Gemeinsam am Tisch des Herrn

7. Mai 2018 von redaktionguh  
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Ökumene: Christen haben gut lachen, findet Kirchenclown Leo aus Halle

Das Gleichnis vom Festmahl – eine andere biblische Geschichte wollten Florentine, Amanda, Pauline, Christophorus und Leo nicht erzählen. Welches Gleichnis Jesu passt auch besser zu jenen fünf Kirchenclowns, die vier verschiedenen Konfessionen angehören? Sie sind römisch-katholisch, evangelisch-uniert, evangelisch-methodistisch und freikirchlich-evangelisch – und doch folgen sie alle der großen Einladung Gottes, wie sie im Lukasevangelium (14,15ff) beschrieben wird.

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

»Das Gleichnis des Festmahls stellt alltägliche und gleichzeitig hochtheologische Fragen«, sagt Steffen Schulz alias Kirchenclown Leo aus Halle-Trotha. Da lädt ein Hausherr ein und all seine Gäste sagen ab, er aber schickt seinen Diener wieder los und lässt andere kommen, die Kranken, die Armen, die Aussätzigen. Was machen wir mit der Einladung Gottes? Nehmen wir sie aus freien Stücken an? Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch des Herrn? Erkennen wir, dass uns so viel mehr eint als trennt?

Steffen Schulz versucht das. Seit 19 Jahren steht er als Clown Leo auf der Bühne; in der ersten Zeit allein, aber zum elften Clownsgeburtstag 2010 spürte er die große Sehnsucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu spielen. So entstand das Stück »Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit!« über das Festmahl-Gleichnis. Leo, Amanda, Florentine, Pauline und Christophorus sowie Almuth Schulz am Piano haben die Bibelgeschichte adaptiert. Aus dem Hausherrn wird ein Paar, neben dem Diener spielt auch ein Hofnarr mit, es gibt Slapstick-Einlagen, das Stück ist als Nummernprogramm konzipiert. »Köstlich« spricht kleine Menschenkinder mit seinen Emotionen und große mit seinen Metaphern an.

»Humor verbindet. Humor ist vielleicht sogar ein Synonym für Ökumene«, sagt Steffen Schulz. Schmunzelnd fügt der hauptberufliche Kirchenclown an, das sei nun wahrlich eine steile These. Aber wenn der Körper lacht, kommt etwas in Bewegung, in Wallung. So wie auch in der Ökumene.

Steffen Schulz hat früh gelernt, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen alle denselben Herrn haben, dass sie einer Familie angehörigen. Er selbst wuchs nahe Halle in einer ökumenischen Familie auf, der Vater katholisch, die Mutter evangelisch. Eher aus zufälligen, pragmatischen Gründen sei er Protestant geworden; die evangelische Kirche war einfach näher am Elternhaus in Gutenberg als die katholische. Mit seinem Clownsnamen Leo besinnt er sich auf seine katholischen Wurzeln, der Name stammt vom katholischen Großvater.

»Ökumene ist für mich selbstverständlich«, sagt Steffen Schulz und freut sich über das gelungene Miteinander seiner Clowns-Kollegen. »Köstlich« ist nicht nur ökumenisch inszeniert, sondern auch ökumenisch finanziert: Neben der EKM beteiligte sich unter anderem das Bistum Magdeburg an den Kosten. Im Jahr 2016, am Vorabend des Reformationsjubiläums, war das Kirchenclown-Ensemble in Luthers Kernland unterwegs. 2018 laden die Clowns im Sauer- und Siegerland zum Festmahl ein und auch für die kommenden beiden Jahre gibt es schon Anfragen und Pläne. Danach will Clown Leo seine Hosenträger an den Nagel hängen. Steffen Schulz möchte sich auf andere Wege begeben, das Evangelium zu verkünden. Ganz sicher mit einer großen Portion fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Katja Schmidtke

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Die Zeit ist reif

4. Mai 2018 von redaktionguh  
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Ein Zwischenruf vom katholischen Magdeburger Bischof zum Streit um die vorsichtige Öffnung der Eucharistie für Protestanten.

Nachdem sieben deutsche Bischöfe sich nach der Verabschiedung einer Handreichung über die Möglichkeit einer vollen Teilnahme evangelischer Christen in einer konfessionsverbindenden Ehe an der katholischen Eucharistiefeier durch die Deutsche Bischofskonferenz an Rom mit der Bitte um Klärung gewandt haben, wird über manches spekuliert. Eine öffentliche Auseinandersetzung ist entbrannt, obwohl der Text noch gar nicht erschienen ist.

Gemeinsam unterwegs: Evangelische und katholische Pilger aus Mitteldeutschland haben sich am 22. April zur Ökumenischen Christus-Wallfahrt aus allen Himmels- richtungen auf den Weg zum Kloster Volkenroda im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen gemacht. Foto: Harald Krille

Gemeinsam unterwegs: Evangelische und katholische Pilger aus Mitteldeutschland haben sich am 22. April zur Ökumenischen Christus-Wallfahrt aus allen Himmelsrichtungen auf den Weg zum Kloster Volkenroda im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen gemacht. Foto: Harald Krille

Unsere Handreichung bewegt sich im Rahmen der theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten und geht vom Ökumenismusdekret des II. Vatikanischen Konzils (1964) und vom Kodex des Kanonischen Rechts (1983) aus. Vor diesem Hintergrund kann eine Bischofskonferenz oder sogar ein einzelner Bischof verantwortlich darüber urteilen, was außer Todesgefahr eine »andere schwere Notlage« ist, und welche Wege und Bedingungen für möglich gehalten werden, um im Einzelfall eine volle Mitfeier der Eucharistie zu eröffnen. Nichts anderes ist nun endlich geschehen. Da nicht überall auf der Welt die Bevölkerung konfessionell so gemischt ist wie in Deutschland und nur in wenigen Gegenden auf der Erde sich ein solches Gespür für die Herausforderungen der davon betroffenen Ehen entwickelt hat wie bei uns, erscheint es als sinnvoll und erlaubt, ja sogar als dringlich, nicht erst auf eine gesamtkirchliche Entscheidung zu warten, sondern die Initiative zu ergreifen, eine verantwortungsbewusste und angemessene Lösung vor Ort zu finden.

Bereits vor 20 Jahren beschäftigten sich verschiedene Bischofskonferenzen damit. Dabei ging es um kasuistische Reglungen: Zu Anlässen wie der eigenen Trauung oder der Erstkommunion der eigenen Kinder sah man den Kommunionempfang des evangelischen Ehepartners für erlaubt an, ansonsten nicht. Dies hielten die deutschen Bischöfe bereits damals nicht für überzeugend.

Neue Anregung brachten manche Äußerungen von Papst Johannes Paul II., die Bischofssynoden von 2014 und 2015 und die wiederholten Ermunterungen von Papst Franziskus. Hinzu kam, dass bei den ökumenischen Versöhnungsgottesdiensten anlässlich des 500. Reformationsgedenkens die Kommunionfrage in konfessionsverbindenden Ehen als ein brennendes Problem angesprochen wurde. So hat die Ökumenekommission eine Lösungsmöglichkeit erarbeitet, die der Deutschen Bischofskonferenz im Frühjahr 2017 vorlag.

Die Ökumenekommission wurde beauftragt, unter Einbeziehung der Glaubenskommission daran weiterzuarbeiten. Um dem gerecht zu werden und andere Theologen mitdenken zu lassen, war es erst jetzt möglich, eine Überarbeitung einzubringen. Wieder kam es zu einer engagierten Diskussion, bei der die Kritiker nichts Neues vorbrachten. Dabei hatte man den Eindruck, dass nicht die mühevolle Suche nach einer verantwortbaren seelsorgerlichen Lösung für Einzelne ihr Interesse bestimmte, sondern die grundsätzliche Befürchtung, damit nicht mehr wahrhaft katholisch zu sein.

Manche scheinen immer noch einem vorkonziliaren Kirchenbild verhaftet zu sein und die katholischen Prinzipien des Ökumenismus wenig verinnerlicht zu haben. Bei dem Text handelt es sich um eine »Pastorale Handreichung« und um keinen Lehrtext. Damit wird keine generelle Zulassung oder offene Einladung zum Kommunionempfang ausgesprochen. Geboten wird vielmehr eine Hilfestellung für Seelsorger, konfessionsverbindende Eheleute bei der persönlichen Gewissensentscheidung zu begleiten, nicht aber, ihnen diese abzunehmen.

Manchmal ist das Maß voll und die Zeit reif, darf man eine Lösung nicht weiter hinauszögern, muss – selbst wenn einige im Widerspruch verharren – eine gut begründete Entscheidung fallen. Dies ist jetzt geschehen. Eine einfache Lösung bietet die erarbeitete Handreichung nicht, aber eine, die im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche steht und Menschen helfen kann, die Freude am Glauben und an der Feier der Eucharistie zu vertiefen, die ökumenischen Beziehungen zu fördern und das Band der Ehe zu stärken. Eine solche Chance zu vertun, wäre makaber und beschämend.

Bischof Gerhard Feige

Der Gastautor ist Vorsitzender der Ökumenekommission der Katholischen Bischofskonferenz.

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Glocken mit Nazi-Symbolen

3. Mai 2018 von redaktionguh  
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Braunes Geläut: In etwa zwei Dutzend deutschen Kirchen hängen Glocken mit Bezug zum Nationalsozialismus, berichtet der Spiegel. Mindestens sechs Exemplare finden sich in Mitteldeutschland.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) teilte auf Anfrage mit, dass bis März dieses Jahres über 90 Prozent der Glocken in ihren rund 4 000 Kirchen erfasst wurden. Unter den Glocken befinden sich nach derzeitigem Stand sechs mit Nazi-Symbolen.

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Die EKM gebe grundsätzlich die Namen der Kirchen oder Orte nicht bekannt, in denen diese Glocken hängen, so Pressesprecher Ralf-Uwe Beck. In den meisten Kirchengemeinden seien ehrenamtliche Mitarbeiter für die Kirchen zuständig, die mit Anfragen von außen völlig überfordert seien. Außerdem solle einem rechten Glockentourismus vorgebeugt werden. Neonazis könnten sich Zugang zu den Glocken verschaffen, diese fotografieren oder die Kirche anderweitig für ihre Zwecke nutzen.

Drei der anstößigen Glocken kommen aus der Apoldaer Glockengießerei »Franz Schilling und Söhne« und stammen aus den Jahren 1935 und 1937. Eine trägt etwa die Inschrift »Gegossen im zweiten Jahre der nationalen Erhebung unter dem Fuehrer und Kanzler Adolf Hitler« daneben finde sich ein gebundener Kranz mit Hakenkreuz. Eine andere etwa erinnert an die »Heimkehr des Saarlandes« 1935. Andere Glocken tragen Eiserne Kreuze oder Hakenkreuze.

Auf Anfrage teilte die Landeskirche Anhalts mit, dass in ihren Kirchen keinerlei Glocken mit Nazi-Symbolik zu finden seien. Auch in den drei katholischen Bistümern – Erfurt, Magdeburg und Dresden-Meißen – gäbe es keine Kirchen mit Glocken, die einen Bezug mit Inschrift oder Symbolen zur NS-Zeit hätten, ergab eine G+H-Umfrage.

Die mitteldeutsche Landeskirche bietet ihren betroffenen Kirchengemeinden an, die Inschriften und Symbole mit Bezug zur Nazi-Zeit auf Kosten der Landeskirche durch Abschleifen entfernen zu lassen. Zerstört werden sollen die Glocken nicht. Entfernung auf Kosten der EKM deshalb, damit den Gemeinden keine finanziellen Aufwendungen entstehen. »Die Entscheidung hierüber liegt allerdings bei dem jeweiligen Gemeindekirchenrat, da die Kirchengemeinde Eigentümerin der Kirche ist«, teilte die EKM weiterhin mit.

In einer Kirchengemeinde seien die Nazi-Symbole bereits entfernt worden, so die EKM: Auf einer Bronzeglocke aus dem Jahr 1934, die Brustbilder von Adolf Hitler und Martin Luther auf der Flanke trug, sei das Hitler-Bildnis bereits unkenntlich gemacht worden. Die anderen Glocken würden bis zur Zerstörung der Nazi-Symbole nicht öffentlich zugänglich sein. Die Kirchengemeinden sollten sich dazu beraten lassen, empfiehlt die EKM. Weder Konfirmanden- noch Besuchergruppen sollen die Glocken zugänglich gemacht werden, heißt es in der Stellungnahme.

Angela Stoye

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Es grünt und blüht in Burg

30. April 2018 von redaktionguh  
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»Geh aus, mein Herz«: Sonntag, Sonnenschein, Gottesdienst und Garten. Einen Tag nach der offiziellen Eröffnung der Landesgartenschau (Laga) in Burg haben die Kirchen ihr Programm gestartet.

Der Tag hätte schöner nicht sein können. Die Sonne strahlte vom fast wolkenlosen Himmel und in den Beeten blühten die schon von Paul Gerhardt besungenen Tulipane in großer Farbenvielfalt. Die Band »Patchwork« aus Berlin-Brandenburg spielte auf und zog mit ihren fröhlichen Melodien die Aufmerksamkeit auf sich. Hunderte Besucher versammelten sich, der Musik und der Einladung folgend, am 22. April im Burger Goethepark vor der Hauptbühne, um den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Landesgartenschau (Laga) mitzufeiern.

Bereits am Sonnabend hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Schau unter dem Motto »… von Gärten umarmt« in Anwesenheit vieler Vertreter aus Politik und Gesellschaft eröffnet. Haseloff würdigte dabei die Entwicklung Burgs. Es sei beeindruckend zu sehen, wie sich die Stadt verändert habe. So wurden in die vier Kernflächen der Laga 17 Millionen Euro investiert, in Plätze, Straßen und Wege noch einmal 23 Millionen. Erwartet werden bis zum 7. Oktober rund 450 000 Besucher. Neben vier großen Parks und Ausstellungsflächen können sie 21 Themen- und 12 Stadtgärten und wechselnde Blumenschauen besichtigen sowie unter rund 800 Veranstaltungen wählen.

Stadt der Türme: In der Bildmitte der Wasserturm, im Hintergrund die spitzen Türme der Kirche Unser Lieben Frauen. Am Weinberg auf dem Laga-Gelände ist dem Modell der Quedlinburger Stiftskirche (links) noch ein Turmpaar hinzugekommen. Den alten Fabrikschornstein (rechts) krönt ein Storchennest. Foto: Angela Stoye

Stadt der Türme: In der Bildmitte der Wasserturm, im Hintergrund die spitzen Türme der Kirche Unser Lieben Frauen. Am Weinberg auf dem Laga-Gelände ist dem Modell der Quedlinburger Stiftskirche (links) noch ein Turmpaar hinzugekommen. Den alten Fabrikschornstein (rechts) krönt ein Storchennest. Foto: Angela Stoye

Inmitten des Blütenmeeres eröffneten die Kirchen in Sachsen-Anhalt am Sonntag nun ihr Programm, das unter dem Motto »aus der Quelle erfrischt« steht. Den Gottesdienst gestalteten der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Propst Christoph Hackbeil, Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, der Pastor der Adventgemeinde, Wolfgang Stammler, Ursula Patté von der reformierten Gemeinde Burg und Apostel Jens Korbien von der Neuapostolischen Kirche (NAK). Das erste Mal nach der Aufnahme der NAK am 12. Februar 2018 in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Sachsen-Anhalts beteiligte sich einer ihrer Vertreter an einem ökumenischen Gottesdienst. Bischof Feige verwies in seinem Grußwort auf den Wert von Gottes Schöpfung, die sich auch in der Laga widerspiegelt. »Wer sich darauf einlässt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.« Der Bischof forderte eine grundsätzliche ökologische Umkehr, »weil die Erde unser gemeinsames Haus ist«.

Propst Hackbeil stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt die Geschichte von Jesus und der Samariterin am Brunnen (Johannes 4). Darin stelle die Frau die Zugehörigkeit über die Barmherzigkeit, so der Propst. Jesus aber nehme das Gespräch mit ihr auf. Zwar erfahre man am Ende nicht, ob die Frau Jesus Wasser aus dem Brunnen gibt. Aber man erfahre: »Von Jesus geht aus, wonach sich alle sehnen: geliebt zu sein und sich lebendig zu fühlen.« Christoph Hackbeil verwies darauf, dass die Angebote der Kirchen an ihrem Pavillon in den Ihlegärten für alle da seien – zum Gespräch, zum Innehalten, Entspannen und Entschleunigen. Jeden Tag wird dort um 12 Uhr die Glocke läuten, so wie am Sonntag die Burger Kirchenglocken den Gottesdienst und das Gesamtprogramm einläuteten: in der Woche zu Andachten, sonntags zu Gottesdiensten. Über 80 ehrenamtliche Helfer arbeiten in der Zeit der Laga im Kirchengarten mit.

Die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, dankte allen, die sich seit 2013 in der ökumenischen Vorbereitungsgruppe und jetzt während der Laga an der Planung und Umsetzung des Programmes beteiligt hatten und haben. Davon, wie schön es im und am (jederzeit eintrittsfreien) Kirchen-Pavillon am Flüsschen Ihle ist, konnten sich die Besucher gleich am Sonntag überzeugen: bei guten Gesprächen und eingehüllt in die Musik des Posaunenchores »einfachso«.

Angela Stoye

www.laga-burg-2018.de
www.kirchen-landesgartenschau-burg.de

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Klasse statt Masse: Christus zielt immer auf den Einzelnen

21. April 2018 von redaktionguh  
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Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, Vers 17

Nein, nicht alles ist neu geworden. Dieses Versprechen steht noch aus: »Siehe, ich mache alles neu!«, sagt erst der, der in der Offenbarung auf dem Thron sitzt (Offb. 21,5). Die Welt ist noch die alte, und wir merken es mit zunehmendem Erschrecken. Auch 2 000 Jahre Christentum haben daran nichts geändert: Was Christen Positives in dieser Zeit geleistet haben, wurde durch Unglaubwürdigkeit, Machtmissbrauch und Verbrechen wieder negiert. Die Kirche Jesu Christi hat einen skandalösen Anteil daran. Wen wundert es, wenn immer wieder alles beim Alten bleibt?

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Neu werden kann nur der Einzelne: »Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.« Mehr sagt der Wochenspruch gar nicht. Christus zielt immer auf den Einzelnen, auf das Herz, nicht auf die Masse. Mit zunehmender Zeit habe ich gelernt: Ich kann nicht für alle sprechen, nicht für die Kirche, nicht für die Deutschen oder für meine Generation. Ich kann nicht einmal immer gutheißen, was ›die Kirche‹, ›die Deutschen‹ ›die Christen‹ tun. Ich kann nur für mich selbst Verantwortung übernehmen, für mein eigenes Versagen und für mein Neuwerden, für mein Zeugnis, für meine Art Christ zu sein.

»In Christus sein« ist das Kriterium des Neuwerdens, das österliche, das lebendige Kriterium. In Christus sein heißt für mich, in seinen Worten sein, mit ihnen identisch sein: den Worten der Bergpredigt, die die Maßstäbe der Welt auf den Kopf stellen, die die Gebote radikalisieren und der kleinen Kraft eine ungeheure Wirkung zutrauen. In Christus sein heißt für mich, in seinen Taten sein: in seiner bedingungslosen Liebe zu den Ungeliebten, in seiner streitbaren Auseinandersetzung mit der Unglaubwürdigkeit, in seinem Urvertrauen auf Gottes Führung. In Christus sein heißt für mich, in seinem Leiden sein: in der Gewaltlosigkeit, mit der er sich ausliefert, in der Opferbereitschaft, die allein die Welt verändern kann.

Nur wenn ich in dem allen bin, werde ich neu werden und mit ihm auferstehen. Ach, wenn ich es doch nur wäre!

Giselher Quast, Domprediger em., Magdeburg

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Wie eine zweite Familie

21. April 2018 von redaktionguh  
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Porträt: Ingeburg Brunner hält seit über 50 Jahren dem Dom und dem 1. FC Magdeburg die Treue

Wenn Ingeburg Brunner ihre Schätze auf dem Tisch ausbreitet, leuchten die Augen. Doch es sind keineswegs Schmuckstücke oder edle Kleider, für die sie sich begeistert, sondern alte Eintrittskarten, Programme und Plakate des 1. FC Magdeburg. Die imposante Sammlung enthält zahlreiche Zeugnisse aus der großen Zeit des Clubs in den 1970er- Jahren, als Magdeburg im Europacup große Erfolge feierte, gegen den FC Bayern, Schalke 04 oder PSV Eindhoven und Racing Lens antrat, in der Oberliga zu den besten Mannschaften zählte und es Ingeburg Brunner mit ihrem fußballbegeisterten Mann und den Söhnen regelmäßig ins Stadion zog.

»Auf diesen Beutel ist sogar der FCM scharf«, erzählt sie mit einem Schmunzeln und deutet auf die schon leicht verblichene blau-weiße Tasche. Darin bewahrt sie einen Wimpel vom letzten Europacupspiel des 1. FCM gegen Girondins Bordeaux auf. Zuletzt hatte sie den Beutel mit im Magdeburger Stadion, als im Januar eine Filmaufnahme des echten Domgeläutes in der Arena seine Premiere erlebte.

Weil Domprediger Jörg-Uhle Wettler um die Fußballbegeisterung der 87-Jährigen wusste, hat er sie mitgenommen. »Das hat mir schon gefallen, nach langer Zeit mal wieder im Stadion zu sein«, sagt die zierliche Frau mit einem verschmitzten Lächeln. Am liebsten würde sie am nächsten Wochenende gleich wieder in die Arena ziehen.

Fußball ist nicht die einzige Leidenschaft der gebürtigen Magdeburgerin. Sie ist auch seit mehr als 50 Jahren mit dem Magdeburger Dom eng verbunden. Als die Familie 1962 von Buckau in den Schatten der Domtürme zog, wechselte sie auch die Gemeinde. Seither spielt die Kathedrale eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Über die Jahre ist die Gemeinde »zu einer zweiten Familie geworden«, wie sie selbst sagt. Sie hat die verschiedenen Kreise besucht – war im Mütter- und im Frauenkreis aktiv. Nur in den Seniorenkreis wollte sie erst nicht. »Da habe ich mich noch zu jung gefühlt.« Bis ihr Mann sie schließlich doch überzeugen konnte mitzugehen. Außerdem hat sie 15 Jahre am Kartentisch im Dom ihren Dienst versehen, war im Herbst 1989 bei den Friedensgebeten dabei und hat bei der Sanierung der Turmstufen 2010/2011 auch eine Stufe gestiftet.

Schätze in der guten Stube: Stolz präsentiert Ingeburg Brunner ein Plakat des vielfachen DDR-Pokalsiegers 1. FC Magdeburg. Die 87-Jährige ist seit Jahrzehnten Fußball-Fan. Foto: Martin Hanusch

Schätze in der guten Stube: Stolz präsentiert Ingeburg Brunner ein Plakat des vielfachen DDR-Pokalsiegers 1. FC Magdeburg. Die 87-Jährige ist seit Jahrzehnten Fußball-Fan. Foto: Martin Hanusch

Dass der Glaube und die Kirche eine solche große Rolle in ihrem Leben spielen würden, ist der langjährigen Mitarbeiterin in der Kinderbibliothek keineswegs in die Wiege gelegt worden. »Ich komme gar nicht aus einem christlichen Elternhaus und bin auch nicht so erzogen worden.« Für ihren Vater, Maschinist im Buckauer Wasserwerk, sei es sogar ein Schock gewesen, als sie den Weg in die Kirche gefunden habe. Im Kirchenchor lernt sie auch ihren Mann kennen. Viel später wird ihr der Glaube zur großen Stütze. »Als mein Mann 2006 an Krebs erkrankt ist und es mir selbst schlecht ging, hat der Glaube mir Kraft gegeben, das alles durchzustehen«, erzählt sie.

Daneben ist für sie die Familie überaus wichtig. Stolz erzählt sie von ihren drei Söhnen, den sieben Enkeln und vier Urenkeln, die zum Teil ihre Leidenschaft für den 1. FCM teilen. Bei einer Enkelin, die es nach Norwegen verschlagen hat, werde sogar bei den Heimspielen des FCM die Fahne gehisst. Einen Wunsch hat sie in diesem Zusammenhang auch: »Ich möchte es noch erleben, dass der 1. FCM in die 2. Liga aufsteigt.«

Die Chancen stehen nicht schlecht, aktuell befindet sich der Club auf dem 2. Tabellenplatz. Auch die Verantwortlichen des Vereins haben bereits signalisiert, Ingeburg Brunner gerne wieder im Stadion zu begrüßen. Schließlich zählt sie zu den ältesten und treuesten Anhängern.

Martin Hanusch

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Einsamer Wolf oder folgsames Schaf

14. April 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannes 10, Verse 11, 27, 28

Schutzbedürfnis oder Autonomie – welches ist der wichtigere Wert in unserem Leben? Uns anvertrauen oder frei sein, ein einsamer Wolf sein oder ein folgsames Schaf? Unser Schutzbedürfnis ist nicht zu verleugnen: Wir fürchten uns vor Ungerechtigkeit, Gewalt und Verletzungen. Seit wir als schutzlose Menschenkinder auf die Welt gekommen sind, haben wir ein Gespür dafür, wie verletzlich das Leben ist, welch hohe Verantwortung wir für die Unversehrtheit des Lebens haben: »Bleib behütet!«, ist nicht nur ein frommer Wunsch beim Verabschieden. Nach einer starken Ordnungsmacht rufen wir angesichts von Kriminalität und Terrorismus. In unserem Eintreten für Gerechtigkeit kämpfen wir für den Schutz der Ohnmächtigen und Leidenden.

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Andererseits aber wird der Ruf nach Freiheit und Unabhängigkeit immer lauter. Autoritäten und Führungsgestalten werden mehr und mehr hinterfragt. Man konsumiert wohl noch Kirche, aber man tritt eher aus. Man lebt in einer Partnerschaft, aber heiratet nicht. Bindungen werden gescheut, Abhängigkeiten vermieden. Und wer aus der »Diktatur des Proletariats« kommt, weiß um die Gefahren von Gängelung und Überwachung. Wer gar noch den »Führer« erlebt hat, dem ein ganzes Volk von Schafen willig gefolgt ist, kann nicht mehr ohne Scham an diese Zeit unserer Geschichte zurückdenken.

Auf Jesu Stimme hören und ihr folgen – ist das Gehorsam oder Freiheit, Abgabe von Autonomie oder eine neue Qualität von Sicherheit? Ich habe durch die Bindung an Jesus beides gewonnen: eine ungeheure Freiheit der Entscheidung, eine Unabhängigkeit von Systemen und Ideologien, Autoritäten und Bevormundungen – und gleichzeitig eine Preisgabe an die Folgen dieser Entscheidungen, die mein Leben nicht immer leicht gemacht hat; nur – dass mir das keine Angst mehr macht! Ich habe einen Hirten und bin doch mehr als ein Schaf. Ich habe nur ein Leben, und ich werde es nicht verlieren.

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

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Auf den Spuren von Karl Friedrich Schinkel

26. März 2018 von redaktionguh  
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Neuheit: Musiktage vom 1. bis 3. Juni in Magdeburg rücken preußischen Baumeister und seine Zeit in den Mittelpunkt

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg will ein neues Musikfest etablieren. Mit den 1. Schinkel-Musiktagen vom 1. bis 3. Juni sollen Interessenten die Gelegenheit haben, das Wirken des preußischen Architekten und Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) in Magdeburg kennenzulernen. Für das Festival kooperieren das Kirchspiel Magdeburg Nord, die Förderkreise der Biederitzer Kantorei und des Magdeburger Gesellschaftshauses sowie der Magdeburger Musikverein. Zwei Schinkel-Bauwerke stehen im Mittelpunkt: die Kirche St. Nicolai im Stadtteil Neue Neustadt und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten. Mit einem Mix aus Konzerten, Vorträgen und Workshops für Kinder wollen die Initiatoren nicht nur die Bedeutung Schinkels hervorheben, sondern auch aufzeigen, welche Möglichkeiten die Nicolaikirche als Ort für Konzerte und andere kulturelle Angebote im Stadtteil bietet.

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Musikfest wird am 1. Juni in der dann frisch sanierten Nicolaikirche mit Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« eröffnet. Am 3. Juni wird in der Kirche ein Festgottesdienst mit der Liturgie gefeiert, wie sie zu Schinkels Lebzeiten üblich war: die von König Friedrich Wilhelm III. eingeführte preußische Agende. In einem Konzert im Gesellschaftshaus erklingen am 2. Juni Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und einigen seiner Zeitgenossen wie Nils Gade oder Robert Volkmann. Das Abschlusskonzert geben dort am 3. Juni die »Münchner Singphoniker«. Sie schlagen mit ihrem Programm einen Bogen in die Magdeburger Musikgeschichte zur vor 200 Jahren gegründeten Magdeburger Liedertafel.

Der Grundstein der heutigen Nicolaikirche in der Neuen Neustadt wurde 1821 gelegt. Ihr Vorgängerbau stand ab 1150 in der Alten Neustadt und wurde wegen Kriegszerstörung und Baufälligkeit im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Stellen insgesamt fünf Mal erbaut. Nachdem der letzte Bau den napoleonischen Truppen zum Opfer gefallen war, bekam Schinkel 1817 den Auftrag, eine neue Nicolaikirche zu entwerfen. Nach diversen Änderungen wurde schließlich die bis heute bestehende klassizistische Kirche gebaut und im Oktober 1824 eingeweiht. Sie wurde zum Vorbild für das von Schinkel entwickelte Konzept der Normalkirchen für ländliche Sakralbauten in Preußen. Die Fassadeninschrift »Mit Gott durch Königshuld« verweist bis heute darauf, dass Friedrich Wilhelm III. den Kirchenbau durch Zuschüsse unterstützte.

Der Bau des Gesellschaftshauses ist eng mit der Gestaltung des Klosterbergegartens 1824 durch den preußischen Gartendirektor und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné verbunden. Schinkel hatte dafür einen großzügigen Entwurf eingereicht. In stark reduzierter Form wurde dieser in den Jahren 1828/29 verwirklicht. Davon erfuhr Schinkel allerdings erst im Nachgang und von Dritten, worauf er mit einem verärgerten Schreiben an den Magdeburger Rat reagierte. 1896 wurde in historisierendem Stil ein Anbau aus Backsteinen errichtet. In der Kombination aus Klassizismus und Historismus besteht das vor einigen Jahren restaurierte und sanierte Gesellschaftshaus bis heute.

Angela Stoye

Programm unter

www.gesellschaftshaus-magdeburg.de

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Von »Milchglasnost« und anderen Wundern

26. Februar 2018 von redaktionguh  
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Kirchenpresse: Es ist überaus spannend, im Jahrgang 1988 der evangelischen Wochenzeitungen »Glaube und Heimat« und »Die Kirche« zu blättern.

Während die eine für die Leser der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen bestimmt war, erschien die andere in der Landeskirche Berlin-Brandenburg und verfügte unter anderem über eine Magdeburger Ausgabe für die Kirchenprovinz Sachsen. Bei der Lektüre fällt auf, dass sich die Chefredakteure Gottfried Müller und Gerhard Thomas oftmals an der Grenze des Machbaren bewegten – und diese gelegentlich überschritten. Immer im Bestreben, brennende gesellschaftliche Themen anzusprechen, die in der offiziellen SED-Presse und den Zeitungen der Blockparteien nicht vorkamen, aber die Menschen bewegten.

So findet sich im gebundenen Jahrgang 1988 der Magdeburger Ausgabe die Eintragung, dass fünf Nummern nicht erscheinen konnten. »Glaube und Heimat« war davon zweimal betroffen.

Chefredakteur Gerhard Thomas (li.) und Superintendent Christof Ziemer während des Abschlußgottesdienstes der 3. Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Dresdner Kreuzkirche am 30. April 1989. Fotos (2): epd-bild

Chefredakteur Gerhard Thomas (li.) und Superintendent Christof Ziemer während des Abschlußgottesdienstes der 3. Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Dresdner Kreuzkirche am 30. April 1989. Foto: epd-bild

Deutlich zu erkennen ist das Bestreben, an Diskussionsprozessen teilzunehmen und eigene Positionen einzubringen. So beklagt sich beispielsweise im Dezember 1987 Gottfried Müller, dass beim DDR-Schriftstellerkongress die Kirchenpresse nicht akkreditiert wurde und nur die »volkseigenen Medien« sowie Funk- und Presseleute westlicher Redaktionen vertreten waren. Dabei habe sich gezeigt, dass auf östlicher und westlicher Seite spezifische Formen von »Milchglasnost« gepflegt wurden. »Auf diese Weise«, so der Kommentator, »ereignete sich das physikalische Wunder, dass erst die Addition von Milchglasnost und Milchglasnost die volle Glasnost ergab.« Und er spricht die Hoffnung aus, »dass wir uns in einem halben Jahrzehnt, wenn man zum nächsten Kongress rüstet, auf solches Zusammenfügen von publizistischen Halbheiten nicht mehr einzulassen brauchen«.

In Nr. 1/1988 verweist er darauf, dass Volksbildungsministerin Margot Honecker in einem Interview mit der »Jungen Welt« Verständnis für junge Leute bekundet hat, »wenn sie unausgewogene, ja zugespitzte Fragen stellen«. Sie habe damit ein Problem berührt, das weit über den Schulbereich hinaus reiche. »Auch im Betrieb, in den gesellschaftlichen Organisationen, in den Massenmedien und nicht zuletzt in der Kirche sollte jederzeit Raum für Fragen sein, selbst wenn diese von den Verantwortungsträgern nicht immer als angenehm empfunden werden. Fragen dürfen ist so etwas wie ein Menschenrecht.«

Gottfried Müller, Chefredakteur »Glaube und Heimat« von 1981 bis 1990. Foto: Willi Wild

Gottfried Müller, Chefredakteur »Glaube und Heimat« von 1981 bis 1990. Foto: Willi Wild

»Die Kirche« bringt in Nr. 4 auf Seite 2 einen Beitrag von Bausoldaten, die einen »Zusatzmonat« im Umweltschutz und Sozial- und Gesundheitswesen leisteten, um ein Zeichen für zivilen Wehrersatzdienst zu setzen.

In Nr. 6 berichtet »Glaube und Heimat« von einer Fürbittandacht am 30. Januar, in der sich die Berliner Kirchenleitung für die Freilassung der am Rande der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration Festgenommenen einsetzte. Ab Nr. 7 wird der Boden für die »Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« bereitet, die vom 12. bis 15. Februar in Dresden tagt und an deren Vorbereitung sich engagierte Christen mit über 10 000 Vorschlägen beteiligten.

Michael von Hintzenstern

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Ein Hinhörer mit Fantasie und Humor

26. Februar 2018 von redaktionguh  
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Kirchenpräsident Joachim Liebig zum 60. Geburtstag

In der Hand halte ich die Einladung zum 60. Geburtstag von Kirchenpräsident Joachim Liebig. Und als erstes lese ich »Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.« (Römer 1,16). Ja, es stimmt, wir haben in Anhalt einen »un-verschämten« Kirchenpräsidenten. Und das ist ein Segen. Solche Menschen wie ihn brauchen wir hier in unserer Gegend. Die bereit und auch in der Lage sind, sich vorne hin zu stellen und anzusagen, was ihr Glaube ist und was dieser ihnen bedeutet. In dieser Hinsicht habe ich Joachim Liebig nie in Verlegenheit gesehen. Ganz im Schleiermacherschen Sinne hat er jederzeit das Gespräch über den christlichen Glauben mit den Gebildeten unter dessen Verächtern gesucht. Vielleicht hat er sich auch deshalb zum Vorsitzenden der Anhaltischen Goethe-Gesellschaft wählen lassen.

Ein gutes Team: Kirchenpräsident Joachim Liebig (links) und der Präses der Landessynode Anhalts, Andreas Schindler. Foto: Jürgen Meusel

Ein gutes Team: Kirchenpräsident Joachim Liebig (links) und der Präses der Landessynode Anhalts, Andreas Schindler. Foto: Jürgen Meusel

Es scheint mir eine seiner großen Begabungen zu sein, in versandete oder abgebrochene Gespräche neues Leben zu bringen. Und das nicht als einer, der alles schon weiß, sondern als einer, der erst einmal genau hinhört. Er verfügt über zwei wichtige Schmierstoffe für das Gespräch: Fantasie und Humor. Gerade letzterem fühle ich mich selbst sehr verbunden. Ich möchte nur zwei Beispiele nennen: Er hat das Con­tainerprojekt »Anhalt kompakt« mit einer mobilen Ausstellung in Übersee­containern erfunden; zuerst belächelt, später auch ganz klar bewundert. Und bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters hat er in der Predigt einmal gesagt, dass dieser dem Heiligen Geist nicht im Weg gestanden sei. Wie ich finde, ein hohes Lob für einen Pfarrer, aber nicht von allen so verstanden.

Und auch ich möchte sagen, Joachim Liebig ist ein Mensch, ein Zeuge, der dem Heiligen Geist nicht im Weg steht, sondern versucht, ihm freie Bahn zu lassen. Dafür kann er gerne mal zur Seite treten, denn sein Humor kennt auch die Selbstironie und das heißt ja nichts anderes als: Er kennt auch seine Grenzen.

Joachim Liebig wurde am 1. März 1958 in Hildesheim geboren. Er studierte evangelische Theologie in Bethel und Hamburg und absolvierte sein Vikariat in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, damals die kleinste Landeskirche der EKD. Noch zu DDR-Zeiten leistete er ein Praktikum in Reinhardtsgrimma im Osterzgebirge und sammelte Auslands­erfahrung in England und Frankreich. 1987 wurde Liebig die Pfarrstelle in Frille nahe Minden übertragen. Daneben hatte er eine Reihe von Beauftragungen inne: Pressesprecher der Landeskirche, Landesjugendpastor, Super­intendent des Kirchenbezirks West, bis 2007 Präsident der Landessynode und bis Ende 2008 Präsident der Synode der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Am 14. November 2008 wurde Joachim Liebig von der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts zum Kirchenpräsidenten gewählt. Er ist Mitglied im Vorstand des Anhaltischen Heimatbundes, Vorsitzender der Anhaltischen Landschaft e.V., Vorsitzender des Evangelischen Presseverbandes in Mitteldeutschland, stellvertretender Vorsitzender im Berliner Missionsrat und Mitglied im Aufsichtsrat des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP). Er engagiert sich im Petersburger Dialog und hat mittlerweile auch den Arbeitsbereich Diakonie in sein Dezernat integriert. Heute nun ist er im Osten wieder in der kleinsten Landeskirche Deutschlands angekommen. Und er steht dazu.

Joachim Liebig ist mit der Gemeindepädagogin und Arzthelferin Andrea Liebig verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Einer seiner Söhne wird zum Geburtstagsempfang in einer Feldküche einen Eintopf kochen. Auch ein Einfall Liebigs. Ich wünsche allen Gästen guten Appetit und ihm Gottes Segen für weitere Jahre im Amt und in Anhalt. In Dessau wird gerade die Bodenplatte für sein eigenes Haus betoniert. Auch das ein deutlicher Hinweis darauf, dass er in Anhalt angekommen ist.

Manfred Seifert, Oberkirchenrat i.R.

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Der Anstoß zur Veränderung kommt rechtzeitig

Die Landeskirche Anhalts will auf ihrem Weg in die Zukunft Neues ausprobieren. Was muss sich ändern? Was soll bleiben? Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Als Bedenkenträger ist Albrecht Lindemann in seiner Landeskirche bislang nicht bekannt. Doch mit Blick auf das geplante Anhaltische Verbundsystem ist er nachdenklich geworden. Zwar sieht der Zerbster Pfarrer positiv, dass nach dem Perspektivpapier von 2008 einstmals ein landeskirchlicher Impuls zur Zukunft auf dem Tisch liegt. Und er sieht auch, dass die finanzielle Situation der Landeskirche es noch erlaubt, einen Prozess zur Veränderung einzuleiten, der nicht als Reaktion auf eine Krise wahrgenommen werden muss. Aber die fehlende Definition für die geplanten Verbünde und die damit einhergehenden Veränderungen sieht er kritisch.

Einer seiner Kritikpunkte ist die weitere Schwächung der Präsenz von Gemeindepfarrern. Diese lasse nach aktuellen Studienergebnissen kaum andere Perspektiven offen als den Niedergang des gemeindlichen Lebens bei gleichzeitigem Verlust an gesellschaftlicher Relevanz. »Die Stärken des landeskirchlichen Protestantismus sind eng mit der Kompetenz akademisch gebildeter Pfarrerinnen und Pfarrer verbunden«, sagt er. Ein Problem sieht er auch darin, dass die Verantwortlichkeit für das Agieren der Kirchengemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft im Verbundmodell nicht geklärt ist. Mitarbeitenden auf den Gebieten der Kirchenmusik und Gemeindepädagogik und ihren Qualifikationen würde man nicht gerecht, wenn man sie als Alternative zu Pfarrpersonen sähe. Zudem fehle jegliche Aussage darüber, wie groß ein solcher Verbund sein soll und wie viele es in Anhalt davon geben soll. Albrecht Lindemann wünscht sich vor so grundlegenden Veränderungen zunächst eine gründliche Analyse der Situation einschließlich der mit den Teampfarrämtern gemachten Erfahrungen. Dazu einen Diskurs über die Frage, was für eine Kirche Anhalt sein will. »Dieser Diskurs muss mit den Gemeinden geführt werden«, fordert er.

Verantwortung übernehmen

Seit Sebastian Saß Kirchenmusik studierte, begleitet ihn intensiv die neutestamentliche Geschichte vom sinkenden Petrus (Mt 14,22–32) in Verbindung mit dem Choral »In allen meinen Taten« (EG 368). Seit er in Anhalt ist, fasziniert ihn zudem der Satz: »Die Landeskirche baut sich auf der Gemeinde auf.« Deshalb sieht der Bernburger Kreiskirchenmusikwart alle Überlegungen zur Zukunft der Landeskirche mit diesem Satz als Basis und mit dem Bild vom sinkenden Petrus als »Geländer«. Er findet, dass jeder Versuch, anderen die Verantwortung zuzuschieben – im Sinne von »die da oben« – ins Leere laufen muss. Ebenso, sich hinter Althergebrachtem zu verkriechen oder Althergebrachtes abzuschreiben, ohne Alternativen aufzeigen zu können. »Das gilt auch für mich selbst«, sagt er.

Zu erwarten, für die eigene Arbeit Vorgaben aus Dessau zu bekommen, stehe dem Selbstbewusstsein einer anhaltischen Kirchengemeinde schlecht an. Insgesamt überwiegt bei Sebastian Saß das Gefühl, dass der Anstoß zur Veränderung rechtzeitig kommt. »Die überaus große Chance besteht in meinen Augen darin, Gemeinden geistliches Leben zu ermöglichen und sie nicht weiter in Fürsorge und Versorgung durch das Erfüllen von Erwartungen zu ersticken.« Dass es Probleme geben wird, wenn alte Verhältnisse und traditionelle Erwartungen auf Neuerungen treffen, sieht er aber auch. »Was das Wesentliche ist, muss jede Gemeinde für sich herausfinden.« Das könne durchaus schmerzhaft sein. »Ich denke, einzig die Frage ›Was bedeutet mir und uns das Evangelium?‹ kann Licht ins Dunkel bringen.«

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, sieht das Vorhaben Anhaltisches Verbundsystem positiv. Sie erinnert an das Pastorale Zukunftsgespräch des Bistums Magdeburg vor einigen Jahren. Als Folge davon seien Pfarreien zusammengelegt worden. In jeder dieser vergrößerten Pfarreien würden neben dem Priester verschiedene Gemeindereferenten – für Jugendarbeit, Musik, Verwaltung – tätig sein. »Jeder kann das machen, wofür er gut ausgebildet ist«, sagt sie. In Anhalt werde es keine Rundumversorgung in jedem kleinen Ort geben. »Aber unser Kerngeschäft wie Gottesdienste, Andachten, Seelsorge, Bibelkreise soll für jeden erreichbar sein. Dafür müssen die von Verwaltungsaufgaben entlasteten Pfarrer Zeit haben.«

Auch im Kirchenkreis Ballenstedt stand das Thema »Verbundsystem« im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung des Pfarrkonvents, der Kreissynode und der Gemeindekirchenräte. »Bei der konstituierenden Sitzung der Kreissynode im Januar 2018 haben wir einen Ausschuss gebildet, der das Vorhaben begleiten will«, sagt Kreisoberpfarrer Theodor Hering. Die Mitarbeit darin sei auf großes Interesse gestoßen. Der promovierte Theologe gehört der Steuerungsgruppe an, die sich mit dem Vorhaben seit 2015 befasst, und er hat ein theologisches Papier in die Diskussion eingebracht, das die Möglichkeiten der Bewegung »Fresh X« für Anhalt auslotet: Mit »Fresh expressions« (frische Ausdrucksformen) werden neue kirchliche Gruppen bezeichnet, die sich seit 1990 in der Church of England entwickelt haben. Die Bewegung zielt darauf ab, die Menschen in ihrem Alltag zu erreichen. Denn traditionelle Ausdrucksformen der Kirche, so die These, seien für einen Großteil der britischen Bevölkerung uninteressant geworden. In Deutschland setzt sich Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald, für die Aufnahme dieser Idee in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland ein (Quelle: Wikipedia).

Für mehr Vielfalt

»Anhalt ist auch Mitglied im Fresh-X-Netzwerk in Deutschland«, so Theodor Hering. Für ihn geht der Impuls für eine Umgestaltung der Landeskirche von der Formulierung im Glaubensbekenntnis aus: »die eine heilige, christliche und apostolische Kirche«. Diese könne sehr unterschiedliche Gemeindeformen haben – neben der Parochie zum Beispiel die Schulgemeinde, die Hauskirche oder Milieugemeinde, in denen Beziehungen gelebt werden. »Ich bin dafür, mehr Vielfalt zuzulassen«, sagt er. »Wir müssen ein betende und eine hörende Kirche sein: hören auf Gott und die Menschen, die um uns leben.« Bei »Fresh X« heißt es dazu: »Es ist nicht die Kirche Gottes, die einen missionarischen Auftrag in der Welt hat. Vielmehr hat ein missionarischer Gott eine Kirche in der Welt.«

Angela Stoye

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