Vorerst kein Begleitheft zum Gesangbuch

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Weltliche Lieder im Gottesdienst: Was Kirchenmusiker dazu sagen

In Hessen ist es kürzlich erschienen: Das EGplus, ein Begleitheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG) mit weltlichen Liedern. Als »sehr erfreulich« und »gut gelungen« beurteilt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Buch.

Dennoch wird es in der EKM in absehbarer Zeit wohl kein ähnliches Heft geben. Ehrenwerths Vorstoß ist auf einer Tagung der Kreiskantoren gescheitert. Das EG ist nach Meinung der Musiker aus den Kirchengemeinden noch nicht ausgeschöpft. Kein Einziger hielt eine gedruckte Ergänzung für nötig, so Ehrenwerth weiter. Dabei hatte der Landeskirchenmusikdirektor gemeinsam mit Landesposaunenwart Frank Plewka und Landessingwart Mathias Gauer bereits begonnen, einen Kanon bewährter weltlicher Lieder zu sammeln und zu sichten. »Mit so vielen Gegenargumenten hatten wir nicht gerechnet«, sagt Ehrenwerth überrascht. Gegen das Votum der Kreiskantoren ein Begleitheft zu veröffentlichen, sei kein Weg, denn »sie sind es, die ein neues Buch vermitteln müssen«. Dennoch treibt das Anliegen den Landeskirchenmusikdirektor weiterhin um. »Unsere Listen wollen wir fertig stellen«, kündigt Ehrenwerth an. Er möchte das Thema auch bei der Klausurtagung der Kammer für Kirchenmusik im Januar zur Sprache bringen.

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Seiner Beobachtung zufolge zehren viele Gemeinden vom großen Angebot bereits vorhandener Liederbücher: »Durch Hohes und Tiefes«, »colours of grace« oder das zum Kirchentag erschienene »freiTöne«. Möglicherweise, so Ehrenwerth, setzen sich auch Lieder-Apps, wie sie die EKD jetzt angekündigt hat, durch.

Auch weltliche Lieder brauchen geistlichen Bezug

Selbst wenn derzeit kein Interesse an einem gedruckten Beiheft besteht, werden weltliche Lieder natürlich im Gottesdienst gesungen. Auf Nachfrage von G + H äußerten sich Kantoren teils aufgeschlossen, teils skeptisch. »Wenn englischsprachige Popsongs in ein Beiheft aufgenommen werden sollen, müsste man sehr genau hinschauen: Erzählen sie etwas über die Beziehung Gott-Mensch?«, sagt Thomas Ennenbach aus Eisleben. Überarbeitungen weltlicher Vorlagen seien kein Problem, dies habe eine lange Tradition. Aber immer sollte das Liedgut Gott verkündigen, loben, klagen. Allgemein bekannte Popsongs aus Radio, Kaufhaus und Reisebussen sieht Ennenbach als verzweifelten Versuch, sich dem Zeitgeist einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, anstatt sich auf den Kern christlicher Aussagen zu konzentrieren.

Den Gottesdienst bezeichnet Roland J. Dyck aus Salzwedel als ein Stück Himmel auf Erden. »Es ist ein bisschen wie beim Zauberportal im Märchen: Ich gehe hindurch und bin in einer anderen Welt. Wenn ich jenseits der ›schönen Pforte‹ (EG 166) aber nichts anderes vorfinde, als die mir vertraute Alltagswelt – warum soll ich mich dahin auf den Weg machen?« Vom Alltag abgehoben darf der Gottesdienst jedoch nicht sein. Beide Welten müssen in Berührung bleiben. Und was heißt das für die Musik? »Weltliche Musik in der Kirche: Ja, natürlich«, sagt Dyck. Was in Gegenwart des Gekreuzigten bestehen kann, solle auch seinen Platz in der Kirche finden. Weltliche Musik sei bei Kasualien gang und gäbe oder im Zusammenhang mit der Predigt. Mit Schmunzeln denkt der Marienkantor an eine Pfarrerin, die von der Kanzel sang: »Muss nur mal schnell die Welt retten …« und in Verbindung mit einem Bibeltext dazu predigte. »Aber weltliche Musik im Gesangbuch – als Bestandteil des regulären gottesdienstlichen Kanons? Ich sehe nicht, welchen Sinn das haben sollte – abgesehen von billigem Publikumsfang.«

Der scheidende Kantor aus Zeitz, Clemens Bosselmann, singt weltliche Lieder, die einen gewissen geistlichen Bezug haben, vor allem in Gottesdiensten mit Jugendlichen. »Ich habe wenige Berührungsängste und halte, gerade in einem Beiheft, die Einführung von solchen Songs für unproblematisch.«

Mirjam Petermann, Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Musiker mit Vorleserqualitäten

22. August 2016 von redaktionguh  
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In der Reihe der Sommerinterviews sprach Michael von Hintzenstern mit Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth über private Urlaube, Konzertreisen und die Zukunft der Kirchenmusik.

Herr Ehrenwerth, Sie haben Ihren Urlaub kürzlich beendet. Konnten Sie die Seele baumeln lassen und ein wenig entspannen?
Ehrenwerth:
Wie bei jedem von uns muss der Urlaub was anderes sein als der Alltag. Meine Frau und ich haben dieses Jahr eine weite Reise auf die Insel Madeira gemacht, waren ziemlich oft unterwegs, um viel kennenzulernen, es gab ausgedehnte Wanderungen, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bananen und Eukalyptusbäume wachsen sehen. Und wir haben uns mehrfach in Funchal, der Hauptstadt mit dem so vielfältigen Flair, umgetan. Es war also eher ein Aktivurlaub. Ein guter Ausgleich zum Sitzen am Schreibtisch im Erfurter Zentrum für Kirchenmusik! Wenn man den Körper bewegt, lüftet man ja Geist und Seele mit. Die Mischung aus Aktivität und Ruhe ist uns diesmal gut gelungen. Zum Entspannen im Urlaub gehört übrigens auch, dass ich meiner Frau an den Abenden Bücher vorlese (während sie strickt), die möglichst irgendetwas mit der Urlaubsgegend zu tun haben, diesmal ein historischer Roman, ein Krimi und ein angefangenes drittes Buch, das noch zu Ende gelesen werden muss! Jetzt folgt noch eine Woche Familienurlaub mit den erwachsenen Töchtern. Das ist eine Tradition seit Jahren.

Dietrich Ehrenwerth beim Sommerinterview zwischen zwei Urlauben. Foto: Mario Gentzel

Dietrich Ehrenwerth beim Sommerinterview zwischen zwei Urlauben. Foto: Mario Gentzel

Das heißt, Sie waren erst mit Ihrer Frau unterwegs und dann noch mal mit der ganzen Familie.
Ehrenwerth:
Ich habe 14 Tage wieder gearbeitet. Im Zentrum für Kirchenmusik ist es in den Sommermonaten ein bisschen ruhiger. Das Telefon klingelt eher selten. Und man genießt, dass man mal zu Dingen kommt, die sonst eher nicht möglich sind. Obwohl man natürlich dann doch nie das schafft, was man sich eigentlich vorgenommen hat.

Haben Sie bevorzugte Urlaubsziele? Manche fahren immer an den gleichen Ort. Andere wechseln lieber. Wie machen das die Ehrenwerths?
Ehrenwerth:
Unterschiedlich! Wir sind viele Jahre lang Fahrrad gefahren entlang der deutschen Flussradwege. Vor allen Dingen an den Flüssen, die man in unserer Kindheit und Jugendzeit nicht besuchen konnte, also etwa Ems, Rhein, Mosel, Main, Nahe. In den letzten Jahren waren wir öfter in Südtirol. Manchmal finden wir es aber auch angenehm, nicht so weit wegzufahren, Thüringen und das Erzgebirge spielen da schon noch eine Rolle. Man muss, glaube ich, nicht immer die ganz weiten Ziele haben.

Viele Kirchenmusiker sind im Sommer besonders aktiv, um in den nun angenehm temperierten Kirchen zu konzertieren. Wie ist das bei Ihnen?
Ehrenwerth:
Wir haben eine Konzertreihe hier im Augustinerkloster: die Sonntagskonzerte, die jeweils bis zum Ende des Schuljahres laufen. Aber die Orgelkonzerte mittwochs in der Predigerkirche gehen natürlich weiter. Wir im Augustinerkloster gehören ja zur Predigergemeinde. Dass Kirchenmusiker in den Sommermonaten besonders aktiv sind, sieht man am besten auf der Veranstaltungsseite von »Glaube + Heimat«. In diesem Jahr vielfach unter der Überschrift »Max Regers 100. Todestag«, woran dann ein oder mehrere Stücke im Programm erinnern. Es gibt eine Fülle von Angeboten, nicht nur in den Domen und Stadtkirchen, sondern auch in der Kleinstadt und auf dem Dorf.

Wie sieht es mit Konzertreisen aus?
Ehrenwerth:
Unser Andreas-Kammerorchester gastiert Ende August in Bad Salzungen, Friedrichroda und Eschenbergen. Der Augustiner-Vocalkreis gibt Anfang Oktober Konzerte in der Altmark. Und die Augustiner-Kantorei fährt im gleichen Monat für zwölf Tage nach Japan. Das ist ein Projekt, das sehr lange vorbereitet worden ist und nun tatsächlich Wirklichkeit wird. Bis vor kurzem haben alle noch ein bisschen daran gezweifelt. Aber nun ist es sicher. Es wird viele Begegnungen mit japanischen Chören geben. Und auch ungewohnte Stücke. Die Kantorei singt ja sonst eher Oratorien. Dieses Mal werden A-cappella-Kompositionen gesungen, Volkslieder und Lieder mit japanischen Chören zusammen mit japanischem Text, aber auch Stücke für Chor und Orgel, Bach und viel Mendelssohn …

Wir fahren sozusagen als Botschafter des Reformationsjubiläums. Landesbischöfin Ilse Junkermann ist Schirmherrin dieser Reise, aber auch der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Es geht hauptsächlich um kulturelle Begegnungen.

Das ist logistisch sicher nicht ganz einfach zu stemmen. Wie groß ist die »Delegation«?
Ehrenwerth:
Fast 100 Leute aus der Kantorei werden dabei sein.

Bietet der Sommer Raum, um über Perspektiven und zukünftige, auch langfristige Projekte nachzudenken?
Ehrenwerth:
Na klar. Ich will, kann da jetzt keine konkreten Ergebnisse sagen. Aber natürlich hat man im Sommer eher Gelegenheit, nachzudenken und Gespräche zu führen. Ich war jetzt mit einem Kollegen im Ruhestand vier Tage lang unterwegs. Und wir haben wandernd von morgens bis abends alle Themen rund um die Kirchenmusik behandelt. So etwas ist ganz wichtig, dass man sich mal mit jemandem austauschen kann, der die Dinge inzwischen mit ein bisschen Abstand sieht.

Sie sind ausübender Kirchenmusiker, tragen als Landeskirchenmusikdirektor (LKMD) aber auch Verantwortung für die gesamte EKM. Wo wird die Entwicklung in den nächsten zehn, 20 Jahren hingehen? Weiterer Stellenabbau, hauptamtliche Kirchenmusiker nur noch in Kernregionen? Ehrenwerth: Es ist ganz schwierig, da zu orakeln. Ich bin in diesem Amt seit 16 Jahren. In dieser Zeit hat man immer Stellenabbau befürchtet. Ich muss sagen, dass er aber eigentlich bisher gar nicht so extrem eingetreten ist. Wir haben die Zahl der Kirchenmusikerstellen erstaunlicherweise fast gehalten.

In den großen Städten gab es Abbau, in der Fläche aber auch Zuwachs. Es ist nicht so, dass wir so viel weniger geworden sind. Jetzt in der aktuellen Stellenplandiskussion erscheinen am Horizont natürlich Probleme. Wenn wir uns die Mitgliederentwicklung unserer Kirche angucken, dann wird dies nicht spurlos an der Kirchenmusik vorbeigehen. Aber ich habe doch die große Hoffnung, dass Kirchenmusik insgesamt ihren hohen Stellenwert behält.

Das wird sicher ein bisschen unterschiedlich gesehen, von Kirchenkreis zu Kirchenkreis, dort liegt ja die Verantwortung für die Stellenpläne. Aber die Menschen, die in der Kirchenmusik aktiv sind, von den Chorsängern bis zu den Bläsern, von den Kindern bis zu den Senioren, deren Anzahl in den letzten Jahrzehnten insgesamt übrigens erfreulich konstant geblieben ist, sind doch die Aktiven in der Gemeinde und sitzen oftmals in den Entscheidungsgremien. Und die werden sich hoffentlich zu gegebener Zeit zu Wort melden und sagen: Kirchenmusik ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein ganz zentrales Anliegen unserer Kirche!

In »Glaube + Heimat« werden oft goldene Amtsjubiläen von verdienten Organisten oder Chorleitern gewürdigt. Immer mehr engagierte Ehrenamtliche scheiden aus Altersgründen aus. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Ehrenwerth:
Die Situation wird schwieriger. Zumal wir überall in der Gesellschaft feststellen können, dass Menschen sich gerne eine begrenzte Zeit lang für etwas engagieren, aber nicht dauerhaft verpflichten wollen. Und gerade für potenzielle jugendliche Organistinnen oder Organisten beginnen unsere Gottesdienste am Sonntagmorgen ja doch relativ früh am Tag. Also wir können eigentlich nur versuchen, immer wieder Kursangebote zu machen.
Sommerlogo GuHWir experimentieren regional unterschiedlich! Gute Erfahrungen gibt es in letzter Zeit mit Kursangeboten für Chorleiter in zwei Propsteien im Süden, aber auch für Organisten existieren Angebote, gerade wieder in Halberstadt und in Wolmirstedt mit guter Beteiligung. Anfang September wird es in der Propstei Eisenach-Erfurt einen Fortbildungstag für Neben- und Ehrenamtliche geben, da steht z. B. Singen mit Kindern auf dem Programm. Das soll sich zugleich an Kindergärtnerinnen und Grundschullehrer wenden. Und wir bieten die C-Ausbildung in Halle und Erfurt und Konsultationstage für die D-Prüfung an. Das ist sicher alles noch nicht genug. Der Kontakt zu den Musikschulen wird intensiviert werden müssen. Jede Gemeinde muss Ausschau halten nach Menschen, die bereit sind, so einen Dienst zu übernehmen. Und dass sich der Blick nicht immer nur auf die Orgel richtet, sondern auf andere Möglichkeiten: Warum soll die Gemeinde nicht auch mal von einem Trompeter oder Gitarristen begleitet werden? Ich denke, wir brauchen noch mehr Fantasie für die Zukunft.

Stichwort Reformationsjahr 2017. Wie sind Ihre Erwartungen, wird ein Event das nächste jagen? Was geschieht danach?
Ehrenwerth:
Die Kolleginnen und Kollegen in der EKM haben eine Fülle an Aktivitäten im nächsten Jahr geplant. Zu den landeskirchlichen Schwerpunkten gehören der Deutsche Evangelische Kirchentag in Wittenberg und vor allem die »Kirchentage auf dem Weg«. Zu den acht Veranstaltungsorten gehört auch Erfurt. Die Augustiner-Kantorei hat bei dem Magdeburger Komponisten Thomas König ein Werk in Auftrag gegeben, das einzelne Lieder des Erfurter Enchiridions von 1524, eines der ersten Gesangbücher überhaupt, zur Grundlage haben wird. Er wählte dafür eine hochinteressante Besetzung: Chor und Orgel, zwei Gesangssolisten, Violoncello und Saxofon. Das Stück soll dann am Reformationstag noch einmal aufgeführt werden.

Sonne-webWeimar ist nach dem Europäischen Kulturstadtjahr 1999 in ein großes Loch gefallen und auf einmal stand alles still. Könnte das auch nach dem Lutherjahr passieren?
Ehrenwerth:
Also ich merke auch eine gewisse Müdigkeit am Ende der doch langen Lutherdekade. Hinterher mal wieder völlig frei zu sein und vielleicht zunächst mal ein, zwei Jahre zu haben, in denen man sich nicht nach einem Oberthema in der Planung richten muss, werden wir, glaube ich, alle sehr genießen. Die nächsten Landeskirchenmusiktage sind dann vermutlich 2019 dran.

Dann muss man Ende 2017 auch schon wieder anfangen zu planen.
Ehrenwerth:
Genau. Wir sind gerade dabei zu überlegen, wo die nächsten stattfinden können. Und es wird sicher wieder einen Landeskirchenchortag oder Propstei-Chortage geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir alle, wenn am 1. November 2017 der Reformationstag vorbei ist, erst mal tief Luft holen.

Schätze aus 500 Jahren

25. Dezember 2012 von redaktionguh  
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Die Musik stand 2012 im Mittelpunkt des Themenjahres der Reformationsdekade. Dietlind Steinhöfel sprach mit dem Landeskirchenmusikdirektor der mitteldeutschen Kirche (EKM), Dietrich Ehrenwerth.

Herr Ehrenwerth, das Jahr »Reformation und Musik« geht zu Ende. Welche Bilanz ziehen Sie?
Ehrenwerth: Die Kirchenmusikerinnen und -musiker der EKM haben unendlich viel auf die Beine gestellt in diesem Jahr. Eine große Zahl von Konzerten und Abendmusiken hat sich am Jahresthema ausgerichtet. Und dann gab es erstmals den Propsteichortag mit etwa 3000 Sängerinnen und Sängern an fünf Orten: Gotha, Apolda, Suhl, Merseburg und Magdeburg. Die Chöre sangen miteinander auch an ungewöhnlichen Orten wie im Straßenbahndepot in Gotha oder auf den Marktplätzen. Wir hoffen, in einigen Jahren wieder zu einem solchen Chortag einladen zu können. Das ist neben dem Organisationsaufwand auch eine finanzielle Frage. In diesem Jahr wurden wir unterstützt vom Freistaat Thüringen, aus dem landeskirchlichen Luther-Fonds und aus der Kollekte des Sonntags Kantate.

Dietrich Ehrenwerth

Dietrich Ehrenwerth

Auch die sechs Wochen »Kirche klingt – 366+1« in der EKM und Anhalt mit 42 Konzerten waren ein farbiges Ereignis. Viel Engagement war da von den Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern vor Ort gefragt, in manchen Kirchenkreisen haben sie gemeinsam etwas veranstaltet. »Reformation und Musik«, so schätzt es die EKD ein, sei das bisher erfolgreichste der Themenjahre gewesen. Die große Außenwirkung hängt einfach auch damit zusammen, dass sehr viele Menschen aktiv beteiligt waren.

Die Kirchenmusik ist eine wichtige Größe in der Verkündigung. Hat sich das verstärkt – auch im Bewusstsein der Gemeinden?
Ehrenwerth: Kirchenmusik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde gewesen! Unser musikalischer Reichtum aus 500 Jahren ist mal wieder deutlich ins Bewusstsein getreten: von den alten Kirchenliedern über die Vielfalt alter und neuer Kompositionen bis hin zu Pop- und Gospelmusik. Auch die Breite unserer Arbeit: Wir haben in der EKM in 820 Chören etwa 15000 Sänger, 140 Instrumentalgruppen, dazu 240 Posaunenchöre mit rund 3000 Bläsern. Neben den etwa 190 hauptberuflichen Kirchenmusikern gibt es neben- und ehrenamtlich 1300 Organisten, 400 Chorleiter und 175 Posaunenchorleiter. Die Vielfalt wird besonders jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit deutlich.

Welche Impulse hat das Themenjahr für die Zukunft gegeben?
Ehrenwerth: Es ist wieder deutlich geworden: Reformation und Musik, Kirche und Musik gehören für ganz viele Menschen zusammen, unser gemeinsames Singen und Spielen in den Gottesdiensten und Chören ist unverzichtbar. Von dieser Erkenntnis wird sicher etwas bleiben. Und die Andachten in unserer Kirchenzeitung zum Lied der Woche haben gezeigt, dass wir Kirchenmusiker auch sprachfähig sind. Das war eine wirklich gute Idee.