Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

Männermordende Jungfrau Maria?

21. Dezember 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Theologie: Maria als Symbol für die Gleichwertigkeit der Geschlechter – ein Plädoyer für die Beibehaltung der Lehre von der Jungfrauengeburt

»Geboren von der Jungfrau Maria« ist wohl der umstrittenste und am meisten lächerlich gemachte Satz des Glaubensbekenntnisses. Ein evangelischer Theologe hält dagegen.

Wie stellen Sie sich Maria vor? Wie kommt Sie Ihnen ins Bild? Vor dem inneren Auge? Auf den allermeisten Bildern wird sie dargestellt als junge, gleichwohl gereifte Frau, die um ihre Verantwortung weiß. Mein Vater sagte immer, wenn er mit Respekt von einer Frauenpersönlichkeit sprach – zum Beispiel von der Mutter eines meiner besten Freunde, die neben diesem Freund noch zehn andere Kinder geboren hatte: »Frau N. N. kann für Mutter Maria Bild stehen!« Das hat meine Vorstellung von Maria geprägt. Aber genau darin haben Vater und Sohn geirrt.

Und wie: Denn wenn man der Weihnachtsgeschichte folgt, dann ist durch die Bezeichnung, die Maria bekommt und die Luther mit der Wendung »mit Maria seinem vertrauten Weibe« (Lukas 2,5) übersetzt, eins klar: »Vertraut« heißt »rechtsverbindlich verlobt«. Aber noch nicht »heimgeholt« ins Haus des Bräutigams. Maria war »verlobt« mit Josef. Das bedeutet: Er lebte mit ihr noch nicht in ehelicher Gemeinschaft von Tisch und Bett. Aber seine Verehelichung stand verbindlich an.

Nun war in der damaligen Zeit das Verlobungsalter, in dem Eltern die jeweilige Verlobung anzettelten und justiziabel machten, zehn bis dreizehn Jahre. Maria also war keine »reife Frau«. Sondern blutjung. Ein just herangewachsener weiblicher Mensch. In der Pubertät. Gerade entwickelt. Dem Alter nach etwas jünger als unsere Mädchen, die zur Konfirmation gehen. Jedenfalls noch am Anfang eines geschlechtsbewussten Lebens. »… und sie war schwanger.« Eine Katastrophe! Das war – so ein syrisches Sprichwort – »wie barfuß über Feuer, Dornen und Steine gehen«.

Und die Weihnachtsgeschichten bei Lukas und Matthäus sind darin geradezu überschwänglich, dass sie Maria als Jungfrau darstellen. Sie war also – sprechen wir es aus – eine sehr junge Frau, die noch nie mit einem Mann Geschlechtsverkehr hatte. Auch nicht mit Josef. Aber: »… sie war schwanger.«

Jung, zart und gebrechlich, statt reif, erwachsen und mütterlich:  Die Darstellung Mariens von Leonardo da Vinci kommt wohl der biblischen Realität sehr nahe. Ausschnitt aus dem oben abgebildeten Gemälde von Leonardo da Vinci. Das Original hängt in den Uffizien von Florenz. Repro: wikipedia

Jung, zart und gebrechlich, statt reif, erwachsen und mütterlich: Die Darstellung Mariens von Leonardo da Vinci kommt wohl der biblischen Realität sehr nahe. Ausschnitt aus dem unten abgebildeten Gemälde von Leonardo da Vinci. Das Original hängt in den Uffizien von Florenz. Repro: wikipedia

Repro: wikipedia

Repro: wikipedia

Also: Jungfrauengeburt. Und das ist nun ein Glaubenssatz, zu dem in der Theologiegeschichte Reichliches gesagt, gezetert und dogmatisiert worden ist. Darüber liegt ein ganzer Theologenschutt. Lässt sich das »Glaubenssymbol« von der »Jungfrauengeburt« freilegen? Es bringt etwas Elementares zum Ausdruck: Gott selber ist in das Leben Marias eingezogen. Gott hat sie einzigartig einbezogen in die Geschichte seiner Zuwendung zur Welt und seiner Liebe zu den Menschen.

Der ewige Gott höchstselbst wird im Leib der Maria Mensch. Der Ewige zieht ein in Marias Körper, um geboren zu werden als Mensch in der Zeit. Als jemand von uns. Als Mitmensch. Und wie am Anfang aller Zeit, wie in der Schöpfung, geschieht hier die Erschaffung des Menschensohns ganz von Gott aus: »… geboren von der Jungfrau Maria.«

Und nun gibt es brisante Schlussfolgerungen aus der Lehre, dass in der Weihnacht, bei dieser Geburt am Anfang eines menschlichen Lebens, nicht der Mensch steht, sondern der ewige Gott: Hier, bei Maria, der Jungfrau, stehen nicht Klugheit, Frömmigkeit, schneidige Tüchtigkeit oder unwiderstehliches Begehren eines Mannes als auslösende Faktoren. Nicht der Mann ist die »Krone der Schöpfung«. Der verführerische Mann – hier spielt er nicht wie sonst bei so vielen gewollten und ungewollten Zeugungen die erste Geige. Er ist ausgeschaltet.
Das eher konservative Wochenmagazin »Focus« bringt es auf den Punkt, wenn es vor einiger Zeit eine Titelgeschichte über Maria so beschließt: »Maria mit dem Ei des Erlösers, das nach christlichem Glauben vom Heiligen Geist befruchtet wurde, birgt eine geradezu männermordende Botschaft: Man braucht die Kerle gar nicht. Das ganze Machogehabe ist aufgeplusterte Wichtigtuerei. Die Menschheit braucht die Männer nicht, um erlöst zu werden. Theologisch gesprochen: Die Kirche braucht nur Gott – und nichts dazwischen. Eine gefährliche These für den Bestand der Machos und ihres Klerus.« Im Ernst: Das Dogma von der Jungfrauengeburt ist wohl nicht gerade »männermordend«. Es ist aber Demütigung: die Demütigung des Mannes und all seiner Mächtigkeiten.

Und es ist Antwort auf die Frage nach der Gleichberechtigung der Geschlechter: Am Anfang (nach der alten biblischen Schöpfungsgeschichte) war der Mann das erste Werk des Schöpfers vor der Frau. Nun hat hier in der Zeitenwende, bei der Erschaffung des einen neuen Adam, zur Erlösung der Welt, die Frau das Primat: Vorrang und Vorrecht vor dem Mann. Hier steht sie im Vordergrund. In der Gestalt einer blutjungen Frau, in Maria, der Jungfrau. Also in einer Gestalt, die nicht wenige Männer so aufreizend finden, dass sie Frauen und dabei sich selber in ihrer Würde verletzen, schwer verletzen.

Maria jedoch steht dafür als Zeichen, dass es in der Schöpfung Gottes keine unterjochenden, demütigenden und verletzenden Begehrlichkeiten des Mannes geben darf. In diesem jungen Mädchen würde sich der Mann ja an Gott selber vergreifen. Sie steht aber auch dafür, dass es keine Unterwerfung und Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann geben darf, sondern nur – wirklich: nur! – Partnerschaft!

Der christliche Glaube geht nicht auf in Tatsachenspekulationen. Das Dogma von der jungfräulichen Zeugung ist ein wirkmächtiges Glaubenssymbol. Es hat in erster Linie und vor allem den Sinn, den souveränen Entschluss Gottes und das Einverständnis der einen Jungfrau zu bezeugen.Gott kommt nicht ohne uns zum Heil. In der Menschwerdung seines Sohnes rettet er die Welt und die Menschen aus ihrem Sumpf. Aber er sucht auch die Antwort, das verantwortliche Ja des Menschen, das Einverständnis, für das Maria als Vorbild gelten darf.

Wer sich nunmehr in dieser Sache in biologische Spekulationen über die Beschaffenheit des Unterleibs der Maria verliert, wer eine mögliche Vergewaltigung der Maria konstruiert oder sich in Annahmen hinsichtlich der Zeugungsfähigkeit des heiligen Josef ergeht, ist ein theologischer Einfaltspinsel.Was musste sich der arme Josef in der christlichen Bildergeschichte gefallen lassen! Wurde er doch oft als Greis gepinselt, damit auch niemand auf falsche Gedanken kommt.

Ich plädiere für die Beibehaltung und Ehre des Dogmas von der Jungfrauengeburt. Im Nizänischen Glaubensbekenntnis – formuliert 325 nach Christi Geburt beim Konzil von Nizäa –
heißt es feierlich: »Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er« – nämlich der wahre Gott in seinem Sohn Jesus Christus – »vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.« Es ist dies die Substanz des hohen Symbols, des Dogmas von der Dreifaltigkeit Gottes – Vater, Sohn und Heiliger Geist –, von der Menschwerdung Gottes durch die Kraft des Geistes im Kind von Bethlehem. Weihnachten ist auch die Feier des Dogmas von der Jungfrauengeburt. Es ruft uns, Männern wie Frauen, mit Tiefsinn und Feierlichkeit zu: Wegen dieses einen Menschen bist du Gottes geliebtes Kind; eben um des Kindes willen, das die Jungfrau Maria zu Bethlehem in der Kraft des Geistes geboren hat – »wohl zu der halben Nacht«.

Rolf Wischnath

Prof. Dr. Rolf Wischnath (67) war Generalsuperintendent der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg. Er lehrt an der Universität Bielefeld Dogmatik.

Aus Erde geformt

15. Dezember 2013 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

In der Töpferstube von Anett Lück in Hohenleipisch bei Elsterwerda hat der Endspurt auf das Weihnachtsfest schon vor Wochen begonnen.

Etwa eine Woche Handarbeit in mehreren Etappen steckt in dieser Heiligen Familie, bestehend aus Maria mit dem Kind und Josef. Eine Kundin aus dem Schradenland (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) hatte sie bereits im Sommer in Auftrag gegeben. Vor dem Weihnachtsfest muss sie fertig werden. Weil die Herstellung des Unikats sehr aufwendig ist, hat sich Töpfermeisterin Anett Lück (47) aus Hohenleipisch den Auftrag für den etwas ruhigeren Spätherbst aufgehoben.

Aufgrund der filigranen Arbeit fertigt sie aus Erfahrung jede Figur doppelt, damit eine Reserve bleibt, sollte eines der Kunstwerke den Brennvorgang nicht überstehen. Die vier Figuren der Heiligen Familie sind eine seltene Sonderanfertigung. »Wir haben uns das Thema nicht leicht gemacht«, meint Anett Lück. Gemeinsam mit ihrer Schwester Antje Bräuer, der Diplomdesignerin für Schmuck, hat sie sich auf die anspruchsvollen Einzelanfertigungen vorbereitet. Dabei sollte sowohl der ursprüngliche christliche Gedanke der Heiligen Familie als auch die Stellung der Familie in der heutigen Zeit dargestellt werden. Ziel sei es gewesen, ein Kunstwerk zu schaffen, das sowohl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Themas Familie aufzeigt. »Weihnachten verbinde ich sehr stark mit dem Familiengedanken«, sagt die Künstlerin, die selbst keine Christin ist. Umso intensiver hat sie sich mit Maria, Josef und dem Kind auseinandergesetzt und ihren eigenen Ausdruck gefunden.

Die Heilige Familie ist eine Sonderanfertigung in der Werkstatt von Anett Lück. Foto: Veit Rösler

Die Heilige Familie ist eine Sonderanfertigung in der Werkstatt von Anett Lück. Foto: Veit Rösler

Vor allem ihre Schwester habe als Designerin Impulse gesetzt. Antje Bräuer sagt dazu: »Hände und Gesicht der Figuren sind wie Boten ihrer Gedanken. Maria umschließt mit Händen und ihrem liebevollen Blick das Neugeborene. Auch der Umhang schmiegt sich um Maria mit dem Kind und bildet einen schützenden Raum um beide.« Josef sei wohl etwas nachdenklicher, fragender. Sein Blick geht gen Himmel. Der sorgenvolle Augenaufschlag und die unbedingte Liebe und Hingabe gehörten zusammen. »Die Heilige Familie ist ein traditionsreiches Bild und ein Symobl bis in unsere Zeit und widerspiegelt mit seiner Geschichte um die Geburt Christi gleichermaßen eine Familie im Heute. Sie erzählt von jenen seltenen Momenten der inneren Ruhe, die sich jeder in der Weihnachtszeit wünscht«, sagt die Designerin. Das hoffnungsvolle Lächeln um die Lippen solle das ausdrücken.

Töpferin Anett Lück ist derweil schon wieder bei einer anderen Arbeit. Während Tochter Marlene (11) und Partner Uwe (51) das Krippenspiel im Pfarrhaus ihres Heimatortes für Aufritte in den Kirchen in und um Hohenleipisch einstudieren, gestaltet sie Weihnachtsmänner, Teelichter und Räuchermännchen, fast schon in Massenproduktion. Oder doch nicht? »Nicht ganz«, meint sie. Die Produkte werden in Handarbeit gefertigt, und nicht nur das mache sie individuell. Neben verschiedenen Größen hat der Kunde die Wahl zwischen Beigaben wie Lämpchen, Weihnachtsmannsäcken oder bedrohlichen Ruten.

Weihnachtskeramik ist ein zeitloses Produkt. Vor etwa 100 Jahren mussten die Töpfer wegen der beginnenden Massenproduktion von Küchen- und Vorratsgeschirr, das bis dahin aus gebranntem Ton gefertigt wurde, auf kunsthandwerkliche Erzeugnisse umschwenken. Das gelang nicht allen.

Hohenleipisch ist zweifellos eine alte Töpferhochburg. In dem Ort wurde vor 210 Jahren eine eigene Töpferinnung gegründet. Neben 24 Töpfereien gab es 16 Ziegeleien, von denen Kunden in ganz Deutschland beliefert wurden. Der Grund dürften die reichen Tonvorkommen in der Gegend sein, nach denen sogar – noch heute sichtbar – mitten im Ort gegraben wurde. Mit der Töpferei Biebach, 1903 als Familienbetrieb gegründet, sowie der Werkstatt der Lücks sind heute noch zwei aktiv arbeitende Töpfereien im Ort tätig.

Veit Rösler