Innere Einkehr und Meditation

4. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Pilgerprojekt im Kirchenkreis Gera: Moderne Kunst in alten Kirchen

Bereits zum neunten Male laden alte Dorfkirchen in Gera zum Pilgern und zum Kennenlernen von Kunst ein. »NIMBUS – Pilgern und Kunst in Kirchen« heißt das Projekt, das der Geraer Zeichner und Maler Erik Buchholz im Jahre 2008 erstmalig organisierte.

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

Lokaltermin: Erik Buchholz und Claudia Fischer besprechen in Gera-Zwötzen Details ihrer Foto-Ausstellung. Foto: Wolfgang Hesse

»NIMBUS möchte neue Kunst dorthin bringen, wo die Kirchenräume die Spiritualität und das Ehrwürdige atmen. So verbinden sich Gegenwart und Vergangenheit und stellen ganz besonders junge Künstler und deren Schaffen in den Mittelpunkt«, erklärt der Initiator. »Andacht, innere Einkehr und Meditation finden wir in der modernen Lyrik, in der Musik, in einem Bild und auch in neuen Kunstformen, wie Video, Beleuchtung oder Klang.«

»Wir haben uns entschieden, zu NIMBUS 2017 wieder die Kirchen am südlichen Stadtrand einzubeziehen«, gesteht Erik Buchholz. So werden neben den Kirchen in Gera-Pforten und Markersdorf die Gotteshäuser in Zwötzen, Kaimberg, Liebschwitz und Taubenpreskeln einladen.

Die Taubenpreskelner Kirche liegt inmitten eines Friedhofes und inte­griert sich in das sie umgebende Grün. Buchholz hat Gerd Kaden aus Greiz vergangenes Jahr hier kennengelernt. Der Bildhauer war von der Idee begeistert und konnte für die Kirche in Gera-Liebschwitz gewonnen werden. Seine Arbeiten knüpfen an Darstellungen der geschundenen Kreatur an. Sein Gekreuzigter oder Schmerzensmann greift dieses Thema auf und führt es weiter.

Timm Kregel hat sich die Kirche Taubenpreskeln ausgesucht. Der 1957 in Leipzig geborene Grafiker studierte unter anderem Kunst und Design in Halle auf Burg Giebichenstein. Derzeit beschäftigt er sich mit Skulpturen, Malerei und Grafik. Seit 1999 lebt und arbeitet er in Gorsleben.

Claudia Fischer lebt in Jena und Lissabon und hat sich für die Zwötzener Kirche St. Martini entschieden. Die Künstlerin hat Fotografie in Rochester und Leipzig studiert und beschäftigt sich mit Themen, die sie fotografisch beschreibt. In Zwötzen zeigt sie ihre aktuellen Arbeiten. Sprache und Text verwandelt sie in eine Kunstform. Auf ihren Fotografien wird Text eines Laserdruckers »unter die Lupe genommen« und extrem vergrößert. Dabei sieht man Grafiken, die Holzschnitten ähneln. Diese Objekte werden sich beweglich in den Kirchenraum einpassen.

Die Schwedin Nina Lundström lebt seit dem Jahre 2000 in Weimar und arbeitet als Cutterin beim Fernsehen. Das Medium Video hat es ihr angetan. In der Kirche Gera-Pforten möchte sie einladen, ihre Kunst so zu entdecken, »wie wir das Leben in und mit dem Körper erleben«. Ihre Arbeiten zeigen Möglichkeiten, aus dem Alltäglichen auszubrechen und die Freiheit zu gestalten.

Tanja Pohl wirkt in Greiz und zählt zu den interessantesten Nachwuchskünstlerinnen. Ihre Werke, von Druckgrafik über Malerei bis hin zur Plastik, werden in Kaimberg zu sehen sein. Schließlich wird Angelika Weikert, eine Malerin aus Sangerhausen, meditative Arbeiten in der Kirche Markersdorf ausstellen.

Wolfgang Hesse

9. September bis 3. Oktober, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr

Braga, Coimbra und Fatima

20. Juni 2016 von redaktionguh  
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Leser von Glaube und Heimat entdeckten im Mai die Sehenswürdigkeiten Portugals

Das Interesse der 26 Leser von Glaube+Heimat war groß, denn alle betraten portugiesischen Boden zum ersten Mal. Nach der Landung in Porto und dem Empfang durch die Reiseleiterin Teresa Leite sahen wir die geschichtsträchtige Stadt vorerst vom Bus und bekamen einen Vorgeschmack auf das, was uns 23. bis 30. Mai erwarten sollte. Im Hotel – mit Blick auf den Atlantik – bat uns Reisebegleiter, Pfarrer i. R. Hanfried Victor, zu einer Vorstellungsrunde und ließ uns die Erwartungen für die nächsten Tage aussprechen. Der überwiegende Teil wollte die Sehenswürdigkeiten kennenlernen und den geschichtlichen Hintergrund dieses einstmals durch seine Kolonien so überreichen Landes erklärt bekommen. Es gab aber auch Hoffnungen, mehr über das Miteinander der verschiedenen Konfessionen zu erfahren.

Der erste Tag brachte uns in die Kathedrale von Braga, wo ein junger Organist die zweiteilige Barockorgel erklärte. Wir sahen die hochgelegene Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte, die früher nur durch einen mühsamen Aufstieg erreicht werden konnte. Nach einem Bummel durch Porto erreichten wir den Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Börsenpalast, dessen Größe und reichhaltige Innenausstattung alle faszinierte. Die Schifffahrt auf dem Douro führte bis fast an die Mündung. Leider endete sie vorzeitig durch Maschinenschaden.

Nächstes Ziel war Lissabon. Aber erst gab es einen Spaziergang im Park und Wald von Bussaco mit seinen seltenen Bäumen und anderen Pflanzen. Später folgte eine Führung durch die Universitätsstadt Coimbra mit ihrer reichhaltigen Bibliothek. Gespannt waren wir auf den Pilgerort Fatima. Hier soll Maria drei Hirtenkindern erschienen sein. Sie wohnten – wie wir uns überzeugen konnten – mit ihren Eltern vor 100 Jahren in ärmlichen Katen. Besonders hier wurde deutlich, wie die Andenkenindustrie das Eigentliche eines solchen Ortes überdecken kann. Nachdem wir den Versammlungsplatz vor der Wallfahrtskirche, der etwa zehn Fußballfelder groß ist, überquert hatten, stellte sich heraus, dass die angemeldete Andacht in der Erscheinungskapelle nicht möglich war. Man verwies uns auf den interessanten Rundbau der knapp zehn Jahre alten Igreja da Santissima Trinidade (Dreifaltigkeitskirche) – dem viertgrößten Kirchenbau der Welt mit Platz für 8.600 Gläubige. Dort haben wir dann fröhlich singen und beten können.

Lissabon ist eine hügelige Stadt mit engen Gassen und schönen Aussichtspunkten. Bei herrlichem Wetter und leichtem Wind standen wir auf der Burg Sao Jorge, einer früheren Maurenfestung und dem späteren Sitz vieler portugiesischer Könige. Wir konnten über die Stadt hinweg den vor der Mündung recht breiten Tejo bestaunen. Der Nachmittag war dem sehr informativen Besuch der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Lissabon vorbehalten. Sie ist eine der ältesten Auslandsgemeinden, deren Wurzeln bis 1761 zurückreichen. Das Pfarrerehepaar Nora Steen und Leif Mennrich – früher in Hildesheim – teilen sich für sechs Jahre diese Stelle. Der Empfang war überaus herzlich. Mit Spannung hörten wir die kurzen Berichte einiger Gemeindeglieder über ihren Lebenslauf und die Gemeindesituation. Ausführliche Informationen findet man auf der sehr gut gepflegten Webseite www.dekl.org.

Lesergruppe mit Pfarrerin Nora Steen und ihren beiden Töchtern in Lissabon

Lesergruppe mit Pfarrerin Nora Steen und ihren beiden Töchtern in Lissabon

Neugierig waren wir auf die zum UNESCO-Welterbe gehörende Kulturlandschaft von Sintra, deren Schönheit schon viele Dichter gepriesen haben. Und der aus den Resten eines Maurenschlosses errichtete Königspalast hat uns nicht enttäuscht. Riesige Räume, so unter anderem der Schwanensaal und eine Küche mit zwei weithin sichtbaren Abzugskaminen, wurden gezeigt.

Unsere Phantasie wurde dann am Cabo da Roca beflügelt. Wir stellten uns vor, wie am westlichsten Punkt Europas im 15. Jahrhundert der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer seine Entdeckungsfahrten plante und Portugal zur führenden Weltmacht aufsteigen ließ. Daran hatte auch Vasco da Gama großen Anteil. Seinen Sarkophag fanden wir im Hieronymos-Kloster im Stadtteil Belem. Leider hatte Kardinal Manuel Clemente, der Patriarch von Lissabon, eine für den Nachmittag verabredete Audienz nicht einhalten können, so dass wir nach längerer Wartezeit den Bischofspalast wieder verlassen haben. Wir fanden das schade. Unsere Reiseleiterin hatte Tränen in den Augen. Als „Trostpflaster“ spendierte uns Pfarrer Victor eine Konditor-Spezialität Lissabons, die „Pasteis de Belem“, ein süßes Blätterteig-Gebäck mit köstlichem Eierpudding.

Die über 2000 Meter lange Hängebrücke über den Tejo überquerten wir nun in Richtung Algarve, fanden den Besuch der Knochenkapelle in Evora recht makaber, dagegen den Besuch einer Korkeichenfabrik hoch interessant. Es erstaunte uns, dass man aus diesem Material Schuhe und Taschen, aber auch Lampenschirme und Schreibtischunterlagen herstellen kann.

Der letzte Tag klang aus mit einem Besuch des Cabo de Sao Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europas und der Stadt Sagres mit ihrem Sklavenmarkt, aber auch einem sehr interessanten Museum.

Ein würdiger Abschluss führte uns dann noch einmal alle zusammen zu einem Gottesdienst in der deutschsprachigen Evangelischen Kirchengemeinde im Algarve, den uns Pfarrer Hans-Uwe Hüllweg hielt. Er wohnt in Münster, begleitet aber zurzeit für zehn Monate als Ruheständler die Gemeinde in Süd-Portugal.

Was bleibt? Einmal die Erinnerung an das harmonische Miteinander, aber vor allem das über 100-seitige Vorbereitungsheft mit wertvollen Informationen, Gebeten und ausgesuchten Liedern, die wir oft und gern gesungen haben.

Pfarrer i. R. Rudolf Haas, Magdeburg