Mit Gott und Sonnenschein

29. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Siehe, wie fein und lieblich ist’s, dass Schwestern und Brüder einträchtig beieinander wohnen! (Psalm 133) Es war Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig wichtig, dass wir bei der Berichterstattung über das erste gemeinsame Interview der beiden mitteldeutschen evangelischen Bischöfe die herzliche Atmosphäre und das gute Miteinander nicht unerwähnt lassen. Landesbischöfin Ilse Junkermann schob nach, dass das natürlich auch für das Verhältnis mit den katholischen Bischöfen in Erfurt und Magdeburg gelte. Und das nicht erst im Reformationsjahr.

Die gute, fast schon geschwisterliche Zusammenarbeit zwischen Kommune und Kirche wird in Eisenach sowie in Wittenberg von beiden Seiten hervorgehoben. Nicht nur das. Die Oberbürgermeister beider Lutherstädte betonen freudig, dass in diesem Jahr das Interesse an Reformation und Kirche unter den kirchenfernen Teilen der Bevölkerung stark zugenommen habe.

Sicher, nicht alle hochgesteckten Erwartungen erfüllten sich. Aber es ist Neues entstanden und das Reformationsjahr hat Menschen zusammengebracht. Die Marktplätze und Fußgängerzonen wurden zu Begegnungsorten. Landesbischöfin Ilse Junkermann wollte, dass sich die Kirche als »gute Gastgeberin« präsentiert. Das ist an vielen Orten gelungen.

Der positive Eindruck wird nachwirken. Zu danken ist er einmal mehr den vielen engagierten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden und letztlich dem gütigen Gott, der nicht nur schönes Wetter schenkte, sondern auch, wie es am Ende des Psalms 133 heißt, der verträglichen Gemeinschaft seinen Segen und Leben bis in Ewigkeit verheißt. Das ist ein fester Grund auch für die nächsten 500 Jahre. Reformation geht weiter.

Willi Wild

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Wittenberg: Was bleibt?

23. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Endspurt: Am 31. Oktober geht in Wittenberg mit einem Fest das Reformationsjahr zu Ende. Der sogenannte Reformationssommer hinterlässt bleibende Spuren in der Lutherstadt.

Die Christen in Wittenberg haben das Reformationsjahr als Ermutigung erlebt«, bilanziert Wittenbergs Superintendent Christian Beuchel. Volle Kirchen, manchmal sogar zu voll, Gottesdienste, Konzerte, Ausstellungen – all dies habe die Christen gestärkt und jenen 85 Prozent konfessionslosen Wittenbergern ein positives Bild von Kirche vermittelt.

Lange, das verhehlt der Superintendent nicht, haben die Kirchen in der Stadt damit gerungen, welche Aufgabe sie im Jubiläumsjahr eigentlich spielen. Die so einfache wie sinnvolle Antwort: »Wir wollen gute Gastgeber sein«, mit Sonntags- und Themen-Gottesdiensten, mit Andachten und Gebeten. »Es hat der Stadt gut getan, dass an so vielen Orten und zu so vielen Zeiten gebetet wurde«, sagt Christian Beuchel und erinnert, dass in den letzten Wochen der Weltausstellung bis zu 400 Menschen die »Church@Night« der Lichtkirche besuchten. Die Idee möchten die Wittenberger fortsetzen. Jeden zweiten Freitag im Monat, 21.30 Uhr, soll die Stadtkirche in ein besonderes Licht getaucht werden. Als greifbares Erbe der Weltausstellung verbleibt zudem ein Taizékreuz in der Christuskirche, wo es regelmäßig Taizéandachten gibt.

Der Kirchenladen gegenüber dem Asisi-Panorama sei leider nicht so gut besucht worden und auch seien weniger Gemeindegruppen in die Stadt gekommen als erhofft. Beuchel berichtet auch davon, dass es anfangs schwierig gewesen sei, mit in das große Boot der EKD zu steigen. »Immerhin ist nicht nur die Stadt Wittenberg, sondern sind auch die Kirchen der Stadt Gastgeber gewesen.«

Der Verein r2017, der den Reformationssommer auf die Beine stellte, nimmt indes Abschied. Die Weltausstellung ist abgebaut, viele Mitarbeiter sind zurück in Berlin oder auf ihren vorherigen Arbeitsplätzen, ein Großteil der Volunteers hat den Freiwilligendienst beendet und der Ausverkauf von Technik, Büro- und Werbematerial läuft. »Aber: Es bleiben aus fast jedem Torraum Installationen in Wittenberg«, sagt Johanna Matuzak von r2017. Die Spiegel-Stege auf dem Bunkerberg waren von Beginn an als bleibende Installation geplant, und zu weiteren Ausstellungsstücken hat der Stadtrat jüngst einen Beschluss gefasst.

Die Erdkugel bleibt auf dem Marktplatz, auch wenn der Countdown-Zähler zur Weltausstellung Reformation längst abgelaufen ist. Foto: epd-bild

Die Erdkugel bleibt auf dem Marktplatz, auch wenn der Countdown-Zähler zur Weltausstellung Reformation längst abgelaufen ist. Foto: epd-bild

Demnach gehen das Flüchtlingsboot auf dem Schwanenteich, die Weltkugel auf dem Marktplatz, das House of One im Luthergarten, die Schaukel am Bahnhof und die Europaallee des Stationenwegs in städtisches Eigentum über. Zudem wird geprüft, auf dem Fundament des inzwischen abgebauten Bibelturms eine Radstation zu errichten.

Das Asisi-Panorama bleibt noch vier weitere Jahre geöffnet, danach plant die Stadt, Wohnungen auf dem Grundstück zu errichten. Die Kletterkirche des YoungPointReformation zieht nach Magdeburg um. Die alte Schule, die als r2017-Hauptquartier diente, soll ab dem zweiten Schulhalbjahr 2017/2018 wieder als Gymnasium genutzt werden. »Wir von r2017 werden voraussichtlich Ende November ausziehen, in kleinere Büros in die Fleischerstraße«, sagt Johanna Matuzak. Ende des Jahres hören dann auch die letzten Volunteers auf.

Katja Schmidtke

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Alles dreht sich ums Leben

13. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Welthospiztag: Am 14. Oktober rückt das Thema Sterben in den Fokus der Öffentlichkeit. Wie steht es aktuell um die Hospiz- und Palliativversorgung in Mitteldeutschland?

Dinge müssen geregelt werden – auch wenn es ums Sterben geht: Vor zwei Jahren wurde das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland beschlossen. Es findet nüchterne Worte für das, was sich für die meisten von uns nur schwer in Worte fassen lässt.

Durch dieses Gesetz hat sich einiges verändert: So gehört die Sterbebegleitung jetzt ganz konkret zum Versorgungsauftrag der sozialen Pflegeversicherung; die Palliativversorgung wurde mit dem Gesetz zudem ausdrücklicher Bestandteil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Versicherte haben Anspruch auf individuelle Beratung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Die finanzielle Ausstattung stationärer Kinder- und Erwachsenen-Hospize ist besser geworden. Zum einen durch die Erhöhung des Mindestzuschusses der Krankenkassen: Der Tagessatz liegt in stationären Hospizen je betreutem Versicherten, also pro belegtem Bett, bei rund 260 Euro (in 2017). Zum anderen hat sich durch das neue Gesetz der Krankenkassen-Anteil erhöht. Die Krankenkassen tragen fortan 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Die restlichen 5 Prozent sind durch das jeweilige Hospiz, zum Beispiel in Form von Spenden oder ehrenamtlicher Mitarbeit, aufzubringen.

Wichtig, und vielen nicht bekannt: Der in den Hospizen »Gast« genannte Patient muss für den Aufenthalt nicht zahlen: Eigenanteile dürfen dem Versicherten weder ganz noch teilweise in Rechnung gestellt werden.

Treuer Begleiter: In manchen Hospizen sind Therapiehunde für die Gäste da und sorgen mit ihrer Anwesenheit für Wohlbefinden. Foto: Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu – fotolia.com

Treuer Begleiter: In manchen Hospizen sind Therapiehunde für die Gäste da und sorgen mit ihrer Anwesenheit für Wohlbefinden. Foto: Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu – fotolia.com

In Thüringen gibt es aktuell sechs stationäre Hospize – in Bad Berka, Eisenach, Erfurt, Meiningen, Neustadt/Harz und Weimar – sowie das Kinder- und Jugendhospiz in Tambach-Dietharz. Insgesamt bieten diese Einrichtungen Platz für 78 Gäste. Hinzu kommen 13 Palliativstationen mit insgesamt 133 Plätzen sowie 10 sogenannte »Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgungsteams« (SAPV), davon eines für Kinder. Diese ermöglichen es Sterbenden, zu Hause bleiben zu können. Einen wichtigen Beitrag im Netzwerk leisten die 31 ambulanten Hospizdienste (26 für Erwachsene, 5 für Kinder), 1 100 Ehrenamtliche engagieren sich hier thüringenweit.

Laut Ilka Jope von der Geschäftsführung des Thüringer Hospiz- und Palliativverbands in Erfurt ist Thüringen im Bereich der Palliativ- und Hospizversorgung im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut ausgestattet – allerdings werden die Plätze auch benötigt.

Die Situation in Sachsen-Anhalt: Hier gibt es laut Ulrich Paulsen, Vorsitzender des Vereins Hospiz Sachsen-Anhalt, aktuell sechs stationäre Hospize – in Dessau-Roßlau, Halle, Magdeburg, Quedlinburg, Stendal und Zerbst – mit insgesamt 60 Plätzen, hinzu kommen ein stationäres Kinderhospiz in Magdeburg und rund 12 Palliativstationen sowie 13 professionell und 10 ehrenamtlich koordinierte ambulante Hospizdienste, 5 davon für Kinder. Insgesamt sind rund 680 ausgebildete Ehrenamtliche im Einsatz. In Sachsen-Anhalt gibt es zehn SAPVs (plus zwei für Kinder).

Die Erkenntnis, dass Schwerstkranke und sterbende Menschen und die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens Zuwendung und Unterstützung bedürfen, hat sich gesamtgesellschaftlich immer mehr etabliert, die Hospizbewegung insgesamt eine starke Entwicklung genommen. Trauerbegleitung und Bildungsveranstaltungen werden vielerorts angeboten. 2017 feiert der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) sein 25-jähriges Bestehen. Er ist der Dachverband für über 1 100 Hospizvereine und Pal­liativeinrichtungen.

In Deutschland gibt es seit 2008 die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Seit ihrer Veröffentlichung haben sich viele Unterzeichner gefunden, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und auch zahlreiche Institutionen in Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Adrienne Uebbing

www.hospiz-thueringen.de


www.hospize-sachsen-anhalt.de


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Von dieser Welt: Mit der Frisörin über den Glauben reden

7. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5, Vers 4

Nach dem Gottesdienst kommt der pensionierte Superintendent auf mich zu. Heute sieht es nicht so aus, als ob er sich mit mir zum nächsten Spiel der Nationalelf vor seinem Fernseher verabreden möchte. Ich überlege kurz, was ihn gestört haben könnte: Ein Sündenbekenntnis war nicht dabei; das Lied vor der Predigt ohne trinitarischen Schluss; der Predigttext aus der Bibel in gerechter Sprache: »Dies ist schon der Sieg über die Welt: unser Vertrauen.«

Stephan Hoenen, Superintendent in Magdeburg

Stephan Hoenen, Superintendent in Magdeburg

Doch er spricht etwas anderes an: »Lieber Bruder, Sie predigen ja, als ob die Kirche nicht von dieser Welt sei. Das passt doch gar nicht zu Ihnen.« Mit theologischen Worten versuche ich mich zu rechtfertigen: »Geht hinaus! Sagt der Welt! – das sind biblische Worte. Unterscheiden wir nicht zudem gut lutherisch zwei Bereiche – Glaubenshoffnung und Weltverantwortung?« Er setzt fort: »Als Glaubende leben wir mit dieser Welt und nicht besser als andere. Werten wir die Welt nicht ab, nur weil sie endlich ist und somit nicht perfekt. – Ach, übrigens, die Einladung zum nächsten Spiel steht.«

Seitdem achte ich darauf. Denn wo sich Welt und Glauben scheiden, da werden wir als Kirche wohl auch nicht mehr gehört. Weltliche Leute haben dann keine geistlichen Fragen mehr. Unser Glaube sei, wenn schon ein Sieg, dann ohne Niederlage anderer. Besser aber noch ein Gewinn für die Welt – ohne von ihr abhängig zu sein. Wir gewinnen ein Miteinander, wo wir uns nicht über andere erheben. Wie schwer das auch immer sein mag, wenn man sich über 13 Prozent ärgert. Wir gewinnen Erkennbarkeit, auch ohne Collarhemd, im alltäglichen Gespräch. Als Christ mit der Welt zu leben, ist eine Aufgabe, die gelernt sein will. Meine Frisörin bedauerte beim letzten Haarschnitt, dass sie in ihrer Familie nicht zum Glauben geführt wurde. Der 1. Johannesbrief ermutigt uns: Jesus Christus begleitet den Weg, anderen Liebe und Vertrauen in Gott zu schenken.

Gern denke ich an den Superintendenten zurück – inzwischen hat er die Welt überwunden zum ewigen Leben. Darauf vertraue ich.

Stephan Hoenen, Superintendent in Magdeburg

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Ausgezeichnet: Religion macht Geschichte

2. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Archiv der Landeskirche unterstützte Schüler bei Wettbewerb des Bundespräsidenten

Vier der diesjährigen Landessieger aus Sachsen-Anhalt im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten kommen aus Dessau und wurden vom Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts unterstützt.

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stand 2016/17 unter dem Motto »Gott und die Welt. Religion macht Geschichte«. Auf Initiative von Renate Schulze, Geschichtslehrerin im Philanthropinum, beteiligten sich sechs Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 a und 10 c daran.

»Als Frau Dr. Schulze auf uns zukam, zögerten Landeskirchenarchivar Günter Preckel und ich keine Sekunde«, sagt Jan Brademann vom Kirchenarchiv. Gemeinsam habe man ein Thema gesucht, das zum Motto passt, auf neue Erkenntnisse abzielt und dabei für Schüler zu bewältigen ist. Zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 haben die Kollegen des kirchlichen Archivs die Schüler intensiv betreut.

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

»Wir lasen uns gemeinsam ein, sichteten Quellen und überlegten eine passende Fragestellung. Regelmäßig kamen die drei Arbeitsgruppen zu uns ins Archiv. Dort arbeiteten sie sich durch Literatur und vor allem Quellen, wie Akten, Kirchenboten, Zeitungsartikel und manches mehr.«

Aus Scheu wird Faszination

Die anfängliche Scheu vor der merkwürdigen Sprache und der noch schwierigeren Schrift sei bald der Faszination gewichen. Religion war sehr präsent im Leben der Menschen, und die Kirche war aufs Engste mit Gesellschaft und Politik verwoben – im 17. wie auch noch im 20. Jahrhundert. Unter verschiedenen Perspektiven beleuchteten die jungen Leute aktuelle Fragen historisch: etwa die nach der Toleranz gegenüber Lutheranern im reformierten Anhalt-Dessau im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert; nach der vermögensrechtlichen Trennung von Staat und Kirche in der Weimarer Republik und nach dem Verhältnis von Religion und Politik in der Dessauer Paulusgemeinde zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Arbeiten von Kim Kamenik und Moritz Gärtner »Vom schwierigen Weg in ein säkulares Deutschland: Der Prozess der Evangelischen Landeskirche Anhalts gegen den Freistaat Anhalt 1924 bis 1930« sowie von Paula Eichler und Jasmin Sahit »Toleranz schafft eine Kirche – die Entstehung der Johanniskirche zu Dessau« wurden Landessieger in Sachsen-Anhalt. Die Preise wurden im September im Kulturhistorischen Museum Magdeburg von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verliehen.

Gottes Weg durch die Zeit

Aus Sicht eines Historikers sei der Wert dieses Wettbewerbs als sehr hoch einzuschätzen, so Jan Brademann. Der Wettbewerb helfe jungen Menschen, sich zu befähigen, sie umgebende Erinnerungsorte zu erschließen und mit Sinn zu versehen; sie lernen, einen kritischen Blick auf bestehende Geschichtsbilder zu entwickeln und schließlich üben sie, überhaupt Argumente aus Tatsachen zu entwickeln. »Für uns Christen ist die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte immer auch eine Möglichkeit, den Weg Gottes durch die Zeit nachzuvollziehen und so für die eigene Glaubenssuche Impulse zu bekommen«, so Brademann weiter.

Der Wettbewerb wird von der Körber-Stiftung ausgeschrieben, die 550 Geldpreise auf Landes- und Bundes­ebene auslobt, und fand zum 25. Mal statt. Bundesweit beteiligten sich dieses Mal 5 064 Kinder und Jugendliche, von Erstklässlern bis zu jungen Studierenden und Berufsschulabsolventen, mit insgesamt 1 639 Beiträgen. Die Vielfalt der Arbeiten und Projekte ist groß. Rund 700 Tutoren begleiteten die jungen Spurensucher bei ihrer Forschungsarbeit.

Die Landessieger haben jetzt noch Chancen auf eine Auszeichnung auf Bundesebene.

(G+H)

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Die Lebensmittelretter

1. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Auf den Teller statt in den Müll: Mit zwei Tonnen Bio-Zucchini kam das Projekt vor drei Jahren richtig in Fahrt. Jetzt haben die Lebensmittelretter aus Magdeburg den zweiten Platz beim Bundeswettbewerb der Nebenan-Stiftung errungen.

Initiator der Lebensmittelrettung, auch als Foodsharing (Lebensmittel teilen) bekannt, ist Ralf Weigt, der bei der Grünen Hochschulgruppe in Magdeburg die ersten Impulse bekam: »Ich finde, in unserem reichen Land, in dem es sehr vielen Menschen gut und sehr gut geht, gibt es einfach zu viele Menschen, denen es schlecht geht. Da möchte ich lokal etwas gestalten, damit von der Überfülle alle etwas haben.« Dass es sich bei der Überfülle hier und dem Mangel dort um ein weltweites Problem handelt und nicht auf Lebensmittel beschränkt ist, weiß er. »Nach Jahrzenten des Wachstums sollten wir Menschen uns auf unsere Wurzeln besinnen – und die liegen nicht in der Stadt.« Mit dem Blick auf den sorglosen Umgang mit den Lebensmitteln, die vom Lande kommen, will Ralf Weigt mit kleinen Schritten einen weniger sorglosen Umgang mit den Ressourcen befördern und zugleich Menschen helfen.

Teilen statt wegwerfen: Ehrenamtliche der Initiative »Lebensmittel retten Magdeburg« holen die Lebensmittel bei den Spendern ab und bringen sie dann zu den Verteiler-Stationen; auch dieser prall gefüllte Kühlschrank wird am Tagesende wieder leer sein. Fotos: Facebook

Teilen statt wegwerfen: Ehrenamtliche der Initiative »Lebensmittel retten Magdeburg« holen die Lebensmittel bei den Spendern ab und bringen sie dann zu den Verteiler-Stationen; auch dieser prall gefüllte Kühlschrank wird am Tagesende wieder leer sein. Foto: Facebook

Die Lebensmittelretter sammeln – vorwiegend mit (Lasten-)Fahrrädern – Lebensmittel in Supermärkten, bei kleineren Händlern und Bauern ein. Jene Zucchini zu Beginn waren ein Angebot des Bauern. Das Sammelgut wird zu Verteiler-Stationen gebracht, wo auch Kühlschränke für verderbliche Produkte stehen. An den Verteilstationen können sich Bedürftige die Lebensmittel abholen. Das wird inzwischen in fast allen Großstädten praktiziert. »Das Besondere bei uns ist, dass unsere Verteilstellen soziale Treffpunkte sind, wo sowieso Menschen zusammenkommen. So haben wir vor Ort Helfer, die die Lebensmittellisten führen und die Kühlschränke sauberhalten. Sie verteilen, sie nutzen aber auch die Spenden, um gemeinsam mit der Nachbarschaft zum Beispiel Marmelade zu kochen«, erläutert Ralf Weigt. Diese Verbindung von Lebensmittelrettung und Sozialarbeit habe die Jury von nebenan.de besonders gewürdigt. Das Preisgeld von 7000 Euro fließt ins Projekt.

Gute Erfahrungen hat die Gruppe mit Partnern wie der Stadtmission, der Bahnhofsmission oder dem von den Pfeifferschen Stiftungen getragenen Quartierscafé gemacht. Die Auslandsgesellschaft mit dem Eine-Welt-Laden gehört neben Studenten zu den Verteilern. Und ein Tattoo-Studio macht auch mit. Etwa 100 Menschen und etliche Institutionen gehören zum Netzwerk der Lebensmittelretter. Obwohl die Zahl derjenigen, die sich als Initiator für nachhaltige Projekte ins Zeug legen, in Magdeburg überschaubar ist, gelang dem Spielwagen-Verein der Aufbau dieser großen Helferschar gut. »Jede neue Verteilstation lockt neue Helfer an«, freut sich Ralf Weigt. In deren Umfeld würden auch Lebensmittel von privat zu privat geteilt.

Demnächst möchte er mit einem Workshop der Grünen Hochschulgruppe in Stendal die Lebensmittelrettung in der Altmark anschieben. »Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Kirchengemeinden in dieser Richtung aktiv werden – in den kleineren Städten und auf dem Land gibt es da noch viel zu tun. Gern gebe ich Ratschläge und helfe mit unserem Netzwerk weiter«, ermuntert Ralf Weigt zum Nachmachen.

Renate Wähnelt

www.spielwagen-magdeburg.de/lebensmittel-retten

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Speise zur rechten Zeit, die nicht abspeist

30. September 2017 von redaktionguh  
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Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Psalm 145, Vers 15

Viele Leser hören bei diesem Wochenspruch gleich eine Melodie mit erklingen, wenn sie ihn lesen. Heinrich Schütz: Aller Augen warten auf dich, Herre (Evangelisches Gesangbuch Nr. 461). Zäsur ist angesagt, wenn angestimmt wird. Konvente, Seminare, Klausuren, wenn es Mittag wird – kommt die heilsame Unterbrechung des Alltags. Und etwas zum Essen. Speise. Wenn der Magen knurrt – machen Diskus­sionen auch keinen Spaß.

Der Psalm ist von aktueller Realistik. Nach dem Scheitern politischer Weltreiche und sogenannter neuer Weltordnungen breitet sich der Hunger immer mehr aus. Hungergeschichten durchziehen die gesamte Bibel. Im Erntedankkontext will ich hier die drei Worte »zur rechten Zeit« betonen.

Pfarrer Jörg Uhle-Wettler, Domprediger in Magdeburg

Pfarrer Jörg Uhle-Wettler, Domprediger in Magdeburg

Ein Geschäftsmann, der über siebzig Angestellte verfügte und sich nach einer Herzoperation erholen musste, erzählte mir, er habe Hunderte von Geschäftsessen erlebt. Wunderbare Speisen und edelste Tropfen. In der Rehaklinik erschien eines Tages sein – ihm fremd gewordener – Bruder. »Hier«, sagte er, »ich habe dir zwei Äpfel aus dem Garten mitgebracht und für dich geschnitten. Was soll man denn sonst mitbringen?« Diese beiden Äpfel, Speise zur rechten Zeit, haben ein Umdenken in ihm bewirkt. Er schämte sich seiner Tränen nicht. Seine Augen sahen durch den Schleier klarer. Zwei Äpfel, vom Bruder gesammelt und geschnitten, Speise – Geste – Worte. Mehr bedarf es nicht – im Überfluss, der oft Überdruss erzeugt.

Der Herr sendet auch Boten aus, Speise zu bringen. Menschen und Raben. Und an diesem Wochenende werden es viele Abendmahlshelfer in den Kirchen unseres Landes sein. Dieses Mahl stärkt und macht nicht satt. Der Satte wird faul, der Gestärkte kann den weiten Weg weiter ziehen. Ein Stück Brot, ein Glas Wein, eine liebende Hand werden reichen. Dann könnten auch wir anderen Menschen Äpfel schneiden, Nüsse knacken oder Apfelsinen schälen – und zu Boten werden. Viele Augen warten dankbar auf ihre Speise, die nicht abspeist. Das ist etwas anderes als: Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb.

Pfarrer Jörg Uhle-Wettler, Domprediger in Magdeburg

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Rast an der Radwegekirche

7. August 2017 von redaktionguh  
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Elberadweg: Teilstück in der Altmark wieder befahrbar

Mehr als 4 000 evangelische Kirchen und Kapellen stehen in Mitteldeutschland. Das sind rund 18 Prozent aller evangelischen Kirchen Deutschlands. Derzeit laden 64 davon, sogenannte Radwegekirchen, zu einer besonderen Rast ein. Die Gotteshäuser liegen unmittelbar an Radwegen in Thüringen, Sachsen-Anhalt sowie in Sachsen und sind auf Hinweisschildern am Weg und an den Kirchen als Radwegekirchen gekennzeichnet. Die Kirchen bieten noch bis zum Reformationstag am 31. Oktober an mindestens fünf Tagen in der Woche tagsüber einen Ort der Ruhe und Besinnung. An manchen Orten gilt diese Regelung auch für das Winterhalbjahr.

Foto: Screenshot G+H

Foto: Screenshot G+H

In einigen Kirchengemeinden gibt es zudem Kirchenführungen und Seelsorgegespräche. Zertifizierte Radwegekirchen sollten neben Informationen möglichst auch einen Rastplatz oder Bänke im Garten sowie Zugang zu Toi­letten und Trinkwasser bereitstellen.

Ein Teilstück des Elberadweges in der Altmark zwischen Billberge und Arneburg im Kirchenkreis Stendal ist jetzt wieder ohne Einschränkungen befahrbar, so das Wirtschaftsministerium in Magdeburg.

Eine Karte mit allen Radwegen und Radwegekirchen findet sich auf einer Internetseite (Foto).

Dort gibt es detaillierte Informationen zu Öffnungszeiten oder der Geschichte der Kirche. Ein grünes Signet mit Kirche und Radfahrer kennzeichnet vor Ort die Kirchen.
(G+H/epd)

www.radwegekirchen.de

Bo(o)tschaft vom Himmelreich

31. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Raus aus der Kirche, in die Natur: Einen Gottesdienst der ungewöhnlichen Art haben rund 150 Menschen in Bodendorf gefeiert. Pfarrer Hans Heidenreich hielt seine Predigt von einem Boot aus.

Feierlich schallt die Glocke der Schlosskapelle von Bodendorf (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt) über das Wasser. Mit langsamen Ruderschlägen lässt sich Pfarrer Hans Heidenreich auf den Teich hinausfahren. Die Gemeinde wartet am Ufer. Darunter sind Menschen aus dem gesamten Landkreis Börde. Andere sind extra aus Magdeburg angereist.

»Jesus hat oft von einem Boot aus gepredigt. Denn das Wasser trägt den Schall«, erläutert Heidenreich. Aus dieser Überlegung heraus sei 1998 die Idee für den Bodendorfer Seegottesdienst entstanden. Am Wochenende fand bereits die 16. Auflage statt. Was als einmalige Veranstaltung gedacht war, ist zur Tradition geworden. »Durch das Ambiente kann man die Geschichten aus der Bibel besser verstehen. Das Erlebnis ist ein anderes«, so Heidenreich.

Begrüßt wurden die Gäste am Sonntag zunächst von Ingeborg Heidenreich. Sie hielt ihren Teil des Gottesdienstes an Land, während ihr Mann vom Boot aus predigte. Der Inhalt des Gottesdienstes war auf den Rahmen abgestimmt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Gleichnis vom Fischernetz aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 13. »Das Himmelreich ist gleich einem Netz, das ins Meer geworfen ist«, trug Hans Heidenreich vor. Beim Jüngsten Gericht werde dieses Netz eingeholt. Dann würden die Gottgefälligen von den Bösen getrennt.

Seegottesdienst: Pfarrer Hans Heidenreich predigt vom Boot aus. Tim Jüttner, der ältere Bruder des Täuflings Elisabeth Jüttner, hat ihn auf den Bodendorfer See gerudert. Foto: André Ziegenmeyer

Seegottesdienst: Pfarrer Hans Heidenreich predigt vom Boot aus. Tim Jüttner, der ältere Bruder des Täuflings Elisabeth Jüttner, hat ihn auf den Bodendorfer See gerudert. Foto: André Ziegenmeyer

Viele Menschen, so der Pfarrer, würden sich fragen, warum Gott angesichts des Geschehens auf Erden nicht eingreife. Ihnen könne das Gleichnis Kraft spenden. »Es wird eine Gerechtigkeit geben. Und niemand wird sich davor verbergen können. Hier auf Erden entscheide ich, wo ich die Ewigkeit verbringe.«

Im Mittelpunkt des Seegottesdienstes stand eine Doppeltaufe. Rahel Dierbach (8) aus Haldensleben und Elisabeth Jüttner (7) aus Süplingen wateten dafür mit Hans Heidenreich in den See hinaus. Dort ließen sie sich untertauchen. Die Entscheidung dafür hatten die beiden Mädchen eigenständig getroffen. Elisabeth Jüttner folgte damit dem Beispiel zweier ihrer größeren Brüder. Diese hatten sich bei vorangegangenen Seegottesdiensten taufen lassen. »Ab Ostern wuchs in Elisabeth der Gedanke. Wir haben erst einmal gewartet, ob das so bleibt. Dann haben wir Kontakt zu den Heidenreichs aufgenommen«, verrät Mutter Cornelia Jüttner.

»Rahel hat schon seit einem Jahr gedrängelt, dass sie sich taufen lassen will«, erzählt Vater Guido Dierbach. Auch sie folgte damit dem Weg ihrer Geschwister. Ihre älteste Schwester hatte sich im Fluss Ohre taufen lassen, die nächstjüngere in dem begehbaren Taufbecken in Martin Luthers Taufkirche in Eisleben (Zentrum Taufe). »Wir leben ihnen die christlichen Werte vor, aber die Kinder sollten selbst entscheiden«, so der Vater.

Musikalisch begleitet wurde der Seegottesdienst vom Süplinger Volkschor und der Hörsinger Bläservereinigung. Die Kollekte soll in die weitere Sanierung der Bodendorfer Schlosskapelle fließen.

André Ziegenmeyer

Wo Martin Luther auch war

24. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Testfahrt: Zerbst gehört von Anfang an zum Lutherweg in Sachsen-Anhalt. Der 2008 eröffnete Pilgerweg ist 2017 um einen Abzweig nach Magdeburg verlängert worden. Zu sehen gibt es einiges. Manchmal muss man raten.

Hier stehe ich und weiß nicht weiter. Nur zu gern würde ich im Dorf Schora in den Weg einbiegen, der mich weiter in Richtung Lübs und Elbe führt. Doch das letzte Lutherweg-Schild, ein altertümliches grünes L auf weißem Grund, habe ich am Stadtrand von Zerbst gesehen. So lege ich in der Ortsmitte eine Pause ein: am 2007 eingeweihten Gedenkort für die 1945 kriegszerstörte Kirche, von der nur eine Glocke übrig blieb. Zweimal schon bin ich, von Zerbst über die Dörfer Töppel und Moritz kommend, in Schora falsch abgebogen. Ein drittes Mal brauche ich das nicht. Aufs Navi habe ich (warum nur?) verzichtet – und das habe ich jetzt davon.

Streifzug durch eine alte Kirchenlandschaft

Bislang bildete Zerbst den Scheitelpunkt der Nordroute des Lutherweges. Seit diesem Frühjahr ließe sich die Stadt, die als erste in Anhalt ab 1522 die Reformation einführte, als Knotenpunkt bezeichnen. Denn der Lutherweg in Sachsen-Anhalt mit den Polen Eisleben im Westen und Wittenberg im Osten ist ab Zerbst in Richtung Magdeburg verlängert auf Wegen, die Martin Luther mit einiger Sicherheit einmal gegangen ist. Bei meiner Testfahrt mit dem Rad lasse ich diesmal einen Besuch der Zerbster Lutherorte aus. Vorbei an der Bartholomäikirche, in der Fürst Wolfgang der Bekenner begraben liegt, fahre ich durch die Stadt und suche meinen Weg über Nebenstraßen, Feldwege und durch Dörfer bis nach Dornburg im Kirchenkreis Elbe-Fläming, das auf der Website des Lutherweges als nächste Station ausgewiesen ist. Gleich hinter Zerbst überquere ich die unsichtbare Kirchengrenze: von der Evangelischen Landeskirche Anhalts in die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM). In Schora habe ich endlich einen Mann gefunden, der mir zeigt, wo ich abbiegen muss. Ich radele über einen tückischen Wirtschaftsweg. Mit Betonplatten ist er ausgelegt und mit Löchern durchsetzt, in denen, gut vom Regenwasser getarnt, Ösen aus Metall lauern. Weil ich die Reifen nicht beschädigen will, übe ich mich im Slalom – nur um am Ende an einer Landstraße zu stehen, zu der ich gar nicht wollte. Irgendwo zwischen den Feldern habe ich den direkten Abzweig nach Klein-Lübs verpasst. Lieber Gott, lass es Wegweiser regnen!

Die Christophoruskirche in Dornburg: Sie liegt am Luther- und am Elberadweg und ist verlässlich geöffnet. Im Hintergrund ist das Schloss zu sehen, das einst die Mutter der Zarin Katharina erbauen ließ. Fotos: Angela Stoye

Die Christophoruskirche in Dornburg: Sie liegt am Luther- und am Elberadweg und ist verlässlich geöffnet. Im Hintergrund ist das Schloss zu sehen, das einst die Mutter der Zarin Katharina erbauen ließ. Fotos: Angela Stoye

Da schimpfen nichts nützt, radele ich weiter und komme bald in den Genuss des Anblicks der Kirche in Gehrden. Sie ist, wie die Kirche im zu Beginn der Tour durchquerten Dorf Moritz, romanisch, restauriert und gepflegt, aber leider verschlossen. Nur wenige Male im Jahr gibt es in den kleinen Dörfern in diesem Teil des Jerichower Landes Gottesdienste. Dass die Kirchen verschlossen sind, wundert mich nicht. Ich weiß aus Gesprächen, wie schwierig es ist mit dem Kirchenöffnen. Ein Urteil darüber maße ich mir nicht an.

Einige Kilometer weiter stehe ich endlich in Klein-Lübs. Das Kirchlein, lange vom Verfall bedroht, besteht hinter dem Westturm aus Umfassungsmauern ohne Dach, in die sich ein später eingebauter Gemeinderaum kuschelt. Ich spähe durch ein Fenster, um einen Blick auf ein Gemälde von Luther mit einem Schwan zu erhaschen, das sich hier befinden soll. Aber ich sehe nur ein großes dunkles Rechteck an einer Kirchenwand. Das Motiv bleibt mir verborgen.

Die Klusbrücke bei Wahlitz: Über sie musste Martin Luther gehen, als er 1524 auf Einladung der Stadtväter zum Predigen nach Magdeburg wollte. Die Brücke und der anschließende Klusdamm waren bis ins 19. Jahrhundert ein viel benutzter Verkehrsweg von Magdeburg durch die Auen nach Ostelbien. Auch 1516 soll Luther die Brücke genutzt haben, als er als Distriktsvikar der Augustiner-Eremiten zu den Klöstern seines Ordens unterwegs war.

Die Klusbrücke bei Wahlitz: Über sie musste Martin Luther gehen, als er 1524 auf Einladung der Stadtväter zum Predigen nach Magdeburg wollte. Die Brücke und der anschließende Klusdamm waren bis ins 19. Jahrhundert ein viel benutzter Verkehrsweg von Magdeburg durch die Auen nach Ostelbien. Auch 1516 soll Luther die Brücke genutzt haben, als er als Distriktsvikar der Augustiner-Eremiten zu den Klöstern seines Ordens unterwegs war.

Weiter geht’s. Im Wald bis Dornburg sehe ich deutlich, wie schlimm der Sturm vom 22. Juni im Jerichower Land gewütet hat; besonders betroffen ist zwar das Dorf Töppel. Aber in den Wäldern um Gommern hat er viele Bäume entwurzelt und andere geknickt, als ob es Bleistifte wären. Zwar sind die Wege frei, aber wie viel Zeit und Geld nötig sind, um alle Schäden zu beseitigen, vermag ich nicht abzuschätzen.

Ein großes »Kirche geöffnet«-Schild heißt die Besucher in Dornburg an der Elbe willkommen. Die schlichte, von 1755 bis 1758 erbaute Barockkirche strahlt innen wie außen weiß. Ich ruhe eine Weile aus und nehme mir fest vor, zu einem der Konzerte, die es hier ab und zu gibt, wiederzukommen. Auch um mehr Zeit für die Landschaft und das Schloss zu haben. Darüber, dass Dornburg einmal anhaltisch war und dass Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst hier von 1751 bis 1758 ein wunderschönes Barockschloss erbauen ließ, habe ich mich vor der Fahrt informiert. Die Mutter der Zarin Katharina, die als die Große in die Geschichte eingehen sollte, wollte ihrer Tochter, wenn sie denn einmal zu Besuch käme, ein angemessenes Quartier bieten. Die Tochter kam aber nie. Hinter dem Schloss liegt eine wechselvolle Geschichte und eine offene Zukunft: Seit Längerem wird ein Käufer gesucht.

Romanik pur in Pretzien und Plötzky

Ab Dornburg ist auch die Beschilderung kein Problem. Elberadweg- und Lutherweg-Schilder zeigen zuverlässig, wo es langgeht. Die nächste Station ist Pretzien. Den Schlüssel für die romanische Thomaskirche mit ihren mittelalterlichen Fresken können sich Besucher in der nahe gelegenen Tourist-Information holen, wenn sie nicht gerade sonnabends oder sonntags von 14 bis 16 Uhr ankommen. Die romanische Kirche im Nachbardorf Plötzky kann ab Mai täglich von 9 bis 17 Uhr besichtigt werden.

In Gommern, für das es bisher keinen Hinweis auf einen Aufenthalt Martin Luthers gibt, beende ich meinen Lutherweg-Test. Die nächsten Sehenswürdigkeiten auf dem Weg – die mittelalterliche Klusbrücke bei Wahlitz, die Luther mindestens zwei Mal überquerte, und die sechs Sehenswürdigkeiten in Magdeburg – kenne ich bereits. Mein Fazit: Bisher habe ich diese alte Kulturlandschaft immer mit der Bahn durchfahren oder noch gar nicht gekannt. Durch die Stunden auf dem Rad und zu Fuß habe ich sie erst richtig entdeckt.

Angela Stoye

www.lutherweg.de

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