Braga, Coimbra und Fatima

20. Juni 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

Comments Off

Leser von Glaube und Heimat entdeckten im Mai die Sehenswürdigkeiten Portugals

Das Interesse der 26 Leser von Glaube+Heimat war groß, denn alle betraten portugiesischen Boden zum ersten Mal. Nach der Landung in Porto und dem Empfang durch die Reiseleiterin Teresa Leite sahen wir die geschichtsträchtige Stadt vorerst vom Bus und bekamen einen Vorgeschmack auf das, was uns 23. bis 30. Mai erwarten sollte. Im Hotel – mit Blick auf den Atlantik – bat uns Reisebegleiter, Pfarrer i. R. Hanfried Victor, zu einer Vorstellungsrunde und ließ uns die Erwartungen für die nächsten Tage aussprechen. Der überwiegende Teil wollte die Sehenswürdigkeiten kennenlernen und den geschichtlichen Hintergrund dieses einstmals durch seine Kolonien so überreichen Landes erklärt bekommen. Es gab aber auch Hoffnungen, mehr über das Miteinander der verschiedenen Konfessionen zu erfahren.

Der erste Tag brachte uns in die Kathedrale von Braga, wo ein junger Organist die zweiteilige Barockorgel erklärte. Wir sahen die hochgelegene Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte, die früher nur durch einen mühsamen Aufstieg erreicht werden konnte. Nach einem Bummel durch Porto erreichten wir den Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Börsenpalast, dessen Größe und reichhaltige Innenausstattung alle faszinierte. Die Schifffahrt auf dem Douro führte bis fast an die Mündung. Leider endete sie vorzeitig durch Maschinenschaden.

Nächstes Ziel war Lissabon. Aber erst gab es einen Spaziergang im Park und Wald von Bussaco mit seinen seltenen Bäumen und anderen Pflanzen. Später folgte eine Führung durch die Universitätsstadt Coimbra mit ihrer reichhaltigen Bibliothek. Gespannt waren wir auf den Pilgerort Fatima. Hier soll Maria drei Hirtenkindern erschienen sein. Sie wohnten – wie wir uns überzeugen konnten – mit ihren Eltern vor 100 Jahren in ärmlichen Katen. Besonders hier wurde deutlich, wie die Andenkenindustrie das Eigentliche eines solchen Ortes überdecken kann. Nachdem wir den Versammlungsplatz vor der Wallfahrtskirche, der etwa zehn Fußballfelder groß ist, überquert hatten, stellte sich heraus, dass die angemeldete Andacht in der Erscheinungskapelle nicht möglich war. Man verwies uns auf den interessanten Rundbau der knapp zehn Jahre alten Igreja da Santissima Trinidade (Dreifaltigkeitskirche) – dem viertgrößten Kirchenbau der Welt mit Platz für 8.600 Gläubige. Dort haben wir dann fröhlich singen und beten können.

Lissabon ist eine hügelige Stadt mit engen Gassen und schönen Aussichtspunkten. Bei herrlichem Wetter und leichtem Wind standen wir auf der Burg Sao Jorge, einer früheren Maurenfestung und dem späteren Sitz vieler portugiesischer Könige. Wir konnten über die Stadt hinweg den vor der Mündung recht breiten Tejo bestaunen. Der Nachmittag war dem sehr informativen Besuch der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Lissabon vorbehalten. Sie ist eine der ältesten Auslandsgemeinden, deren Wurzeln bis 1761 zurückreichen. Das Pfarrerehepaar Nora Steen und Leif Mennrich – früher in Hildesheim – teilen sich für sechs Jahre diese Stelle. Der Empfang war überaus herzlich. Mit Spannung hörten wir die kurzen Berichte einiger Gemeindeglieder über ihren Lebenslauf und die Gemeindesituation. Ausführliche Informationen findet man auf der sehr gut gepflegten Webseite www.dekl.org.

Lesergruppe mit Pfarrerin Nora Steen und ihren beiden Töchtern in Lissabon

Lesergruppe mit Pfarrerin Nora Steen und ihren beiden Töchtern in Lissabon

Neugierig waren wir auf die zum UNESCO-Welterbe gehörende Kulturlandschaft von Sintra, deren Schönheit schon viele Dichter gepriesen haben. Und der aus den Resten eines Maurenschlosses errichtete Königspalast hat uns nicht enttäuscht. Riesige Räume, so unter anderem der Schwanensaal und eine Küche mit zwei weithin sichtbaren Abzugskaminen, wurden gezeigt.

Unsere Phantasie wurde dann am Cabo da Roca beflügelt. Wir stellten uns vor, wie am westlichsten Punkt Europas im 15. Jahrhundert der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer seine Entdeckungsfahrten plante und Portugal zur führenden Weltmacht aufsteigen ließ. Daran hatte auch Vasco da Gama großen Anteil. Seinen Sarkophag fanden wir im Hieronymos-Kloster im Stadtteil Belem. Leider hatte Kardinal Manuel Clemente, der Patriarch von Lissabon, eine für den Nachmittag verabredete Audienz nicht einhalten können, so dass wir nach längerer Wartezeit den Bischofspalast wieder verlassen haben. Wir fanden das schade. Unsere Reiseleiterin hatte Tränen in den Augen. Als „Trostpflaster“ spendierte uns Pfarrer Victor eine Konditor-Spezialität Lissabons, die „Pasteis de Belem“, ein süßes Blätterteig-Gebäck mit köstlichem Eierpudding.

Die über 2000 Meter lange Hängebrücke über den Tejo überquerten wir nun in Richtung Algarve, fanden den Besuch der Knochenkapelle in Evora recht makaber, dagegen den Besuch einer Korkeichenfabrik hoch interessant. Es erstaunte uns, dass man aus diesem Material Schuhe und Taschen, aber auch Lampenschirme und Schreibtischunterlagen herstellen kann.

Der letzte Tag klang aus mit einem Besuch des Cabo de Sao Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europas und der Stadt Sagres mit ihrem Sklavenmarkt, aber auch einem sehr interessanten Museum.

Ein würdiger Abschluss führte uns dann noch einmal alle zusammen zu einem Gottesdienst in der deutschsprachigen Evangelischen Kirchengemeinde im Algarve, den uns Pfarrer Hans-Uwe Hüllweg hielt. Er wohnt in Münster, begleitet aber zurzeit für zehn Monate als Ruheständler die Gemeinde in Süd-Portugal.

Was bleibt? Einmal die Erinnerung an das harmonische Miteinander, aber vor allem das über 100-seitige Vorbereitungsheft mit wertvollen Informationen, Gebeten und ausgesuchten Liedern, die wir oft und gern gesungen haben.

Pfarrer i. R. Rudolf Haas, Magdeburg

Ostern mit Kanonenschlägen

7. Mai 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

Comments Off

Bunter Strauß von Eindrücken: Die Leserreise zum orthodoxen Osterfest auf die Kykladen

Während das heilige Licht von Kerze zu Kerze weitergegeben wird und Priester und Diakone auf dem Platz vor der Kirche die Liturgie singen, wird das zuvor noch vereinzelte Prasseln und Knallen zum ohrenbetäubenden Getöse. Hunderte von Knallkörpern fliegen durch die Gegend, Raketen steigen, farbige Funken sprühend, in den mitternächtlichen Himmel. In das hektische Klingeln der Kirchenglocken mischen sich dröhnende Kanonenschläge, die schon Sekundenbruchteile vor dem Trommelfell im Bauchfell spürbar werden. Und in all das erklingt der Ruf: »Christós Anésti!« – »Christus ist auferstanden!«

Es ist die Osternacht in Parikia, Hauptstadt der Kykladeninsel Páros. Feuerwerke steigen in dieser Nacht noch an vielen anderen Kirchen der Insel und ebenso auf den Nachbarinseln in den Himmel über der Ägäis. Griechisch-orthodoxe und katholische Christen feiern mit dieser bunten Mischung aus Silvesterknallerei und besinnlicher Osternacht gemeinsam nach dem julianischen Kalender das Fest der Auferstehung Christi. Es ist in der griechischen Kultur bis heute das wichtigste Fest überhaupt.

Fröhliche Runde unter strahlendem Mittelmeerhimmel: die »Glaube + Heimat«-Leserreisegruppe vor der berühmten Löwenstraße auf dem Ausgrabungsgelände der Insel Delos – Foto: Ioannis Giannourakos

Fröhliche Runde unter strahlendem Mittelmeerhimmel: die »Glaube + Heimat«-Leserreisegruppe vor der berühmten Löwenstraße auf dem Ausgrabungsgelände der Insel Delos – Foto: Ioannis Giannourakos

Für 28 Christen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich vom 9. bis 19. April mit »Glaube + Heimat« auf die Leserreise zu den »Inseln des Lichtes« gemacht hatten, hielten die Eilande der Ägäis allerdings noch mehr Überraschungen bereit: Frühchristliche Kirchen, byzantinische Kunst, Griechenlands größtes archäologisches Ausgrabungsgelände auf der antiken »heiligen Insel« Delos, die Geschichte des parischen Marmors und Griechenlands wichtigste Wallfahrtskirche auf Tinos waren nur einige der Höhepunkte.

Dazu kamen ganz besondere Begegnungen mit Menschen: etwa mit der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Athen oder mit dem katholischen Priester von Tinos. Und nicht zu vergessen mit dem orthodoxen Priester Papa Kostas in Ermoúpoli, der Hauptstadt der Insel Syros. Er lud die Christen aus Mitteldeutschland sogar spontan ein, während der Messe einen Gruß zu singen: »Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.« Dank geübter Chorsänger drang der protestantische Osterchoral sogar mehrstimmig durch die orthodoxe Basilika. Ein durchaus ungewöhnliches Zeichen ökumenischer Offenheit in einer Region, die auch innerhalb Griechenlands für ihre kirchlich besonders konservative Haltung bekannt ist.

Reiseleiter Ioannis Giannourakos, kurz »Janni« genannt, vermochte es, nicht nur die Geschichte von der Frühzeit über die Antike bis zur Gegenwart des griechischen Staates mit seinen aktuellen Problemen lebendig zu vermitteln. Er sorgte durch unermüdlichen organisatorischen Einsatz dafür, dass die Reise zu einem wahrhaft ganzheitlichen Erlebnis wurde: Ob Wanderungen in der herrlich blühenden Frühlingsnatur der Kykladen, ob die vielfältigen Begegnungen mit unverdorben echter ägäischer Küche oder das Osterlamm-Essen und die Teilnahme an einem Dorffest mit Tanz und Gesang – die Vielfalt der Eindrücke dieser »Reise in guter Gemeinschaft« wird wohl noch einige Zeit nachklingen.

Harald Krille

Christen auf dem »Dach Afrikas«

25. Juli 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

Comments Off

G+H-Leserreise 2014 nach Äthiopien – manchmal auch abseits der Touristenpfade

Zwölf Leserinnen und Leser der Kirchenzeitung reisten gemeinsam mit Pfarrer Hanfried Victor nach Äthiopien. Hans-Christoph Schulz aus dem thüringischen Birkigt hat seine Eindrücke vom Leben auf dem »Dach Afrikas« aufgeschrieben:

Eine Herausforderung war es, sich in Äthiopien einige amharische Wörter einzuprägen und halbwegs verständlich auszusprechen, wie »batam amesegenallu« (vielen Dank). Wer sich redlich mühte, wurde mit einem freundlichen und verständnisvollen Lächeln der Gastgeber belohnt. Bilder und Begegnungen, die nicht mit der Digitalkamera festgehalten werden können, haben sich während der Reise tief ins Gedächtnis eingeprägt. So der Besuch bei Afrikas »Mutter Theresa«, der 80-jährigen Abebech Gobena. Angesichts der Hungerkatastrophe in den 1980er Jahren gründete sie unter großem persönlichem Einsatz ein Waisenhaus in Addis Abeba. Inzwischen sind Kindergärten, Schulen und Ausbildungswerkstätten hinzugekommen, in denen mehr als 12 000 Kinder aus den Armenvierteln in verschiedenen Projekten betreut werden. Ziel dieses von der UNICEF geförderten Konzeptes ist es, nicht nur Waisenkinder von der Straße zu holen, sondern Frauen und Mütter in Trainingsprogrammen zu stärken, damit sie selber für ihre Kinder sorgen können. In dem Gespräch erfuhren wir, dass bis heute allein in der Hauptstadt monatlich 20 Kinder verlassen und ausgesetzt werden und Millionen Kinder in Äthiopien auf der Straße leben.

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Ein anderes Bild: Unser äthiopischer Reiseführer Teketayi zeigte uns mit Hingabe und Herzblut sein Heimatland. Er führte uns nicht nur zu den touristischen Sehenswürdigkeiten in Addis Abeba, Axum, Gondar, Bahar Dar, Lalibela und den Simien-Nationalpark, sondern auch spontan zu Menschen. Während der Fahrt auf »Naturstrecke« nach Lalibela ging er mit uns in ein nahe gelegenes Dorf mit fünf Wohnhütten. Eine junge Frau zeigte uns ihre Rundhütte von sechs Metern Durchmesser, in der sie, ihr Mann, ihre drei Kinder, ihre Kuh und ihr Schaf leben. Wir sahen Lehmfußboden, eine kleine offene Kochstelle in der Mitte, Vorratssäcke an der Seite, ein Hochbett für die Kinder über den Tieren, eine Sitzgelegenheit als Ehebett. Wasser muss die junge Frau, die bald ihr viertes Kind erwartet, in einem 25-Liter-Kanister holen. Das bedeutet für sie eine halbe Stunde Fußweg bergauf, zurück in ihre Hütte. Bei aller äußeren Armut strahlt sie Fröhlichkeit aus. Ihre Haltung zeugt von einem Stolz auf das Land und seine kulturhistorische Geschichte.

Wie die meisten Menschen im nördlichen Hochland Äthiopiens trägt die junge Frau ein Kreuz: Ich gehöre zu Christus, ich bin sein Eigentum und trage seinen Namen, bedeutet das. Andere Menschen tragen ein Kreuz als Tattoo auf der Stirn. In Addis Abeba erlebten wir die Feier der Osternacht mit: Das Trommeln und rituelle Tanzen der Mönche, die große Andacht der Gläubigen waren so ganz anders als gewohnt, aber sehr beeindruckend.

Auch Luther war schon hier …

25. Juli 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

Comments Off

50 Christen aus Mitteldeutschland gingen Ostern 2014 auf eine ökumenische Wallfahrt nach Rom

Das gab es bisher so noch nicht: Je 25 Leser der evangelischen Kirchenzeitungen in Mitteldeutschland, »Glaube + Heimat« sowie »Der Sonntag«, und der katholischen Wochenzeitung »Tag des Herrn« machten sich über Ostern gemeinsam zu einer ökumenischen Pilgerfahrt nach Rom auf. Doch nicht nur um Papst und Petersdom, antikes und barockes Rom sowie Pizza und Pasta ging es dabei. Ob beim Besuch der frühchristlichen Katakomben oder bei der traditionellen Kreuz­wegandacht am Karfreitagabend im Kolosseum: Die Reise wurde auch zu einer Begegnung mit der 1 500-jährigen gemeinsamen Märtyrer- und Kirchengeschichte. In einer Sonderführung auf dem Campo Santo Teutonico erläuterte Rektor Hans Peter Fischer den deutschen Besuchern die Geschichte und Gegenwart des exterritorialen Gebietes innerhalb des Vatikans, zu dem heute neben einem Friedhof auch ein deutschsprachiges Priesterkolleg gehört.

Die ökumenische Pilgergruppe vor der Kulisse des Petersdomes – zugegeben, bei der Perspektive hat der Fotograf in der virtuellen Dunkelkammer ein wenig gemogelt … Pater Ralf Sagner (links) aus Leipzig und Redakteur Harald Krille (rechts) aus Weimar begleiteten die Gruppe. – Foto: Harald Krille

Die ökumenische Pilgergruppe vor der Kulisse des Petersdomes – zugegeben, bei der Perspektive hat der Fotograf in der virtuellen Dunkelkammer ein wenig gemogelt … Pater Ralf Sagner (links) aus Leipzig und Redakteur Harald Krille (rechts) aus Weimar begleiteten die Gruppe. – Foto: Harald Krille

Zwischen dem Friedhof und dem Petersdom stand ursprünglich auch der jetzt auf dem Petersplatz befindliche Obelisk als Markierung der antiken Arena des Kaisers Nero – die in der ersten großen Christenverfolgung Roms traurige Berühmtheit erlangte. Und: Auch Luther habe mit hoher Sicherheit bei seiner Romreise als Mönch 1510 bzw. 1511 auf dem Campo Santo Teutonico Station gemacht, zeigte sich Fischer überzeugt. Denn das Institut war zur damaligen Zeit erste Anlaufstätte für die Pilger aus Deutschland.

Den besten Gottesdienst in Rom erlebte der spätere Reformator in der deutschen katholischen Nationalkirche Santa Marie dell’Anima in der Altstadt Roms. Was lag näher, als dass auch die mitteldeutschen Pilger einen gemeinsamen Gottesdienst in dieser »frühen Lutherstätte« feierten? Zu den Höhepunkten der Reise aber gehörte sicherlich die Feier der Auferstehung Christi in der Ostermesse mit Papst Franziskus auf dem Petersdom, gemeinsam mit 150 000 Pilgern aus aller Welt. Weltkirche zum Anfassen! Und eine Sternstunde wurde die Begegnung mit dem Oberhaupt des weltweiten Benediktinerordens, Notger Wolf. Mehr als eine Stunde nahm sich der durch Bücher und Fernsehsendungen bekannte Abtprimas Zeit für das Gespräch mit seinen deutschen Landsleuten. Nicht ohne einen kritischen Blick auf die Zustände in Kirche und Gesellschaft zu werfen. Das Fazit am Ende: fünf ebenso anstrengende wie anregende Tage, die zeigten, dass evangelische und katholische Christen weit mehr verbindet als trennt.

Harald Krille

Ein Tag der Fragen

10. November 2013 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Am vergangenen Sonntag kehrten die Teilnehmer der Leserreise unserer Kirchenzeitung aus Israel zurück. Tiefe Eindrücke hinterließen die Spuren der Glaubensväter und die Spuren Jesu und ­seiner Jünger, denen die Gruppe nachging. Große Betroffenheit und Sprachlosigkeit folgten dem Besuch von Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Draußen vor der Gedenkstätte saß eine junge jüdische Familie mit ­einem Baby auf dem Arm. Und die Namens- und Altersnennungen in der Kindergedenkstätte klangen nach, schnürten den Hals zu.

Wie kann ein denkender Mensch, ein Gottesgeschöpf, anderen so viel Leid und Tod bringen – Frauen, Kindern, Männern? Fragen, die wir uns bis heute stellen müssen, nicht nur am 9. November jedes Jahres. Denn immer wieder werden Menschen verfolgt, fliehen, werden zurückgewiesen oder missachtet. Rassismus und Antisemitismus sitzen tief. Warum ist das Anderssein so schwer zu ertragen?

In diesen Tagen erinnern Gemeinden an die Pogromnacht vor 75 Jahren, an jüdische Nachbarn und einstige Freunde, die unsere Väter und Mütter dem Hass der Hitler-Herrschaft überließen. Zu wenige hatten den Mut, sich dieser entgegenzustellen, auch in der ­Kirche nicht.

Wenn im Stuttgarter Schuldbekenntnis 1945 beklagt wird, dass »wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben«, so ist doch hier nichts über die besondere Schuld gegenüber dem jüdischen Volk zu lesen, dem Volk, dem Jesus angehörte, dessen Glauben er lebte – und das vernichtet werden sollte.

Jeder muss das Übel in sich selbst suchen, erkannte die in Auschwitz ermordete jüdische Lehrerin Esther Hillesum (s. S. 3). Deshalb lautet die Frage: Wie ertrage ich das Anderssein?

Dietlind Steinhöfel

Auf Luthers Spuren nach Rom

17. September 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Erfurter Augustinerkloster veranstaltet Busreise auf historischer Route.

Im November 1510 brach Martin ­Luther aus dem Erfurter Augustinerkloster auf, um im Auftrag seines Ordens nach Rom zu reisen. Nach ­wochenlangem beschwerlichen Fußmarsch erreichten er und ein Begleiter Ende Dezember 1510 oder Anfang ­Januar 1511 die Stadt am Tiber. Die beiden Augustinermönche hielten sich zur Regelung ihrer Angelegenheiten vier Wochen in der »Ewigen Stadt« auf und traten dann den Rückweg an. Vermutlich im März 1511 traf Luther wieder in Erfurt ein.

Blick von der Kuppel des Petersdomes auf den Petersplatz in Rom. (Foto: epd-bild/Joerg Reuther)

Blick von der Kuppel des Petersdomes auf den Petersplatz in Rom. (Foto: epd-bild/Joerg Reuther)

Auf Anregung des Erfurter Augustinerklosters kann die historische Route vom 19. bis 26. Januar 2011 auf einer Busreise über die Alpen nachvollzogen werden, die in Medienpartnerschaft mit der Redaktion von »Glaube+Heimat« vom Erfurter Reisebüro Schäfer organisiert wird. Diese führt vom 19. bis 20. Januar über Augsburg, wo eine Stadtführung zum Thema ­Luther angeboten wird, über Chur nach Mailand (Andacht mit der Evangelischen Gemeinde im Dom).

Vom 21. bis 24. Januar ist Zeit, Rom individuell und gemeinsam zu ergründen. Hier gibt es zwei Gottesdienste in der Evangelischen Gemeinde, in der am 23. Januar der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich predigt. Die Rückreise führt am 25. und 26. Januar über Trient und den Brenner zurück nach Erfurt.

Die Reiseleitung liegt in den Händen von Kurator Lothar Schmelz ­(Augustinerkloster Erfurt) und Pfarrer Andreas Lindner (Erfurt).

Der Preis beträgt im Doppelzimmer pro Person 595 Euro und pro Person im Einzelzimmer 695 Euro. Zu den Leistungen gehören Hin- und Rückfahrt im Bus, 7 Übernachtungen/Frühstück in guten Mittelklassehotels, 3 Abendessen und ein Stadtplan von Rom. Dies wird durch fakultative Angebote ergänzt.

(mkz)

Informationen und Anmeldung (bis 31.10.2010) : Reisebüro Schäfer, Bahnhofstraße 38, 99084 ­Erfurt, Telefon (0361) 5 55 30-0, Fax -99, E-Mail info@LHCC-Erfurt.de