Nach »Mach dich ran« geht es nun los

18. September 2017 von redaktionguh  
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Eichholz: Kirchensanierung startet nach dem Erntedank-Gottesdienst

Groß war die Freude in Eichholz über den Gewinn von 125  000 Euro Fördermitteln der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland in der MDR-Sendung »Mach dich ran« vor zwei Jahren; groß aber auch die Sorge, weitere 125 000 Euro an Eigenmitteln zusammenzubringen, um den Gewinn abzurufen. In diesem Herbst kann Pfarrer Albrecht Lindemann nun melden: »Es sieht gut aus, wir werden die Summe wohl zusammenbringen.«

Bereits nach dem Erntedankgottesdienst (1. Oktober, 14 Uhr) wird die Sanierung der baufälligen Feldsteinkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert beginnen. Zunächst wird eine Apsis neu gemauert, dann die aus dem 19. Jahrhundert stammende Erweiterung abgetragen und die Kirche auf ihr ursprüngliches, mittelalterliches Maß zurückgebaut. Anschließend werden das Dachtragwerk und die Decke des Kirchenschiffes abgerissen, Risse in der Fassade saniert, der Innenraum gestaltet sowie die Elektroinstallation, der Eingang und die Fenster erneuert. Die Sanierung der Kirche am Lutherweg wird durch das Zerbster Ingenieurbüro Götz geleitet. Die künstlerische Gestaltung hat Professor Johannes Schreiter übernommen.

Ein Luther aus Ton: Ulrich Schwarz und Harald Birck (r.) mit der Skulptur für Eichholz. Foto: Albrecht Lindemann

Ein Luther aus Ton: Ulrich Schwarz und Harald Birck (r.) mit der Skulptur für Eichholz. Foto: Albrecht Lindemann

Viel private Unterstützung gibt es für die Eichholzer Kirchengemeinde. Die von der Schönebecker Manufaktur von Heinrich Tognino gefertigten Stifte aus Eichholzer Kirchenholz fanden viele Abnehmer, jeder siebte Euro fließt in die Kirchensanierung, bislang kamen so 2 000 Euro Spenden zusammen. Kürzlich hat die Kirchengemeinde zudem eine Lutherskulptur des Berliner Künstlers Harald Birck geschenkt bekommen. Der Maler und Bildhauer fertigte 2010 für das Wittenberger Luther-Hotel eine 2,20 Meter große Figur des Reformators. Neben dieser Bronzestatue entstand eine Reihe von Bildern und Skulpturen, viel beachtet und beschrieben in einem Sammelband von Autoren wie Heinrich Bedford-Strohm, Margot Käßmann und Frank-Walter Steinmeier. Als spielerisch bezeichnet Birck seine Arbeitsweise bei der Suche nach dem eigenen Lutherbild, »mein Luther sollte ein Mensch werden: leidend, kraftvoll, stolz, sinnlich, verletzlich, handelnd, hadernd … eben lebendig«.

Der Dortmunder Unternehmer Ulrich Schwarz, der die Sanierung der Eichholzer Kirche anlässlich seines 65. Geburtstages bereits mit einer Spende von 10 000 Euro gefördert hatte, sah nun in Dortmund die Wanderausstellung »Bilder von Luther« von Birck, nahm kurzentschlossen Kontakt auf und erwarb die aus Ton gefertigte Plastik für Eichholz. »Meine Frau und ich fühlen uns Eichholz durch unsere Familie sehr verbunden«, begründet Ulrich Schwarz sein Engagement. »Wir genießen die Schönheit der Landschaft und die Gemeinschaft der Menschen. Gern tragen wir etwas bei«, so Schwarz.

»Als Kirchengemeinde sind wir für dieses Geschenk und die Unterstützung, die wir von vielen Seiten erfahren, sehr dankbar. Ob Martin Luther selbst hier war, wissen wir nicht«, sagt Maren Gabriel, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. »Reisende auf dem Lutherweg treffen zukünftig in unserer Kirche aber auf einen einmaligen Luther.«

(G+H)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Aus besonderem Holz geschnitzt

19. Juni 2017 von redaktionguh  
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Lutherbuche: Steinbacher Kirchengemeinde ist stolz auf hölzerne Sitzgelegenheit

Dass die Steinbacher überzeugte Lutheraner waren, beweist die Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1533, der fast alle Häuser und die Kirche vernichtete, war es das Gotteshaus, das die Bewohner als erstes wieder errichteten und schon 1536 einweihen konnten. Michael Leyh wurde als Maler erkoren, der die außergewöhnliche Wand- und Deckenmalerei entwarf und die Engel mit frohen Gesichtern und den Leidensweg Christi anders darstellte als in den meisten Kirchen üblich.

Außergewöhnlich wie die Kirche, das sind auch die Steinbacher. Einer davon ist Franz Malsch, der als »Mann für alle Fälle« auch über den Ruhestand hinaus von Ideen und geschichtlichem Wissen nur so sprudelt. Er ist es auch, der allen Zweiflern entgegentritt, die über den tatsächlichen Ort der Gefangennahme Luthers immer wieder neue Thesen entwerfen.

Die Buche nämlich, an der Martin Luther im Auftrag von Friedrich des Weisen zum Schein gefangen und dem Schlosshauptmann der Wartburg übergeben wurde, stand genau dort, wo wir Thüringer sie immer vermuteten. An dem Ort, an dem 1983 eine Nachfolgerin gepflanzt wurde und gedeiht. Der für Luther verhängnisvolle Baum fiel am 18. Juli 1841 einem orkanartigen Sturm zum Opfer, der mit einer Sonnenfinsternis einherging. Aus dem Holz entstanden Gebrauchsgegenstände, und dank des damaligen Pfarrers Johannes Ortmann stehen heute noch unterhalb der Burg in Bad Liebenstein lauter kleine Lutherbuchen. Er hatte nämlich vorausschauend Samen gesammelt und daraus Setzlinge wachsen lassen, die er dort pflanzte.

Franz Malsch zeigt die Orginialbelege zum Verbleib des Holzes der Luther­buche, dahinter zu sehen die Stühle für die Konfirmanden, die aus der Lutherbuche gefertigt worden waren. Foto: Susanne Reinhardt

Franz Malsch zeigt die Orginialbelege zum Verbleib des Holzes der Luther­buche, dahinter zu sehen die Stühle für die Konfirmanden, die aus der Lutherbuche gefertigt worden waren. Foto: Susanne Reinhardt

Andreas Malsch, genannt »Spitzersch Ress«, ein Steinbacher Naturbursche und Schreiner, hatte die Buche bereits 1760 gekauft, um sie vor der Verarbeitung zu Brennholz zu retten. Seine Erben galten als Retter der Lutherbuche. Es war ein Fest, als sie das nun getrocknete Holz unter großen Brimborium nach Steinbach brachten, wo es im Sägewerk zu langen Bohlen verarbeitet wurde. Anschließend kamen diese zum Trocknen auf den Schulboden und ein Teil auf den Kirchboden. Fünf Klafter Holz und dreißig Wellen Reisig blieben von dem einst riesigen Baum übrig. Aus den Bohlen wurden 1842 von einheimischen Handwerkern für die damals sieben Konfirmanden Stühle gemacht, die bis heute in der Sakristei der Kirche stehen.

Den Nachweis für die Echtheit, dass die Stühle wirklich aus der Lutherbuche entstanden sind, findet man an den Unterseiten der Sitze. Dort erkennt man deutlich den entsprechenden Vermerk und das Steinbacher Kirchensiegel aus der Zeit von 1842. Die Konfirmanden fertigten Lutherbilder an, die an den Rücklehnen aufgedruckt und nach wie vor gut erhalten sind. Auch Becher, Butterformen, Leuchter, Schneiderellen, Nadelbüchsen und Salzstreuer wurden aus der Lutherbuche gefertigt. Der damalige Pfarrer Ortmann hatte alles bis aufs Kleinste schriftlich festgehalten. Franz Malsch ist es nun zu verdanken, dass diese Briefe, Rechnungen und Listen nicht in Vergessenheit geraten. Mit Unterstützung der 93-jährigen Lydia Herrmann aus Schweina wurden die in Sütterlin geschriebenen Aufzeichnungen säuberlich übersetzt und gemeinsam mit allen Dokumenten in einer kleinen Ausstellung zum Nachlesen und Anschauen untergebracht.

Susanne Reinhardt

Liaison von Kunst und Glauben

26. September 2016 von redaktionguh  
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Fast vier Jahrzehnte lang schuf Roland Artus aus Wasungen die Kulissen im Meininger Theater. Im Ruhestand wendet sich der Maler und Grafiker religiösen Themen zu.

Neununddreißig Jahre lang, seit April 1977, war Roland Artus Theatermaler in Meiningen. Seit Juli ist er im Ruhestand, die neue Spielzeit im August hat ohne ihn begonnen. Während im Werkstattgebäude wieder die Arbeit aufgenommen wurde, blieb Roland Artus in Wasungen. Er brauche erst einmal Ruhe zum Denken, sagt der 63-Jährige. Nachdenken über den neuen Lebensabschnitt, in dem er gerade gelandet ist. Ruhestand. Seltsames Wort.

Doch eher Unruhestand. Da sind die Reisen mit seiner Frau in ferne Länder, das Haus, in dem er aufgewachsen ist, der Garten – und sein Engagement für die Kirchengemeinde. Vor allem jedoch sein Glauben und seine Bilder.

Umgeben von seinen Bildern denkt Roland Artus über neue künstlerische Herausforderungen nach. Foto: Susann Winkel

Umgeben von seinen Bildern denkt Roland Artus über neue künstlerische Herausforderungen nach. Foto: Susann Winkel

Im Wohnzimmer holt er einen kleinen Stapel mit Drucken hervor. Sie zeigen in grobem Schwarz-und-Weiß des Holzschnitts Motive zu den Jahreslosungen; die ältesten stammen aus den frühen 80er-Jahren. Es sind meist die ruhigen Wochen um die Jahreswende, in denen Roland Artus Ruhe für diese Aufgabe findet. Erst skizziert er das Motiv, dann schneidet er es spiegelverkehrt in Lindenholz und fertigt Probedrucke an.

Die Entscheidung für den Holzschnitt lässt sich mit Pragmatismus erklären: Mit wenig Aufwand können viele Abzüge geschaffen werden. Zumindest anfangs war das entscheidend, weil es in der DDR keine Kopierer gab. Es gibt aber auch eine ästhetische Begründung. Holzschnitte von Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff waren dem Autodidakten Vorbild; das Arbeiten im Holz, das dem Künstler vieles bereits vorgibt, ist kniffelig und damit reizvoll. Beim Blick auf die Drucke ist Roland Artus kritisch. Nicht immer gefällt ihm heute, wie er die Botschaft der Losungen einst ins Holz brachte, wie er sie plakativ oder symbolisch umsetzte. Auf den Holzschnitt von 1988 zur Jahreslosung »Kehrt um und glaubt an das Evangelium« ist er noch immer stolz.

Zunächst machte er die Holzschnitte nur für sich, dann verschenkte er sie in kleiner Auflage an Freunde, Verwandte, Weggefährten. Um etwas weiterzugeben von seinem Glauben. Irgendwann entstand die Idee, sie auf dem Titelbild des Wasunger Gemeindeblattes abzubilden. Seither hat die Aufgabe eine verbindliche Regelmäßigkeit erhalten.

Wie die Liaison von Kunst und Glauben ihren Anfang nahm, daran kann sich der Wasunger noch gut erinnern. Er zieht ein altes, schweres Buch aus einem Regal: »Halt im Gedächtnis Jesum Christum«. Es erzählt vom Leben Jesu Christi mit Worten und mit den Werken alter und jüngerer Meister. Als Junge hatte er es in der Schlafstube seiner Großeltern entdeckt, der Eindruck der Bilder war stark. »Ich bin ein sehr visueller Typ«, sagt er. Ein Augenmensch, auch wenn er gerne Rockmusik hört. Buchillustrationen, Zigarettenbildchen, Abenteuergeschichten von der Odyssee bis zu Robinson Crusoe – all das habe seine Fantasie als Kind beflügelt.

In dieser Zeit spürte er erstmals dieses starke Gefühl von Geborgenheit bei Jesus Christus, erzählt er. Er habe ein Vertrauen in ihm gefunden, das ihn nicht mehr verlassen hat. Welches er sich auch nicht nehmen ließ durch einen Staat, der dem Glauben mit Skepsis begegnetet. Lachend erzählt Roland Artus vom Donnerwetter, das es gab, als er an die Wand im alten Werkstattgebäude des Theaters, einer wahren Bruchbude, den Berliner Appell schrieb: »Frieden schaffen ohne Waffen.« Er musste ihn wieder übermalen, aber die schwarze Zeichenkohle schimmerte noch Jahre später durch.

Aus dieser Zeit gibt es noch einen Holzschnitt von einer Friedenstaube, die auf eine Offiziersmütze kackt; gedruckt auf einer umgebauten Waschpresse im Mal-Saal. »Meinen Mund habe ich nie so richtig halten können«, blickt der 63-Jährige zurück. Biblische Themen, Christsein, all das sei immer Gesprächsthema bei der Arbeit gewesen. Als er nach der Wiedervereinigung seine Stasi-Akten einsah, erkannte er erst, dass er »manches wohl deutlich unterschätzt« habe. Seine Besuche bei den Friedensdekaden in Meiningen waren ebenso vermerkt wie eine frühe Ausstellung im Gemeindehaus der Stadt.

Susann Winkel

Dessauer Cranach-Gemälde nachgestellt

13. Oktober 2015 von redaktionguh  
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Johannisgemeinde feierte den 500. Geburtstag des Malers mit Gottesdienst, Theater, Musik und Mahl

Mit einem Gottesdienst, Theater, Musik und rustikalen Speisen hat die Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien am Sonntag den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren gefeiert. Die Predigt hielt Ortspfarrerin Geertje Perlberg. Die Dessauer Kantorei unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund und das Ensemble »Broken Consort Dessau« übernahmen die musikalische Gestaltung.

In der Johanniskirche hat sich eine Abendmahlsgesellschaft versammelt – frei nach Cranach im Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger. Foto: Esther Killyen

In der Johanniskirche hat sich eine Abendmahlsgesellschaft versammelt – frei nach Cranach im Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger. Foto: Esther Killyen

In der Johanniskirche befinden sich drei Gemälde von Lucas Cranach, Vater und Sohn, die aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Marienkirche stammen. Im Jubiläumsjahr 2015 für den lange unterschätzten jüngeren Cranach steht besonders das »Dessauer Abendmahl« aus dem Jahr 1565 im Fokus, das Jesus Christus beim letzten Abendmahl im Kreise wichtiger Reformatoren zeigt. Sie nehmen die Plätze der Jünger Jesu ein, während Fürst Joachim von Anhalt – dessen Andenken das Bild gewidmet ist – im Vordergrund kniet und Cranach selbst als Mundschenk auftritt. Es ist die einzige sicher verbürgte Selbstdarstellung des Meisters.

Dem Abendmahlsbild war auch das Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger gewidmet, in dem Cranach mit Wittenberger Freunden seinen 50. Geburtstag begeht und gemeinsam mit diesen das Konzept für das aus Dessau bestellte Gemälde entwirft. Den Cranach spielte Tizian Steffen vom Anhaltischen Theater, der zugleich Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der Johannisgemeinde ist. Die weiteren Rollen übernahmen Dessauer Kirchenvertreter und Freunde der Gemeinde sowie Pfarrerin Geertje Perlberg. Als zur Vervollständigung des lebendigen Tableaus Gottesdienstbesucher in den Chorraum gebeten wurden, nahmen unter anderem auch Dessau-Roßlaus Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck und der frühere Oberbürgermeister Klemens Koschig in der Abendmahlsrunde Platz.

Vor dem Gottesdienst war eine Spendentafel der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stadtsparkasse Dessau enthüllt worden, die die Restaurierung der Cranach-Tafeln im Frühjahr unterstützt haben. In der Johanniskirche befinden sich außer dem »Abendmahl« das Gemälde »Christus am Ölberg« von Lucas Cranach dem Jüngeren (1553) und eine Darstellung der Kreuzigung Jesu von Lucas Cranach dem Älteren (um 1515). Im Cranachjahr 2015 ist die Präsentation der Bilder in St. Johannis Teil des Projektes »Cranach-Kirchen in der Region«, in Korrespondenz zur Landesausstellung »Cranach der Jüngere«.
(mkz)

Festspiele auf dem Hügel

16. August 2015 von redaktionguh  
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Das Kunstprojekt »Kirchberg Weiden« lädt zum 13. Mal in Dorf nördlich von Weimar ein

Mit Namensdopplungen ist das immer so eine Sache. Manchmal sorgen sie für Irritationen, aber auch für Überraschungen. Im Kreis Weimarer Land gibt es gleich zwei Orte, die namhafte »Geschwister« in Bayern haben. Da ist zum einen die westlich von Bad Berka gelegene Siedlung »München« zu nennen und zum anderen der sich nördlich von Weimar befindliche Ortsteil »Weiden« der Stadt Buttelstedt. Letzterer hat natürlich nichts mit der Metropole in der Oberpfalz zu tun, in der vor 142 Jahren der Komponist Max Reger das Licht der Welt erblickte. Vielmehr handelt es sich um ein idyllisches denkmalgeschütztes Sackgassendorf mit 80 Einwohnern, dessen kapellen­artige Kirche sich auf einem Bergsporn befindet. Bereits zum 13. Male wird hierher zu den Festspielen »Kirchberg Weiden« eingeladen.

Charakterköpfe blicken ins Kirchenschiff

Die Idee zu diesem »Gesamtkunstwerk aus bildender und darstellender Kunst«, zu dem alljährlich Ende August bis zu 500 Besucher kommen, hatte die Künstlerin und Kulturmanagerin Sabine Lauer (Frankfurt/Main) bereits 2003. Seither setzt sie die inhaltlichen Schwerpunkte. So lautet das Motto 2015 »Charaktere«. Konzeption, Planung und Realisierung liegen in ihren Händen, wobei sie mit ihrem Künstlerkollegen Frank Rotter (Frankfurt/Main) einen erfahrenen Partner für die technische Umsetzung gefunden hat. Neben der Sponsorensuche, der Kunstauswahl und der Gesamtregie des Projektes pflegt die Kuratorin seit vielen Jahren eine erfolgreiche Kooperation mit der Kunstwerkstatt des Lebenshilfe-Werkes Weimar-Apolda sowie der Regelschule am Lindenkreis und dem Lyonel-Feininger-Gymnasium in Buttelstedt.

Individuelle Köpfe, die unter Anleitung von Sabine Lauer gestaltet wurden, blicken aus den Vertiefungen der Emporen in den Kirchenraum. Foto: Veranstalter

Individuelle Köpfe, die unter Anleitung von Sabine Lauer gestaltet wurden, blicken aus den Vertiefungen der Emporen in den Kirchenraum. Foto: Veranstalter

Während einer Projektwoche mit 15 kreativen Schülerinnen und Schülern im Alter von elf bis 15 Jahren stand vom 15. bis 19. Juni das Thema »Götter und Helden« im Mittelpunkt. »Erstellt wurden individuelle Köpfe, mit Attributen des jeweiligen Charakters, gehalten in der Grundfarbe weiß auf einem kassettenartigen Hintergrund«, ist von Sabine Lauer zu erfahren. Diese blicken nun aus den Vertiefungen der Emporen in den Kirchenraum. Im Außenbereich sind fantasievolle »Naturgeister« zu sehen, die unter der Anleitung von Martina Heller (Lebenshilfe-Werk) geformt wurden. Ein wichtiger Partner ist der »Verein zur Erhaltung von Kirche und Kirchberg in Weiden bei Buttelstedt«, der sich seit 1990 um die Rettung und weitere Nutzung von St. Cyriakus bemüht. Unter Federführung seines Vorsitzenden, des promovierten Ingenieurs Gerhard Setzpfand, konnte eine Reihe baulicher Maßnahmen wie die Erneuerung des Dachstuhles und eine Neueindeckung des Kirchendaches durchgeführt werden. Seit 2013 befindet sich im Dachgeschoss ein neuer Ausstellungsraum.

Seinen Anfang nimmt das diesjährige Festspiel am 15. August mit einem Gottesdienst (18 Uhr), dem sich die Eröffnung der Kunstausstellung anschließt (19 Uhr). Zu sehen sind Bilder des Malers Andreas Bauer (Erfurt), der die von ihm dargestellten Köpfe mit Attributen ausstattet, die eine vielfältige Deutung zulassen, sowie Fotos der aus Australien stammenden Künstlerin Karin Nedela (Offenbach), die imaginär-historische Porträts von Frauen zeigt, die niemals fotografiert werden konnten, da es dieses Ausdrucksmittel noch nicht gab.

Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung

Die eigentlichen Festspiel-Tage sind jedoch eine Woche später, wenn am 21. und 22. August der Kirchberg mit zahlreichen Angeboten belebt wird (Beginn: jeweils 21 Uhr). Der weltweit gereiste Marimbaphon-Solist Alex Jacobowitz entführt das Publikum in die Welt des Jazz, Klezmer, Tango und Flamenco. Das »Figurentheater Silberfuchs« von Anna Friedel präsentiert »Das Fotoalbum« von Franz Hohler. Dabei wird die Geschichte einer Begegnung im Altenheim zwischen dem lebenslustigen Rentner Vögeli und dem Musikprofessor Ehrenpreis erzählt, der in seiner Zeitungslektüre gestört wird.

Am zweiten Festspieltag wird eine »Abendliche Vorspeise« der Bewohner Weidens an die Besucher ausgereicht (22. August, 19 Uhr, Kostenbeitrag pro Person: 5 Euro). Sabine Lauer hat wieder ein abwechslungsreiches Programm konzipiert, empfiehlt den Gästen aber »für den ungetrübten Kunstgenuss« vorsorglich »festes Schuhwerk, wetterfeste wärmende Kleidung und eine Taschenlampe« mitzubringen.

Michael von Hintzenstern

Ausstellung »Charaktere«: 16. bis 20. August, 17 bis 19 Uhr, 21. und 22. August, ab 18 Uhr bis Festspielende; Festspiele: 21. und 22. August, jeweils ab 21 Uhr

www.weiden-bei-weimar.de