Luther-Disput: Altes Format neu aufgelegt

16. Mai 2017 von redaktionguh  
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Im Lutherstammort Möhra diskutierten Experten und Publikum ein aktuelles Thema

Vier Experten, zwei Streitparteien und eine kontroverse Fragestellung: »Christlicher Glaube und andere Religionen – wie geht das?« Geht das überhaupt? Darüber diskutierten Theo Sundermeier, Daniel Baumann, Reinhard Hempelmann und Matthias Baum im Lutherstammort Möhra.

Mit ihrem Gespräch ließen die Theologen und Religionswissenschaftler ein Format wiederaufleben, das vor einem halben Jahrtausend unter ähnlichen Umständen an der Universität Leipzig zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Damals, in der sogenannten Leipziger Disputation, stritten Martin Luther, Philipp Melanchthon und Andreas Karlstadt als Vertreter der Reformationsbewegung mit dem katholischen Theologen Johannes Eck über den Ablass, die Stellung des Papstes, menschliche Willensfreiheit und göttliche Gnade.
Fast drei Wochen dauerte die »Kirchenschlacht« 1519, und sie endete mit dem endgültigen Bruch zwischen der reformatorischen Lehre Luthers und der römisch-katholischen Kirche.

»Wir müssen lernen, tolerant zu sein«, leitete der Religionswissenschaftler und Ethnologe Theo Sundermeier die Diskussion in Möhra ein und fügte hinzu: »Es gibt aber keine echte Toleranz ohne Intoleranz. Wer nach allen Seiten hin offen ist, ist nicht ganz dicht.« Toleranz dürfe nicht in Gleichgültigkeit enden, sondern müsse das gegenseitige Verständnis fördern.

Insbesondere mit Blick auf den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam bestimmten die Themen Identität, Toleranz und wechselseitige Begegnung den Luther-Disput. »Differenzen dürfen nicht das Ende der Kommunikation bedeuten, aber auch nicht heruntergespielt werden. Zum Dialog gehört Offenheit, aber auch Standfestigkeit«, reagierte Reinhard Hempelmann, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, auf Sundermeiers Statement. Darin waren sich beide Streitparteien einig: Eine Nivellierung der Unterschiede bringe den Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen nicht weiter. Das Ertragen der Unterschiede schon.

Überhaupt unterstützten sich die Theologen mit ihren Argumenten mehr, als sich gegenseitig zu entkräften. Ein Streitgespräch fand nicht statt, das stellten auch die zahlreichen Besucher fest. Nur in einem Punkt herrschte Uneinigkeit. »Ich glaube nicht, dass es möglich ist, zusammen zu glauben, sich zusammen zu bekennen, zusammen zu beten«, sagte Matthias Baum. Dem widersprach Pfarrer Daniel Baumann, der für einige Zeit in Israel lebte und arbeitete.

Baumann sprach sich am Ende der Diskussion auch für ein »Konzert verschiedener Religionen« aus und für Liebe unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Sprache. Mit der Erkenntnis, dass interreligiöser Dialog einen doppelten Lernprozess anstoße, endete der Luther-Disput. So stellte Sundermeier fest: »Durch einen Dialog wird man auf den eigenen Glauben zurückgeworfen. Intensiv über den eigenen Glauben nachzudenken lohnt sich.«

Hannah Katinka Beck

Jugend verschaffte sich Gehör

8. Mai 2017 von redaktionguh  
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EKM-Kirchenparlament tagte in Lutherstadt Wittenberg

Der kirchliche Nachwuchs dominierte mit Themen und Eingaben die Frühjahrstagung der Landessy­node der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Das mündete am Ende in einen Beschluss zum Aufbau einer Jugendsynode. Dafür wird eine Vorbereitungsgruppe aus Synodalen, Mitgliedern des Landesjugendkonventes sowie dem Kinder- und Jugendpfarr­amt gebildet. An der Jugendsynode sollen bis zu 80 junge Menschen bis einschließlich 27 Jahre teilnehmen und ihre Perspektive auf Gegenwart und Zukunft der Kirche einbringen.

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke. Foto: Willi Wild

Mit ihrem Vorstoß, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter dem Begriff Trauung einer kirchlichen Ehe-Segnung gleichzustellen, konnten die Jugendlichen allerdings nicht landen. Die Einbringung wurde von der Synode abgelehnt und das Thema vertagt. Dem ging eine heftige emotionale Debatte voraus.

»Mit großem Respekt« würdigte die Landessynode das Engagement der Ehren- und Hauptamtlichen in Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Vorbereitung des 500. Reformationsjubiläums in diesem Jahr. Man sei »dankbar, dass das Jubiläum als gesamtgesellschaftliches Ereignis wahrgenommen wird«.

Landesbischöfin Ilse Junkermann bekräftigte in ihrem Bericht die Einladung zu den »Kirchentagen auf dem Weg« und dem Festwochenende in Wittenberg Ende Mai.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage nach der Einrichtung einer halben landeskirchlichen Stelle für das Arbeitsfeld Kindergottesdienst. Der Ausschuss Kinder, Jugend und Bildung hatte angeregt, dass »eine fundierte und qualitativ hochwertige Arbeit« mit Kindern auch finanzielle und personelle Ressourcen brauche. Mit Blick auf »erhebliche finanzielle Kürzungen im Jahr 2019, an denen viele landeskirchliche Stellen hängen«, sei die Einrichtung einer solchen Stelle »unsolidarisch«, hielten mehrere der Synodalen dagegen. Andere gaben zu bedenken, dass in der Arbeit mit dem Nachwuchs die Zukunft der Gemeinden liege und es kein gutes Licht auf die Kirche werfe, wenn in diesen Bereich zu wenig investiert werden solle.

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Die EKM setzt künftig auf E-Mobilität. Das haben die Synodalen mehrheitlich entschieden. Mit der Umstellung auf eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung im Straßenverkehr solle auch die Attraktivität des Pfarrdienstes in den ländlichen Räumen erhöht werden, hieß es zur Begründung. Es werde nun geprüft, ob der Überschuss an Ökostrom der EKM-eigenen Windkraftanlagen für die Ladestationen der Elektrofahrzeuge genutzt werden könne. 2018 werde ein Zwischenstand mit ersten Erfahrungen in puncto E-Mobilität bekannt gegeben. Die Herbstsynode ist für den 22. bis 25. November in Erfurt geplant.

Willi Wild/epd

Anspruch und Wirklichkeit

30. April 2017 von redaktionguh  
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Für diese Form der Basis-Demokratie beneiden uns katholische Christen. Die evangelische Landessynode ist nicht nur das oberste Entscheidungsorgan der EKM. Besetzt mit Laien und hauptamtlichen Vertretern aus den Kirchenkreisen, ist sie auch ein Seismograf für die Stimmung in den Kirchengemeinden.

Dass sich die Themen, die die Gemeindeglieder derzeit bewegen, nicht oder nur am Rande in der Tagesordnung wiederfinden, ist dabei nicht der Synodenleitung anzulasten. Jedes Kirchenmitglied kann Anträge über die gewählten Vertreter einbringen. Angesichts der hohen Krankenstände und Vakanzen in den Kirchengemeinden, eines scheinbar geistlichen Notstandes in den ländlichen Regionen, erwartet man anderes. Die Ächtung von Kriegswaffen, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind ehrenwerte Debatten-Themen. Aber sollte nicht sprichwörtlich die Kirche im Dorf bleiben?

In einem Antrag heißt es, die EKM möge zur »Kirche des gerechten Friedens« werden. Doch wie ist es um den innerkirchlichen Frieden bestellt? Eine Synodale beklagt, dass die Entscheidungsträger kaum Verständnis für das Anliegen der ländlichen Kirchenkreise aufbrächten. Es fehle ihrer Meinung nach am räumlichen, emotionalen oder persönlichen Bezug zum Pfarrland.

Die Lutherstadt Wittenberg ist gut gewählt als Ort für die Synodentagung im Reformationsjahr. Hier hat man schon vor 500 Jahren heftig debattiert und dem Volk aufs Maul geschaut. Auf das Ergebnis komme es an, so der Wunsch einer Synodalen 2017: »Ich erwarte von der Tagung Austausch, Gespräche und Impulse für die Arbeit in unserem Kirchenkreis und für unsere ganze Landeskirche.«

Willi Wild

Wenn die Seelsorger fehlen

28. April 2017 von redaktionguh  
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Frühjahrssynode: Das mitteldeutsche Kirchenparlament tagt vom 27. bis 29. April in der Lutherstadt Wittenberg. Dabei geht es den Vertretern der Kirchenkreise und der Kirchenleitung aber nur am Rande um das Reformationsjubiläum.

Die Kirchenälteste ist aufgebracht. E-Mobilität im Verkündigungsdienst sei ja schön und gut. Aber in ihrer Kirchengemeinde hätten sie schon seit Monaten keinen Pfarrer und müssten die Gottesdienste selbst gestalten. Dazu fehle aber die Anleitung oder Unterstützung. Auch im Kirchenkreis von Bernhard Voget sieht man sich aktuell mit einem hohen Krankenstand konfrontiert. Der Agrarökonom aus Körner, der bei der Landessynode den Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen vertritt, beschreibt eine Sehnsucht in den Gemeinden nach geistlicher Leitung. »Wir brauchen mehr Pfarrer« sei eine oft gehörte Forderung. Vertretungsregelungen sind wegen der Arbeitsbelastung der Hauptamtlichen und der fehlenden Ehrenamtlichen oft schwierig. Das Problem der Vakanzen kennt auch Angelika Greim-Harland. Die Superintendentin des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau hat derzeit vier verwaiste Pfarrstellen zu besetzen. »Wir suchen nach Möglichkeiten, den Verkündigungsdienst von Verwaltungsaufgaben zu entlasten«, beschreibt sie den Versuch, das Gemeindeleben vor Ort zu organisieren.

Synodenpräses Dieter Lomberg sieht vor allem in der Stärkung der Lektorendienste und der Fortbildung der ehrenamtlichen Prediger eine Möglichkeit, das gottesdienstliche Leben in ländlichen Gebieten abzusichern. In seinem Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt würde die Schulung für Lektoren gut angenommen, so Lomberg. Aber er stelle immer wieder fest, dass die Angebote in vielen Kirchengemeinden oft nicht bekannt seien.

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

In Wartestellung: Noch ist der Tagungsraum im Wittenberger Luther-Hotel leer, vom 27. bis 29. April beraten hier die EKM-Synodalen. Foto: Luther-Hotel Wittenberg

Ähnlich sei es bei der Wahrnehmung der Synodenbeschlüsse, so Lomberg. Sie kämen zum Teil nicht in den Gemeindekirchenräten an oder würden nicht verstanden. Die Kommunikationswege müssten hier noch mal überdacht und verbessert werden. Bernhard Voget hält es für entscheidend, dass sich die Gemeindeglieder in den Anträgen und Beschlüssen zur Synode wiederfinden und diese nachvollziehen können.

Als Beispiel nannte er das Thema Kindergottesdienst, das über den Evaluationsbericht Teil der Tagesordnung bei der Synodentagung in Wittenberg sein wird. »Als Familienvater bin ich glücklich, wenn es unseren Gemeinden möglich ist, entsprechende Angebote zu schaffen.« Allerdings könne er in einigen der Anträge nicht erkennen, dass sie der Lebenswirklichkeit der Gemeindeglieder entsprächen. Das hänge natürlich auch immer von den Anträgen und Eingaben ab.

Die Themen Ehrenamt und die Organisation des Gemeindelebens ohne hauptamtlichen Verkündiger seien diesmal nicht auf der Tagesordnung der Landessynode, so Präses Lomberg. Er kündigte aber im Gespräch mit der Kirchenzeitung an, dass sich demnächst die Jugendsynode damit befassen wolle. Die Tagesordnung der Frühjahrstagung der mitteldeutschen Landessynode ist wieder sehr vielfältig und breit gefächert. Neben Änderungen zum Gemeindekirchenratsgesetz oder dem Kirchengemeindestrukturgesetz liegen Anträge zur Ächtung von Kriegswaffen, zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe oder für die fleischfreie Verpflegung zu den Synodentagungen vor.

Superintendentin Greim-Harland will sich in Wittenberg für eine Flexibilisierung des Mitteleinsatzes in den Kirchengemeinden verwenden. Kirchenkreise sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, Einnahmen, zusätzlich zum bestehenden Stellenplan, für Personalkosten im Verkündigungsdienst einzusetzen. Eine Änderung des Finanzgesetzes hat hierzu der Kirchenkreis Stendal beantragt.

Dass bei all den organisatorischen und strukturellen Fragen sowie den inhaltlichen Debatten die Kernthemen Glaube und Spiritualität nicht zu kurz kommen, ist den Synodalen Greim-Harland und Voget wichtig zu betonen. Wittenberg sei im Reformationsjahr ein guter Ort für eine Synodentagung, um darüber nachzudenken, »wie wir Gemeinde sein wollen und was uns der Glaube bedeutet«, so Greim-Harland.

Willi Wild

Tolle Tage im Namen Luthers

8. März 2017 von redaktionguh  
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Mit über 150 Veranstaltungen wird die Dessauer Innenstadt ab dem Himmelfahrtstag zur Festmeile


Stell dir vor, es ist Reformationsjubiläum und keiner geht hin. Diese Sorge machen sich die Organisatoren des Dessau-Roßlauer Kirchentages auf dem Weg nicht. Mögen über 80 Prozent der Bewohner der Doppelstadt zwischen Elbe und Mulde auch keiner christlichen Kirche angehören, dass die drei tollen Tage von Christi Himmelfahrt bis Samstagabend und mit dem großen zentralen Abschluss am Sonntag in der Lutherstadt Wittenberg ein großer Erfolg werden, daran zweifelt niemand. 5 000 Gäste aus nah und fern erwartet die Bauhausstadt zu ihrem Kirchentag auf dem Weg. Ein amerikanischer Studentenchor hat bereits seinen Besuch angekündigt. Die Kirchengemeinden der Stadt haben Mitglieder ihrer Partnerkirchen, unter anderem aus den Niederlanden und Tschechien, eingeladen. Aber auch viele Einheimische und Individualtouristen aus allen Teilen der Welt werden in Dessau-Roßlau erwartet.

Die Organisatoren des Kirchentages auf dem Weg in Dessau- Roßlau mit dem Vorstand der Anhaltischen Philharmonie Dessau (von links): Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Bernbruch, Orchestermusiker Ekkehard Neumann, Generalintendant Johannes Weigand, Reformationsbeauftragter Andreas Janßen, Maren Springer-Hoffmann (Verein Reformationsjubiläum 2017), Orchestermusiker Jens Uhlig, Kulturamtsleiter Steffen Kuras und Orchestermusiker Lukas Fichtner. Foto: Landeskirche Anhalts/Johannes Killyen

Die Organisatoren des Kirchentages auf dem Weg in Dessau- Roßlau mit dem Vorstand der Anhaltischen Philharmonie Dessau (von links): Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Bernbruch, Orchestermusiker Ekkehard Neumann, Generalintendant Johannes Weigand, Reformationsbeauftragter Andreas Janßen, Maren Springer-Hoffmann (Verein Reformationsjubiläum 2017), Orchestermusiker Jens Uhlig, Kulturamtsleiter Steffen Kuras und Orchestermusiker Lukas Fichtner. Foto: Landeskirche Anhalts/Johannes Killyen

Sie alle wollen und sollen auf über 150 Veranstaltungen die Reformation feiern. Gemäß dem Motto »Forschen.Lieben.Wollen.Tun.« des in Dessau geborenen jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, der Lessing zu »Nathan der Weise« inspiriert haben soll, zeigt die Stadt sich von ihrer besten Seite. »Wir haben durchaus Gastgeberqualitäten«, ist Steffen Kuras, Kulturamtsleiter von Dessau-Roßlau, fest überzeugt. Bereits vor fünf Jahren bewies die Stadt, dass sie große Formate erfolgreich stemmen kann. Der Sachsen-Anhalt-Tag machte 2012 zum Jubiläum »Anhalt 800« Station in der Dessauer Innenstadt. Jetzt ist es das Reformationsjubiläum, das einiges an logistischer Herausforderung, Einfallsreichtum und Organisationsgeschick verlangt. Doch die Mission ist auf dem Weg, eine ziemlich erfolgreiche zu werden.

»Da ist für wirklich jeden was dabei, unabhängig von Konfession und Glaube«, sagt Andreas Janßen, der Reformationsbeauftragte der Landeskirche Anhalts. Bibelarbeiten, wie es sich für einen Kirchentag gehört, wird es geben, auch mit Prominenten, wie dem ehemaligen sachsen-anhaltischen Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, einem studierten Erziehungswissenschaftler, im Audimax der Hochschule Anhalt. Zahlreiche Gottesdienste, Andachten, Ausstellungen, Vorträge und Gesprächsrunden werden geboten. Aber auch Formate, die es unter den acht mitteldeutschen Städten mit ihrem Kirchentag auf dem Weg nur in Dessau-Roßlau gibt. Nach dem Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai wird das Anhaltmahl, eine 500 Meter lange Tafel in der Zerbster Straße, zum gemeinsamen Speisen, Gedankenaustausch und Verweilen einladen. Die Hälfte der rund 250 geplanten Tische hat schon Paten gefunden, die als Gastgeber Speis und Trank reichen.

Zeitgleich haben alle städtischen Museen bis Mitternacht geöffnet. Es sind zahlreiche Angebote, die am Freitag und Samstag entdeckt werden wollen. Der Dessauer Marktplatz wird zur Freiluft-Bibliothek mit Bücherregalen, diversen Lesungen und Leseecken. Im Anhaltdorf kann in Kultur und Geschichte der Region abgetaucht werden. Die Auferstehungskirche lädt dazu ein, sich im Hochseilgarten getragen zu fühlen. Zum krönenden Abschluss am Abend des 27. Mai setzt die Anhaltische Philharmonie mit Dessauer Chören mit »Preisen.Singen.Jubilieren« auf dem Marktplatz einen musikalischen Höhepunkt.

»Es ist schön, wenn auch die Musik Vertreter aller Religionen und Nichtchristen zusammenbringt«, erläutert Johannes Weigand, der Generalintendant des Anhaltischen Theaters, was für ihn den Kirchentag ausmacht.

Danny Gitter

www.r2017.org

Das Geheimnis von Mühlberg

13. Februar 2017 von redaktionguh  
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Über den Köpfen der Einwohner von Mühlberg an der Elster liegt möglicherweise seit mindestens 457 Jahren, vielleicht sogar noch sehr viel länger, ein vor aller Augen sichtbares Geheimnis.

Im obersten Stockwerk des »Museums 1547« in Mühlberg (Kirchenkreis Bad Liebenwerda), in dem sich einst die Kloster-Propstei des Klosters Marienstern befand, schauen mit der Heiligen Veronika und Johannes dem Täufer zwei Heilige exakt auf die Geometrie der in Übereinstimmung stehenden beiden Spitzen der Klosterkirche. Dieser Umstand könnte noch Zufall sein, doch auf Satellitenbildern ist von oben eine Rautentrigonometrie zu erkennen, welche zeigt: Das System könnte man vor Jahrhunderten vorsätzlich und wissentlich eingemessen haben!

Von einer Markierung im Torhaus/Hospiz aus ist in der exakten Südausrichtung auf einem Gebäude am Altstädter Markt ein Jakobsstab zu sehen. Dabei handelt es sich um ein simples, aber effektives Vermessungsgerät in der geodätischen Landvermessung, welches ebenso in der Astronomie eingesetzt wurde.

Rautentrigonometrien tauchen auf mittelalterlichen Darstellungen der Freimaurer auf, welche in der Geschichte ihrer Tradition die Geheimnisse der Vermessung von den Dombauhütten und wiederum daraus aus früheren Zeiten von den bauenden Mönchen der Kreuzritter übernommen haben. Mit ähnlichen astronomischen Systemen wurden mutmaßlich bereits in der Antike, wie zum Beispiel in Stonehenge, aber auch in Ägypten und in Jerusalem die Gestirne über der Horizontlinie vermessen. Auch in Frankreich werden immer wieder an den Templern zuzuordnenden mittelalterlichen Kathedralen und Burgen eindeutige astronomische Ausrichtungen bemerkt. Durch die Drehbewegung der Erde, durch die Sommer-Winter-Schwankung und durch ihre Bahn um die Sonne tauchen die Gestirne im Osten immer an etwas verschobenen Punkten auf. Aus dieser Verschiebung können Vermesser und Astronomen nicht nur wichtige Daten für die Landwirtschaft, sondern auch Positionen auf der Erdkugel bestimmen. Sie waren quasi die Kalendarien und Navigationsgeräte der Antike und des Mittelalters.

Blick auf das Heiligenfenster mit der Heiligen Veronika (links) und Johannes dem Täufer (rechts). Foto: Veit Rösler

Blick auf das Heiligenfenster mit der Heiligen Veronika (links) und Johannes dem Täufer (rechts). Foto: Veit Rösler

Von der Geometrie her könnte mit einer solchen Anlage wie in Mühlberg über den Polarstern (Zirkularpunkt) im Norden und mit der Südausrichtung über den Jakobsstab im Süden dann in Richtung Osten über die Klosterspitzen durch das nun gebildete Trigonometrische Dreieck vermessen werden. Mit dieser mit dem bloßen Auge ohne Fernglas bzw. ohne Teleskop anwendbaren Visiermethode können die Gestirne unserer Milchstraße und immerhin noch der 2,2 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedanebel als das am entfernteste, mit bloßem Auge erkennbare Objekt vermessen werden. Bei den Nachforschungen im »Fall Mühlberg« zeigte sich: Die Kreuzritter des Deutschen Ordens waren ab 1223 in der Nähe in Dommitzsch an der Elbe in einer Commende aktiv. Die Ersterwähnung von Mühlberg war 1228. Dommitzsch liegt 35 Kilometer und damit einen Tagesritt von Mühlberg und genauso weit auch von Wittenberg entfernt. Der für die Vermessung zuständige Landmeister des Ordens Hermann von Balk (–1239) soll sich zu dieser Zeit in Mühlberg aufgehalten haben. Genau weiß man: Hermann von Balk hat drei Jahre nach Mühlberg 1231 die Stadt Thorn eingemessen. Weitere interessante Spuren führen damit zu Astronom Nikolaus Kopernikus, welcher im Kloster Thorn aufgewachsen ist, und auch zum zweiten großen Astronomen der Neuzeit, Tycho Brahe, welcher ab 1560 in Wittenberg studiert hat. Denn auch in Wittenberg scheint mit der Marien-Stadtkirche und dem Nordturm der Schlosskirche die gleiche Geome­trie eingebaut worden zu sein.

Hinter dem in Mühlberg gefundenen System könnte sich sowohl für Mühlberg, für Thorn als auch für Lutherstadt Wittenberg eine astronomische Sensation verbergen. Die Geometrien sind noch immer vor aller Augen sichtbar vorhanden. Die Geometrie lügt nicht! Tiefgründig nachzulesen sind die geometrischen und geschichtlichen Zusammenhänge zwischen antiken Bauwerken, dem Kloster Mühlberg und der Stadt Wittenberg im am 18. Dezember 2016 erschienenen Buch »Das
Universum in der Königskammer«.

Veit Rösler

V. Rösler: Das Universum in der Königskammer. Ausgleich der Gravitation mit der Cheops-Pyramide, Books on Demand, 488 S., ISBN 978-3-74311-876-8, 39,90 Euro

Dem kindlichen Impuls nicht gedankenlos nachgeben

14. Januar 2017 von redaktionguh  
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Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

Johannes 1, Vers 17

Es ist schwer, bei diesem Satz sein »Kind-Ich« zu unterdrücken: »Ätsch, ihr habt das Gesetz, aber wir haben die Gnade und die Wahrheit.« In der 2000-jährigen Geschichte der »Vergegnungen« (Martin Buber) zwischen Juden und Christen haben Christen viel zu oft diesem kindischen Impuls nachgegeben.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Ja, hier klingt ein Streit an. Dem »denn« zu Beginn des Satzes möchte man unwillkürlich ein »aber« vor dem zweiten Satz hinzufügen. Abgesehen davon, dass die beiden Sätze grammatikalisch parallel formuliert sind – dieser Streit ist nicht der Streit zwischen Juden und Christen. Es ist ein innerjüdischer Konflikt. Die einen halten Jesus für den Messias, der das Gesetz des Mose erfüllt, die anderen für einen gefährlichen Reformer, dessen Erneuerungsbestrebungen das Fundament des jüdischen Glaubens gefährden.

Ein Streit, der Nichtjuden zunächst nichts angeht. Und ein Streit, in den wir uns nicht einzumischen haben. In der Geschichte des christlich begründeten Antisemitismus dienten Worte wie diese, aus ihrem geschichtlichen Zusammenhang gerissen, als Waffen im Kampf gegen Gottes auserwähltes Volk. Noch heute wird auf einer antisemitischen Website mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium judenfeindliche Propaganda gemacht.

Auch die angedeutete Gegenüberstellung von Gesetz und Evangelium ist vor diesem Hintergrund nicht unproblematisch. Die Unterscheidung zwischen dem Anspruch des Gesetzes und dem Zuspruch des Evangeliums ist nicht mit einer schlichten Zuordnung zu Judentum und Christentum oder Altem und Neuem Testament aufzulösen. Gerade in einer Zeit, in der einfache Zuordnungen wieder im Kommen sind, ist es wichtig, den einfachen Lösungen zu widersprechen.

Als Nichtjuden, als Gottes Volk aus den Völkern, leben wir von einer anderen Gnade und Wahrheit: Davon, dass der Gott Israels der Vater Jesu Christi ist und wir durch Jesus Christus einen Zugang zu ihm haben.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Das Christusbild in der Kunst

6. Januar 2017 von redaktionguh  
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»Diese Ausstellung hätten viele gerne zum Reformationsjubiläum gehabt«, freut sich Hans Jürgen Giese.

Der umtriebige Geschäftsführer vom Kunsthaus Apolda Avantgarde ist stolz, dass es ihm gelungen ist, die begehrten druckgrafischen Arbeiten aus der Sammlung der Stiftung Christliche Kunst der Lutherstadt Wittenberg gleich zu Beginn des Reformationsjahres zeigen zu können.

130 der mehr als 400 Werke umfassenden Sammlung des Stifterehepaars Gisela Meister-Scheufelen und Ulrich Scheufelen sind vom 15. Januar bis 26. März in Apolda zu sehen, darunter Arbeiten von Gauguin, Corinth, Beckmann, Rouault, Dix, Beuys, Rauschenberg oder Haring.

Die Ausstellung biete damit einen umfassenden und variationsreichen Überblick über das Christusbild in der Kunst der letzten 140 Jahre, so Tom Beege, der zusammen mit Andrea Fromm die Ausstellung kuratiert. Die Grafiksammlung zu religiösen Themen mit Arbeiten international bedeutender Künstler des späten 19. Jahrhunderts bis in das 21. Jahrhundert hinein scheint ein Herzensanliegen des baden-württembergischen Stifters und Papierfabrikanten Scheufelen zu sein. »Jesus ist in all seinen Facetten Vorbild für mich«, erklärt er in der Zeitung »Die Welt«. Luther ist eine seiner Lieblingsfiguren.

Keith Haring, Untitled, 1982. Foto: Keith Haring Foundation

Keith Haring, Untitled, 1982. Foto: Keith Haring Foundation

Das würde Hans Jürgen Giese so nicht behaupten. Doch seit der Ausstellung »Vom Allmächtigen zum Leibhaftigen« mit Exponaten der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin ist er begeistert von der Vielfalt religiöser Motive im Expressionismus. Auch wenn die meisten Künstler, deren Werke bei »Jesus Reloaded« ausgestellt sind, nicht zu Gläubigen im traditionellen Sinne zählen, regen sie Christen wie Nichtchristen gleichermaßen an, sich mit der Figur des Jesus von Nazareth zu beschäftigen.

Der Kirchenkreis Apolda-Buttstädt und die Kirchengemeinde in Apolda bringen sich in Begleitveranstaltungen ein. Dabei soll eine Verbindung zwischen der künstlerischen und der christlichen Botschaft hergestellt werden. Landesbischöfin Ilse Junkermann ist nicht nur Schirmherrin der Ausstellung, sondern wird über den Impressionisten Lovis Corinth und sein Werk »Kreuztragung« sprechen. Als Kirchenzeitung präsentieren wir drei Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung. »Wort zur Woche«-Autor Alf Christophersen, der stellvertretende Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt und Studienleiter für Theologie, Politik und Kultur, widmet sich den Inkarnationsprozessen – Mensch und Gott bei Beckmann und Beuys.

Der Kulturbeauftragte des Rates der EKD, Johann Hinrich Claussen, beleuchtet das Verhältnis der modernen Kunst zum Protestantismus. Mit dem Künstler Johannes Stüttgen kommt sogar ein Meisterschüler Joseph Beuys’ nach Apolda. Stüttgen, der bei Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt, katholische Theologie studierte, hat seinen Vortrag »Joseph Beuys und Jesus Christus« betitelt.

»Jesus Reloaded«, also Jesus und seine Botschaft zu aktualisieren, die Bibel in verständlichem Deutsch zu übersetzen, darum ging es vor 500 Jahren, und das ist eine Chance im Reformationsjahr 2017. Auch die Jahreslosung könnte man dahingehend auslegen. Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Die Erneuerung von Herz und Sinn ist sowohl Wesen der Kunst als auch des Glaubens.

An öffentlicher Akzeptanz fehlt es mitunter beiden Seiten. In dem Gemälde »Der gelbe Christus« von 1889 malt sich Paul Gauguin selbst als Gekreuzigten. Er hatte das Gefühl, dass die Menschen seine Kunst, ebenso wie die Heilsbotschaft des gekreuzigten Christus, ablehnten.

Apolda steht in diesem Jahr mit einem weiteren Ereignis im Blickpunkt. Die Glockenstadt richtet die vierte Landesgartenschau in Thüringen aus. Neben dem Thüringentag und dem Weltglockengeläut wird »Gottes Gartenhaus« auf dem Landesgartenschaugelände in der Herressener Promenade ein Anziehungspunkt sein.

Vom 29. April bis 24. September präsentieren sich am Ufer des Friedensteichs die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und andere kirchliche Gruppen mit einem überkonfessionellen Angebot.

Willi Wild

www.kunsthausapolda.de

Hilfe und Entlastung im Krisenfall

24. Juli 2016 von redaktionguh  
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Telefonseelsorge: Seit 21 Jahren als ökumenischer Dienst in Anhalt

Seit 60 Jahren gibt es die Telefonseelsorge (TS) in Deutschland, und seit 21 Jahren in Anhalt. In den Büros in Dessau, der Lutherstadt Wittenberg und in Wernigerode sind rund um die Uhr Frauen und Männer bereit, die Sorgen ihrer Mitmenschen zu hören und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen – getreu dem Motto »Sorgen kann man teilen«.

Der erste Leiter der TS war Bernd Blömeke. Seit 2007 leitet sie Andreas Krov-Raak, Diplompädagoge mit zusätzlicher Supervisionsausbildung und Wahl-Anhalter. In die Arbeit ist er durch seine ehrenamtliche Arbeit bei der TS seit 1992 hineingewachsen. 2007 wurde sie zu seinem Beruf. »Als ich hier als Leiter anfing«, sagt Andreas Krov-Raak, »habe ich eine gut funktionierende Stelle vorgefunden.«

Das große Einzugsgebiet der ökumenischen TS umfasst ganz Anhalt sowie die Kirchenkreise Egeln, Halberstadt und Wittenberg der mitteldeutschen Landeskirche. Das Bundesland Sachsen-Anhalt, die Landeskirche Anhalts, das Bistum Magdeburg und die Stadt Dessau-Roßlau sind ebenso an der Finanzierung beteiligt wie die drei Kirchenkreise, der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und einige Städte. »Ein Kuratorium begleitet unsere Arbeit«, so Andreas Krov-Raak. Die Telekom stelle die Leitungen kostenlos zur Verfügung. Zudem gebe es auch Spenden.

Etwa 80 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nötig, um den Telefondienst rund um die Uhr absichern zu können. Einmal im Jahr bietet die TS einen Ausbildungskurs für Neulinge an. »Zwar bleiben die Ehrenamtlichen relativ lange dabei«, sagt Andreas Krov-Raak. Doch weil aus verschiedenen Gründen immer wieder welche ausscheiden, muss Nachwuchs ausgebildet werden. »Und das ist nichts, was man mal eben so macht«, sagt der Leiter. Neun Monate dauert die Ausbildung derjenigen, die sich für diesen besonderen Dienst eignen. Hinzu komme, dass der Pool möglicher Kandidaten begrenzt ist, denn viele engagierten sich mehrfach an anderen Stellen.

Im vergangenen Jahr gingen bei der Telefonseelsorge Dessau genau 21 259 Anrufe ein. Im Vergleich zu 2014 sind das 1 241 mehr und damit eine deutliche Steigerung. Das hat damit zu tun, dass es seit April 2015 möglich ist, in der Zeit von 18 bis 22 Uhr den Dienst fast immer doppelt zu besetzen. In diesen Stunden ist nach der Erfahrung der Mitarbeitenden die Telefonseelsorge besonders stark gefragt. »Die Nachfrage ist höher, als wir sie befriedigen können«, sagt Andreas Krov-Raak. »Auf ein geführtes Gespräch kommen etwa sechs bis sieben Versuche, Kontakt mit uns aufzunehmen.« Seit zwei Jahren ist es bei der TS Dessau möglich, sich per Mail beraten zu lassen, was auch angenommen wird.

Zwar gibt es immer wieder Scherzanrufe oder Menschen, die anrufen, eine Weile schweigen und dann wieder auflegen. Zieht man diese ab, bleiben knapp 12 000 Anrufe (56 Prozent) übrig, bei denen ein seelsorgerliches Gespräch zustande kommt. Die durchschnittliche Gesprächszeit liegt bei etwa 23 Minuten. Etwa 53 Prozent der Anrufe kamen von Frauen. Bei den angesprochenen Themen »gibt es nichts, was es nicht gibt«, sagt Andreas Krov-Raak. Als ein Schwerpunkt haben sich in den vergangenen fünf Jahren die Anrufe psychisch kranker Menschen entwickelt. Zum Teil würden ihre Ärzte und Therapeuten, die ja nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sie für Krisen in der Nacht oder am Wochenende an die TS verweisen. »Diese Gespräche bedeuten für unsere Mitarbeiter eine Herausforderung, weil die Ehrenamtlichen keine ausgebildeten Therapeuten sind.« Andererseits zeigt es, dass die TS in Fachkreisen ein gutes Ansehen genießt.

»Die Gespräche haben eine entlastende Wirkung auf Menschen, die unter Depressionen oder anderen schweren psychischen Erkrankungen leiden«, so Andreas Krov-Raak. Und verweist auf den Ursprung der Telefonseelsorge, die – mit dem Gedanken »Damit das Leben weitergeht« – einst zur Suizidprophylaxe gegründet worden war.

Angela Stoye

Kostenlose Rufnummern
(08 00) 1 11 01 11 oder (08 00) 1 11 02 22.
Chat- und Mailberatung unter:
www.telefonseelsorge.de

Theologie ganz praktisch

17. Juli 2016 von redaktionguh  
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Ehemalige gesucht: Wittenberger Predigerseminar wird 200

Es ist eines der ältesten und die einzig verbliebene Ausbildungseinrichtung ihrer Art in Ostdeutschland: das Predigerseminar zu Wittenberg. Nach dem Studium wird die Theologie hier für die angehenden Pfarrer und Gemeindepädagogen ganz praktisch. »Hier reflektieren die Vikare ihr Tun, ihre Theologie, auch ihre eigene Person«, sagt Direktorin Hanna Kasparick.

Die Gründung geht auf den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. zurück. Auf Kabinettsorder hin wurde 1816 »ein lutherisches Predigerseminarum« anstelle der ehemaligen Universität errichtet. Seinen 200. Geburtstag feiert das Seminar in diesem Herbst mit einem Fest-Wochenende. »Wir können ja längst nicht alle Ehemaligen anschreiben, aber alle, die hier Kurse besucht haben, sind herzlich eingeladen«, sagt Hanna Kasparick. Seit der Wiederaufnahme der Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 haben rund 1 300 Vikare die Ausbildung durchlaufen.

Bis 2012 war das Augusteum Sitz des Predigerseminars. Foto: Archiv

Bis 2012 war das Augusteum Sitz des Predigerseminars. Foto: Archiv

Das Festwochenende beginnt am 30. September, 16 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche. Die Predigt hält Landesbischöfin Ilse Junkermann, die Vorsitzende des Seminar-Kuratoriums ist. Im Anschluss wird in den Schlosshof eingeladen, wo der Seminar-Neubau mit Vikars-Unterkünften und Refektorium eingeweiht wird. »Der Bau wird nach Christine Bourbeck benannt, die nach dem Krieg in der Vikarinnen-Ausbildung tätig war und maßgeblich am Pastorinnengesetz der Evangelischen Kirche der Union beteiligt gewesen ist«, erzählt Hanna Kasparick. Über Bourbecks Leben und Wirken wird in einem Vortrag in der Schlosskirche (19 Uhr) berichtet. Ein kurzweiliger Abend mit Texten und Musik erwartet die Besucher. Von 19 bis 22 Uhr öffnen sich die Türen des Neubaus für Neugierige und Interessierte. Vikare führen an sieben Stationen durch das Haus und laden zum Gespräch ein.

Der 1. Oktober startet 9.30 Uhr in der Schlosskirche mit einer Andacht von und mit Bischof Martin Hein aus Kassel. Im Anschluss diskutieren um 10 Uhr eine Journalistin, ein Vikar und ein Propst über die Frage »Was wünschen Sie sich von Ihrem Pfarrer?«. Traditionell zum Mittag gesungen wird auch am Festwochenende, und zwar 12.30 Uhr in der Schlosskirche. Um 15 Uhr wird im Augusteum die Ausstellung »Gehrock, T-Shirt und Talar« eröffnet und ein Begleitbuch mit sieben Essays über den Wandel des Pfarrberufs vorgestellt.

Katja Schmidtke

Anmeldungen bis Mitte September unter Telefon (0 34 91) 5 05 40 oder E-Mail < info@predigerseminar.de>

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