Reise in die steinerne Bibel

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus

Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem  ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke

Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke


Zweiter Kinderkathedraltag in Magdeburg stieß auf große Resonanz.

»Wer von euch hat schon mal einen echten Pfarrer gesehen?« Etliche Hände heben sich. »Und wer von euch waren schon mal im Dom?« Viele Hände heben sich. Vor den Mädchen und Jungen, die per Handzeichen die Fragen von Giselher Quast beantworten, liegt ein spannender Tag. Über 300 Kinder der zweiten bis fünften Klassen aus Magdeburger Schulen sind am 16. Juni zum Beginn des zweiten Kinderkathedraltages auf dem Domplatz versammelt. Die Domgemeinde, das Kulturhistorische Museum und das Ökumenische Domgymnasium haben ihn organisiert. Lehrer und Mitarbeiter betreuen die Kinder, während Gymnasiasten der elften Klasse die Inhalte vermitteln oder als Sanitäterinnen fungieren. Nach dem Erfolg des ersten derartigen Tages, den es im vergangenen Jahr zum 800. Domjubiläum gegeben hatte, war wegen der großen Nachfrage schnell klar: Es wird eine Neuauflage geben.

Nun ist es soweit. Domprediger Quast und Gemeindepädagogin Gabriele Humbert stimmen auf das Programm ein, versprechen interessante Entdeckungen im Dom, der »steinernen Bibel, die alles erzählt, was Christen wichtig ist«, ein Mittelaltermahl im Domgarten und vor dem Mittag »ein seltenes Tier, welches nur in unserer Orgel zu sehen ist«. Doch zunächst gibt es etwas für die Ohren: Die Glocken beginnen zu läuten, und die Kinder sollen raten, wie viele es sind. Klein Problem: Es sind drei – unter ihnen die mit acht Tonnen größte im Magdeburger Dom, die »Susanne«.

Dann strömen die Mädchen und Jungen in die Kathedrale, während ein Teil von ihnen mit Karlheinz Kärgling, dem Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, die Straße Richtung Museum überquert. Dort gibt es nicht nur interessante archäologische Funde aus dem Dom zu sehen, sondern auch den berühmten originalen Magdeburger Reiter – ein etwa 750 Jahre altes Kunstwerk der Dombauhütte.

Im Dom selbst verteilen sich die Kinder auf viele Stationen. Vor dem antiken Taufstein zum Beispiel erfahren sie etwas darüber, wie Menschen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Am Hauptaltar mit seinem modernen Aufsatz geht es um die Schutzpatronin des Domes, Katharina, und im Hohen Chor um den Schutzpatron, den Legionär Mauritius, dessen Skulptur dort steht. An der Nordwand werden Kinder zu Baumeistern. Aus vorbearbeiteten Gasbetonsteinen setzen sie eine Mauer mit Spitzbögen zusammen. Beim Wechseln der Stationen können sie Archäologen bei der Arbeit zuschauen: An vielen Stellen gibt der geöffnete Boden den Blick auf Überreste vergangener Jahrhunderte frei.

Hatte Martin Günther im Lauf des Vormittags viele kleine Gäste auf der Orgelempore, so hat er sie kurz vor zwölf für sich allein. Er entlockt der riesigen, erst vor zwei Jahren fertiggestellten Orgel zarten Flötenklang, lässt es tönen wie ein Krummhorn oder brummen wie einen Kontrabass. Dann klingt die Orgel wie ein Orchester. Zum Schluss kommt das den Kindern versprochene »seltene Tier« hervor. Über dem Spieltisch senkt sich ein Hahn herab. Das gute Stück, einzig verbliebener Rest einer mittelalterlichen Dom-Orgel, kann zwar nicht krähen. Dafür glänzt er golden und schlägt immerhin mit den Flügeln.

Am Ende des Kathedraltages erleben die Kinder den echten Pfarrer in Aktion. Giselher Quast schlüpft in seinen Talar und entlässt sie mit dem Segen in den Nachmittag.

Angela Stoye

Wie ein kleines Wunder

11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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»Dem Verborgenen auf der Spur« lautete das Motto des Tages der Archive am  6. und 7. März. Auch das Angebot im Landes- kirchenarchiv in Magdeburg stieß auf großes Inter- esse. Im Rahmen des Archivtages übergab Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Schulze (Mi.)  Siegel und Akten an Archivleiterin Margit Scholz (li.). Fotos: Viktoria Kühne

»Dem Verborgenen auf der Spur« lautete das Motto des Tages der Archive am 6. und 7. März. Auch das Angebot im Landes- kirchenarchiv in Magdeburg stieß auf großes Inter- esse. Im Rahmen des Archivtages übergab Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Schulze (Mi.) Siegel und Akten an Archivleiterin Margit Scholz (li.). Fotos: Viktoria Kühne

Zum Archivtag präsentierte das Kirchenarchiv in Magdeburg verloren geglaubte Schätze

In der Kiste liegen die verkohlten Reste eines Buches. Nur am oberen Rand ist überhaupt noch erkennbar, dass es sich um ein solches Schriftstück handelt. »Ich hätte nie gedacht, dass sich hier noch etwas machen lässt«, sagt Margit Scholz, Leiterin des Magdeburger Archivs der EKM. Vor zehn Jahren habe sie die in Zeitungspapier eingeschlagenen Überreste in Bananenkisten gefunden und gleich wieder zugemacht, weil keine Aussicht auf Rettung bestand.

Lange Zeit sind Restauratoren nicht in der Lage gewesen, hier Abhilfe zu schaffen. »Erst der technische Fortschritt nach dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat hier neue Perspektiven eröffnet«, erzählt die Archivleiterin. In einem aufwendigen Verfahren wird dabei jedes Blatt »gespalten«. Anschließend erhält es eine Einlage zur Verstärkung. Zwischen 5.000 und 7.000 Euro kostet die Notsicherung. Inzwischen haben Restauratoren drei der acht Kirchenbücher für die Nachwelt gesichert.

Erstmals werden diese einzigartigen Zeitzeugnisse am 7. März im Rahmen des Tages der Archive einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. »Das ist schon eine kleine stadtgeschichtliche Sensation«, schätzt Archivmitarbeiterin Christina Neuß. Die Begeisterung kommt nicht von ungefähr. Am 16. Januar 1945, beim verheerenden Bombenangriff auf Magdeburg, fielen große Teile der schriftlichen Überlieferung den Flammen zum Opfer. Dazu gehörten auch die Kirchenbücher der wallonisch-reformierten Gemeinde von 1734 bis 1943, in denen die Taufen, Trauungen und Bestattungen der Gemeindeglieder festgehalten waren.

Aber nicht nur ein restaurierter Band und das Verfahren stoßen an diesem Tag auf reges Interesse. Mehr als 220 Besucher drängen sich durch die vor acht Jahren bezogenen Räume des Archivs der Kirchenprovinz Sachsen in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Sie bewundern die Bestände und den Lesesaal, lassen sich in die Geheimnisse alter Schriften einführen oder nehmen an einer Führung durch die Magazine teil. »Eine solche Resonanz hatten wir noch nie«, freut sich Margit Scholz.

Wartet noch auf die Sicherung: das Sterberegister der Wallonergemeinde.

Wartet noch auf die Sicherung: das Sterberegister der Wallonergemeinde.

Aus der Kirchengemeinde St. Briccius und Immanuel in Magdeburg-Cracau ist eine kleine Delegation unter Leitung des Gemeindekirchenratsvorsitzenden Detlef Schulze gekommen, um dem Archiv sieben Siegel sowie Akten und Kirchenbücher zu übergeben. Beim Aufräumen des Gemeindehauses hätten sie das Material gefunden. »Das war eine absolute Überraschung für uns«, erzählt Schulze. Jetzt überreicht er die Schätze an die Archivleiterin, darunter eine Kommunikantenliste von 1832 bis 1838, ein Lagerbuch sowie Kirchenaustrittserklärungen aus der Zeit zwischen 1963 und 1986.

Solche Zeugnisse aus den Gemeinden kommen jedoch nur selten ins landeskirchliche Archiv. Neben den Aktenbeständen des Magdeburger Konsistoriums und anderer zentraler kirchlicher Einrichtungen lagern hier vor allem die Akten der nicht mehr existierenden Superintendenturen. »Unsere Aufgabe ist es, diese Unterlagen zu erschließen und für die Benutzung bereitzustellen«, erklärt Margit Scholz. Dazu kommt eine Nachlasssammlung, Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes und Fotos. Insgesamt füllen die Bestände 4500 laufende Regalmeter. »Alles, was hier liegt, sind Unikate«, so die Leiterin des Archivs nicht ohne Stolz.

Gefragt bei den Nutzern sind vor allem die Kirchenbücher. Allein im vergangenen Jahr haben die Archivmitarbeiter 2500 Besucher im Lesesaal gezählt. Damit sie auch in Zukunft etwas davon haben, wird gegenwärtig technisch Vorsorge getroffen. Seit 2002 läuft die zentrale Mikroverfilmung der Kirchenbücher. Wenn alles gut geht, sind im Jahr 2012 alle erfasst. Dann gelten die Bestände als gesichert. »Die Lebensdauer dieser Filme«, erklärt Archivleiterin Scholz, »liegt bei 500 bis 1000 Jahren.«

Martin Hanusch

Mit Einfallsreichtum gegen den rechten »Trauermarsch«

21. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Ein »Band der Demokratie« knüpften die Teilnehmer am Sonnabend in Magdeburg (Fotos: Uli Lücke)

Ein »Band der Demokratie« knüpften die Teilnehmer am Sonnabend in Magdeburg (Fotos: Uli Lücke)

Kirchen beteiligten sich mit Programm an der Meile der Demokratie in Magdeburg

An der Kirchenbühne lagen Sitzbänke schräg an der Seite, weil wohl kaum jemand bei dem Schnee und dem kalten Winterwetter darauf Platz genommen hätte. Dennoch wurde das ökumenische Programm bei der »Meile der Demokratie« am 16. Januar in Magdeburg genauso gut besucht wie die Aktion gegen den zeitgleichen Aufmarsch von 1.000 Neonazis selbst. Das Magdeburger »Bündnis gegen Rechts« zählte bei der zwei Kilometer langen »Meile« auf beiden Seiten des Breiten Wegs 5.000 Besucher. Anlass für den »Trauermarsch« der Neonazis war der 65. Jahrestag des schweren Luftangriffs auf die Stadt.

Die »Meile«, an der sich 115 verschiedene Initiativen beteiligten, erfuhr nach Januar 2009 ihre zweite Auflage. Auf der Kirchenbühne wurde ein Programm geboten, bei dem Unterhaltung genauso wie Diskussionen sowie die Interessen aller Altersgruppen ihren Raum erhielten. So traten die junge Musikgruppe »Norbeat« der katholische St.-Norbert-Gemeinde sowie die Oldie-Band »Charlies Crew« auf. Für Humor sorgten Kabarettisten. Einen multikulturellen Beitrag lieferte eine deutsch-bulgarische Kindertanzgruppe, die im Eine-Welt-Haus probt. Von der evangelischen Nikolai-Gemeinde kam der Jugendchor »Gospelexpress«.

Auf der Kirchenbühe standen Jan-Hendrik Olbertz (re.) und Bischöfin Ilse Junkermann (3.v.l.) Rede und Antwort.

Auf der Kirchenbühe standen Jan-Hendrik Olbertz (re.) und Bischöfin Ilse Junkermann (3.v.l.) Rede und Antwort.

»Nur Idioten brauchen einen Führer«

Am Podium gruppierten sich Stände, unter anderem des Christlichen Vereins Junger Menschen, der Malteser, der Diakonie und der Katholischen Jugend. Den Bereich hatten die Akteure auch mit Einfallsreichtum gestaltet. Zum Beispiel wehte am Pavillon des Evangelischen Kirchenkreises in Bezug auf Neonazis ein Stoffplakat, auf dem fünf Männer gemalt waren, die sich an den Händen gefasst haben und mit verbundenen Augen auf einen Abgrund zugehen. Neben der Zeichnung stand der Schriftzug »Nur Idioten brauchen einen Führer«.

Auf der Hauptbühne an der Goldschmiedebrücke rief Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Dieter Steinecke (CDU) zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Ursache des Zweiten Weltkrieges auf. Innenminister Holger Hövelmann (SPD) erneuerte dort seine Forderung, die rechtsextreme NPD zu verbieten. Für die Kirchenbühne konnten ebenfalls prominente Redner gewonnen werden. Dort diskutierten Schüler des Ökumenischen Domgymnasiums unter dem Motto »Toleranz in Köpfen und Herzen!« mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos).

Zur Vermittlung von Toleranz müssten unterschiedliche Generationen und Kulturen in einen Dialog gebracht werden, mahnte Junkermann an. Kirchengemeinden und auch Kindertagesstätten hätten eine »große Chance«, solche Begegnungen zu schaffen. Olbertz betonte, aus dem Wissen über die »Geschichte und das Elend« des 20. Jahrhunderts ließe sich folgern, dass sich die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht wiederholen dürften.

Bei vielen Besuchern auch der Kirchenbühne wird vermutlich als besonders beeindruckend von der »Meile« in Erinnerung bleiben, wie mehrere Hundert Menschen von der Danzstraße bis weit hinter den Alten Markt mit bunten Tüchern und Seilen und an den Händen gefasst ein »Band der Demokratie« bildeten.

Karsten Wiedener

Es wird jede Hand gebraucht

15. Januar 2010 von redaktionguh  
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Regina Schröder (r.) und Christa Kruschbersky von der Magdeburger Bahnhofsmission warten auf dem Hauptbahnhof auf die Ankunft eines Zuges. Bei der widrigen Witterung sind vor allem ältere und behinderte Reisende auf Unterstützung beispielsweise beim Umsteigen angewiesen. Foto: Klaus-Peter Voigt

Regina Schröder (r.) und Christa Kruschbersky von der Magdeburger Bahnhofsmission warten auf dem Hauptbahnhof auf die Ankunft eines Zuges. Bei der widrigen Witterung sind vor allem ältere und behinderte Reisende auf Unterstützung beispielsweise beim Umsteigen angewiesen. Foto: Klaus-Peter Voigt

Magdeburg: Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission haben jetzt doppelt zu tun

Regina Schröder und Christa Kruschbersky ziehen sich in diesen Tagen besonders dick an. Unter der blauen Jacke der Mitarbeiter der Magdeburger Bahnhofsmission stecken Pullover oder Strickjacke. Das extreme Winterwetter geht an den beiden Frauen nicht spurlos vorbei. Auf den Bahnsteigen ist mehr zu tun als an anderen Tagen.

»Die Züge haben jetzt oft Verspätung. Da heißt es oft warten, denn die Reisenden sollen auf unsere Unterstützung nicht verzichten müssen«, sagt Christa Kruschbersky. Bei den Temperaturen weit unter null Grad Celsius und auf den zugigen Bahnanlagen sei das alles andere als angenehm. Für die Anstrengung entschädigen die dankbaren Blicke gerade der älteren und behinderten Reisenden. Die glatten Fußwege erfordern Aufmerksamkeit. Jeder Schritt kann nach dem Schneefall gefährlich sein.

Regina Schröder unterstützt ihre Kollegin ehrenamtlich. Das ist notwendig, denn in der Bahnhofsmission wird gerade in solchen Extremsituationen jede Hand gebraucht. Vor zwei Jahren fand sie eher durch Zufall den Weg in die ökumenische Einrichtung auf dem Hauptbahnhof. Damals vermittelte das Jobcenter den Arbeitsplatz auf Zeit. Als die Maßnahme auslief, blieb die junge Frau der Aufgabe treu. Sie kommt einmal in der Woche, um zu helfen. Gerade die Beschäftigung mit Leuten ohne festen Wohnsitz mache zudem Freude, räumt sie ein.

Für Adelheid Bornhold, die Leiterin der Bahnhofsmission in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt, sind Ehrenamtliche für das Funktionieren der Angebote unverzichtbar. »Allein mit den regulären Angestellten könnten wir nur einen Bruchteil der notwendigen Hilfe leisten«, berichtet sie. Die Nachfrage nach den Diensten der Mission ist da – und wird zunehmend gesucht.

Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der betreuten Menschen gegenüber dem Jahr 2008 um mehr als 20 Prozent auf 32.000 an. Am kalten Wetter liegt es, dass gegenwärtig statt der durchschnittlich 30 bis 40 Kontakte auf den Bahnsteigen täglich das Doppelte erreicht wird. Für hilfebedürftige Reisende bringen die Mitarbeiter Koffer zum Anschlusszug, zur Straßenbahn oder zum Taxi. Rollstuhlfahrer vertrauen auf zusätzliche Unterstützung beim Verlassen der Waggons und den weiteren Wegen.

Das morgendlichen Szenario in der Bahnhofsmission hat sich dagegen kaum verändert. Frauen und Männer mit sozialen Problemen, teilweise obdachlos, sind froh, bei diesem Wetter einen Anlaufpunkt zu haben. Wichtig ist es für sie, sich aufwärmen oder heiß duschen zu können. Sie bleiben jetzt länger unter dem gastlichen Dach. Aber auch das Netz von Offerten anderer Einrichtungen greift. Adelheid Bornhold nennt die Teestube der Evangelischen Stadtmission und das Sozialzentrum »Mutter Theresa« der Caritas als Beispiele.

Die sozial Schwachen haben die Räume auf dem Bahnsteig 6 längst angenommen. 40 Prozent aller von der Bahnhofsmission Betreuten gehören dieser Gruppe von Menschen an. Sie bekommen ein warmes Getränk, einen kleinen Imbiss und – sehr wichtig – menschliche Zuwendung. Private Spender wie Bäcker und Fleischer tragen mit Lebensmittelspenden dazu bei, dass der Tisch gedeckt ist. Das, so Liane Bornholdt, hat in den fast 18 Jahren des Bestehens der Bahnhofsmission immer gut geklappt.

Klaus-Peter Voigt

EKM: Kirchenplakate werben für Friedensgebete

8. Oktober 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Viktoria Kühne

Foto: Viktoria Kühne

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wirbt 20 Jahre nach der friedlichen Revolution auf Großplakaten für neuerliche »Montagsgebete im Oktober«.

Eines der ersten von insgesamt 230 Großplakaten in 18 Städten brachte Bischöfin Ilse Junkermann in Magdeburg an. Die Montagsgebete sollen sich aktuellen »Brennpunkten« widmen. In insgesamt rund 80 Gemeinden gebe es bereits für die vier Montage im Oktober entsprechende Einladungen.

Weitere Informationen unter www.gesegnete-unruhe.de.

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