem Frühjahr dazu entschlossen. »Wir fanden den Vorschlag der Landeskirche gut. Jeder hat das Bedürfnis nach Stille, und das nicht nur sonntags«, sagt Kirchenälteste Rosemarie Pötsch. Angst vor Vandalismus hat sie nicht. »Falls etwas passiert, steht die EKM hinter uns.«

Die Versicherung gegen Diebstahl und Vandalismus speziell für »Offene Kirchen« wird ab Januar 2017 angeboten, sie kostet 65 Euro pro Jahr und Kirchengebäude. Der Beitrag wird von der Landeskirche subventioniert, dafür sind laut Haushaltsplanung 300 000 Euro eingestellt.

In Etingen, das auch zu Irene Heineckes Pfarrbereich gehört, konnte dieses Angebot von EKM und Ecclesia-Versicherung nicht überzeugen. »Es gingen im Fall der Fälle auch ideelle Werte verloren«, meint Friedrich Widdicke vom Gemeindekirchenrat. Die Kirche zu Etingen wurde 1893 nach achtzehn Monaten Bauzeit errichtet, sie ist innen wie außen aus einem Guss, funkelnde Kron- und Altarleuchter, detailreiche Wandbemalungen –das alles habe man geerbt von den Vorfahren und wolle es in gutem Zustand weitergeben. Die Kirche für jedermann zugänglich zu machen, könne der Gemeindekirchenrat nicht verantworten. Pfarrerin Heinecke kann das nicht nachvollziehen: »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.«

Katja Schmidtke

Derzeit sind 140 der 4 031 Kirchen in Mitteldeutschland geöffnet, weitere 477 werden auf Ver­langen aufgeschlossen. Bis Frühjahr 2017 sollen möglichst alle Kirchen geöffnet werden; das geht auf einen Beschluss der Herbstsynode 2015 zurück. Die tatsächliche Entscheidung liegt beim Gemeindekirchenrat. Aktuell läuft eine Umfrage zur Kirchenöffnung, deren Ergebnis auf der Synode im November vorgestellt werden soll.

Derzeit sind 140 der 4 031 Kirchen in Mitteldeutschland geöffnet, weitere 477 werden auf Ver­langen aufgeschlossen. Bis Frühjahr 2017 sollen möglichst alle Kirchen geöffnet werden; das geht auf einen Beschluss der Herbstsynode 2015 zurück. Die tatsächliche Entscheidung liegt beim Gemeindekirchenrat. Aktuell läuft eine Umfrage zur Kirchenöffnung, deren Ergebnis auf der Synode im November vorgestellt werden soll.


Süd: Porta patet, cor magis – das Tor steht offen, das Herz noch mehr. Diese alte Zisterzienser-Regel könnte Wahlspruch der Initiative »Offene Kirchen« sein und ist es vielmehr seit 30 Jahren für Pfarrer i. R. Rainer Schmidt aus Mühlberg im Kirchenkreis Gotha. 1986 öffnete er mit Beschluss des Gemeindekirchenrates die St. Lukaskirche. Und das mit Erfolg. Viele Reisende, Familien, Ausflügler und Radler machten seither in der Barockkirche Station. »Kirchen sollten so geöffnet sein«, erklärt Pfarrer Schmidt, »dass die Leute hineingehen und aus dem Getriebe der Welt herauskommen können.« Er wolle diesen heiligen Ort, der auch ein künstlerisches Gesamtwerk sei, niemandem vorenthalten.

Natürlich gäbe es in der Gemeinde bis heute unterschiedliche Meinungen über die Öffnung von 8 bis 18 Uhr. Einige tragen sich immer noch mit Sicherheitsbedenken. Dafür hat Schmidt Verständnis, die bisherige Praxis habe jedoch gezeigt, dass die Menschen durch eine Öffnung des Gotteshauses mehr gewinnen als verlieren. Nur einmal sei in den vergangenen 30 Jahren etwas gestohlen worden.

Mühlberg, Kapellendorf, Weimar

Angesichts dieser Erfolgsgeschichte hofft Bischöfin Ilse Junkermann, dass noch viele weitere Gemeinden die von ihr bei der Herbstsynode im vergangenen Jahr angestoßene Frage der offenen Kirchen intensiv durchdenken und besprechen. Denn wenn die Kirche geöffnet wird, soll, wie in Mühlberg, die Gemeinde dahinterstehen. Von oben will und kann die Kirchenleitung dies nicht verordnen. »Die Initiative ist aber die Chance«, so Bischöfin Junkermann, »das Kirchengebäude als Ort der Predigt neu zu entdecken.«

(v. li.) Pfarrer i. R. Rainer Schmidt und Propst Diethard Kamm vor der St. Lukaskirche in Mühlberg (Kirchenkreis Gotha). Foto: Diana Steinbauer

(v. li.) Pfarrer i. R. Rainer Schmidt und Propst Diethard Kamm vor der St. Lukaskirche in Mühlberg (Kirchenkreis Gotha). Foto: Diana Steinbauer

Eine Entdeckung der besonderen Art ist ebenso die Dorfkirche von Kapellendorf im Kirchenkreis Apolda-Buttstädt. Als ältestes Gebäude des Ortes – erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 800 – spielt die Kirche auch bei den Führungen in der Wasserburg Kapellendorf immer eine bedeutende Rolle. »Ich freue mich sehr, dass ich bei jeder Führung darauf hinweisen kann, dass die Kirche für jeden offen steht – unabhängig von den Öffnungszeiten der Burg«, sagt Marie Petermann, Kuratorin der Wasserburg.

Bereits seit den 1980er-Jahren schließen Vertreter der kleinen Gemeinde jeden Tag ihre Kirche für Besucher auf. Und von den 19 000 Besuchern der Wasserburg im Jahr kommen die meisten auch in der Kirche vorbei. Wie dieses Angebot geschätzt wird, davon zeugen die Eintragungen im Gästebuch. Aber es gibt auch stille Zeichen davon, wie sehr die Kirche Anlauf- und Ankerpunkt der Menschen geworden ist. »Immer wenn ich die Kirche betrete, brennen am Kerzenständer Lichter. Das zeigt mir, die offene Kirche wird angenommen und regelmäßig genutzt«, so Vikar Conrad Neubert.

Während unverschlossene Häuser und Höfe schon der Vergangenheit angehören, setzt die EKM mit der Initiative »Offene Kirchen« ein Zeichen gegen diesen Trend. Denn eine unverschlossene Kirche nehmen die Menschen als sehr positiv wahr, berichtet Hardy Rylke, Pfarrer der Jakobskirche in Weimar. Auch deren Pforten sind bereits seit vielen Jahren geöffnet. »Ich möchte den Menschen die Gelegenheit geben, das kennenzulernen, was mir zum Leben hilft und was vielleicht auch etwas für sie sein könnte«, so Rylke. Eine geöffnete Kirche zeige den Menschen, ja, ich habe wirklich Interesse an dir. Eine abgeschlossene Kirche dagegen bezeichnet Rylke als Katastrophe, denn jeder Mensch, der die Klinke herunterdrücke, verbinde mit seinem Besuch ein besonderes Bedürfnis. »Wenn wir als Kirche für alle offen sein wollen, dann muss das doch auch für die Gebäude gelten«, so Rylke.

Die Beispiele zeigen, dass das Projekt »Offene Kirchen« ehrgeizig, aber realisierbar ist. Laut Ralf-Uwe Beck, Pressesprecher der EKM, strebt die Evangelische Kirche hier einen Paradigmenwechsel an. »Heute sind die meisten Kirchen auf dem Gebiet der Landeskirche noch verschlossen. 2018 soll dies umgekehrt sein.« Und zwar auch noch lange über das Reformationsjubiläum hinaus. Propst Diethard Kamm betont: »Die Initiative ›Offene Kirchen‹ ist keine Schaufensteraktion. Wir öffnen unsere Gotteshäuser, und offen sollen sie bleiben.«

Diana Steinbauer

Unterwegs mit Luther zum Papst

10. Oktober 2016 von redaktionguh  
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1 000 Pilgernde aus Mitteldeutschland auf ökumenischer Romfahrt: »Wenn am Montagabend der Eröffnungsgottesdienst beginnt, dann beginne ich zu chillen«, sagt Peter Herrfurth, der Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und einer der Organisatoren dieser besonderen Reise.

Bis zum ersten »Halleluja« haben die zum überwiegenden Teil aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg stammenden Teilnehmer aber noch eine 30-stündige Busfahrt vor sich. In elf mitteldeutschen Städten starten am Sonntag 20 Busse mit insgesamt 1 000 Teilnehmenden zwischen sechs und 80 Jahren.

Der ökumenische Gottesdienst in der Kirche Santa Sabina bildet am Montag in Rom den Auftakt der achttägigen Pilgerreise »Mit Luther zum Papst«. Annette Schavan, die Schirmherrin der Pilgerfahrt und deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, nimmt ebenso daran teil wie die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann, der katholische Bischof Gerhard Feige und der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig.

Vor fast 500 Jahren kamen aus dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts Martin Luthers 95 Thesen und trugen maßgeblich zur Kirchenspaltung bei. 2016 bringen die »Mit-Luther-zum-Papst«-Pilger neue, moderne Thesen mit nach Rom. Die Thesen zur Ökumene, zur Bewahrung der Schöpfung oder zum christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog wurden vor der Fahrt gesammelt, in einem großen Buch im DIN-A-2-Format gebunden und werden Papst Franziskus überreicht.

Landesbischöfin Ilse Junkermann ist gespannt auf die Reaktion des katholischen Kirchenoberhauptes. Es gebe viel Verbindendes zwischen dem Papst und den Protestanten, findet die Bischöfin. »Er tritt vehement ein für Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit. Er ergreift klar Partei für Flüchtlinge, für Arme, für Gefangene und für alle, die zu kurz kommen. Jemanden mit solcher Herzensüberzeugung und Charisma zu erleben, dessen Wort noch dazu weltweit gehört wird, das ist etwas Besonderes. Auch für Protestanten!«

Die moderne Thesensammlung ist ein Angebot zum Gespräch. »Wir laden ein zum Disput«, sagt Christoph Tekaath. Beim Diözesanjugendseelsorger des Bistums Magdeburg laufen sämtliche organisatorischen Fäden zusammen. »Luther wollte diskutieren und das wollen wir auch! Wir wollen keine neuerliche Spaltung, sondern eine neue Annäherung. Deshalb fahren wir aus dem Lutherland nach Rom.«
Blick-41-2-2016»Mit Luther zum Papst« ist weit mehr als eine touristische Reise mit der obligatorischen Audienz auf dem Petersplatz. Rom nehme sehr wohl wahr, dass die 1 000-köpfige ökumenische Pilgergruppe aus dem säkularen Mitteldeutschland etwas Ungewöhnliches sei, sagt Tekaath, mahnt aber gleichzeitig auch Bescheidenheit an. »Gerade im Heiligen Jahr sind wir trotz der Größe nur eine von vielen Pilgergruppen. Aber der Anlass ist doch etwas Besonderes und das macht ein wenig stolz.«

Matthias Kopischke, Pfarrer für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Evangelischen Landeskirche Anhalts, findet, die Reise nach Rom ist ein Signal, dass »evangelische und katholische Geschwister bereits jetzt gut zusammenarbeiten«. Wie viele der Pilgernden übrigens evangelisch oder katholisch sind, beziehungsweise gar keinen Glauben haben oder anderen Religionen oder Konfessionen angehören, ist nicht bekannt. »Diese Angabe wurde bei der Anmeldung bewusst nicht abgefragt«, sagt der anhaltische Jugendpfarrer.

Die letzte organisatorische Etappe vor der Abfahrt am Sonntag war Anfang Oktober das Teamer- und Mitarbeiterwochenende in der katholischen Bildungsstätte St.-Michaels-Haus in Roßbach bei Naumburg.

Fünfzig junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren werden die 1 000 Pilgernden begleiten; sie wurden auf ihre Aufgaben als Ansprechpartner im Bus, bei Workshops, zu Vorträgen an den Stationen beim Sieben-Pforten-Weg vorbereitet. Der Sieben-Pforten-Weg ist ein modifizierter Pilgerweg auf Basis der »Siebenkirchenwallfahrt« zu den sieben Hauptkirchen Roms. Der berühmte Pilgerweg wurde ökumenisch ergänzt, indem zum Beispiel die Synagoge aufgenommen wurde, der erst im letzten Jahr eingeweihte Lutherplatz und die Christuskirche, Gottesdienstort der deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Roms.

Bei aller ökumenischen Verbundenheit bleiben aber nach wie vor unüberbrückbare Gräben zwischen den beiden Konfessionen. Natürlich werde und könne es keine Mahlgemeinschaft geben, versichert Peter Herrfurth, »aber wir können immer wieder auf die schmerzhafte Wunde hinweisen«.

Der Landesjugendpfarrer hofft, dass in die Abendmahlsfrage Bewegung kommt und es vielleicht doch einmal zur gemeinsamen Feier kommen kann. »Wir sind auf dem Weg und vielleicht werden wir das gemeinsame Abendmahl noch erleben«, so Peter Herrfurth.

Thorsten Keßler

Beten und denken mit Gymnastik

2. September 2016 von redaktionguh  
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Zum Abschluss unserer diesjährigen Sommerinterview-Serie traf Angela Stoye Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrem Magdeburger Büro. Dabei ging es um offene Kirchen, das Reformationsjubiläum und Mission.

Am Elbufer lässt Landesbischöfin Ilse Junkermann gerne die Gedanken schweifen. Foto: Viktoria Kühne

Am Elbufer lässt Landesbischöfin Ilse Junkermann gerne die Gedanken schweifen. Foto: Viktoria Kühne

Frau Junkermann, wie war Ihr Urlaub?
Junkermann:
Wunderschön. Wir waren auf Langeoog. Ich hab mich sehr gefreut, im ersten Gottesdienst am Sonntag einen unserer Pfarrer aus der Altmark zu treffen, der als Kurpastor wunderbar gepredigt hat. Mein Mann und ich waren jeden Tag am und im Meer. Ich habe viel gelesen und mit meinem Mann gespielt: Malefiz und Rummikub.

Und jetzt hat der Alltag Sie wieder – zum Beispiel mit dem Echo auf Ihren Aufruf, 2017 alle 4 000 Kirchen in der EKM zu öffnen. Was überwiegt da?
Junkermann:
Es überwiegt die Grundbereitschaft, darüber nachzudenken. Das ist mir viel wichtiger als Lob oder Kritik. Der Aufruf hat eine sehr breite Resonanz. Denn hinter der praktischen Frage der Kirchenöffnung steht die geistliche: Was verkünden unsere verschlossenen Kirchentüren? Ich finde: Zur Kirchenöffnung gehört auch das Vertrauen darauf, dass Kirchenbesucher keine Aufsicht benötigen, sondern Ruhe wollen.

Eine Kritik ist mir sehr nahegegangen. Eine Pfarrerin sagte mir: Sie sagen, wir sollen das Risiko eingehen. Gleichzeitig geht es im größten Teil der Handreichung zu offenen Kirchen aber um Sicherungsmaßnahmen.

Für mich zeigt das die Spannung zwischen Vertrauen und Befürchtungen, zwischen Sicherheitsbedürfnissen und Risiko. Aber: Welches Risiko ist Gott mit uns Menschen eingegangen?! Und wie nehmen wir das als Beispiel und sagen: Das Risiko, das wir eingehen, ist vergleichsweise gering. Es gehört zum Evangelium, im Glauben nicht Sicherheit zu finden, sondern Vertrauen.

Es gibt Gemeinden, die nach Diebstählen Probleme haben, oder?
Junkermann:
Ja. Aber unser Ziel erreicht man in kleinen Schritten. Wenn Gemeinden Aufsicht oder andere Absicherungen haben wollen, sind das solche Schritte. Ich bitte noch einmal alle Gemeinden, Vertrauen zu wagen.

Themenwechsel: Das 500. Reformationsjubiläum – was bedeutet es für Sie?
Junkermann:
Noch einmal zurück zu den offenen Kirchen, denn sie hängen mit 2017 zusammen – mit der Frage, wo wir heute zur Umkehr gerufen sind in unserem praktischen Verhalten. Das ist der Grundruf Jesu, den Luther in seinen Thesen neu zur Sprache gebracht hat: Der Ruf zu wahrer Buße und Umkehr. 2017 können wir als Riesen-Event feiern oder als Umkehr, zum Beispiel von geschlossenen zu offenen Kirchentüren. Reformation heißt auch, dass auch wir uns heute neu vom Evangelium formen lassen. Sie bedeutet nicht Reform oder Veränderung um jeden Preis.

Was unterscheidet 2017 von 1917 oder 1817?
Junkermann:
Dass es 2017 keine Heldenverehrung gibt, sondern die differenzierte Beschäftigung mit dem Menschen Martin Luther, der seiner Einsicht über das, was er in der Bibel gefunden hat, vertraut hat. Und sich nicht durch äußeren Druck hat beirren lassen. Das fasziniert viele bis heute an ihm, wie er seinem Gewissen mehr verpflichtet war als dem Kaiser oder Papst. Gleichzeitig wusste Luther, dass es das Gespräch braucht. Seine Thesen waren ja eine Aufforderung zur Disputation. Auch das brauchen wir heute sehr.

Deutlich wird 2017 auch, dass Luther ein Mensch mit Fehlern und Schwächen war: sein aufbrausendes Wesen, seine Schimpftiraden oder die Tatsache, dass er sich an eigene Einsichten nicht gehalten hat. So ist er im Blick auf das Verhältnis zu Juden oder zu den Bauern eben nicht beim Diskurs geblieben, sondern hat Gewalt befürwortet und gefördert.

Haben Sie eine Lieblingsschrift?
Junkermann:
Ja, »Von der Freiheit eines Christenmenschen«. Weil darin sehr deutlich wird, dass zur Freiheit auch Verantwortung und Bindungen gehören – im Gegensatz zu einer Vorstellung von Freiheit als Schrankenlosigkeit.

Oder ein Lieblingswort?
Junkermann:
Das habe ich als Vikarin in Horb am Neckar im Lutherjahr 1983 am Anfang des Gottesdienstes zitiert: »Die Heilige Schrift ist wie ein Kräutlein. Je länger du daran reibst, desto mehr duftet es.« Das hilft mir bis heute bei der Arbeit an meinen Predigten.

Was erhoffen Sie sich von 2017 für Impulse?
Junkermann:
Dass die Menschen hier merken, wie stolz sie sein können, in dieser Region mit ihrer reichen Geschichte zu leben. Was hier geschah, hat weltweit Bedeutung gewonnen.
Andererseits ist 2017 eine Herausforderung für uns als Kirche und die Gemeinden. Die Kirchenkreise müssen Stellen abbauen, wir Christen werden immer weniger. Dass passt schlecht mit den großen Events zusammen.

Was folgt daraus?
Junkermann:
Die EKM will 2017 ein guter Gastgeber sein. Für die Zeit danach wünsche ich mir, dass unsere Glaubenszuversicht gestärkt wird, auch wenn der Weg unserer Kirche und unserer Gemeinden schwierig ist. Wir können darauf vertrauen, dass Gott uns führt. Wir beschäftigen uns ganz viel mit Defiziten. Das ist berechtigt; das tut weh. Aber wir sollten einen Blick dafür bekommen, was uns geschenkt ist, worin wir (stein-)reich sind. Damit bin ich wieder bei den offenen Kirchen.

Ihrem Lieblingsthema?
Junkermann:
Ja, denn es ist fast unglaublich, in welchem Maß in den vergangenen 25 Jahren die Kirchen wieder aufgebaut worden sind. Diese Schätze sollten wir mit anderen teilen! Vor allem die Menschen, die sich einbringen, sind Schätze. Ich hoffe sehr, dass wir als Kirche offener werden und dass Gottes Geschichte mit uns eine lebendige Geschichte für uns ist. Dass wir nicht an festen Bildern hängen, wie Kirche und Gemeinde sein sollen, vielmehr schauen, was Gott uns jetzt an Menschen und Ressourcen schenkt.

In »Luthers Land« leben die wenigsten Christen. Missionarische Aktionen haben kaum etwas gebracht. Wie kann der Schrumpfungsprozess aufgehalten werden?
Junkermann:
Den Glauben können wir nicht machen. Es gibt dazu ein Wort von Carl Friedrich von Weizsäcker: »Rede nicht über deinen Glauben, wenn du nicht gefragt wirst. Aber lebe so, dass du gefragt wirst.« Das ist die Herausforderung: Wie lebe ich selber so, dass Menschen mich fragen. Ob der Samen auf fruchtbare Erde fällt oder unter Dornen oder auf Felsen, haben wir nicht in der Hand. Wir sind Säe-Leute. Manchmal dürfen wir ernten. Aber wir wissen nicht, wann die Ernte kommt.

Sommerlogo GuHWie gelingt es Ihnen, Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Junkermann:
Mit meinem grünen Filzstift. Damit kennzeichne ich im Kalender die Verabredungen mit meinem Mann. Ich bin froh, dass er als Selbstständiger flexibel sein kann. Mir persönlich hilft es sehr, wenn ich morgens eine Stunde für mich habe für das Gebet, für das Nachdenken – auch das Denken an Menschen, die es schwer haben. Das gelingt mir am besten bei Gymnastik.

Was tun Sie, wenn Sie in Magdeburg frei haben?
Junkermann:
Im Sommer sitze ich gerne auf dem Balkon. Brauche ich Bewegung, bin ich in wenigen Schritten an der Elbe. Mein Mann und ich lieben die Weite der Landschaft, sitzen aber auch gerne in einem Lokal an der Elbe.

Und wenn es regnet?
Junkermann:
Dann lese ich.

Viele Pfarrer sollen ja Krimis lieben …
Junkermann:
Die liebe ich auch. Sehr gerne lese ich zudem Gedichte und Romane. Im Urlaub zum Beispiel »Unterleuten« von Juli Zeh. Es ist unglaublich, wie sie Menschen und die Atmosphäre erfasst.

Auch amerikanische Autoren liebe ich sehr, tauche in ihren Büchern – zum Beispiel denen von Paul Auster oder T. C. Boyle – in eine andere Gesellschaft, Geschichte und Lebensart ein.

Kirchen trotz allem öffnen

1. August 2016 von redaktionguh  
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Propst Kamm: Keine Pauschalverurteilung

Die Anschläge in Deutschland und Frankreich machten ihn sehr betroffen, sagte der stellvertretende Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Propst Diethard Kamm (Gera). Man könne nur im Gebet verharren und so die Angehörigen der Opfer begleiten.

Die Solidarität in München habe ihn beeindruckt, erklärte der Regionalbischof des Propstsprengels Gera-Weimar. Spontan wurden Häuser und Wohnungen geöffnet, um Menschen aufzunehmen, die nicht mehr nach Hause konnten. Kamm erinnere das an die Kirchenöffnung nach dem Attentat im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. »Wir wollen Menschen in unseren Kirchen Schutz geben. Sie sollen Gelegenheit haben, zu beten und zur Ruhe zu kommen.« Der Regionalbischof warnte davor, Menschen, die bei uns Schutz suchen, pauschal zu Verbrechern abzustempeln. »Wir sollten als Kirche wegen der schrecklichen Vorfälle nicht unsere Einstellung zu Flüchtlingen ändern«, so Kamm. Schnelle Antworten würden langfristig nicht wirklich tragen.

Diethard Kamm leitet die Arbeitsgruppe »Offene Kirchen«. Foto: EKM

Diethard Kamm leitet die Arbeitsgruppe »Offene Kirchen«. Foto: EKM

Auch nach mehreren Diebstählen im thüringischen Eichsfeld plädiert Kamm weiterhin für die Öffnung der Kirchen. Es mache keinen Sinn, die Kirchen, die jetzt geöffnet seien, zu schließen. Bei der Synode im Herbst in Erfurt hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann die Aktion »Offene Kirchen« vorgestellt. Bis zum Frühjahr 2017 sollen die knapp 4 000 evangelischen Kirchen in der EKM tagsüber geöffnet sein. Diese Aktion stößt in manchen Kirchengemeinden wegen Sicherheitsbedenken auf Widerstand. Die Entscheidung über die Kirchenöffnung liege bei den Kirchengemeinden, so Kamm. Wenn man dort angesichts der Diebstähle im Eichsfeld nun nicht mehr bereit sei, für die Öffnung die Verantwortung zu übernehmen, dann könne die Kirchenleitung dagegen nicht viel tun. »Wir sollten jetzt aber nicht zurückrudern«, so Kamm. Bis zum Jahresende gäbe es in allen Propsteien der EKM Informationsveranstaltungen. Dort würden die Fragen und Bedenken im Zusammenhang mit der Kirchenöffnung erörtert.

Kamm sprach sich in diesem Zusammenhang gegen eine Videoüberwachung in Kirchen aus. Das stehe dem Ansatz der offenen Kirchen entgegen. Kirchenbesucher sollten sich nicht beobachtet fühlen, wenn sie in eine Kirche kommen. Wie man mit der Sicherung sakralen Kunstgutes zukünftig umgehe, müsse allerdings gesondert bedacht werden.

Willi Wild

Theologie ganz praktisch

17. Juli 2016 von redaktionguh  
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Ehemalige gesucht: Wittenberger Predigerseminar wird 200

Es ist eines der ältesten und die einzig verbliebene Ausbildungseinrichtung ihrer Art in Ostdeutschland: das Predigerseminar zu Wittenberg. Nach dem Studium wird die Theologie hier für die angehenden Pfarrer und Gemeindepädagogen ganz praktisch. »Hier reflektieren die Vikare ihr Tun, ihre Theologie, auch ihre eigene Person«, sagt Direktorin Hanna Kasparick.

Die Gründung geht auf den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. zurück. Auf Kabinettsorder hin wurde 1816 »ein lutherisches Predigerseminarum« anstelle der ehemaligen Universität errichtet. Seinen 200. Geburtstag feiert das Seminar in diesem Herbst mit einem Fest-Wochenende. »Wir können ja längst nicht alle Ehemaligen anschreiben, aber alle, die hier Kurse besucht haben, sind herzlich eingeladen«, sagt Hanna Kasparick. Seit der Wiederaufnahme der Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 haben rund 1 300 Vikare die Ausbildung durchlaufen.

Bis 2012 war das Augusteum Sitz des Predigerseminars. Foto: Archiv

Bis 2012 war das Augusteum Sitz des Predigerseminars. Foto: Archiv

Das Festwochenende beginnt am 30. September, 16 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche. Die Predigt hält Landesbischöfin Ilse Junkermann, die Vorsitzende des Seminar-Kuratoriums ist. Im Anschluss wird in den Schlosshof eingeladen, wo der Seminar-Neubau mit Vikars-Unterkünften und Refektorium eingeweiht wird. »Der Bau wird nach Christine Bourbeck benannt, die nach dem Krieg in der Vikarinnen-Ausbildung tätig war und maßgeblich am Pastorinnengesetz der Evangelischen Kirche der Union beteiligt gewesen ist«, erzählt Hanna Kasparick. Über Bourbecks Leben und Wirken wird in einem Vortrag in der Schlosskirche (19 Uhr) berichtet. Ein kurzweiliger Abend mit Texten und Musik erwartet die Besucher. Von 19 bis 22 Uhr öffnen sich die Türen des Neubaus für Neugierige und Interessierte. Vikare führen an sieben Stationen durch das Haus und laden zum Gespräch ein.

Der 1. Oktober startet 9.30 Uhr in der Schlosskirche mit einer Andacht von und mit Bischof Martin Hein aus Kassel. Im Anschluss diskutieren um 10 Uhr eine Journalistin, ein Vikar und ein Propst über die Frage »Was wünschen Sie sich von Ihrem Pfarrer?«. Traditionell zum Mittag gesungen wird auch am Festwochenende, und zwar 12.30 Uhr in der Schlosskirche. Um 15 Uhr wird im Augusteum die Ausstellung »Gehrock, T-Shirt und Talar« eröffnet und ein Begleitbuch mit sieben Essays über den Wandel des Pfarrberufs vorgestellt.

Katja Schmidtke

Anmeldungen bis Mitte September unter Telefon (0 34 91) 5 05 40 oder E-Mail < info@predigerseminar.de>

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