»Mitteldeutscher Jedermann«

26. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Magdeburger Compagnie lädt zum Sommertheater in den Domgarten.

Das Sommertheather findet im Magdeburger Domgarten statt.

Das Sommertheather findet im Magdeburger Domgarten statt.

Erneut verwandelt sich der Magdeburger Domgarten in einen »Theatersaal«. Die »Compagnie Magdeburg 09« präsentiert das Stück »Mitteldeutscher Jedermann« frei nach dem weltberühmten »Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes« Hugo von Hofmannsthals. Vor zwei Jahren zeigte die Compagnie im Domgarten ihr Stück »Vom Himmel hoch« aus Anlass des 800. Domjubiläums. In diesem Jahr erneut mit dabei sind einige der Darsteller, Gisela Begrich als Regisseurin, von Christoph Deckbar kommt die Musik, Kostüme und Bühnenbild schuf Christina Biedermann.

»Wir haben das Stück radikal verändert«, sagt Bernd Kurt Goetz, der den Text schrieb, neben Begrich Regie führt und den Part des Jedermann übernommen hat. »Nur acht bis zehn Zeilen Hofmannsthal sind geblieben.« Die Grundstruktur des klassischen »Jedermann«, der vor 100 Jahren in Berlin uraufgeführt wurde und seit 1920 in jedem Jahr bei den Salzburger Festspielen gezeigt wird, bleibt erhalten. Auch die gebundene Sprache, die sich an Hofmannsthal anlehnt. Die Handlung bewege sich im christlichen Wertekanon. »Erzählt wird jedoch eine Geschichte unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts.«

Zwar seien in Sachsen-Anhalt die wenigsten Menschen religiös, so Goetz, jedoch fragten auch sie nach dem Sinn des Lebens. Von dieser Frage sei das Stück geprägt, die Auseinandersetzung mit ihr »von großer Ernsthaftigkeit«.

Angela Stoye

Karten zum Preis von 18 Euro (ermäßigt 12 Euro) gibt es in der Dom-Buchhandlung Holtermann, Breiter Weg 212a, oder ab 19.30 Uhr an der Abendkasse.

Aufführungen vom 26. Juli bis 27. August immer Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend jeweils 20.30 Uhr.
www.cmd-09.de

Ein begehbares Geschichtsbuch

19. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Die allegorische Figur vor der St.-Gertraud-Kirche stammt von der Magdeburger Zollbrücke und war von Emil Hundrieser geschaffen worden. Sie symbolisiert den Handel und wurde vor rund vier Jahren gegen eine Kopie ausgetauscht.	Foto: Klaus-Peter Voigt

Die allegorische Figur vor der St.-Gertraud-Kirche stammt von der Magdeburger Zollbrücke und war von Emil Hundrieser geschaffen worden. Sie symbolisiert den Handel und wurde vor rund vier Jahren gegen eine Kopie ausgetauscht. Foto: Klaus-Peter Voigt


Steine erzählen vom Leben. Alte Grabsteine, Fragmente von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häusern, Brückenteile und Bruchstücke von Epitaphien aus Magdeburg und Umgebung haben einen dauerhaften Platz gefunden. Rund um die sanierte St.-Gertraud-Kirche im Stadtteil Salbke erinnern seit Anfang Juli über 300 Sachzeugen an unsere Vorfahren, berichten über menschliche Schicksale, Krieg aber auch das Leben. In dem in Sachsen-Anhalt einmaligen Lapidarium stehe zwar noch nicht jedes Stück am richtigen Fleck, sagt Pfarrer Matthias Simon. Bis zum Herbst sollen die Pläne in und um die Kirche endgültig umgesetzt sein.

Schon jetzt sei das Interesse »riesig«, versichert der Pfarrer. Besucher kämen ständig, Schulkassen und Kindergartengruppen wollten sich mit dem begehbaren »Geschichtsbuch« vertraut machen. Auch mit dem Ende der drei Jahre währenden Arbeiten wolle man in der Gemeinde keineswegs einen Schlussstrich unter das Projekt ziehen. Nicht nur, dass zwei Mitarbeiter für die kommenden drei Jahre über Bürgerarbeit verlässliche Öffnungszeiten sicherten.

Die Steine böten jede Menge Anreize, um sich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen. Heimatforscher, Schüler oder Studenten seien eingeladen, sich dabei einzubringen. Egal, ob es um die Geschichte eines Hauses oder den Lebensweg von Menschen gehe, Stoff gebe es genug. Pfarrer Simon verweist dabei unter anderem auf das Fragment eines Epitaphs aus der Johanniskirche, das an Ernst Bake, den Sohn des Dompredigers Reinhard Bake, erinnert, der durch seinen Kniefall vor General Tilly 1631 im Dreißigjährigen Krieg bekannt wurde.

»Schon jetzt ist das Interrese von Besuchern riesig«

Matthias Simon sieht noch eine Lücke. Trotz des immensen Schatzes möchte er noch einen weiteren Stein zumindest in der Nähe der Kirche verlegen lassen. »Wir wünschen uns als Gemeinde noch einen Stolperstein, von denen es in Magdeburg bereits fast 70 gibt. Auch in Salbke gab es jüdische Familien, die unsere Nachbarn waren und in ein KZ verschleppt wurden.«

St. Gertraud, die 1866/67 erbaute neogotische Kirche, ist Beispiel für ein neues Konzept, wie geistliches Leben erneuert werden kann. Als der Pfarrer vor acht Jahren nach Magdeburg kam, war sein erster Gedanke, ob das Kirchendach noch halten würde. Zu einer der ersten Ideen gehörte ein Kolumbarium. Doch eine Sammlung von Urnen fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Dafür der spätere Vorschlag eines Lapidariums um so mehr, zumal in Depots von Magdeburg viele Architekturteile einer Verwendung harrten. Das Projekt nahm Gestalt an, fand Förderer und Unterstützer. Über 600.000 Euro flossen direkt in die Umsetzung der Pläne.

Die kommunale Beschäftigungsgesellschaft AQB half zusätzlich bei der Kirchensanierung und der Errichtung des Rundweges. Das Gotteshaus hat inzwischen sein Gesicht verändert. Es gibt kein festes Kirchengestühl mehr, sondern eine offene Fläche, die Raum lässt für Veranstaltungen wie Filmabende mit Sitzkissen auf dem Boden, Familiengottesdienste und anderes. Glastüren geben dem Raum mehr Weite, öffnen den Blick auf die Steine. Die Buntglasfenster aus der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden restauriert und in veränderter Zusammenstellung wieder eingesetzt.

Der ursprüngliche Gedanke, die Fenster durch neue ohne religiöse Motive zu ersetzen, fand keine Mehrheit. So wurden die originalen bildlichen Darstellungen mit einer modernen, farbigen Einfassung des Glasgestalters Günter Groh versehen. Das Konzept geht auf. Eine Kirche gab sich selbst neue Perspektiven und fast vergessenen Steinen eine Heimat.

Klaus-Peter Voigt

»Am Ende sind alle beschädigt«

4. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Giselher Quast. Foto: Klaus-Peter Voigt

Giselher Quast. Foto: Klaus-Peter Voigt

 
Streit um die drohende Abberufung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast geht weiter.

 

Die Fronten sind verhärtet, ein neuer Kompromiss scheint nicht in Sicht. Nachdem in der letzten Woche bekannt geworden ist, dass das Landeskirchenamt das Abberufungsverfahren gegen den Magdeburger Domprediger Giselher Quast wieder aufgenommen hat (vgl. Nr. 26), schlagen die Wellen erneut hoch. Am Montag stand das Thema auch auf der Tagesordnung im Gemeindekirchenrat. Das Gremium wolle sich jedoch in einem laufenden Verfahren vorab nicht dazu äußern, erklärte die Vorsitzende Bettina Büttner auf Anfrage.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die drohende Abberufung für großes Aufsehen gesorgt – es gab eine Demonstration für den Domprediger, der seit über 30 Jahren die Stelle innehat und als eine führende Figur der friedlichen Revolution in der Elbestadt gilt. Auch eine Gemeindeversammlung, bei der die Ergebnisse der Gemeindevisitation vorgestellt wurden, brachte keine Entspannung. Dahinter steckt letztlich ein lange schwelender Konflikt zwischen dem Gemeindekirchenrat und dem Domprediger über Fragen der Geschäftsführung und der künftigen Ausrichtung der Gemeinde.

Im September 2010 schien dann ein Kompromiss gefunden zu sein. Der Vorschlag sah vor, für Quast eine zusätzliche Predigerstelle zu schaffen. Dafür sollte seine mit der Geschäftsführung verbundene Pfarrstelle neu ausgeschrieben werden, was auch ­geschah. Die Entscheidung erfolgte den Angaben der EKM zufolge damals im Einvernehmen. Doch im Februar klagte Quast vor dem kirchlichen Verwaltungsgericht dagegen. Den drei Bewerbern musste abgesagt werden.

Für seinen Rückzieher führt der Domprediger zwei Gründe an. Zum einen sei die Vereinbarung unter großem zeitlichen Druck zustande gekommen, der eine Prüfung durch Pfarrvertretung und Juristen nicht ermöglicht hat. »Ich hatte nur 48 Stunden Zeit, mich zu entscheiden.« Vor allem aber sei damit der aufgezeigte Weg und das Ergebnis der Visitationskommission verlassen worden, die ­allen Seiten »etwas ins Stammbuch geschrieben« habe. Der 59-Jährige räumt durchaus eigene Fehler ein. »Aber wenn man meine Verdienste um die Gemeinde und die Fehler abwägt, ist die Wegnahme der Pfarrstelle nicht angemessen.« Auf die Frage, warum er so spät dagegen vorgegangen ist, antwortet Quast mit dem Hinweis, dass das Bewerbungsverfahren zu frühzeitig gestartet worden sei. Vor ­allem aber stößt sich Quast an seiner öffentlichen »Degradierung« und dem drohenden Verlust der Dienstwohnung. »Das habe ich sechs Jahre vor dem Ruhestand als ehrenrührig empfunden«, sagt er.

Diese Vorwürfe weist Personaldezernent Christian Frühwald entschieden zurück. So habe das Kollegium keineswegs Druck auf den Domprediger ausgeübt. Auch wäre ihm eine einvernehmliche Lösung lieber gewesen, sagt der Personaldezernent. Doch nun gebe es kein Zurück, weil der Kompromiss durch die Klage hinfällig sei. Jetzt könne nur das bereits eingeleitete ­Abberufungsverfahren weitergeführt werden. Durch die anstehende Sommerpause dürfte sich das freilich schwierig gestalten. So rechnet Frühwald mit drei bis vier Monaten für
die anstehenden Gespräche mit dem Gemeindekirchenrat und Quast sowie mit Kreiskirchenrat und Propst.

Dass das Verfahren nicht spurlos an der Gemeinde vorbeigeht, dürfte allen Beteiligten klar sein. Der Schaden ist immens. So hat der Ruf der ­Kirche in Magdeburg massiv gelitten. Auch Giselher Quast weiß um die Folgen: »Schon jetzt sind alle beschädigt, mein Ruf hat genauso gelitten wie der des Gemeindekirchenrates, des Kollegiums oder der Kirche insgesamt.«

Martin Hanusch

Mit Scherben auf den Weg

15. Mai 2011 von redaktionguh  
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In Magdeburg und Eisenach werden die Kirchenamtsstandorte aufgelöst.
 

Der strahlende Sonnenschein in Magdeburg und Eisenach konnte nicht über den Schmerz hinwegtäuschen. Am 5. Mai nahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kirchenamtes in Magdeburg mit einem Gottesdienst Abschied aus dem alten Gemäuer am 800-jährigen Dom; am Tag darauf sagten die Eisenacher dem Haus auf dem Pflugensberg ade. Da flossen schon mal ein paar Tränen.

Beide Gebäude haben ihre Tradition: Im Mai 1816 wurde das Magdeburger Amt als oberste Kirchenverwaltung für die preußische Provinz Sachsen eingerichtet. Die einstige Fabrikantenvilla in Eisenach wurde zwar erst 1921 Thüringer Landeskirchenamt, galt jedoch als schönster Bischofssitz Deutschlands.
 

Die bisherigen Kirchenamtsstandorte in Magdeburg und Eisenach.

Die bisherigen Kirchenamtsstandorte in Magdeburg und Eisenach.


 
Bald kommen die Umzugswagen. In der 20. Kalenderwoche nach Eisenach, in der Woche darauf rollen sie aus Magdeburg in die Thüringer Landeshauptstadt.

»Als die Entscheidung ­damals bekannt wurde, haben wir erst einmal geschluckt«, erinnern sich Annegret und Gotthard Anger. Die Mitarbeiterin der Finanzabteilung und der IT-Fachmann, der seit 1990 im Konsistorium in Magdeburg angestellt ist, nahmen den Beschluss der Föderationssynode, die Kirchenverwaltungen von Eisenach und Magdeburg in Erfurt zusammenzuführen, als »Fingerzeig« für etwas Neues. »Es wäre uns sicher schwerer gefallen, ­wären die Kinder noch klein«, sagen beide.

Da sie inzwischen erwachsen sind, wurde das Haus in Burg verkauft und eine Wohnung in Thüringen gesucht. Schmerzhafter ist da schon der ­Abschied aus der Kirchengemeinde, in der beide seit zwei Jahrzehnten verwurzelt sind. Auch wenn Angers es positiv nehmen, sehen sie klar, dass anderen der Wechsel schwerfällt.

Die Eisenacherin Rosemarie Nennstiel (62) arbeitete 35 Jahre auf dem Pflugensberg. Schon ihre Eltern waren 1966 als Hausmeister ins Landeskirchenamt gezogen. »Es schmerzt mich besonders«, bekennt sie. Nun wird die Verwaltungssekretärin noch ein Jahr nach Erfurt fahren, dann greift ihre ­Altersteilzeit. »Magdeburger und Eisenacher sind zwei Welten«, meint sie.

Angela Knötig (46) ist zuversichtlicher. »Ich kenne ja auch schon einige«, sagt die Leiterin der Schriftgutverwaltung. Und für Edward Schuchardt (38) von der Finanzabteilung ist es sogar eine Erleichterung. Er wohnt in der Nähe Erfurts. So sind die Gefühle trotz allem recht unterschiedlich.

Zudem ziehen nicht alle mit. Aus Magdeburg sind es nur 26, aus Eisenach 86. Manche gehen in den Ruhestand oder haben in anderen kirchlichen Einrichtungen Arbeit gefunden. Andere sind in den Archiven an den alten Standorten beschäftigt. Zu den insgesamt 41 Mitarbeitern, die in Magdeburg bleiben, gehören u.a. die im Büro der Landesbischöfin, im Kinder- und Jugendpfarramt und Ökumenezentrum.

Alle wurden in den Gottesdiensten einzeln gesegnet. Präsidentin Brigitte Andrae überreichte eine kleine Tonscherbe. Die kommt nicht von ungefähr: Als ­Erfurt als künftiger Standort feststand, lag wenig später ein Scherbenhaufen vor dem Haus in Magdeburg. Die ­Eisenacher bedauern, dass »Luthers liebe Stadt« den Bischofssitz verloren hat, wie die ehemalige Mitarbeiterin Anita Herrmann (74) beklagt.

Ob sich so viele Scherben kitten lassen?

Bischöfin Ilse Junkermann beantwortete die Frage in ihrer Predigt mit einem vorsichtigen Ja. Keiner sei nur ängstlich oder nur zuversichtlich. Sie erinnerte an das Psalmwort: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Es könne Frieden werden zwischen einander widerstreitenden Gefühlen. Denn der Gott der Hoffnung sei auch ein Gott der Geduld und des Trostes. So steht die Zuversicht im Raum, dass eine gute Gemeinschaft im neuen Landeskirchenamt wachsen wird.

Dietlind Steinhöfel/Angela Stoye

Ansprechend und professionell

10. Mai 2011 von redaktionguh  
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Erschöpft vom Gemeindebrief-Machen? Fachliche Hilfe erleichtert das Arbeiten. Foto: Jean B./Fotolia.com

Erschöpft vom Gemeindebrief-Machen? Fachliche Hilfe erleichtert das Arbeiten. Foto: Jean B./Fotolia.com


Presseverband und mitteldeutsche Kirche veranstalten Gemeindebrief-Seminar am 25. Juni in Erfurt und Magdeburg.


Im Februar hat der Evangelische Presseverband, Herausgeber der Kirchenzeitung »Glaube+Heimat«, gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ­einen Innovationspreis für Gemeindebriefe ausgeschrieben.
Nun sind Gemeindebriefredaktionen und Interessierte aus den Kirchengemeinden der EKM und Anhalts zu einem Gemeindebriefseminar ­eingeladen, das am 25. Juni von 10.30 bis 16 Uhr zeitgleich in Erfurt und in ­Magdeburg durchgeführt wird.

Das Thema lautet: »Gemeindebriefe ansprechend und professionell gestalten«. Die Mindestteilnehmerzahl pro Kurs liegt bei zwölf Teilnehmern. Der Unkostenbeitrag beträgt 15 Euro. Ein Anmeldeformular ist auf der Homepage der EKM oder der Kirchenzeitung zu finden.

Folgende Themen stehen auf dem Programm: Welche Gaben brauchen wir im Team? Wie soll die Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlichen aussehen? Neben Aufbau, Gestaltung und Inhalt geht es um die Frage, welche Inhalte den Gemeindebrief bereichern können, wie fremde Texte zu redigieren sind und was beim Schreiben eigener Beiträge zu beachten ist. Darüber hinaus wird erörtert, wie der Gottesdienstplan übersichtlich und aussagekräftig platziert werden kann.

Die Referenten sind: Pressesprecher Ralf-Uwe Beck, Redakteurin Dietlind Steinhöfel (Erfurt), Karin Bertheau, Geschäftsführerin Evangelischer Medienverband in Sachsen, Chefredakteur Martin Hanusch (Magdeburg).

(mkz)

Anmeldungen bis 30. Mai an:
Redaktion »Glaube+Heimat«, Gemeindebriefseminar, Lisztstraße 2a, 99423 Weimar,
E-Mail: redaktion@glaube-und-heimat.de

Ein deutliches Votum

26. März 2011 von redaktionguh  
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Kuratoriumsvorsitzender Tobias Köppe stellte am 16. März sein Buch über die Ulrichskirche vor. Foto: Klaus-Peter Voigt

Kuratoriumsvorsitzender Tobias Köppe stellte am 16. März sein Buch über die Ulrichskirche vor. Foto: Klaus-Peter Voigt

Beim ersten Bürgerentscheid Magdeburgs wurde der Wiederaufbau der  Ulrichskirche abgelehnt.

»Wir sind enttäuscht«, sagte Tobias Köppe, der Vorsitzende des Kuratoriums Ulrichskirche. Mehr als 84.000 Magdeburger stimmten im ersten Bürgerentscheid der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag gegen den Wiederaufbau des historischen Gotteshauses. Es war 1956 auf Beschluss von DDR-Staats- und Parteifunktionären gesprengt worden. Rund 26.500 Einwohner sprachen sich für den Wiederaufbau aus. Die Zeit habe nicht gereicht, um die Bürger für das Vorhaben zu sensibilisieren und zu informieren, suchte Köppe nach Erklärungen.

Das 2007 gegründete Kuratorium erlitt damit eine deutliche Niederlage. Das Votum der »interessierten Bürgerschaft« werde akzeptiert und das Vereinsziel Wiederaufbau  von seiner aktuellen Tagesordung gestrichen, hieß es in einer Stellungnahme. Ursprünglich wollte das Kuratorium die Rekonstruktion der zweitältesten Pfarrkirche Magdeburgs aus privaten Mitteln erreichen.

Trotzdem werde man aber nicht aufgeben, erklärte Köppe. In der nächsten Zeit wolle der 250 Mitglieder zählende Verein unter anderem wissenschaftliche Grabungen anregen, um die baulichen Überreste des im Zweiten Weltkriegs bei Bombenangriffen schwer beschädigten Gotteshauses zu untersuchen.  Hauptanliegen des Bürgervereins seien ab sofort die Beförderung der archäologischen Erschließung der vorhandenen Unterkirche  sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD), von Anfang an gegen das Vorhaben, sieht in der Beteiligung am Bürgerentscheid ein deutliches Zeichen für das Demokratiebewusstsein der Magdeburger. Das Ergebnis ist für ihn eindeutig. »Für mich hat dieses Votum eine mittelfristige Wirkung, weit über die einjährige rechtliche Bindung hinaus.«  Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, wenn Befürworter das Ergebnis des Bürgerentscheides akzeptieren, im gleichen Atemzug jedoch eine Fortsetzung ihrer Aktivitäten ankündigten. Dies entspreche nicht seinem Verständnis von Basisdemokratie, sagte er.

Kurz vor dem Bürgerentscheid hatte Tobias Köppe ein erstes Buch über die Ulrichskirche vorgelegt. Das 208 Seiten umfassende Werk informiert umfassend über Baugeschichte, wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse rund um St. Ulrich und Levin. Der Band ist sehens- und lesenswert. Zahlreiche Abbildungen zu unterschiedlichen Bauetappen machen den besonderen Wert der Arbeit aus.

Klaus-Peter Voigt

Eine Kirche spaltet die Stadt

18. März 2011 von redaktionguh  
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So würde die Innenstadt mit der wiedererrichteten Ulrichskirche aussehen. Montage: Kuratorium Ulrichskirche

So würde die Innenstadt mit der wiedererrichteten Ulrichskirche aussehen. Montage: Kuratorium Ulrichskirche


Am Sonntag entscheidet Magdeburg über den Wiederaufbau der Ulrichskirche.

»Die Ulrichskirche wird gebaut, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.« Tobias Köppe, Vorsitzender des Kuratoriums Ulrichskirche, gibt sich zuversichtlich. Seit 2007 kämpft der Mediziner für den Wiederaufbau der Kirche in Magdeburg. Die Stadt brauche eine Mitte und eine solche Bürgerkirche, ist er überzeugt. Auch auf die Frage, warum ausgerechnet diese Kirche wiedererrichtet werden soll, weiß der engagierte Vorsitzende des Kuratoriums eine Antwort. Die Ulrichskirche sei die einzige von acht zerstörten Kirchen Magdeburgs, die an ihrem einstigen Standort wiederaufgebaut werden kann.

Doch das stößt keineswegs nur auf Zustimmung. Seit Monaten tobt in Magdeburg ein erbitterter Streit über den möglichen Wiederaufbau. Im Lokalanzeiger der »Magdeburger Volksstimme« vergeht kaum ein Tag, an dem sich die Gegner oder Befürworter des Vorhabens nicht zu Wort melden. Der Grund dafür ist leicht verständlich. An diesem Sonntag (20. März) können die Magdeburger beim ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt darüber befinden, ob die Wiederaufbaupläne ad acta gelegt werden müssen oder ob das Kuratorium sein Vorhaben umsetzen kann, die aus dem 11. Jahrhundert stammende und 1956 auf Geheiß von Walter Ulbricht gesprengte Ulrichskirche wieder zu errichten.

Notwenig geworden ist der Bürgerentscheid, weil die Initiative »Mehr Demokratie wagen – Bürgen fragen« mehr als 13000 Unterschriften dafür gesammelt hat. Wie erbittert die Auseinandersetzung seit Wochen geführt wird, zeigt schon das Logo der Bürgerinitiative. Dort ist die Silhouette der Ulrichskirche hinter einem Verbotsschild zu sehen. Nicht nur dem Vorsitzenden des Kuratoriums geht das zu weit. »Das sind schon deutlich antikirchliche Züge«, findet auch Magdeburgs Superintendent Michael Seils.

Mahnmal für über 60 in der DDR zerstörte Kirchen

Tatsächlich mischen sich in die Aus-einandersetzung stadtplanerische Argumente und ideologische. So wird die rekonstruierte Ulrichskirche in einem Flugblatt als »sinnfreier-funktionsloser Neubau« und als »Disneyland-Replik« beschrieben. Im Stadtgebiet stünden für Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen »Kirchen in ausreichender Zahl« zur Verfügung, heißt es bei den Wiederaufbaugegnern. Auch architektonisch passe die Ulrichskirche nicht mehr in das heutige Stadtbild. Zudem führen die Gegner den Verlust der letzten grünen Oase in der Innenstadt ins Feld. Durch den Bau würden etwa 25 Prozent der Grünfläche am Ulrichsplatz »dauerhaft« wegfallen.

Dagegen stellt das Kuratorium das breit angelegte Nutzungskonzept heraus. Die Befürworten sehen im Wiederaufbau eine Chance für die Weiterentwicklung der Innenstadt. Möglichst bis zum Reformationsjubiläum 2017 soll die Kirche, die einst ein Zentrum der Reformation war, wieder errichtet werden. »Mitte. Museum. Mahnmal« umreißt Tobias Köppe das Konzept. Neben einer musikgeschichtlichen Ausstellung über Georg Philipp Telemann könnte St. Ulrich und Levin so auch ein Mahnmal für die zerstörten Kirchen in der DDR werden. Mehr als 60 Kirchen mussten in der 40-jährigen DDR-Geschichte aus ideologischen Gründen weichen, allein acht in Magdeburg. Zudem gibt es Überlegungen, wie das Gebäude in die kirchliche Landschaft integriert werden könnte. So hat der Kirchenkreis Magdeburg das Vorhaben begrüßt und sich dafür ausgesprochen, die Ulrichskirche nach Möglichkeit als Citykirche zu nutzen. »Von der Kirche bekommen wir die Unterstützung, die wir hier brauchen«, sagt Tobias Köppe.

Ansonsten hält sich der Kirchenkreis allerdings sehr zurück und lässt die beiden Lager die Diskussion austragen. Dennoch ist der Vorsitzende überzeugt, dass es das Kuratorium schafft, die notwendigen 25 bis 30 Millionen Euro aus Spenden zusammenzubekommen. »Und wenn wir es nicht bis 2017 packen, dann eben ein bisschen später.«

Martin Hanusch

www.ulrichskirche.de
www.buergerentscheid-ulrichskirche.de

Der rechte Platz bleibt leer

21. Januar 2011 von redaktionguh  
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Tausende Menschen beteiligten sich in Magdeburg an der »Meile der Demokratie«.
 

An die Luftangriffe von 1944/45 kann sich Elisabeth Zacharias genau erinnern. »Die Panik der Menschen und das Pfeifen der fallenden Bomben werde ich nie vergessen«, sagt sie. Die Magdeburgerin hat den verheerenden Angriff auf ihre Stadt am 16. Januar 1945 vom Stadtrand verfolgt. Heute wünscht sie sich, »dass keine Generation so etwas wieder erleben muss«. Elisabeth Zacharias steht am 15. Januar am Alten Markt und berichtet zum Auftakt der »Meile der Demokratie« gegen den rechten Aufmarsch als Zeitzeugin von ihren Erfahrungen mit dem Bombenangriff auf die Elbestadt.

IMG_1190Doch anders als die Neonazis, die diesen Tag nutzen, um die Geschichte für ihre Zwecke umzudeuten, weiß sie um die Ursachen. »Der von Hitler angezettelte Krieg ist auf grausame Weise nach Deutschland zurückgekehrt«, sagt Elisabeth Zacharias. Aufmerksam verfolgen die Zuhörer, was sie zu berichten weiß. Zum dritten Mal haben ein breites Bündnis und die Stadt zu einer solchen Meile aufgerufen. Am Ende des Tages sind es etwa 6.000 Menschen, die dem Aufruf Folge geleistet haben – deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Wie notwendig der Einsatz gegen den Missbrauch des verheerenden Bombenangriffs ist, macht zu Beginn der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) deutlich. »Wir lassen uns den 16. Januar nicht von Ewiggestrigen verdrehen«, ruft er den Teilnehmern zu. Die Meile der Demokratie solle dagegen zeigen, wie bunt und vielfältig die Stadt sein könne. »Und wir werden alles dafür tun, dass das so bleibt«, fügt er unter dem Beifall der Zuhörer hinzu. Als Gastredner fordert Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma die Besucher auf, »diejenigen in die Schranken zu weisen, die die Uhr zurückdrehen« wollten. Vor 66 Jahren sei die deutsche Gesellschaft von einer menschenverachtenden Ideologie befreit worden, der mehr als sechs Millionen Juden und hunderttausende Sinti und Roma zum Opfer gefallen seien. Heute komme es darauf an, sich aus der Mitte der Gesellschaft gegen die dumpfen Parolen zu wenden.

IMG_0856Genau das passiert an diesem Tag, an dem keineswegs die ernsten Töne dominieren. Die fast zwei Kilometer lange »Meile« entlang des Breiten Weges ist auch ein buntes Fest mit zahlreichen Bühnen und Informationsständen, Kultur und Aktionen. So interviewen junge Leute Prominente unter dem Motto »Mein rechter, rechter Platz bleibt leer!« zu Demokratie und ihrem Engagement. Mehrere hundert Menschen – darunter zahlreiche Politiker von Wulf Gallert (Linke) über Sören Herbst (Grüne) bis Wigbert Schwenke (CDU) – beteiligen sich zudem am Band der Demokratie. Aufgerufen dazu haben das Magdeburger »Bündnis gegen Rechts« und die Landeshauptstadt. Insgesamt seien fast 150 Vereine, Parteien, Gewerkschaften, Geschäftsleute und Schulen beteiligt, erklärt die frühere Magdeburger Superintendentin Waltraut Zachhuber nicht ohne Stolz.

Auch die Kirchen sind wieder mit von der Partie. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Hundertwasserhaus haben Kirchenkreis und Bistum ihre Bühne aufgeschlagen. Neben einem Podiumsgespräch mit dem sachsen-anhaltischen Innenminister Holger Hövelmann (SPD) zum Thema Integration gibt es ein umfangreiches Programm, u. a. mit dem Kammerchor der Nicolaigemeinde, dem »SaxnAnhalt Orchester« oder dem Theater Herzsprung. Landesbischöfin Ilse Junkermann ruft die Teilnehmer zum Hinschauen auf, wenn das Ansehen und die Würde von Menschen beschädigt werden.

Franziska (19) und Denise (18) vom Norbertusgymnasium wundern sich, wie viele junge Leute dabei sind. »Das ist ein wichtiges Signal«, finden sie. Ein Zeichen setzen will auch Irmgard Eberts. Die 74-jährige Magdeburgerin ist bereits in den vergangenen Jahren dabei gewesen, um sich gegen den rechten Aufmarsch zu wenden. »Ich«, sagt sie mit einem Kopfschütteln, »verstehe gar nicht, warum Jugendliche da mitmarschieren können.«

Martin Hanusch
Fotos: Viktoria Kühne

Reise in die steinerne Bibel

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem  ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke

Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke


Zweiter Kinderkathedraltag in Magdeburg stieß auf große Resonanz.

»Wer von euch hat schon mal einen echten Pfarrer gesehen?« Etliche Hände heben sich. »Und wer von euch waren schon mal im Dom?« Viele Hände heben sich. Vor den Mädchen und Jungen, die per Handzeichen die Fragen von Giselher Quast beantworten, liegt ein spannender Tag. Über 300 Kinder der zweiten bis fünften Klassen aus Magdeburger Schulen sind am 16. Juni zum Beginn des zweiten Kinderkathedraltages auf dem Domplatz versammelt. Die Domgemeinde, das Kulturhistorische Museum und das Ökumenische Domgymnasium haben ihn organisiert. Lehrer und Mitarbeiter betreuen die Kinder, während Gymnasiasten der elften Klasse die Inhalte vermitteln oder als Sanitäterinnen fungieren. Nach dem Erfolg des ersten derartigen Tages, den es im vergangenen Jahr zum 800. Domjubiläum gegeben hatte, war wegen der großen Nachfrage schnell klar: Es wird eine Neuauflage geben.

Nun ist es soweit. Domprediger Quast und Gemeindepädagogin Gabriele Humbert stimmen auf das Programm ein, versprechen interessante Entdeckungen im Dom, der »steinernen Bibel, die alles erzählt, was Christen wichtig ist«, ein Mittelaltermahl im Domgarten und vor dem Mittag »ein seltenes Tier, welches nur in unserer Orgel zu sehen ist«. Doch zunächst gibt es etwas für die Ohren: Die Glocken beginnen zu läuten, und die Kinder sollen raten, wie viele es sind. Klein Problem: Es sind drei – unter ihnen die mit acht Tonnen größte im Magdeburger Dom, die »Susanne«.

Dann strömen die Mädchen und Jungen in die Kathedrale, während ein Teil von ihnen mit Karlheinz Kärgling, dem Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, die Straße Richtung Museum überquert. Dort gibt es nicht nur interessante archäologische Funde aus dem Dom zu sehen, sondern auch den berühmten originalen Magdeburger Reiter – ein etwa 750 Jahre altes Kunstwerk der Dombauhütte.

Im Dom selbst verteilen sich die Kinder auf viele Stationen. Vor dem antiken Taufstein zum Beispiel erfahren sie etwas darüber, wie Menschen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Am Hauptaltar mit seinem modernen Aufsatz geht es um die Schutzpatronin des Domes, Katharina, und im Hohen Chor um den Schutzpatron, den Legionär Mauritius, dessen Skulptur dort steht. An der Nordwand werden Kinder zu Baumeistern. Aus vorbearbeiteten Gasbetonsteinen setzen sie eine Mauer mit Spitzbögen zusammen. Beim Wechseln der Stationen können sie Archäologen bei der Arbeit zuschauen: An vielen Stellen gibt der geöffnete Boden den Blick auf Überreste vergangener Jahrhunderte frei.

Hatte Martin Günther im Lauf des Vormittags viele kleine Gäste auf der Orgelempore, so hat er sie kurz vor zwölf für sich allein. Er entlockt der riesigen, erst vor zwei Jahren fertiggestellten Orgel zarten Flötenklang, lässt es tönen wie ein Krummhorn oder brummen wie einen Kontrabass. Dann klingt die Orgel wie ein Orchester. Zum Schluss kommt das den Kindern versprochene »seltene Tier« hervor. Über dem Spieltisch senkt sich ein Hahn herab. Das gute Stück, einzig verbliebener Rest einer mittelalterlichen Dom-Orgel, kann zwar nicht krähen. Dafür glänzt er golden und schlägt immerhin mit den Flügeln.

Am Ende des Kathedraltages erleben die Kinder den echten Pfarrer in Aktion. Giselher Quast schlüpft in seinen Talar und entlässt sie mit dem Segen in den Nachmittag.

Angela Stoye

Wie ein kleines Wunder

11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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»Dem Verborgenen auf der Spur« lautete das Motto des Tages der Archive am  6. und 7. März. Auch das Angebot im Landes- kirchenarchiv in Magdeburg stieß auf großes Inter- esse. Im Rahmen des Archivtages übergab Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Schulze (Mi.)  Siegel und Akten an Archivleiterin Margit Scholz (li.). Fotos: Viktoria Kühne

»Dem Verborgenen auf der Spur« lautete das Motto des Tages der Archive am 6. und 7. März. Auch das Angebot im Landes- kirchenarchiv in Magdeburg stieß auf großes Inter- esse. Im Rahmen des Archivtages übergab Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Schulze (Mi.) Siegel und Akten an Archivleiterin Margit Scholz (li.). Fotos: Viktoria Kühne

Zum Archivtag präsentierte das Kirchenarchiv in Magdeburg verloren geglaubte Schätze

In der Kiste liegen die verkohlten Reste eines Buches. Nur am oberen Rand ist überhaupt noch erkennbar, dass es sich um ein solches Schriftstück handelt. »Ich hätte nie gedacht, dass sich hier noch etwas machen lässt«, sagt Margit Scholz, Leiterin des Magdeburger Archivs der EKM. Vor zehn Jahren habe sie die in Zeitungspapier eingeschlagenen Überreste in Bananenkisten gefunden und gleich wieder zugemacht, weil keine Aussicht auf Rettung bestand.

Lange Zeit sind Restauratoren nicht in der Lage gewesen, hier Abhilfe zu schaffen. »Erst der technische Fortschritt nach dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat hier neue Perspektiven eröffnet«, erzählt die Archivleiterin. In einem aufwendigen Verfahren wird dabei jedes Blatt »gespalten«. Anschließend erhält es eine Einlage zur Verstärkung. Zwischen 5.000 und 7.000 Euro kostet die Notsicherung. Inzwischen haben Restauratoren drei der acht Kirchenbücher für die Nachwelt gesichert.

Erstmals werden diese einzigartigen Zeitzeugnisse am 7. März im Rahmen des Tages der Archive einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. »Das ist schon eine kleine stadtgeschichtliche Sensation«, schätzt Archivmitarbeiterin Christina Neuß. Die Begeisterung kommt nicht von ungefähr. Am 16. Januar 1945, beim verheerenden Bombenangriff auf Magdeburg, fielen große Teile der schriftlichen Überlieferung den Flammen zum Opfer. Dazu gehörten auch die Kirchenbücher der wallonisch-reformierten Gemeinde von 1734 bis 1943, in denen die Taufen, Trauungen und Bestattungen der Gemeindeglieder festgehalten waren.

Aber nicht nur ein restaurierter Band und das Verfahren stoßen an diesem Tag auf reges Interesse. Mehr als 220 Besucher drängen sich durch die vor acht Jahren bezogenen Räume des Archivs der Kirchenprovinz Sachsen in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Sie bewundern die Bestände und den Lesesaal, lassen sich in die Geheimnisse alter Schriften einführen oder nehmen an einer Führung durch die Magazine teil. »Eine solche Resonanz hatten wir noch nie«, freut sich Margit Scholz.

Wartet noch auf die Sicherung: das Sterberegister der Wallonergemeinde.

Wartet noch auf die Sicherung: das Sterberegister der Wallonergemeinde.

Aus der Kirchengemeinde St. Briccius und Immanuel in Magdeburg-Cracau ist eine kleine Delegation unter Leitung des Gemeindekirchenratsvorsitzenden Detlef Schulze gekommen, um dem Archiv sieben Siegel sowie Akten und Kirchenbücher zu übergeben. Beim Aufräumen des Gemeindehauses hätten sie das Material gefunden. »Das war eine absolute Überraschung für uns«, erzählt Schulze. Jetzt überreicht er die Schätze an die Archivleiterin, darunter eine Kommunikantenliste von 1832 bis 1838, ein Lagerbuch sowie Kirchenaustrittserklärungen aus der Zeit zwischen 1963 und 1986.

Solche Zeugnisse aus den Gemeinden kommen jedoch nur selten ins landeskirchliche Archiv. Neben den Aktenbeständen des Magdeburger Konsistoriums und anderer zentraler kirchlicher Einrichtungen lagern hier vor allem die Akten der nicht mehr existierenden Superintendenturen. »Unsere Aufgabe ist es, diese Unterlagen zu erschließen und für die Benutzung bereitzustellen«, erklärt Margit Scholz. Dazu kommt eine Nachlasssammlung, Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes und Fotos. Insgesamt füllen die Bestände 4500 laufende Regalmeter. »Alles, was hier liegt, sind Unikate«, so die Leiterin des Archivs nicht ohne Stolz.

Gefragt bei den Nutzern sind vor allem die Kirchenbücher. Allein im vergangenen Jahr haben die Archivmitarbeiter 2500 Besucher im Lesesaal gezählt. Damit sie auch in Zukunft etwas davon haben, wird gegenwärtig technisch Vorsorge getroffen. Seit 2002 läuft die zentrale Mikroverfilmung der Kirchenbücher. Wenn alles gut geht, sind im Jahr 2012 alle erfasst. Dann gelten die Bestände als gesichert. »Die Lebensdauer dieser Filme«, erklärt Archivleiterin Scholz, »liegt bei 500 bis 1000 Jahren.«

Martin Hanusch

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