Brückenbauer ausgezeichnet

16. Dezember 2010 von redaktionguh  
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Ausgezeichnet: Der internationale Kinderclub aus Burg.

Ausgezeichnet: Der internationale Kinderclub aus Burg.


Mitteldeutsche Kirche verlieh erstmals Preis für Flüchtlingsarbeit von Kirchengemeinden.

Mittwochnachmittags geht die Tür im Gemeindezentrum der Burger Petrigemeinde immer wieder auf: Mädchen und Jungen aus dem Kosovo, aus Mazedonien, aus Syrien, Russland, Angola, aus China, dem Irak und aus Deutschland treffen sich hier zum internationalen Kinderclub. Gemeinsam basteln, spielen und kochen sie. Auch Kindergeburtstage werden  gefeiert, Ausflüge organisiert und den Eltern bei Behördengängen geholfen. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Fünf- bis Zwölfjährigen merken, dass sie willkommen sind und gegenseitige Toleranz lernen können.

Für dieses seit 2007 bestehende Projekt wurde die evangelisch-reformierte Petrigemeinde Burg jetzt in Halle mit dem erstmals vom Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum der mitteldeutschen Landeskirche (EKM) vergebenen Preis für das Engagement von Kirchengemeinden für Flüchtlinge ausgezeichnet. Die Hauptpreisträger erhielten einen Scheck über 1.000 Euro.

Bei der Preisverleihung durch Landesbischöfin Ilse Junkermann war Projektleiterin Jana Kaufmann völlig überrascht: »Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Wir möchten mit unserer Arbeit einfach nur die Würde des Menschen achten.« Insgesamt hatten sich 15 Initiativen und Projekte beworben, von denen alle preiswürdig waren. Sie seien Brückenbauer zwischen Migranten und Einheimischen und setzten sich so gegen Fremdenfeindlichkeit ein, so die Landesbischöfin. »Menschen, die auf der Flucht sind, stehen unter dem besonderen Schutz Gottes«, sagte sie.

Den mit 750 Euro dotierten zweiten Platz belegte die Thüringer Abschiebehaftgruppe. Als ehrenamtliche Vollzugshelfer engagiert sich seit fast zwanzig Jahren eine kleine Gruppe des Kirchenkreises Henneberger Land für Abschiebehäftlinge in der Justizvollzugsanstalt. Die vier Männer und Frauen setzen nicht nur auf Begegnungen, sondern helfen den Häftlingen auch mit einem Notgroschen für Telefonate und anderes; in einigen Fällen konnte mit der Hilfe von Anwälten die Abschiebung auch verhindert werden.

Für die Akzeptanz eines Asylbewerberheims, das von Altenburg nach Schmölln verlegt wurde, setzt sich der Freundeskreis für Flüchtlinge im Altenburger Land ein. Hierfür erhielt die Gruppe der Diakonie Ostthüringen um Kirchenkreis-Sozialarbeiter Christoph Schmidt den dritten Platz und ­einen Scheck über 500 Euro. Auf ­Initiative der Gruppe wurde unter anderem ein Kinderspielplatz angelegt, Deutschkurse angeboten oder ein Hausaufgabenzimmer eingerichtet.

Künftig, so Jurymitglied Klaus Bergmann, soll der Preis für Flüchtlingsarbeit alle drei Jahre vergeben werden. Allerdings hofft der Pfarrer aus Großschwabhausen (Kirchenkreis Jena) dann auf mehr Bewerbungen. »Wir haben uns gefragt: Wird denn so wenig in den Gemeinden für Migranten getan?«, zeigte Bergmann, der ­zusammen mit weiteren kirchlichen Mitarbeitern die Auswahl getroffen hatte, seine Enttäuschung. Doch nachdem die Jury bei verschiedenen Projekten, die sich bislang nicht beworben hatten, nachfragte, wurden die Beweggründe klarer: Man wolle sich nicht selbst belobigen, und außerdem sei dieses Engagement doch selbstverständlich. Aber genau dies soll der neue Preis der EKM bewirken: »Er soll eine Ermutigung für Gemeinden sein, diese Arbeit für Flüchtlinge zu tun«, so der Pfarrer.

Silvia Zöller

Einsatz in der Flüchtlingsarbeit

5. Februar 2010 von redaktionguh  
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Ökumene-Zentrum hat einen Preis ausgelobt

EKM-Signet-breitEisenach/Magdeburg (mkz) – Das Magdeburger Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum  hat einen Preis für Flüchtlingsarbeit ausgelobt. Ausgezeichnet werden sollen Kirchengemeinden, die Migranten beraten und begleiten, sich für ihre Integration in Kirchengemeinden und Kommunen engagieren sowie gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit eintreten, teilte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit.

Teilnehmen können Kirchengemeinden der EKM und Einrichtungen wie evangelische Kindergärten oder Schulen. Die eingereichten Projekte und Initiativen müssen noch im Jahr 2010 umgesetzt werden. Anlass für die Auslobung des Preises ist ein Aufruf der Landessynode vom vergangenen Jahr, sich stärker für die Integration von Flüchtlingen einzusetzen. Zudem hat die Konferenz Europäischer Kirchen 2010 als Jahr der Migration ausgerufen.

Bewerbungen sind an das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum zu senden (Leibnizstraße 4, 39104 Magdeburg). Einsendeschluss ist der 31. Oktober. Eine Jury wird über die Vergabe entscheiden (1. Preis 1000 Euro, 2. Preis 750 Euro, 3. Preis 500 Euro). Die Preisverleihung ist für den 10. Dezember, den Tag der Menschenrechte, vorgesehen.

»In der Kirche Jesu Christi gibt es keine Ausländer«

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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EKM beteiligt sich am Jahr der Europäischen Kirchen zur Migration

european churches responding to migration 2010Menschen wandern. Sie verlassen ihre Heimat auf der Suche nach einem Auskommen für ihr Leben. Sie ziehen der Arbeit nach oder studieren. Oder sie fliehen vor Armut, vor Kriegen, vor Perspektivlosigkeit. Wanderungsbewegungen ziehen sich durch die Geschichte der Menschheit. An dieser Tatsache hat sich nichts geändert, Mobilität und Migration sind auch heute Realität. Und wie zu allen Zeiten stellt sich die Frage des menschlichen Zusammenlebens, der Integration.

Die Konferenz Europäischer Kirchen hat deshalb das Jahr 2010 zum Jahr der Europäischen Kirchen für Migration ausgerufen. Dabei sollen die Chancen in den Blick genommen werden, welche durch weltweite Wanderungsbewegungen entstehen. Kulturelle und ethnische Vielfalt können eine echte Bereicherung sein, auch für das kirchliche Leben. Diese Einsicht zu fördern und Erfahrungen zu sammeln und sich auszutauschen, wie das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung gelingen kann, ist das Ziel dieses Jahres der Europäischen Kirchen zur Migration.

Auch wir in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wollen uns beteiligen! Sicher, der Anteil von Ausländern und Aussiedlern an der Gesamtbevölkerung ist im Verhältnis zu den alten Bundesländern relativ gering. Dieser Umstand bedeutet aber nicht, dass Integration quasi automatisch funktioniert. Denn geringe Zahlen bedeuten auch, dass die Netzwerke zum Beispiel von Flüchtlingen oft nur sehr klein sind. Und auch die Anzahl der professionellen Beratungsstellen und somit der Anlaufstellen für Ratsuchende ist geringer. Isolation und Einsamkeit können die Folge sein, besonders dann, wenn man die deutsche Sprache noch nicht beherrscht.

Wir alle können hier Menschen zur Seite stehen. Kirchengemeinden, welche aus anderen Ländern zugewanderte Menschen mit in den Blick nehmen, können viel von ihrem Engagement und den dabei gemachten Erfahrungen berichten. Denn in der Kirche Jesu Christi gibt es keine Ausländer. Christen aus anderen Teilen der Welt gehören immer auch zur Kirche vor Ort.

In der Kirchenzeitung  soll das Jahr zum Anlass genommen werden, in unregelmäßigen Abständen Themen aus dem Bereich der Migration aufzugreifen, um dadurch den Austausch anzuregen. Aber auch Sie und Ihre  Kirchengemeinde sind gefragt mit Ihren ganz konkreten Projekten und Initiativen.

Anlässlich des Jahres der Europäischen Kirchen zur Migration 2010 wird das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum einen Preis für das Engagement für Flüchtlinge ausschreiben. Ausgezeichnet werden sollen Kirchengemeinden, die die Bitte der Landessynode der EKM umsetzen und sich für Flüchtlinge einsetzen, sie beraten und begleiten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Integration von Flüchtlingen in Kirchengemeinde und Kommune engagieren, den Integrationsprozess insbesondere durch Kontakte zu den Ausländern und den Behörden fördern sowie gegen Fremdenfeindlichkeit aller Art eintreten.

Teilnahmeberechtigt sind Kirchengemeinden der EKM und gemeindenahe Einrichtungen wie zum Beispiel evangelische Kindergärten und evangelische Schulen, gern auch in Zusammenarbeit mit Migrationsberatungsstellen. Der Kreativität und dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Die eingereichten Projekte und Initiativen sollen im Jahr 2010 durchgeführt werden.

Bewerbungen sind formlos möglich an das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum, z.Hd. Petra Albert, Leibnizstr. 4, 39104 Magdeburg. Eine Jury wird über die Preisträger entscheiden. Preisgelder in folgender Höhe wurden bereitgestellt:

  • 1. Preis 1000 Euro,
  • 2. Preis 750 Euro,
  • 3. Preis 500 Euro.

Die Preisverleihung ist für den 10. Dezember 2010, den Tag der Menschenrechte, vorgesehen.

Ich bin auf Ihre Einsendungen gespannt!
Petra Albert

[Die Autorin ist Ausländerbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)].