Nicht nur Gartenfreunde gewonnen
8. Oktober 2010 von redaktionguh
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Bilanz: Der Kirchengarten auf der sachsen-anhaltischen Landesgartenschau zog Tausende in seinen Bann.
170 Tage Landesgartenschau – 170 Tage Programm. Mit seinen vielfältigen Angeboten hat der Kirchengarten in Aschersleben Maßstäbe gesetzt.

Anfangs gab es noch manche Vorbehalte gegenüber dem kirchlichen Engagement auf der Landesgartenschau in Aschersleben. Doch der Erfolg hat Projektleiterin Christina Weigel Recht gegeben. (Foto: Jürgen Meusel)
Wie den Touristen aus dem Westharz ist es in den vergangenen Monaten vielen Besuchern der sachsen-anhaltischen Landesgartenschau gegangen. Mit seinem Programm hat sich der Kirchengarten von Anfang an zu einem besonderen Anziehungspunkt entwickelt. »Wir«, sagt Kirchengarten-Projektleiterin Christina Weigel nicht ohne Stolz, »sind hier eines der Highlights.« Wenn es andernorts kein Angebot gebe, »bei uns ist immer was los«.
Tatsächlich hat der Kirchengarten an allen 170 Tagen der Landesgartenschau mit eigenen Programmpunkten gelockt. Neben den 124 Kirchengemeinden des Kirchenkreises Egeln und Partnern aus der Ökumene haben sich auch Einrichtungen der mitteldeutschen Kirche sowie Anhalts daran beteiligt. Auf mehr als 2.000 Mitwirkende kommt Pfarrerin Weigel in ihrer Bilanz, wenn sie alle Beteiligten zusammenzählt. Zufrieden zeigt sich die Verantwortliche auch mit den Besucherzahlen. Durchschnittlich 300 Besucher pro Tag hätten im Kirchengarten Station gemacht, schätzt sie. Insgesamt sind das mehr als 51.000 Gäste.
Durch das bewusste Engagement habe sich die Wahrnehmung von Kirche in der Öffentlichkeit verändert, glaubt die Pfarrerin. So sei anfangs gesagt worden, dass die Gartenschau die Kirche eigentlich nicht brauche. »Doch wir haben bewiesen, dass die Landesgartenschau nicht auf Kirche verzichten kann.« Und damit meint sie nicht nur die täglichen Andachten mit Morgenlob, Mittagsgebet und Psalmenlese am Nachmittag.
Als besonderer Anziehungspunkt hat sich der Ressourcengarten mit seinen alten Obst-, Gemüse- und Getreidearten erwiesen. Gerade die alten Sorten sowie die Heilpflanzen und Kräuter von Alant bis Zitronenmelisse seien auf großes Interesse der Besucher gestoßen. »Wir sind eben Teil der Gartenschau«, meint Christina Weigel. Einen weiteren Impuls hat schließlich das Café mit seinem Angebot an ökologisch und fair gehandelten Produkten vermittelt. »Hier gab es anfangs auch viel Skepsis«, erinnert sich die Leiterin.
Für Superintendent Michael Wegner aus Egeln ist das Konzept des Kirchengartens jedenfalls »200-prozentig« aufgegangen. Das Projekt habe sowohl in der Region als auch bei den Besuchern Akzente gesetzt. »Als Ort der Begegnung hat sich der Kirchengarten zu einem Aushängeschild für eine fröhliche Kirche entwickelt.«
Selbst bei den Verantwortlichen der Landesgartenschau ist das kirchliche Programm auf Begeisterung gestoßen. So etwas habe er noch nicht erlebt, lobt Marketing-Geschäftsführer Erhard Skupch. Das Motto »Leben teilen« sei hier an jedem Tag zu spüren gewesen. »Menschen, die sonst nichts mit Kirche zu tun hatten, saßen plötzlich im Cafégarten und haben sich Theaterstücke, Chöre, Andachten und viele kreative Spiele angesehen. Es war unglaublich«, findet der Geschäftsführer.
Trotz dieses Erfolgs sieht Christina Weigel die kirchliche Arbeit an einem »Scheideweg«. Die Landesgartenschau habe einmal mehr bewiesen, dass die Kirche verstärkt nach neuen Formen suchen müsse, um die Menschen zu erreichen. »Noch sind die Leute neugierig und lassen sich ansprechen.« Klassische Kirchenpavillons dürften dagegen künftig wenig Chancen haben, vermutet die Pfarrerin, die im November mit ihrem Mann nach Mupperg und Neuhaus-Schierschnitz (Kirchenkreis Sonneberg) wechseln wird. Wirksamer seien da vielmehr solche Programme, die deutlich machten, wie vielfältig Kirche ist. Schließlich, sagt Christina Weigel, sei Gott auch »jeden Tag für uns da«.
Martin Hanusch
Die Landesgartenschau in Aschersleben hat noch bis zum 10. Oktober geöffnet. Am Sonntag wird um 11 Uhr der Abschlussgottesdienst in der Stephanikirche zum Thema »Ernten« gefeiert.
»Bei Ihnen ist es schön«
30. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Pfarrerin Christina Weigel
Frau Weigel, wie ist die Stimmung im Kirchengarten?
Weigel: Richtig gut. Es macht unheimlich Spaß zu zeigen, wie vielfältig, bunt und lebendig Kirche sein kann. Das lohnt sich. Es ist aber auch anstrengend. Denn noch immer wird deutlich, dass es Vorbehalte gegen Kirche gibt. Bemerke ich es, nehme ich mir die Zeit, das in Gesprächen auszuräumen.
Die Laga empfing am 27. Juli den 300000. Besucher. Profitiert davon auch der Kirchengarten?
Weigel: Ja. Aber nicht nur, weil der Kirchengarten im Stadtpark an einem zentralen und sehr sinnlichen Platz liegt. Auch das Programm der evangelischen, katholischen und freien Gemeinden – »Leben teilen« – kommt offenbar gut an. Den Satz »Bei Ihnen ist es so schön« höre ich immer wieder. Auch die wechselnden Mitarbeitenden aus den Gemeinden, Werken und Einrichtungen, die hier einige Tage zubringen, schöpfen Kraft.
Welche Angebote nehmen Besucher besonders gut an?
Weigel: Durch den Ressourcengarten mit den Getreide-, Gemüse- und Kräuterbeeten gehen den ganzen Tag Menschen. Viele hinterlassen Botschaften für seine Gestalterin, Christine von Mertens. Auch die ökologisch-faire Kaffeetafel mit Kaffee, Tee, Säften und Weinen sowie Kuchen nehmen Besucher gern an. Immer wieder verabreden sich welche, um hier in Ruhe zu sitzen und über Gesehenes und Erfahrenes nachzudenken.
Außerdem: Von den drei Andachten, die wir an jedem Gartenschautag anbieten, sind bisher ganz wenige ohne Zuhörer geblieben.
Kommen nur Gemeindeglieder? Oder auch andere Laga-Besucher?
Weigel: Das lässt sich nur bei denen genau sagen, mit denen die Mitarbeiter oder ich ins Gespräch kommen. Insgeheim hatte ich auf mehr Anmeldungen von Gemeindegruppen gehofft – aber vielleicht entschließen sich bis zum Ende der Gartenschau am 10. Oktober noch welche.
Welche Angebote im Kirchengarten sollten sich mögliche Besucher bis Oktober vormerken?
Weigel: Das Programm der zweiten Halbzeit ist noch so vielfältig, da fällt die Auswahl schwer. Auf jeden Fall lassen sich die beiden großen Gottesdienste in der Stephanikirche gut mit einem Besuch der Landesgartenschau verknüpfen – der zum Diakoniesonntag am 29. August und der »Ernten«-Gottesdienst zum Abschluss am 10. Oktober. Zur »Nacht der Sinne« der Laga am 14. August ist auch der Kirchengarten bis Mitternacht geöffnet. Und am 17. August erwarten wir Bischöfin Ilse Junkermann zum Gespräch über unser Motto »Leben teilen«.
Die Schönste im Land
29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Landesgartenschau Sachsen-Anhalts in Ascherleben eröffnet

Schwungvoll läutete Christina Weigel bei der sachsen-anhaltischen Landesgartenschau in Aschersleben das Programm der Kirchen ein. Unter dem Motto »Leben teilen« gibt es an allen 170 Tagen der Schau ein vielfältiges, fröhliches Programm, das mehr als 140 Kirchengemeinden vorbereitet haben. Foto: Jürgen Meusel
»Mit 1257 nachgewiesenen Jahren«, so Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), »ist Aschersleben nicht nur die älteste Stadt in Sachsen-Anhalt. Sie ist heute auch die schönste.« Der Regierungschef eröffnete am Sonnabend in der 30000 Einwohner zählenden Stadt die Landesgartenschau (LaGa). Unter dem Motto »Natur findet Stadt« bietet sie an 170 Tagen und auf 15 Hektar Fläche: 300 neue Bäume, 2.000 Rosen, 60.000 Stauden und Themengärten auf 4.300 Quadratmetern. Auch zwölf Hallenschauen und über 1.000 Veranstaltungen stehen bis Oktober auf dem Programm. Doch nicht nur das Schaugelände wurde herausgeputzt. Die ganze Stadt habe sich »so verändert, wie wir uns das nie erträumten«, so Oberbürgermeister Andreas Michelmann (parteilos) bei der Eröffnung.
40 Millionen Euro sind Aschersleben im Zuge der Landesgartenschau und der Internationalen Bauausstellung zugute gekommen, 18 Millionen davon Fördermittel des Landes. Verwendet wurde das Geld, um den Lebenswert der Stadt langfristig zu erhöhen. Zum Beispiel dort, wo sich heute als Teil der Gartenschau der Bestehornpark mit Bildungszentrum, Ausstellungshallen und Sitzskulpturen im Grünen erstreckt, fristete zuletzt die Ruine des VEB Optima ein trauriges Dasein. Auch am Flüsschen Eine sind alte Fabrikhallen und Gestrüpp verschwunden. Stattdessen warten auf der Eine-Terrasse Liegestühle auf die Besucher, während sich die dort wohnenden Ascherslebener dauerhaft an einer Aussicht ins Grüne erfreuen können.
Am nördlichen Ende des ehemaligen Thälmannparks, auch er eine Oase voller alter Bäume und Stauden, hat der 600 Quadratmeter große Kirchengarten mit dem Gartenhaus seinen Platz gefunden. Dort wachsen alte Obst-, Gemüse- und Getreidearten sowie Kräuter, die auf den Anbau von Kulturpflanzen jenseits der konventionellen Arten und Anbaumethoden verweisen. Hier läutete am Nachmittag des 24. April Pfarrerin Christina Weigel, die die Projektstelle »Kirche auf der Landesgartenschau« innehat, die Eröffnungsandacht ein. Propst Christoph Hackbeil forderte die Besucher auf, sich zu besinnen, »woher unser Leben mit all seinem Reichtum kommt«. Der Egelner Superintendent Michael Wegner lud anschließend ein, das 170-tägige ökumenische Gemeindefest »Leben teilen« mitzufeiern, das 140 evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden vorbereitet haben.
Wie ein roter Faden beziehen sich Kunstwerke und Kinderspielorte der Gartenschau auf einen großen Sohn der Stadt, Adam Olearius. Der Gelehrte, Diplomat und Begründer der Reiseschriftstellerei wurde 1599 in Ascherleben geboren. Im Tagebuch seiner »Moscowitischen und Persischen Reise« (1633–1639) schrieb er: »Ich behaupte, dass es eine von den größten Glückseligkeiten ist, die in dieser Welt einem Menschen widerfährt, wenn er … Reisen in ferne Länder tun, die Welt durchwandern, fremde Länder und Leute sehen und ihre Eigenart erkunden … kann.« Für alle, die es nicht so weit mögen: Auch eine Reise in die Geburtsstadt des Gelehrten fördert das Wohlgefühl.
Angela Stoye
www.landesgartenschau-aschersleben.de
Mohrenhirse und Paradiesgerste
22. April 2010 von redaktionguh
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Landesgartenschau: Die Kirchen plädieren in ihren Angeboten in Aschersleben für den Erhalt der Artenvielfalt

Christina Weigel ist die Projektleiterin des Kirchengartens.
Unter dem Motto »Natur findet Stadt« wird am Sonnabend in Aschersleben die Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt eröffnet. An den 170 Tagen sind die Kirchen mit eigenem Programm und eigenem Profil vertreten.
Lange Zeit schien es so, als ob der Frühling gar nicht kommen wollte. Auf dem Gelände der Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt in Aschersleben zeigten sich bei vielen Pflanzen Knospen und Blätter nur zögerlich. Manch uralter Getreidesorte im Ökumenischen Kirchengarten dagegen macht kaltes Wetter nichts aus. »Eine große Widerstandskraft bei tiefen Temperaturen hat unter anderem der Tiroler Bergweizen, den wir hier angepflanzt haben«, sagt Landschaftsarchitektin Christine von Mertens. An diesem Wochenende öffnet die Landesgartenschau und damit auch der Kirchengarten für 170 Tage die Pforten.
Mertens hat den Kirchengarten mit dem sogenannten Ressourcengarten gestaltet, in dem fast in Vergessenheit geratene Gemüse-, Kräuter- und Getreidesorten zu bestaunen sind. Thematisch geht es dabei vor allem um den Erhalt der Artenvielfalt. Oft sind alte Sorten widerstandsfähiger als in der Region angebaute Gattungen. »Ökologische Vielfalt anstatt besitzergreifende Einfalt« sei gefordert, sagt die Projektleiterin des Kirchengartens, Christina Weigel.
Für das Hauptgebäude des Kirchengartens, der unter dem Motto »Leben teilen« steht, war ein denkmalgeschütztes Gebäude renoviert und nach ökologischen Maßgaben modernisiert worden. Der rund 300 Jahre alte Feldsteinbau wurde ursprünglich als Färberhaus errichtet. Ihre Stoffe spannten die Färber wohl auch auf den angrenzenden Grünflächen zum Trocknen auf. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände erst Friedhof und zu DDR-Zeiten der Thälmannpark. Das »Gärtnerhaus« genannte Gebäude wird für Ausstellungen – zum Beispiel von »Brot für die Welt« – genutzt. Der Eine-Welt-Laden öffnet hier, und bei Regen werden die täglichen Andachten in das Haus verlegt.
Eigentümer ist der Berliner Architekt Gernot Lindemann, der auch als Bauherr bei der Renovierung fungierte.
Der Kirchengarten nimmt 600 Quadratmeter im nördlichen Teil des Stadtparkes ein. In den Beeten des Ressourcengartens wachsen etwa 40 Gemüsesorten, Kräuter sowie rund 30 Sorten Getreide – überwiegend verschiedene Formen des Weizens. Es finden sich so skurrile Bezeichnungen wie etwa Mohrenhirse, Nackteinkorn, Jordanischer Wildemmer und Paradiesgerste. Vermutlich mit dem Weizen genetisch verwandt sind Gänsefußgras, Ziegenaugengras und etliche Wildgräser. Die alten Weizenarten stammen überwiegend aus dem Vorderen Orient. »Die Sorten müssen jetzt angebaut werden, damit sie Zeit und die Möglichkeit haben, sich an die Klimaveränderungen anzupassen. Sie dürfen nicht einfach nur in Samenbanken lagern«, betont Mertens. So eigne sich Wildeinkorn besonders zum Anbau in trockenen Gebieten.
Der Ressourcengarten soll dazu anregen, die Vielfalt und den Wert der gemeinsamen Wurzeln im wörtlichen wie im übertragenden Sinn zu erkennen, sagt Gemeindepädagogin Weigel. Dieser Fundus müsse mit allen Völkern geteilt werden, anstatt den Entwicklungsländern genveränderte Pfanzen aufzudrängen. »Gentechnik in der Landwirtschaft löst nicht das Ernährungsproblem in der Welt«, pflichtet ihr Mertens bei. Für den Kirchengarten wurde auch ein »Lebenskreuz« angefertigt, das vor dem Haus steht. Hier hängt als Leihgabe im eigenen Glockenstuhl die Glocke, die von der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin stammt. In zwei »Gebets-Stelen« können Gäste entweder »Dank-Zettel« oder Notizen mit Klagen einwerfen. Die Briefkästen werden täglich geleert und die Anliegen in die Mittagsgebete aufgenommen.
Das täglich wechselnde Programm gestalten Gemeinden und Einrichtungen aus den Kirchenkreisen Egeln und Ballenstadt, katholische und freikirchliche Gemeinden – in der Regel im Freien, bei schlechtem Wetter im »Gärtnerhaus«. Die Landesgartenschau »Natur findet Stadt« in Aschersleben ist bis 10. Oktober geöffnet.
Karsten Wiedener






